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M 186.

Mittwoch den <7. August 1910.

57. Jahrgang.

* ftildaer

W Leitung *

2. Blatt.

Druck und Verlag der Fuldaer Actirndrucker«! in Fulda.

Deutsches Reich.

♦ ♦ In der Warenzeichenbeilage deS .Deulschen reich' anzeigers und Königlichen Preuß.ichen Staats. anreiaers" Nr. 63 A (12. August 1910) finden wir Eingetragen für die Firma F-J Mampe, Groß- destillation, Likör- und Spirituosen-Fabrrk und-Hand- lung in Stargard i. Pom., als Zeichen für Schnapse, Bittern, Liköre, Branntwein und andere Sprrüuosen, Spiritus und Sprit, Likör- und Branntwem-^fenzen, Fruchtsäfte und Extrakte, alkoholische Extrakte em Bild, aus dem drei kathol. Ordensfrauen tn einer Klosterzelle dargestellt sind. Die Wand ,st ge­schmückt mit einem Kreuz; auf dem unter dem Kreuze stehenden Tisch steht eine Lckörflasche, zwe, Nonnen stoßen mit Schnapsgläschen an, wahrend die Dritte mit Zeichen des Behagens „einen auf me Lampe gießt.' — Es verrät wenig Geschmack und sehr wenig Taktgefühl von der Firma Mampe, daß sie religiöse Personen als Reklame für die Erzeugnisse ihrer Destillierkunst verwendet, für Erzeugnisse, die ja sehr schätzbar sein mögen, aber doch nicht zu den unentbehrlichen Lebensbedürfnissen gehören und vor allem in gar keiner Beziehung zu den dargesteüten Personen stehen. Ernstlichen Tadel verdient das kaiserliche Patentamt, daß es das beschriebene Warenzeichen zugelassen hat. Unseres Wissens sind anstößige Darstellungen unzulässig. Die Katholiken müssen es sich oft genug gefallen lassen, daß Leute, welche nach einer Entschuldigung ihrer eigenen Ge­lüste suchen, sich an Bildern erbauen, die unsere Priester und Ordensmänner als Weinschlemmer und Bierbäuche darstellen; aber unsere Ordensfrauen waren doch noch davor bewahrt, als Schnapsschwestern Su figurieren. Soll das mit hoher Genehmigung es kaiserlichen Patentamtes in unserer modernen Zeit anders werden?

-iß Pforzheim, 16. Aug. 1910. In der städtischen Oberrealschule in Pforzheim hielt bei der Schlußfeier ein Abiturient eine Rede über die Renaissance. Der Grünschnabel gab dabei folgende Weisheit zunl besten: Was der katholische Glaube biete, sei Unwissenheit, Dunkel, Geistesarmut, Be­drückung und Knechtschaft. Es sei eine rettende Tat gewesen, als die Renaissance Kunst und Wissenschaft brachte und den Menschengeist aus dem finsteren Mit­telalter in das Licht der heidnischen Aufklärung hin­übergeführt habe. Gegen Bildung und Wissenschaft leisteten auch heute noch immer die Geistlichen Wider­stand. Schließlich bezeichnete der Redner den kalho- lischen Glauben geradezu als Wahn- und Aberglau­ben. Me Höhe bildete aber der Ausspruch: als die Renaiffance überall Fortschritte machte, hätten die Geistlichen zwar äußerlich auf allen Gebieten noch Widerstand geleistet, innerlich aber hätten sie den Glauben an den Gekreuzigten verlacht. Diese Rede war anscheinend auch dem Direktor etwas zu stacker Tabak, er bemerkte in seiner folgenden Ansprache, daß kein Lehrer diese Arbeit des Abiturienten überwacht habe. Das ist eine mehr als meckwürdige Erklärung. In einer Schulfeier hätte also ein Abiturient eine solche ebenso dumme !vie empörende Rede, ohne daß irgend jemand vom Lehreckollegium etwas davon weiß, was gesprochen werden soll. Doch Rabbi Ben Akiba würde sagen: alles schon im Badischen dage­wesen. Vor einer Reihe von Jahrren wettete ein Abiturient in Lahr, daß er eine Rede halten werde, wie ste noch nicht dagewesen sei. Er gewann die Wette glänzend, denn er hielt eine begeistecke Lob­rede auf die Sozialdemokratie. Es gab großes Auf­sehen und eine Untersuchung, das Abiturientenzeugnis wurde einige Zeit zurückbehalten, dann aber ausge- folgt, und über allen Wipfeln des Musterländchens war wieder Ruhe. Der Lahrer Abiturientenredner war der heutige Großblockdirektor Dr. Frank. Bei dem Pforzheimer Fall muß man aber weiter fragen: in welchem Geiste muß der Unterricht in gewissen Fachern erteilt werden, wenn er eine solche Redefrucht zeitigen konnte?

Ausland.

» 3« tjchecheufeindlichen Demonstrationen ließen sich in Wien deutsche Hitzköpfe an Anlaß eines Besuchs von 200 Tschechen auf der Jagdausstellung hmreißen.

* Das Verhalten des Vatikans in der spanischen Kulturkampffrage ist ein Muster­

beispiel für die Friedensliebe des hl. Stuhls. Jetzt hat der Papst ein Mitglied des Staats- sekretariats nach Spanien entsandt, um mit einem Delegierten der spanischen Regierung den Weg zu besprechen, der zur Wiederaufnahme der Verhandlungen führen könne. Man glaubt, dieser Delegierte habe auch einen Auftrag für den spanischen Hof.

jf Stacke Truppenverschiebungeu finden in Ruß- land statt. Besonders die österreichische Grenze und die Balkangebiete sind mit großen Truppen­massen belegt worden.

* Reue Vorstöße von Trusen-Banden, denen sich auch Wüsten-Beduinen angeschloffen haben, bedrohen die Hetschah-Bahn, wo ste schon ein 10 Kilo­meter östlich gelegenes Dorf verbrannten und plünderten. Inzwischen wurden die Besatzungen der Hetschah-Bahn verstärkt.

volkswirtschaftliches und Soziales.

D Der Zentralverband christlicher Strom« und Steinarbeiter hält gegenwärtig in Köln seinen 4. Verbandstag ab. Als Vertreter des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften ist Generalsekretär A. Stegerwald-Köln anwesend. Kartellsekretär P. De­denbach begrüßte die Delegierten in herzlicher Weise. Der bisherige Zentralvorsttzende Alois Lechner-Köln erstattete den Geschäftsbericht, dem sich der Rechen­schaftsbericht des Kassierers Fromm anschloß. Die Zahl der Mitglieder stieg von 400 auf 83:52. Die Einnahmen betrugen 157,134 Mack, die Ausgaben 166,477 Mack, Unterstützungen 80,000 Mack, pro Kopf 15 Mack. Der Verband war an 64 Lohnbe­wegungen mit 2756 Mitgliedern beteiligt, wovon 14 mit 1041 Mitgliedern zum Streik führten. Von den Streiks führte die Organisation allein 57, mit anderen Organisationen 7. Tarifverträge wurden 20 mit 133 Betrieben geschlossen.

Aus Rirche und Schule.

* Montabaur, 13. Aug. 1910. Die Kongregation der Barmherzigen Brüder hielt gestern hier das alle sechs Jahre stattfindende Generalkapitel ab, zu welchem 36 stimmberechtigte Teilnehmer ans Deutschland und Holland erschienen waren. Es wurde der bisherige Generalobere, Bruder Boni­fatius, für eine weitere Amtsdauer von sechs Jahren wiedergewählt. Als General-Assistenten gingen aus der Wahl die Brüder Wolfgang, Eligius und Lucian hervor. Zu den Aemtern des General­sekretärs und Generalökonomen wurden die Brüder Wolfgang und Cölestin berufen. Die im Jahre 1856 gegründete Kongregation zählt zurzeit 331 Mitglieder und ist in den Bistümern Limburg, Köln, Fulda, Mainz, Münster und Freiburg, fowie in den holländischen Diözesen Utrecht, Haarlem, Hertogenbosch und Roermond verbreitet.

Aus dem Rachbargeblete.

* Aus der Rhön, 16. Aug. 1910. Seit drei Jah­ren werden auf den Wiesen am Kreuzberg D ü n - gungsoersuche vorgenommen. Dieselben haben gezeigt, welch großen Wert die Anwendung von Kalk mit etwas Thomasmehl ttnb Kainit auf diesen Wiesen hat. Es wurde eine drei- bis viermal so große Ernte erzielt als vorher.

* Hanau, 14. Aug. 1910. Die Stadtverordneten haben beschlossen, die Herstellung eines Kaiser- b i l d e s, das die Stadt Hanau dem Offizieckorps des 3. Eismbahnregiments als Geschenk überreichen tvill, dem Lehrer an der Königlichen Zeichenakademie in Hanau, Professor Wilhelm Schultz, für 2000 Mack zu übertragen. Auf dem Bilde soll der Kaiser in der Uniform der Verkehrstruppen dargestellt werden.

* Melsungen, 16. Aug. 1910. Der 16jährige hier tätig gewesene Privatlehrer Reinhardt hat sich eine ganze Reihe von Betrügereien zu schulden kom­men lassen und ist dann, als er seine Verhaftung be­fürchten mußte, geflüchtet.

* Hann. Münden, 15. Aug. 1910. Im benachbar­ten Meensen wurde der 60 Jahre alte Ackccknecht August Bohne beim Pflügen von einem jungen Pferde derart an den Kopf geschlagen, daß er wenige Stunden darauf starb.

* Kassel, 16. Aug. 1910. Der „Tag der blauen Blume" hat ein sehr erfreuliches Ergebnis gehabt. Einschließlich einiger vorher gezeichneten kleinen Be­träge sind für rund 29 500 Mack Blumen vertäust worden, sodaß nach Abzug der Kosten etwa 25 000 Mack an den Kinderhort abgeführt werden können. — Die Prinzessin Viktoria Luise hat dem Kinderhort fünftausend Mack überwiesen.

* Heiligenstadt, 14. Aug. 1910. Eine Typhus- Epidemie ist im benachbarten Geisleden aus­gebrochen. Es sind bereits vier Fälle tödlich verlau­fen, Obwohl infolge der schlechten Wafferverhältnisse in der großen Ortschaft der Typhus ein häufiger Gast ist und alljährlich Opfer fordert, verhält sich die Ge­meindevertretung dem dringend notwendigen Bau einer Wasserleitung gegenüber ablehnend, was um so weniger verständlich ist, als für diesen Zweck ein er­heblicher Zuschuß aus dem Westfonds in Aussicht ge­stellt ist.

vermischtes.

♦* Ein geriffelter „Finanzmann" ist jetzt in N e w- Iork verhaftet worden. Er hatte durch den Ver­kauf wertloser Papiere etwa fünf Millionen Mart er- schwindelt. Seine Opfer hat Wintemute — so heißt der Verhaftete — zumeist unter Damen in England, Deutschland und Frankreich gefunden, die er durch Zusendung von Prospekten, die seine Unternehmen in glänzenden Farben schilderten, zu ködern wußte. Die Prospekte, von denen mehrere Zentner beschlagnahmt wurden, waren wahre Meisterwecke der Reklame- und Druckerkunst. Die erste Seite, in Buntdruck ausge­führt, zeigte sein Bild mit der Unterschrift: „Ich schaue Ihnen gerade ins Auge. Wenn ich Ihnen sage: tauschen Sie für Ihre werllosen Papiece „Gold- run" ein, so drücken Sie sich nicht, weichen Sie nicht meinem Blick aus, sondern schauen auch Sie mir ge­rade ins Auge und sagen Sie mir, weshalb Sie nicht für Ihre wertlosen Papiere „Goldrun" zu zehn Zcnts per Aktie haben wollen." Die Behörden erklären, daß die in Arizona gelegene „Goldrun"-Mine nominell mit 24,000,000 Mk. kapitalisiert ist. Wintemute be­hauptete, die Mine liefere Ouarz, das 3200 M. per Tonne wert fei; in Wirklichkeit ist in der Mine, seit die Betriebsgebäude abgebrannt sind, überhaupt kein Quarz mehr gefördert worden.

— Ein Wafferseind. „Wie hast Du denn das fertig gebracht. Deinem Alaun das Biertrinken ab« zugewöhnen?" — „Ach, dem hab' ich bloß erzählt, daß zur Herstellung des Bieres auch sehr viel Wasser verwendet wird — und der Gedanke war ihm zu schrecklich."

Märkte.

* Frankfurter Getreidemarktbericht vom 15. August. Am heuligeu Wochenmackl war in neuem Landweizen und Roggen starkes Angebot. Weizen in gesunder trockener Ware wurde von süddeutschen Mühlen be­gehrt und fand infolgedessen schlanke Aufnahme. Rog­gen, der teilweise sehr gering ist, wurde nur von hiesigen Mühlen je nach Qualitätsbeschaffenheit bezahlt. 'Fremde Weizen waren effektiv gesucht. Gerste in guter Ware knapp. Hafer wurde in neuer Ware zu 15,-50 Mark angeboten, ohne Abnehmer zu begegnen. Mais unverändert. Mehl effektiv knapp und steigend. Speziell Roggenmehl sehr gesucht. Futterartikel malt. Es notieren nach Qualität: Weizen, hiesiger und Wetter- aiier 20.90 21.10 Mark, aus dem Lande abgeholt 20.00—20 25 Mark, kurhessischer 20 90—21.10 Mark, norddeutscher 00.00—00.00 Mk., russischer Nicolweff 23.00 —23.75 M., Saxonska 23.2 >—23.75 M., Ulfa 23.; 5 -24.00 Mk., Bzima 23.25—23.75 Mk., La Plata 23.25—23.75 Mk., rumän. 23.25—23.75 Mark, Walls Walls " 3.50—24.25 M. — Roggen, hiesiger, 14.90 bis 15.10 Mk., auf dem Lande abgeholt 14.00—14.26 Mark, Pfälzer 00.00—00.00 M. — G e rste hies. 16.50 bis 17.00 Mark., Pfälzer 16.75-17.50 Mk, fränkische 17.25—18.00 Mk., Ried gerste 17.25—18.25 Mk., ungarische 22.50 —24.50 M., russische Futtergerste 00.00—00.00 M. — Hafer, hies. und Wetterauer 15.75—17.00 Mk., kur- hessischer 16.00-17.75 M.. hager. 15.75-17.00 Mk,. La Plata 00.00-00.00 Mark, russischer 00.00—00.00 Mark. — Mais (Mixed) 60 00- 00.00 Mark, Donau- mais 14.90—15.20 Mark, La Plata 14.75—15.00 Mark, Odessa 14.80-15.00 M., russischer 14.90—15.10 Mark. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: steigend. — Es notieren nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 31.50—32.00 Mk., südd. Nr. 0. 31.50-32.00 Mk-, hiesiges Nr.l 29.50 30.00 M., süddeutsches Nr. 1 29.50 - 30.00 M., hiesiges Nr. 3 26.50 - 27.00 M., süddeutsches Nr. 3 26.50—27.00 M.,

hiesiges Nr. 4 22.50-23.00 M., süddeutsches Nr. 4 22.50-23.00 M. — Roggenmehl, hiesiges,Sir.024.25 bis 24.75 M., do. Nr. 01 23.25—23 75 M„ do. Nr. 1 22.25—22.75 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. Futtermittel: ruhig. — Weizenschalen 9.75 bis 10.00 M., Weizenkleie 8.75—9.25 M., Roggenkleie 9.50—10.00 M., Weizen-Futtermehl 14.00—14.50 M , Biertreber, getrocknet, 12.90—13.25 M., Malzkeime 12.50-13.00 M., Rapskuchen 13.00—13.40 M., Palm-, suchen 13.00—13.25 M. Alles per 100 Kilo netto effek- tro loko hier bei Abnahme von 10900 Kilo.

Kurzer Setreide-wochenbericht der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschafts' rats vom 9. bis 15. August 1910.

Die umfangreichen Anschaffungen, die Frankreich auch in der Berichtswoche vornahm, lassen kaum noch einen Zweifel daran zu, doß man es dort mit einem bedeutenden Erntedefizit zu tun hat. Gehen die An­sichten über die Höhe des erforderlichen Jmportzu- schusses auch noch sehr auseinander und liegt in dem Eingreifen der Spekulation immerhin eine gewisse Ge­fahr, so neigt man in Fachkreisen andererseits zu der Auffassung, daß die bisherigen Erwerbungen erst einen kleinen Teil des zu deckenden Bedarfs darstellen. Vor­läufig bllden die ftanzösischen Käufe jedenfalls eine wichtige Stütze für den Weltmarkt und in ihnen ist auch die Hauptursache für die in der Becichiswoche all­gemein zutage getretene Festigkeit zu erblicken. Der Umstand, daß die Ernte Amerikas sich nach dem neue­sten Regierungsbericht weniger ungünstig darstellt als man bisher annahm, vermochte die feste Tendenz um­soweniger zu beeinträchtigen, als andererseits wieder sehr ungünstige Meldungen über die russische Ernte vorlagen und Rumänien, das einzige Exportland, das sich einer guten Ernte erfreut, feine Forderungen we­sentlich höher geschraubt hat. Daß sich diese Verhält­nisse besonders auf dem deutschen Markte zur Geltung bringen, erklärt sich aus dem Umstande, daß die Preise hier wesentlich unter Weltmarktsparität stehen und dem Auslände daher zu Bezügen und zu Arbitragekäufen Veranlassung bieten. Dazu kommt, daß das land­wirtschaftliche Angebot infolge drängender Feldarbei­ten gering bleibt und die Exportfirmen gegen ihre Ver­käufe zunächst im Lieferungsgeschäst Deckung suchen müssen. Während Weizen infolgedessen im Verkaufe um 5 bis 61/2 Mk. anziehen konnten, war Roggen meist vernachlässigt und hat seinen Wertstand seit der letzten Woche auch kaum sonderlich verändert. Das Angebot ist zwar auch hierin nicht sehr groß, aber bei dem Man­gel ernsterer Exportnachfrage verhalten sich die Mühlen umso zurückhaltender. Demgegenüber machte sich dies- nial auf dem Hafermarkte eine festere Stimmung be- n'.crkbar, denn es zeigt sich immer mehr, daß die Ernte dieser Fmcht sowohl in quantitativer als auch in quali­tativer Beziehung nicht unerheblich hinter den vor­jährigen Ergebnissen zurückzubleiben scheint. Die Folge davon ist, daß man in letzter Zeit wieder stärker auf alten Hafer zurückgreift. Auf dem Lieferungs- mnckte tourben die Preise dagegen durch Abgaben von russischer Seite unter Druck gehalten.

Es fteUte.i sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Marktlage in Mark pro lOOO Ki'ogr. je nach Qualität, wobei das Mehr l-ft) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist ivie folgt:

Weizen Roggen Hafer

Danzig 210 1 + 8 ) 146 (- 1 ) 154 ( — )

Berlin 204 ( + 5 ) 147 (— 1 ) 170 ( )

Frankfurt 210 ( 4- 1 ) 151 (-f-3*/i) 161V.(4-l‘,i)

München 220 ( + 2 ) 156 ( ) 160 (— 2 )

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Sept. 203.— ;'+ 5.00), Budapest Olt. 166.15 k-j- 3. IG, Paris Aug. 228.60 (4- 8.55 , Liverpool Olt. 173.30 (+ 3.30), Chicago Sept. 159.90 (4-1.95). Roggen: Berlin Sept. 151.00 - 0.25). Hafer: Berlin Sept. 153.50 <— 0.75) Mk. per 1000 Kilogramm.

Jieflamen- »uv Atkzcigeuteil.

3>k Jerhutung von Darmgärunge« ist ein Haupt­moment für das Wohlbefinden der Säuglinge und wird am leichtesten dadurch bewirkt, daß man bei den ersten Anzeichen als Nahrung statt Kuhmilch einige Tage „Stufefe* allein, ohne Zusatz von Milch, gibt. Man verhütet auf diese Weise sehr oft schwere Darm­krankheiten.

Kleines Feuilleton.

— Die Verfchiedeuheit der Geschlechter in der xeisti- gen Entwicklimg. In der Korrespondenz „Das Kind' schreibt M. H. Baege: Der zeitliche Vorsprung in der Entwicklung des weiblichen Geschlechts gegenüber dem männlichen ist schon durch die Erfahrungen des gewöhnlichen Lebens sicher gestellt und findet in der wissenschaftlichen Kindcsbeobachtung neue Stützen So darf es jetzt als sehr wahrscheinlich gelten daß die Sprachentwicklung beim Mädchen durchschnittlich um mehrere Monate früher beginnt, als beim Knaben Während es nicht allzu selten ist, daß ein l^jähriger Junge noch gar nicht spricht, ist bei Mädchen dieses Alters der Spracherwerb immer schon weit vorgeschrit­ten. In gewissen späteren Altersstufen tritt der Vor­sprung des weiblichen Geschlechts noch viel auffälliger zutage. Mit 15 Jahren ist das männliche Individuum meist noch ein großer Junge, das weibliche oft ein ziemlich fertiges Fräulein. Tempo und Rhythmus der geffttgen Entwicklungslinien laufen weder gleich, noch parallel, sondern bald laufen sie auseinander zu, bald voneinander weg. Insbesondere für die Schul­zeit ergeben sich da außerordentlich verwickelte Be­ziehungen. Am Anfang wie am Ende der Schul­pflicht, b. h. mit 6 bis 7 und mit 14 bis 15 Jahren stehen sich beide Geschlechter in der geistigen Entwick­lung ziemlich nahe, vielleicht mit einem kleinen Vor- nmtng der Mädchen. Dazwischen klafft aber eine große Differenz zu Ungunsten der Mädchen, die in der Mitte des schulpflichtigen Alters, d. h. mit 10 bis 12 Jahren am größten ist, wie Untersuchungen von Ebbinghaus, Lobsien, Stern und Hartmann gezeigt haben. In der nachschulpflichtigen Zeit (Besuch der höheren Schul­klassen) tritt dann ein neuer Vorsprung der Knaben ein. Der relattve Entwicklungsumfang ist beim weib­lichen Geschlecht kleiner, was auch durch die Ausnah­men, die selbstverständlich Vorkommen, für die durch­schnittliche Vergleichung beider Geschlechter nicht ent­kräftet wird.

7" Die Entwickelung unserer Feldmütze. Die heutige militärische Feldmütze hat einen eigenartigen

Entwickelungsgang, der eines humoristischen Beige­schmackes nicht entbehrt und im gewissen Sinne den deutschen Lolkscharakter darstellt. Sie ist nämlich aus jener Schlafmütze, richtiger „Zipfelmütze" entstanden, die noch heute alle Bilder des deutschen Michels ziert und für die internationale sathrische Kunst gleichsam sein Erkennungszeichen geworden ist. Der Erfinder dieser „Zipfelmütze" war kein geringerer als Fried­rich Wilhelm I., der durch ein Reglement bestimmte, daß aus alten und nicht mehr brauchbaren wollenen Unterhemden der Soldaten Schlafmützen für alle nie­deren militärischen Dienstgrade hergestellt würden. Damals hatten diese Mützen, die nicht im Felde und im Dienst, sondern nur im Biwak getragen werden dursten, keine einheiüiche Farbe. Auch unter Fried­lich dem Großen blieb ihr Eharakter unverändert, nur wuldc sie soviel von den Soldaten sogar öffentlich auf den straffen getragen, daß ste schon damals allgemein u n Franzosen und Oesterreichern als die typische preußische Kopfbedeckung angesehen wurde. Im rtahrigen Kriege hatten die Gegner Friedrichs des flößen des öfteren Gelegenheit, noch kurz vor einer Schlacht bte Soldaten gemächlich mit der Zipfelmütze auf dem Kopf umherstolzieren zu fetten, bis dann das Kommando erscholl und aus dem müßigen Spazier­gänger der tapfere Soldat wurde, vor dem ganz Eu­ropa zitterte. Die Berühmtheit dec preußischen Zipfel­mütze entsprang daher mehr dem Staunen vor dieser schnellen Kriegsbereitschaft und der Furcht vor ihren Trägern, als ihrem eigenartigen Aussehen. Erst Friedrich Wilhelm II. bestimmte, daß die Zipfelmütze unten mit einem farbigen Bande versehen werde, ohne daß aber die Form geändert wurde. Dies war der erste Schritt zu der heutigen militärischen Feldmütze. In dieser Form dursten die Zipfelmützen bereits zum sogenannten „kleinen Dienst" getragen werden In den Jahren 1806 und 1807, als durch die Neuformie­rung von Regimentern die Tschackos der Soldaten knapp wurden, bestimmte Friedrich WUHelm III. — da man das Geld in jenen schweren Zeiten für not­wendigere Dinge brauchte — daß Unteroffiziere und Soldaten im Notfall auch diese Schlafmütze — von nun an „Zeltmützen" genannt — im Dienst tragen

zu haben, denn er macht einen Erklärungsversuch über den Grund der Vergrößerungen und weist auf

seidener Schnüre, die hinter die Ohren geführt werden.

— Wiedersärbung von Seide. Von großer Wich­tigkeit für Fabrikanten und Händler ist eine franzö­sische Erfindung, die, wie die Zeitschrift „Die Textil« Jndustric" zu berichten weiß, es ermöglicht, Seide zu entfärben und wieder neu mit anderen Farben zu färben. Oft können große Posten Seide nicht mehr verkauft werden, sei es, daß die Farbe im Publikum keinen Anklang findet, oder daß die Stoffe etwas verschossen sind, und diese Ladenhüter be­deuten einen direkten Verlust für den Händler. Die neue Methode schont die ©e.cebe, und trotz der langen Behandlung, die nötig ist, vermindert weder das Entfärben noch das Wiederfärbcn die Haltbar­keit ober sonst den Wert der Gewebe. Das Ver­fahren wird noch geheim gehalten; Versuche haben indes seine volle Brauchbarkeit ergeben, nnd bei weiterer Ausbildung wird es möglich sein, jeder schon gefärbten Seide nach Belieben eine andere, bester verkäufliche Farbe zu geben.

— Bierfässer aus Aluminium, auf Automobil-

1214 bis 1292 lebte und alle feine Zeitgenossen in der Kenntnis der Natur und ihrer Erscheinungen

den Nutzen solcher Linsen für schwache Augen hin. Der wirkliche Erfinder der Brillen aber scheint der Florentiner Salomo d'Arnato nach einer allen Grab­schrift zu sein, während sich um ihre Verbreitung ein Predigermönch, Alexandra de Spina, verdient gemacht hat. Es ist unwahrscheinlich, daß die Chinesen, die bekanntlich mancherlei Erfindungen hübet als die Europäer gemacht haben, auch die Brillen schon früher kannten als wir oder wenigstens das Brillenschleifen unabhängig von Europa erfunden haben. Die Brillen der „Söhne des Reiches der Mitte" sind ganz verschieden von den unfügen; es find zwei große, teils konvex und teils konkav gc- schliefene Scheiben aus einem Mineral, das sie Schacht (zu deutsch: Teestein) nennen, weil seine Farbe einem dunklen Teerguß gleicht. Diese durch­sichtigen Scheiben befestigen sie vor den Augen mittels

Vorteile. Tie Innen« und Außenflächen sind absolut flach und ihre Reinigung geht daher äußerst leicht mit einer gewöhnlichen Haarbürste von statten. Sodann ist das Gewicht dieser Fässer gering im Verhällnis zu denen aus Holz ober Zement. Ein Aluminiumfaß von 16500 Liter ro:egt etwa 250 Kilogramm. Was die Einwirkung des Aluminiums aus das Bier betrifft, so haben eingehende Proben ergebe», daß Reinheit und Geschmack des Bieres ganz dieselben sind rote in anderen Gefäßen.

— Die letzten Zähne. „Welche Zähne bekommt der Mensch zuletzt, Fritzchcn?" — „Die künstlichen, Herr Lehrer."

dürften. Diese Besttnirnnng galt aber nur für die niederen Chargen, da die Offiziere darin nicht reprä- seutakiv genug aussahen. Im folgenden Jahre 1808 erhielr diese Zeltmütze erst ungefähr die Forni, die sie heute hat, indem ihr ein glatter Boden anstelle der Spitze gegeben wurde. Wie wir aus den Kriegsbil- dern dieses Jahres ersehen können, hatte ste aber da­mals eine bedeutende Höhe. Zugleich hatte sie den bekannten großen ledernen Schirm. Ihre definittve Einführung erfolgte erst im Jahre 1813. Sie wurde seit damals vielfach geändert. Die heutige Form er­hielt sie 1843, die Kokarde schon 1842. hp.

— Die Brillen, wie wir sie gegenwärtig ge­brauchen, sind wahrscheinlich eine Erfindung des 13. Jahrhunderts. Tie Kunst aber, Glas und Berg- kristall zu schleifen, wurde schon m sehr alten Zeiten geübt; ebenso kannte man bereits lange vor der Erfindung der_ Brille das Vergrößerungsvermögen konvexer, durchsichtiger Körper. Die eigentliche Brillen­fabrikation fcheint um die Jahre 1285—1290 er­müden worden zu sein. Rogerus Bacon, der von

der Kenntnis der Natur und ihrer Erscheinungen i wagen verladen, erregten dieser Tage die Ausmerk- übertraf, scheint plan-tonvexe Linsen besessen zu samleit des Publikums in Zürich. Jedes der x.hh —f..j. hübsch bekränzten Bierfässer enthielt 16500 24er.

Solche Lagerfässer für Brauereien können erst seit kurzer Zeit hergestellt werden, und zwar seitdem die autogene Schweißung des Aluminiums möglich ge­worden ist. Diese Fässer bieten gegenüber den Zementfässern oder den Holzsässern ganz wesentliche