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Maer W Zeitung

Monatsbeilage: „zuldaer ^eschichtrblStter"

3ÄSS«. wochenbeitage:,Illustrierte Sonntagzzettung

37. Jahrgang

Fulda, Donnerstag den 4. August 1910

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wirklich nichts zu den Wadlkosten '<

Bedenkliche Zeichen am Bramtentörper machen sich in letzter Zeit bemerkbar. Was tn den höheren

in Baden, die drei Fünftel der Bevölkerung des Landes ausmachen, Beklemmungen wegen des evan­gelischen Bekenntnisses ihres Landesherm geäußert hätten. Im Königreiche Sachs en dagegen ist das katholische Bekenntnis des Landesherm von gewissen Kreisen nur zu oft als etwas Störendes, Befremd-

des an Brand verübten Schurkenstreiches.

„Schau muß diese Anklage entweder oder seine Schuld bekennen", sagte er. Sie ja sofort an den Detektiv, Brand.

Mir fragen nicht, welcher R e- Jawohl,

„Ah, wirklich? Sind Sie etwa gar gekommen, mir sagen, wer den Vampyr ermordet hat?"

„Jawohl, deshalb bin ich gekommen!"

„Der Teufel auch! Das ist ja rieiig interessant!"

„Es ist Oskar Schau!"

Der Detektiv ließ seine Zigarre fallen und blickte

18. Kapitel.

Bevor die drei Herren von Tisch aufftanden, um sich zu den Damen zu gesellen, war beschlossen wor­den, daß Brand noch an diesem Abend an Feldern schreiben und ihm eine Stunde angeßen sollte, in wel­cher er den Detektiv auffuchen wollte, um ihm die Ge­schichte Bmno Kraffts zu erzählen. Jetzt war der Schauspieler fast ebenso empört über die feige und erbärmliche Jntrigue Schau s, wie Brand selber. Einen alten Mann zu ermorden, das war schon Ver­brechen genug, aber derartige Mittel anzuwenden, einen Unschuldigen für ein solches Verbrechen büßen zu lassen, das war der Gipfel der elendsten Schurkerei. Krafft war ein Mann von warmem Herzen und schnel­len Jmpulsm. Er versprach alles zu tun, was in seinen Kräften stand, um den Schurken zu entlarven — weniger wegen des Verbrechens selber, als wegen

nal Kopp , „ , _

ligion unser Landesherr ist.

danach sollm und wollm >vir nicht fragen. Man hat

auch noch kaum je davon gehört, daß die Katholiken

gesagt."

Hierauf begaben sich die drei Herren in den klemm Salon und gaben sich den Anschein, als sei nichts be­sonderes Dorgefaöen.

Nachdem die Gesellschaft zu Ende und Brand sich von den andem Gästen getrennt, schritt er seiner Woh­nung zu. Eben stand er im Begriff, die Haustür aufzuschließen, als er zögerte und beim Schein seiner hellglühenden Zigarre auf seine Uhr blickte.

„Ein Mertel vor elf", murmelte er. „Ich sehe gar nicht ein, weshalb ich nicht noch heute zu Feldern gehen soll. Ich weiß, wo sein Büro ist und ich weiß ; auch, daß er manchmal bis in die späte Nacht hinein : dort weilt. Ich werde sofort hingehen."

> Gedacht, getan. Er machte sich also auf den Weg nach Whitehall. Es bereitete ihm einige Schwierig- ■ feiten, die Allee zu findm, an deren Ende Felderns Büro lag; so erbat er sich Auskunft von einem Poli- । giften, dem er begegnete. Ein leiser Schauder über­lies ihn. als er dies tat, denn er mußte unwillkürlich

Brand in höchster Verwunderung an.

„Schau?" wiederholte er. „Oskar Schau? Un­möglich! Er war doch derjenige, der mich zuerst aus Ihre Spur lenkte? Er war derjenige, der mich auf den Verdacht brachte, daß Sie der sind, der in jener Nacht mit Drake gesprochen hat."

„Dieser Schurke!" rief Brand zähneknirschend indem er mit der Faust auf den Lisch schlug. „Und dabei war er der Betreffende selber! Jawohl, Herr Feldern, machen Sie nur ein verwundertes Gesicht. Schau, der berühmte Verwandlungskünsller, oerklet- bete sich derart, daß er mir auf ein Haar glich, so­gar das Mal an der linken Schläfe war vorhanden. Er war es, der mit Drake sprach! Er war es, der Kirbh ermordete!"

(Fortsetzung folat)

* Eine Bertrauenskurrdgebung für Baffermann.

Ihrem Parteiführer Baffermann haben die Mitglieder der nationalliberalen Reichs tags- frahion folgendes Schreiben zugehen lassen:

Hochverehrter Herr Baffermann! Sie find in den vergangenen Wochen Gegenstand gegnerischer Angriffe gewesen, die Ihr während vieler Jahre betätigtes politisches Wirken im Dienste der nationaUiberalen Partei und Ihre Führung der nationaUiberalen Rerchs- tagsfrallion zum Ziele hatten. Die Vertrauenskund- gebunqen aus der Partei heraus werden Ihnen zu er- lenncn'ergeben haben, mit welcher Treue diese zu Ihnen sieht. Uns aber, den Mitgliedern der Reichs- tagsfraktion, ist es ebenso ein Bedürfnis, Ihnen zu sagen, welch Gefühl der Dankbarkeit wir auf Ihre aufopferungsvolle Arbeit empfinden und welch ein Vertrauen wir in Ihre dem Vaterlande und der Partei dienende Führung setzen. Wir verbinden damit den einmütigen Wunsch, daß es auch der nationalliberalen Fraktion des künftigen Reichstages vergönnt fein möge, unter Ihrer bewährten, die volle Unabhängigkeit der Partei gewährleisteten Führung in ernsten Zeiten für das Wohl des Vaterlandes zu arbeiten.

Nachdem die huldigenden Gruppen „aus dem Volke" abgetreten sind, marschiert jetzt zum effekt­vollen Schluß der Chor der Häuptlinge aus. Wer diesem Schauspiel beiwohnt, muß doch denken, daß die naiionalliberale Partei vor allen Parteien dieser Welt sich auszeichnet durch Einigkeit und Zuver­sicht. Wenigstens im Vernon ft rieten tut es ihr niemand gleich.

Die Nachbarn von rechts und links haben von der nationaUiberalen Partei eine klare Antwort verlangt auf die Frage, ob sie mit der Linken den Kampf gegen die Rechte und die Regierung führen, oder ob sie sich an der Arbeit der positiv schaffenden Parteien beteiligen will. Statt des ver­ständlichen Ja ober Nein bietet man uns eine Komödie, aus der sich weiter keine Erkenntnis schöpfen läßt, als daß die innerlich zerklüftete Partei den Schein der Ein tra ch t durch die Huldigung vor einem Parteiidol zu retten und die Entschei­dung weiter zu verschieden sucht, womöglich bis nach den nächsten allgemeinen Wahlen. Diese Taktik crilärt sich ja auch aus dem Bedürfnis der nationalliberalen Partei, zur Rettung ihrer Man­date sich möglichst viel fremde Hilfe zu sichern und also weder die Hilfsstimmen der Linken (mit Einschluß der Sozialdemokratie) noch auch die Stich­wahlhilfe der gutmütigen Rechtsparteien durch eine klare Stellungnahme zu verscherzen.

Die Wahlnot der „Partei von Bildung und Besitz" tritt ja schon klar zu Tage in der Schwierig­keit, welche ihnen die Bereitstellung eines Mandats für den Parteihelden Bassermann bietet. Nach langem Suchen hat man den Wahlkreis Heibel- bera-Eberbach für Baffermann frei gemacht. Es soll der „sicherste" von den zwei badischen Kreisen sein, die noch den Nationalliberalen gehören. Aber auch dieser „sicherste" Zuknnftssitz Bassermanns ist von dem Glück oder Unglück einer Stichwahl abhängig. Wenn der nalio.ialliberale Parteikönig dort gewählt werden soll, so müssen entweder die Sozialdemokralen ihm ihre Großblockgnade zuwenden oder die rechtsstehenden Parteien müssen ihm als das „kleinere liebel" den Vorzug vor einem Sozial- bemoEiaten geben.

Am Ende wird der dortige Wahlgang sehr kläg­lich abstechen von dem großen Huldigungsakt, den man so eben hat in Szene gehen lassen. _____

daran denken, wie Schau in der ihn selber daniellen- den Verlleidung stehen geblieben war, um mit Drake zu sprechen. Und er fragte sich im stillen, ob nicht noch andere Jnlriguen gegen ihn im Gange seien.

„Na. diesmal bin ich es wirklich selbst!" dachte er bei sich, als er den dunklen Weg entlang ging, den der Beamte ihm bezeichnete. „Hier ist der Ort — dunkel wie in einer Grube — dunkel wie die Ge schichte, in die ich verwickelt bin. Aber ich bin im Begriff, einen Lichtschimmer in das Dunkel zu tragen."

Der Detektiv war in jeiner „Falle" anwesend inr' sehr erstaunt, Brand zu sehen. Mit seinem svrgsN. tig gebürsteten grauen Haar, seinem frischen GeMl,' und den lebhaften Augen sah Feldern trotz dec ipälcn

Stunde frisch und munter aus wie immer, seinen Besucher, Platz zu nehmen, bot ihm eine Z garte an und fragte nach seinem Begehr.

Ihnen zu jeder Zeit zur Verfügung und dem gegenüber Wiederholm, was ich Ihnen soeben

zum Tode zu verurteilen." Krafft sah ihn entsetzt an. mit sagen?"

„Kennen Sie etwa nicht Kirbyfchen Mordprozesses, in traurige Rolle spielte?" fragte Brand. „Ein Polizist behauptete, mich in der Nähe des Tatortes kurz nach Mitternacht getroffen zu haben; ich soll bei dieser Ge­legenheit einen mit Pelz besetzten Paletot getragen haben; als besonderes Merkzeichen meiner Person gab er das Mal an meiner linken Schläfe an. Er hat tatsächlich beschworen, mir begegnet zu sein! Und auf Gmnd dieser unter Eid abgegebenen Aussage wurde ich des Mordes an Kirbh beschuldigt! Jetzt weiß ich allerdings, wem jener Polizist begegnet ist!"

„Schau! Er ist Schau begegnet!" rief Krafft. Das meinen Sie doch?

„Was sollte ich sonst meinen? Ich tu ar in jener Nacht nicht in der inneren stabt. Schau jedoch wat »Stab® dort. Et ist erst um etn Uhr nach Hause ge- Drake hat ihn um zwölf Uhr getroffen.

„Ich bin zu Ihnen gekommen, Herr Feldern wegen des Kirby'schen Mordprozesses", sagte Brand

SBarutn war er nicht früher zu Hause? Die Erklärung, die er Ihnen von der Pttvatvorstellung gegeben, rst eine Lüge. Welchen Gmnd hatte er, sich so zu ver­kleiden, daß er mich personifizierte? Er hat keine Zeit gehabt, seine Kleidung zu wechseln — feinen Platz, wo er es hätte tun können! Er ermattete nicht, Ihnen zu begegnen und nur dadurch, daß Sie ihn sahen, ist er entdeckt worden! Er ist der Mörder Kirby's!"

„Ja, es muß wohl so sein!" warf Melville ein.

„Unmöglich!" entgegnete Krafft. „Er ist eines solchen Verbrechens nicht fähig!"

„So muß er sein rätselhaftes Beginnen in jener Nacht erklären. O, ich bin überzeugt, daß er der Schuldige ist! Und" — fügte er langsam hinzu, „was das Mottv zu dem Morde betttfft, so taffen Sie uns nicht vergessen, daß et beabsichtigte, Frau Kirbh zu heiraten! Sie besitzt jetzt ein ungeheures Vermögen."

„So glauben Sie, er ermordete Kirbh, um dessen Witwe zu heiraten?"

„Jawohl, das glaube ich", öerfefete Herbett in überzeugtem Tone. „Wie könnte er sonst fein außer­gewöhnliches Vorgehen erklären? Er verwandelt sich derart, daß er mir gleicht, um im Falle einer Gefahr dm Verdacht der Schuld auf mich zu walzen. Fräu­lein Holder behauptete von Anfang an, es müsse eine gegen* mich gerichtete Jntttgue vorhanden fein. Ich ließ mir jedoch nicht träumen, daß Herr Schau eines Schurkenstteiches fähig fei, der mein Leben in Todes- aefabr brachte Was habe ich diesem Menschen getan, ^ß ich das verdiente?" Und überwältigt von der Erschütterung, die über ihn gekommen, stützte Brand den Kops in beide Hände und hing seinen düsteren Gedanken nach. . ™

Krafft blickte stagend auf Melville

„Ich glaube, es ist wie er sagt" memt- der Rechts­anwalt. „Gleich morgen werde ich mff die Polizei gehen. Vorläufig lassen Sie uns dm Damen gegen- über die soeben gemachte Entdeckung verfchweigen.

„Schau — ein Mörder!" murmelte Krafft. „Un= möglich!" „

Aber er fühlte doch in seinem Herzen, daß Brand und Melville recht hatten.

soll, ist laut ,Voff. ßtg/ von der Jmmediatkommis- zur Vorberatung der Verwaltungsreform beschloffm roorben.

** Der Kaiser ist am Mittwoch vormittag in Stettin eingetroffen und fuhr im Automobil nach dem Exerzierplätze Krekow, wo er das Grena­dier-Regiment König Friedrich Wilhelm IV. be­sichtigte. Nachmittags reisten der Kaiser mit dem Prinzen Eitel Friedrich im Sonderzuge nach Ber­lin ab, wo sie um 425 eintrasen.

X Kaiser und Zar. Die Nachricht, daß das russische Kaiserpaar Ende August nach Friedberg in Hessen kommen wird, wirb an maßgebender Berliner Stelle bestätigt. Bestätigt wirb auch, baß eine Zusammenkunft zwischen dem deutschen Kaiser und dem Zaren „wahrscheinlich" sei. Sie werbe wohl auf deutschem Boden stattfinden.

*♦ Der Entwurf des Kurpfuscherei-Gesetzes ist nunmehr auch vom preußischen Staatsmini­sterium verabschiedet worden und man kann an- nehmen, daß er im Reichstage noch in diesem Jahre zur Vorlage gelangen wird. Ein Vor­entwurf wurde bekanntlich im Jahre 1908 ver­öffentlicht; die an diesem Entwürfe geübte Kritik aus Aerzte- und Laienkreisen hat die Grundlage für eine Neubearbeitung der ganzen Vorlage ge­bildet.

-i- Der Reichskanzler hofft. Das natio- nalliberale Patteischifflein schaukelt aus den politi­schen Wogen, jedem Windstoß folgend, munter hin und her. Da setzt nun die ,Nationalzeitung" wieder ihre Hoffnung auf den Reichskanzler. Sie hat (No. 328) von einer mit dem Kanzler bekannten Persönlichkeit erfahren, daß dieser dem Kaiser gegenüber am Montag an Bord der „Hohenzollern" die Hoffnung ausgesprochen habe, Zeit und Arbttt, die Tröster und Helfer in allen menschlichen Nöten, würden auch über die politische Not hinweghelsen und die Wunden heilen und ver­gessen machen, die sich die Parteien gegenseitig ge- schlaaen haben. Bon den kommenden Reichstagswahlen trennen uns noch fast anderthalb Jahre. Die gemeinsame Arbeit, die der Fraktionen m diesem Winter und im nächsten Sommer wartet, könne nicht ohne günstigen Einfluß auf die parlamentarischen Be­ziehungen bleiben und die Rückwirkung auf die Ge­folgschaft der Wähler werde sich ebenfalls im Sinne einer Beruhigung und Befriedigung äußern, die besonnenen Elemente in den Parteien wurden da­durch wieder zusarnmengesührt.

Mit diesen bloßen Hoffnungen des Reichs­kanzlers gibt sich aber dre ,Nationalzeitung' nicht zufrieden. „Was sind Hoffnungen und Wünsche !" rüst sie au? und meint, der Reichskanzler be- trachte die Lage von seinem Standpunkte aus, unter anderen Gesichtspunkten beurteilten sie die Führer der Fraktionen, die an das Schicksal ihrer Parteien denken müßten, und hinter ihnen stehe die Volksstimmung, die schließlich auch von der Negierung nicht übersehen werden dürfe. Und deshalb gibt das Blatt dem Reichskanzler den guten Rat:

„Wir sind der Meinung, daß Herr v. Bethmann in seine beiden Nothelfer nicht allzu großes gläubiges Vettrouen setzen soll. Es gibt Verhältnisse, in denen dir herkömmlichen Mittel versagen und nur dre eigene Entschlußkraft zu retten vermag."

Also: Bethmann, setze dein Vertrauen nicht darauf, daß sich die Parteien wieder mit ein­ander aussöhnen; denn da könnte womöglich auch das Zentrum mit von der Partie sein; sondern stelle den Bülow block wieder her, in dem die Nationalliberalen eine Rolle spielen können! .

(*) Neber die Bekämpfung der Sozial­demokratie durch die Liberalen hatte der „Hann.

Gelegenhett benutzen, um protestantisch zu werdeq. Und wie sehr überängstliche protestantische Kreise tn Württemberg nach der Religio« des LandeS- herrn fragen, ist ja nur allzu bekannt; man hat dort sogar besondere Vottehrungen zum Schutze der pro- testanttschm Interessen für den bevorstehenden Fall \ des Uebergangs der Krone an den katholischen Zweig des Königshauses geschaffen. Mr vermögen uns, nicht zu erinnern, daß zur gegebenen Zeit die libe­rale Presse den protestanttschen Württembergern mahnend zugerufen hätte: „SBir fragen nicht!" , m. Der Verband deutscher Bmeaubeamten hielt dieser Tage seine Generalversammlung in Braun­schweig ab. Verbandssekretär Dr. Jahn - Leipzig referierte Über ba8 Thema: „Die Forderungen bet Bureaubeamten an die Gesetzgebung". Diese For­derungen gipfeln (nach einet Resolution) in fol­genden Punkten:

1. Ausdehnung der für Hanbelsgehilsen geltenden Kündigungsfristen auf die Bureaubeamten; 2. gesetz­liche Beschränkung der Befugnis zur Enttassung ohne Einhaltung der Kündignngsfttst und namentlich Auf­zählung der statthaften Fälle sofortiger Auflösung des Dienstverhällnisses; 3. Fortzahlung des Gehaltes im Falle unvettchutdeter Behinderung ohne Anrechnung der Bezüge auf eine Kranken- oder Unfallversicherung bis zur Dauer von 6 Wochen; 4. Gehattszatrtung spätestens am Schluß des Monats; 5. Verbesserung des Zeugnisrechtes im Sinne einer Verpflichtung des Arbeitgebers zur Ausstellung eines Zeugnisses mit genauer Angabe des speziellen Arbeitsgebietes des An­gestellten vom Tage der Kündigung an; 6. gesetzliches Verbot der Konkurrenzklauset; 7. gesetzliche Regelung des Lehrlingswesens in Analogie zu den Bestimmungen des Handelsgesetzbuches und der Gewerbeordnung.

Im übrigen betont die Generalversammlung wiederholt die Notwendigkeit baldigster Re oxm bet Rechtsverhältnisse ber privaten Sitreaubemnhii unb forbert mit allem Nachdruck die endliche Gleich­stellung der Bureaubeamten mit den übrigen Schichten des Privatangestelltenstandes durch Uercr- tragung ber Rechte bes Handelsgesetzbuches ent. die Bureaubeamten.

)( Neues vom Krach im Polenlagcr. Der Abg. Kulerski, Verleger des Graudenzer Po!en- blatles, erklärt, er werde bei den nächsten Wah­len nicht kandidieren. Die „Gazeta Robotnicza" (Arbeiterzeitung) fügt dem hinzu, daß Herr Kulerski sich bei den nächsten Wahlen auch ohne diese Erklärung außerhalb der Kandidatenliste befunden haben würde. — Kulerski, ein fuihetcr Volksschullehrer, befindet sich seit einigen Jahren dank der glänzenden Entwicklung seines Blattes auf dem Wege zum Millionär, und zwar im Automobiltempo. Mit der Entwickelung seiner Vermögens hat sich auch sein „Verständnis" für die Interessen und Wünsche der polnischen Hofpartei entwickelt. Das ist sein Unglück, denn damit verlor er, der ehemals so gefeierte Vnlks- mann, feine Stellung im Volke.

* Der Haniabnnd bezahlte nicht. Die Meldung der sozialdemokratischen , Chemnitzer VolkssUmintt, baß ber Hansabunb bie Wahlkosten für den fortschrittlichen Reichstagskandidaten Brodaus in Zschopau-Marienberg bezahle, wirb von ber Fress. Ztg. für Schwinbel erklärt. Die Mitteilungen des ehemaligen Fortschrittlers, auf den die ,Ch. V/ sich berief, beruhten vollständig auf Unwahrheit, daher seien auch bie Schlußfolgerungen bet Leipziger Volkszeitung ganz unb gar unzutreffend. Der Kanbibal ber Fortschrittlichen Volkspari ei, Herr Brobauf, habe sich auch zu nichts weiter verpsi'chlet, als zu ben Grundsätzen, die in dem Programm der Partei enthalten seien. — Bezahlt der Hr.usabnnb

Deutsches Reich.

** Berlin, 3 Aug. 1910. Der Lanbwirtschafts- rnintfkt Frhr. v. Schorlemer ist mit Urlaub nach bet Rbeinprovinz abgereist. — Eine neue Ge ättsordnung für bie Regierung, roel e e Beschwerden ber Geschäftswelt über ben ;Q i Geschäftsgang vieler Behörden beseitigen

liches und Beängstigenbes für die protestanttsche Be­

völkerung behandelt worden, und bei Gelegenheit der I Reichsbehörden in Berlin sich vollzieht, gebt tat» Enzyklikahetze verstieg sich diese konfessionelle Engher- sächlich übet das Bohnenlieb. Die Kanzteibeanuen gigleit sogar zu der Forderung, der König solle bie' bort erhalten 3200 Mk. Höchstgehalt und 8 0 Mk.

Kurier" bemerkt, daß mit einer Poltttk der Sammlung, mit einem Ausruf an die bürger­lichen Parteien zu einem gemeinsamen Vorgehen allein nichts getan sei, weil eben die Wähler in ihrer hochgradigen Unzufriedenheit ihren eigenen Weg gingen. Wenn man gute Wahlen haben und der roten Flut Einhalt tun wolle, müsse man eine andere Politik machen. — Hierzu be­merkt die „Kreuzztg." (Nr. 358):

Das ist leichter gesagt als getan. Wie soll beim die „andere" Politik beschaffen sein? Ans der Linken wird man sagen: „freiheitlich". Aber gerade die viel- gerühmte Blockpolitik war „freiheitlich", unb trotzdem herrscht „hochgradige Unzufriedenheit". Dre Haupt­aufgabe unserer inneren Poltttk muß also doch wohl auf die Beseitigung dieser ganz grundlosen Mißstimmung gettchtet fein. Und dazu müssen alle staatserhattenden Parteien nach Kräften das ihre beitragen. Die größte Schuld an der Verbreitung der Unzufriedenheit haben die Liberalen auf sich geladen. Sie sind in den deutschen Landen umhergezogen und haben die Be­völkerung aufgeregt unb verbittert. Sie glaubten bamit Parteigeschäfte zu machen; aber hinter ihnen kamen bie noch weit skrupelloseren Ge­nossen und nahmen sich ber Unzufriebenen an. Unb selbst im Süben, wo man eine anbere Politik macht, floß bie vom Liberalismus in Gang gebrachte opposi­tionelle Strömung in bas große Sammelbecken der Sozialdemokratie. Dieser Strömung gilt eß Einhalt zu tun. „ „ ,

** „Wir fragen nicht." Unter dieser Spitzmarke hebt die liberale Köln. Ztg/ aus der gestern auch von uns mitgeteilten Ansprache des Kardinals Kopp bei der Jubelfeier der Breslauer katholischen Arbeitervereine die Sätze hervor:

„Wir fragen nicht, welcher Religion unser Landes­herr ist . . ., ob die Träger der Obrigkeit, ob der Ar­beitgeber, der Vorgesetzte katholisch oder nichtkatholisch ist . . ., welcher Religion unser Mitmensch ist, wenn wir ihn in Not sehen. Wir können die Gegensätze in religiösen Dingen nicht ändern und beseitigen, aber wir können sie zum friedlichen Zusammenleben mildern; wir können unsere katholische Eigenart nicht ver­leugnen, aber sie wird andere nicht verletzen und nicht kränken"

unb erklärt, diese Worte seien „für gewisse ausge­sprochen katholische Zeitungen sehr bemerkenswert". Wir meinen, die liberale Presse, welche jede Friedens- mahnung aus dem Munde eines katholischen Kirchen­fürsten ohne weiteres zu einer Zensur der katholischen bezw. der Zentrumspresse zu stempeln die liebe Ge­wohnheit hat, hätte doch vor allem Grund, thr Ge­wissen daraufhin zu erforschen, ob s i e und ihre Par­teiführer religiös oder polittsch Andersdenkende nie­mals verletzt, sie stets brüderlich behandelt und auch niemals danach gefragt haben, ob z. B. bei Anstel­lungen ein Bewerber katholisch oder evangelisch, Zen- trumSmann oder liberal ist. Zahlen, wie sie die ka­tholische Presse über die schreiende Imparität so oft hat beibttngen müssen, sprechen in dieser Hin­sicht eine nur zu beredte Sprache. Mögen sich die hochmögenden Parteigenossen der „Köln. Ztg." vor allem das „Wir fragen nicht" merken, das sie ihrer Ausbeutung der Ansprache des Hrn. Kardinals Kopp als Stichwort voransetzt. Noch etwas anderes hebt die „Köln. Vztg." bei dieser Gelegenheit hervor, das der Köln. Ztg. das Chttstusmort vom Splitter und Balken in Erinnerung bringen könnte: Herr Kardi-

per Wcrmppv.

Roman ’ojh Fergus Hume. Autorisierte Bearbeitung

40] von C. Wepner.

„Es war im Juli — gegen Ende des Monats. Ich "»arm in meinem Tagebuch nachsehen."

„Unb Sie sind ganz sicher, daß Schau Herrn Brand zum Verwechseln ähnlich sah?"

„Ich bin überzeugt, daß Schau sich so verlleidet hatte um Herrn Brand darzustellen", lautete die in bestimmtem Tone gegebene Erwiderung. „Deshalb meinte ich vorhin auch, ich müsse Herrn Brand schon ircenbmo einmal gesehen haben. Erst bei dem Namen Oskar Schau siel mir jenes Zusammentreffen em. Man vergießt eine so geringfügige Sache nur allzu­bald."

„Geringfügige Sache?" wiederyolte Brand, in- vem er Paletot und Hut ablegte. „Sie ist so germ^ fügig, daß sie die Lösung eines Geheimnisses in sich birgt und meiner Meinung nach genügt, einen Mann