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MloaerW Zeitung

I.parMtttrMda. wochenbeilage:„Illustriertebonntagzzeitung"

MonatrbeUager „8uldaer Geschichtrblätter"

JV3 210.

Erstes Blatt

Fulda, Mittwoch den 14 September 1910

37. Jahrgang

erMetetflilt**» «uniah«, der $o.m< ««dZriertage. viertel­jährlich« yrrugxprel, ohne vringerlohn und Bestellgeld in Zulda so­wie mmvärtrl-50 Ult.

Verantw. Redattenrr Larl Schütter

awjo«6e«: vie et» spaltige Petitzeile oder deren Raum 15 pfg. LeNamendiepetitzeil« psg-, bet Vieder- qolungen wird entspr.

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Rotationrbrucknnd Verlag der Fuldaer Ak- liendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

Wir schließen uns den Fragen von Dr. Struve an:

s»

Schnöderen Undank hat die Welt noch nicht ge­sehen.'

• Eine merkwürdige Geschichte von der acht- monatigen Inhasthaltung eines unbescholte» neu ländlichen Dienstmädchens wurde vor kurzem in der Preffe erzählt. Wir habe« keine Notiz davon genommen, weil sie uns nicht recht glaubhaft erschien. S:e scheint aber doch wahr zu sein. Der Reichs- tagsabg. Dr. Struve berichtet nämlich in der .Kieler Ztg.tt

dieses eigentümlichen Falles mitteilen wollen, werde ich versuchen, den Fall aufzuklären.*

.Was soll ich Ihnen mitteilen?'

„Darf ich einige Fragen stellen?'

.Bitte.'

„Wann trugen Sie die Agraffe zuletzt?'

„Bei dem Geburtstag Erikas.'

„Und seit jenem Fest vermissen Sie fte?'

.Rein — erst einige Tage später.'

.Wo bewahrten Sie die Agraffe auf?'

Der .Vorwärts' (Nr. 214 v. 13. d. M.) berichtet über den Wahlkampf in Frankfurt-Lebus:

ihre Ehrlichkeit bezweifelt, und verlassen gar den Dienst . . .'

„Das allez habe ich mir schon selbst gesagt, des­halb zögerte ich ja gerade, den Diebstahl bekannt wer­den zu lassen. Ich Haffe diese Oeffentlichkeit und die Umstände, welche eine polizeiliche Untersuchung mit sich bringt Aber was ist da anderes zu machen? Wenn der Dieb nicht entdeckt wird, werde ich keine ruhige Stunde mehr haben.'

„Man müßte einen Detektiv kommen lassen.'

„Ach, ich glaube gar!'

„Run, ich meine einen Mann, der im Geheimen seine Beobachtungen mid Nachforschungen anstellt.'

.Gut. Aber wie soll ich hier einen solchen Mann einführen, ohne daß es mein Gatte, ohne daß es die Dienstboten bemerken?'

„Das ist allerdings eine Schwierigkeit. Aber, gnä­digste Baronin, wenn Sie einiges Vertrauen zu mir haben, so will ich es versuchen.'

„Den Detcktiv einzuführen?"

„Nein, den Detektiv selbst zu machen.'

„Ach, Sie —? — Und Sie glauben, etwas ent­decken zu können?'

„Ich hoffe es. Ich will Ihnen nur offen gestehen, daß ich nach dieser Richtung hin meine Erfahrungen habe.'

„Sie waren als Detektiv tätig?!'

„O, nicht doch. Wie sollte ich dazu kommen? Aber ich habe meine Erfahrungen — in einer großen Stadt kommt man ja mit so vielen Menschen und Verhältnissen in Berührung, man sammelt da Men- scherckenntnis, Baronin, und gewinnt ein gewisses Ur­teil — kurz, wenn Sie mir die näheren Verhältnisse

Wie ift es möglich, daß ein unbescholtenes junges Mädchen 8 Monate in Haft bleiben kann — weil es

.An das nationale Gefühl appellieren' — das soll wohl an frühere Wahlparolen erinnern, die sich beson­ders für den Nationalliberalismus als sehr günstig .erwiesen haben. Nun, wir werden ja sehen. Die „Tägl. Rundschau' hält anscheinend eine Wahlparole für ganz überflüssig. Sie meint:

Deutsches Reich.

; Berlin, 13. Sept. 1910. Der Kaiser ist Montag abend in Tawellningken eingetroffen und nach dem Jagdhaus Masth westergesahren. — Im Reichstagswahlkreise Kosten-Schmiedel, der durch den Tod deS Abg. Dr. v. Starzynski frei geworden ist, ist als polnischer Kandidat Franz v. Morawski ausgestellt worden.

„Ich Pflegte sie mit meinem anbern Schmuck in meinem Schreibtisch dort, in dem sich eine eiserne Kassette befindet, aufzubewahren. Aber unvorsichtiger­weise ließ ich sie diesesmal auf dem Schreibtisch stehen, nachdem ich sie in das silberne Etui gelegt hatte.'

„Das wissen Sie ganz genau?'

„Ja — ganj genau.'

„Unb das Etui blieb auf dem Schreibtisch stehen?' „Ja.'

„Bis zu welchem Tage?'

„dis zu dem Tage, an dem ich das Verschwinden bemertte.'

„Wann war das?'

„Warten Sie einmal — ja — richtig! Es war an jenem Tage, wo der Verwalter Born fortging — das war am letzten Montag — am Sonntag vorher hatte ich^ das Etui noch in Händen gehabt.'

„Wissen Sie das ganz genau?"

-Ganz genau. Denn ich entsinne mich, daß ich Born zu meinem Erstaunen an meinem Schreibtisch sitzen sand, als ich aus meinem Toilettenzimmer hier eintrat.'

.Fritz Bom saß an Ihrem Schreibtisch?!'

»Ja er kam von meinem Mann, mit dem er eine unangenehme Auseinandersetzung gehabt hatte, und war schr verwirtt und verlegen.'

„Er war verwirtt und verlegen?!'

„Ja — dann stürzte er eilig fort. Am Montag morgen teilten Sie dem Baron jene schmählichen Vor­gänge im „Weißen Roß' mit und Born wurde ent­lassen.'

„Ja, das ist alles ttchttg. — Und Sie vermißten Ihre Agraffe, nachdem Born sich entfernt hatte?'

»Richt unmittelbar darauf, sondern erst in der Rächt, als ich meine Schmucksachen einschließen wollte.

„Aber Sie haben auch die Agraffe nicht, mehr ge- fe^en, nachdem Vorn Ihr Zimmer verlassen hat?'

„Ich habe sic am Mittag desselben Tages noch ge­sehen. Nachdem sich Born am Nachmittag entfeint hatte, habe ich sie nicht mehr gesehen. . ,'

(Fortsetzung folgt)

11. Oktober von Berlin nach Rastenburg versetzt worden ist. Der Verdandstag habe da? tiefste Mit­gefühl mit Zollitsch, dessen Name tief in die Ge­schichte der gesamten Beamtenbewegung eingegraben sei. (Beifall.) Nach einem kurzen Rückblick auf die verflossenen 20 Jahre des Verbandes bemerkte Gott- I schall, daß im Postverbande Königstreue und Vater­landsliebe stets die erste Statt gesunden haben, seine Rede schloß mit einem Kaiserhoch. Die Anwesen­heitsliste ergab 134 Vertreter mit 385 Stimmen für 38 500 Mitglieder. Die Versammlung erörterte am Montag den Geschäftsbericht, dessen Einzelheiten für die Oeffentlichkeit wenig Interesse haben. Der Dienstag war für die Sitzungen der Gruppen- ausschüsse und der Kommissionen bestimmt.

+ Die undankbare» Genossen. Nun haben sich die Nationalliberalen alle erdenkliche Mühe gegeben, es in der Hetze gegen die Reichsfinanzreform den roten Genossen gleichzutun und durch eine demagogische Agitation die roten Hürden zu be­völkern und zum Dank dafür hält, jetzt nachdem die Früchte jener Arbeit eingeheimst, die sozialdemo« krattsche Presse ihnen vor, daß sie genau so schlecht seien, rote die verleumdeten Rechtsparteien Der Karlsruher ,Volkssreund' (Nr. 208 v. 7. d. M.) zeigt seinen Großblocksreunden die rote Reitpeitsche:

„Die Nationalliberalen sollen nnr kommen und

Siegen, 12. Sept. 1910. In der heutigen ge- chlossenen Versammlung des christlich.sozialen Parteitags erstatteten die Reichstagsabgeordneten Dr. Burkhardt und Behrens Bericht über ihre parlamentarische Tätigkett. Stadtverordneter Rippen« lagen verbrettete sich dann über das Verhalten der Partei bei den nächstjährigen Wahlen. Er führte aus, daß die Christlich-Sozialen ihre Minorität nicht kostenlos den anderen Parteien zur Verfügung stellen und den Liberalen seine Vorspanndienste leisten dürften, namentlich für den Liberalismus könne sich die tartei nicht erwärmen. Im Verlauf der weiteren Verhandlungen wurden zwei Resolutionen gefaßtz deren eine sich für das Königtum von Gottes Gnaden ausspricht und die andere weitere Mittel zur Unter- tützung arbeitsloser Tabakarbeiter fordert.

* München, 13. Sept. 1910. Prinz Hein­rich von Bayern, der bisher als Oberleutnant im 1. schweren Reiterregiment diente, wird zur österreichischen Armee übertreten. Er wird wahrscheinlich dem Regiment „König der Belgier" zugeteilt werden.

* Schöningen, 12. Sept. 1910. Gestern anb hier die 9. Katholikenversammlung ür das Herzogtum Braunschweig statt.

das »persönliche Regiment inszeniert werden können.

Der Pro.est be$ „freiheitlich gesinnten Bürger- ÜMH8 gegen die Kaiserrebm von Königsberg und Marienburg auf die Herr Haußmann seine Wahl- ’Tl* «Enden will, hat langst alle Wirkung verloren nut Ausnahme der einzigen, den Fluch der Lächerlich- kett hermchubeschworen. Seine Wahlparole wird kernen Erfolg haben.

Es ist noch nicht die Zett, um brauchbare Wahl­parolen auszugeben. Die Forderung des Ta­ges ist für uns, unermüdlich fortzufahren in der Auf- klanmg und Schulung unserer Wählerschaft über die wrchtigen politischen Anforderungen unserer Zeit, da- mtt wir bei den nächsten Wahlen in Ehren den Kampf bestehen können.

Unsere Wahlparole ist allezeit: Stärkung der Zentrumspartei, Festhalten an der bewahrten Zentrumspolitik zum Se- gen von Volk und Reich.

„Man kann es noch so traurig und schmählich finden; eS wird nichts Helsen. Wir müssen durch das pnabwendbar scheinende Ergebnis des Blockbruchs und der Reichsfinanzreform, die rot-schwarzen Wahlen des Jahres 1911 hindurch. Dann erst kann eine „Neu­orientierung der Politik' und ein erfolgreicher Wieder­aufbau einsetzen. Der neue Reichstag wird arbeitsunfähig sein und sich selbst diskretieren. Dann ist für einen kräftigen Reichskanzler die Zeit ge- kommen, sich von neuem an das Volk zu » d r n, das ihm zum zweitenmale nicht Steine statt Brot geben wird. Wir können erst au: Irin cm Umwege gefunden. Das Deutsche Reich ist ,o stark, daß es auch einmal sch lechte Wahlen er­tragen kann, wenn es dann nur eine Regierung findet, pie Klugheit und Kraft besitzt, diese Wahlen wieder zu reparieren.'

Diese Herzensoffenbarung ist recht interessant. Der nächste Reichstag darf also nicht arbeitsfähig Mitwirken? Weshalb es übrigens bei den über» nächsten Wahlen im Jahre 1912 ober 1913, anders unb besser gehen soll als im Jahre 1911, ist uns vor­läufig noch etwas untlar.

, ®ne Wahlparole hat am Sonntag in Berlin bet fortschrittliche Abg. Konrad Haußmann ausge­geben, von der er sich viele Erfolge für die Sache des fogenannten „entschiedenen' Liberalismus verspricht, sein Zauberspruch lautet: konstitutionelle Anwen­dung der Reichsverfassung. Ja, wenn es im November 1908 zu einer Reichstagswahl gekommen wäre, bann hätte Herr Konrad Haußmann mit feiner Wahlparole etwas ausrichten können. Aber heute? Nachdem man weiß, wie in jenen traurigen Tagen der K a i ser sich Mm Ziel von Angriffen hat hetgeben müssen, die rechtmäßig nach einer ganz anderen Stelle gerichtet werden mußten! Nachdem man weiß, daß die Fahtt nach Tanger, das Krügertele- gramm nicht Ausflüsse des „Persönlichen Regiments' sondern korrett zustande gekommene Regierungs­maßnahmen waren! Nachdem man weiß daß r' her Veröffentlichung des „Daily Telegraph'-Jnter-

vs nicht der Kaiser, sondern die N ach lass ig- .ett des Reichskanzlers v. Bulow die Schuld trug! Nachdem unwidersprochen die Meldung dirrch die Presse gehen konnte, daß auch die Bmach- richtigung von der geplanten Jnterventton im Suren* fnege natb London nicht eine persönliche Maßnahme teil Kaisers, sondern eine offizielle Aktion im Auftrage des Reichskanzlers gewesen ist! Nein l>eute wird nicht mehr eine Entrüstungsaktion gegen i

—

Um Ehre und Recht.

18] Roman von O. Elster.

Sie begaben sich in den Salon. Plöklich eilte die Baronin auf em kleiner Seitentischchen zu, auf dem unter dem grellen Aufleuchten eines Blitzes ein schim­mernder Gegenstand erglänzte.

Sie ergriff denselben, warf ihn aber sogleich wie­der auf den Tisch und sagte unmutig: Nein ick habe mich geirrt — es ist die Brosche Erikas ' *

Dann ging sie mit raschen unruhigen Schritten im Zimmer auf und ab, wobei ihre Augen alle Gegen- fiände streiften unb alle Winkel zu durchforschen schie- neu.

Stanislaus beobachtete sie aufmedfsm, bann sagte er: „Gestatten Sie mir eine Frage, teuerste Baronin?' „Ich bitte . . .“

„Was ist Ihnen seit einigen Tagen? Sie sind unruhig. Sie sind vefftimmt, Sie haben irgend einen Kummer, wollen Sie mich an demselben nicht teil- .nehmen lassen.? Sie wissen, wie ich an allem, was Sie betrifft, Anteil nehme.'

„Ich glaube es Ihnen, Stanislaus', entgegnete bte Baronin, vor ihm stehen bleibend, „unb ich danke 3bnen für Ihre Teilnahme. Ja, ich habe einen Aerger einen Kummer, wenn Sie wollen, unb Sie follen ben Grund erfahren, vielleicht können Sie mir raten und helfen."

«Wenn mir das vergönnt iväre!' b°ren Sie-ich bin bestohlen worden . . .' Stanislaus erschrak

Baronin?! Wissen Sie das bestimmt?' eS jetzt annehmen, nachdem ich feit mehreren ~agen nach dem Gegenstand gesucht habe * • „Unb ist es ein wertvoller Gegenstand?' UitaT »S °>°v

L Am des Himmels willen - unb das sagen Sie L »Hören Sie mich an. Die Agraffe war ein Ge- ilweur deS Barons zu unserer silbernen Hochzeit, sie

* Regierung und Fleischteuerung. Eine Abordnung des Deutschen Fleischerverbandes ist 1 gestern vom Landwirlschaftsminister Frhr. von Schorlemer in einer zweieinhalbstündigen Audienz empfangen worden. Der Minister erkannte die bedenkliche Höhe der Viehpreise an. meinte edoch, eine weitere Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr lebenden Viehs werde zurzeit wohl nicht in Frage kommen, weil dies dem Notstand nicht abhelsen werde. Die Abordnung wird heute vom Handelsminifter empfangen wer­den. — In Bayern wurde auf Veranlassung des Staatsministeriums Erhebungen gepflogen über den gegenwärtigen Stand der Viehzucht und Viehmast und über die Aussichten der Fleifchverteuerung; die Landwirte werden mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, auf die Hebung der Rinder- und Schweinezucht und des Futterbaues hinzuwirken, den Stadtbehörden wurde die Herabsetzung der Schlacht- und Vieh- hosgebühren, die ErrichtunggemeindlicherSchweine» Mästereien usw. nahegelegt. Ferner. wurde» Schritte getan, um bei der Reichsleitung die Er- leichterung der Einfuhr von Schlachtvieh aus Dänemark und die Zulassung der Einfuhr von Schlachtschweinen aus Oesterreich-Ungain in bayerische Schlachthäuser zu erwirken. — Der I würltembergische Minister des Innern von fische! bezeichnete auf dem landmirtschasttichen I Gaufest in Mergentheim als einzige Abhilfe gegen die Fleischteuerung die Verinehrung des heimischen Viehbestandes durch die deutsche Land- wirtschaft. Der Minister erkannte einen Not- tand an und hielt die Forderungen nach Abhilfe ! ür durchaus gerechtfertigt, äußerte aber gegen ie Einfuhr gefrorenen Fleisches aus Amerika benso ernste Bedenken wie gegen die Oeffnung der Grenzen. (Vergl. den Leilariike! im 2. Blatt.)

X Der 20. Brrbaudstag des Verbandes mittlerer Reichs-Post- uud Telegraphen-Beamten ist am Mon­tag unter äußerst zahlreicher Beteiligung aus allen I Bezirken des Reichs-Poftgebiets in Berlin zusammen-1 Mt1 S?n toTS r” MÜi gd». 'm»

cs fruheru Verbandvvoifitzenden Zollitsch, der zum | aus Grund eines Vergehens oder Verbrechens Jn-

hafttette hat doch das Recht, unverzüglich, in 24 Stun ben, feinem Richter vorgeführt zu werden! Welcher Grund lag denn vor, diese Ausländerin, die doch schor als seßhaft zu bezeichnen ist — ein Dienstmädchen 14 Monate auf einer Stelle — auszuweisen? Unb mit welcher inneren Berechtigung konnte man sie acht lange Monate ihrer Freiheit entziehen?

** Auf dem deutschen Juristentag in Danzig hat man sich in der Kommission lebhaft über bie A b - schaffung bcr Tobesstrafe herumgestrittcn. Tenatspräsident Olshausen billigte es, baß bcr Ent­wurf zum neuen Strafgesetzbuche bie Todesstrafe bei­behalte für die schwersten Fälle bes Hochverrats aus­schließlich, für Morb wahlweise neben Zuchthaus. Aus benfelben Standpunkt stellte sich der Berliner Profes­sor Kahl. Er erzählte — zur Dokumentierung seines persönlichen Geschmacks — daß er einer ganzen An­zahl Hinrichtungen beigcwohnt unb immer nur das Gefühl der Gerechtigkeit dabei empfunden habe. Prof. Dr. Liepmann-Kiel dagegen führte aus: Die heutige Stellungnahme des Juristmtages, die einem Protest gegen die Beibehaltung der Todesstrafe ausweiche, mute nahezu wie eine Alterserscheinung an. In den 60er Jahren sprach sich der Juristentag fast einstimmig gegen die Todessttafe aus. Die Todesstrafe sei eines Kultufftaates unwürdig. (Beifall und Widerspruch.) Rechtsanwalt Dr. Menzen forderte, bcr Juristentag solle sich nicht um eine klare Stellung hemmdrücken. Die Tobesstrafe sei eine rohe unmenschliche ©träfe unb verleugne das Erbarmen, bas ber Justiz niemals ftemb fein solle. Oberstaatsanwalt von Prtttwitz (Naumburg) spricht sich entschieben für bie Beibehal­tung der ^Todesstrafe aus. Ihre Bekämpfung gehe nur aus übertriebener Humanität und Sentimentalität hervor. Oberlandesgertchtsprästbent v. Plehwe (Kö­nigsberg): Der Staat wirb auf bie Tobesstrafe zu feiner eigenen Sicherheit niemals verzichten können. SBie könnten wir uns z. B. einen Krieg benken, ohne »aß für Verrat auch sofort eine vollftteckbare Todes- trofe an gedroht ist? (Lebh. Beifall unb Widerspruch.) — In der gestrigen Kommiffionssitzung wurde ber Antrag, die Abschaffung ber Tobesftrafe zu for- bern, mtt 50 gegen 24 Stimmen abgelehnt. Dagegen wurde eine Erweiterung ber Anwendung bet Tobesstrafe über das geltende Recht hinaus verworfen. Die Kommission sprach sich ferner dafür aus, bem Richter beim Vorltegen milbernber Umstände allge­mein em Sttafmlldmmgsrecht einzuräumen, also auch in allen Fällen, in denen das Gesetz prinzipiell bie Todesstrafe androht. — In ben anderen Kommissio­nen des Juristmtages wurde verhandelt u. a. über Fragen des Hypothekarrechtes, über Sondergericht« tir Streitfragen des gewerblichen Rechtsschutzes unb über bie Schaffung eines Privatbeamtenrechtes.

1, E n Landmann auf der Insel Fehmarn hatte am 12. November 1908 die polnische Galizierin Josepha Kastan als Dienstboten gemietet und, weil er mit ihr zufrieden war, sie über ihren Vertrag hinaus behalten. Am 5. Januar 1910, atfo nach 14 Momtteu, wird sie auf Anordnung des Landrates des Kreises Oldenburg verhaftet, weil sie, wie es in drr Anord­nung heißt, als Ausländerin das deutsche Staats­gebiet spätestens am 20. Dezember 1909 hätte vertassen müssen. Eingaben des Arbeitgebers wie des Mädchens fluchten auch beim Reg!erungspräsidenten nichts; die Haftentlassung wird „nach Lage der bestehenden Vor- schriften" nbgelebnt. Anfang September wurde die Magd »ach Neumünster gebracht. Ihr Brotherr soll die Kosten dieser achtmonatigen Haft tragen; er weigert sich nalürtichr

bei uns Versammlungen abhalten, sie können ein blaues Wunder erleben. Was wollen sie den Bauern sagen? Wollen sie etwas gegen die Finanzreform sprechen? So dumm sind denn die Bauern doch nicht, daß die Herren nicht riskieren mürben, ausgelacht zu werden von dm Sozialdemokraten wie von den Anhängern des Zentrums. Denn das wissen bald sogar unsere Weiber, daß die Reichsfinanzreform des liberalen Blocks um kein Haar besser für das arbeitende Volk ausge­fallen wäre, wie biejenige des schwarz-blauen Blocks ausgefallen ist.'

befanb sich in einem silbernen Etuis, auf bem sich mein unb meines Mannes Wappen befanden — das Ge­schenk war mir teuer, unb jetzt ist es spurlos verschwun- ben.'

„Unbegreiflich. Haben Sie bem Herrn Baron nichts von dem Verlust gesagt?'

„Nein. — In ben ersten Tagen glaubte ich ja, die Agraffe toieber zu finden, und dann — offen gestanden, ich scheute mich, es meinem Gattm zu sa- 9^ "ber es wird mir wohl nichts weiter übrig bleiben, wenn sie sich nicht toieberfinbet Unb ich bab£ fast jede Hoffnung ausgegeben. Es wird das sein, man benachrichtigt die Polizei."

. »Erlauben Sie, teuerste Baronin — haben Sie regend einen Verdacht?'

un|ere Dienstboten sind seit Jahren in e i'. "ach "ie ist der geringste Gegenstand 1,6 -“■»

es durchaus ein Diebstahl sein?' annehmm' *n ia" kann nichts anders | Eine Weile schwiegen beide. 5Die Baronin aina wieder im Zimmer auf unb ab Stanislaus hatte W m Schel gesetzt und drehte sich eine Ziga­rette, nachdenklich vor sich hinblickend 0 3 „Sehen Sie' sagte dann die Baronin, „Sie kön- nen mir nicht raten und nicht helfm.' . »J~^ nützte -s Ihnen, Baronin, wenn ich Ihnen den Rat gäbe, ben Ihnen lebermann geben kann- wen­de" Sie sich an bie Polizei. - Das ist der gew?L liche Weg m solchen Fallen.

„Das weiß ich', sagte die Baronin ungeduldig „Deshalb gebe ich Ihnen diesen Rat auch nicht' fuhr Stanislaus langsam und nachdenklich fort, „son- dem möchte Jhnm einen andern Weg Vorschlägen, um dm Versuch zu machm, dm Dieb zu mtdecken. Wenn Sie bie Polizei zu Hilfe rufen, erfährt alle Welt was in biefent Haufe geschehen ist. Es wird eine große Untersuchung eingeleitet, alle Bewohner des Schlosses werdm vemommm, alle Winkel des Schlosses durch- ködert, Mißtrauen, Haß, Uebelwollm und Zorn wn- bm erregt, bie Dienstboten finb unwillig, daß man

„Die konservativen Wahlredner roiefen überall darauf hi», daß die Rationalliberalen» bie im Wahlkampl an ber konservativen Steuerpolitik kein gutes Haar ließen, selbst der Sünde bloß seien und bereit waren, für 400 Mill. Mark indirekter Steuern zu stimmen . . . Die Nalionalliberalen verrichtm ver­gebliche Arbeit, wenn sie die Wähler glauben machen wollen, daß die Finanzreform „ganz anders' aussehen mürbe, falls sie den nationalliberalen Segen gefunden

□ Wahlparolen.

Die angebliche Wahlparole des Kanzlers wird in der Preffe andauernd erörtert, obgleich sie eigentlich ge- jmstandslos geworden ist. Man kann ein Wahlpro- iramm des Kanzlers oder deffm programmartige Aeußerungen im Privatgespräch nur dann zur Grund- 'age eines kritischen Urteils machen, wenn sie durch­aus beglaubigt sind. Indessen hat die „Information' ber „Frankfurter Zeitung' doch einiges Gute gehabt, sie hat die Meinungen rechts und links offenbar roerben Ässen. Die mi11 elp ar t eili ch e Preffe lehnt ben Gedanken, unter der Parole des Schutzes der nationa- (m Arbeit in den Wahlkampf zu ziehen, e n t schie­de n a b, unb zwar deshalb, weil sie gemäß dieser Pa- .vle im Wahlkampse an die Seite der Konserva­tiven und des Zentrums treten, mit diesem ge­meinsam gegen die freihändlerisch gesinnten Parteien fich wenden müßte. Welche Wahlparole man hier Wünscht, deutet die „Nat.-Ztg.' an, wenn sie schreibt:

„Sucht ber Reichskanzler nach einer zugkräftigen Wahlparole, bann muß er eine solche finden, die an das nationale Gefühl appelliert unb ben libe­rale n Wünschen Rechnung trägt, beten Erfüllung eine Sortierung der Zeit ist.'