J& M.
Dienstag den 50. August 1910.
57. Jahrgang.
Zeitung
Tuldaer
2. Blatt.
vr«s und Verlag der Znldaer lltttenbrHderel ht Znlda.
87—91 M., b. sunge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete (Lebendgew.) 44—47 M., (Schlachtg.) 80—85 M., c. mäßig genährte junge, gut genährt« ältere (Lebendgew.) 38—42 M., (Schlachtgew) 70—77 Mark, d. gering genährte jeden Alters (Lebendgew.) 00—00 M., (Echlachtgew.) 00-00 M. 8. Bullen: a. vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 44—48 Mark, < Schlachtgew.) 73 —80 M., b. vollsteischigr jüngere (Lebendgewicht) 40-43 Mk., (Schlachtgew.) 66—71 M., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere (Lebendgew.) 00—00 Mark (Schlachtgew.) 00-00 M., d. gering genährte (Lbgew.) 00—00 Mk., (Schlachtgew.) 00—CO M. 6. Färse , und Kühe: a. vollfleischige, ausgemästete Färser höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 43—46 Mar'h (Schachtgew.) 77—82 M., b. vollfleischige, ausgeinäste! e Kühe höchsten Schlachtwertes bis ,u 7 Jahren (Ldgew) 41—45 Mk., (Schlachtgew.) 75—80 M., c. ältere au,* gemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Lebendgew.) 35—40 M., (Schlachtg.) 67—76 Mark, d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 26—33 Mk., (Schlachtgew.) 52 —66 Mk., e. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 22—2a M , (Schlachtgew.) 51-56 Bk. v. Gering senahrtes Jungvieh (Fresser) (Lebendgew.) 00-00 M, (Schlachtg ) 00- 00 Mk. Kälber: a. Toppelender fernste Mast (Lebendgew.) 00-00 Mk., (Schachtgew.) 00—OOO Mk, b. feinste Mast- (Vollmilchmast) und beste Saugkälber (Lebendgew.) 58-62 Mk., (Schlachtgew.) 9b-104 M., c. mittlere Mast- und ante Saugkälber (Lebendgew.) 52—56 Mk., (Schlachtgew.) 88—95. Mk., d. geringe Saugkälber (Lebendgew.) 57—51 Mk., (Schlachtgew.) 81—86 Mk. Schafe: ». Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Lebendgew.) 37-38 Mk., (Schlachtgew.) 78—80 M-, b. ältere Masthammel und gut genährte Schafe (Lebendgew.) 31 Mk., (Schlachtgew.) 74 Mk., c. mäßig genährte Hamme! und Schafe (Merz-Schafe) (Lebendgew.) 00-00 Mk., (Schlachtgw.) 00-00 Mk., d. Marschschafe oder Niederungsschafe (Lebendgew.) 00- 00 Mk., (Schlachtgew.) 00-00 Mk., Schweine: a. Fetlschweine über 3 Zentner Lebendgewicht (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew. 00—00 Mark, b. vollfleischige Schweine über 2*/i Ztr. Lebendgewicht (Lbdg.) 56 - 57 Mk., (Schlachtgew.) 70 bis. 71 Mark, c. vollfleischige Schweine über 2 Ztr. Lebend- gewicht (Lebendgewicht) 56—57.50 M., (Schlachtgew.) 70,00-73,00 M., d. vollfleischige Schweine bt8 zu 2 atr. Lebendgewicht (Lebendgew.) 56.00—57.50 M., (Schlachtgew.) 72,00-74,00 M., e. fleischige Schweine (Lebdqew.) 56.00—57.00 Mk., (Schlachtgew.) 72—78 Mark, f. Sauen (Lebendgew.) 00—00 Mk., (Schlachtgw.) 00—00 Mark. — Das Rindergeschäft verlief im allgemeinen gedrückt. Bessere Qualitäten begehrt aber wenig vorhanden. Es verbleibt Ueberstand. Kälber werden bei lebhaftem, Schafe bei ruhigem Geschäft ausverkaust. Der Schweinehandel war mäßig rege. Der Markt wird nahezu geräumt.
* Höchst, 27. August 1910. Der Maler Nöthling aus Unterliederbach hat seine Kmder nicht dem planmäßigen Rellgions- un ter richt der Schule zugeführt und ist des- halb mit mehreren Strafmandaten bedacht worden. Er legte hiergegen Berufung ein und macht geltend, er sende feine Kinder in den Reltgions- unterricht der Freireligiösen. Das Gericht verwarf die Berufung. Der Religionsunterricht der Schule sei ein Teil des Gesamtunterrichts. Der von den Freireligiösen erteilte Religionsunterricht könne als Ersatz sür den Unterricht der Schule nicht betrachtet werden, zumal es sich hierbei um eine staatlich nicht anerkannte Religionsgesellschaft handle. Das Urteil lautete sür jeden Fall auf drei Mark.
* Wiesbaden, 26. Aug. 1910. In einer bekannten Pension im Taunus wurden einer dort zur Kur weilenden Dame etwa 90 Mk. entwendet. Zufällig kam ein Gendarm, da in der Nachbarschaft eingebrochen worden war, in die Pension, welche Eisenbahnstation ist, um einen Polizeihund abzuholen, der mit dem Zuge kommen sollte. Die bestohlene Dame klagte nun dem Gendarm ihr Leid, wobei eine andere Kur- dmne die beiden fortwährend umkreiste, anscheinend um zu hören, was sie verhandelten. Der Gendarm sagte nun etwas laut, er wäre int Begriff, einen Polizeihund zu holen und wenn die Dame es wünsche, könne man den Polizeihund ja einmal auf die Spur Hetzen. Auf die Frage der Dame, ob sie durch den Hund wieder zu ihrem (Selbe kommen könne, antwortete der Diener des Gesetzes: „Ganz bestimmt!" und ging zur Bahn. Nach einigen Augenblicken kam die Dame, welche die Unterhaltung angehört hatte, zu der bestohlenen Dame und b r a cht e ihr eigenhändig unter vielen Entschuldigungen beug estohlenen Betrag zurück, packte bann ihre Siebensachen und reiste schleunigst ab. Das alles hat die Angst vor dem Polizeihund getan!
* Wiesbaden, 28.Aug. 1910. Derin München verstorbene Arzt Dr. Gärtner hat, wie das Miesbadener Tagebl? erfährt, seiner Vaterstadt Wiesbaden sein Vermögen von 500,000 bis 600/ 00 Jk vermacht. Die Zinsen sollen zur Ausstattung unehelicher Kinder bei beten Verheiratung verwendet werden. — Die Sedan- Unterstützung, die die städtische Verwaltung den bediirftigen Kriegsveteranen bewilligt hat, wird bei der Armenverwaltung ausbezahit, weshalb beiden alten Soldaten lebhafte Mißstimmung herrscht, weil dadurch der Eindruck her- vorgerusen wird, als handele cs sich nicht um eine Ehrengabe, sondern um eine Armenunterstützung.
[] Die rote Internationale.
Die dänische Hauptstadt Kopenhagen hat gegen- , . , Neranüaen in feinen Mauern eine Tagung StirnatioMlen Sozialistenkongresses zu beherber- ‘ Um Freitag nahm er seinen Anfang mit einer lliternationalen Konferenz der sozialistischen Frauen, und mit der laufenden Woche begann das Internationale Sozialistenparlament, das „Weltparlament der Arbeit", wie man den Internationalen Sozialistentag das vorige Mal in Stuttgart bramarbasierend nannte.
Es ist eine buntgemisckte Gesellschaft, die dort unter der Oberleitung von Paul Singer zusammen kommt. Ihre Zentralleitung liegt in Brüssel, wo mich der internationale Sekretär wohnt. Aber die geistge Fübrung dieser Masten liegt zweifellos, so wenig aktiv sich die deutschen Größen auch dabei geben, tn Deutschland. Der „wissenschaftliche", Apparat, mit dem die deutsche Sozic^demokratie wirtschaftet, liegt auch den sozialistischen Gruppen aller /ander zu Grunde, obgleich diese im tiefsten Grunde thres Wesens nichts weniger als Anhänger des matertaltstrlchen Marxismus sind.
Als die Genossen das letzte Mal in Stuttgart zusammen waren, da tobte gerade die russische Revolution in ihren letzten Ausläufern. Man fühlte, daß der russische Mllitarismus infolge der schnellen Abkühlung der Revolutionsbegeisterung dabei war zu siegen und tröstete sich damit, daß auch die große französische Revolution vom 18. zum 19. Jahrhundert ca. 25 Jahre gedauert habe. Die Russen wurden damals sehr gefeiert. In Wirklichkeit traf diese Belobigung gar keine Sozialistm. Nur kleinere Gruppen der Revolutionäre, insbesondere die jüdischen Arbeiterverbände in Rus- sifch-Polm sind marxistische Sozialisten. Alles andere sind Radikaldemokraten, Revolutionäre, die oen Fortschritt der politischen Rechte wollten, die aber auf die Ideale des Marxismus und noch viel mehr auf seine Theorien pfeifen, so laut sie können, sie sind dieselben Leute wie jene, die 1848 den Kampf für die Enumzipatton des Bürgertums ausgenommen haben. Auch dieses Mal werden von Rußland aus Delegierte erscheinen, denen der Marxismus nur deshalb als Fahne vorschwebt, weil sie ihn nicht verstanden, feine Anwendung auf die Gesellschaft nicht durchdacht habm.
Auch die Sozialistm der skandinavischen Länder, Dänemark eingerechnet, sind nichts weniger als eigenüiche Marxisten. Sie sind einfach radikale Arbeitergruppen mit sozialistischen, besser: sozialisierenden Tendenzen, die sich von Deutschland her, um doch auch ein „Endziel" zu haben, den Marxismus hergeholt haben. Daß die Marxsche Lehre von der Verelendung der Diassen, von der Ansammlung des Ka- pttals usw. usw. nicht mehr haltbar ist, das zeigen ihre fortgesetzten, mit unglaublichem Eifer betriebenen Versuche, die Lage der Massen auch auf bent Boden des Gegenwartsstaates durchgreifend zu Seffern. Sie sind eine Gewerkschafts gruppe, der die Praxis und die Arbeit höher steht als die theoretischen Phantasien der Marx, Engels, Kautzkys usw.
Aehnlich liegen die Dinge bei den englischen Genossen. Auch die sind eine reine Arbeiterpartei, die sich von den Illusionen der deutschm Sozialdemokraten möglichst frei halten.
In den romanischen Ländern hat die Sozialdemokratie gar mannigfaltige und eigenartige Formen. Dort steht der Haß gegen den Katholizismus im Vov- dergrunde, und der führt der Bewegung manche Elemente zu, denen der Kampf der bürgerlichen Linken gegen die katholifche Kirche nicht genügt. Zudem findet man in den katholischen Ländern eine starke Veranlagung zur Pflege der sozialen Idem, und da leider manche Organe der Kirche dort nicht so viel Verständnis für die Bedürfnisse unserer Zeit zeigen, wie in Deusschland, so ist die große Ausbreitung sozialistischer Idem in Frankreich, Italien, Spanien usw. erklär- lich. Der Marxismus aber, die wissenschaftliche Grundlage der Sozialdemokratie, steht auch dort nicht be- sonders hoch im Kurse. Sie war manchm Leuten, die heute hohe Stellungen einnehmen oder eingenommen habm, dem Clemeneeau, dem Briand usw. eine interessante Jugmdspielerei zur Ausfüllung ihres vom Materialismus beherrschten Gedankenlebens, aber die Massen faßte er nicht. Die wären zufrieden, wmn der Katholizismus totgeschlagen wurde. Man war dort ja sogar so anspruchslos, daß die sehr nahe- Itegenben, in Deutschland längst verwirklichten Bestre- na$ einer Arbeiterversicherung bisher nur lü- aengaft durch geführt worden find.
^n Deutschland allein steht der Marxismus noch in hohem Ansehen. Aber auf tote lange noch? Sie gesamte gewerkschaftliche Tätigkeit ist nichts weni- Narxrsmus. Sie schlägt dem Prinzip des
„Versumpfenlaflens" elend ins Gesicht, und wenn Bebel eines Tages vom Schauplätze abgetreten sein wird, dann wird die rauhe barbarische Wirklichkeit auch dort ihre Wirkung nicht verfehlen.
Von einer Wirklichkeit derer, die da jetzt in Kopenhagen zusammm find, ist also keine Rede. Was sie eint, ist ihr gemeinsamer Charakter als Partei der äußersten Linken, und wenn die Kongreßleitung wie üblich, die Phrase ausgebm wirb: „Dem Sozialismus die Welt trotz alledem!', so mag dieser Satz insofern eine gewisse Berechtigung beanspruchen können, als der sozialen Idee das kommende Zeitalter gehört. Die So- zialdemokratte selbst aber, der die soziale Betätigung nur ein Mittck zur Gewinnung bet Massen zum Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft, gegen Kirche, Staat und Unternehmertum ist, wird daran nicht den Einflltß haben, von dem sie träumt.
Deutsches Reich.
♦* Falsche Zahlen zur netten Militärvorlage werden jetzt in der „nationalen" Presse angegeben. Es war ein General a. D., der zuerst die Entdeckung machte, daß in Frankreich jährlich mehr als 600000 Leute zu Hebungen einberufen würben, in Deutschland aber nur etwa die Hälfte. Wie sieht aber diese „Hälfte" in Wirklichkeit aus? Kapitel 24, Titel 7 des deutschen Etatsentwurfs gibt die ganz genauen Zahlen für Preußen, Sachsen und Würtem- berg, und das sind rund 440000 Mann. Rechnet man dazu für das bayerische Kontingent seiner Stärke nach annähernd ebensoviel wie für Sachsen und Württemberg zusammen genommen, so erhalten wir 495000 Mann — das nennt man etwa die Hälfte von 600 000! Nun aber geht schon aus den Anmerkungen des Etats hervor, daß wir diese Zahl im Saufe der folgenden Jahre noch steigern wollen, um die Zahl der jährlich aufzustellenden Referve-Jnsanterieregimenter beträchtlich vermehren zu können. Frankreich aber kann doch nicht ntehr Leute einberufen, weil es nicht mehr Leute hat. Für soviel Leute werden dem französischen Krtcgs- minister allerdings die Mittel bewilligt; Ersparnisse muß er zurückrechum. In Frankreich können jährlich drei Jahrgänge einberufen werden, zwei Jahrgänge Reserve zu je 23 bezw. 17 Tagen und ein Jahrgang Territorialer auf 7 Tage. Jeder Jahrgang müßte also durchschnittlich wenigstens 200000 Mann zählen und das ist, wenn man die Zahl derer abzieht, die aus Krankheit, Invalidität, Tod, wegen Verbüßens von Strasen, Befreiung von der Hebung, Wohnens im Auslande, Auswanderung oder aus böser Absicht sich nicht stellen, sicherlich nicht der Fall. Stach amtlichen französischen Angaben find in den Jahren 1906, 1907, 1908 durchschnittlich je 207000 Mann in die Reserve Über- getreten und durchschnittlich je 187 000 Mann in die Territorialarmee. Wenn man somit annimmt, daß von jener sich je 187 000, von dieser 165000 Mann stellen, so rechnet man wahrscheinlich erheblich zu günstig; und doch würde dies erst eine Gesamtzahl von 539000 Hebenden ergeben. Tas sind dann gerade noch 49000 Mann mehr als bei uns, also nicht 100 Proz., sondern nur 10 Proz. mehr! Mit anderen Zahlen der liberalen Blätter sieht eS ähnlich aus.
* Sozialdemokratische Reichstags-Kandidatur im 3. Berliner Wahlkreise. Der 3. Berliner Reichstags-Wahlkreis mar bekanntlich bisher durch den Abg. Wolfgang Heine vertreten. Heine halte kürzlich infolge der Auseinandersetzungen über die Wahlrechts-Demonstrationen et Härt, er werde bei den nächsten allgemeinen Reichstagswahlen in diesem Wahlkreise nicht mehr kandidieren. Inzwischen ist er in Dessau als Kandidat aufgestellt worden.
Am dem Nachbargebieie.
A Hettenhausen, 29. August 1910. Bei dem gestern vom hiesigen Radfahrerverein veranstalteten Straßenrennen erhielt im Hauptfahren den 1. Preis Helfrich vom Radfahrerverein Dirlos, den 2. Witze! vom Radfahrerverein Eichenzell und den 3. Diel vom Radfahrerverein Künzell.
* Eschwege, 27. Aug. 1910. Die Tabakernte fällt in unserer Gegend in diesem Jahre sehr gut aus. Die Pflanzen konnten sich bei dem feucht- warmen Wetter vorzüglich entwickeln. Da die Preise deS Rohtabaks in den letzten Jahren gelegen sind, hat man in diesem Jahre wieder größere Flachen angepflanft.
Kleines Feuilleton.
-T,Der „Kasus" mit den Kamelen. Man schreibt der „Franks Ztg.': Ein kösüiches Stücklein von ms- sischer Staatskontrolle erzählt im Historischen Boten bei frühere höhere Kontrollbeamte G. P. Miller. Er war damals zum Beamtm in Turkestan ernannt worben, wo ber „berühmte" General Annenkow nicht zu feinem Nachteil schaltete und waltete. Eines Tages wurde er zu seinem unmittelbaren Vorgesetzten befohlen, der ihm den Befehl gab, nach Kiril-Arwal zu fahren und dort fünfzig Kamele abzmtehmen, die von ber Regierung gekauft waren, das Stück um 75 Rubel. Die Instruktion, bie ihm der Vorgesetzte lachend gab, ließ den Kontrolleur nichts Gutes ahnen. — Kaum war der Zug in Kiril-Arwal eingetroffen, als Herr Miller attch schon zum Befehlshaber des Lagers, Oberst Sultanow, gesührt wurde. Der Oberst empfing ihn sehr liebenswürdig und lud ihn ein, sich erst durch einen Trunk und einen „Imbiß" zu stöck-n. Aber dn Besucher lehnte ab und wollte erst die Kamele sehen. „Das wird seine Schwierigkeiten haben, lie- E Mund sagte der Oberst jovial. „Wieso, Herr Oberst? Ich bin doch zu diesem Zweck gekommen." Ja, aber die Kamele . .» „Nun, was denn? Mr haben doch die Kamele gekauft?" „Ei fteilich. Fünf, zig Kamele, funfundflebzig Rubel das Stück. Hier ist die Chnttung/ Dabei zog er einen Fetzen Papier aus der Brusttasche, auf das irgend etwas Tatarisches gckritzelt war, das der Kontrolleur nicht lesen konnte „So zeigen St« mir die Kamele!" „Die Kamele?" -.Nun ja doch, dämm handett eS fich ja.' „Ja, das ist aber die Sache. Da ist mir ein Kasus passiert." »Was für ein KasuS?' „Hören Sie also. Ich habe Hi? Kamele am Donnerstag voriger Woche von einem
Tataren gekaust, ihm die gange Summe gleich bezahlt und von ihm diese Quittung erhalten. Nun gut, da stehen also meine Kamele bis zum Samstag morgen. Mir hüpfte das Herz vor Freuden, wenn ich sie ansah — so munter waren sie, so jung. Am Samstag erfranft eines von ihnen, dann ein zweites, ein drittes, und am Abend sind statt der Kamele nur noch die Kadaver da: alle sind krepiert, bis aufs letzte. Sie glauben mit nicht? Bei Gott, |o war's! Ich habe auch ein Protokoll darüber aufgesetzt. Hnd am Abend, ÄS es schon zur Nacht ging, sammelte ich sie auf einen Haufen. Der Tatar half mir dabei." „Du hast kein Glück, Väterchen", sagte er, „sie sind alle tot, wirklich Schorben.' „Unb was ist mit den Fellen geschehen?" „Mit den Fellen? Ja, das ist eben wieder so em Easus . . .** „Was denn jetzt für ein Kasus?" „In der Nacht wehte ein heftiger Wind und die Bürschher wurden gay mit Salzstanb überzogen. Bei Gott, es lohnte fich nicht, ihnen die Felle abzuziehen. Mr haben sie begraben, dort drüben auf dem Hügel. Der Tatar hat dabei geholfen." „Aber so graben Sie we- nigsken» eine Leiche aus, ich muß mich doch überzeugen . . .' „Nicht doch, Väterchen, lassen wir sie ruhen. Hier ist die Quittung. Ist dar nicht genug? Wir spucken hier aus solche Kleinigkeiten." „Aber Sie werden doch begreifen, daß ich ein Protokoll über die Sache aufnefrnm muß?' „Richtig, machen wir noch ein Protokollchen. WaS kann es schaden? Das Mütterchen Papier . . . nun ja, wir wollen alles auf- schreiben. Unb dann geht es nach Petersburg, eine weite, wirklich eine sehr weite Reise. Und ehe es zurückkommt — ach, Väterchen, der Himmel weiß, wo wir beide dann find! Aber kommen Sie, nehmen wir jetzt einen Trunk und einen Imbiß, auf Ihre Gesundheit, Väterchen." Das Protokoll wurde bann aufgesetzt und ging auch nach Petersburg. G. P. Miller bat nie wieder etwas von ihm gehört.
vermischtes.
♦ Tie Erweiterung der Berechtigung zum elnjahrig- fteiwilligeu Dienst, bie im Anschluß an die Regelung des Dtittelschulwesens angekündigt wurde, wird in der Form emtreten, daß in Zukunft die Schüler der Mittelschulen nach erfolgreichem neunjährigen Schulgange sofort zur Ablegung der Prüfung zur Erlangung des Berechtigungsscheines zugelassen werden. Bisher konnte diese Prüfung nicht vor dem 17. Lebensjahre erfolgen. Durch die neue Ordnung werden also zwei Jahre gewonnen.
* Keine Ermäßigung der Poftscheckgebühren. An den Staatssekretär des Reichspostamts war das Ersuchen gerichtet, die Postscheckgebühren herabznminbern. Der Staatssekretär des Reichspostamts hat daraufhin erklärt, daß an eine Ermäßigung der Gebühren schon jetzt, wo über die finanzielle Wirkung der neuen Einrichtung keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, nicht herangetreten werden könnte.
* Als ein ganz gerissener Schlingel entpuppte sich ein achtjähriger „taubstummer" Kunde, der in Köpenik aufgegriffen wurde. Vergeblich bemühte man sich auf der Polizeiwache, etwas aus dem Jungen über seine Persönlichkeit herauszubekommen; selbst ein Taubstummer wurde als Sachverständiger herbeigeholt, aber auch ihm war es nicht möglich, sich mit seinem „Leidensgefährten" zu verständigen. Das Kind blieb fest dabei, den Kopf zu schütteln und Grimassen zu schneiden. Da meldete sich plötzlich eine Frau aus Berltn, die seit einigen Tagen ihren Jungen vermißte, und erkannte auch in dem Knaben ihren Sprößling, der bereits zum sechsten Male von Haufe entlaufen war. Der Knabe, der sonst einen recht „großen Mund zu haben" pflegte, blieb jedoch weiter „stumm" unb tat so, als ob er die Fran nicht kenne. Diese zog plötzlich einen Rohrstock und versetzte dem „Taubstummen" ein paar tüchtige Hiebe über eine gewisse Körperseite. Im selben Augenblick erhob sich ein gar klägliches Wehgeschrei, unb unter Tränen bat ber Junge seine blutter, ihn nicht weiter zu verprügeln unb gelobte feierlichst Besserung.
* Der Liebesroma« des Herzogs ber Abbnizzen fdxint nun endlich doch mit einer Heirat mit bet schönen Dollarprinzessin Miß Katherine Elkins seinen Abschluß zu finden. Die Verlobung dürste in den nächsten Tagen in Paris stattfinden. Die beteiligten find bereits dort eingetrofsen. Königin- Witwe Margheifta, die bis jetzt die „bürgeriiche' Heirat des Herzogs entschiede« bekämpfte, .hat, wie es heißt, ihren Widerspruch aufgegeben. Der König von Italien war von jeher mit dem Heiratsplan seines Vetters einverstanden. Der Prinz von Savoyen, Herzog von Abbruzzen, ist der dritte Sohn des 1890 vefltorbenen Herzogs von Aosta, der der einzig« Bruder des Königs Humbert war. Der Herzog von Aosta war 1870 bis 1873 König von Spanien. Zwei Wochen vor seiner Abdankung wurde der fetzige Herzog der Abbruzzen in Madrid geboren. Miß Elkins dürfte die erste Amerikanerin sein, die in die nächste Verwandtschaft eines regierenden Herrschers einheiratet.
— Boshaft. Alma: „Ich habe nicht mehr als zwanzig Sommer gesehen.' — „Hausfreund: „Aber ich bitte Sie, Fräulein, warum wendeten Sie fich dann nicht an einen Augenarzt?"__________
Märkte.
* Frankfurter amtliche Rotier«««« der »iehmarv- preise vom 29. Aug. Aastrieb: 14o6 Rmder, 519 Ochse«, darunter — österreich., 61 Bullen, 876 g&rfen u. SuS?e, 2.8 Kälber, 229 Schafe, 1769 Schweine, reine Ziegen. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen: o. vollfleischige, auSaemästete höchste« Schlacht wertes höchsten» 6 Jahre alt (Lebendgewicht) 48—53 Mark, (Schlachtgewicht)
Reklamen- und Anzeigenteil.
Schaubek’s illustrierte
Wellimken-Wbum
32. Auflage 1910
in allen Preislagen von Mk. 13, bis 210 Mk.
Verlag des „Schauder-Album"
C. F. Lücke, G. m. b. H., Leipzig.
Die Liebhaberei des Briefmarke« - Sammelns, an«; fangs nur ein Spielzeug für Kinder, hat fich in ben letzten 30 Jahren zu einer Wissenschaft herausgebildet, der sich alt und jung mit Begeisterung hingibt. Unb mit Recht. Ihm ift kein anderes Sammelgeb et gegen* überzustellen, das in der stillen Häuslichkeit betrieben, soviel Annehmlichkeit, soviel lehrreiche Anregung unb Abwechselung gewährt. Der Sammler von früher hatte es freilich leichter als der von heute. Während ihm vor 60 Jahren noch ein Schreibheft genügte, um „sämtliche" existierenden Marken unterzubringen, sind heute dicke Albumbände dazu erforderlich. Hatte man es früher mit einigen hundert Marken zu tun, muß man heule mit ca. 22000 bezw. 24 000 verschiedenen Marken rechnen, denen fich noch weitere 6ÖQ0 bezw. 8000 zugesellen, sobald alle Abweichungen an Farbe, Druckaussührung usw. beachtet werden. Schaubel's Briefmarkenalbum, das fich in der neuen Auflage non 1910 in höchst erreichbarer Vollständigkeit präsentiert, kommt bei dem riesigen Anschwelleu des Materials allen Martensammlrrn zur Hilfe. Wahrlich eine praktischere Einteilung, rote wir Sie bei Schaube! finden, ist kaum denkbar. Vor uns liegt Sdjanbet’s Permanent» Album, das zur Aufnahme sämtlicher erschienenen Marken (Frei-, Dienst-, Nachporto- usw. Marken) eingerichtet ist. Dafür sind 928 Blatt ---- 1840 Seiten vorhanden, bie mit 6837 Abbildungen, 88 Länderwappen usw. geschmückt sind. Die Blätter sind nur einseitig bedruckt (Rückseiten unbedruckt), und in 2 stattlichen Quartbänden untergebracht. Diese zwei Ganzleinen-Bänbe kosten 33 Mk. Der Hauptvorteil bieseS Albums besteht darin, daß es nie veraltet unb immer ergänzt werden kann, weil die patentierte Lchraubenheftung die Auswechselbarkeit und Ergänzmtg ber Blätter auf die denkbar einfachste Weise ermöglichen, rote ans nachstehender Darstellung ersichtlich ist:
Um den Albumbänden weitere Blätter einfügen zu
Selbtohtbefsflem der Permanent. Ausgaben intt schraubendeftung ju Ml. 18 bis Mk. 7&.
können, entfernt man die Kopfschrauben. Alsdann steckt man die dem Album beigefügte Drahtgabel t» die beiden Löcher ber Echraubenhülsen unb hebt ben betreffenden Teil des Aloum?, nach welchem Blätter x eingefügt roer«
«Inen Blätter und Boa en.
Ist die Einfügung der neuen Blätter erfolgt, so werden die Enden der Drahtgabel, welche unter dem ob genommenen Mbiuntext vorst eh en, wieder in bie Löcher, ber auf der Decke zurückgelaffenen Schraubenhulfen ( geführt, und der abgenommene Text gleitet nunmehr von felbst auf die Hülsen zurück. ...» J
Wird mehr als die Hälfte des Gefamttextes aus der Decke genommen, so kann dasselbe Berfahren von, der Rückseite der Einbanddecke aus stattsmden, da d,e Schrauben doppelseitig abschraubbar sind.
Rach Einsetzen der Kopsschrauben ist das Album wieder geschloffen, und stellt nunmehr ein festgebunbenes Buch mit dessen Vorteilen dar. Jede Decke bietet Raum für ca. 100 wettere Blätter. Die Ergänzungsblätter sind von Zeit zu Zeit zu beziehen, ebenso bei Ueber- füöung der Bände Einbanddecken, sodaß daS Schaubel's- Permaneut-Album immer neu bleibt. Ein Vorzug der dem Album viele Freunde zuführen wird. Schaubefs Album sei besten- empfohlen.
den sollen, einschließlich der Drahtgabel ab (stehe nebensteh. AbbUdung).
Die Drahtgabel hält den abgenommenen Teil in der richtigen Lage und verhindert ein Verschieben ber ein-