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Lotatkonsdruckund Verlag der Fuldaer Ab tiendruckerei in Fulde Fernsprecher Nr. 9.

Fulda, Montag den 26. September 1910.

Erstes Blatt

M 220.

37. Jahrgang.

* Die Frage der Unterbringung einer türkischen Anleihe,

tzber die wir uns am Samstag noch ein­gehend ausgelassen haben, hat sich inzwischen zu einer hochpolitischen Angelegenheit ent­wickelt. die in ihrem ganzen Verlauf die Gesamt­lage Europas wieder einmal grell beleuchtet.

Bekanntlich wollte die Türkei auf demütigende Bedingungen für Aufnahme einer Anleihe von 150 Millionen Francs in Frankreich nicht eingehen; sie widersetzte sich standhaft dem französischen Versuch, ich wegen der Geldgeschichte eine Vormundschaft eitens Frankreichs aufpreffen zu lasten. Die hoch- wlitische Bedeutung dieses Unternehmens trat aber erst nachher in grelle Beleuchtung, als der bedrängte türkische Finanzminister bei einem englischen Groß­kapitalisten Hilfe suchte gegenüber dem Pariser Zwangsverfahren. Die englische Regierung griff ein und nötigte Sir Ernest Cassel, von dem guten Geschäfte Abstand zu nehmen, damit die geldbedürstige Türkei den französischen Erprestern ausgeliefert bleibe.

Das englische Auswärtige Amt erklärt, daß 'eitens Sir Ernest Cassels und der türkischen Nationalbank in Zusammenhang mit den in Paris geführten Verhandlungen, betreffend die Anleihe an die Türkei, nichts unternommen werde außer mit voller Kenntnis und Billigung des Auswärtigen Amtes. Das genügt zum Verständnis der Sach­lage, und noch mehr Licht verbreitet über diese neueste Phase der englisch-französischen Entente eine Meldung der Londoner.Morning Postt aus Kon- . stantinopel:

Die Anleihebedingungen Sir Ernest Caffels waren vom Großwesir hierher telegraphiert und bereits vom Ministerrat gutgeheißen worden, als alle Verhandlungen unterbrochen wurden mit Rücksicht auf gewisse neue Bedingungen, die von ^er englischen Regierung für den Fall gestellt purden, daß die Anleihe in London untergebracht »erden sollte.

Der Vorfall beweist ein doppeltes: 1) daß die »Entente" zwischen England und Frankreich noch vollkräftig besteht und wirkt, und 2) daß die ver­bündeten Weftmächte mit dem Hilfsmittel der Schuldknechtschaft zielbewußt in den hochpoli­tischen Machtkampf eingreifen.

Im Punkte unserer Beziehungen zu England und Frankreich ist viel von einer Milderung der Gegensätze, einer Abspannung der Leidenschaften oder gar von einer Annäherung und Anfreundung gesprochen worden. Wenn auf die Friedens- und Hreundschäftsklänge eine tatsächliche Probe gemacht wird, so tritt sofort wieder der alle Wider­streit der Gefühle und Interessen zu Tage. Die Regierungen im Westen sind nach wie vor ein Herz und eine Seele in dem Bestreben, den mitteleuroäischen Kaisermächten soviel weltpolitisches Wafler abzu­graben als nur möglich ist, und die leitenden Kreise )er Bevölkerung in beiden Ländern sind mit Lust and Liebe, ja sogar mit Opferwilligkeit bei allen Maßnahmen, durch die man Oesterreich und Deutsch­land ärgern oder schädigen zu können glaubt. So­gar die englische Bank- und Börsenwelt, die doch sonst das Verdienen mit den allergrößten An­fangsbuchstaben zu schreiben pflegt, unterstützt den Einspruch ihrer Regierung gegen ein vorteilhaftes Finanzgeschäft und will die Franzosen die Sahne abschöpfen lasten. Frankreich und England finden sich wieder brüderlich zusammen mit dem still­schweigenden Hintergedanken, den Dreibundmächten, insbesondere Deutschland, eins auszuwischen, denn ebenso sehr wie gegen die Türkei ist die ganze Aktion gegen Deutschland gerichtet.

Trotz allen Entgegenkommens st« der Marokko- ache und trotz aller sonstigen Freundlichkeiten nach Westen hin haben wir mit der alten Feindseligkeit zu rechnen, und zwar nicht allein mit den Hetzereien

der deutschfeindlichen Preßverschwörung, sondern auch mit den gegnerischen Schachzügen der dortigen Regierungen.

Ferner haben wir zu rechnen mit der rücksichts­losen Verwesung der Künste und Kräfte des Groß­kapitals in England und Frankreich. Mü einer bisher unerhörten Gründlichkeit wird jetzt der Ver­such gemacht, einen geldbedürftigen Staat unter .Anleihebedingungen" zu bringen, die aus eine wahre Entwürdigung des Schuldners hinaus­laufen. Die junge Türkei, die soeben von dem .Tyrannen" Abdul Hamid sich befreit hat, würde in die Tyrannei der Banque Ottomann und durch diese unter die Suzeränität der Pariser und Londoner Regierung geraten, wenn sie die Pariser Bedingungen annähme. Unter dem Vorwande der finanziellm Garantien will man den Brotkorb für die ganze amtliche Türkei an die französische Strippe hängen. Ein so raffiniert ausgeklügeltes Miwer- waltungs- und Nebenregierungsrecht würde die junge Türkei zu einem Vasallenstaat machen. In der Ueberspannung der Geldknechtschaft zu hochpolitischen Zwecken liegt außerdem eine bedenkliche Gefahr für den Frieden; denn die Türken, deren angestammtes Selbstbewußtsein durch den Umschwung in ihrem Staatswesm neu belebt worden ist, würden sich die geplante Entrechtung und Demütigung auf die Dauer gewiß nicht ruhig gefallen laste«.

Die Aussicht auf Zuckungen, Unruhen und Streitfälle mag wohl für gcwiste unternehmungs­lustige Politiker im Westen oder auch an der Newa etwas angenehmes haben. Der Dreibund aber ist auf Erhaltung des Friedens bedacht, und deshalb ist es nicht Eifersucht oder Mißgunst, sondern die Sorge für die eigene Sicherheit und den Welt­frieden, die unsere Staatsmänner nötigt, auf die neueste« Treibereien der westmächtlichen Politiker und ihrer Preffe ein sorgsames Auge zu richten und rechtzeitig einzugreifen, wenn die Bäume der moder­nen Erpressungspolitik in den Himmel zu wachsen drohen.

Deutscher Reich.

*♦ Berlin, 25. Sept. 1910. Das Kaiserpaar ist gestern in Rominten eingetroffen und hat sich nach dem Jagdschloß begeben. — Der Kronprinz wird in Vertretung des Kaisers dem Festakte bei­wohnen, der am 1. Oktober zur Feier des Jubiläums der Unfall- und Invalidenversicherung im Reichs- tage stattfinden wird.

s. Mit der Berechnuug des Arbeitsverdienstes hatte sich die Reichs tagskommission für die Beratung der Reichsversicherungsordnung in ihren weiteren Verhandlungen zu beschäftigen. Der § 538 der Vorlage bestimmt, daß als Arbeitsverdienst das Dreihundertsache deS durchschnittlichen Verdienstes für den vollen Arbeitstag zu gelten habe. Es wurde dazu folgender nationalliberaler Antrag angenommen: .Dabei wird für Personen, die schon vor einem Unfall dauernd teilweise erwerbsunfähig waren, der­jenige Teil des Ortslohnes, welcher dem Maße der Erwerbsfähigkeit vor dem Unfälle entspricht, mindestens aber der tatsächlich verdiente Entgeltzugrunde gelegt." Weiter wurde folgende sehr wesentliche Bestimmung angenommen: Vom Beginn der fünften Woche ab ist dem Unfallkranken bis zum Ablauf der drei­zehnten Woche ein höheres Krankengeld, mindestens zwei Drittel des maßgebenden Grundlohnes, zu zahlen. Nach § 605, der ebenfalls angenommen wurde, beträgt das Sterbegeld dm 15. Teil des Jahresarbeitsverdienstes, mindestens aber 50 Mk. Dazu kommt für die Hinterbliebenen eine Rmte.

* Chemnitz, 25. Sept. 1910. Heute wurde hier die 23. Generalversammlung des Evangelischen Bundes eröffnet. Pfarrer Dr. Ko eltzsch-Dresden begrüßte die Erschienen, woran sich die Begrüßungen durch staatlichen, städtische« * und kirchlichen Behörden schloffen. Kirchmrat Dr.

Meyer, der Führer der Los von Rom-Bewegung schilderte die Ziele des Bundes. Die eigentlichen Beratungen beginnm morgen.

Ausland.

»♦ Das Schreiben des hl. VaterS an den Kardinal- vikar wegm der Schmährede des Bürgermeisters Nathan ist diesem doch eng an die Niere» ge- gangm. Er veröffentlicht eine lange Erklärung, die pflichtschuldigst von dem offiziösen Telegraphen weiter gegeben wird, und versucht sich darin zu rechtfertigen. Vergebliches Bemühen!

** Der finnische Landtag ist soeben wieder zusam- mmgetretm, freilich nicht, ohne daß die Finnländer entschieden gegen die gewissenlose Vergewaltigung durch die russische Regierung protestiert hätten. Der Landtagspräsident betonte in der Eröfnfungsrede, das vom 30. Juni, betreffend die für das russische Reich und Finnland geminsamm Gesetze, widerspreche den Grundgesetze« Finnlands und sei deshalb weder für die finnländischen Bürger, noch für die Amtspersonen und Landtagsmitglieder gültig. Da der Ministerrat nicht berechtigt sei, dem finnländischen Landtage Ge­setzentwürfe vorzulegen, halte er, Svinhufvud, es nicht für möglich, die gegenwärtig eingebrachtm Gesetzent­würfe dem Landtag- zur Verhandlung vorzulegen. Der Landtag schloß sich dem an und lehnte die Absen­dung einer Ergebenheitsadresse an dm Zarm ab.

** Das Jungtürkentum läßt sich durch den Rückhaft, den die griechisch-katholische Kirche im Abendlande hat, nicht vom scharfen Vorgehen gegen die hohe griechisch-katholische Geistlichkeit abhaften. Das Kriegsgericht in Saloniki hat wegen Beteiligung an revolutionären Umtrieben den Archimandriten von Gewgeli, Alexandras, zu acht, zwei andere Geistliche zu vier und sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt. — Die offizielle Türkei hält die Lage noch immer oder wieder für bedenklich: Der türkische Großvesir Hakki Pascha kehrt auf Wunsch der Regierung in Konstantinopel, ohne seine Rundreise beendet zu haben, sofort in die Heimat zurück. — Die Bandenunruhen scheinen denn auch wieder einzusetzen. Bei Prevesa versuchte eine griechische Bande die türkische Grenze zu überschreiten. Es entspann sich hierbei ein Kampf mit der Grenz- wache, wobei diese nach einem Verlust von zwei Mann flüchten mußte.

Volkswirtschaftlicher und Soziales.

* Berlin, 24. Sept. 1910. (Tel.) Eine Dele­giertenversammlung aus führenden Kreisen der Detaillisten. Interessent en Deutschlands beschloß die Gründung eine- Zentralaus­schusses der im Hansabund vertretenen Detail­listenkreise zwecks Wahrung der gemeinsamen Interessen des deutschen Detailhandels im Rah- men der Aufgaben des Hansabundes.

* Ein Kartell der Reichs- «nd Staats­arbeiterverbände haben in einer in Berlin ver- anstalteten gemeinsamen Besprechung der Verband Deutscher Eisenbahn-Handwerker und -Ar- beiter (Sitz Berlin), der Bund Deutscher Tele­graphenarbeiter, Vorarbeiter und Handwerker (Sitz Berlin) und der Deutsche Militärarbeiter und Handwerkerverband (Sitz München) zu gründen beschlossen, das bereits am 1. Oktober in Wirk­samkeit treten soll. Das Verbandskartell hat den Zweck, die soziale Lage der Mitglieder der ihm angeschlossenen Vereinigungen zu heben, sowie ihre wirtschaftlichen und geistigen Interessen zu fördern. Zum Generalsekretär des Kartells wur­den VerbandssyndikuS W. Heißner in Berlin,

Um Ehre und Recht.

<7] Roman von O. Elster.

Auf der Straße m,gekommen, stand er eine Weile ba, als sei er aus einem bösen Traum erwacht Er atmete tief auf. Die elende Verleumdung dünkte ihm so leicht abzuschütteln, daß seine Lippen ein verächt­liches Lächeln kräuselten. Jetzt fühlte er festen Grund unter den Füßen; klar stand ihm vor »lugen, wie sich alles abgespielt, wer der eigentliche Urheber der Ver­leumdung und wer der wirkliche Dieb war. Er dachte an die letzte Szene, welche er mit Stanislaus gehabt, er dachte an dessen haß- und racheerfüllte Miene, und es war ihm klar, daß niemand anders als er diesen «lenden Schurkenstreich vollführt hatte, um ihn zu ver­derben.

Im Vorgefühl seines Triumphes eilte er zu sei­nem Rechtsanwalt, einem jungen, schneidigen Juri­sten, der ihm bei dem Kauf Neuhofs zur Sette gestan­den hatte.

Dieser hörte ihn ruhig an, durch seine blitzenden Brillengläser Fritz mit klugen, nachdenllichen Augen beobachtend.

Dann legte er die Hand auf Fritzens Arm und ^agte langsam und bedächtig: „Ich begreife Ihre Er­regung vollkommen, lieber Herr Born — da scheint mir ein Schurkenstreich sondergleichen zugrunde zu lie­fen — aber denselben aufzudecken, ist nicht so leicht, M sie sich denken.

„Aber . . “

„Hören Sie mich eine Weile ruhig an," fuhr der Rechtsanwalt fort. „Ich will die Klage gegen die Baronin wegen Verleumdung und Ehrverletzung gern xinleiten, aber ich weiß nicht, ob wir damit einen vol- fen Erfolg erzielen werden. Tatsache ist, daß das Verschwinden der Brillantbrosche mit Ihrem Abschied von Hambach zusammenfällt, Tatsache ist, daß Sie M dem Schreibtisch der Baronin gesehen worden sind, Tatsache ist, daß das Etuis der Brosche in Ihrem Zimmer versteckt gefunden worden ist — diese Mo­mente können in der Baronin sehr wohl den Verdacht

geweckt haben. Das Gericht selbst wird sich den Tat­sachen nicht verschließen können, und wenn Sie Ihre Unschuld nicht klar nachweisen können, dann erlangen wir höchstens einen negativen Erfolg — das heißt: Sie werden allerdings freigesprochen, aber auch die Baronin wird kaum mü einer Strafe belegt werden, da sie ja nur die Tatsachen wettererzählt zu haben braucht, die Schlüffe daraus den anderen Leuten übeckaffend. Haben Sie mich verstanden?"

„Sehr wohl — aber wie kann ich meine Unschuld klar dartun?"

„ »Da liegt eben der Halm. Der beste Beweis wäre, wen« man den wahren Dieb entdecken könnte." »Das ist Prokowsky!"

.. "Das ist Ihre Ansicht. Dickletcht ist sie auch iich° 4* ®ie wollen Sie das beweisen? So viel ch weiß, ruht nicht ein Schimmer von Verdacht auf k nicht der Dieb zu sein, das geben rL3“ auch ein anderer kann die Brosche genommen haben."

~ welchem Grunde?"

"Nun, weshalb stiehlt der Mensch? - Um sich tin?btr^etoti6 Prokowsky nö­

tig? Ich weiß es nicht."

„So müßte man ihm Nachweisen, daß er diele Schulden plötzlich bezahlt hätte, und ihn nötigen nach­zuweisen, woher er daS Geld genommen. Aber das ist eine schwierige Sache und kann sehr lange dauern. Welche Verdachtsgründe wollen Sie aber sonst aeaen jenen Herrn anführen?"

„Ich weiß keinen, als daß er in der fraglichen Nacht mit einem anrüchigen Menschen zusammenge- troffen ist?"

„Sehr gut — kennen Sie diesen Menschen? — Wissen Sie, wo er zu fmben ist?"

„Nein."

„Aha — der „große Unbekannte" würde der geg- necksche Anwalt kalt lächcknd und nicht mit Unrecht sagen. Rein, lieber Freund, so geht die Sache richt.

„Mer was soll ich den« machen?" rief Fcktz ver- zweifelt aus.

„Wir müssen da vorstchttg vorgehen. Lassen Sie mich über die Angckegenheit nachdenken. Es wird sich wohl schon ein Weg finden. Einstweilen werde ich der Baronin in Ihrem Auftrage einen Brief schrei­ben, in dem ich sie auffordere. Ihnen eine Ehrm- erklärung zu geben, widrigenfalls sie eine Klage auf verleumderische Nachrede zu gewärttgen hätte. Sind Sie damtt einverstanden?"

„Ich muß wohl," erwidecke Fcktz niedergeschlagen.

„Veckierm Sie den Mut nicht. Vielleicht entde­cken wir doch einen Umstand, wckcher uns zum Zicke fühck."

Fcktz entfernte sich, niedergeschlagen und mutlos. Er hoffte nichts mehr, er gab sich verloren.

Er ließ anspannen und fuhr langsam unb in dü­steren Gedanken versunken nach Neuhof zurück.

Das Wetter paßte zu seiner Sttmnmng. Der Wend dämmecke, und ein feuchter Nebel hüllte die Gegend in einen grauen, düsteren Mantel, sodaß man kaum zwanzig Schritt wett sehen konnte. Die Bäume an der Chaussee, die Büsche auf ben Feld em, alle Gegenstände schienen sich ftöstelnd in diesen graum Mantel einzuhüllen und standen regungslos als un­förmliche Gestalten da. Als feiner Regen rieselte der Nebck nieder, als feuchter Dampf stieg er vor der som- meckich durchwärmten Erde auf.

Kckn Stern, kein Mondenstrahl konnte diese graue, dunkle Nebelschicht durchdckngen, und die einsamen Lichter der Dorfhäuser, an denen Fritz vorüberfuhr, leuchteten gleich roten Augen durch die stets zuneh­mende Finsternis.

Durchnäßt, ermattet, zermalmt von den quälmden Gedanken erreichte Fcktz seinen Hof. Aus dm Fen- stem seines Wohnzimmers schimmecke ihm Licht ent­gegen, ein traulicher Heimatsgruß noch vor wenigm Tagen, jetzt nur ein schwermütiges Zeichen seiner Einsamkckt

Niemand als die alte Wirtschafterin erwartete ihn, mit niemanden konnte er über seine Sotzge, seine Qual sprechm!

Müde und langsam stieg er von dem Jagdwagen,

zum prov. Vorsitzenden H. Severin in Berlin gewählt.

— Eine Aussperrung droht den Textilarbcktem in der Lausitz. Der Arbeitgeberverband macht durch Aushang bekannt, daß sie ihre Bettiebe vom 5. Okt. ab bis auf weiteres schließen, falls nicht bis zum 27. Sept, abends die in Forst in einigen Betriebe« streikenden Spinnereiarbeiter ihre Arbeit zu den alten Bedingungen wieder ausgenommen haben. Die aw gedrohte Ausspermng wird ungefähr 25000 Textil­arbeiter betreffen.

Aus Uirche und Schule.

*,♦ Lehrerexerzitien. Heute abend um 6 Uhr nehmen die Lehrerexerzitien mft der Anrufung deS hl. Geistes und darauffolgendem sakramentalem Segen in der Bonisaliusgrust ihren Anfang. ES werden 89 Herren Lehrer an derselben teilnehm««.

■f Obrrbimbach, 24. Sept. 1910. Heute wurde hier zu Ehren des scheidendm hochw. Herrn Dechanten eine Abschiedsfeier veranstaltet, wozu die Kinder unter Leitung der Lehrkräfte, der Kirchenvorstand und die Gemeindeveckretung und zahlreiche Pfarr­kinder erschienen waren. Herr Hauptlehrer Schick- sprach in schlichten, warmen äßorten dem scheidenden Hirten den Dank der Psarrei für die 16 Jahre seiner Wüksamkeit aus. Tiesergriffen dankte der hochw. Herr Dechant für die Abschiedsworte und anerkannte treue Gesinnung seiner lieben Pfarr­kinder, die sie auch in Zukunft gegen die hl. Kirche bewahrm möchtm. Es folgte daraus die Uebergabe eines Abschiedsgeschenkes, wobei festlich gekleidete Kinder Abschiedsgedichte vortrugen. Die schöne Feier schloß mit einem seelenvollen Abschiedslied. Allen überreichte der hochw. Herr Dechant eine kleinl Gegengabe unter nochmaligem Ausdruck des DankeS.

„!" Aus der Rhön, 25. Sept. 1910. Am Donnerstag den 22. d. M. fand im Schulsaale zu Schmalnau die diesjährige amtliche Konfe» ferenz des Kreisschulinspektions-Be« zirkeS Weyhers statt. Nach der Abfingung eines Liedes zum hl. Geiste hieß der Vorsitzende, Herr Kreisschulinspektor und Dechant Medler- GerSfckd, die anwesenden Damen und Herren herzlich willkommen, besonders auch zwei Gäste, die Herren Lehrer Golbach (Essen) und Lotter (Aufenau). Sodann erteilte er dem Herrn Lehrer Sch ramm-Lütter das Wort zu dem Vortrage: „Wie erhält sich derLehrer die Berufs« freudigkeit?" Mit lautem Beifall wurde der herrliche, so ganz aus der Praxis entnommene Vortrag von den Konferenz-Teilnehmern ausge­nommen. Das Korreferat hatte Herr Lehrer K o l l - Poppenhausen. Nachdem noch einige amtliche Schreiben verlesen worden waren,- wurde die Kon­ferenz geschloffen. — Das Mittagsmahl wurde im Saale des Gastwirtes Heckenlauer einge­nommen. Herr Kreisschulinspektor Medler toastete auf die beiden höchsten Gewalten, Papst und Kaiser, und Herr Lehrer Lotter-Weyhers auf den Herrn Kreisschulinspektor. Im Laufe des Nach­mittages entwickelte sich eine recht gemütliche Stimmung.

-O- Simmershausen, 25. Sept. 1910. Die hiesige Lehrerstelle ist zum 1. Oktober Herrn Leh­rer Kümpel, bisher in Rabenstein (Kr. Schlüch­tern) übertragen worden. i

Herbstein, 25. Sept. 1910. Jetzt, nach­dem die durch den großen Brand zerstörten Leh­rerwohnungen neu errichtet sind, hat die Groß- herzogl. Kreis-Schul-Kommission 2 Lehrerstel­len zur definitiven Besetzung ausgeschrieben. End« der Bewerbungsfrist ist der 29. September. — Wie wir hören wird anfangs Oktober das neue

den er selbst gelenkt hatte, und reichte die Zügck de» Herbetellendm Kutscher.

Dann trat er in baS Haus.

Die alte Wirtschafterin kam ihm entgegen.

„Ach bu mein Himmel, Herr Born," flüstecke ste in augenscheinlicher Erregung, „es ist gut, daß Sie endlich da sind. Ich wckß nicht mehr, was ich benten soll."

„Was ist benn geschehen?" fragte er gleichgültig.

Wen« sein Haus niedergebrannt wäre, es hätte Ujn nicht erregt, so gleichgültig erschien ihm die ganze Welt.

„ES ist Besuch ba."

„Besuch? — Um biefe Stunde? Wer ist es benn?*

„Schon seit zwei Stunben sitzen sie brlnnen in Wohnzimmer"

„Wer benn? — zum Kuckuck!"

„Zwei Samen — ich kenne sie nicht — sie müß­ten Sie sprechen, sagm sie, unb sie wollen nicht fort» gehen, ehe Sie heinckämen."

„Zwei Damen?"

„Ja — eine alte unb eine junge — unb sie spre­chen in einer fremben Sprache."

Fcktz Höck kaum noch, was bie Alte sagte. Rasch schritt er auf sein Wohnzimmer zu unb öffnete die Tür.

Auf cknem StuA am Tisch saß eine große, hagere Frauengestalt in einen dunklen Mantel gehüllt, eitu andere, augenscheinlich die jüngere, schcktt unruhig i» Zimmer auf und ab.

Als die Tür sich öffnete, wandte sie sich hastig um

„Da bin ich, Fritz" — sagte sie.

Er prallte zurück —

„Erika?!" rief er erstaunt und maßlos überrascht.

„Ja, Fcktz — ich bin es", kam es in ernstem Tone zurück. „Ich bin zu dir gekommm, um bei dir zu bleiben — oder schickst bu mich wieder fort, weil — weil ich die Tochter meiner Mutter bin!"

Fcktz wußte nicht, was er erwidern sollte. D« er­hob sich bie verhüllte Frauengestalt am Tisch und lieh ben Mantel sinken.

Fcktz sah in bas blaffe ernste GestG Miß BahleyS (Fortsetzung folgt)