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Samstag Ken J3.Mngnft MO.

« sulüaer W Zeitung •

3. Blatt.

Druck und Verlag 6er Fuldaer Actiendruckerei ht Fulda.

57. Zahrgaug.

vermischtes.

stillen bewundert, von der Tatsache des Besuches

Gefahr beseitigt sein.

Reklamen- und Slnzeigenteil.

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deren Kinder

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In der Form von

Seotts Emulsion

so häufig auftretenden Brech­durchfall standzuhatten ver­mag. Ten Kleinen sagt der aromatisch süße Geschmack von Scotts Emulsion außerordentlich

* Marburg, 12. Aug. 1910. Der Ballon „Mar­burg* ist auf seiner Nachtfahrt unter Führung des Herrn Dr. Wegener mit den Insassen Führer­aspirant Dr. Stuchtey und Apotheker Entließ wegen Gewittergefahr nachts 121/* Uhr am Laachersee ge«

: Nicaragua unv dieMonroe-Doktrin

Nicht jedem Leser in Deutschland wird es geläu­fig fein, was unter dem Begriff „Monroe-Dok­trin* zu verstehen ist, von der in bezug auf die poli­tischen Beziehungen der europäischen zu den verschie­denen amerikanischen Staaten so oft die Rede ist.

Das Wort bedeutet ein Denkmal für den fünften Präsidenten der Bereinigten Staaten, James Monroe, der nach dem Ankauf der Halbinsel Florida von Spa­nten 1819 zuerst den Grundsatz ausstellte, daß den europäischen Mächten niemals und unter keinem Vor­wande eine Einmischung in die Angelegenheiten ame­rikanischer Regierungen gestattet werden dürfte. Seit der Verkündigung dieses Grundsatzes im Jahre 1823 hat sich natürlich sowohl im Verhältnis der südameri­kanischen Staaten zu der mächtigen Nordamerikani­schen Union, wie auch zu den europäischen Staaten sehr Diel geändert. Süd- und Zentralamerika sind in

Vereinigten Staaten eine direkte Aktion europäischer I Mächte gegen amerikanische Republiken für unstatthaft I erklärten, beispielsweise in Fällen Don Verletzungen der Rechte europäischer Untertanen ober böswillige Nichtzahlung Don Anleihezinsen, fo ergab sich daraus für die Regierung der Vereinigten Staaten die Pflicht, selbst einzugreifen, um den europäischen Geschädigten zu ihrem Rechte zu Derhelfen.

Eine sehr intereffanle Frage blieb aber offenf, nämlich inwieweit sich die selbständigen südamerikani­schen Republiken diese Bevormundung gefal- len lassen würden, wenn nicht ihr eigener mate­rieller Vorteil dabei mitspräche. Dieser Fall liegt augenblicklich in Nicaragua in zweifacher Hin­sicht Dor. Man erinnert sich, daß kürzlich durch einen amerikanischen Sensationsjournalisten bekannt ge­macht wurde, daß der Kaiser dem Präsidenten Madriz dessen Ankündigungsschreiben Dom Antritt sei­ner Präsidentschaft durch einen formellen Brief er­widert hatte, ohne der Regierung der Vereinigten Staaten in Wafhington vorher daDon Mitteilung zu machen. Das gab der englisch-amerikanischen Hetz- presse Anlaß, über eine Verletzung der geheiligten Monroe-Doktrin zu schreien, wonach der Kaiser erst in Washington sich hätte Erlaubnis holen sollen, den Präsidenten Madriz durch sein Bestätigungsschreiben

Der Präsident Don Mexiko, Diaz, hat, soviel be­kannt geworden ist, dem Präsidenten Taft seine Mei­nung darüber telegraphiert und Einspruch erhoben. Die europäischen Mächte dürften dagegen, dem Mon­roe-Prinzip folgend, jede Intervention unterlassen, mindestens so lange ihre Handelsinteressen nicht be­rührt werden. Jedenfalls aber dürfte das Vorgehen der Vereinigten Staaten gegen Nicaragua die von Washington aus so stark empfohlene Idee eines Ge­samt-Amerika nicht besonders fördern und empfeh­len. Eine Auslegung der Monroe-Doktrin dahin, daß die Vereinigten Staaten ein bevormundetes Bestim­mungsrecht über die ganze auswärtige Politik der Staaten Süd- und Zentralamerikas auszuüben berech­tigt seien, wird diesen souveränen Republiken uner­träglich erscheinen. Sie können sich ihren selbst­ständigen diplomatischen Verkehr mit außeramerika- nischcn Mächten um so weniger untersagen oder be­schränken lassen, als diese lateinischen Republiken einen stetig wachsenden Handelsverkehr, auf dessen Ausbau sie natürlich großes Gewicht legen, besitzen. Diese den Nordamerikanern doch nicht raffeDerroaubten Nationa­litäten sehen vollkommen klar, daß die Bevormun- dungsbestrebungen der bereinigten Staaten lediglich dahin zielen, für die nordamerikanische industrielle Ueberproduktion ein Absatz feld zu schaffen und die europäischen Jndusttieexporie Don Südamerika auszuschließen.

Das Hegt natürlich weder im Interesse Europas noch auch der Südamerika-Staaten, welche ihrerseits wieder nach Europa ihre Bodenprodukte liefern wol­len. Je mehr diese Länder und Völler sich politisch und wirtschaftlich entwickeln, um so weniger wird es den Vereinigten Staaten gelingen, sie unter ein un­natürliches, ihre Lebens interessen verletzenbes, well zu weit ausgedehntes Prinzip zu zwingen.

Dir Zukunft dürste die Grenze der Monroe-Doktrin dahin beschränken, die Selbständigkeit amerikanischer Staaten gegen fremde Einmischung zu schützen und amerikanisches Gebiet als unantastbar zu sichern, im übrigen jedoch den einzelnen Staatengebilden ihre Be- wegungsfteiheit nicht zu Derfümmem.

Rut echt mit biejet ^larkr—demFischer — dem Sarantw» Zeichen des Scotti ichen VerZahrrvAt

wieder. ~

Bei diesem Rundgange denkt nun mancher: Gott sei Dank! bei uns in Deutschland sieht es viel besser au8- unsere Regierungen würden solche Kämpfe nie durchführen. Langsam, lieber Freund; die Regie- rung hat bei uns Dor einem Menschenalter einen Kampf gegen die Kirche geführt, der die Maßnahmen in allen romanischen Staaten wett übertrifft; es ist der Kulturkampf. Aber die Regierung hat sich dabei so sehr die Finger verbrannt, daß sie in diesen Bahnen nicht weiter wandeln will. Der Kulturkampf jedoch scheiterte nur daran, weil die deutschen Katho­liken geschloffen und einig vergingen und im Zentrum ihre parlamentarische Garde hatten. Seit der Niederlage des Staates im Kulturkampf suchte man daher auch den Kamps gegen die Kirche auf a n­dere Weise zu fuhren; man schafft Organffatio- nen, welche in der Presse und in der gesamten Oes- fentlichkeit immer wieder gegen die Kirche cmzurennen haben. Nicht mit brutaler Gewalt, aber mit Lüge, Hinterlist, Entstellung und Verleum­dung sucht man die Katholiken ihrer Kirche abspen­stig zu machen, ihnen die Kirche zu verekeln, die Prie­ster heräbzusetzen und rechnet bannt, daß ein solcher Kamvs ganz sicher sein Ziel erreichen werde.

Man blicke nur einmal ein Jahrzehnt zurück unb stelle zusammen, welche Stürme in diesem kleinen Zeitraum gegen die katholische Kirche in Deutschland entfeffelt worden sind. Da kam die L o s v o n R o m- Bewegnng, die aus Oesterreich nach Deutschland her­übergetragen werden sollte, man schuf eigene Zeitün- gen hierfür unb sammelte Geld für diesen Zweck Rach dem totalen Fiasko wurde die Gesellschaft zur V e r- bteitung des Evangeliums unter den Katho­liken gegründet; man sah die Katholiken gewissermaßen als Jneiben an, die Gottes Wort nicht kannten; noch heute besteht biese Gesellschaft mit ihrem für die Ka­tholiken beleibigenben Titel. Dann folgte die G r a ß- mannhetze. Die Schmähschrift eines nicht ganz Zurechnungsfähigen oder eines Schwindlers wurde in Tausenden von Eremplaren verteilt unb das Buh­sakrament in ben Kot gezogen. Vor keiner Verleum­dung schreckte man zurück unb stellte die «Sittlichkeit der Katholiken als ganz minderwerttg dar. Als 1904 der § 2 des Jesuitengesetzes aufgehoben wurde, wurde wieder einmal gegen diesen Orden gehetzt. 1906 setzte der Wahlkampf ein, der den protestantischen Haß schuf. Die ganze V l o ck p o l i ü k war eine antika­tholische Maßnahme, fo hat es der Führer der Kon­servativen ganz offen ausgesprochen. Als man 1906 nichts zum Hetzen fand, da mußte die Jammergestalt eines spanischen Mordbuben F e r r e r herhalten, um einen internationalen Sturm der Freimaurer, Libera­len und Sozialdemokraten zu entfeffetn. Unb in die­sem Jahre wurde die B o r r o m ä u s-E nzyklika zur liberalen Hetze benützt. Was im nächsten Jahre kommen wird, wissen wir nicht, aber daß eine neue Form der Katholikenhetze sich zeigen wird, das steht fest. Jedes Jahr eine andere Nummer.

Wie aber kommt es, daß im allgemeinen diese hef­tigen unb wiederholten Kämpfe doch gut überwunden werben? Durch bie Einigkeit der deutschen Katholiken. An diesem kostbaren Gut, an diesem festen Fundament sind alle gegnerischen Versuche ge­heitert. Dieses Kleinod zu erhalten, muh unsere .herrlichste und vomehn'.ste Aufgabe fein. So lange die deutschen Katholiken -einig sind, sind sie unüberwmd- bar; wie sie sich zersplittern, sind sie aber auch besiegt und der Gewalt der Gegner preisgegebem

lebhafte Handelsbeziehungen zu Europa und vielfach I im ftitten bewundert, von der TatsaM oes Deium auch durch Anleihen in ein Gläubigerverhältnis ge- aber möglichst wenig Aufhebens gemocht- I v ' treten, woraus sich verschiedentlich Gelegenheit zur An-1 halben Monat nach dem Feste der sobald W Wendung der Monroe-Doktrin ergab. Denn wenn die' ..... ******* ™nnat 601

die zur Hauptsache aus allerfeinstem Norweger (Lofoten) Lebertran besteht, kann dieses nähr­stoffhaltige Oel im Sommer mit ebenso gutem Erfolg genommen werden, wie im Winter. Dies dürfte für alle Mutter von Belang sein, ' gerade in der heißen Jahres­zeit eines Stärkungsmittels be» dürfen, das vollkommen leicht verdaulich ist und den jugend­lichen Körper so kräftigt, daß er dem in den Sommermonaten

zu, so daß man keine Müh« haben wirb,ihnen den Nutzen dieses feit Jahrzehnten erprobt. Stärkungs­mittels zuteil werden zu lassen. Scotte Smafllon wird von ans au«t®Ite8Ud) tm 'roßen oertauft und zwar nie lo<e n< ch Gewicht oder Maß, sondern nur in versiegelten OriatnoMaschen in Karton mit unserer Schutzmarke (gtscher mit dem Do-sch). Scoti u Bowne,

L7ckschasten und etwa einen Wn “ »»t dem gelegentlich des Kaisermanovers stattftndenden Kaiseriestmahl auf bet Marienburg, zu bem auch Herr Ziese geladen ist, wird ihm die rote Weste nl^egu em. Er läßt eine Berichtigung los, es sei lebiglich Tatsache daß er mit seiner Frau nur ganz zufällig in bte Volksmenge geraten sei, durch die sie sich> mit Muhe hätten durchringen müssen, von der Veranstaltung hlwe er nichts gewußt. Dazu bemerift nun aber bie sozial­demokratische „Königsberger Volkszeitung :

Der Herr Geheimrat hat aber, wie feststeht, an der Kaffe zwei Eintrittskarten gelöst. Und aus dielen war genau ersichtlich, um welch eme Veran­staltung es stch handelte. An dem Tage waren ver- [ f Ai ebene bürgerliche Herren in Vogelsang und fraterni­sierten mit den Arbeitern."

Wird nun Herr Geheimer Kommerzienrat Ziese auch die Losung von zwei Eintrittskarten und die An- ! Wesenheit anderer bürgerlicher Herren, die mit den Genossen fraternisierten, als Zufall erklären;

X „Die badischen Budgetbewilltger find im Grunde nichts anderes, als p o H t i f d) e S t £ < * 16 re ' cher!* Mit diesem Verdammungsurteil bncht Karl Kautsky in der neuesten Nummer der -Neuen Zeit* den Stab über die Genossen Frank, Kolb usw. I Die Ausführungen Koutskys find sehr charakteristisch für den Kadavergehorsam, ben bie Sozial­demokratie Don ihren Anhängern verlangt Der ba­dische Landtagsabgeordnete Kolb hatte sich zur Ver­teidigung seiner Stellungnahme aus den sozialdemo- kratischm Reichstagsabgeordneten David berufen, der im vorigen Jahre auf dem sozialdemokratischen Pariei-

I tag in Nürnberg erklärte:

„Die Disziplin kann nur bis zu der Grenze gehen, wo die Neberzeugung anfängt, datz ein Beschluß der Sache schaden könnte. Wenn Sie etwas anderes I konstruieren wollen, dann nennt man das nicht Dis­ziplin, sondern Kadavergehorsam."

Voll Entrüstung erwidert Kautsky hierauf mit der

... Ter Kampf gegen die Kirche.

Ei^biMtalic°nischen Ordensverhältnisse genau len- XÄfier erzählte uns, fo fta® «« dem Bad- Beobachter*, dieser Tage enftetzliche env Metten über ben $aStS

kommt es vor, daß die Milch von ^ai!«v ' Besitzer treuer Katholik ist, Don ben ^ialdemokraren einfach umgeschüttet und vernichtet wird daß man über das ganze Gut den Boykott verymtgst daß 'man die Leute zum Unglauben zwingst Namenttch Mittel- und Süb Italien treten zolche Eftchetmnigen

. 7^, Frankreich haben es die Gewalthaber owrit' gemacht daß man den Kamen Gott in der Schule nicht mehr aussprechen darf, daß es katholische Lehr-r kaum mehr gibt, daß die Jugend sittenlos atss- wäckst. Die Folgen zeigen sich überall. Ware nicht ein guter Kern, ein Vermögen von über einem Jahr­tausend da, bann wäre Frankreich schon längst ver- nicht"k; aber es zehrt an bem Fonds seiner katholischen Vergangenheit. Jetzt setzt bet Kampf aufs neue in Spanien ein; schon oft haben daselbst die Kirchen- feinbe einen Ansturm unternommen; aber nach kurzer Zett wurde dieser niedergeschlagen. Diesmal ist es ein ernster Kampf, zumal der junge König ganz unter dem Einfluß seiner protestantischen Schwiegermutter steht und diese sich berufen fühlt, Spanien Dom „rö­mischen Joch* zu befreien. Wir glauben allerdings nicht, daß die Antiklerikalen fugen werden. Aber schon regt es sich in Portugal, wo man auf bie Trennung von Staat und Kirche hinarbeitet. Wie ge­gen Ende des 18. Jabrhunderts aus diesem Staate der schärfste Angriff gegen die Kirche kam, fo auch jetzt

landet.

* Bom Taunus, 12. Aug. 1910. In den wegen ihres guten Apfelweines berühmten Orten der hiesigen Gegend wird als eine Extra» forte dieses Getränkes der sogen. Speierling verkauft, von welchem das Glas einige Pfennige mehr kostet, als der gewöhnliche Apfelwein. Wohl die meisten fremden Trinker des Sperrling wissen gar nicht, woher dieser „goldige" Wein seinen Namen hat. Er rührt daher, daß bei bem Zu­bereiten des gewöhnlichen Apfelweines ein Zusatz von den Fruchten des selten vorkommenden Speier» lingbaumes gemacht wird. Dieser Baum gehört zur Art der Ebereschen und sein Laub gleicht auch demjenigen der gewöhnlichen Ebereschen, während die Früchte in birnensorm die Größe einer Nuß erreichen und büschelweise in großer Menge an dem Baume hängen.

♦ Wiesbaden, 11. August 1910. Der mehrfach erwähnte Prozeß eines Kellners gegen den Hotelbe­sitzer Beckel, in dem dieser zur Rückzahlung von Um» satzproviftouen verurteilt worden ist, hat den hiesigen Kellnerverbänden Anlaß gegeben, sich mit derTrink- gelb er frage ju beschäftigen. In einer stark von Kellnern besuchten öffentlichen Versammlung wurde nach gründlicher Turchsprechung der Frage ein Be­schluß dahin gefaßt, daß das Trinkgeld in feiner heutigen Form nicht mehr als gerechte Bezahlung angesehen werden könne und daß es auch nicht den Ansichten des Publikums entspreche. Es sei danach zu streben, daß mit Hilfe der Prinzipale wie des Publikums eine einheitliche Ablösungsform prozentual aus die Rechnungen oder den Verbrauch zu erheben sei und dieser Erlös zuzüglich eines festen Gehalts an die Angestellten abzusühren sei. Die verschiedenen Zentralstellen der Hotel- und Restaurant­angestellten sollen ersucht werden, nach dieser Richtung hin in Unterhandlungen mit den Arbeitgebern zu treten. — Auf der Chaussee nach der Platte ge­riet gestern das Automobil eines hiesigen Kur» gastes, des Rtttmeisters Frank, in dem sich der Diener und der Chauffeur befanden, an einer Kurve ins Rutschen, überschlug sich und wurde total zertrümmert. Die beiden Insassen wurden herausgeschleudert und erlitten Arm- und Beinbrüche. Die Sanitätswache brachte sie nach dem Krankenhaus.

* Westerburg, 11. Aug. 1980. Zu einem pein­lichen Vorfall tarn es in einem größeren Dorfe Westerwaldes. Das Kind einer von ihrem Manne getrennt lebenden Frau, war gestorben und sollte beerdigt werden. AlS alles zur Beerdigung vor- berettet war, erschien eine Gerichtskommisfion mit ben beiden Hachenburger Aerzten, um die kleine Leiche zu beschlagnahmen. Die anwesende Trauer- Versammlung, der Pfarrer, Schulkinder usw. mußten sich wieder entfernen. Im Hause nahmen die beiden Aerzte im Beisein der Gerichtskommission die Ob- duklion der Kindcsleiche vor. Wie verlautet, wurde die Beerdigung des Kindes untersagt, weil seitens des Vaters Anzeige erstattet worden mar, das Kind sei keines natürlichen Todes gestorben

Deutsches Reich.

♦* Der Kommerzienrat mit der roten Weste. Vor 14 Tagen berichtete die sttamm nationalliberale .El- binger Ztg.* in einem ausführlichen Berichte über ein sozialdemokratisches Gewerkschaftsfest in Elbing:

,^Herr Geheimrat Ziese war mit seiner Gemahlin ebenfalls in Vogelsang und wohnte einige Zeit dem lustigen Treiben bei."

Die sozialbemokratische Presse, bie ebenfalls übet ben Fall berichtete, stimmte ein großes Halloh an unb sprach bie Vermutung aus, daß der Besuch des Geh. Kommerzienrats Ziese auf bem sozialdemokratischen Feste einen polittschen Hintergrund habe. Im Zeit- älter ber Großblockbestrebungen wäre das ja auch keineswegs unerhört gewesen. Konnte sich doch Herr Geheimrat Ziese für seinen Verkehr mit ben roten Ge­nossen auf ben Vorgang eines großherzoglich babischen Ministers berufen. Die Sozialbemokratte kokettierte balb ganz offen mit Herrn Ziese unb stellte ihn ben Einwohnern Don Elbing feierlich vor als ben „Kom­merzienrat mit ber roten Weste*. Vierzehn Tage ist ber nationalliberale Herr Geheimrat mit dieser roten Weste spazieren gegangen. Die liberale Presse hat ihn

♦ lieber seltsame Vorgänge in einen, Krematorium wirb aus Halbesstabt berichtet. Die Leiche einer Rus­in sollte in G o t h a im Krematorium verbrannt wer- )cn. Als bie Verwandten in Gotha eintrafen, bat man sie, sich noch etwas zu gebulben, da noch einige Vorbereittmgen zu treffen feien. Nach mehrstündigem Warten forderten sie schließlich ben Zutritt zum Kre­matorium fo energisch, daß man st; wohl ober übel einlassen mußte. Unb ba fanb sich benn, daß ein wertvoller Kranz unb ber kostbare Neber,aeg im Werte üon 600 Mk. beiseite gebracht worben war. Die An» gelegenhett würbe zur Anzeige gebracht.

♦ Die Zahl ber durch Blitzschlag Getöteten ist m Preußen nicht im Steigen. In der Statist. Korr. liegen Beobachtungen für dre 40 >^hre von.1869 bis 1908 vor. Danach schwankt bte Zahl der jährlich durch Blitzschläge Getöteten zwischen 79 und 256 oder auf 1 Million der mittleren Bevölkerung be» rechnet zwischen 2,2 7,8. Das günstigste ^ahr war 1904, das ungünstigste 1884. Gewisse Perioden mit größeren Zahlen finden sich von 1883 bis 1886 und von 1888 bis 1891, dann auch wieder 1905 und 19 6. Im ersten Jahrzehnt (1869 bis 1878) des ganzen Zeitraums betrug die Zahl, der curch Blitzschlag Getöteten jährlich burckschntttttch 426 auf eine Million Einwohner, im zweiten Jahr^hnt (1879 bis 1888) 5,23, im dritten (1889 bis 1898) 5,16 und im vierten (1899 bis 1908) 4,50. Im letzten Jahrzehnt zeigt sich also eine entschiedene Ab­nahme. Dabei mag allerdings die stärkere Zu­nahme der städtischen Bevölkerung eine Rolle fpuuen; beim die Stadt-Bevölkerung ist aus natürlichen Gründen ber Gefahr, vom Blitze getroffen zn werden, weniger ausgesetzt als bie ländliche Bevölkerung.

♦ Der „Gelbe Mann' spukt wieder in der sranzö- fischen Deputiertenkammer. Es ist dws em Geist, der sich den Mitgliedern des Hauses des öfter« ge- zeigt haben soll. Sein jedesmaliges Erscheinen ging einem Unglück voran. Im Jahre 1870 brach kurz nach dem Gesehenwerden des „Gelben Mannes* der Krieg mit Deutschland au8. Es handelt sich um das plötzliche Auftauchen der schattenhaften Ge- statt eines großen, hageren Mannes mit einem Ge» sicht von seltsam gelblicher Färbung. Um den Hals des Gespenstes /-5t sich eine dünne Linie, bte von einigen phantasievolleren Deputierten und anderen Leuten, denen die Erscheinung sichtbar wurde, aA ein Strich von blaffet Blntfarbe bezeichnet wird. Die unheimliche Gestalt ist von nebelhafter Be­schaffenheit, fast durchsichtig. Zuerst sah man sie im November 1851 Daun zeigte sie sich 1870 dem Obersten der Garde und verschiedenen seiner Unter­gebenen. Wenige Tage vor Gambettas Tode, 1882, wurde der Gelbe Mann eines Nachts gesehen, und ebenso erschien er 48 Stunden vor der Ermordung des Präsidenten Carnot. In banger Erwartung sieht man dem „Unheil* entgegen, das die jetzige Erscheinung des Gespenstes angekündigt haben mag. Und das in Paris, der „Hauptstadt der Intelligenz*.

• Wegen choleraverdächtiger Fälle an Bord sind ! bie Dampfer „Carl Lehnkering* und „Republik*, von Petersburg nach Amsterdam bezw. Rotter» : dam bestimmt, in Ymuiden bezw. Maassluts ; unter Quarantäne gestellt worden. ,

* Em Personenwagen mit vierzig Passagieren löste sich aus der Bernina bahn bei der Station Alpgrün los und schoß in immer rasenderem Tempo abwärts. Schon schien eine gräßliche Katastrophe unausbleiblich, als es der Geistesgegenwart eines Reisenden gelang, die Handbremse scharf anzuziehen und den Wagen zum Stehen zu bringen. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon.

* Ungeheure Waldbriinde wüten im Westen der Vereinigten Staaten. Es stehen fast 200000 Acres Waldbestand in Flammen. Präsident Tast hat Truppen nach den bedrohten Gebieten be» oibert 2000 Mann finb seit einer Woche bemüht, bem Brande Einhalt zu tun. Auch der berühmte amerikanische „Nationalpark*, ein riesiges Urwalds» gebiet, das möglichst in seinem Urzustände erhalten wird, ist stark geschädigt. Es dürfte aber jetzt die

®. m. b. H. iftoUTurt a. M.

SBrRanbtetle: ffelnfiet ®eotjt •cl-Eebettrar1«». - »Hierin 50.0, ■mterpMDbortgfaurer «all 4A pto-iflfaurrt Natt». 2,0, pu'o ^08<m- -.0. 'e nfter arab Tmnml pul» 2,0. befiin. «a er «Uot)ot ''' , aromatif ' e Lmulfto» mil Atuu. anbei- i.nb ®auli<,erU0l je 2 Sroplen.

L 1

anzuerkennen.

Das wäre eine sehr weite Auslegung des Mon- roegrundsatzes, bie auch vom Präsidenten Mabriz kei­neswegs geteilt werben würbe, selbst wenn sich Nica­ragua nicht gegenwärtig in sehr schlechten Begehungen zu ben Vereinigten Staaten vefänbe. Präsident Mabriz hat sich vor einiger Zeit in einer Zirkular- Depesche an bte Negierungen nicht nur ber anbeten Mittelamerikanischen Republiken, sondern auch der europäischen Großmächte gewandt mit einer Klage über die Ein Mischung der Vereinigten Staaten in die inneren Angelegenheiten Niea. iFrage: r a g u a s und der Bitte um freundliche Vermittlung Danach hört also die Disziplin dort auf, wo sie in Washington. Also Europa sollte Nicaragua gegen I mit £er Ueberzeugung in Widerspruch kommt. Haben die angewandte Monroe-Doktrin Nordamerikas schü- unsere Disziplinbrecher überlegt, welche Konsequenzen yen! I dieser Grundsatz nach sich zöge?*

Die Sache liegt bekanntlich so. Gegen den ord- .____

nungsgemäß gewählten Präsidenten Madriz hatte sich . nrtrhhnt-rtahifltp

unter Führung eines mißvergnügten Generals em 2lU$ OCITt llQCpDurgCvuIC. Teil der Armee erhoben. Es gelang Madriz nicht, ßii, 1910 Auf Staats-

die Rebellen völlig niederzuMagen, wei d e Auf- Giesen, 1^. Aug. 1910. ^us «iau

ftnnbioen sich in bem Men Bluefields festgesetzt ha-1 kosten ressten W hessische panowerismetsier, oie ben unb bort von einem norbamcrikanischen Kreuzet sich durch ihre Leistungen ausgezeichnet ha en,

dadurch unterstützt wurden, baß bieset Mabriz verhin- nach der Weltausstellung in Biusfel. Durch

bette ben Hafen zu blotieren, um bie Empörer nieder- das Ministerium wurden jedem 100 A. ausbezahlt. zuzwingen. Die Bereinigten Staaten ermöglichten * Saasen (Großh. Hessen), 12. Aug. 1910. Der auf diese Weise den nordamerikanischen Schiffen den g^roirt U üom Pcitzberg erhängte sich kürzlich Revolutionären Munition und Waffen zuzuffhren; rcjnet Scheuer. Man nimmt an, daß ein Pro­stellen sich also in Gegensatz zu der regulären Regie- - bcr diese Woche zum Austrag kommen sollte

rung der Republik Nicaragua. Diese ist nauiriich uub b{r uzgünstig für ihn stand, ihn zu der un­machtlos gegen solche höchst eigenartige Anwendung feli $at veranlaßte.

der Monroe-Doktrin, die es verschuldet, daß m Rica-1 ---—

ragua der Bürgerkrieg nicht zu Ende kommt.