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M 189.

Samstag den 20. August 19(0.

57. Jahrgang.

* Wüaer W Leitung *

5. Blatt.

Druck und Verlag der Kuldaer Aetiendruckero in znlda.

Salang-Land anlaufen, das Prinz Heinrich zu besich tigen wünscht.

* Drei Kinder verschwvudm sind im Laufe dv letzten zwei Tage in Berlin. Die Bemühungc» der Polizei sie wiederzufinden, waren bisher ver geblich.

♦ Die kirchliche Trauung der Baronin Baughau der morganatischen Gattin des verstorbenen König!. Leopold mit ihrem Güterverwalter Durieux hat an Donnerstag in der Kirche von Arionville statt gefunden.

♦ Ueber ein türkisches Kulturbild wird aus Kon stantinopel berichtet. Der Soldat Hüsni, bei während der Gegenrevolution vom April v. I. eine» Offizier ermordet hatte, wurde auf öffentlichen Platz« gehenkt. Der Leichnam, den man stunden lang an dem Galgen baumeln ließ, wurde von de! tausendköpfigen Menge angespieen.

♦ Studentinnen als Kellnerinnen. An der amerl kanischen Universität Yale hat das „Bureau zm Selbsthilfe" für die Studentinnen, die während ihrer Studienzeit selbst für ihren Lebensunterhalt sorge» müffen, eine neue Wirksamkeit eröffnet. Da cs immer schwieriger wird, sich durch Stundengeben das Nötig» zu erwerben, ist das Bureau aus den Gedanken ge kommen, die jungen Mädchen in ihrer freien Zeit als Kellnerinnen zu beschäftigen. Schon im Frühjahr fan­den sich einige junge Mädchen, die sich über alle Vor- urteile wegsehten und in mehreren großen Restau rationen als Kellnerinnen austraten. Namentlich dort, wo viele Ausländer verkehrten, machten die Wirte die Erfahrung, daß die Gäste mit der neuen Be­dienung äußerst zufrieden waren. Ebenso stellten fit fest, daß das gebildete weibliche Publikum sich zu den Lokalen hingezogen fühlte, wo sie von Studentinnen bedient wurden. Weibliche Studentinnen sind auch als Chmiffeure tätig gewesen, und einige haben nachts in den Setzereien gearbeitet, alles, um ohne fremd» Hilfe ihre Studien fortsetzen zu können.

♦ Zur Verschönerung Jerusalems sollen nach einem Beschluß des türkischen Ministerrats die zahllosen Holzhäuser, welche den Eindruck der Monumental« torr Jerusalems, Babel Halil und Babel Amud, so stark beinträchtigen, niedergelegt werden.

Literarisches.

Soeben wurde das erste Heft des Jahrgangs 1911 des „Buches für Alle" (Union deutsche Verlags- gesellschaft, Stuttgart) ausgegeben, des sechsnndvier« zigsten! Das allgemei t auf das vorteilhafteste be­kannte Unternehmen hat sich schon längst den Ruf erworben, eines der besten und gediegensten deut­schen Familienblätter für die weitesten Kreise zu fein. Reicher Bilderschmuck macht es zu einem Prachtwerk im vollsten Sinne des Wortes, durch wirkungsvollen, spannenden Unterhaltungsstoff fesselt es den Leser vom ersten bis zum letzten Heft. Der neue Jahrgang wird eröffnet mit einem Roman aus den Kreisen der hohen Diplomatie „Das wo« gcnde Licht" von E. v. Adlersfeld-Ballestrem und einem äußerst effektvollen Kriminalroman „Das Buch des Paracelsus" von Friedrich Jacobsen. Es ist ein Gewiß, schon die beiden ersten Fortsetzungen zu lesen, die darauf schließen lasten, in welche Span­nung der weitere Verlauf den Leser versetzen wird. Viele weitere Beiträge folgen in interessantester Ab­wechslung. Besonders Hinweisen möchten wir noch auf dos wertvolle Kunstblatt „Schön Rohtraut", das für den billigen Preis von 1 Mk. 50 Pfg. jedem Abonnenten wie überhaupt jedem Kunstfreund zur Verfügung steht.

Kleines Fenitteton

ä Die Fleischteuerung, über die man vielerorts klagt, hat in Oesterreich zu einer Bewegung geführt, die auch für uns Reichs- deutsche von Interesse ist; vor allem deshalb, well die in Oesterreich vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen uns mit angehen würden.

Die Mitglieder des christlich-sozialen Gemeinde­rats in Wien haben in anbetracht der Schwierigkeiten, die Stadt Wien genügend mit Fleisch zu versorgen, den Handelsminister Dr. Weiskirchner ersuch^ im Jntereffe der Wiener Bevölkerung den sofortigen Er­laß eines zeitwelligen Ausfuhrverbots für Schlachtvieh und Fleisch zu bcwicken. Daraufhin fanden unter den Ministern Besprechungen statt, die mit einer Ministerkonferenz und dem Ergebnis ab­schloffen, daß man zunächst in der Angelegenheit nichts tun könnte. Damit wäre die Bewegung vorläufig auf dem toten Punkt angelangt.

Die Gründe für die Fleischtenerung sind für Oesterreich in erster Linie darin zu finden, daß das vergangene Jahr eine schlechte Ernte und insbesondere eine Not und Preissteigerung der Futtermittel ge­bracht hatte. Die Folge war, daß die kapitalsschwa­chen Bauern Jungvieh nicht aufzuziehen vermochten und verkaufen mußten. Die Viehpreise gingen infolge dieser Notschlachtungen zurück. Die Landwirtschaft trat mit stark gelichteten Viehständen in das heurige Jahr, das nun billige Futtermittel brachte, und damit den Anreiz, aufzuzüchten und zu mästen. Die Folge Inb die hohen Fleischpreise.

Während der verhältnismäßig niedrigen Fleisch­preise im vorigen Jahr ließ sich die österreichisch, ungarische Regierung von den Parlamenten zum Ab­schluß eines Handelsvertrags mit Ru­mänien und Serbien ermächtigen. Diese Ver­träge — der mit Rumänien tritt am 1. September schon in Kraft, der mit Serbien bedarf nuc noch der Zustimmung des ungarischen und serbischen Parla­ments, die vollkommen sicher ist — machen zwar der jahrelangen Grenzsperre ein Ende, aber die Einfuhr von Lebendvieh ist auch darin nicht zugestanden, son­dern nut die Einfuhr ziffernmäßig begrenzter Fleisch- Kontingente. Zur Vornahme der veterinärpolizeilichen Kontrolle wird die Schlachtung in Erenzschlachthäu- fern vor sich gehen. Diese Verträge wurden damals mit voller Zustimmung der städtischen Abgeordneten, natürlich gegen den heftigsten Widerstand der Land­wirtschaft in den Donauparlamenten durchgesetzt. Jetzt, wo bei der städtischen Bevölkerung der Kampf gegen die hohen Fleischpreise einsetzt, ist es zu spät. Die Vertrüge treten in Kraft, wie es ja auch dem Wiener Ministerrat in Rücksicht auf den Handelsver­trag mit Deutschland nicht möglich war, dem Er­suchen des Gemeinderats von Wien, die Grenzen zu schließen, Folge zu leisten.

Ob das Wiener Kabinett auf die Dauer dem Drängen der städtischen Bevölkerung widerstehen kann, ist zweifelhaft. Aber eine Mion zur Verbilligerung des Fleisches wird sich nicht in den vom Wiener Ge­meinderat vorgeschlagenen Bahn, der Schließung der Grenzen, halten können. Dazu wird einmal das ungarische Kabinett niemals seine durchaus notwen­dige Zustimmung geben, da Ungarn als Ausfuhrland auf den Absatz im Ausland und auf hohe Preise an­gewiesen ist. Anderseits wird auch Deutschland euer- gisch dagegen Protest erheben müffen. Ist doch im Handelsvertrag. nur der Fall der höchsten Not für eine solche Maßnahme vorgesehen und ist besonders der Süden Deutschlands von der Einfuhr aus Oester­reich-Ungarn in der Deckung seines Fleischkonsums abhängig. Es würde beispielsweise ein Schließen der österreichischen Grenze in manchen süddeutschen Großstädten ein Anziehen der Fleischpreise um 20 Prozent zur Folge haben.

So bleibt also zunächst nur die Wirkung der ru­mänischen und später der serbischen Einfuhr begrenz­ter Kontingente abzuwarten. Eventuell könnte, wie die „Germania" meint, durch einen neuen Vertrag auch argentinisches Fleisch zugelaffen werden. Auch sind vom österreichischen Parlamente je 6 Mil- liiznen auf 9 Jahre, im ganzen 54 Millionen für eine rationellere Organisation der Diehverwrrtung und zur Unterstützung der Aufzucht bewilligt worden. Schließlich wird man aber doch wieder innerhalb ge- wisset Grenzen die Einfuhr von Lebendvieh aus den Balkanländern zulassen müssen — selbst­verständlich unter den strengsten polizeilichen Vieh- seuchen-Vorschristen. — Ob diese Maßregel aber durchgeführt werden kann, hängt wesentlich von der

Aus dem Nachbargebiete.

Marbach, 18. August 1910. Bei dem Ge- Witter am 15. d. Mts. abends zwischen 9 und 10 llhr schlug der Blitz in den hiesigen Kirchturm

vermischtes.

♦♦ Sind Eltern verpflichtet, Ihre Kinder in der Schule nachsitzen zu lassen? In allen Provinzen sind Schulordnungen ergangen, nach welchen die Eltern dafür sorgen müssen, daß ihre Kinder die Schule be­suchen. Nun war einer Frau in Berlin vor kurzer Zeit mündlich mitgeteilt worden, daß ihr Sohn nach- sitzcn solle. Als der Knabe dazu nicht erschien, wurde die Mutter wegen der Schulversäunmis ihres Knaben angeklagt und berurteilt, da auch Nachsitzestunden zum Schulunterricht gehören, auch sei cs unerheblich, ob der Mutter mündlich oder schriftlich mitgeteitt worden fei, daß ihr Sohn nachsitzen müsse. Diese Entscheidung focht die Frau durch Revision beim Kam merze» richt an, das indessen die Revision als unbegründet zurückwies und u. o. ausführte, die Eltern haben nicht nur ihre Kinder zu den regelmäßigen Schulstunden, sondern auch zu den Nachsitzestunden und zu Schul- sestlichkeiten zu senden, zum Schulunterricht gehören auch solche Veranstaltungen, welche vorwiegend einen erziehlichen Charakter haben. Bei Schulfesten ist es auch unerheblich, ob sie innerhalb oder außerhalb der Schulräume stattfinden. Die Versäumnis von Nach- fitzesiunden, Schulfesten, die von der Schulbehörde zur Belehrung und Erziehung der Schüler veranstaltet werden, sind ebenso zu verurteilen wie die des ge­wöhnlichen Unterrichts.

♦ „Ah, diese tapferen Leute.'" Diesen Ausspruch tat bekanntlich König Wilhelm L von Preußen, als er die letzte große Kavallerieattaque der Franzosen bei Sedan beobachtete, womit die eingeschloffene Armee einen letzten verzweifelten Versuch machte, de» deutschen Eifenring zu durchbrechen. Zur Er­innerung an jene französische Helden wirb am 1. September in Fl airy bei Sedan ein Denkmal enthüllt, das die obigen Worte des Monarchen als Inschrift tragen soll.

♦ Die Ergebnisse der Zeppelinerpedition. Die aus dem Dampfer „Mainz" vor T r o m s o e eingetroffene Zeppelin-Expedition hat außer wissenschaftlichen Untersuchungen, die Fragen über die Technik der Luft- schiffahrt zum Gegenstand hatten, umfassende ozeano­graphische Untersuchungen vorgenommen. Man kon­statierte eine Spaltung des Golfstromes durch einen zwischen beiden Zweigen fließenden käl­teren Strom, der vom Eismeer nach Süden fließt. Die „Carmen" und die „Mainz" sind jetzt von Tromsoe ivicder in See gegangen. Die „Carmen", mit dem Prinzen Heinrich an Bord, wird das nabeaeleqene

Deutsches Keich.

£ Die konfessionellen Arbeitervereine Deutschlands. Durch eine jüngst veröffentlichte Statistik werden die Verhältnisse der konfessionellen Arbeiter- und Arbei- terinnenbereine in Deutschland zahlenmäßig darge­stellt. Die Stattsttk reicht bis zum Anfang des Jahres 1910. Demgemäß gab es bis zu diesem Zeitpunkt 680 evangelische Arbeiter- und Arbeiterinnen- veretne, von denen 676 auf den Gesamtverband evan­gelischer Arbeitervereine Deutschlands in München- Gladbach kamen. Die 880 Vereine verfügen insge­samt über 146 108 Mitglieder, von denen 106 784 Mitglieder auf den Gesamtverband evangelischer Ar­beitervereine in Deutschland kamen. Die Zahl der katholischen Arbeiter- und Arbeitettnnenvereine ist rund viermal so groß als die der evangelischen. Auch die Mitgliederzahl ist bedeutend größer als die der evangelischen Arbeitervereine. Bis Ende des Jah­res 1909 gab es in Deutschland insgesamt 3 4 81 katholische Vereine, die eine Mitgliederzahl von 4 8 9462 hatten. Die Gesamtzahl der in Deutsch­land vorhandenen konfessionellen Arbeiter- und Arbei- terinnenbereine betrug 4361, die über 635 570 Mit­glieder verfügten.

) ( Gegen das Schleppmonopol haben jetzt die rheinischen Schiffer Front gemacht. Die Par­tikulierschiffer des Rheins haben an die Regierung eine Eingabe gerichtet, in der beantragt wird, die Errich­tung des staatlichen Schleppbetriebes auf dm Kanälen und ösfenllichm Wafferstraßen aufzuheben bezw. nicht zur Ausführung zu bringen. Sie treten im Verein mit zahlreichen Jntereffentengruppen gegen das Schlepp­monopol auf, weil sie darin den ersten Schritt einer Wafferftraßenpolitik erblicken, die daraus hinaus will, die Wettbewerbstätigkeit der Wafferstraßen gegenüber der Eisenbahn zu untergraben und das bestehende Eisenbahnmonopol durch Angliederung eines Waffir- sttaßenmonopols zu einem allgemeinen Verkehrsmono­pol zu erweitern. Im Auftrage der preußischen Re­gierung führt der Regierungspräsident von Düsseldorf die Verhandlungen mit den Rheinschiffem und den Schiffahrtsinteressenten. Die Regierung hat wohl­wollende Prüfung der Wünsche zugesagt. — Die Ein­wendung, die da gegen das Schleppmonopol gemacht wird, ist immerhin beachtenswert. Soll wicklich mit dem Schleppmonopol der erste Schritt zum allgemei­nen Schleppmonopol gemacht werden, dann wäre es z. B. auch mit den billigm Frachtsätzen auf den Was­serstraßen bald vorbei. Preußen würde schon dafür sorgen, daß die Geschichte sich „rentierte".

Haltung Deuffchlands ab, das durch veterinärpolizei- liche Schwierigkeiten eine Zulassung aus den Balkan- länbem verhindern könnte. Angesichts des Umstan­des, daß auch in Deuffchland die Jndustrieliberalm und die Sozialdemokratie agitatorisch mit ihrm Kla- gen über Fleischteuerung hausieren gehen, wäre es wohl fiug, Oesterreich da entgegenzukommen, sobald in viehfmchen-polizeilicher Richtung volle Bemhigung gegeben wäre.

In Deutschland hat zur Sicherung der Fleischvcrsorgung der Bevölkerung das preußische Landwittschaftsministerium einen Erlaß an d i e Landwirlschaftskammern gerichtet, in dem ausgeführt wird,

daß die Deckung de? heimischen Fleischbedarfs durch die deutsche Landwirtschaft noch ausreichend ge­sichert sei. Obwohl eine Verminderung des Bestan­des in einzelnen Tiergattungen habe festgestellt werden müssen, sei durch die Vermehrung der Schweine, durch die Zunahme der jungen Tiere, die binnen kurzem schlachtreif werden, und durch die sottschreitende Ver­besserung des Viehstandes für Deckung des heimischen Fleischbestandes genügend gesorgt. Das Landwirt- ichaftsministerium glaubt aber darauf Hinweisen zu sollen, daß nichts verabsäumt werden dürfe, in der Haltung der Schweine eine größere Stetigkeit herbei« znsühren. Auch der Rindviehhaltung solle weitere be­sondere Aufmerksamkeit zugewendet werden. Die ver­mehrte Einstellung von Jungvieh müsse mit allen Mitteln gefördert werden. Zu diesem Zwecke sei eine stärkere Betonung des Futlerbaues, eine vermehrte und bessere Anlegung von Viehweiden und eine durch­greifendere Förderung der genossenschaftlichen Vieh­verwertung in Betracht zu ziehen.

liche Chinese zum Zeichen der Unterwerfiing die mand- schurische Tracht und mit ihr den Zopf, das Abzei­chen des mandschurischen Kriegers, annähme. An­fangs war der Widerwille gegen den als lächerlich und barbattsch verabscheuten Zopf überall sehr groß, die neuen Herren kannten aber in diesem Punkte keine Nachsicht und gaben allen Barbieren halbamüiche Rechte, unter diesen die Befugnis, jedem, der sich ihren Händen nicht anvertraute, auf der Straße den Kopf abzuschneiden. Das wickte, und seitdem ist der Zopf und die mit ihm zusammengehörige mand­schurische Tracht zu einem Teile des altehrwürdigen nationalen Besitzstandes geworden, den anzutasten noch vor fünf Jahren als ein radikales und frevel- pafteg Unterfangen eingeschätzt wurde. Bezeichnender Weise haben settdem aber die Jungchinesen, besonders

Aapan erzogenen, ihr Hauptaugcnmeck auf die Abschaffung des Zopfes geworfen, nicht so sehr, weil er ent Teck der mandschurischen Tracht ist, als weil « |o ganz anders als alle Trachten des Auslands mKnrA ""^erlich ihr Land so wenig wie

^^r^brscherden soll. Man kann deshalb in dm Hafenplatzen überall solche jungen Leute mit abge- schntttenem Zopf herumlausen sehen. Man besinnt •“». m ^hma allmählich darauf, wie unpraktisch mtd häßlich der Zopf tm Grunde fft. Da er jeden Morgm neu geflochten werden muß, kostet er feinen Trager sehr viel Zett und Geld, und bei eiligem Gehen sitzt er überall fest, an der Stuhllehne nicht min­der als beim Abspringen an der elektrischen Straßen­bahn. Es heißt jetzt, daß der blutjunge Prinz Tsai- tao, der Stiefbruder des Regenten und neuernannte Chef des Generalstabs, in einer Eingabe die allge- meine Abschaffung des Zopfes empfohlen habe. Wenn diese Nachricht wahr ist, was sehr zu bezweifeln ist, so würde sie doch noch als die der Jugend so nahe^ liegende Sucht zu leichtfertiger Zerstörung des Alt. üBertommenen von keiner großen Bedeutung sein, sie zeigt aber, daß die Ehrfurcht vor dem Zopf in weitern Kreisen doch erheblich abgenommen hat.

— „Ochsnmbungen". Die unter diesem Spitz­namen seit zwei Jahren bei den Jnfanterietruppen emgefühtten Hebungen verbunden mit Schlachten und iofortigem Verzehren eines Ochsen haben ergeben, daß sie durchaus zweckmäßig sind; sie werden in die- fern Jahre m erweitertem Maße bei allen Infanterie- Jager- und Wchutzenbataillonen fortgesetzt Da die Truppen in der Regel das zu ihrer Verpflegung be­stimmte Vieh im Kriege meist selbst zu schlachten ha­ben, müffen die Mannschaften naturgemäß schon zu Friedenszeiten damit Vertraut gemacht werden. Wenn auch durch die Einführung der Feldküchen die Zube­reitung der Kost wesentlich gefördett wird, so wird doch damit zu rechnen sein, daß diese Feldküchen nicht immer rechtzeitig herangezogen werden können und die Leute nach wie vor im eignen Feldkeffel ko­chen müssen. Die Erfahrungen, welche auf diesem Ge­biete während des südwcstaftikanischen Krieges ge» macht worden sind, werden bei diesen „Ochsenübun-

ganz besonders nutzbar gemacht. Richt zu unter« schätzen ist ferner, daß die Offiziere, denen im Kriege . "nes „Verpflegungs-Offiziers" übertragen totrb, schon im Frieden die erforderliche Fachkenntnis sich aneignen und erweitern, wozu ihnen bet dm „Ochsenübungen" hinlänglich Gelegenhett gcbotm wird.

— Der Zopf ist das hauptsächlichste Merkmal, das den Chinesen von affen Völkern der Welt unterschei­de. Und dabei ist er kein Bestandteil der ursprüng­lichen national-chinesischm Tracht. Bis zur Unter» weffung des Landes durch die Mandschu kleidete sich der Chinese ungefähr ebmso wie jetzt noch der Ko- xeaner^ mit weitem weißen Gewände, einem kurzen Schopfknoten und einem ähnlichen, wenn auch nicht Bz so ungestalten Hut wie der Koreaner. Nur das

bliche Geschlecht trug sich schon in alten Zetten in na genau so wie heute. Als die Mandschu das Reich erobert hatten, veckangten sie, daß jeder männ-

ohne zu zünden; er riß ein Stück aus der oberer Zwiebel des Turmes und fuhr am Turme herai in den Boden.

** Dammersbach, 18. August 1910. Nachdem die Divhtheritis glücklich erloschen schien, fängt dieser Würgengel schon wieder an feine Opfer zu fordern; ein Kind von 12 Jahren wurde heute be< graben und zwei liegen noch bedenklich darnieder.

* Frankfurt a. 19. Aug. 1910. Wegen Der Breitung unsittlicher Schriften verurteilte die Straff am. mer den Meßreisenden Hugo Wittmayer, der im Früh, fahr auf dem Juxplatz ein in Wott und Bild unfaw beres Heftchen berlauft hatte, zu einer Geldstrafe vor 60 Mark.

* Dillenburg, 19. Aug. 1910. Am Sonntagabend wurden an der Landstraße von Donsbach nach £an genaubach zahlreiche Obstbäumchen abgebrochen. Der hiesige P o l i z e ih u n d „Jack" nahm die Spur nach Langenaubach auf und stellte zwei Burschen, die auch als Täter ermittelt wurden.

* Gudensberg, 17. Aug. 1910. In dem Hause des bei einem hiesigen Gutsbesitzer in Dienst stehenden Kut­schers fiel das zweijährige Söhnchen des letzteren iti ein mit heißem Wasser gefülltes Waschfaß und ver­brühte sich derart, daß nach zwei qualvollen Ta­gen der erlösende Tod eintrat.

* Eisenach, 18. Aug. 1910. In weitesten Kreisen mürbe es seither abfällig beurteilt, daß von Schülern, die unter Führung ihrer Lehrer die Wartburg be- sichttgen, ein so hohes Eintrittsgeld erhoben wurde, daß gar manches Kind weniger bemittelter El­tern sich den Besuch der historischen Stätten der Wart­burg versagen mußte. Von Kindern aus wcimarischen Orten wurden pro Kopf 25 H und von solchen aus Orten, die nicht dem Großherzogtum angehören, srgai noch mehr erhoben. Das Hofmarschallamt hat nun du Eintrittspreise für Schulkinder, die unter Führung bei Lehrer ble Wartburg besuchen, pro Sinb auf 10 H ermäßigt.

* Haiger, 18. Aug. 1910. Der Verband bei Ortskrankenkassen von der Provinz Hessen- Nassau tagt am Samstag und Sonntag in unserer Stobt. Von ber Tagesordnung sind Berichte über du Krankenversicherung im deutschen Reiche, die Rechts­hilfe im Verbände der Ortskrankenkassen in unserei Provinz zu nennen. Zur Besprechung stehen ferner praktische Entscheidungen von Behörden und Gerichten in Krankenkaff man gelegenhett en, sowie die Krankenfür­sorge für Jugendliche.

* Vom oberen Westerwald, 19. Aug. 1910. Das schreckliche Unwetter am Montagabend, Gewitter von Hagelschlag begleitet, hat auch in unserer Gegend großen Schaden angerichtet, umsomehr, da noch alles Getreide im Felde aus steht. Bedauerlicherweise haben die meisten Landleute dahier ihre Feldfrüchte gegen Hagelschlag nicht, versichert und erleiden nun einen erheblichen Verlust an der Ernte.

* Ober-Ingelheim, 19. Aug. 1910. Ein hier e i n- quartierter Artillerist stellte eine mit Petroleum gefüllte Stallaterne hinter sein Pferd. Das Tier schlug aus, zertrümmerte die Laterne und es ent­stand eine Erplosion der Laterne. Im Augen­blick stand ber ganze Staff in Flammen, unb der Sol­dat konnte sich unb sein Pferd nur mit Mühe retten. Der Stall und die mit Erntevorräten gefüllte Scheune brannten nieder. Das Regiment erklärte sich bereit, den gesamten Brandschaden zu begleichen.

* Aschaffenburg, 18. Aug. 1910. Zu dem M o rd am Büchelberg bei Aschaffenburg ivird bekannt, daß sich der Verdacht auf ein Zigeunerpaar lenkt, das zur fraglichen Zeit in der dortigen Gegend sich umher- tttcb unb feit biefer Zeit verschwunden ist. Man sucht ben umherziehenben Musiker Christian Michel unb seine Gefährtin Cornelia Reith aus Köln, bie einige Zeit in Mainaschaff gewohnt haben unb der Tat verdächtig sind. Michel soll nach vorgelegten Photographien der Mann sein, welcher um die fragliche Zeit bei einem Waffenhändler in Aschaffenburg Patronen kaufte, bie den bei ber Leiche gefundenen gleichen. Auch wurden bei der Leiche Bekleidungsstücke gefunden, welche vor­her im Besitz ber Reith gewesen sein soffen.

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