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uldaer M

37. Jahrgang

Fulda, Freitag den 26. August 1910.

Erstes Blatt.

194.

demokratische Programm ist Phantasie ohne Grund und die Interessen anderer

krscheint täglich mit Ausnahme der Son» uud5tiertagr.vltrtrl. lShrlichervtzugspreir ohne vringerlohn und veSellgeldinZuldaso« wir anrwSrtr sLV M.

bringen. Sie liegen in der Religion, daher ist die Kirche dazu berufen, in dieser Frage ein bedeut­sames Wort mitzusprechen. (Lebhafter Beifall.) Wenn die Kirch« nicht mit Gewalt daran gehindert wird, so wird sie di« Arbeiterschaft zur Gleichberechtigung mtt den anderen Ständen führen. (Stürmischer Beifall.) In den Kämpfen des Lebens wird die Kirche den Weg zum sozialen Frieden zeigen und in dieser Zuversicht sagen wir: Herr, zu uns komme Dein Reich! (Stürmischer, langanhaltender Beifall.)

keine Klass« zu bevorzugen. Hier hat die deutsche Ge- sehgebung sich schwer versündigt, sie hat die soziale Für­sorge lange vernachlässigt und auch heute ist die Um­kehr von der liberalen Wirtschaftspolitik noch nicht ganz vollzogen. ,®a3_ Arbeiterrecht ist vernachlässigt worden. Dies ist die Grundlage des sozialen Kampfes und die Forderung ist die Anerkennung deS Arbeiters als gleichberechtigten Bürger. Ein zweiter Fehler war die Bernachlassigungdes Mittelstandes. Die Mittelstandsfrage ist eine soziale FrageallererstRanges. (Beifall.) Nur Ge-

Augsburg, 25. August 1910.

Am letzten Tage sängt die Arbeit um 8 Uhr früh an, damit sie mittags rechtzeitig zu Ende kommt sowohl für die Festmahlgäste als für die Abreisenden. Die ersten zwei Stunden sind der geschloffenen Versammlung zur Erledigung des meistens erheblichen Restes der Ausschußberichte vor« behalten. Diesmal waren noch zehn Anträge in

. verantw. Redakteur

<LD : kl. Wetzler;

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Sodann erhält das Wort Realgymnastallehrer Bornewasser-Kölu-Nippes zu seinem Vortrag über die »Fürsorge für die schulentlassene Jugend." &rem. letzten Jahrzehnt, namentlich in den letzten fahren sind die Jugendlichen als eine besondere Grup- P« mehr und mehr der Aufmerksamkeit der Oefftntlich- V?.?er gerückt worden. Sie werden immer mehr losgelost von den alten, sie schützenden Stätten der ^blbständigkeit. Sie werden immer mehr (5efcil)tcn für Seele und ßcib Dnöer

muß ihnen im Jugendlande eine Lebensschule errichtet »erden die sie für das Leben vorbereitet und gegen die Gefahren schützt. W,r Katholiken fühlen die Pflicht, hier mttznwirken, weil wir das wichtigste Erziehungsmittel, die Religwn, nicht vermissen wollen. (Lebh. Beis.) Vieles ist versäumt worden. In Lehrer- kreisen ist «s oft als eine Unbequemlichkeit empfunden worden, sich um die Knaben zu kümmern, die sich roh zeigten, die kein Autoritätsgefühl hatten nfw. Wir fühlten uns durch die Kriminalstatistik bedrückt. Dies darf nicht sein. Wir dürfen in dem Knaben nicht den widerspenstigen Burschen erblicken, sondern wir müs­sen in ihm erblicken «in junges, frisches, bildungs­fähiges Glied einer aufstrebenden Menschheit. Tun wir das, so wird die Jugendfürsorge uns leicht werden, und uns mit Genugtuung erfüllen. Die erweiterten Rechte des Staatsbürgers verlangen die Uebernahme weiterer Pflichten und daher müssen wir auch die staatsbürgerliche Erziehung in die Hand nehmen, das Gefühl der. übernommenen Verantwortung in die jugendliche Brust pflanzen. Wir müssen dem Jugend­lichen Ueberzeugung beibringen von der Notwendigkeit,

Kunst. Das Unternehmen »Die Kunst dem Volke", veranstaltet von der allgemeinen Vereinigung für christliche Kunst, soll möglichst gesördert werden.

Die vierte und letzte öffentliche Versammlung.

Unter starker Beteiligung des Publikums eröffnet Präsident Marx die Versammlung um 10 Uhr.

Erster Redner ist Landgerichtsdirektor Abg. Gröber- Heilbronn. Er spricht über

sozialen Klassenkampf.

Im Vordergrund der heutigen Kämpfe, so führt er aus, stehen die wirtschaftlichen. Streik und Ausspe» rung sind ihre charakteristischen Formen. Für die Be­teiligten sind die Folgen oft schlimmster Art, aber auch Unbeteiligte werden von ihnen getroffen. Daher fit es eine schwere Sorge für alle Staatsmänner, solchen Klassenkämpfen nach Möglichkeit vorzubeugen. Auf der anderen Seite muß im Interesse der Menschheit das öffentliche Leben nach dem Grundsatz der Brüderlich­keit, nach dem Grundsatz der ch r i st l i ch e n W e l t an­schau u n g geordnet werden, welcher besagt, wir ha­ben alle einen gemeinsamen Vater im Himmel, einen gemeinsamen Erlöser, ein gemeinsames Ziel. Hiermit ist die Stellung im Klassenkampf gegeben, hier scheiden sich die Geister und ich sage das nicht aus politischen Gründen, sondern zur Feststellung von Tatsachen. Ich weise hin auf den klaffenden Gegensatz, der zwischen dem Programm der Zentrumspartei von 1871 und dem der Sozialdemokratie besteht. Jenes will einen Aus­gleich, dieses den Kamp f. (Lebhafte Zustimmung.) Nach der Sozialdemokratie sollen die kleinen Betriebe zugunsten der großen untergehen. Die Sozialdemo­kratie will die Eiterung im Volksleben, nicht die Hei­lung. (Erneute Zustimmung.) Gott lob, haben die kleinen Betriebe trotzdem auf dem Lande zugenommen und auch die Handwerker. Es entstehen neue Kreise des Mittelstandes, z. B. die zahlreichen Angestellten. Selbst unter der Arbeiterschaft entstehen neue Klassen iunb Schichten. (Lebh. Zustimmung). Einsichtige Ar­beiter werden sich ihres Wertes bewußt. Das sozial-

und zu Mitkämpfern gegen die Hauptfeinde der Ju- gend: Alkohol, UnsittliHeit, Unglauben. (Erneuter Beifall.) Gesellschaft, Staat und Kirche — das ganze Volk hat ein Interesse an dieser Jugendfürsorge und daher muß sie eine Volksausgabe werden, und sie kann dieses nur werden durch die Propaganda und die Tai. Ueberall, in Haus und Werkstatt, öffentlich und privat muh aufilärend gewirkt werden. Die So­zialpolitik mutz die Mutter aus der Fabrik. wieder in die Familie zurückfühven, damit die Familien wieder die alte, christliche Heimstätte katholi­scher Erziehung wird. (Beifall.) Die Haupt­sache bleibt die Tat. Und da begrüßen wir eS, daß die Fortbildungsschule immer wettere Aus­dehnung annimmt unb durch inneren Ausbau an Er­folgen reicher wird — wünschenswert ist, daß sie sich auch bald ausdehnt auf die Erziehung und fyauStoirt« schriftliche Schulung der jungen Fabrikarbeiterinnen in Stadt und Land und zwar in obligatorischer Form, weil nur diese den Erfolg sichert. Wir begrüßen eS, daß die Jugendvereine, daß die Mädchenschutzveretne die Jugend um sich sammeln unb ihr im Kampf mit Unglauben unb Unsittlichkeit einen festen Halt ge- wähven. Diese Erziehungstätigkeit hat man lange Zeit nicht verstanden, auch im Klerus nicht. Man hat dem Kaplan alles Überlassen und die Gemeinden gingen an den Vereinen vorüber. Im Kontrast zu der Bedeutung ihrer Aufgaben steht der Mangel an baren Mitteln. Daher richt« ich an Sie alle die Bitte, die Vereine durch ihre Mitarbeit zu unterstützen, aber audj durch Ihr Geld. (Erneuter Beifall.) ES ist mir eine Genugtuung, hier den JugendpräfideS für ihre segensreiche Tätigkeit zu danken, namentlich dem Oberpfarrer Dammer in Aachen, dem Organisator dieses jungen krtholi scheu Deutschlands. Wir alle wol- len uns zu dieser gemeinsamen Mitarbeit die Hand reichen. Vor 40 Jahren haben unsere Väter auf Frankreichs Boden die deutschen Stämme geeint und unser herrliches Vaterland geschaffen. Sorgen wir, daß es kein vergebliches Opfer war, daß unsere Jugend die Liebe und Treue zum Vaterland« bewahrt und Liebe und Treue tief im Herzen ihr goldenes Eigen­tum bleibt. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.)

Präsident Oberlandesgerichtsrat Marx hält hierauf die Schlußrede.

Was wir erlebt, das war eine Confessio Augustana catholicorum. Wenn unsere Altvordern, welche vor 1500 Jahren gelebt haben, hier gewesen wären, so wür» den sie gesehen haben, daß der Katholizismus heute noch derselbe ist wie damals und er wird nach 1500 Jahren auch noch derselbe sein. (Lebhafter Beifall.) Wenn Luther heute auf dem Weltkongreß für freies Christentum oder auf einer Generalversammlung des evangelischen Bundes erscheinen wurde, und ein Exami­na torium in der Frage anstellte: Was dünkt Euch um Christum? — so will ich hierüber keine Untersuchung anstellen. (Sehr gut.) Aber allen evangelischen Glau­bensgenossen möchte ich zurusen in Liebe und Ernst: Wer Augen hat zu sehen, der sehe! (Beifall.) Herrliche Tage waren es in Augsburg. Es waren opferwillige Leute, die zu uns gekommen sind. Aus allen Weltlön- dern sind sie gekommen. Wir haben aus allen Welt­ländern Begrüßungen bekommen und selbst aus dem fernen Ostindien ist ein Bischof zu uns gekommen. (Stürmischer Beifall.) Wir haben alle Stände bei uns gehabt, vom Grasen bis zum Arbeiter und wir sind wie Brüder miteinander umgegangen. (Stürmischer Bei- fall.) Und wir haben die Grüße erwidert. So haben wir die Macht unb Geschlossenheit der Kirche Betätigt. (Stürmischer Beifall.) Unsere Versammlung wollte beit Unglauben bekämpfen unb wir sind ihm entgegen ge­treten unb wenn wir fragen, ist der Zweck erreicht, wohl diese ganze Tagung ist eine glänzend« Abwehr und Widerlegung des Unglaubens. (Stürmischer, lang- anhaltender Beifall.) Die Versammlung war ein ge­waltiges Credo, das zum Himmel empor gestiegen ist. Redner ermuntert besonders die studentischen Vereine, sich mehr der sozialen Frage zuzuwenden, denn sie hätten eine ganz besondere Pflicht für das katholische Deutschland. Die Katholiken haben stets die soziale Betätigung im Buge gehabt; die Gegner waren nur der Geist, der stets verneint, (Sehr richtig) sie konn­ten auch nichts leisten, denn sie haben keinen Volksver­ein. (Stürm. Beifall.) Festhalten müssen wir an dem konfessionellen Charakter der Schule, an der geistlichen Schulaufsicht. Jeder kath. Lehrer mutz in den katholischen Lehrerverein. (Bravo!) Schließen wir uns zusammen, um unsere Jugend vor einer großen Gefahr zu bewahren, vor der öffent­lichen Unsittlichkeit. (Lebhafter Beifall.) Be­sonders wichtig ist auch die Sorge für die kathol. Presse. Ausgabe der Frauen ist es, der farblosen Presse den Eingang ins Haus zu verwehren. Wir müssen eine freie katholisch« Kirche in jedem Bundesstaat haben. Weg mit allen Fesseln unb Ketten staatlicher Gesetzgebung! Unsere Orden wollen wir alle wieder haben bis zu den Jesuiten. (Stürmischer Beifall.) Wir erheben uns nicht über unsere anders­gläubigen Mitbürger; kein Wort ist gefallen, was etwa unsere andersdenkenden Mitbürger verletzen könnte. Unsere Versammlung ist glänzend verlaufen. Tot­geschwiegen werden kann die Katholikenversamm­lung nicht mehr. (Beifall.) Von den Zeiten, wo selbst führende Organe in Deutschland es riskierten, nichts über den Katholikentag zu bringen, von diesen Zeiten sprechen wir nur noch im Plusquamperfektum. (Große Heiterkeit.) Der Redner dankt den Bürgern der Stadt Augsburg, ihrem Oberbürgermeister, den Behörden, dem Lokalkomitee unb auch ber Presse, insbesondere aber dem Episkopat (Stürmischer Beifall), ber in so überaus großer Anzahl unserer Tagung beigewohnt

57. General-Bersammlimg der Katholiken Deutschlands in Augsburg

X AugLburg, 25. Aug. 1910.

Fünfter Tag — Donnerstag.

Heute früh werden in allen Kirchen hl. Messen nach Intention des BonifatiusveretnS abgehauen. Um 8 Uhr begann dann die

vierte geschloffene Versammlung nnter dem Vorsitze des 1. Vizepräsidenten Graf Schönburg. Sie beriet die Anträge betr. die christliche Bildung. Hinstchtlich der Schule wird betont, daß angesichts der immer unverhüllter auftretenden Bestrebungen, unser ganzes Volksleben dem christlichen Geiste zu entfremden, alle Kräfte aufgeboten werden müssen, um der Heranwachsenden Jugend eine möglichst gründliche Kenntnis der kirch- ltchen Glaubenslehren zu vermitteln, um sie zu tiefer Gottesfurcht und ernstem Pflichtgefühl zu erziehen. Die Versammlung hält es deswegen für eine der wichtigsten Ausgaben der deutschen Katholiken, für die Erhaltung der konseffionelleu Volksschule und konfessionellen Lehrerbildungsanstalten unbeirrt ein« zutreten und die Macht der Kirche auf die Schule ungeschmälert aufrecht zu erhalten. Ein Zusatz- antrag bezweckt, eine besondere Organisation der deutschen Katholiken, die die Schulfrage behandelt, zu schaffen.

Ein weiterer Antrag beschäftigt sich mit dem Preßverein, ein Gebiet, aus dem Bayern er­folgreich und vorbildlich vorgegangen ist. Solche Preßvereine sollten überall errichtet werden. Landes­sekretär Dr. Müller weist ziffernmäßig die gewalti- gen Leistungen des Preßvereins nach auf dem Ge­biete der Volksaufklärung durch Vorträge, auf dem Gebiete der Literatur durch katholische Volks­bibliotheken, auf dem Gebiete der kath. Presse durch kräftige finanzielle Förderung. Der Antrag wird an­genommen; ebenso die Anträge betr. Förderung des Albertus-MagnusvereinS und des Hilde- gardsvereins, welch letzterer den Zweck hat, katholischen Frauen von Talent und Neigung das Studium zu erleichtern. Drei Anträge befassen sich mit dem wichtigen Gebiet der Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit. Abg. Speck- München spricht unter donnerndem Befall dem verdienten Herausgeber der „Alla. Rundschau* den innigsten Tänk der Versammlung für seinen un« entroegten Kampf gegen die Pest der öffentlichen UnsUllichkeit ans. Da die bestehenden Gesetze viel- fach nicht ausreichen, die Gerichte versagen, müsse man zur Selbsthilfe greifen und solche Geschäfte, die unsittliche Bilder und Werke in ihren Fenstern ausstellen, zu boykottieren. (Stürmischer Beifall.) Apotheker Block-München, der besonders den An­trag betr. Bekämpfung der Prostitution schon auf früheren Katholikentagen eingebracht hat, erörtert die Möglichkeit der Bekämpfung der Prostitution. So schwer die Materie sei, sie müsse in Angriff ge- nomnien werden. Eine Kommission solle gewählt werden, die diese Frage eingehend zu prüfen unb-, die entsprechenden Vorschläge zu machen habe. Die Anträge werden angenommen. (Bravo l) In das Zentralkomitee treten ein (satzungsgemäß) der Präsident des Katholikentages und der des Lokal- komi'ees; ferner werden neu hinzugewählt Dr. Hüsgeu-Düsseldorf (Vors. des Augustinusvereins), Dr. Bachem-Köln und Dr. Pieper-M.-Gladbach. Während der Versammlung ist ein Glückwunsch, telegramm des österreichischen 100000 Mitglieder zählenden kath. Schulvereins eingelaufen. Für den italienischen Katholikentag wird Msgr. Dr. Werth- manu-Freiburg als Delegierter entsendet.

die Interessen anderer zu verstehen und die Achtung anderer hochzuhalten. Also Erziehung zum Ge- m e i n s i n n ist notwendig. Wetter muß der Jugend- liebe beruflich auf seine spätere Berufstätig- teil vorbereitet werden und wenn er temen eigentlichen Beruf erlernt, so ist ihm die F«ud« an der Arbeit dadurch zu vermitteln, daß man chn über- zeugt, es sei die Arbeit um ihrer selbst Nullen wert, verrichtet zu werden. Ferner müssen wir voÄrrett«, auf den Elternberuf und Sparsamkeit, Wirtscbaftlich- keü üben. Namentlich ist den Mädchen, die m der Industrie tätig sind, durch hauswirtschaftliche Er- ziehung die Befähigung zur Hausfrau zu vermttteln. (Erneuter Beifall.) Auch das s o z i a l e B e r st a n d- niS ist den Jugendlichen zu erschließen. Auf diesem Boden erziehen wir Charaktere. Dabei muß auch der jugendliche Leib durch LeibeSpfleae, durch Spiel und Sport für das Leben gestählt toerden, aber nicht darf, hne es leider häufig geschieht, hierdurch die Charakter- bildung auf dem Boden des Christentums in den Hin- tergrund treten. Wir wollen eine ganze harmonische Erziehung. (Beifall.) Verläßt der Knabe die Schule, so tritt das Elternhaus zurück und andere Faktoren, Freunde, Vergnügen treten in den Vordergrund und mit ihnen die vielen Gefahren für Sitte und Glauben. Deshalb müssen wir diese Freund«, die Arbeitskollegen, die Meister und Arbettgeber zu Miterziehern machen

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In bet Debatte zollte Abg. Dr. Pichler den katholischen Lehrervereinen, die sich in so warmer Weise der katholischen Erziehungsgrundsätze ange­nommen haben, den vollen Dank der Versammlung. Die Anträge wurden angenommen. Ohne besondere Debatte fanden die Anträge betr. gute Literatur für das Volk (Schaffung von Bibliotheken, Volks- büd>ereien) betr. Albrecht - Dürervereine (Verein _____ _____________ w ~vi

christlicher Künstler), Gesellschaft für christliche Kunst 'rechtigkeit und Nächstenliebe könnensozia'len ^Frieden und Bestrebungen ans dem Gebiete der christlichen Brinaen. Si- tTT hot Wplifltnn ift Xt«

Boden. So ist ein Teil der scqialdemokratischen Pro- grammS bereits widerlegt, wie die Sozialdemokraten selbst eingestehen, und somit ist ein grundsätzlicher Teil ihres Programms gefallen. Berechtigt ist nur die Kri- tik an der liberalen Freiwirtschast, aber dies« ist nichts Naturnotwendiges, sondern sie ist ein Fehler, von Men­schen begangen. (Großer Beifall.) Der Klassenkampf ist auch nichts Naturnotwendiges, er ist etwas Krank­haftes nach der christlichen Auffassung. Eine Krankheit des sozialen Lebens, die nach Heilung ruft (Beifall.) AuS der christlichen Auffas. fung ergibt sich das Gesetz der Solidarität, wonach die einzelnen Mitglieder auf gegenseitige Hilfe und Unter- ftützung angewiesen find. Per ganze Organismus muh leiden, wenn auch nur ein Glied der Gesellschaft krank fft, daher muß die Gesellschaft zusammen helfen, um die Krankheit ju heilen. Man mutz die Klassen e i n- andernaherbringen. Rur die Versöhnung kann, wie Papst Leo XIII. gesagt hat, die Gesellschaft retten. (Beifall.) Wa» müssen totr tun, diese Versöhnung her» beizuführen? In erster Linie die Selbsthilfe! Die Gesellschaft mutz das Volk zu sozialer Gesinnung erziehen, die im Nebenmenschen ein Glied des gesell­schaftlichen Organismus erblickt und brüderliches Ent- gegenkommen verlangt. Das gilt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nichts ist schädlicher für die Arbeiter ftlbst, als die sozialdemokratische Verhetz- u n g; sie mag die Sozialdemokratie zusammenhalten, aber sie kann nicht zur Ueberwindung deS Klassenkam­pfes führen. Sie verbittert nur die besitzenden Klaf­fen und eS gibt zahlreiche Arbeitgeber, di« ein gutes Herz für die Arbeiter haben. (Beifall.) Manche Ar­beitgeber — ich könnte Namen nennen — haben zu Zeiten schlechter Konjunktur die Arbeiter nur weiter arbeiten lassen, weil sie «S für ihre sittliche Pflicht hiel­ten. (Stürmischer Beifall.) Aber auch sie verlieren schlietzlich die Lust dazu, wenn von der anderen Seite alles in den Staub gezogen wird. (Sehr richtig). Es ist auch nicht richtig, daß die Machtmittel der besitzenden Klaffen durch den Klaflenkampf geschwächt seien, im Ge- »enteil, die Arbeitgeber haben sich fest organi- fiert. Schließlich muß die Aufstachelung der Leidenschaften auch auf die Arbeiter selbst kor- rumpierend Witten. Glaubt man, wenn man alles ber» ungenieren will (Heiterkeit), daß, nach dem Kladdera­datsch plötzlich allgemein« Friedfertigkeit herrscht? Will eine Klaffe die andere in der Führung der Gesellschaft ablösen, so hat sie zunächst darauf zu achten, daß sie selbst dessen würdig ist. Solche Stimmen werden auch auJ? den sozialdemokratischen Kreisen anderer Län­der laut und aus den Gewerkschaften Englands. Rur bei den deutschen Sozialdemokraten hören wir sie nicht. (Sehr richtig). Die Klagen der Angestellten in sozial- demokratischen Betrieben wollen kein ®itbe nehmen und damtt geht ein unerhörter Terrorismus, der die eigenen Leute auf die Straße setzt, Hand in Hand. Das ist eine Scheußlichkeit, wenn man verlangt, daß die Leute aus der Kirche austreten, falls sie nicht auf die Straße fliegen wollen. (Pfuirufe und stürmischer Beifall.) Eine fchlimmere Brutalität gibt es in der Geschichte der Arbeiterbewegung nicht, (erneuter stürm. Beifall.) und ich halte eS für eine heilige Pflicht, unseren christlichen Gewerkschaften, die in schwerem Kämpft stehen, unseren Dank auszusprechen und unsere Unterstützung zuteil werden zu lassen (stürmischer Beifall). Wer selbst an so schweren Schäden leidet, wie die Sozialdemokratie, ist nicht berufen, Schäden zu heilen, sie nimmt keine Rücksicht auf Menschenwürde und Menschenarbeit. In der Leitung ihres Geschäftes müssen die Arbeitgeber Herren bleiben, aber in der Feststellung der Arbeits- und Lohnbedingungen müssen die Arbeiter ein M i t b e- stimmungsrecht haben. Die soziale Gesinnung des Arbeitgebers mutz sich vor allem zeigen in dem to- schluß von Tarifverträgen. (Lebhafter Beifall.) Die Jugend mutz soizal schon früh herangebildtt wer- den, und mit Liebe gegen alle Stände erfüllt werden. Die höheren Bildungsanstalten müssen eine zeitgemäße Ausgestaltung erfahren, sie müssen sich mit den Fragen der Gegenwart befassen. Ferner mutz die akade- mische Jugend sozial erzogen werden. Die akademischen Kreise müssen führend vorangehen. (Lebh. Beifall.) Der Staat hat alle Kreise gleich zu bchairdeln und

und an allen Veranstaltungen teilgenommen hat. (St. Beifall.) ES war un8 wertvoll, gerade durch ihre Mit- Wirkung beehrt zu werden und dadurch von neuem den Beweis für die Einheit und Einigkeit der kathol. Kirche erbringen zu können. (Lebhafter Beifall.) Und von weither sind die Herren zu uns ge- komme«. Möge« sie ein rühmendes Andenken an die Augsburger Tage mit sich nehmen, mögen sie den Katho­liken draußen m ihren Missionsländern von unseren Arbeiten Kunde geben und damit manches katholische Herz trösten und aufrichten, daS sich in der Einsamkeit schwach und mutlos fühlt. Wir feiern heute daS Fest deS H. Ludwig. Da brauche ich die bayerischen Herzen nur hinzuweisen auf den Namen eines Ludwig T. und einen Prinzen Ludwig. (Stürmischer, immer von neuem wieder auSbrechender Beifall.) O glück­liches Bahernland, da» von einer solchen Dynastie be» herrscht wird! (Donnernder Beifall.) Möge eS auch uns vergönnt sein, dem Prinzen Ludwig unsere herz­lichsten Glückwünsche zu seinem Namenstage hiermrt zum Ausdruck zu bringen. (Stürmischer Beifall.) Und nun darf ich noch eine» Mannes gedenken, der schon lange nicht mehr unter uns weist und an dessen Stelle zu stehen ich die große, unverdiente Ehre habe, eine» Mannes, dessen Name unverwelklich und unverwischbar im Gedächtnis der katholischen Welt ist: unseres Lud­wig Windthorst. (Stürmischer Beifall.) Ich glaube, et hat vom hohen Himmelszelt unserer Tagung zugeschaut, er wird seine Freude daran gehabt haben und er wird gesagt haben: Mein Erbe ist noch in guten Händen und ich bin unbesorgt für die Zukunft unsere» katholischen Volles. (Stürmischer Beifall.) Arbeite» wir weiter wie unser Ludwig Windthorst und suchen wir alles, was in dieftn Tagen an unser Herz und Ohr gelungen ist, auszuführen in seinem Geiste; möge jebet den Vorsatz fassen, daß er von hier hinauszieht in eine Heimat und daß er nun dort wie ein Held Eintritt ür unseren katholischen Glauben (Beifall), und daß et alles das verwirklichen möchte, war hier besprochen wor­den ist. Dann möge wie ein heller Jubelton daS Gloria in excelsis sich weit ausbretten über unser gan­zes katholische Deutschland, dann wird immer näher die Zeit kommen unb immer glänzender, von der man sagen kann: Christus lebt, Christa» regiert, Christus triumphiert! (Stürmischer Beifall.) 2>amit

auch zu unseren Vorsätzen den Segen Gottes mttneh- men, darf ich jetzt die ehrfurchtsvollste Bitte an den Hochwürdigsten Episkopat aussprechen, unS den bischöf­lichen Segen erteilen zu wollen.

Bischof Freiherr Dr. v. Lingg:

Ich möchte reden und kann nicht. Ich 6in in tiefster Seele ergriffen. Ich möchte nur sagen: Deo gratiasl Wenn Sie mich am Anfang und jetzt wieder am Schluffe um den bischöflichen Segen gebeten haben, so haben Sft es wohl getan nach dem Wort: Mit Gott fang an, mit Gott hör auf! Aber mir ist, als ob alle diese Tage ein fortgesetzter Gottesdienst gewesen wären. Das waren Tage heiliger Begeisterung für Gottes Ehr« und für Jesus Christus und seine Kirche. Augsburg hat viele glänzende Reichstage gesehen, aber mir ist: glänzender können sie auch nicht gewesen fein als diese Katholikenversammlung. (Beifall.) Und daS alles hat unser hochverehrter Herr Präsident uns in so erheben­der, schöner Weise auseinandergesetzt, daß ich Abstand nehmen mutz, seine Worte noch zu ergangen; es kommt mir vor, als hieße eS, sie abzuschwachen. Gleichwohl muß ich Sie bitten, mir nicht zu verübeln, Iren« ich seine Worte in ein paar Punkten ergänze. Der Herr Präsident hat allen Dank gesagt, die zum Ge­lingen dieses Katholikentages beigetragen haben; nur einen hat er vergessen: sich selbst. (Stürmischer Bei­fall.) Ich glaube in Ihrer aller Namen zu handeln, wenn ich dem hochverehrten Herrn Präsidenten für alle seine Umsicht, für all« feine aufreibende und opfer­willig« Tätigkeit unseren innigsten Dank sage (Bei- S, und wenn wir ihm versprechen, wir wollen beten, t möge es ihm lohnen mit seinem Segen. (Stürm. Beifall.) Der Herr Präsident hat weiter ganz beson­ders der Stadt Augsburg gedankt, und da habe ich auch noch etwas auf dem Herzen. Ich muß da zu­nächst ein Schuldbekenntnis oblegen. Vor zwei Jahren wurde mir von dem Herrn Chefredakteur der „Post- zeitung" die Frage nahe gelegt, wie ich mich dazu stellen würde, wenn man einen Katholikentag für Augsburg beantragen würde. Ich antwortet« ihm, ich fet nicht dagegen, aber es seien dabei noch so viele Vorfrage« zu bedenken, daß ich Zweifel hegte, ob es in Augsburg ge­lingen würde, einen Katholikentag durchzuführen. Da habe ich mich aber arg blamiert! (Stürmischer Beifall und Heiterkeit.) Meine lieben Augsbur­ger, die chrben mich auch energisch herausgebiffen. (Er­neuter stürmischer Beifall und Heiterkeit.) Ich war Zeuge, daß seit einem Jahre die Arbeiten und Sorgen kein End« genommen haben, ich war selbst Zeuge, wie in diesen Tagen alle Klassen, alle Stände, alle Behör­den, alle Konfessionen zusammen geholfen haben, diesen Katholiftntag zu einem Ehrentag für Aug 3- bürg zu machen. (Stürm. Beifall.) Namentlich ein paar Herren kenne ich, die sich fast zu Tode gearbeitet haben; in ihrem Interesse bin ich froh, wenn die Sache bald aus ist. (Heiterkeit.) Als Vertreter der Diözese Augsburg fühle ich Mich darum verpflichtet, aus Her­zensgrund allen, allen lieben Augsburgern ein herz- tiches „Bergelt'S Gott!" zuznrnftn. Ja, Gott beschütze mein lieber Augsburg für und für. (Beifall.) Und dieses liebe Augsburg wollen Sie nun wieder v e t • lassen? Mir wird ordentlich schwer ums Herz. O bleibenSieda, (Heiterkeit), ich will Sie als meine liebsten Diözesanen aufnehmen. (Beifall und Heiter- keit.) Sie lachen übet meine Einfalt. Ja, ich weiß. Sie ziehen wieder heim, aber dann bitte ich, verges­sen eie Augsburg nicht! (Beifall), kommen Sie bald wieder! (erneuter stürmischer Beifall.) Ver­gessen Sie nicht: die Halle, die bleibt stehen (erneuter Beifall und Heiterkeit). Sei dem aber, wie immer; habe ich Ihnen am Anfang ein herzliches Grüß Gott zugerufen, so nun am Schluß aus wehmütigem, aber dankerfülltem Herzen: Behüt Euch Gott, auf Wieders eh en, wenn nicht auf dieser Erde, so hof­fentlich droben im Himmel am Herzen Gottes! (stür­mischer, langanhaltender Beifall). Und nun bitte ich meine hochwürdigsten Amtsbrüder, mit mir ber Katho- likenvetsammlung den bischöflichen Segen zu erteilen. (Die Versammlung empfängt knieend den bischöflichen Segen. — Stürmischer, nicht endenwolle.i- der Beifall und Hochrufe).