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JV3 213.
Erstes Blatt.
Fulda, Samstag den 17. September 1910.
37. Jahrgang.
dern zu retten!
nialamte ist her Bürgermeister von Metz, Geh
in Straßburg beschäftigt war, geht der Ruf eines
len voraus.
X Bon einem auffälligen Verbot der fron«
eines Urwaldes. Kaiser Wilhelm war schon öfters hier zu Gast.
* Znm Unterstaatssekretär im Reichs-Kolo-
Es zeigt sich immer deutlicher, daß die jetzige liberale Politik einen selb st mörderischen Charakter hat.
da manche Bauern fogen werden: Wir haben jetzt besseres zu tun, als einen Großblockbruder vor dem an-
Iahren mitten im polUifchen Kampfe. Mochten die Wogen noch so hoch gehen, noch nie hat er zu unanständigen Waffen gegriffen, und bis heute hat es keiner feiner Gegner gewagt, die Lauterkeit feines Charakters anzuzweifeln und ihn in solch unanständiger Weise zu belämpfen. Dem jugendlichen Redakteur der ,Asch. Ztg.' blieb es vorbehalten, ihn, den Ehrenmann und greisen Führer unserer Partei, mit Schmutz zu beweisen. Er spricht von einer „sauberen Firma", „Hausschen Erpresserpolikik", Hausschen Revolverjour« nalistik" und „Verleitung zum Ehrenwort- bruch". Der Höhepunkt seiner Schreibweise wurde gestern erreicht mit den Ausdrücken: „Halunke"', „größter und gewiffenlosester Lump der zentrümlichen Horde", „schwarzer Bube", „keifenderLund".
Und dieses Vlatt erscheint nicht etwa wie der bayerische Arizonakicker, der Nordhalbener Grenzbote, in einem entlegenen Neste. Es würde sich sehr beleidigt fühlen, wenn man es als Käseblatt behandeln wollte; fühlt es sich doch als Vertreterin der Aschaffenburger liberalen „Intelligenz" und Kapitalwelt. Der Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft, die das liberale Blatt herausgibt, besteht aus einem kgl. Oberforstrat, einem kgl. Profeflor, dem Direktor einer großen Ak- tienpapierfabrck, einem Kaufmann, der Magistratsrat ist, und einem Bankdireftor. Und dieser hochgebildete Aufsichtsrat duldet eine derartige Tonart!
,Q. Die Schaumwein-Steuer ergab für da? Rechnungs.ahr 1909 nach der soeben erschienenen Statistik einen Reinertrag von 9,157,899 A (gegen 5,777,679 M. im Jahre 1908) unv unter Hinzurechnung der erhobenen Schaumwein-Rach» steuer in der Höhe von 3,235,943 M einen Ge- amlertrag von 12.393,842 •*
Ausland.
** Datz Dentschland in der s ozialpolitif ch en Gesetzgebung allen übrigen Kulturländern um mehrere Pferdelängen voraus ist, ist eine Tatsache, die sogar die sonst selbstbewußten Engländer offen anerkennen. Der englische Finanzminister Lloyd George hielt in London eine Rede, in der
zur Einweihung des dort errichteten würNembergischen Denkmals ist von der französischen Regierung verboten worden. Die diplomaiifchen Verhandlungen haben ergeben, daß die Einweihungsfeier in der geplanten Ausdehnung — es sollten einige hundert Württemberger Veteranen von 1870/71 an der Feier teilnehmen — nicht stattfinden kann. Es wird an der Einwethungsfeier nunmehr eine Deputat! on von 25 Veteranen teilnehmen. Für die Fahrt selbst hatten sich über 300 Veteranen gemeldet.
Der regierungsfreundliche ,Berliner Lokal- Anzeiger' bemerkt dazu: „Da das Verbot erst nach diplomatischen Verhandlungen mit der deutschen Regierung ergangen ist, kann man wohl nicht von Rücksichtslosigkeit sprechen; viel- leicht läßt es sich durch Beweggründe lokaler Ratur rechtfertigen. Bedauerlich aber bleibt es in jedem Fall, daß den allen Kriegern die Teilnahme an dem Ehrentage von Champigny verwehrt werden mußte." Mit derselben Beurteilung des Falles müssen auch wir uns einstweilen begnügen, obwohl wir nicht recht verstehen, welche Beweggründe lokaler Natur da in Frage kommen sollten. Der Tag von Champigny ist ein Ruhmesblatt der Wütttemberger. Bon Paris aus unternahm eine französische Armee am 30. November einen großen Ausfall gegen Südosten, wo man das Eingreifen der Loire-Armee erhoffte. Bei Brie und Champigny kam es zu blutigen Kämpfen, in denen namentlich die Württemberger glänzendeSiegeslorbeeren errangen. Tie Franzosen mußten wieder zurück und General Ducrot, der in seinem Armeebefehl geschworen hatte, entweder tot oder als Sieger nach Paris zvrückzukehren, traf lebend, aber besiegt dort wieder ein.
(♦) Ein „vornehmer" Ton herrscht in der Redak- tion der nationalliberal-demokratifch-fozialdemokrati- fchen Aschaffenburger Zeitung, einem Blatte, das in Bayern nachgerade eine Berühmtheit erlangt ob der Meisterschaft, mit der es den „Sauherdenton" aus der befteundeten sozialdemokratischen in die liberale Presse überträgt. Wie dieser Ton beschaffen ist, zeigen einige Proben, die wir in einem Artikel des Aschaffenburger Zentrumsblattes, des Beobachter vom Main (Nr. 24) finden. Da liest man:
markung der liberalen Haß- und Hetzpolitik. Seit fünfviertel Jahren schürt man systematisch, mit allen Schreib- und Redekräften die I Reg.-Rat Dr. jur. Paul Böhmer ernannt wor- Verachtung der „Schwarzblauen' und die Unzu- foen. Unterstaatssekretär Böhmer, der vor seiner
--4. b" »« Jtaifert. R'gi-mn,
Wählern gehen auch die liberalen Mandate I voraus. ____ _
verloren. Ihren beträchtlichen Mandatsgewinn hat! , „ _____
die Sozialdemokratie fast gänzlich den liberalen Par-! zöfischen Regierung, durch welches roüutem»
Deutsches Reich.
r Berlin, 16. Sept. 1910. Der Kaiser ist heule mittag im Hofzug m Kißköszeg in dem ungarischen Bellyer Jagdrevier eintroffen und mit Erzherzog Friedrich und der Erzherzogin Isabella zu dem gegenseitigen Ufer gefahren, wo sie sich aufdiePirfche begaben. Das Bellyer Gebiet ist eines der großartigsten Jagdreviere der Welt. Es besteht aus herrlichen Wäldern, die durch zahlreiche Sümpfe und Teiche unterbrochen werden. Hier haust eine Vogelwelt, die ihresgleichen in ganz Europa nicht hat, während in den Auen und Wäldern ein prächkiger, eigentümlicher Hochwildschlag vorkommt. Der Wald hat stellenweise ganz den Charakter
Die Moral von der Geschichte ist für alle, die nicht von Leidenschaft verblendet sind, ganz klar und eindringlich: die bürgerlichen Parteien müssen zusam- i menhalten, wenn sie die Eroberungen der Sozialdemokratie einschränken wollen, und dieses Zusammenhalten liegt noch mehr im lik eralen Par- teiintereffe, als im konservativen oder Zentrumsinteresse. Die Wahlhllfe kann aber nur auf Gegenseitigkeit beruhen. Fahren die Liberalen in ihrer Großblocktaktik fort, so lichten sie nicht bloß ihre eigenen Wählerreihen, fonbem sie machen es auch den konservaüven und den Zentrumsführern unmöglich, zur Stichwahlhilse für einen Liberalen gegen die Sozialdemokraten die nötige Anzahl Wähler mobil zu machen.
er die Lage der deutschen Lehrer mit der der englischen verglich. Deutschland habe die Frage der Lehrerdesoldung gelöst. Eine Ration, welche die Bedeutung des Lehrers im Leben des Volkes erkenne/ ei wert, in chren besten Einrichtungen nachgeahmt zu werden. Der Finanzminifter kündigte ferner an, daß er im nächsten Jahre einen großen Ver- icherungsentwurs vorlegen werde, durch den der gewöhnliche Tagesarbeiter der quälenden Sorge um das tägliche Brot enthoben werden solle. Ein derartiger Entwurf fei in Deutschland schon Gesetz. Er hoffe aber, daß der in England einzuführende Entwurf besser sein werde, als der deutsche.
* Zu Ehren des belgischen KönigspaareS fand am Donnerstag >m Palast Amsterdam ein Galadiner tait. Die Königin Wilhelmine sprach in einem Trinkspruch den Wunsch aus, daß die Beziehungen zwischen Belgien und Holland andauern mögen. Darauf trank König Albert auf das Wohl der holländischen Königssamilie und auf die Wohlfahrt des Volkes. Es werde ihm immer, sagte er, Herzenssache sein, die Bedingungen zur Freundschaft und guten Nachbarschaft, zwischen der Bevölkerung Belgiens und der Niederlande zu fördern.' Abends folgte großer Zapfenstreich vor dem Palast. Das Gedränge war schrecklich, 60 Personen wurden ohn- mächtig, einige leicht verwundet.
** Abermals schwere Streikausschrriinngen in Frank- reich. Aus Choisy le Roi wird gemeldet: Hier wurden etwa ein Dutzend Erdarbester von etwa 200 Ausständigen überfallen und durchge- prügelt. Als etwa zwanzig Schutzleute zur Hilfe- leistung herbeieilten, wurden sie von den Ausstän- dtgen schwer mißhandelt. Die Ruhestörer £!»niStez£etl herauf sämtliche Werkzeuge. Erst als Gendarmen heranrückten, flüchteten die Ausstandtgen. Doch wurden vier von ihnen verhaftet.
4. Schwächere Abnahme der konservativen Stimmen.
Man muß befonders beachten, daß der Rückgang der bürgerlichen Stimmen sich nicht gl ichmäßig auf dte Linke und Rechte verteilt. Im Wahlkreise Frankfurt a. O. haben die Liberalen gegen 1907 runö 2300 Stimmen verloren, die konservative Partei nur gegen 1100; will man annehmen, daß von den 1907 gezählten paar Hundert Zentrumsstimmen jetzt ein Teil sofort dem konservativen Kandidaten zugefallen, so würde der Stimmenverlust der konservativen Partei vielleicht auf 1200 zu bemessen sein. Immerhin ist der liberale Verlust um mehr als 1000 d. h. um die Hälfte größer, als der konservative Verlust.
Dieser Punkt bildet das wesentlichste! Kennzeichen der neueren Wahlbewegung. Darum suchen auch die liberalen Blätter ihre Leser darüber hinwegzutäuschen. Alsbald wurde kräftig hervorgehoben, daß die konservativen Stimmen zurückgegangen feien. Der stärkere Rückgang der liberalen Stimmen aber wurde entweder ganz verschwiegen oder doch nur in unauffälliger Weise nebenbei erwähnt. Ja, wir haben in einem „großen" liberalen Blatte die grobe Umkehrung der Wahrheit gefunden, nämlich die kecke Lüge, daß die Konservativen I mehr Stimmen verloren hätten, als die Liber len. I Dieskrampfhaslen Entstellungsversuche sind begreiflich; I denn die Tatsache, daß die Liberalen die größten I Verluste zu tragen haben, ist eine wahre Brand-!
Die Ersatzwahl in Frankfurt a. O. I teie£ ^»gejagt. Auch das Mandat von Frankfurt v I a. O.-Lebuv, das aller Wahrschemllchkelt nach den
Die endgiltige Entscheidungin der Reichstags- Roten verfallen ist, muß auf dem liberalen E.'satzwahl in Frankfurt a. O. wird erst die Stich-1 Verlustkonto gebucht werden.
wähl in nächster Woche bringen aber die Mehr- Den Verlust haben die Liberalen aus schließ- heit der bürgerlichen Parteien ist so genng, daß lich sich selbst zuzuschreiben. Di- konservative schon i-tzt sagen kann daß wahrfchemlrch m PE hat im Frankfutter Wahlkreise getan, was sie
wahrscheinlich die Stichwahlparole für den national-1 Cchtet^mib etterfefretär ^aL^^fon^eröQtiDen
fcbreibt * I Liberalismus hatte da-
1 ' . . . . , , , v , ■ | gegen bei der KandidatenwaU auf die künftige Stich-
’S«blÄST be, der Stich- wahlhilfe von rechts keine Rücksicht genommen; fein Zu dem Zwecke ist aber erforderlich, 'daß bte Wähler r^Tb da' ent tokh cbl£?' "Ä*
des konservaüven Kandidaten, Arbeitersekretär Dunkel, I “nfr§ “5. entschiedener Jungliberaler. Wenn nun die Mann für Mann dem Nationalliberalen Dr. Winker I konserbativen Führer trotzdem in der Stichwahl alle ihre Stimme geben. Und nicht nut das. Die Kon-1 ihre Leute für diesen Jungliberalen mobil zu machen servakiven müssen ihre patriotische Opferwilligkeit auch I suchen, um womöglich das größere Uebel, den Sieg insofern betätigen, als sie unter den säumigen Wahl-1 bes Sozialdemokraten, zu verhindem, so ist das gut 7000 ihre staats- und schön, aber g e l i n g e n w i r d e s wo h l n i ch t.
zeugt, daß unsere Parteifteunde im Wahlkreise Frank-1 e^n ~?9f et"11?“1 a„n bie 1Tcne bringen, sondern
furt-Lebus nichts unterlassen werden, um den Sieg des I f™? no* s» der Landoebolkerung einen Teil der bis- Sozialdemolraten zu verhindern." I hettgen Nichtwähler mobil machen zu Gunsten des
Jedenfalls müßten enorme Anstrengungen ge- ^'Ä'beralen, um bic Reformen der Sozialdemokratie macht werden, wenn die Liberalen und Konserva- unschädlich zu machen. Das erscheint kaum in ö g- tiven mehr Stimmen auf bringen wollen, als der I!' $’ , Lern schönen Herbstwetter erst recht nicht, sozialdemokratische Kandidat, der im ersten Wahl- "”*** ' 1 ‘ 1
gang nur um 165 Stimmen hinter der absoluten Mehrheit zurückgeblieben ist.
Im Wahlkreise Frankfurt a. O. ist es ähnlich lugegangen wie bei fast allen früheren Ersatzwahlen. Immer dieselben Erscheinungen: i, 1- Abnahme der Wahlbeteiligung.
2. Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen.
3. Stärkere Abnahme der liberalen Stimmen.
Noch in aller Erinnerung ist es, daß aus Anlaß einer Polemik die Angehörigen der hiesigen Zentrumspartei, welche sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammenfetzt, angefangen vom einfachen Arbeiter bis zum hohen Beamten, mit dem unerhörten Wort „Lumpengesindel" beschimpft wurden. Dem verdienten Abgeordneten des Wahlkreises, Geritenberger, dessen Hilfe und Unterstützung auch schon von zahlreichen Liberalen nicht verschmäht worden ist, wurde« Worte wie Lügner, Ehrabschneider, Verl e umd er und Heuchler ins Gesicht geschleudert. Das ,Fränk. VolksblMti, deffen Chefredakteur Gerstenberger ist, nannte Redakteur Matthes eine „Dung grübe" und spricht dabei von „Gelichter, das nicht die Hand, sondern die Peitsche verdient". In den letzten acht Tagen mußte die Sedanfeier dem Redakteur Matthes den erwünschten Anlaß bieten, abermals einen seiner versönlicheu Angriffe loszulaflen. Was sich bei dieser Gelegenheit der genannte Herr an Schimpfworten alles erriete, steht noch in lebhafter Erinnerung. Hier ölgende Blütenlese: „dummdreister Verleumder, trauriger Kerl, Häuflein Elend, erbärmlicher Mensch, b anditenhafte Gehässigkeit, zen- trümliche Schurkenstreiche" usw. Als die Redaktion der ,Asch. Zlg/, in dte Enge getrieben, überhaupt nicht mehr rounle, was sie sachlich erwidern solle, ging sie dazu über, den Führer der Zentrumspartei, Hrn. F. M. Haus, einen bei Freund und Feind in gleich hohem Ansehen stehenden, um die Stadt verdienten Mann, in der gemeinsten Weife zu be- fchimp'en. Hr. F. M. Haus steht seit mehr als 40
bergische Kriegsteilnehmer von 1870 betroffen werden, wird aus Stuttgart wie folgt berichtet: Die Beteranenfahrt nach Champigny
Um Ehre und Recht.
21] Roman von O. Elster.
In stolzer Fassung stand die Daronin da und empfing den Ausdruck des Beileids; fast jedem reichte sie die Hand oder hatte doch ein dankendes Neigen des Hauptes für den sich Verabschiedenden. Ihr Gesicht Leigte den Ausdruck eines sausten, fassungsbollen Tchanerzes, den jeder bewundern mußte.
Sie wußte, was sich für eine Baronin Hambach- Waldstätten ziemte.
Doch plötzlich zeigte ihr Gesicht einen Zug der Ueberraschung, der in den Ausdruck eisigen Hochmuts und starrer Zurückhaltung überging. Ihre Stirn rötete sich, ihre Lippen bebten wie im getoaltfam unterdrückten Zorn und grenzenlofer Verachtung.
Fritz Born stand vor ihr und Verneigte sich ehrerbietig.
„Gestatten Sie mir, gnädigste Frau Baronin", sprach er mit bewegter Stimme, „daß auch ich mein herzlichstes Belleid Ihnen zu Füßen lege. Der Tod des von mir so hoch verehrten Herrn Barons hat mich tief ergriffen."
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Antwort — hnA Stimme. Er ermattete eine und sah, wie ^aute, CT
iU beachten, die . *“omn abwandte, ohne ihn ohnes legte ihres Schwieger-
' .Führe mich fort, fi Stimme sagte:
Mama , suchte dieser ekelt."
ein Schleier hatte sich vor seine Auge! «K "Hr, > i"e=«
Zichea *
^Jch danke Ihnen, Fritz", sprach sie mit lauter wenn auch bebender Sttmme, „daß Sie gekommen sind. Mein armer, guter Papa hat noch in seiner letzten Stunde von Ihnen gesprochen und mir Grüße für Sie ausgetragen. Er hat Ihnen Unrecht getan — er hat eS erkannt und läßt Sie durch mich um Verzeihung bitten."
„Erika?!"
Mit scharfer, fchneidender Stimme rief es die Baronin, ihre Augen blitzten — ihre Lippen zitterten — der Rittmeister, welcher den Ausbruch ihrer Heftigkeit fürchtete, fühtte fte rasch hinweg.
Fritz atmete tief auf.
„Ich danke Ihnen, Erika."
Roch ein tiefet, inniger Blick, dann wandte er sich rasch ab, er wollte die Szene, die schon anfing Aufsehen zu erregen, nicht noch verlängern und auffälliger machen.
Erika aber folgte ihrer Mutter, ein stolzes, fast Mckliches Gefühl im Herzen.
xn.
Mit verächÜichem Lachen warf die Baronin den Brief auf den Frühstückstisch, an dem fte. Miß Bay- leh, Erika, Stanislaus und dessen Mutter, Frau Julia von Prokowskh, saßen, die feit einigen Wochen schon zum Besuch auf Schloß Hambach wellte und immer noch keine Mene machte, den gastlichen Aufenthalt abzlckürzen.
Du hast einen ärgerlichen Brief erhielten, liebste Adckbeib?" fragte Frau von Prokowskh mit süßlicher Anteilnahme.
Sag lieber, einen albernen Brief", entgegnete die Baronin. „Da lies selbst - ober besser noch, Stanislaus lieft den Brief vor, damit gleich alle wissen, woran sie sind/
Sie reichte den Brief Stanislaus, der ihn mit höflicher Verbeugung empfing und entfaltete.
„®on Herrn Born?" sagte er erstaunt.
-Ja von ihm — lesen Sic nur.'
Stanislaus räusperte sich und las:
„Hochverehrte Frau Baronin! Gnädigste Frau!
Hierdurch beehre ich mich. Euer Hochwohlgeboren auzuzeigen, daß ich das Rittergut Neuhof des Herrn Hugo Wietholz käuflich erworben und am 1. April übernommen habe. Ich halte es für meine Pflicht, Gaier Hochwohlgeboren dies anzuzeigen, da Neuhof mit feinen Feldern und Wiesen an das Areal Hambachs grenzt und ich somit der Guisnachbar Euer Hochwohlgeboren geworden bin. Ich bitte um sreuno- nachbarliche Gesinnung, wie ich selbst mich bemühen tverde, Ihnen in jeder Weise Entgegenkommen zu be= toeifen. Ich gebe mich habet der Hoffnung hin, daß Sie, gnädigste Frau Varonin, die Reine Verstim- tnung, die ohne mein Verschulden zwischen uns entstanden zu sein scheint und die ich selbst längst vergessen habe, ebenfalls vergessen haben, da ja auch Ihr von mir hochverehrter Herr Gemahl eingesehen hat, daß ich nicht so schuldig war, wie es den Anschein hatte. Ich habe noch immer nicht die hochherzigen Sorte her Baronesse Erika vergessen, welche diese bei der Beisetzung des Herrn Barons an mich zu richten die Güte hatte. Ich gedenke dieser Watte mit innigstem Dank und bitte um die Ettaukmis, bei dieser Gelegenheit her Baronesse meinen Dank zu Fußen legen zu dürfen.
Ich verbleibe allzeit Euer Hochwohlgeborenen hochachtungsvoll ergebenster Neuhof, h. 5. April 19 . . Fritz Born, Ritterguübesitzer.
Stanislaus ließ den Brief sinken und sagte lächelnd: „Nun, da kann man Herrn Vorn ja gratulieren, Neuhof soll, wie der Inspektor Grupe sagte, ganz heruntergewittschaftet sein."
„Darauf kommt es hier nicht an', entgegnete die Baronin scharf. „Ob Herr Born auf Neuhof Geschäfte macht oder nicht, ist mir ganz gleichgültig, aber eine Frechheit sondergleichen ist es, einen solchen Brief an mich zu schreiben."
„Weshalb, Mama?" fragte Erika, indem eine helle Flamme ihre blassm Wangen überstrahlte. Ich hakte dm Brief für eine freundliche Aufmettiamkeit"
Ihre Mutter maß sie mit einem strengen Blick.
„Ich weiß, daß Du Herrn Borns Pattei schon seit langer Zett zu nehmen pflegst. Ich verzeihe es Dir, denn ich kann mit Dir über das, was dieser Herr getan hat und was uns auf ewig von mir trennt, nicht sprechen. Deshalb habe ich auch die TattlosiMt bei dem Begräbnis Deines Vaters ver- ziehm. Aber ich warne Dich — solltest Du fortfahren, Borns Pattei zu nehmen, vielleicht sogar wieder Beziehungen mit ihm ankmipfen, dann müßte ich jede Schonung beiseite setzen und diesen Menschen unschädlich machen."
„Ich glaube kaum", erwiderte Erika stolz, „daß Dir das, gelingen würde, Mama. Fritz Born hat weder Dir noch irgmd jemanben einen Schaden zugefügt."
Die Baronin lachte scharf auf.
„Ich werde Dir sagen, welchen Schaden er mir zu gefügt hat", sagte sie zornig. „Er ist ein Mensch, der nicht mehr in anständige Gesellschaft gehört, er hat . . ."
„Ich bitte Sie, gnädigste Baronin", unterbrach sie Stanislaus. „Lassen Sie die alten Geschichten auf beruhen, Sie schaden Ihrer Gesundheit durch Ihre Errchnng."
„ -Die haben recht, lieber Freund. Lassen wir die alten Geschichten. Aber Du, Erika, kennst jetzt meine Meinung, und ich hoffe, daß Du Dich nach ihr richten wirst."
„Nicht eher, als ich mich von der Schuld Borns überzeugt habe, Mama."
„Erika!"
Wieder schwollm die Zorn es adern auf der Stirn MarOsi,LOrV lest- sich Miß Bahley ins Mittel und bat, die Hand auf Erikas Arm legend:
.stammen Sie, Erika — Sie müssen nicht fo hm8~ to r wEen doch einen Gang durch ben^arf macpen. Sie erl. iben doch, Frau «BarS
fSehen Sie", stieß fle ärgettich hervor froh, daß das unerquickliche Gespräch ein Ende fand' (Fortsetzung folgt.)_________________