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37. Jahrgang.

Fnlda, Freitag Den 12. August 1910

Jtf 183.

47]

von C. Weßner.

«etittee: vtr et» fpattigepetiheileod» bereu Hanoi 15 Pfg. HeNamendiePetitzeil«

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OettKfto. Hedatreurr

hatte das Haar anders gekämmt und hinkte, wobei er sich eine» Stockes bediente. Solange das Dienstmäd­chen anwesend war, verhielt er sich Lena gegenüber

mut keine Ahnung. - . ,, , _

Lma überfegte geraume Zeit hin und her, ehe st« an die Beantwortung des Briefes ging.

.Ich glaube, ich werde ihn heiraten , murmelte Re. .Er weiß nicht, daß ich arm geworden bm und ich werde es ihm erst sagen, wenn toir schon verheiratet flnd! Ist mein Geld affe, so kann er für mich Iargen. Ich weiß, daß er mit seinen Borsteffungen eine Menge Geld verdient. Eigne ich mich dazu, so kann ich ja mit ihm zusammen auftreten. Wenn wir nach Ame­rika auswmidern und unter einem anderen Namen le­ben würden, hätten wir gewiß Ruhe. Kann ich einen Mann bekommen, der für mich sorgt, da wäre ich ja schön dumm, wenn ich selber mich abquAen sollte.

Bereits am nächsten Tage fuhr sie zu Oskar 'schau.

AIS sie nach Herrn Orlando Slata fragte, führte man sie in ein ziemlich dürftig eingerichtetes Zmu wer. Nach kurzer Zeit erschien Schau. Lena war der- Mufft, als sie sah, wie geschickt er sich vermummt hatte.

{tätigen.

Am nächsten Tage traf ein Bries an Frau Stab* ein. Er kam von keiner anderen Person als Oskar Schau und obgleich er nicht nnterMchnet war, er­kannte Lena doch sofort die Handschrift.

.Mein Gott!' rief sie, als sie den Brief geöffnet hatte, ,er ist von Schau! Ich bin doch neugierig, waS er will. Armer, liebet Oskar k Ich werde ihm hel- hm, wenn ich fannf'

«ar» Schütter

Ä’Ä w°ch-nb°>mct:„rll«strierfe Sonntagrzeitung

21. Kapitel.

Rechtsanwalt May teilte Lena mit, daß eine An­fechtung deS Testaments völlig zwecklos sei und ihr nur Kosten verrilfachen würde. Herr Graham lieft Herrn May Einsicht in das Testament nehmen, woraus das gesamte Eigentum Kirby'S mitsamt dem Haus und feiner Einrichtung in ben Besitz von Lenas größ­ten Feind überging. Und Landors erster Schritt mar, Lena auszufordern, das Haus binnen drei Tagen zu verlassen.

Zu diesem kritischen Zeitpunkt erschien Fritzi Lam­bert abermals bei der unglücklichen, kleinen Frau, um nachzusehen, ob fie ihr in ihrer furchtbaren Sagt viel­leicht von Nutzen sein könne. Sena verdiente jtoar keinerlei Güte, aber Fräulein Lambert besaß ein edles Herz und hielt eL für ihre Pflicht, Frau Kirby mit Rat Md Tat zur Seite zu stehen. Auf die schonendste w"chte sie ihr den Vorschlag, fie in einem Büro für schriftliche Arbeiten unterzubringen. Wie fle Lena wnnte^war sie durchaus nicht überrascht, als diese das freundlich gemeinte Anerbieten wie eine ihr zugefügte Beleidigung zurückwies.

-Ich glaub«. Du wärest sogar imftanbe, mich in bas Büro dies« schrecklichen Olga Holder zu bringen!' stieß fie entrüstet hervor. .Rein, dafür danke ich So tief gesunken bin ich denn doch noch nicht.'

.Davon kann gar keine Rede fein', gab Fritzi empört zurück. .Erstens würde Olga Dich garnicht haben wollen und zweitens gibt sie ihr Büro auf, well sie sich mit Herrn Brand verheiratet Doch reden wir jetzt von Dir. Was gedenkst Du also zu tun?

.Ich weiß es noch nicht. Aber mich in einer Schreibstube begraben — pah, daran denke ich nicht! Wenn eine Frau hübsch ist, stehen ihr immer noch andere Wege offen. Virfleicht gehe ich zur Buhne.'

.Dazu gehört Geld, Zett und Studium. Und Du besitzest kein ®«&.'

.Oh ja, ich besitze etwas. Ich habe meine Schmuck- fachen verkauft und vierzigtausend Mark dafür erhal­ten. Dieser Betrag liegt auf der Bank. Du siehst, ich kann eS abwarten. Ja, ich glaube, die Bühne ist

sehr kühl. Kaum befanden fie sich allem, so stürzte er freudig auf Sena zu und begrüßte sie auf das wärmste. Sie setzten sich nebeneinander auf das Sofa.

.Du bist die beste, edelste aller Frauen .meine liebe Lena', sagte Schau. .Ich wußte, Du würdest mich nicht verlaffen.' (Fortsetzung folgt.)

.Er liegt bei den anderen Dokumenten', erwiderte der Rechtsanwalt

.Ich werde meinen Rechtsanwalt darüber befra­gen', versetzte Lena hochmütig. .Sie werden die Güte haben, diese Abschrift des Testaments und den an Herrn Sandor gerichteten Brief an Herrn Rechtsan­walt May zu senden. Hier ist seine Adreffe. Wenn er mir rät, das Testament anzufechten, so werde ich es tun. Ich denke garnicht daran, mich um der Laune eines Verrüfen willen um mein ganzes Vermögen bringen zu lassen!'

Nach diesen Worten erhob sie sich, um zu gehen.

Mir wäre eS ganz lieb, wenn Sie ans Gericht gingen', bemerkte Sandor, die Heine Frau mit harten Blicken messend. .Sie sind ein ganz schlechtes Werd I Sie haben meinen armen Sohn in den Tod getrieben, nachdem Sie ihn ruiniert!'

;■< .Ich bin nicht zu Ihnen gekommen, Herr Graham, um mich beleidigen zu lassen!' keuchte Lena, deren Gesicht jetzt leichenblaß auSsah.

• Graham versuchte seinen Klienten zu beruhigen, aber der alte Mann ließ sich nicht beirren. .Kanu Sie überhaupt jemand beleidigen?' knirschte er, Frau Kirby anfe^nb, aber noch immer mtt derselben dum­pfen, unheimlichen Sttmme. .Sie, die Sie so stecht, jo herzlos sind! Ich brauche Ihres Mannes Geld sticht! Ich besitze selber genug. Aber lieber würde ich W unter die Bettler auf der Straße verteilen, als Ihnen auch nur einen Pfennig davon zukommen lassen. Mein armer Theo, der so gut, fo edel, so intelligent war! Sie find feine Mörderin!'

* Von Grauen gepackt und wie betäubt durch die Wucht dieser leidenschastlichrn Auflagen taumelte Frau Kftby auS dem Zimmer und wankte, zitternd vor Furcht und Angst, auf ihre Droschke zu.

Parteikasse abzusühren. Man darf gespannt sein, waS der .Vorwärts' dazu sagen wird.

* Friedberg, 11. August 1910. Aus zuver­lässiger Quelle erfährt die .Franks. Ztg. , daß der Zar für die bedeutenden Kosten der Her­richtung deS Friedberger Schlosses selbst aufkommt. Mithin würde das hessische Budget dadurch keine Belastung ersahren.

* Aschaffenburg, lO.Aug. 1910. Als sozial- demokratischer Reichstagskandidat für den Wahlkreis Aschaffenburg wurde der Arbeiter- sekretär Eduard Gräf (Frankfurt) ausgestellt.

* Nordhaufen, 10. Aug. 19.10. Ein neuer B a ch- stein-Prozeß findet in nächster Zett statt. Unsere Leser erinnern sich gewiß des streitbaren Mmd-ner Dt- vifionspfarrers Bachstein, des ehemaligen katholischen Priesters, der seinerzett in Osnabrück in einer Ver- ammlung des Evangelischen Bundes die ungeheuer­lichsten Schmähungen gegen die katholische Kirche aus- tieß. Bekannt ist der umfangreiche Prozeß, der dar­aus das Kriegsgericht, Oberkriegsgericht und Reichs- militargericht in verschiedenen Instanzen beschäftigt hat und schließlich wider Erwarten mit einer Frei­sprechung Bachsteins endete. Dachstein mußte aber feine Stellung als Divisionspsarrer im Heere aufge­ben und wurde zum evangelischen Pfarrer von Wol­kramshausen bei Nordhausen gewählt. Er setzte in seiner neuen Stellung seinen Kampf gegen die katho­lische Kirche fort und erfuhr dann wegen seiner Hetze­reien durch das katholische Sonntagsblatt Leo in Pa­derborn eine entsprechende Zurückweisung. Bachstem fühlte sich durch den Artikel des Leo beleidigt und er­hob gegen den Redakteur dieses Blattes Klage. Der Prozeß findet am 18. August vor dem Schöffengericht in Nordhausen statt. In der Hmiptsache dreht sich der neue Prozeß um Fälschungen Bachsteins betreffend die katholische Moral. In dieser Angelegenheit sind als Sachverständige kommiffarffch vernommen worden m Münster Professor Dr. Mausbach, der bekannte katho­lische Moraltheologe, und in Homburg v. d. Höhe Kir- chenrat Nippold, der Mitbegründer und Vorkämpfer des Evangelischen Bundes.

* Emden, 11. Aug. 1910. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl im Wahlkreis Aurich 1 wurden für Oberbürgermeister Fürbringer (natl.) 147 und für Schmidt (k.) 143 Stimmen abgegeben. — Bekanntlich hatte die Wahlprüfungskommiffion des Abgeordnetenhauses die Wahl des Abg. Für­bringer für ungillig erklärt. Der Wahlkreis gehört zu den von Konservativen und National­liberalen am heißesten umstrittenen.

** Allenstein, 11. Aug. 1910. Bei der Landtagswahl inAllenflein-Röffelsür den ver- storbenen Zentrumsabg. Griehlen wurde nahezu einstimmig der Zentramskandidat Erzpriefter Romahn in Rössel gewählt.

* Köln, 11. Aug. 1910. Der sozialdemo­kratische Parteisekretär Müller tritt mit den, 1. November von seinem Amt« zurück. Anlaß hierzu bot die bereits mitgeteilte Tatsache, daß Müller sich um eine Stellung bei einem Arbeit­geberverband beworben halte.

tf München, 11. August 1910. Die General- Versammlung des bayrisch-patriotischen Bauern- Vereins wird in diesem Jahre wie alljährlich ,n Tuntenhausen stattstodeu. Bei der Gelegenheft pflegen bekanntlich die Führer der bayrischen Land- wirtschaft wichtige Reden zur politischen Lage zu halten. Die Tagung ist in diesem Jahre auf den 28. August angesetzt worden.

3>er Wcrmppv.

Roman von Fergus Hume. Autorisiert« Bearbeitung

X Hochfliegen-e Frauzosen un­schwermütige Aüdentsche.

Vor vierzig Jahren und entern Monat herrichte in Frankreich und namentlich in Parts ein Stegesratisch, der sich bitter rächen sollte. Jetzt bemühen sich einige Chauvinisten und Geschäftspatnoten, wieder einen Taupiel der Selbstübcchebung und» Hoffnungs­seligkeit heworzurufen auf Grund von Leistungen bür­gerlicher und milttärischer F l^i gk un ft l £?.

Die Sache liegt so: Dte französische Reflmnezet- tung „Mahn' hatte Wettfahrten von Flugapparatm in bet deutsch-französischen Grenz« veranswltet und die flugkundigen Offiziere hatten sich der Veranstaltung angeschloffen, ja der Kommandeur des 20. Armeckorps General Manoury hatte als beobachtender Passagier einen Flug von Rancy bis dicht an die deutsche Grenze mitgemacht. Ein nicht milttärischer Flieger soll sogar die Grenze überschritten und über dem .an­nektierten Chambrey' eine Schleife geschlagen haben. Darob wird ein Triumphgeschrei erhoben, als ob Cl- saß-Lothringen schon so gut wie wiedererobert roare.

Der Zwischenfall offenbart uns eigentlich nichts neues, sondern bestätigt vielmehr, was die sachkun- digen Beobachter sich nicht verhehlt hatten: 1) daß Frankreich eine beträchtlich« Zahl von geübten Flug­künstlern und tüchtigen Flugzeugen besitzt, 2) daß es in Frankreich noch viele Chauvinisten gibt, und 3) baß das gallische Temperament noch nicht frei ist von jenen Eigenheiten und Schwächen, die 1870 zu dem vor­zeitigen Jubel und der nachfolgenden bitteren Ent­täuschung führten.

Die Nutzanwendung für uns ergibt sich von selbst: Deutschland muß stark bleiben, um die Unterneh­mungslust der Nachbarn in der rechten Grenze zu hal­len; Deutschland muß strebsam bleiben, um auf allen militärtechnischen Gebieten, auch aus dem der FIu^ fünfte, es den Franzosen gleichzutun oder womöglich fie zu übertreffen. Aber Deutschland muß auch ruhig bleiben, um nicht die Hitzköpfe drüben zu reizen ober ben bartigen Geschäftspatrioten Wasser auf ihre Mühlen zu liefern. ,

In letzterer Hinsicht verfehlt sich die alldeutsche Presse. Die Berliner .Deutsche Zeitung' bringt heute einen Alarmartikel über die angeblich so frevel­haften und gefährlichen Hermisforderungen an der Ostgrenze, der leider in einem mehr französischen, als deutschen Stile gehalten ist. Es wird da den Parade­flügen imb dem begleitenden Phrasengeklingel eine Bedeutung beigelegt, als ob eine ernsthafte Einleitung des Revanchekrieges schon im Gange sei. Die deutsche Politik wird der Schläftigkeit und Schwächlichkeit be­schuldigt; die deutschen Behörden werden mffgefor- dert, das Uel-erfriegen der Grenze durch stauzösische Aviatiker wirksam zu verhindern, usw. Wir fürchten, daß dem „Motin' und seinem Genossen dieser affdent- sche Aufschrei viel Freude machen wird. Die Leute werden sich nim erst recht einbildcn, daß fie etwas großes und formidables geleistet, die Sieger von 187*) in Aerger und Angst versetzt haben.

Im Jahre 1870 haben manche biederen Deutschen einen gewaltigen Respekt gehabt vor der vielbeschrie- nen „Mitraillense', imd viele Franzosen glaubten da­mals, krß diese .unübertreffliche' Mordwaffe den Sieg Frankreichs entscheiden müsse und entscheiden werde. An Stelle der Mitraillense ist jetzt allem An­schein nach der Äeroplan, das Flugzeug, zum chauvi­nistischen Fetisch erhoben worben. Der Lenkballon hat offenbar diesen Ehrenplatz nicht behaupten können aus dem einfachen Grunde, weil Deutschland auf die­sem Gebiete die Ueberlegenheit erlangte. Was können wir nun dagegen tun, wenn die Franzosen sich ein­reden, daß die Entscheidung im Zukunftskriege 6»n einigen Dutzend Aeroplanen abhänge? Je schärfer wir zu Felde ziehen gegen jede- Flugzeug, das die Luftlinie oberhalb der Grenzsteine berührt, desto höher wird das Ding in der Wertschätzung unserer Nachbarn steigen. Das einzige wirffame Beruhigung-mittel ist die Ausbildung der Fliegerkunst und bet Flugzeuge

SchwieriMten. Die katholischen Tschechen in Mäh­ren und Böhmen wollen neuerdings nur dann daran teilnehmen, wenn ihnen gestattet würde, in den Sek- tionen auch tschechisch zu verhandeln. So gerne man prinzipiell ihnen dies zugestehen möchte, wird es doch in der Praxis höchst schwer fallen, ihnen den Gebrauch ihrer Muttersprache zu gestatten, zumal dann auch die anbeten Nationalitäten ein gleiches Recht beanspru- chen könnten, wodurch es auf dem Katholikentage zu einer babylonischen Sprachenverwirrung käme und der Hauptzweck aller Redner, sich allgemein verständlich zu machen, verfehlt würde. Gerade ein allgemeiner Ka- tholikentag bewetft wieder die Notwendigkeit, daß in dem vielsprachigen Oesterreich eine Vermittlungs­sprache besteht, die naturgemäß nur die deutsche Sprache fehl kann.

* Eine umfassende Amnestie wird Kaiser Franz Jos ep h anläßlich seines 80. Geburtstages in den nächsten Tagen für politische Vergehen er­lassen.

* DaS freie schweizerische Volk gegen die Arbeiter-Versicherung! Das Genfer Volk hat das Alterversicherungsgesetz mit 9276 gegen 2458 Stimmen verworfen. Das Gesetz war von den Konservativen wegen seiner Bestimmung über den Versicherungszwang bekämpft worden, hatte jedoch im Kantonsrat mit Hilfe der radikalen Sozialisten und Katholiken eine überwiegende Majorität er­halten. Die Verwerfung durch die Vollsab- fiimmung zeigt, wie schwer es ist, das Volk von seinen Vorteilen zu überzeugen.

* Ministerpräsident Canalejas glaubt nicht, daß der spanische Botschafter beim Vatikan nach Rom zurückkehren werde.

♦ Der deutsche Generaloberst Freiherr v. d. Golh wird in kurzer Zett den aktiven Dienst in der preußi­schen Armee mit voller Pension verlassen und gänz­lich in türkische Dienste übertreten. Generaloberst v. d. Goltz wird wie im vorigen Jahre zur Teil­nahme an den großen türkischen Manövern im Sep« ember nach der Türkei reifen.

♦ In Engtisch-SÄafrika soll die allgemeine Wehrpflicht eingesührt werden. Der KriegS- minifter im südafrikanischen Kabinett, General Smutts, besürwortete in einer öffentlichen, in Prä- toria gehaltenen Rede die Einführung der allge­meinen Wehrpflicht nach Schweizer Vorbild.

Ausland.

* Dem bevsrfkhenden 7. Allgemeinen öfierreichi- fchen Katholikentag in Innsbruck drohen neue

das beste für mich. Du wirst natürlich Herrn Krafft bitten, mir zur Seite zu stehen.'

.Ich werbe nichts dergleichen tunk' brauste Fräu­lein'Lambert auf. .Du hast ja bloß die Absicht, mit dem zu kokettieren, ihn anzuschmachten, ihn in Deine Netze zu zichen! Nein, fo dumm bin ich nicht? Dich kenne ich nachgerade!'

Lena streifte die Sprecherin mit einem giftigen Bläk. .Nun, schwer würde mir das letztere jedenfalls nicht fallen', gab sie lachend zurück.

.Das werde ich jedoch verhindern! Durch mich sollst Du ihn nicht kennen lernen', versetzte Fritzi tief- v »letzt. .Du kannst Deine eigenen Wege gehen, Lena Kirby. Wir sind fertig miteinander.'

Lena zuckte die Achseln und wandte der einzigen Freundin, die gekommen war, ihr zu helfen, den

Rücken.

Nachdem Fräulein Lambert gegangen, begab sich Sena in ihr Zimmer, zählte ihre Koffer und Kchen, blickte in ihr Bankbuch und dachte über ihre Zukunft nach. Von dem Betrag auf bet Bank konnte sie eine ganze Wette leben, ohne überhaupt etwas hui sumus [en Dann würde sie als Schaufpielerm auftreten ober — betraten. Eine reiche Partie würde fie aller­dings der Bühne vorgezogen haben, denn sie wat ein träges Geschöpf und fand ben Gedanken, ihren Le­bensunteehalt verdienen zu müssen, geradezu gräßlich. Wenn jedoch das Schlimmste zum Schlimmen fam, konnte sie irgendwo ate Statistin auftreten — hübsche Damen wurden ja immer gesucht. Wenn sie dloß ge- viu||i, „„ .... ------------

mußt hätte, wo Oskar Schau steckte — er wurde @r y0Hbart und Schnurrbart und einen Kneifer, ihr gewiß helfen. Diese Vermutung fallt« sich bi- - - ----~ ' *■ “

Maer W Zeitung

“" ' moiKrtsbeiiagt: „Mdaer Geschichkblätter"

33. Tagung -es Verbandes kathol. kaufmännischer Bereinigungen

Deutschlauvs.

C Würzburg, 11. August 1910.

Der eigentlichen Tagung de- BerbandeS kathol. kausrn. Bereinigungen Deutschlands, bi« morgen früh beginnt, gehen heute verfchiedene Eouderversammluu- aen voraus. Der Generalversammlung der Kranken­kasse liegt der Geschäftsbericht über das Jahr 1909 im Druck vor. Danach ergab daS verstossene Geschäfts­jahr einen lleberschuß von 18000 Mk. zur Verstärkung der Betriebsmittel und Ansammlung des Reservefonds. Geht es so weiter, wird man bald in der Lage fern, eine Erweiterung der Kassenletstunaen m3 Aug« » fassen, vor allem die Familtenverficherung auf die Lanptkaffe zu übernehmen. Die ReicdSverstcheruugs» Ordnung wird im GekchästSbericht tu der Form der Reqieruugsvorlage als eine Gefahr für die Hilsskassen beieidmet Die Krankenkasse hat deshalb mtt den übrigen kaufmännischen Hilsskassen m einet gemein- tarnen Eingabe an die Reichsregierung ihr« Wunsche bezüglich der Gestattung der Reichsversicherungsorbnung daraelegt. Auch hat man die Zentrumsftaktwn für die Wünsche interessiert Di« ReichSkornmiffion hat auch den die Hilsskasseu betreffenden Bestimmungen eine Fassung gegeben, die immerhin gegen die Regierungs­vorlage eine Verbesserung bedeutet. — Es sollen Vor­arbeiten getroffen werden, um der nächsten General­versammlung ein ausgearbeüeteS Statut über eme Familienversicherung vorlegen zu können. — Ein An-

Schan schrieb von einer Vorstadt Londons aus, wo er unter dem Samen Orlando Slata lebte — ein Rame, dessen Anfangsbuchstaben sich mtt dem Mono­gramm in seiner Wasche deckte. Er flehte Lena an, doch zu ihm zu kommen, wenn sie mir noch einen Fun­ken Zuneigung für einen so unglücklichen Menschen habe. Der Brief war sehr kurz gefaßt, aber aus dem­selben ging deutlich hervor, daß Schau sie noch hebe — ober vielmehr ihr Vermögen — und daß et stch danach fehlte, fie wiederzusehen. Da von der Ver­änderung Ihrer Vermögenslage nichts in die Oefsent- lichkrit gedrungen war, hatte Schau von dem zwecken Testament und ihrer durch dasselbe verursachten Ar­

ft, Deutschland. Wenn wir ebenso viel Aeroplane und noch einige Lenkballons mehr haben, so wttd der .lustige' ChmwinismuS schon nachlassen.

Eine absichtliche lleberschreitung der Grenze ist ungehörig; aber wir sehen nicht ein, daß man gleich mit Kanonen aus jeden frechen Spatz schießen müßte. Ernste Maßregckn wären freilich geboten, wenn die Franzosen ihre Drohung wahr machen wollten, der Ausspähung halber über Metz oder andere Festungen iu fliegen. In dem Falle könnten wir ja nach vor- ’ieriger Verwarnung eine Hebung im Scharfschießen auf Luftfahrzeuge vornehmen, was zur Ausbildung ür den Ernstfall nicht unnütz wäre. Ab« abgesehen von wirklichen Spionageversuchen sollte man dem Treiben der Theater- und Reklamehelden gegenüber die volle Ruhe der Ueberlegenheit be­wahren__

Deutsches Reich.

♦ Berlin, 11. August 1910. Beim Kaiser in Wilhelmshöhe waren am Donnerstag zur Früh- stückstasel die Botschafter Mumm v. Schwartzen­stein und Graf Berustorff, unsere Vertreter in China und den Vereinigten Staaten. — Das Prinzenpaar Eitel Friedrich besuchte am Mitt­woch inkognito die Brüsseler Weltausstellung. — Die Kaiserin von Rußland soll in diesem Jahre bei Gelegenheit der Zarenreise nach Darmstadt- Friedberg einen längeren Kuraufenthalt in Kreuz­nach nehmen.

X Bon dem Rücktritte des Staatssekretärs im Reichspostamte, Krätke, ist wieder einmal die Rede. Es wird gesagt, er werde „mit Rück­sicht auf sein vorgeschrittenes Alter in nicht zu ferner Zeit in den Ruhestand treten." Wann das sein wird, ist nicht gesagt, doch wird hinzugesügt, man nehme an, daß erst noch die neue Fern­sprechgebühren- Ordnun g erledigt werden solle. — Dann werden seine Gegner wohl noch recht lange Wartezeit bekommen.

X Em Bremserlaß für die Fabrikinspektion? Ter preußische Handelsminister hat den Fadrikinspektoren in Bezug auf die Jahresberichte eine bedenklich kräftige Bremse angelegt. Er betont:

.Die Jahresberichte haben sich, ihrer gesetzlichen Bestimmung gcmäfi, auf die Mitteilungen von Tatsachen imb Wahrnehmungen zu beschränken, theoretische Er­örterungen, insbesondere Abschweifungen auf das Ge biet der Ausgestaltung und Abänderung bestehender Gesetze, Verordnungen ufro., gehören nicht in diese Be­richte. Nur solche Tatsachen sind mitzuteilen, die auf zuverlässigen Ermittelungen beruhen; Angaben dritter Personen oder gar Gerüchte, deren Richtigkeit sich nicht zweifellos so feil Reffen lassen, sind entweder überhaupt nickst zu berücksichtigen, ober, wenn ihre Erwähnung aus besonderen Gründen geboten erscheint, nut unter Mitteilung der von dem Aussichtsbeamten unternommenen Versuche zu ihrer Klarstellung und unter ausdrücklicher Betonung ihrer Unkontrollierbarkeit wiederzugeben."

Es war bisher nicht ausgefallen, daß die Jahres­berichte in dies» Beziehung bedenklich Seilen hätten. Im Gegenteil enthielten sie saft durchweg von An­fang bis zu Ende interessantes Material. An- schemend haben größere Unteinehniergruppen auf den Minister ihren Einfluß geltend gemacht, und dem gibt Herr Sydow jetzt nach.

♦ Ein Wohltäter der Sozialdemokratie. l'Rler den Bei: ä ?n, die der Sozialdemokratie fett Iahten zuflosten, befindet sich ein solcher in Höhe von 50000 Mark, dessen Spender mit „Nordische Waffnkante" bezeichnet ist. Den Schleier der „Nordischen Wasserkante" glaubt jetzt ein Leser der „Kreuzztg." lüsten zu tönnen. Er versichert, daß sich hinter dem mysteriösen Namen ein jüdisch» Hamburger Lotterieiose» Händl» v»b»ge, d» sich verpflichtet habe, wenn die sozialdemokratischen Arbeiter ihre Lose bei ihm kauften, einen Teil des Gewinnes an die