Maer W Zeitung
Mo»°trbeiiag«: „gulbacr Geschichtsblöüer"
37. Jadrqana
Fulda, Freitaq den 5 AnMst 1910
177.
Vorsicht. Tie Stuttgarter Han-
* Berechtigte
von Handel und
KpheVttlL-ttch«« KurnakM« der Soix- «ndZrierta-e. viertel- iShüichttveMgrpreir ohne »rtn-rrlohn und vestellgeld i» Zalda fs- »ie auswärts 1-5» mt
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4- Von sozialdrmokratischen Boyko laudrohnngcn liegen Laienrichter hat man in der tetzten Zeit wieder» hott gehört. Solche terroristischen Ausschreitungen flehen zweifellos durchaus nicht vereinzelt da, wie eine von den »Leipziger Neuesten Nachrichten' veröffentlichte Zuschrift eines sächsischen Richters beweist. In dieser Zuschrift heißt es:
.Der Schöffenrichter kann es schon heute erleben. Laß auch in leichten Strafsachen politifcher Färbung ein Gewerbetreibender als Schöffe mit der oifenen Be-
Daß die liberalen Zeitungen und Redner die Steuerscheu durch eine raffinierte Hetze aufgestachelt haben, und daß die Wahlrechtsvorlage im Grunde an dem nationalliberalen Parteiegoismus gescheitert ist, sagt er nicht. Im weiteren Verlauf des Artikels rühmt er sogar die Wahlrechtspolitik der preußischen Nationalliberalen als .sozial und gerecht, während doch alle Welt weiß, daß diese Herren durch Beseitigung der Bezirksdrittelung das lieber« gewicht des großen Geldbeutels, das antisozialste Moment des Klasienwahlrechts noch verschärfen wollten.
Ein .Zusammengehen" der Nationalliberalen mit den Heydebrand'schen Konservativen und erst recht mit dem Zentrum lehnt Herr B. nach wie vor entschieden ab. Unseres Wissens hat ihn niemand von rechts zu einem Bündnis eingekaden, sondern nur zur positiven Mitarbeit an den Geschäften des Reichs und des Staates. Zur Verschönerung seiner verärgerten Abstinenzvolitik macht Herr B. sogar eine Anleihe bei dem Erbprinzen v. Hohenlohe nnd schiebt die — Enzyklika vor. Das muß man im Wortlaut lesen:
Die an die Enzyklika geknüpfte Bewegung hat uns wieder einmal die Kluft gezeigt, über die es keine Brücke gibt. Gewiß wurde die Enzyklika in der Zentrumspresse teilweise durch verlegene? Stillschweigen desavouiert, aber mehr wegen ihrer formellen Plumpheit, als wegen einer sachlichen Meinungsverschiedenheit. Vor allem aber hat jeder Liberale das Gefühl, durch eine Welt getrennt zu sein von Kreisen, die sich auch in politischen Dingen gelegentlich von Instanzen führen lasten, von denen eine so empörende Beleidigung deS Protestantismus ausgehen konnte.
Wenn Herr B. die Rechte und das Zentrum als Mitarbeiter nicht gelten lassen will, so muß er sich und seine Partei wohl für fähig halten, eine andere positive Mehrheit zu stellen. Doch nein! Er muß gestehen, daß der Liberalismus bei den Nachwahlen Niederlagen erlitten habe und ihm schwant auch, daß er bei den Hauptwahlen „vielleicht manche neue Niederlage erleiden werde." Trotzdem soll zu Ehren dieser eingestandenermaßen schwachen Partei ein liberales Regiment begründet werden; denn dieses allein vermag nach Herrn B. die „Unzufriedenheit" zu bannen.
Das Selbstbewußtsein des Liberalismus scheint wirklich die Grenzen der Gesundheit zu überschreiten.
gründung sür Freisprechung ist, feine Existenz stehe auf dem Spiele, wenn sein Name mit einer Verurteilung in Zusammenhang gebracht werde."
Wenn diese Erfahrungen sich wiederholen, müßte röt Interesse des Ansehens der deutschen Rechts- pflege auf andere Weise Sorge getragen werden, daß auck der Laienrichter unabhängig und unbeeinflußt sein Urteil sprechen tarnt.
* Freibarg i. B., 4. Aug. 1910. Herr Stadt- pfarrer Dr. Feurstein in Donaueschingen hat m seiner bekannten ErNärung bezüglich der Enzyklika sich auf einen .hohen kirchlichen Würdenträger" berufen. Die Kölnische Zeitung läßt sich nun aus Freiburg mitteilen, der .hohe kirchltche Würdenträger" sei der Freiburger Weihbischof, Herr Dr. Knecht. Wenn dem so ist, dann kann es ft* nur um Tischgespräche int vertrauten Kreise von Geistlichen handeln. Nach allgemeinen Begriffen von Takt und Anstand gilt es als unzulässig, solche vertrauliche Unterhaltungen in die breiteste Oeffentlich- feit zu tragen, womöglich noch, ehe man sich ver- gewissert, wie der andere Teil sich dazu stellt. Ter .Bad. Beobachter' bemerkt:
Es ist lehr leicht möglich, daß der Hochw. Herr Weihbischof dieselben kritischen Erwägungen zur Enzyklika äußerte, welche in Rom zu der bekannten Erklärung führten gegenüber dem Schrüt der deutschen Diplomatie. Es ist auch möglich, daß er sich im Zusammenhang damit über die Frage eines deutschen Kurien- kardinals in Rom ausgesprochen hat, der m einem Sinne zu wirken hätte, daß diplomatische Schwierig- feiten, wie sie die Enzyklika mit sich brachte, vermieden würden. Das sind Gedanken, die damals privatim vielfach geäußert wurden. Davon ist aber scharf zu scheiden die nachträgliche Veröffentlichung der Kritik, welche Dr. Feurstein für gut fand. Nachdem Rom selbst zu der Erregung in Deutschland Stellung genommen, hatte ein Pfarrer keinen Grund mehr, mit einer Kritik hervorzutreten wie Dr. Feurstein getan. Und besser wird die Veröffentlichung dadurch nicht, daß er sich auf Gespräche in intimen Kreisen beruft.
Car, Schütter
w-chE-se: .Illustrierte Sonntagszeitung"
ihren Eifer den Missionsarbeiten in Indien zuzuwenden, wo es int Dienste der katholischen Kirche gerade jetzt so viel zu tun gebe. Die eigentlichen Verhandlungen begannen am Samstag. Mr. Hodson Matthews hielt einen Vortrag über die katholische Vereinigung in Westminster. Die Westminster Catholic Federation sei in der Hauptsache gegründet worden, um Einigkeit in weltlichen Fragen zu ermöglichen.' Es sei aber ausdrücklich bestimmt worden, daß diese Vereinigung sich nur dann mit parteipolitischen Fragen beschäftigen solle, wenn diese direkten Bezug auf den katholischen Glauben hätten. Der Bischof von Salford, welcher den Vorsitz über die Versammlung der katholischen Gewerkschaftler, der Catholic Trabe Ilnionists suhlt, wies Darauf hin, daß die Trabe Unions nicht auf dem richtigen Wege geblieben seien, als sie sich entschloffen, für die Beseitigung alles religiösen Unterrichts aus den öffentlichen Schulen einzutreten. Der aus der jüngsten Flottendebatte bekannte Unterhausabgeordnete Belloc übte Kritik an den sozialen Verhältniffen Englands und an den Versuchen, sie zu bessern. In der Versammlung der Katholischen Vereinigung sagte der Erzbischof Dr. Bounie, er habe gleich nach seiner Berufung auf den L-itz von Westminster die dringende Notwendigkeit empfunden, eine katholische Vereinigung zu schaffen, die nichts mit den politischen Fragen zu tun haben dürfe, welche die be- stehenden Parteien im Parlament trennten. Bisher seien die Katholiken Englands leider noch nicht so geeint, daß sic mit Erfolg in die politische Arena treten könnten Er schlage zunächst die Gründung von Gesellschaften vor, deren Zweck sei, die politischen Tagesfragen im katholischen Sinne zu besprechen, bannt die Katholiken nach und nach darauf vorbereitet würden, in der politischen Arena ein Wort mitzusprechen. In jeder Diözese sollten sich die Leute, die gewilli seien, solche Gesellschaften ins Leben zu rufen, darüber mit ihrem Bischof ins Einvernehmen fetzen. Bei der Versammlung der Catholic Tntth Society kam P. Kcating aus" das Memorandum zu sprechen, welches die Protestantische Vereinigung jüngst an den König richtete wegen der vorgeschlagenen und nunmehr zuni Gesetz gewordenen Abänderung des Krönungseides. Der Redner führte aus, daß die darin enthaltenen Ausführungen doch sehr wenig zu der Toleranz paßten, deren sich die Protestanten immer so gern rühmten und die sie den Katholiken absprächen. Am Montag abend wuide der Katholikentag mit einer geselligen Zusammenkunft geschlossen.
* Die spanische Regierung ließ die Extrazüge und Dampfer, die von den Katholiken der baskischen Provinzen gemietet waren, um nach San Sebastian zu fahren und dort eine Kundgebung gegen die antikirchlichen Maßnahmen zu veranstalten, beschlagnahmen, weil sie zum Truppentransport notwendig seien. Am nächsten Samstag wird San Sebastian militärisch besetzt sein. Jede Kundgebung soll sofort mit eiserner Strenge unterdrückt werden.
, Die Christenmeheleien im Hanrangebirge in der türkischen Provinz Libanon scheinen ziemtich ernsthafter Natur zu sein. Sami Pascha hat den Trusen ein Gefecht geliefert, in dem 200 Araber getötet wurden. Die Verluste der Trirppen sind noch unbekannt. In Smyrna ist die Reserve einberufen worden. — Zwischen den Drusen, einem Araberstamm, und den Christen deS Libanon, na- menttich den Märoniten, finden von Zeit zu Zeit die blutigsten Kämpfe stakt. Das furchtbare Gemetzel im Sommer 1860 führte zu einer staats« rechtlichen Neuordnung im Libanongebiet, das als autonome Provinz unter der Verwaltung eines von ver Pforte mit Zustimmung der Großmächte ein« gefetzten Paschas erklärt wurde. Seither hat die Lage der Märoniten sich gebeffert, bis die Proklamierung der Verfassung, die den Drusen eine Anzahl alter Privilegien entzso, den Blutdurst der Trusen von neuem entfachte.
* Die Boykoltbewegmig in der Türkei hat eine neue err.fte Wendung genommen. Das Boykott«
Deutscher Reich.
*♦ Berlin, 4. Aug. 1910. Der Kaiser empfing am Donnerstag den chinesischen Gesandten in Abschieds-Audienz und den neuen chinesischen Gesandten in Antritts-Audienz. — Der langjährige Führer der konservatiren Partei, v. Lim- burg-Stirum, vollendet am Samstag sein 75. Lebensjahr.
Ausland.
* Prinz Heinrich der Niederlande hat sich am Mittwoch bet einem Sturz mit dem Rade einen Bruch deS Schlüsselbeins zugezogen.
Eine teilweise Ministerkrise ist in Belgien eingetreten. Die Minister der öffentlichen Arbeiten Delbeke und der Kultusminister Des- camps haben ihr Enilaflungsgesuch eivgereicht.
* Der erste englische Katholikentag wurde vonSams- tag bis Montag in Leeds abgehalten. Das Rathaus der Stadl, rote' das Univerfltäisgebäude waren den Katholiken für die Verhandlungen zur Verfügung gestellt worden. Im ganzen hatten 27 katholische Gesellschaften und Vereinigungen ihre Vertreter auf den Kongreß geschickt, und neben dem Erzbischof von Westminster, Dr. Bournc, nahmen 16 Bischöfe, 8 Siebte und eine große Anzahl Priester und Laien an i en Verhandlungen teil. Auch der Lord-Mavor von London Sir Ich» Knill und dessen Gemahlin waren an'.vesend. Am Freitag nachmittag fand der Eröffnnngsgoftesdienst in der Kathedrale statt, wo Dr. Bourne über die Notwendigkeit der Einigkeit aller Katholiken predigte, und abends hielt der Erzbischof im Rathaus einen Vortrag über die Lehren dec letzten 50 Jahre. Er wies auf die großartigen Fortschritte htn. die der Katholizismus während der letzten 50 Jahre in England gemacht, die Namen der drei ersten Erzbischöfe von Westminster, Wiseman, Manning und Vaughan, würden eng damit verbunden bleiben. 1850 gab cs in England 587 katholische Kirchen, 99 Schulen, die von 11 000 Kindern besucht wurden, und 788 Priester standen im Dienste der Kirche in England Heute haben wir 1760 Kirchen, 3687 Priester u. 1064 Schulen, in denen 339 000 Kinder unterrichtet werden. Der Erzbischof schloß mit einer Aufforderung an die Katholiken Englands, allen
delskamnier rät in einer Zuschrift den Vertretern 7;;; H-----1 —8 Industrie über ihre Produktions-
britte Personen nähere A u f -
Verhältnisse an
jchlüsse nicht eher zu geben, als sie sich übet die anfragenden Persönlichkeiten mit der Handelskammer ms Benehmen gesetzt haben. Der Kammer ist es bekannt, daß Versuche auswärtiger Staaten im Gange sind, in die Verhältnisse verschiedener Industrien DeutschtandZ einzuvringcn.
Immer wieder Bassermann.
Und der Regen regnet jeglichen Tag, und eben- tn wird Tag für Tag die deutsche Volksseele nit Bassermann-Artikeln überschwemmt. Adressen an Bassetmann, Gerüchte über Basser- mann, Streitartikel für Bassermann und schsießlw) sogar ein eigenhändiger Leitartikel von Baff - mann! Es gibt nur einen Lückenbüßer für die Sauregurkenzeit des Jahres 1910.
Ter Artikel von Bassermann — wo fände er besser seinen Platz, als in demsewen „Hamburgischen Ko"-esp " in dem vor einem Jahr Fürst V Ülo w seinen ictzten Racheseufzer ansgehaucht hat. Dem ßaup'rebatteur dieses Organs für ärgerliche B ock- politif hat Herr Bassermann Über seine persönliche sowie über die politische Lage verschiedenes in die Feder diktiert, was sich mehr durch eine selbstbewußte Subjektivität als durch Richtigkeit aus- zeichnet.
lieber die ihm zugeschriebenen Rücktrittsabsichten bemerkte Bassermann folgendes:
Politische Gründe zum Rücktritt aus dem politischen Leben hätten für ihn in keiner Periode vor- zelegen und lägen auch jetzt nicht vor; lediglich Gesundheitsrücksichten kämen in Betracht.
Wir wollen uns bemühen, das zu glauben; aber wir wissen nicht recht, warum denn gerade jetzt, in dec kritischen Lage der nationalliberalen Partei, von der eigenen Parteiprefse die Rücktritts- zerüchte veröffentlicht nnd wochenlang von Herrn Bassermann unberichtigt gelassen worden sind. Und wenn Herrn Bassermann nichts weiter weh tut, als seine körperliche Hülle, — warum mußten denn die nationalliberalen Körperschaften in langer Reihe dis zu der Reichstagssraktion hinauf ihm Vertrauens- resolntionen und Huldigungsadressen schicken? Das ist eine Art von Heilkunde, die auf körperliche Leiden bisher nicht angewendet zu werden pflegt. — Feiner meint Herr Bassermann,
seine konservativen und ultramontanen Freunde hätten sich wegen eines Mandates für ihn Sorge gemacht. „Kandidaturen und Mandate standen mir jeweils in großer Fülle zur Verfügung, früher und auch heute."
Das erste ist nicht richtig, denn die liberale Presse ist es, die die Mavdatsfrage angefchnitten hat; das letzte klingt ja ganz imposant, indessen warum hat B. denn nicht eine ganz sichere Kandidatur angenommen, sondern vielmehr nach Frankfurt a. O und nach Hoyerswerda sich bemüht? Und weshalb hat denn die nationalliberale .Badische Landesztg/ noch unlängst den Wahlkreis Heidel- berg-Mosbach als Unterkommen sür Herrn B. angegeben, obschon doch das nur ein unsicherer Stichwahlkreis ist? Und weshalb hat denn, wie gestern gemeldet, das Mannheimer Partei- und Leiborgan diese wohlgemeinte Nachricht wider- rusen? „Ich habe Geld in großer Fülle zur Verfügung", sagte der Sttident und ließ die Zeche vorläufig ankreiden.
Was nun die Bemerkungen über die p o l i t i s ck <• Lage angeht, so wiederholt Herr B. nur, was ti; ihm befreundete Presse seit Jahresfrist unaufhörlich abgehaudelt hat. Nichts gelernt und nichts vergessen. lieber die Gründe der sozialdemokra- isck>en Erfolge sagt Herr Bassermann:
Die Mißstimmung über die Ablehnung der Erbschaft s st e n e t und die dadurch bewirkte Ausgestaltung der Fi» anzref orm zu einer antisozialen und ungerechten durchzieht heute ruckt nur die unteren Schichten, sondern weite Steile des Mittelstandes, der Beamlen- fchasl. große Teile der landwirtschaftlichen Bevölkerung, die sich vom Bunde der Landwirte abwenden und üireil in das sozialdemokratische Lager übergeben. Dieses Mißbehagen ist bedeutend gesteigert worven ourd) das Scheitern deS unglücklichen preußischen Wahlrechtsreform-Entwürfe?. N.cht nur in den liberalen Kreisen Preußens, sondern weit darüber hinaus im ganzen Reiche werden dadurch die Massen in das radikale Fahrwasser getrieben.
5>er Wcrmppr.
Roman von Fergus Hume. Autorisierte Bearbeitung
U] von C. Wehner.
„Halt, halt, nicht so hastig!" warf Feldern katt- olütig ein. „Wir wissen doch noch gamicht, ob bet Mann, ber mit Drake sprach, bet Mörder Kirbh's ist. Für diese Annahnie ist gar kein Beweis vorhanden, Herr Brand. Drake hat ihn weder aus der Allee noch aus dem Hause, in welcheni Kirbh's Büro ist, kommen sehen, sondern ihn nur in der Nähe des Tatortes getroffen"
„Ich bin überzeugt, daß er das Verbrechen begangen hat", beharrte Brand.
„Aber wer kann das beweisen?"
„Der Schauspieler Bmno Krafft wird es beweisen! Er hat mich heute zum erstenmal in seinem Leben gesehen und in mir. wie er annimmt, den Mann erkannt, ber mit Drake gesprochen bat?
„Woher weiß Herr Krafft, daß Sie ober der untere Herr mit Drake gesprochen hat?"
„Nun, bas wußte er freilich nicht. Aber Sie werten schon begreifen, was ich meine! Er hat mich, wie gesagt, nie zuvor in seinem Leben gesehen; aber in hn Nacht, ba Kirbh ermordet wurde, traf er einen Herrn, der sowohl seinem ganzen Aussehen wie bet -Reibung nach mir genau glich. Und biefer Mann •ar Oskar Schau!"
„Ah! biefer Herr rühmte sich mir gegenüber sei- H« Veckleibungskünste", sagte ber Detektiv. „Ja, ja, er saß auf bemselben Stuhl, auf bem Sie jetzt sitzen, als er sich dessen rühmte. Er kam eigens in ber Absicht hierher. Sie zu benunzieren."
um ^me Beute besto sicherer zu fangen!" fiel Brand zornbebend em. O, ich sehe, er hat nichts wlversucht gelassen, mich ins Unglück zu stürzen. Wäre nicht zum Glück jener Junge im Kirbh'schen Haus geblieben, bann Ware ich wohl längst schröchf- lich Verurteilt!*
„9?a, na, nehmen wir nicht gleich bas Schlimmste t0n", erwiderte Felbern beschwichtigend, als er sah.
baß Brand sich immer mehr in Zorn hinredete. „Doch erzählen Sie weiter."
„Ich kann kaum mit Ruhe sprechen", stieß Brand hervor. „Dieser Schurke! Dieses Reptil! Ich möchte ihn burchpeitschen, bis kein Lebensfünkchen mehr in ihm ist!"
. „Ueberlassen Sie es lieber bem Gericht, mit ihm fertig zu werden", versetzte der Detektiv bedeutungsvoll. „Doch wenn Sic mir erklären mochten —"
„Natürlich, also Wetter."
Und nun erzählte Brand, was sich an diesem Abend zugetragen und wie Krafft bei seinem Anblick gestutzt und ihn später als denjenigen erfannt, den Oskar Schau personifiziert hatte. Feldern hörte aufmerksam zu, bann und wann eine Bemerkung m sein Notizbuch schreibend. Als Brand jedoch forderte, daß Schau sofort, noch an diesem Abend verhaftet werden sollte, schüttelte er den Kopf.
„Wir haben noch nicht genügend Beweise, Herr Brand", erwiderte et. „Was Sie mir ba erzählt ha- hen, stellt allerdings eine bestimmte Spur fest — und jwar eine wichtige Spur — weiter aber auch nichts. Bot allem müssen wir Schau fragen, wo et an jenem Abend war. Wenn er so klug ist, wie ich glaube, dann hat er auch längst ein Alibi vorbereitet. Wenn wir jetzt auch beiveifen können, daß et der Mann ist, mtt dem Drake sprach, so ist damit noch immer nicht erwiesen, daß er ber Mörder des Wucherers ist."
„Er muß es sein", dehartte Brand. „Was hatte er in jener Nacht in der Rahe der Nelson-Allee zu jnchen? Ich bin doch einzig und allein daraufhin verhaftet worden, weil ich dort gesehen worden sein sollte?"
„Nicht allem daraufhin, sondern auch wegen des Türkisenschlüffels. Erst müssen wir beweisen, daß Schau an jenem Abend den goldenen Bleistift mit den Türkisen besaß Bi'5 eicht kann uns Fron Kirdy da Kistchen Ich fürchte nur, diese Dame ist eine dnrch- .riebene Lügnerin. Erst sagte sie, sie hätte dm Blei- stift ihrem Mann gegeben, dann crtlärte sie. Ihnen denselben geschenkt zu habm. Jetzt wird sie wahrscheinlich beschwören, daß sie ihn veckoten hat."
„Ich glaube, sie gab ihn Schau", warf Brand ein. Dann verabschiedete er sich. Plötzlich blitzte ein Gedanke in ihin aus, der einen bestimmten Entschluß in ihm reifen ließ. — — —--— — — — —
Herbert verbrachte eine schlaflose Rächt. Unruhig wälzte er sich auf seinem Lager hin und her. Was sür ein schlechter Kerl dieser Schau auch sein mochte, Frau Kirby war — wie Brand sich Jagen mußte — doch noch viel schlechter. Wenn sie Schau den Tür- kiscnbleistist gegeben, mußte sie von Anfang an gewußt haben, daß er bet Mörder ihres Gatten wat. Und deniwch hatte sie angesichts dieser Kenntnis einen unschuldigen Mann — einen Mann, den sie als guten Freund behandelt — im Gefängnis schmachten und in Lebensgefahr schweben lassen. Brand hatte sie stets mehr frivol als für schlecht gehalten. Jetzt sah et sie in ihrer wahren Gestalt und wußte, daß sie ein im Grunde verderbtes Geschöpf war.
Nm nächsten Vornnttag um zehn Uhr war Herbert Brand bereits im Forksbezirk. Er traf Frau Kirby in einer der elegantesten und entzückendsten Morgentoiletten beim Frühstück sitzend. Sie empfing chn ruhig und gefaßt, als sei gar nichts besonderes zwischen ihnen vorgefallen, als käme er etwa von einer längeren Reise zurück.
Brand war nicht wenig verwundert darüber; seine Verwunderung wuchs aber noch, als sie ihn eirllud, cm Frühstück teilzunehmen.
„Nein, ich danke, Frau Kirby", entgegnete er in 1,-artem Tone. Da die Unterredung voraussichtlich eine längere sein würbe, nahm er Platz.
Lena goß sich eine Tasse Tee ein.
„Wenn Sie hierher gekommen sind, um unfreundlich "gegen mich zu sein, hätten Sie lieber fort bleiben sollen — Fräulein Holder scheint auf Ihre Manieren keinen guten Einfluß gehabt zu haben."
„Lassen Sie gefälligst Fräulein Holders Namen aus dem Spiele", versetzte Brand zornig. Dann sah er sie forschend an und zuckte die Achseln. Et sah wohl ein, daß es keinen Zweck hatte, vernünftig mit dieser Frau zu reden. Sie war s» oberflächlich und hchl, daß sie die ernsten Seiten des Lebens kaum erfaßte.
„Ich habe geschäfllich mit Ihnen zu reden, Frau Kirby."
„Mein Rechtsbeistand eriebigt meine geschäftlichen Angelegenheiten", gab sie zurück. „Wenn Sie zu mir gekommen wären, um mit mir zu frühstücken unb sich wegen Ihres uuliebmswürbigen Betragens zu ent- schulbigen, so könnte ich das begreifen. Da bem nicht so ist, können Sie lieber gehen."
„Ich werde gern gehen, wenn ich die Auskunft erhalten habe, wegni der ich zu Ihnen komme."
Sie wandte sich vom Tisch ab und kniff die Augen in der ihr eigentümlichen Kahenmanier zusammen. „Von mir werden Sie nichts erfahren *
„Oh ja. Sie werden mir Auskunft geben, sonst wandern Sie ins Gefängnis!"
„Gefängnis! Davon habe ich nun gerade genug! Wie dürfen Sie es wagen, hierherzukommen und mich zu bedrohen? Wünschen Sie vielleicht ebenfalls eine Belohnung von zehntausend Mack? Aber erpressen lasse ich mir nichts mehr Ich werde die Polizei zu Hilfe rufen!"
„Bitte, tun Sie es", versetzte Brand grimmig.
, Dann kann ich mir diese Mühe sparen."
Lma war jetzt eingeschüchtcri, denn sie sah Brand erschrocken an. „Ich — ich weiß nicht — was Sie meinen", stammelte sie.
„So werde ich mich erklären. Ich wünsche den Namen der Person zu wissen, welcher Sie den Tür» kisenbleistist gaben."
„Ich habe ihn meinem Mann gegeben", antwortete Lena schnell.
„Aha!" höhnte Brand. „Sie gaben ihn Kirby, nachdem ich Ihnen den Schlüssel eine Woche vor dem Verbrechm znrückerstaüet hatte."
„Jawohl."
„Das ist eine Lüge, Frau Kirby! Sie gaben ihn Oskar Schau!"
„Oskar Schau?" Sie sprang auf. „Das ist nicht wahr!"
„Es ist doch wahr! Und außerdem war Schau bet Mann, ber mit Drake gesprochen hat. Es war Schau, ber Ihren Gatten ennorbete!"
(Fortt ’ .....