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Mtttwoch -en H- September X910.

37. Jahrgang.

* Tuldaer W

Zeitung«

? 2. Blatt.

Druck und Verlag der Zuldaer Retiendruckerei in Znlda.

Aus -em Nachbarg-blete.

* Münnerstadt, 13. Sept. 1910. Die Manö­ver in der bayerischen Rhön haben mehrfache Un­fälle auszuweisen. In Münnerstadt gingen die vier Pferde eines Gepäckwagens des 5. Feldartillerie­regiments durch und rannten gegen ein eisernes Steggeländer, wobei sie sich so schwer verletzten, daß sie alle getötet werden mußten. Bei Mellrich­stadt stürzte das Pferd eines Kavalleristen und brach das Rückgrat, und ein anderes Pferd wurde in Mellrichstadt von einem zweiten Pferde so ver­letzt, daß es erschossen werden niußte.

§§ Kassel, 12. Sept. 1910. Ein 76 Jahre alter Greis, ein Korbmacher aus Malsfeld, hatte sich in Landershausen an einem vierjährigen Mädchen in schwerster Weise vergangen. Seit dem 25. Juli befand er sich in Untersuckungshaft; wie die gerichts- ärztliche Untersuchung ergab, litt der Alte an Greisen­wahnsinn. Die Strafkammer sprach ihn deshalb in ihrer heutigen Sitzung frei.

* Kassel, 13. Sept. 1910. Einem Mädchen aus Göttingen ist während der Fahrt hierher die ge­samte Bar schäft gestohlen worden. In Verdacht der Täterschaft ist eine Frauensperson geraten, die in demselben Abteil des Zuges saß und bei der An­kunft sich schleunigst entfernt hat.

* Friedberg, 13. Sept. 1910. Die Mäuse­plage ist im Kreise Friedberg fast unerträglich ge­worden. Im Kreistage hat nunmehr Herr Bosold beantragt: daß 1. sich eine Sachverständigenkommis­sion mit der Lösung der Frage der Beseitigung der Mäuseplage beschäftigt und 2. in das Budget des Kreises ein Betrag zur Bekämpfung der Feldmäuse eingestellt wird.

* Höchst a. M., 12. Sept. 1910. Heute fand hier die Bürgermeisterwahl statt. Außer dem bisherigen Bürgermeister Palleske wurde der Bürger­meister von llieutreptow bei Stettin, Dr. Janke, und der 2. Bürgermeister von Worms, Dr. Wevers, zur engeren Wahl gestellt. Palleske sollte 10000 Mark, Dr. Wevers 9000 Mark und Dr. Janke 8000 Mark Anfangsgehalt erhalten. Im ersten Wahlgang erhielten Dr. Wevers 16, Dr. Janke 15 und Palleske 4 Stimmen. Bei der zweiten Ab­stimmung wurde der Kandidat der Fabrikspartei, Dr. Janke mit 18 gegen 17 Stimmen, die aus Dr. Wevers fielen, gewählt. Die Tienstzeit des Bürger­meisters Palleske endigt im März nächsten Jahres.

0 Die Fleischteneruug.

An bleien Orten sind die Fleischpreise wieder her- ausgesetzt worden und weitere Preissteigerungen sollen folgen. Zur Begründung wird über schlechte Beschick­ung der Viehmärkte geklagt, und wenn sich diese Klage auch nicht immer als berechtigt erwiesen hat, so ist doch in der Tat nicht zu berfennen, daß Knappheit an Schlachtvieh begonnen hat.

Wie in verschiedenen Städten hat auch in Berlin Der Magistrat zu der Frage der Fleischteuerung Stel- tUNg genommen. Leider haben die freiftmtigen Herren und die „©enoffen* vergessen, wirksame Mittel anzu­geben, durch die die Fleischteuerung dort, wo fie besteht, beseitigt werden könne. Das holt nun das „Berl. Tagebl." nach, indem es mit der ganzen ihm zu Ge­bote stehenden Besserwisserei dekretiert:

„Daß der künstlich gemachten Fletschknappheit und Fleifchteuerung nicht wirksam begegnet werden könnte, ist nichts als Phrase. Man braucht nur aus Däne- mark, aus den Niederlanden, aus Frankreich Vieh hereinzulassen, man braucht nur den Import argentinisches Fleisches zu gestatten, um den deutschen Markt mit dem nötigen Fleisch zu verchrgen.'

Wirklich kinderleicht! das heißt mit dem großen Mund. Andere Seute, die etwas von der Sache ver­stehen, find anderer Ansicht. Die „Voss. Zig.", die im innerpolitischen Test natürlich mit aller Macht ge­gen die Urheber der Fleischteuerung, als welche sie die Agrarier und die Anhänger des Schutzzolls betrach­tet, loszieht, veröffentlichte einen Bericht über die Le­bensmittelverteuerung in Frankreich, worin mis- gefuhrt wird, daß dort ebenfalls eine Fleischieuemng besteht. Die Marktberichte der Hollandischen 'Handelsblätter klagen, daß am Viehmarkt die Preise über das normale Preisniveau hinausgehen, daß viele Aufträge für das Ausland unausgeführt bleiben müs­sen. Aus Argentinien wird gemeldet, daß die­ses Land die Viehausfuhr verboten hat, und zwar we­gen der bedenklichen Ausbreitung der Maul- und Klau­enseuche im Lande. Daß in Oesterreich gleichfalls eine große Fleischteuerung besteht, braucht nur neben­bei erwähnt zu werden. Wir können danach wirklich nicht annehmen, daß die von den Freisinnigen und Sozialdemokraten geforberte Oesfnung der Grenzen Irgendwelche Abhilfe gegen die bestehende Fleischtme- rung zu schaffen geeignet seien.

Das „Berl. Tagebl." spricht von einer künstlich gemachten Fleischteuerung. Es meint damit natürlich die an allem Unheil in Deutschland schuldigen „Agra­rier". Einen Beweis dafür erbringt es natürlich nicht. Die Frage, ob die Fleischteuerung „künstlich gemacht" sei, verdient-jedoch in Wahrheit einer Prü­fung. Bei der letzten Viehzählung,!. Dezember 1909, wurde eine Verminderung des Rindviehbestan­des um 2,7 Proz. festgestellt, diesem Rückgänge entsprach aber eine Zunahme im Bestände an Schweinen von 5,51 Proz. Auf dem Berliner Schlachtviehmarkt da­gegen hatte der Austrieb in einigen der letzten Wochen einen Rückgang von 33hß Proz. aufgewiesen. In die­sem Augenblicke ist von größtem Interesse, was die linksliberale „Neue Hamb. Ztg." in ihrer Ausgabe vom 7. Sept. 1910 berichtet:

„Große Verluste bringt augenblicklich, so wird uns geschrieben, in der Provinz Schleswig-Holstein der Schweinehandel. Die Preise für fette Schweine sind in den letzten drei bis vier Wochen von 50 bis 51 Mark für 100 Pfund Lebendgewicht auf 45 bis 46 Mark gesunken. Erleiden schon viele Mästereien' und Landlente, die auf bessere Preise hofften und mit dem Verkauf zögerten, große Verluste, so ist das noch weit mehr der Fall bei sehr vielen Händlern und Aufkäufern, die teils bis zum November für 50 bis 51 Mark fest abgeschlossen haben und heute für 45 bis 46 Mark hätten kaufen können. Ein Händler, der noch ca. 600 Stück abzunehmen hat, soll einen Verlust von 10000 Mk. erleiden. Als Grund für den Rückgang des Preises für fette Schweine wird allgemein das starke Angebot angenommen. Obgleich au8 unserer Pro­vinz wöchentlich taufende von Schweinen nach Westfalen, Rheinprovinz, Elsaß-Lothringen, Thüringen verschickt werden, ist ein weit größerrer Bestand an Schweinen vorhanden, als man allgemein glaubt. Die Schweine­mästereien und darunter solche mit tausend Stück und mehr, sind in den letzten Jahren überall wie Pilze aus der Erde geschaffen, dazu kommt, daß fast jeder Land­mann auf der Geest jeden verfügbaren Raum zu Schweineställen ausgebaut hat und die Aufzucht forciert. So mußte eine Ueberproduktion und ein Preisrückgang eintreten.*

Nichtsdestoweniger sind in den Städten, wie in Berlin, auch die Schweinepreise in stetigem A u f- stie g begriffen. 233 ie erklärt si ch das denn?

Daß betreffs des Rindfleischs die deutsche Viehzucht in diesem Jahre eine geringere Menge zur Verfügung stellt, ist sicher. Mer nach den Tatsachen scheint es uns doch fraglich, ob an der gegenwärtigen Fleischteuerung wirklich die deutsche Landwirt­schaf t die Schuld trägt. Der frühere fozialdemokra- tifche Reichstagsabgeordnete Ealioer weist in seiner Halbmonatsschrift „Die Konjunktur" auf die Rolle des V i e h h a n d e l s bei der Gestaltung des Macktange­bots hin. Eine von Dr. Creuzbauer vor einigen Jah­ren angestellte Untersuchung über die Tätigkeit des Vichhandels bei der Preisbildung in München ist zu dem Ergebnis gekommen, daß zwischen Landwirt unb Fleischer zu viele Zwischenpersonen, die alle leben wollen, zu einer ungesunden Preissteigerung beitragen, ja weiter, daß der Handel die Preise fast ganz nach seinem Belieben zu diktieren vermöge. Calwer fordert gründlich aufklärende Untersuchung über die Rolle des Zwischenhandels auf dem Schlacht­viehmarkte. Das „Berl. Tagebl." meint bezeichnender­weise: es komme in letzter Linie gar nicht darauf an, ob der Zwischenhandel etwas größere oder geringere Profite nehme. Uns scheint, daß recht viel dar­auf ankommt, wie der Zwischenhandel auf die Gestaltung der Viehpreise ejin- wtrkt. In München z. B. hat es sich gezeigt, daß die Zwischenhändler häufig gemeinsame Abmachungen treffen, dazu bestimmt, die Zufuhr auf dem Münchener Schlachtviehmarkt nach ihren Interessen zu gestalten, um durch eventuelle Zurückhaltung höhere Preise zu er- zicken.

Wenn man die Ursachen der Fleischteuerung und die Mittel zu ihrer Beseitigung untersuchen will, dann scheint es uns vor allem notwendig, diesen Punkt etwas näher in Augenschein zu nehmen. Daß die frei­sinnige und sozialdemokratische Presse ihm gar keine Aufmerksamkeit widmet, ist bei ihren bekannten kapita­listischen Instinkten nicht Wetter verwunderlich.

vermischter.

* Eine Uederschwemmung des gauzeu Sptetwate« gebiete? ist infolge der unaufhörlichen Regenfalle eingetreten. Im ganzen Spreewald gibt es gegen­wärtig nicht eine einzige Wiese, die nicht überschwemmt wäre. Um nur noch etwas Gras von den Wiesen zu retten, mähen die Besitzer, bis zu den Knien und noch tiefer im Wasser watend, den zwesten Schmtt so hoch, daß et auf den Stoppeln hängend trocknen kami, oder sie unternehmen die sehr schwierige Arbeit, das gemähte Gras in Kähne zu verladen und nach hochgelegenen Aeckern zu fahren. Tie Kartoffelernte im Spreewalde ist so gut wie vernichtet. Fast alle Kartoffelländereien stehen fußhoch anter Wasser oder sind so mit Feuchtigkeit gesättigt, daß bte Kartoffeln verfaulen müssen.

*♦ Die Notbremse wegen eines Gebisses. D^ Eisenbahnzug auf der Strecke Berlin-Stuttgart wird angehalten. Eine Panik bemächtigt sich der Reisenden, als er plötzlich auf stetem Felde steht, und man sich eine Erklärung nicht geben kann. Stimmen werden laut, die diesen Stillstand zu ecklären suchen, denn man hört' daß die Notbremse gezogen worden. Allerlei Ver­mutungen werden hervorgebracht. Wahrscheinlich hat ein Eisenbahnrauber ein Abteil überfallen ,in dem eine alleinreisende Dame saß, oder ein Zusammenstoß ist noch in letzter Sekunde verhindert worden. Die Rei­senden raffen schon ihre Sachen zusamnien und einige Damen bekommen bereits Weinkrämpse. Aber da fin­det sich eine Erklärung für den Stillstand des Zuges und für die Anwendung der Notbremse. Ein Herr stand am offenen Fenster und schaute sich die Landschaft an. Plötzlich muß er wohl von dem Windzüge etwas stark „getroffen" worden sein, denn ein leichter Schim­pfen kündigte sich durch ein heftiges Niesen an. Zwei und dreimal tönt sein kräftiges „Hatschi" in die Lust. Das letzte Niesen entführt ihm fein Gebiß, das er an­stelle seiner eignen Zähne auf der Zunge balancierte. Er sah es dahinfliegen, und sah es sich unter den Bäumen niederlegen. Was sollte der Mann tun? Konnte er ohne Zähne auf feine Kundschaftsreife gehen? Da alle seine Kunden gerade seine herrlichen, weißen unb regel­mäßigen Zähne bewunderten? Kurz entschlossen zog er die Notbremse. Der Zug stand still, rasch kletterte der Mann hinaus, holte sich sAn Gebiß, und gab dem Schaffner die entsprechende Antwort. Die Panik löste sich sehr bald in em herzliches Gelächter auf. Ob aber der Mann berechtigt gewesen ist, in diesem Falle- die Notbremse zu ziehen, bezweifelte der Zugführer sehr stark. Jedenfalls wird wohl das Gericht die Entschei­dung darüber zu treffen haben, denn der Reisende war der Ansicht, ganz torreft gehandelt zu haben, da die Eisenbahnverwaltung das Ziehen der Notbremse nur dann gestattet, wenn eine ernstliche Gefahr vorliegt. Der Reisende erklärte, daß die Gefahr für feine Gesundheit durch das Fehlen der Zähne bestanden hätte, da er ohne sein Gebiß nicht ordentlich essen kann, daß ferner Ge­fahr für seine Existenz dagewesen wäre, da er Reisen­der sei, und die Kundschaft nicht ohne Gebiß besuchen könne. In der Tat wurde das Gebiß von dem Ver­lierer sofort gefunden, als der Zug hielt, und der weiche Waldboden hatte es vor dem Zerbrechen be­wahrt.

Literarischer.

Die Standorte des deutschen Reichsheeres mit Armee- Einteilung und Verzeichnis der Regimenter nach dem Stande vom 1. Oktober 1910. Preis 20 Psg. Leipzig, F. A. Berger.

Der Titel gibt den Inhalt des kleinen Heftchens wieder, das alle am 1. Oktober 1910 eintretendcn Veränderungen enthält und als Hilfsmittel zum Nachschlagen besonders geeignet, bequem und durch­aus zuverlässig ist. Für Besitzer von Ranglisten eine willkommene Ergänzung.

Kurzer Setreide-wochenbericht der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschafts­rats vom 6. bis 12. September 1910.

erfahren haben, so glaubt man auch weiterhin auf 'tacke Leistungen von dieser Seite rechnen zu müssen. Dazu kam, daß auch Amerika seine Forderungen mehr und mehr der europäischen Jmportpariiät anzupassen besttebt war, während die Bedarfsländer angesichts des von allen Setten herandrängenden Angebots größere Zurückhaltung bekundeten. Wenn der deutsche Weizen- mackt diesen verstauenden Einflüssen auch in der Be­richtswoche einen gewissen Widerstand entgegenzusetzen vermöge, so war dies dem Umstande zuzuschreiben, daß Frankreich weiter Käufer für deutschen Weizen Bleibt einerseits weil er sich billiger stellt als irgend ein anderer, andererseits aber, weil seine Beschaffenheit ihn als Ersatz für den französischen Mehlweizen besonders geeignet erscheinen läßt. Die mit solchen Erportab- schlüffen zusammenhängenden Deckungen boten der Tendenz zeitweise eine wesentliche Stütze. Später kam jedoch die Provinz etwas mehr mit Angebot heraus, während die schwächere Haltung des Weltmarktes die Käufer vorsichtiger stimmte. Infolgedessen mußte Wei­zen seinen in der Vorwoche erzielten Gewinn allmäh­lich wieder oufgtben. Demgegenüber hat Roggen sei­nen Preisstand ziemlich zu behaupten vermocht. Das Angebot hielt sich in bescheidenen Grenzen; namentlich schienen hierbei die ungünstigen Frachtverhältnisse auf der Warthe mitzusprechen, andererseits aber dürste in den ungünstigen Aussichten der Kartoffelernte eine Er­klärung für die Zurückhaltung des Provinzangebotes zu erblicken fein. Zeitweise schien sich übrigens an der Küste wieder mehr Interesse zu zeigen, während die Mühlen für spätere Lieferung Käufer waren. Mehr­fach wurde russischer Roggen getauft und die dagegen vorgenonimenm Abgaben drückten auf den Preis der Dezemberlieferung, die infolgedeffen mit einem Verlust von y2 Mk. schließt, während September seinen An- fangsknrs sogar noch überholte. Hafer ist nut In ge­ringer Ware reichlich angeboten; feine Qualitäten blei­ben nach wie vor knapp. Wie hierbei, so erstreckt sich die Kauffust auch im Braugecktegeschäft nur auf die spärlich offerierten guten Qualitäten. Ein stärkerer Verkehr entwickelte sich zu ermäßigten Preisen in Fut­tergerste, während man den willigen Maisoffelten im allgemeinen nut wenig Interesse entgegenbrachte.

Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei daS Mehr (4-) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist rote folgt:

Wetze« Roggen Hafer

Danzig Berlin Frankfuck München

204 ( — 1 ) 145

199 ( — 3 ) 149

207 ll,( — 1 ) 155

212 ( — ) 156

(-1V.)

( - )

(+ 1 ) ( - )

156 (4- 1 )

176 ( - )

167'/.( —

162 ( —

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Sept. 202.50 (— 3.25), Budapest Okt. 172.10 (— 0.35), Paris Sept.' 225.60 (— 1.40,LiverpoolOkt. 165.80(— 4.05), Chicago Sept. 146.95 (—5.70). Roggen: Berlin Sept. 151.00 fW Hafer: Berlin Sept. 149.00 (— 3.00) Mk. per 1ot0 Kilogramm.

Reklamen- und Anzeigenteil.

Der WAtexport von Weizen erreichte in der abge­laufenen Woche die selten zuvor beobachtete Höhe von 449 000 To. gegenüber 262 000 To. zur gleichen Zeit des Vorjahres. Es handelt sich habet hauptsächlich um russischen und Donauweizen, und da die Forderun­gen für diese Provinienzen eine weitere Ermäßigung

NESTLE

Altbewährte Nahrund und Kra n Ke

Praktische Ratschläge für -en Sep­tember.

Von Joh. Bartels.

(Nachdruck verboten.)

Der September ist ein hygienisch sehr günstiger Monat, zumal wenn er trocken ist, was er diesmal bis jetzt allerdings nicht ist. Indessen auch ein regnerischer läßt sich ertragen, da die Luft rein ist. Er ist der Freudenmonat für alle Kehlkopfleidende und Asthma­tiker, denen Spaziergänge jetzt sehr zu empfehlen sind. Er ist auch der Monat der wenigsten Erkältungskrank- heiten. Radpartten können jetzt wieder ausgenommen werden, ohne daß man Hitzschläge zu befürchten bat.

Gleichwohl sind mancherlei Vorsichten auch in hygienischer Beziehung durchaus am Platze. Bei Kindern sind durch den Genuß unreifen Obstes Ruhr und Diarrhöen nur zu schnell zu befürchten; sie kön­nen sehr gefährlich werden und sind auch ansteckend, wo nicht große Sauberkeit herrscht. Sogenanntes Kernobst — Aepfel und Birnen — ist, bevor man es den Kindern gibt, aus seine Reife zu prüfen. Was nicht ganz reif ist, soll nicht genossen werden. Auch sind Birnen und Aepfel zu schälen, oder wenigstens gründlich zu reinigen, da an den Schalen Krankheits­keime in Form von Pilzen hasten. Besonders sind auch angefaulte Stellen fortzuschneiden, weil sich an diesen mit Vorliebe Fliegen festsetzen, die allerlei Un­rat und Krankheitsstoffe dort absondern.

Das untrüglichste Zeichen, ob eine Birne reif ist, ist, wenn sich der Stengel bei der leisesten Berührung vom Baume löst. Freilich ist es für das Obst nicht gut, es bis zur völligen Reife am Baume zu lassen, schon deshalb nicht, weil man dann den Zeitpunkt leicht versäumt und es von selbst vom Baum fällt. Der kundige Gärtner pflückt es kurz vor der Reife und läßt es in der Vorratskammer, wo gutes Obst nie über einander geschichtet werden darf, nachreifen. Das zum Versand gelangende Obst darf keinesfalls reif ge­pflückt werden.

Da die Zeit der Geselligkeit langsam beginnt, so spendet auch die Natur iöieber reichere Gaben auf den

Tisch. Die Rebhühner werden schon reichlicher im September und ihnen gesellt sich zu der Hasenbraten. Küchenhasen können gegen Ende des Monats schon erlegt werben; auch die Jagd auf Fasanen beginnt. Da ist dann das Menu für die beginnenden Gastereien schon recht mannigfaltig, zumal da auch bereits die ersten Austern importiert werden, um die Krebse abzu- lösen. Der Jäger hat nun viel zu tun; zwar tritt allmählich der Rothirsch auf die Brunst und fängt zu schreien an, auch Rehböcke müssen jetzt geschont werden, da sie von der Brunst gering an Wildbret sind. Aber außer den Rebhühnern, Hasen und Fasanen, werden nach Wachteln unb Enten geschossen, die Waldschnep­fenjagd und die Jagd auf Birk- und Haselhühner ist noch in vollem Gange.

Der Imker hat im September die Einwinte­rungsarbeiten zu beendigen, und zwar möglichst bis zur Mitte des Monats, da am Ende desselben zuwei­len durch kalte Witterung unliebsame Ueberraschungen eintreten können. Die Fenster sind zu entfernen, die leeren Räume zwischen Tür und Waben sowie die Honigräume in Kastenwohnungen sind fleißig zu ver­stopfen.

Im Garten nehmen die Erntearbeiten die Hauptzeit in Anspruch. Doch soll man sich im Ge- müsegarten mit der Kohlernte nicht allzu sehr beeilen. Gerade im September wachsen die Kopse noch sehr stark. Sellerie ist fleißig zu düngen. Schnittlauch kann man für den Winterbedarf in Töpfen Pflanzen, kann sie aber bei schönem Wetter den ganzen Septem­ber noch im Freien lassen.

Die Kartoffeln müssen ausgenommen, und zum Abtrocknen ausgebreitet werden. Gegen Ende des Monats sind auch die anderen Wurzelgewächse auf­zunehmen. Doch soll man dieselben nicht zu stütz in den Keller bringen. Melonen, die auf den Mistbeeten noch nicht gereift sind, müssen in der zweiten Hälfte des Monats durch Fenster vor etwaigem N achtens geschützt werden, der auch zuwellen eintritt nach war­men Tagen. , ,

lieber die Ernte im Obstgarten ist oben schon ge­sprochen worden. Das Sammeln der Keme und Steine zur Aussaat kann nicht sorgfältig genug be­

trieben werden. Anfangs des Monats kann abends und morgens noch okuliert werden, Ende des Monats sind Obftkerne und Steine einzulegen. Schwach wach­sende Bäume sind nach vollzogener Ernte stark zurück- zufchneiden, damit sie kräftig austreiben. Am Wein­spalier ist darauf zu achten, daß die Trauben beschat­tenden Blätter beseitigt oder zurückgebogen werden.

Wer Weintrauben Wochen und Monate hindurch frisch erhalten will, der hänge sie mit dem Stil nach unten, mittelft eines Drahthäkchens an eine Stange, so daß sie sich nicht berühren. Dann muß man täglich nachsehen und etwa angefaulte Beeren ausschneiden, nicht etwa abpflücken, sonst bleibt das nasse nlitange- faulte Beerenstielchen zurück. Auch muß man dafür Sorge tragen, daß die Trauben beim Aushängen voll­kommen trocken warm, weshalb es gut ist, daß man sie zu solchem Zweck an einem sonnigen Tage pflückt. Waren die Traubm nicht etwa überreif, so halten sie sich zwei bis drei Monate hindurch frisch.

Ganz besondere Sorgfalt ist im September den Vorratskammern und Kellern fürste Über­winterung zu widmen. Der Kartoffelkeller Mß trocken und lustig sein. Beim Hineinbringen der Kartoffeln in den Keller ist es von Vorteil, wmn dieselben von vornherein in dickste, mittelgroße unb kleine sortiert werden, damit man bei Bedarf nicht jedesmal erst herum zu wühlen hat, wodurch die Kartoffeln leiben. Die großen verwendet man ;n Kartoffelklößen und ähnlichen Speisen, die niittelgroßen als Kartoffeln­beilage zum Fleisch usw., die lleinm zum Kartoffel­salat, sowie zu Pellkartoffeln.

Beim Beginn des Winters ist auch die Woh­nung wieder in Stand zu setzen. Da merkt die Haus­frau zuweilen, daß der Parkettboben stark gelitten. Etwaige Fettflecken werben aus bemselben entfernt, inbem man sie mit gewöhnlicher Schmierseife tüchtig einreibt, bann starken Alkohol barauf gießt unb diesen vorsichtig anzündet und abbrennen läßt. Ist die Flamme erloschen, schmert man mit heißem Wasser nach und reibt die Stelle trocken. Einige Stunden darauf wird die Stelle bann gebohnert.

Bei feuchten Wänden unb in der Nähe ber Oefen pflegt sich nicht selten die Tapete abzülösen. Handelt

es sich um fteitte Stellen, so nehme man dazu Dextrin, den man sich aus Dextrinpulver selbst bereitet, indem man eine breiartige Masse damit in Wasser anrührt unb unter beftänbigem Rühren zum Kochen bringt.

Im September spielen auch toieber bie Petro­leumlampen eine wichtige Rolle. Die ben Som­mer über unbenützt gebliebenen Lampen müssen sorg­fältig gereinigt werden, wenn sie gut und ohne zu riechen brennen sollen. Man -reinigt sie am besten, indem man Brenner und Bassin innen und außen mit trockener Holzasche und einem weichen Zeitungspapier abreibt und mit einem Tuche nachreibt. Vor dem Aus­kochen des Bassins mit Soda ist zu warnen, da dar­unter die Vorrichtung des Bassins leidet und dasselbe undicht wird. Jeder Hausstau ist dringend zu em- pfehlm, daß sie das tägliche Reinigen der Petrolmm- lampen selbst besorgt, da die Dienstboten niemals die genügende Sorgfalt darauf verwmden, hierzu auch garnicht immer imstande sind, weil sie oftmals die Arbeit unterbrechen müssen. Der abgebrannte Docht muß täglich mit Zeitungspapier abgerieben, niemals aber gerade geschnitten werden. Hausfrauen, die diese unangenehm riechende Arbeit scheuen, weil bei Geruch sich ben Händen mitteilt, sei empfohlen, alte Glacee- hanbschuhe dazu überzuziehen. Auch nimmt ein Ab­reiben der Hand mit trockenem Senfmehl den Geruch, wie überhaupt jeden unangenehmen Geruch (Hering usw.) sicher und schnell fort.

Bei Beginn der Wintersaffon wirb auch ber Zi- linberhut bet Herren toieber öfter getragen. Da kommt es nicht selten vor, baß bie Seidenhaare durch Stoß oder Reiben an einzelnen Stellen des Auf­bügelns bedürfen, ohne daß man gerade Gelegenheit oder Zeit hat, den Hut zum Bügeln zu schicken. Da ist ein ^utes Mittel, den Hut über einen leichten Dampf auf dem Kochherde zu halten unb darauf den Hut mit einer kräftigen, harten Kleiderbürste nachzu­reiben. Die betannten weichen für derartige Hüte be­stimmten Bürsten haben nur den Zweck den Staub hemnter zu fegen, nicht die Seidenhaare glatt zu bürsten. Man kann die Kleiderbürste kräftig auf­drücken, ohne befürchten zu müssen, den Hut zu rui­nieren.