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fuldaer
* Der Sternenhimmel im September.
Im Herbstmonat, dem neunten Kalendermonat, nach dem altrömischen Kalender der siebente (von septem — sieben) genannt, geht Die Sonne, dieses Jahr am 23. September nachts 11 Uhr auf die südliche Halbülgd über. MU diesem Monat beginnt für uns der Herbst, der dem Wetter nach jedoch meist erst im Oktober einsetzt. Für dir Lent- auf der andern Halbkugel beginnt am selben Tag der Frühling, während die Bewohner der heißen Zone im ewigen Sommer bleiben. Der Mond, dessen Hauptphasen in diesem Monat auf dm 3. (Reumond), den 11. (erstes Viertel), dm 19. (Vollmond) und den 25. (letztes Viertel) fallen, steht am 21. September in Erdnähe unb am 9. in Erdferne auf inner Bahn um unseren Planeten.
Von den großen, mit bloßem Auge sichtbaren Pla- neten steht der sonnennochfte, Merkur, jetzt so tief am Abendhimmel, daß er nur schwer zu erkennen ist. Die Venus strahlt noch immer als Morgenstern am östlichen Firmament, wo sie etwas über eine Stunde vor der Sonne aufgeht und an Glanz abnimmt Unser Nachbarplanet Mars ist jetzt unsichtbar, da er der Sonne zu nahe steht und in der Abenddämmerung ganz verschwunden ist. Der Riesenplanet Jupiter mtt seinen 8 Trabanten entzieht sich jetzt auch der Wahrnehmung, da er schon bald nach der Sonne untergeht. Dagegen leuchtet der Ringplanet S a t u r n mit seiner nunmehr aus 10 Trabanten bestehenden Schar von Monden im Sternbilde des Widders fast die ganze Nacht hindurch in gelblichem Lichte.
Aus der Welt der Kometen ist die Entdeckung eines neuen Haarsterns 1910b vom vergangenen Monat zu berieten, der bisher noch ein ziemlich schwacher Himmelskörper geblieben ist. Der Halleysche Komet, dessen diesmalige Wirdeckehr trotz numcher Enttäuschungen wichttge Beobachtungen über die Natur der Pometenmaierie ermöglichte, ist wett von der Erde
zu empfangen, um dadurch Sr. Majestät dem Kaiser und König ihre gänzliche Ergebenheit zu beweisen."
sortgerückt und nur noch im Fernrohr als schwacher Nebel sichtbar.
Aus dem Reiche der Fixsterne endlich ist zu berichten, daß es nach den neueren Beobachtungen einige veränderliche Sterne gibt, deren Lichtwechsel für Jahre hindurch eine vollkommen konstante Periode ausweist. Die Messungen der Lichtintenfttät solcher regelmäßig veränderlicher Sterne sollen in Zukunft dazu benutzt werden, um die Konstanz der Erdrotation zu prüfen. Wenn auch theoretische Gründe, wie die fortwährende Ablagerung von 'Meteoren aus unserem Planeten oder die Reibung der Flutwelle, für die nicht vollkommene Unveränderlichkeit der Umdrehung der Erde um ihre Achse sprechen, so konnte doch bisher prattisch nicht die geringste Abweichung ober Störung in der Rotationsbewegung unseres Planeten bemerkt werden, die als vollkommene Normaluhr für alle unsere Zeitbestimmung dient.
Ausland.
* Das Gerücht von dem b.vorstehenbm Rücktritt des Ministers des Auswärtigen, Iswolski, wird von verschiedenen russischen Blättern dementiert. Auf- sallenderweise konstatieren sie gerade jetzt, wo Zar und Minister in Deutschland weilen, ein besonders gutes Einvernehmen zwischen Zar und Regierung einerseits und Iswolski anderseits. Merkwürdig bleibt nur, daß Herr Iswolski nicht zusammen mit dem Zaren in Friedberg wohnt, sondern sich „weit vom Schüße für etwaige Dienste bereithätt.
* China Hai mit neuen Unruhen in der Provinz Ts chekiang zu kämpfen und zwar wegnr geringfügiger Meinigkeite«. Es herrscht in Ringpo große 'Aufregung über die Absetzung des Generaldirektors der Tschekiang-Bahn, Tangschutsten. Die Bewegung wird von Rotabeln geschürrt. Zehntausende rotteten sich zusammen und erzwangen Eingaben an die Krone und den Gouverneur, in denen die Wiedereinsetzung des Generaldirektors empfohlen wird. Die Bevölkerung droht mit einem allgemeinen Aufstand, falls den Eingaben nicht statt- gegeben werden sollte. Die Absetzung des Generaldirektors scheint den Zusammenbruch der Bahn- gesellschaft nach sich zu ziehen, wodurch es der Re- gietung unmöglich gemacht wird, den Bahnbau von Hantschu über Ringpo nach dem Rimrod-Sund anszusühren. Die Lage ist sehr ernst.
M 206.
Sreitag öett y. September 1910.
37. Jahrgang.
2. Blatt.
vmck und Verlag btt znldaer XctitBbUtaei tu $ulba.
Deutsches Reich.
** Es dämmert, aber sehr spät! auch bei den R a- ttonalliberalen nämlich. In ber „Täglichen Rundschau" nennt ber nationalliberale Abg. Dr. We- ber bas grunbsätzlichr Zusammengehen beS Liberalismus mtt der Sozialdemokratie einen Selbstmord. Er schreibt dazu u. a.:
»Biel wichtiger aber, als dieser mehr formelle Grund ist die Tatsache, daß ein großer Teil ber liberalen Wähler, ber sich nun einmal daran gewöhnt hat, mit Zustimmung ber Führer der Partei einen Sozialdemokraten zu wählen und einen solchen als de» kleineren Feind gegenüber einem bürgerlichen Kandidaten zu betrachten, für den Liberalismus verloren ist. Man darf nicht vergessen, baß ein erheblicher Prozentsatz unserer Bevölkerung weniger aus eigenem Studium und intimer Kenntnis heraus die polilische Lage beurteilt, vielmehr sich nach Weisungen von anderer Stelle richtet. Entwöhnt sich aber einmal bas Gros der liberalen Wähler von dem Gott sei Dank weit verbreiteten Gedanken, baß eine zur Herrschaft gelangte Sozialdemokratie bas Ende unserer Entwicklung bebrütet, bann ist eS schwer eine anbere Anschauung wieder in die Masten hineinzubringen. Man hat mit jener falschen Parole lediglich der Sozialdemokratie frische Trupp.» zugeführt, welche in deren Reihen verbleiben werben, da überdies der ganze Zug unserer Entwicklung mit Riesenschritten einer extremen Opposition zneilt, und ber Liberalismus hat das Nachsehen. Ein Liberalismus aber, dem in den Parlamenten eine genügende Anzahl von Vertretern nicht den nötigen Rückhalt gewähren kann, ist zur Einflnßlosigkeit verdammt, wie wir daS in Bayern mit lebhaftem Bedauern jetzt und auf absehbare Zett hinaus beobachten mfiffen.“
Die ganz selbstverständlichen Schlußsolgerungen, die hier der Abg. Weber gezogen, liegen so offenkundig zutage, daß sie bei politisch klar denkenden Männern einer näheren Begründung gar nicht bedürsen. Auch die Entwicklung im rheinisch-westfalischen Industriegebiet beweist zur Genüge, welch politischen Selbstmord der Liberalimus bisher begangen hat.
0 Der Evangelische Bund und der Unglaube. Ein alles Mitglied des Evangelischen Bundes veröffentlicht unter der Spihmarke: „Der Evangelische Bund und der Unglaube" als Eingesandt in der „Neuen Wests. Volksztg." nachstehende offene Frage: „In den letzten Wochen wurde mit der „Amtlichen Zeitschrift" des deutsch-evangelischen Bunde? für die Ostmark und des Salzbundes" von Leipzig aus die Einladung mit dem Programm des „Weltkongresses für freies Christentum und religiösen Fortschritt zum Versand gebracht. Paßt das zusammen in ein Kuvert und wird das gebilligt?" Die „Kreuz < ßettung" fugt hinzu: Die Leitung des Evangelischen Bundes wird nicht umhin können, diese Frage, an der alle gläubigen Mitglieder des Evangelischen Bundes aufs ernstlichste intereffiert sind, zu beantworten.
(*) Ein Beifpiel wirklicher Parität auf dem Gebiete des Schulwesens gab kürzlich die Stadt- verlretung der westpreußischen Stadt Putzig. Es handelte sich, wie wir dem ,Westpr. VolkSbl.' entnehmen, um die Anstellung je eines kacholifchen und evangelischen Mittelschnllehrers an der zum 1. Oktober zu übernehmenden höheren Knabenschule. Diese vom dortigen Schulverein ins Leben gerufene Privatschule soll der katholischen Gemeindeschule angegliedert werden; diese erhält eine neue sechste Klaffe und damit einen Rektor, der g'eichzeftig Leiter der höheren Knabenschule sein soll. Die jetzige Privatknabenschule ist keine konfessionelle Schule, da sie auch von einer protestantischen Minderheit besucht wird. Um ihr die Parität auch nach der Angliederung zu erhalten, haben die städtischen Körperschaften beschlossen, einen evangelischen und einen katholischen Mittelschullehrer anzustellcn. Zur Würdigung dieses von großem Entgegenkommen gegenüber der verschwindend kleinen evangelischen Minderheit zeugenden Verhaltens der Katholiken sei bemerkt, daß zwei Drittel der Stadtverordneten Putzigs katholisch sind, daß die Stadt selbst 2160 Katholiken und nur 587 Evangelische, der Kreis Putzig ebenfalls 20,145 Katholiken und nur 5458 Evangelische zählt. Man nehme sich an diesem Verhalten der Katholiken auf evangelischer Seite doch auch einmal ein Beispiel I
0 Akademiker und Militaranwärter stehen in Bay ern, wenigstens toroeit es die Dreierjnristen betrifft, auf derselben Stufe. In ben letzten amt
ausgestellt Die beiden Eisendrähte, die die Wellen abgeben, steckte man in die Erde. Mr. Shannann blieben oben bei dem Apparat, während wir mit der Empfangsvorrichtung in die Höhle hinabstiegen. Nach-, dem wir etwa 200 Meter weit durch die unterirdischen Gänge geschritten waren, wurde bei dem trüben Licht der Ödlaternen der zweite Apparat aufgestellt. Dann kam ein Signal und sofort begann Mr. Sharman von der Erdoberfläche aus zu uns herunterzusprechen. Die Worte Rangen klarer und lebhafter als im gewöhnlichen Telefon. Wir unterhielten uns eine ganze Weile lang miteinander, ohne daß die geringste Störung eintrnt. Dann wurden hie Apparate umgeschaltet und nun erfolgte durch die drahtlose Tdegraphie auch der Austausch von kurzen Morsennachrichten." Die Erfindung Sharmanns beruht auf der von ihm gefundenen Möglichkeit, die Erde m derselben Weise wie die Lust fiir die Üebermittlung der Schallwellen zu benutzen. Von dem Abgabeapparat gehen elektrische Stöße aus, die von dem Empfangsapparat aufgenommen und in Laute umgewandelt werden. Es wurden dann weitere Versuche vorgenommen, die sich auf die Verwendbarkeit des Apparates im Wasser erstreckten. Die Ergebnisse waren noch günstiger. Künftig werden Kriegsschiffe mit 100 Fuß entfernten unter ber Meeresoberfläche liegenden Unterseebooten in steter Verbindung bleiben können. Dabei ist ber Verbrauch an elektrischer Kraft außerordentlich gering. Die kleine Form und die Leichtigkeit ber Maschine begünstigen die allgemeine Verwendungsfähigkeit.
— Ein Praktikus. „Sagen Sie, darf man hier rauchen?" „Hier ist Ricb-raucherkoup«!" „Aber woher kommen dann die Zigarrenstummel?" „Von denen, die nicht erst gefragt haben."
— Enttäuscht. Bräutigam: „ . . . Eines gefällt mir besonders an Dir, Lieb': daß Tu so einfach gedeihet gehst!" Braut (seufzend): „Ach «u, Papa ist ja so knauserig .... ich freue mich, wenn ich endlich mal verheiratet bin!"
— Günstige Gelegenheit. Wahrsagerin: „Sie können sich gratulieren! Noch in diesem Jahre steht Ihnen eine größere Erbschaft bevor." Stndent: „Können Sie darauf hin mir nicht 20 Mk. pumpen?"
B Antichristliches unt> christliches Heldentum.
(Serr Sangtrier tst kein Helb! 6® mm w erwarten" M die liberale Presse ihrer Enttäuschung in diesem harten Urtell Ausdruck verleihen würde Ja wenn der Fuhrer beS Slllon in Frankreich dem Beispiele Romolo MurriS gesM wäre und dem Papste dm Gehorsam arffgeküningt hätte! Dann wären ihm m der anttchMltchm Prche die größten Lobesbezeugungen in reichster Fülle zuteil geworden. Man braucht nur recht charf gegen die Autorität des Oberhauptes der kacholifchen Kirche aufzutreten, den gottbefoMenen Gehorsam gegm °re höchste Autorität der Kirche zu brechen, um Betfalls aller ch r istu sfein dlich en Kreise sicher zu sein.
Die liberale Preffe gibt damtt dm dnttlichsten Beweis dafür, wie wesenseigentümlich bet katholischen Kirche ber Gehorsam ihr« Glieder gegen die Lehr- und Hirtengeivatt des Papstes unb der Bischöfe ist. Gerade weil sie von btt Zerrüttung des GehorsamsverhAtnisseS in der katholischen Kirche die Zerstörung der Kttche sdbst erhofft, deshalb begrüßt sie jeden Fall der Gehorsamsverweigerung mit so lautem Jubd, deshalb gerät sie in Wut, wenn ein Katholik in angesehener Stellung ber Gehorsamspflicht bemütig folgt. Für uns ergibt sich daraus die Lehre, daß Wir an dem Gehorsam gegen den hl. Vater als einet bet festeften Grundlagen unserer Kirche sesthalten müssen, baß wir unfern katholischen Glauben verleugnen, wenn wir der Gehorsams- e uns entziehen wollen. Und mag uns die verfung noch so schwer fein!
Auch Marc Sangni er wirb bie Unterwerfung nicht leicht geworden fein. Kann ein größeres Opfer einem Manne zugemutet werben, als wenn er sein Lebenswerk preisgeben muß? Gewiß stellt ber kirchliche Gehorsam bes Katholiken manchmal schwere Anforderungen, kann er manchmal nut mit ber größten Willenskraft unb bem größten Opfermut durch geführt werden. Aber wir Katholiken sind gelehrt, in religiösen Fragen nicht unsere eigene Ansicht, unser eigenes Wissen als u n f e h l b a t zu erklären, wie es jene tun, die den Gehorsam der Katholikm gegen ihre Kirche verspotten und verhöhnen. Wir wissen, daß die Autorität des Papstes auf göttlicher Einsetzung beruht und von dem göttlichen Beistände unterstützt wirb. Kanu es uns da in Wahrheit schwer werden, der Autorität der Kirche, deren Erfahrungen auf Jahrhunderte zurtickreichen, unsere eigene beschränkte Einsicht unterzuordnen?
Im demütigen Gehorsam bewährt sich ber treue Katholik. Unsere Gegner wissen es, unb weil sie bie Kirche vernichten wollen, so trachten sie, ihre festeste Grundlage, die Gchorsams- pflicht der Gläubigen, zu zerstören. Sie preisen den als Held, der sich dieser Pflicht hochmütig entzieht, sie beschimpfen den, der demütig sie crfüKt.
Es ist nicht schwer, von den Gegnern der Kirche als Held aus ben Schllb gehoben zu werben. Aber wie eitel ist dieses Heldentum! Nicht Freiheit gibt es, denn schlimmer als der von der Kirche geforderte Gehorsam ist die Tyrannei, die von ben Mächten des Unglaubens ausgeübt wirb. Freihdt bes Denkens ist ‘Rur erlaubt, wenn e8 bem Glauben widerstreitet. Und wenn der gefeierte Held diesem Joch sich zu entziehen iwagt, so ist er schlimmerer Beschimpfung ausgesetzt M vorher.
Heldentum? Wie unendlich größer ist bas Heldentum der Demut als bas Hddentum bes Stolzes unb ber Auflehnung! Wie unendlich schwer ist es, gegenüber der Welt die Gehorsams- pfticht gegen die Kttche zu leisten als sie zu verletzen. Seit wann wird dann als Held der gepriesen, der daS kleinere Opfer gewählt? Nein, das Heldentum des gläubigen und demütig gehorsamen Katholiken ist unendlich größer als das Heldentum des Abtrünnigen. Wir bewundern den Führer des Sillon, daß er sich bet Autorität des Papstes unterworfen hat. Wenn et, trotzdem er wußte, wie die Kirchenseinde über ihn herfallen würden, sich zu diesem Entschluß burchge- rungen hat, so verdient er unsere Anerkennung und rfern Dank.
± Einquartierung in Fulda vor hundert Jahre«.
Die lebhaft ausgesprochene Zufriedenheit der nunmehr wieder abgerückten Truppen stellt der schon so oft bewährten Fuldaer Gastfreundschaft von neuem em recht günstiges Zeugnis aus. Ein interessanter Zufall will es, daß daS gleiche Lob und die gleiche Anerkennung auch vor gerade hundert Jahren von Seiten französischer Trux- pen, welche das Fulder Ländchen durchzogen, laut geworden sind.
In der Hauptstadt Fulda, wo 1810 das französische 5. leichte Jnfanterie-Regiment unter seinem Oberst Dubreton einquartiert war, „beeiset- ten sich", wie die 7. Beilage zum,Fuldaet Intelligenz- Blatt^ weiter schreibt, „die höheren Autoritäten Gesellschaften zu veranstalten, und «inen Ball zu geben. Man bemerkte darauf die Herren Obersten und andere Offiziere, sowohl von der Infanterie als Kavallerie. Der Herr Divisions-General Queshel blieb nur eine Nacht da. Die zuvorkommende Höflichkeit, welche man sowohl für seine Person als für die übrigen Herren Offiziere vsm General-Stabe hatte, bewirkten bei ihm eine angenehme Rück- ermnerung an dieses Land. Ueberhaupt haben die französischen Truppen mehr Sinn für eine höfliche Behandlung als für jedes andere, und ihreAn- wesenhert in einem Lande belebt dasselbe durch die persönlichen Ressourcen, welche sowohl die Herren Offiziere als selbst die Soldaten dahin bringen".
vn v^wmelburg und Umgegend war damals das 56. französische Regiment und in Nenhof und Um- gegend das 24. Kavallerie-Regiment (reitende Jäger) emquarttert. Auch diese Truppen waren Überall sehr zusneden. „Bloß der Bürgermeister zu Buttlar und der Nachtwächter daselbst begingen Fehler und erhielten dafür rhre Strafe, und in Großenlüder gerieten die Einwohner mit den ChaffenrS ht einigen Wortwechsel, allein er wurde sogleich beigelegt.'
Am Schluffe der Erklärung heißt eS: „ES werden neue Truppen in daS Fürstentum einrücken, und die Einwohner werden sich beeifern, fie auffS Beste
Deutscher Handwerks- und Gewerbekammertag.
In Stuttg art trat am Dienstag unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung bie 10. Bollversamm- lung bes Verbandes beutfdjer Handwerks- u. Gewerbekammern zusammen. Das Reichsamt bes Innern vertritt Geh. Oberregierungsrat Jaup-Berlin; bie preußische Staatsregierung hat den Geh. Oberregiecungs- rat Dr. Francke-Berlin entsandt: auch andere Bundes- regierungen sind vertreten. Der Präsident Obermeister Pltthe-Hannover eröffnete bie Tagung mit einer Begrüßung bet Teilnehmer unb Ehrengäste und einem Hoch auf ben Kaiser. Hierauf nahm Geh. Oberregierungsrat I a u p-Berlin das Wort. Das Reichs- cnnt bes Innern habe sich bisher noch mit Ausnahme eines einzigen an jedem Deutschen Handwerks- und Gewerbdammertag beteiligt. Das sei nicht etwa geschehen, um einer übernommenen Pflicht nachzukom- mrn, sondern vidmeht infolge eines großen und lebendigen Interesses, das die Reichsregierung den Arbeiten dieser Tagung entgegenbringe und aus dem Ge- kühl heraus, daß die deutschen Handwerker wegen bet Tüchtigkeit ihrer Leistungen und wegen der Zuver- läffigkeit ihrer Vertreter in demselben Maße geachtet und gehört zu werden verdienten wie bie Vertreter an« berer Berufsstände. . Nach weiteren Begrüßungsansprachen erstattete Generalsekretär Dr. Meusch-Han- nmr den Jahresbericht. In der Diskussion besprach Baugewerksmeister Herzog-Danzig die Mißstände im Submissionswesen. Er wünschte erneut« Umfrage bet ben Handwerkern, ob ber gegen die Schleuderpreise gerichtete Regierungserlaß vom 23. Dezember 1905 von ben einzelnen Behörden, die Lieferungen zu vergeben haben, auch durchgeführt werbe. Dies sei leider vielfach nicht der Fall. Die Versammlung beschäftigte sich vor allem mit dem Gesetzentwurf betreffend die Reich so e r- sicherungsordnung. Handwerkskammerfyndi- kus Peschke (Breslau) legte namens des Handwerkskammerausschusses eine längere Resolution vor, in ber es heißt:
„Der brutsche Handwerks- und Gewerbekammer, tag ist auf das äußerste befremdet darüber, daß der dem Reichstage vorgelegte Entwurf einer Rrichsver- sicherungsordnung rrotz bet einmütigen Ablehnung, die der frühere Entwurf in den Kreisen ber selbständigen Erwerbsstände gefunden hat, in seinen Hauptpunkten diesem ersten Entwürfe entspricht. Er wiederholt indessen seine den Verbündeten Regierungen übermittelten Abänderungsvorschläge in der bestimmten Er- Wartung, daß der Reichstag diesen wohlbegründeten Bedenken eine den berufenen Interessenvertretungen des Handwerks entsprechend« Würvigung zuteil werden läßt."
Die Resolution wurde mit 48 gegen 6 Stimmen angenommen. Die Mittwochverhanblungen brehten sich um ben Par. lOOq der R e t ch s g ew e rb e o r d- nung, welcher lautet:
„Dir Innungen dütsen ihre Mitglieder in ber Festsetzung der Preise ihier Waren oder Leistungen oder in der Annahme von Kunden nicht beschränken. Entgegenftehende Beschlüsse sind ungütig."
Der Referent, Dachdeckermeister Müllet (Koblenz), wies darauf hin, daß s. Zt. die überwiegende Mehrheit der Handwerkskammern bie Einführung be8 Paragraphen verlangt habe, baß dieser Paragraph aber ben Erwartungen nicht entsprochen habe. Redner gebrauchte im Laufe seiner Ausführungen einige so scharfe Wendungen, namentlich gegen den früheren konservativen Reichstagsabgeordneten Jakobskötter, daü ihn ber Vorsitzende darauf aufmerksam machte, daß fty «in derartiger Ton mit ber Würde des Handwerksund Gewetbekammertagrs nicht vertrage. Mit dieser Rüge war die Mehrheit der Versammlung keineswegs einverstanden. Schneidermeister Jakobskötter meinte, ließe man den Paragraphen fallen, so würde bei den Zwangsinnungen Zank und Streit eintreten. Redner der Mehrheit betonten besonders, daß mit der Aufhebung des fraglichen Paragraphen der Wettbewerb der jungen Kräfte vielmehr gefördert würde. Schließlich wurde der Antrag der Koblenzer Handwerkskammer auf Be s e i t i g u n g des Paragraph lOOq mit GO gegen 10 Stimmen angenommen.
Weiter beschloß die Tagung in einer Resolution: Die Arbeitsnach weise unb Lehrstellen- Vermittlung der Innungen nach Kräften zu unterstützen, auszubauen und gegen alle Aussaugungs« tendenzen öffentlicher Arbeitsnachweise zu schützen, sowie die Lehrstellenvermittlung der Handwerks«
licken Mitteilungen über die Beförderungen tat bayerischen Justizdienst ist nebenemander zu lesm, daß befördert wurden: »Der geprüfte Rechtsprattr- kant rr in L. zum Sekretariatsassifieuten bet dem Landgericht L." unb „der bei dem Amtsanwalt m «. verwendete Gerichtsschreiberaehilfe der Staats- anwallschaft beim Landgericht St., Militäranwärter und ehemaliger Sanitätsfeldwebel R. zum Sekretariatsassistenten daselbst." Danach ist affo der bayerische Student, der nach löjährigem Drücken der Schulbänke durch einen reinen Zufall mit einer 3 burchs Examen geschlüpft ist, glücklich auf dieselbe Stufe gelangt, auf der der Militäranwärter mtt seinem ZivilversorgungSschein steht.
♦ Noch einmal die „Evfiagerste". Nachdem im Winter und Frühjahr Versuche gemacht worden find, ob durch Fütterung mit Eosingerste die Gesundheit des Viehes geschädigt und die Befchaffenhett deS Fleisches und Fettes nachteilig beeinflußt werde, find neuerdings Untersuchungen über die Wirkung ber Fütterung mit Eosingerste bei Milchkühen gemacht worden. Die „Neue Polit. Kon." berichtet darüber ausführlich, und das Ergebnis ist, das die Fütterung mit Eosingerste die Milck der Kühe weder vermindert noch in ihrer Beschaffenheit und Güte verändert hatte. Ebenso routöc, da man dte Much Der Versuchstiere wie der Kontra! liiere an Säuglinge verabreichte, ohne daß die geringste Klage sich erhob, der Beweis erbracht, daß jene Fütterung auch der Bekömmlichkeit der Milch keinen Eintrag tut.
♦ Professor Adolf Wagner hat auf einer Sedanseier reichsdeutscher Kurgäste in Gastein eine Rede gehalten, in der er in folgender Weife auf bie Königsberger Kaiserrede Bezug nahm:
„Die Geschichte bes österreichischen Staates ist ein Teil der Geschichte bes dentschen Volkes. Ich sage dies bei aller Ächtimg vor den tüchtigen Ungarn, vor den Slaven. Freuen wir uns, so hervorragende Dynastien an der Spitze beider Staaten zu haben, wie es die Hohenzollern, wie es bie Habsburg-Lothringer sind. Die Herrscher beider Reiche sind Monarchen, die nicht bloß Puppen sind. Wie geht daS Volk auseinander in seinen Tausenden von Meinungen! Nur eine Dynastie mit ihrer einhettlichen Meinung, mit dem Mute der Ueberzeugung, dem testen Wollen kann daS Heil des gesamten Volkes herbeisühren. Das haben die Hohenzollern, das haben die Habsburg- Lothringer gezeigt."
* Tann nehmen wir die Flinte. Zur Charakteristik, wie es mit dem Revisionismus der badischen „Genossen" und „Ho'gänger" steht, diene folgende Epi» sode, die wir der ,Rh.-Westf. Ztg/ entnehmen: Auf dem Offenburger Parteitage hat Genoffe Kolb u. a. ansgerufen: „Die Verschärfung der sozialen Gegensätze soll uns in Baden Rückschläge bringen? Das ist unmöglich!" und als ihn Rufe aus dem Parteitag unterstützten, rief er: „dann nehmen wir die Flinte".
— Telefonieren durch die Erde. Eine aufsehenerregende Erfindung, bie im Grubenwesen unb bei Bergwerkskatastrophen künftig wohl eine bedeutsame Rolle spielen wird, hat nun ihre erste praktische Probe bestanden. Es handelt sich um einen sinnreich konstruierten Apparat, ber es möglich macht, auf drahtlosem Wege durch dir Erd« hindurch zu telefonieren. Nach langen schwierigen Versuchen ist es dem eng- lischm Ingenieur A. I. Sharman gelungen, einen Apparat zu konstruieren, der die dektrischen Wellen bis zu den größten Erbtiefen hinab treibt, wo sie von einem Empfangsapparat ausgenommen werben können. Die Vorrichtung ist außerordentlich einfach, bie Handhabung bedingt keinerlei Erfahrung, und der Apparat selbst ist so leicht, baß er bequem getragen werden kann. Die erste praktische Probe wurde in den tiefen Gruben und Höhlen von Ehiflehurst vorgenommen. Der wissenschaftliche Mitarbeiter eines englischen Blattes, bei bem Vorgang beiwohnte, gibt eine interessante Schilderung dieses Experimentes. „Nachdem Wir ben Hügel über ben Höhlen bestiegen hatten, würbe der kleine Apparat, ber fast wie eine photographische Kamera cmssieht, auf einem leichten, brelbetolgen Gestell ruht,