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MaerW Zeitung

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MchmMare-,F»uftrlrrtr Sonntagrzeitung"

37. Jahrganq

Fulda, Mittwoch den 10. August 1910

Erstes Blatt.

ä0 181.

in Kassel flattfinden. Bis dahin weis; man.

miger Genugtuung.

Mit diesen Worten

r«jri-e«: tne et» spalttgepetttzeileoder deren Bannt 15 Pfg. ReNomendiepeMzeNe Psg., der wieder« yotnngen wird entspr.

Rabatt gewährt.

RotationrdruSund Verlag der Luldaer Ak-

ganz natürlich, daß sie mehr als alle anderen Parteien widerstandsfähig ist gegen Wahl­kunst, Wahldruck, Verlockungen und Hetzereien.

Wenn wir auf Mitläufer nicht rechnen können und nicht spekulieren wollen, so bedeutet das feinen Stillstand in unserer Werbearbeit. Wirmüflen alle Kräste einsetzen — jeder auf seinem Poften; auch der kleine Mann und die kleine Frau im per­sönlichen Umkreis —, um wirkliche Anhänger unserer Grundsätze und treue Mitkämpfer sür unsere Ideale zu gewinnen. Dann können wir der Sorge wegen der unzuverlässigen Mitläufer den anderen Parteien und auch der Regierung über-

* Der Reichskanzler und die Nachwahlen. In einer Zentrumsversammlung in Immekeppel bei Köln

Erscheint tSglich mit

Ausnahme der $o.m« und Feiertage. Viertel« jährlicher SeMrpreir ohne vringerlohn und vestellgeld in Fulda so­wie auswärts 1.5« NU.

Verantw. Redattemr Lark Schütter für die Anzeigen:

z.parzeller in Fulda.

• Berlin, 9. August 1910. Der Kaiser machte am*Montag in Wilhelmshöhe mit der Kaiserin einen Spazierritt. Späterhin arbeitete der Kaiser allein. — Zu den Herbstmanövern der

.. tiendrmkerei in Fulda

Monatsbellage: „$Ulb(iei SeschichtMatter Fernsprecher Ur.4.

Fritzi Lambert war die erste, die von dem Unglück erfuhr, welches Lena betroffen. Sie erhielt eines Ta­ges einen ihr unverständlichen Brief, in welchem Die junge Witwe sie bat, sie doch zu besuchen. Lena schrieb, sie befände sich in größter Sorge, sie brauchte jemanden, den sie um Rat fragen könne und beschwor Fritzi bei ihrer „treuen Freundschaft" — das „treue Freund­schaft" dick unterstrichen — so schnell wie möglich zu kommen.

Fräulein Lambert amüsierte sich köstlich über diesen Brief, aber sie kam der Aufforderung aus zwei Grün­den nach. Erstens wollte sie gerne tvisten, welcher Art Lenas Sorgen waren und zweitens gedachte sie, die erwartende Enthüllung sei vielleicht auf irgend eine Weise imstande, das den Tod Kirbys umgebende Ge­heimnis zu lüften.

Mit diesen Gedanken machte sie sich eine Stunde nach Empfang des Brieses auf den Weg zu Lena Kirbh. Diese empfing sie mit überschwenglicher Freude.

Nachdem Fritzi einige Küsse Lenas über sich hatte ergehen lassen, fragte sie nach dem Grunde ihrer Sor­gen. Frau Kirbh beantwortete diese Frage damit, daß sie in bittere Tränen ausbrach und sich vor Fräulein Lambert auf die Kniee warf.

„Ich bin verloren!" jammerte sie. „Es gibt auf der ganzen Welt kein unglücklicheres Geschöpft als mich. "

„Wie?" fragte Fritzi. „Hast Du den alten Mann also doch getötet?"

„Du wirst Dir Deinen Lebensunterhalt verdienen müssen, wie andere es tun", versetzte Fritzi mit grim- Hast Du denn mit dem Gelde

Dev Wcrmppv.

Roman von Fergus Hume. Autorisierte Bearbeitung

45] von C. Werner.

„Hm, vielleicht nicht. Wenn Sie aber zur Polizei so sprechen, wie soeben zu mir, dann steckt man Sie oielleicht ins Irrenhaus. Meiner Ansicht nach ist das auch der geeignetste Platz für Sie. Wenn Sie nicht ein so giftiges und gefährliches Reptll wären, dann würde ich Sie für das bemitleidenswerteste Geschöpf aus Gottes weiter Welt halten."

Mit diesen Worten verließ Brand das Zimmer und begab sich direkt zu Feldern, dem er alles er­zählte.

„Ich glaube, Sie haben recht, Herr Brand meinte der Detektiv. „Der Mann ist unschuldig. Aber selbst wenn er schuldig wäre, würde es zu ipat sein, irgend etwas zu tun. Sie haben ihn gewarnt, er totrb at,o inzwischen längst das Weite gesucht haben."

Feldern hatte recht. Als die Polizei in Schau's Wohnung kam, um ihn zu verhaften, war er nirgends zu finden.

20. Kapitel.

Mit bepi Verschwinden Oskar Schau's waren alle Hoffnungen, den geheimnisvollen Mord auch von die­ser Spur aus weiter verfolgen zu können, zu nichte ge­macht.

, Frau Kirbh hatte inzwischen eine nicht gerade an­genehme Zeit verlebt. Die Nemesis schien sich jetzt an ihre Fersen zu heften, um sie für ihr vergangenes Le­ben zu strafen. Mit ganz besonderer Bosheit hatte das Schicksal Lena Kirbh da getroffen, wo sie am ver­wundbarsten war. Solange die junge, schöne Wtwe Geld besaß, um ihre Launen zu befriedigen, kümmerte sie sich herzlich wenig um ihre Mitmenschen. Das Schicksal beraubte sie dessen, was ihr am liebften, am unentbehrlichsten im Leben war. Aus gänzlich uner­wartete Weise veckor sie ihr gesamtes Vermögen, so­daß sie als Betüerin dastand. Ein härterer, grausa- rjerer Schlag hätte sie garnicht treffen können.

fpefuliert?"

Nein aber das Testament! Es ist ein zweites Testament gefunden worden!" Wit diesen Worten reichte sie Fritzi ein Schreiben.

Fräulein Lambert überflog schnell seinen Inhalt. Es kam von einem in der Stadt ansässigen Rechtsan­walt und Notar namens Graham. Dieser Herr teilte Frau Kirbh mit, daß ihr verstorbener Mann ein spa­ter verfaßtes Testament als das, welches sie zur Erbin einfetzte, hinterlassen habe, in welchem er fern gesamtes Vermögen einem Herrn Robert Sanbor vermacht habe, der in der Rosenvilla, Millingtonstraße, Bezirk Hamp- fteab, wohne. Da Herr Sanbor auf einer längeren Reise im Auslände geweilt, hatte er bte Erbschaft noch nicht in Anspruch genommen; jetzt war er zuruck- gekehrt. Der Rechtsanwalt bat Frau Kirbh um ihren Besuch, um näheres mit ihr zu besprechen und drückte fein Bedauern aus, daß Frau Kirbh m dem letzten Testament nicht erwähnt war.

besprach am Montag der Zentrumsabgeordnete Marx- Düsseldorf die letzten zugunsten der Sozialdemokratie ausgefallenen Wahlen. Er bemerkte nach Zeitungsbe­richten u. a., die Niederlagen der konservatwen Par­teien seien hauptsächlich dadurch zu erflaren, daß bei­spielsweise im Kreise Oletzko-Lyck die Wähler nicht ge- wußt hätten, wie ihr Abgeordneter Graf «tolberg aus- gesehen habe, weil er sich eben bei ihnen nie habe sehen lassen. Was die Wahl von Marx in seinem Kreise angehe, so wisse er, daß dem damaligen Aus­gang der Wahl in Mühlheim-Gummersbach auch an höherer Stelle mit großem Interesse entgegengesehen wurde. Der Minister des Jnnem und der Reichs kanzler Men die Anweisung gegeben, daß chnen noch am Tage der Wahl ihr Ausfall bekannt gegeben werde. Der R e i ch s k a n z l e r habe dann spater erfind, die Wahlen hätten Zeugnis dafür abgelegt, daß dem Z e li­tt um nicht beizukommen sei. So werde es auch bei den kommenden Wahlen gehen, denen die Zen- trumspadei mit Zuversicht, entgegensehe

q Bemerkenswerte sozialdemokratische Neichstags- fanbioatttren. Der sozialdemokratische Abg. Rechts- anmalt Heine, ein Führer der Revisionisten ver­trat bisher den völlig sicheren dritten Berliner Wahl­kreis. Jetzt wird aus D e s s a u gemeldet, daß Heine als sozialdemokratischer Kandidat für den Wagllrei. Anhalt 1 aufgestellt worden sei. Diese Meldung muß umso mehr überraschen, als von den Genossen für diesen Kreis bereits früher der Redakteur Eisner ausgestellt worden war. Er ist von seiner Kandidatur zuruckgetreten, jedenfalls um Heine Platz zu machen. Die Vermutung liegt nahe, daß man tn Berlin Herrn Heine hat abhalftern wollen, weil er den Führern und der Masse der Genossen nicht radikal genug war. Heine hat die Dessauer Kandidatur angenommen. Der jetzige Vertreter des Leises ist der linksliberale Abg. Schrader. Der Wahllrer» ist seit 1871 ununterbrochen im Besitz der L>bera.en gewesen. Die Soziaidemolraten spekulieren offenbar darauf, daß ein revisionistischer Kandidat sehr viele Linksliberale zu sich hinüberziehen würde Bemerkens- wert ist auch die Tatsache, daß nn 22. sächsische» Reichstagswahlkreise der Redakteur der sozialdemo­kratischen „Leipziger Volkszeitung" Dr. Le lisch em« stimmig als Kandidat anfgestellt worden ist. Dr. Lensch steht auf dem äußersteii radikalen Flügel der

der erbliche Adel verliehen.

r_L Die Bildung kommunaler Zweckverbaiibe wird von dem neuen Minister des Innern von Dallwitz lebhaft betrieben. Den Oberpräsidien ist, nne rott erfahren, ein dahingehender Entwurf zur Begut­achtung zugegangen und man hofft bereits im nächsten Jahr dem Landtag einen Gesetzentwurf vorlegen zu können.

+ Die ehrengerichtlichen Bestimmungen für bte Offiziere des preußischen Heeres liegen im Reudruck vor. Der Neudruck weist in sachlicher Beziehung erhebliche Verbesserungen auf, so die bedeutende Er­weiterung der Verteidigungsbefugnisse des Ange- schulbigten und die tätige Anteilnahme der nut Pension zur Disposition gestellten und der mit dem Recht zum Tragen der Uniform verabschiedeten Offiziere an den Ehrengerichten. Für den Ange- schulbigteu ist die zu seiner Verteidigung höchst be­deutsame Bestimmung getroffen, daß ihm bei der Schlußvernehmung die Anklagepunkie ui dem Wort­laute wie sie der Ehrenrai vor dem Ehrengericht I ju vertreten beabsichtigt, bekanntzugeben und schrist- lich zu behändigen sind.

** Eme Saiferrebe? Wie es heißt, gedenkt der Kaiser bei ber für ben 20. August in Aussicht genom­menen Einweihung bes königlichen Rchdenzschloffes m Posen eine Rebe zu halten, bereu Entwurf angeblich bereits sorgfältig bereitet ist. Ein lfreikonservatives) Blatt glaubt versichern zu bürfen, daß ihr Inhalt we° I ter ber Germania, noch ber Kölnischen Volkszeitung I (mit anderen Worten also: bem Zentrum) gefal-

Ausiand.

* eine Klage über die deutschen Flottenmanöver kommt aus Kopenhagen. Eine Anzahl deutscher Kreuzer und Torpedoboote habe im „Middelfahrl-Hafen geübt und dabei einen so starken Seegang verursacht, daß mehrere Fischerboote umgeschlagen und zwei davon gesunken seien. — Daß die Flottennianover auf den Fischfang einen sehr ungünstigen Einfluß ausüben können, ist ohne weiteres zuzugeben. Wenn deutscherseits auf die dänischen Fischer dabei einige Rücksicht genommen würde, könnte das gar nicht schaden. _ ,.

* Die Ausbreitung des amerikanischen Kapitals in der allen Welt macht weitere Fortschritte. Ein neuge­gründetes amerikanisches Syndikat mit 600,000,000 M. Kapital bezweckt den Ban von Bahnen in der as l a ti­schen Türkei und die Erschließung der Mineral- und Oelschatze Turkestans, sowie der oberen Euphrat- unb Tigris-Täler. Das Syndikat hat auf 20 Jahre alle M mein echte 121/s Meilen zu beiden Selten der geplanten Bahn gepachtet.

** In der Türkei ist man Unterschlagungen größten Stils in der kaiserlichen Fezfabrik auf die Spur gekommen. Sie fallen noch unter bte Hamidische Aera, und sollen 40 Millionen Piaster betraaen, gleich T1/« Million Mark be­tragen. Ein besonderer kaiserlicher Erlaß über- weist den früheren Direktor der Fabrik, den Generalleulnant des Ruhestandes, Muhieddin- Pascha und mehrere ungetreue Beamte dem Kriegsgericht. , , . ,

* Die Revolution in Teheran hat doch mehr Opfer gefordert als die ersten Nachrichten vermuten ließen. Das Schloß ist sehr stark mit­genommen worden. Die genauen Berluste sind fünf Tote und zwölf Verwundete auf seilen des

„Das sind allerdings schlechte Nachrichten für Dich, Lena", bemerkte Fdtzi, nachdem sie bas Schreiben aus- merksam burchgelesen.

„Es ist furchtbar! Es ist entsetzlich!" schluchzte Lena. „Oh, liebste Fritzi, was soll ich tun? „ Mir bleibt kein Pfennig von dem ganzen Vermögen!"

„Das beste, was Du tun kannst, ist, vorerst zu Rechtsanwalt Graham zu gehen unb bann zu ver­suchen, ob bieser Herr Sanbor Dir nicht ein bestimmtes Einkommen aus ber Erbschaft zukommen läßt. Wenn er tatsächlich Kirbhs ganzen Reichtum erbt, so darf er sich schon anstandshalber nicht weigern. Dir ein genü­gendes Einkommen zu bewilligen."

„Ich will nicht bloß ein genügendes Em kom­men', wütete Frau Kirbp. „Ich will das ganze Geld — es ist mein Eigentum. Ich habe Christoph bloß seines Reichtums wegen geheiratet."

„Aber wenn Du nicht einen ganzen Laib Brot bekommen kannst, so mußt Du mit einem halben oder einem viertel zufrieden fein. Gehe also zu Graham und bitte diesen Heim Sandor, wenigstens gerecht zu sein, wenn er nicht großmütig sein will."

„Ach, von dem bekomme ich nichts, garniehts!" „Warum nicht?" , ,

„Weil Sanbor — oh Fritzi — denke doch bloß mal über den Namen nach!"

„Robert Landor? Run? was ist damit?"

„Cs ist „sein Vater!" schrie Lena. „Er haßt mich!" "Sein Vater!" wiederholte Fräulein Lambert ver- rounbed Dann erfaßte sie endlich die Bedeutung des Namens. „Oh, Sena, willst Du damit sagen,

„Ja, ja. Es ist Theo Sandors Vater! Ich sehe ; es an der Adresse: Rosenvilla, Millingtonstraße, Be­zirk Hampsteab. Dorf hat auch Theo gewohnt. ,Und i well dieser dumme Mensch sich erschoß, soll ich nun ’ mein ganzes Vermögen verlierenl"

t „Ja, das scheint mir allerdings der Fall", versetzte ; Fräulein Lambert ernst. „Du siehst, Lena, Deine \ Sünden rächen sich an Dir selber!"

(Fortsetzung folgt.)

stände gegen die rote Flut vor keiner Kraftanstrengung zurückzuscheuen.

(♦) München, 9. August 1910. Die Kammer der Reichsräte hat nach mehrstündiger Debatte das Walchensee-Projekt mit allen gegen 5 Stim­men angenommen. Die Opposition vertraten die Reichsräte v. Auer und v. Kramer-Klett, be« anders unter Hinweis auf die Lage ber Staats- inanjen und die nach ihrer Ansicht fragliche Rentabilität. ,

rf München, 9. August 1910. Um der not. leibenden bayerischen Staatskasse wieder zu größeren Einnahmen zu verhelfen, erörtert die bayerische Presse den Gedanken der Errichtung einer Staats­lotterie. Man hofft jährlich 5 Millionen Mark herauszuholen. Bayern war bisher wohl das einzige Land, das diese „Steuer auf die Dummheit" nicht hatte. Dieser Vorzug soll nun weichen vor dem dringenden Bedarf an Geld. Es fragt sich aber, ob die Re- gierung, die sich bisher der schon öfter gemachten Anregung gegenüber stets ablehnend vergalten hat, ihren Standpunkt ändern wird.

Augsburg, 8. August 1910. Wahrend des Katholikentages wird am Dienstag, 23. Au­gust, früh 7 Uhr, vom hohen Dome aus eine Männerwallfahrt zum Grabe des Diözesan- patrons im St. Ulrichsrnünster veranstaltet werden, um den Segen Gottes auf die Tagung herabzu- flehen. Das Lokalpräsivimn richtet an die Geist­lichkeit und an die katholische Männerwelt die freund- liche Einladung zu zahlreicher Beteiligung an dieser feierlichen Manifestation unseres hl. Glaubens. Um annähernd eine Uebersicht über die Beteiligung zu gewinnen und zur Ermöglichung einer Organisation des Wallsahrtszuges, bittet der Zugsleiter, Dom- kaplan I. Oblinger, um baldmöglichste Anmeldung jener katholischen Bruderschaften, Kongregationen, Vereine und Korporationen, welche an der Pro- zession mit Fahnen und Standarten teilzunehmen gedenken. _______ _

* Die Mitläufer.

otn der sozialdemokratischen „Neuen Zeit" warnt ein bedächtiger Politiker seine Genossm vor der ge fährlichen Spekulation auf bte „Mitläufer Er sagt mit Recht:

Wenn man von 120 künftigen sKi^emokrachchen | Reichstagssitzen rede, so ,sei diese Rechnung auf die Mitläufer gestellt; denn kein Zurechnungsfähiger werde behaupten wollen, daß die Zahl der überzeugten Sozialdemokraten sich fett 1907 verdreifacht habe.

Ter Warner fürchtet, daß aus der Sehnsucht nach den 120 Mandaten sich die Neigung entwickeln könne, Taktik und Agitation auf die Gewinnung von Mitläufern zu richten. Vor dieser Gefahr, meint er, tönne nicht dringend genug gewarnt wer- oen; denn je größer die Zahl der Mitläufer bet den nächsten Wahlen sein würde, umsomehr wachse die Aussicht der Reaktion, den sozialdemokratischen Wahlerfolg alsbald durch „irgendwelche reaktionäre Streiche" zu beseitigen. ____ .

Die Erfahrung von 1907 hat allerdings den Hochseeflotte wird ein drittes Geschwader aus sozialdemokratischen Politikern die Unzuverlässigkeit ben Linienschiffen der Reserveformation der Nord- ber Mitläufer drastisch klar genracht. Unter den fce, unb Ostsee-Station gebildet werden. Die Ala- Wahlkünsten des Fürsten Bülow und des Generals n5oet beginnen am 21. August und enbtgen am Keim schmoüen sie arg zusammen. Doch muß man, 10> September. , ,

um nicht den Umfang der Mitläuferschaar zu über- . Der stühere Handelsmmifier ö. Moller vol- schätzen, die Tatsache im Auge behalten, daß Fürst [mbet morgen das 70. Lebensjahr. In Kupier- Bülow von Anfang des Wahlseldzuges an auf die bantmer bei Brackwede ist er als Sohn von Frieb- „Nichtwähler" spekulierte und nach Ausweis I ricl) gj^ner geboren, der nach der Revolution lange der Wahlstatistik auch einen großen Teil der bis- oeit Mitglied der preußischen Abgeordnetenkammer beugen Nichtwähler an die Urne gebracht hat. Mit ro(tr. 1901 wurde v. Möller zum preußischen dieser Einschränkung behält es seine Richtigkeit, daß Staatsminister und Minister für Handel und Ge- die Wandelbarkeit der Mitläufer wesentlich dazu I roctbe ernannt und hat diese Stellung vier Jahre beigetragen hat, der Sozialdemokratie den empfind- Iang innegehabt. Bei der Enttaffung wurde ,hm sichen Mandatsverlust von 1907 beizubringen. -

Als die Blockpresse über den Erfolg dieser Wahlen ein übermäßiges Triumphgeschrei anftimmte, wurde von unserer Seite sofort hervorgehoben, daß die- jenigen Mitläufer, die diesmal sich für einen Block­kandidaten hatten einfangen lassen, nächstens wieder zu „ihrer alten Liebe" zurückschwenken würden. Die Mitläuferschaft der Sozialdemokratie geht bekannt­lich zumeist hervor aus dem Wunsche verärgerter oder verhetzter Wähler, ihre Unzufriedenheit recht | drastisch zu bekunden; sie meinen, durch die Ver­mehrung der sozialdemokratischen Mandate oder Stimmen könnten sie der Regierung, den Behörden, den Vorgesetzten, den Führern und Vertretern der bürgerlichen Parteien rc. einen empfindlichen Denk- -eitel geben. Die Naturgeschichte der Mitläufer- teuft läßt es als selstverständsich erscheinen, daß tn diesem Jahr des Steuerärgers und der gemeinsamen Hetzarbeit der liberalen und der sozialdemokratischen Preise die Zahl derjenigen, die durch einen roten Stimmzettel sich „rächen" möchten, gewaltig ge­stiegen ist. Die Ersatzwahlen haben das bestätigt.

Tie Ersatzwahlen haben freilich auch noch die wichtige Wahrheit festgestellt, daß die Mitläuser, die jetzt roieber der Sozialdemokratie sich zuwenden, nicht aus dem konservativen oder dem Zentrums- lager Herkommen, sondern aus den liberalen

„Fritzi!" schrie die junge Witwe entsetzt auf, „wie kannst Du so schrecklich sprechen? Ich habe Christoph nicht getötet, obgleich Herbert Brand mich dieses Ver­brechens beschuldigte. Wenn Oskar Schau den Aerm- ften ermordet hat, so kann ich nichts dafür. Ich habe keine Ahnung davon gehabt. Ich ging zu ihm, um ihn zu fragen; aber er ist sott und niemand weiß, tvohin er gegangen."

„Das weiß ich bereits alles", sagte Fritzi, mit dem Kopf nickend. Herr Brand erzählte Olga und mir ausführlich von der Entdeckung Brunos und dem Ge­ständnis Schau'*"

— Heber den Stand ber Sozialdemokratie tn Deutschland macht der Bericht des Parteivorstandes der sozialdemokratischen Partei Deutschlands an den Ende August in Kopenhagen stattfindenden internatio­nalen Sozialiftenkongreß eine Reihe bemerkenswerter Angaben. Eingeschriebene Mitglieder hatte die Padei 1909 633309. Im Reichstag hat die Partei augenblicklich 50 Mandate, in den Par­lamenten der deutschen Bund es st aalen 185 Ver­treter und zwar entfetten auf Anhalt 1, Raden 20, Bayern 21, Bremen 16, Hamburg 20, Hessen 5, Lippe 1, Lübeck 12, Oldenburg 6, Reuß j. S. 3, Sachsen 25, Sachsen-Altenburg 7, Sachsen-Koburg-Gotha 8, Sach­sen-Meiningen 9, Sachsen-Weimar 4, Schaumburg- Lippe 1, Schwarzburg-Nudolstadt 7, Wüdtemberg 15. In sechs Einzelstaaten hat die Padei noch keine Ver­tretung in den Parlamenten. Die Zahl der sozialdemo- kralischen Gerne indevertreter wachst von Jahr zu Jahr Die Padei hat in 300 Stadtverordneten­kollegien 1368 und in 1779 Landgemeinden 4789 Ver- treter. Außerdem zählt sie in 38 Städten 115 und in 93 Landgemeinden 159 Vertreter im Magistrat und Gemeindevorstand. Die Zahl der sozialdemoiratischen Zeitungen beträgt 74, ihre Abonnentenzahl 1041 498. Den Rednern der Partei, den Abgeordne­ten und Redaktionen der Partcipresse wird unentgelt­lich die sozialdemokratische Parteikorrespondenz zuge- siellt. Außerdem besteht ein Pressebüro, das an bte Presse täglich einen Nachrichtenbrief sendet; seiner ist ein telephonischer und telegraphischer Nachrichtendienst für die Presse eingerichtet. — Der Bericht ist für jeden Politiker jedenfalls sehr beachtenswert. Es muß den bügerlichcn Parteien ein Sporn fein, in dem Wider-

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„Oskar hat ein Geständnis abgelegt? Was für eins? Hat er Christoph wirklich ermordet?"

„Rein, das nicht. 2tbec er ist in der Mordnacht im Büro'Deines Mannes gewesen, sand ihn jedoch bereits als Leiche vor. Um auf Brand den Verdacht der Schuld zu wälzen, steckte er denTürkisenschlüssel in die SSanb des Toten — Tu weißt doch, den klei­nen, goldenen Bleistift, den Du mir gestohlen hast, Lena *

Frau Kirbh ignorierte diesen Hieb.

„Ich habe Oskar diesen Schlüssel nicht gegeben“, erwiderte sie. „Er muß ihn im Wohnzinnner, wo ich ibn liegen ließ, an sich genommen haben. Aber, denke Dir nur, ich habe mein ganzes Vermögen verloren! schluchzte Frau Kirbh auf.

„Was?" rief Fritzi bestürzt. „Die ganzen zwei Millionen?" , „ .,

Ja alles! Oh, mein Gott, was soll ich nun tun?"

Reihen. ,

Tas Zentrum darf sich rühmen, datz es mehr als alle anderen Parteien von dem Zu- und Ad-

ftbericSunStreuen Wählern. Das ist auch geheimnisvoll. Jedenfalls wird man nach der v el- durckaus nicht zu verwundern. Die stetigen scharfen versprechenden

Angriffe von den anderen Parteien und der Mangel der Rede mit ganz besonderem ^nter.fle entgegen an 'Regierungsgunst sorgen schon dafür, daß der sehen. ___

Zentrums sahne Streber und sonstige Jäger nach ( Der allgemeine Vertretertag der National- irdisc''em Erfolg fernbleiben. Für die unzufriedenen ^^le» Partei wird am 1. und 2. Oktober und widerborstigen Elemente hat das Zentrum bei I m flau finden. Bis dahin weiß man,

seiner positiven Politik und bedächtigen Taktik auch I ^ie Genossen" in Magdeburg beschlossen ÜL Wtfi h?»™ w'-'d-n"”» dEch -m.

Grundsätzen und durch Begeisterung für dessen Höften. - - - -

Ideal angetrieben werden. Und weil unsere Partei keine gelegentlichen Mitläufer hat, so ist es auch

lassen. **

Deutsches Reich.