Einzelbild herunterladen
 

M 174.

Viemtag den 2. August WO.

37. Jahrgang-

' fuldaer W Zeitung »

2. Blatt.

vr»« w* Dtrteg der 8«ldaer attieekKml ht 8>lda.

Kinladung

r«r

57. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands

in Augsburg vom 21. bis 25. August 1910.

Deutsche KatHotiken!

Zum ersten Male, seit eS deutsche Katholikenversammlungen gibt, soll eine Tagung der« <elben innerhalb der Mauern Augsburgs, der alten Augusta Vindelicoram, stattfinden.

Wie freudig hat diese Nachricht die Herzen aller Augsburger Katholiken berührt, nachdem der diesbezügliche Beschluß der vorjährigen Breslauer Versammlung bekannt geworden war! Die 57. Gen er al-Versammlung der Katholiken Deutschlands für das Jahr 1910 wird in unserem lieben Augsburg gehalten werden! Wir wollen zeigen, daß wir dieser hohen Ehre wert sind!" So riesen wir Katholiken Augsburgs einander mit freudigem Stolze zu.

Und was wir in der ersten Freude und Begeisterung gelobt haben, das suchten wir redlich und gewissenhaft auszuführen! In ernster und ausdauernder Arbeit haben wir uns bemüht, alle Vorbereitungen zu treffen, um Euch, liebe katholische Brüder aus ganz Deutschland, für einige Tage ein liebes Heim zu schaffen, auf daß Ihr, wenn Ihr vertrauensvoll zu uns kommt, auch gerne bei uns weilet und nach ernster Arbeit in den Tagungen auch Erholung und Geselligkeit genießen könnet.

Unser herzlichster Willkommensgruß soll Euch hiermit entgegenschallen!

Sollen wir Euch des näheren auSeinandersetzen, was den Inhalt unserer hiesigen Tagung bilden wird? Ihr kennt selbst die Not der Zeit, die Bedürsniffe der Gegenwart, die Bestrebungen der Gegner, den Kampf, der heutzutage auf allen Linien gegen das positive Christentum entbrannt ist. In diesem Kampfe steht nicht mehr Christ gegen Christ, sondern es stehen oder sollen stehen alle Christen gegen den gemeinsamen Feind, gegen den Unglauben und gegen das Freidenkertum, das nunmehr mit offenem Visier gegen Thron und Altar mobil macht. Enger Zusammenschluß aller treuen Christusbekenner, Erforschung der besten Abwehr- und Verteidigungsmittel, Ausgleichung des doch nur vorgeblichen Gegensatzes zwischen Christentum und wahrer Kultur, Fortschrittsbestrebungen auf allen Gebieten der wahren Kunst und Wissenschaft, Stärkung der kirchlichen und staatlichen Autorität

— diese und manche andere einschlägige Fragen sollen beraten, beschloffen und zur Durchführung vorbereitet werden.

Darum auf nach Augsburg, in die Stadt des hl. Ulrich, in bte Stadt, die den Glanz und die Herrlichkeit des alten deutschen Reiches geschaut und genoffen hat und jetzt noch- in ihren erhaltenen Kunstdenkmälern jeden Besucher erfreut und entzückt! Die gemütvollen Be­wohner unserer Stadt sehnen sich danach, an Euch die Pflichten der Gastfreundschaft zu üben. Kommet in hellen Scharen!

Gott geleite Euch!

Augsburg, am Feste des hl. Ulrich, 4. Juli 1910.

Lokal-Komitee für die 57. Aaeralversanimluug der Katholiken

. Ehrenpräsidium.

Maximilian Ritter von Lingg, Theol. et Jur. utr. Dr., Päpstlicher Thronassistent und Hausprälat, Gomes Romanus, Bischof von Augsburg. Albrecht Fürst zu Oettingen-Oettingen und Oettingen-Spielberg, Kron-Oberhofmeister und erbl. Reichsrat, Dettingen in Schwaben. Karl Friedrich Fürst zu Oettingen-Oet- tingen und Dettingen-Wallerüein, erbl. Reichsrat der Krone Bayern, Wallerstein in Schwaben. Erwin Fürst von der Leyen und zu Hohengeroldseck, Standesherr der badischen Krone, Schloß Waal bei Buchloe. Bertram Fürst von Quadt-Wykradt-Jsny, erbl. Reichsrat der Krone Bayern und Standesherr des Königreiches Württemberg, K. Bayer. Oberst ä la suite d. A. auf Schloß Jsny. Karl Ernst Graf Fugger von Glött, erbl. Reichsrat der Krone Bayern, Oberndorf bei Donauwörth.

Präsidium.

Reifert Friedrich, Justizrat, Rechtsanwalt und Gemetndebevollmächtigter, 1. Vorsitzender. Seiwert Jakob, Chefredakteur und Gemetndebevollmächtigter, 2. Vorsitzender. Ahle Joh. Nepomuk, Dr. theol., Dom­kapitular und Bischöfl. Geistlicher Rat, 3. Vorsitzender.

[] Die Sicherheit der Spargelder bei den Großbanken.

Der Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank in Dortmund hat das allgemeine Interesse wiederum auf die Sicherheit unserer Banken gelenkt.

Bei der letzten Geldteuerung haben die Banken es verstanden, durch eine ungeheure Agitation große Mengen pfiffigen Geldes aus dem Publikum an sich zu ziehen und auch den kleinen Gewerbetreibenden daran zu gewöhnen, sein Geld nicht bei der öffentlichen Spar­kasse, sondern in den Depositenkaffen der Privatbanken unterzubringen. Der Einfluß der Banken auf das Kleingewerbe, aus die kleinen Sparer, hat sich in den drei letzten Jahren ganz ungewöhnlich vergrößert, und damit ist der Kreis der Leute, die durch einen Bank- krach nach Art des Dortmunder direkt oder indirekt be­rührt werden, immer größer geworden. Es leiden nicht bloß die Leute, die ihr Geld verlieren, sondern auch deren Angestellte und Arbeiter, deren Geschäftsfreunde usw. Im Dortmunder Falle ist das Unglück umso größer, als es in der Hauptsache Heine re Leute sind, die der Bank ihre Spargelder anvertraut hatten. Zum westfälischen Großgewerbe hat die Niederdeutsche Bank niemals Beziehungen gehabt, und so >var sie dar- auf angewiesen, zur Befriedigung ihres steten Geld­bedarfs die Kreise des Mittelstandes anzuzapfen. An nicht weniger als 29 Plätzen wurden Zweiganstalten eingerichtet, offenbar vornehnllich zu dem Zwecke, die Ersparnisse der kleinen Leute an sich zu ziehen. Millio­nen hat die Bank auf diese Art erhalten, wieviel davon aus dem Zusammenbruch gerettet werden kann, ist noch ungewiß.

Der Rus nach besserem Schutze derDepo- sitengelder, Spargelder undBetriebslapitalienbei den Großbanken ist so alt wie das Bankwesen über­haupt es ist. Der Geldbesitzer zahlt das Geld bei der Bank in der Erwartung bestimmter Zinsen meistens auch in der Absicht, es nicht unnütz im Halise zu haben, ein. Die Bank erkennt an, diesen Betrag schuldig zu fein und macht nun ihrerseits nach Belieben Geschäfte damit. Sie kann das Geld natürlich nicht zu Hause behalten, sie muß es zinstragend antegen, sonst kann sie selber keine Zinsen bezahlen. Und sie muß es möglichst hoch anlegen. Hohe Zinsen aber bringen ein Risiko mit, und dieses Risiko tragt nicht allein die Bank, sondern letzten Endes, wie das Beispiel der Nieder­deutschen Bank lehrt, der Einleger, dessen Geld dort keine feste Grundlage findet, weil die Anlage der Bank- tapitalien ohne die genügende Sorgfalt erfolgt ist.

Die vielen Aerzte, die gegenwärtig an dem Bank­wesen herumdoktem, verlangen immer wieder eine g e- setzliche Regelung des Depositenwesens. Nur hat keiner bisher eine brauchbare Form für das Ein­greifen des Gesetzgebers gesunden, und es ist auch wohl sehr schwer, eine wirklich wirksame Form zu fin­den. Der Bankenquete-Kommission war im Jahre 1906 unter anderem die Frage vorgclegt worden, ob es ge­boten erscheine, für die Sicherheit der Anlagen von Depositen und Spargeldern auf dem Wege der Ge­setzgebung Sorge zu tragen. Die Kommission hat nach langen Beratungen die Frage verneint, indessen den Wunsch ausgesprochen, daß die Banken durch re­gelmäßige Bekanntmachung des Standes ihre Verhält­nisse der Oeffentlichkeit klarlegen möchten. Was nützen aber die schönsten Veröffentlichungen des Standes, wenn darin auch faule Posten und unsichere Werte auf­geführt werden können? Prüfung der Unterlagen ist ja der Oeffentlichkeit nicht möglich. Die Prüfung der Bücher der Niederdeutschen Bank hat ergeben, daß Jahre hindurch total faule Posten als sichere Werte durch die Bilanz geschleppt worden sind. Würde also He regelmäßige Veröffentlichung des Standes der Dank hier irgendwelchen Nutzen gehabt haben? In­

dessen auf irgend eine Weife wird es doch nötig sein, Bürgschaften zu schaffen, daß die Spargelder des Vol° kes nur den berechtigten wirtschaftlichen Zwecken, der Förderung von Handel und Gewerbe, nicht aber un­wirtschaftlichen Zwecken oder gar schwindelhaften Un­ternehmungen dienstbar gemacht werden können.

Vorläufig kann man nur immer wiederholen: Wer Geld hat und es anlegen will, der muß, wenn er nicht ein großes Risiko tragen will, mit bescheidenen Zinsen zuftieden fein. Wenn affe, die ihre Depo­siten angelegt haben, sich bei der Bank Staatspapiere gekauft hätten und mit deren Zinsen zufrieden gewesen wären, dann hätten sie zwar weniger Zinsen bekommen, aBer nichts verloren.

Deutsches Reich.

** Manöver und Ernte.

Eine dringliche Anfrage hat der Vizepräsident der hessischen Kammer, Korell, betreffend bu militärischen Hebungen in den Kreisen Alsfeld und Lauterbach, an die hessische Regierung ge­richtet. Die Uebungcn spielen bekanntlich auch in unseren Kreis herüber, die Anfrage ist darum auch für uns von großem Jntrereffe. Korell weist in seiner Anfrage darauf hin, daß es jetzt schon übet fünf Wochen regnet und die Ernte immer weitet hinausgcschoben werden. Ta nun vom 20. August ab in diesen Kreisen größere Einquartierungen ein» ziehen und in den Gemarkungen Uebungen abge­halten werden sollen, obwohl die Ernte bis dahin noch nicht unter Dach fein kann, muß alles auf­geboten werden, um die Uebungen 8—14 Tage za verschieben. Sollte dies nicht mehr möglich sein, so müßten die Vorübungen auf einem Exerzierplatz abgehalten oder gekürzt werden. Korell fragt daher die Regierung an, was zu tun fei, um den Wünschen der landwirtschaftlichen Bevölkerung Rechnung zu tragen und ob die Regierung bereit sei, sofort das Erforderliche zn veranlaffen.

= Planmäßige Protestaniisierung des Ostens. Das Wort „Germanisierung und Protestantisierung" hat bekanntlich der Vater des jetzigen Landwirtschafts- Ministers schon vor 25 Jahren geprägt und mit Beispielen belegt Inzwischen hat sich die König!. Preuß. Ansiedelungskommission bemüht, wettere Be­lege für dieses Wort zu liefern, und zwar mit einem solchen Erfolge, daß auf 100 — hundert — evangelische Ansiedler noch nicht 4 — vier — kalho- 11^6 Jommen. Aber auch die übrigen Behörden berücksichtigen bei Versetzungen und Beförderungen das konfessionelle Moment in einer Weise, daß man auf eine bewußte Tendenz schließen muß. Einen bedeutungsvollen Beitrag zu diesem Kapitel liefern für die Stadt Posen die der Zentrumsfreundlich­keit unverdächtigen freisinnigen .Posener Neuesten Nachr.« in Nr. 3391 in einem Artikel: .Posen als Beamtenstadf:

Jnbezug auf die konfessionelle Zusammensetzung der Militär- und Beamtenbevötkerung stellt das Blail fest, daß von 13630 Beamten 9605 oder 69,8 Prozent evangelisck, 3783 oder 27,8 Proz. katholisch, 233 oder 1,7 Proz. mosaisch und 9 oder 0,7 Proz. andersgläubig sind. Bon der Gesamtzahl der hauptberuslich Erwerbs­tätigen Posens überhaupt sind dagegen 33,7 Prozent evangelisch, 62 Proz. katholisch, 4,2 Proz. mosaisch und 0,1 Proz. andersgläubig. Am stärksten überwiegen die Evangelischen in der eigentlichen Beamtenschaft. Sie bllden 77 Proz der Erwerbstätigen. Stark vertreten sind sie im Eisenbahnbetrieb, wo von 2203 Per­sonen 1632 gleich 73,8 Prozent evangelisch, 574 oder 26,1 Prozent katholisch und 1 mosaisch ift Dann folgt die Militärverwaltung mit insgesamt 5370 Be­

amten, von denen 4068 oder 75,7 Prozent evangelisch, 1271 oder 28,7 Prozent katholisch, 30 oder 0,6 Prozent mosaisch und 1 andersgläubig ist. Die Post beschäftigt 1014 Personen; hiervon sind: 762 oder 75,1 Prozent evangelisch, 252 oder 24,9 Proz. katholisch. Am meisten überwiegen die evangelischen Beamten im Staats-, Gemeinde- usw - Dienst. Hier sind von 2540 Be­amten 1955 oder 77 Proz. evangelischer, 52i oder 20,5 Proz. katholischer und 63 oder 2,5 Prozent mosaischer Konfession.

Was hier für die Stadt Posen statistisch festgestellt ist, kann man, bemerkt dazu das .Westpr. Volksblatt", überall imOsten beobachten. Die einheimischen Beamten, soweit sie katholisch sind, werden aus der Heimat entfernt und protestantische Beamte aas Pommern, Brandenburg usw. werden an ihre Stelle gesetzt. Dieses System erstreckt sich bis in die untersten Beamtenklaffen herab. Ja, die einheimischen Katholiken werden von der Bei Atzung in Beamten­stellen zurückgehalten. So ergänzt sich bei der Eisen­bahn das untere Personal vielfach ans Strecken­oder Werkstätten-Arbeitern. Wiederholt haben wir, bemerkt das genannte Danziger Zentrumsblatt weiter, darauf aufmerksam gemacht, daß katholische Arbeiter, die feit Jahren ihre Prüfungen gemacht haben, nicht in Beamtenstellen befördert werden, während frisch geprüfte Anwärter aus Pommern und Brandenburg eingestellt werden. Es sind uns neuerdings auch Fälle mitgeteilt worden, daß Söhne von katholischen Beamten, die sich der Laufbahn ihres Vaters widmen wollten, zurückgewiesen worden seien, während protestantische Anwärter von außerhalb eingestellt wurden. Da ist es schwer, an kein System zu glauben.

* Der erste Helgoländer Rekrut. In Helgo­land findet heute und morgen die erste Rekrutie­rung seit der Zugehörigkeit Helgolands zu Deutsch­land statt. Am 1. August 1890 ging Helgoland von England an Deutschland über. Es wurde damals der Insel eine 20jährige Steuerfreiheit, sowie Befreiung vom Militärdienste auf die gleiche Dauer gewährt. Diese Zeitdauer ist jetzt verflossen.

** Gießen, 1. August 1910. Eine Vertrauen s- rnänncrversammlung der Fortschrittlichen Volkspart eijür den Wahlkreis-Gießen-Grünberg- Ridda beschloß, auf der Kandidatur des Professors Dr. Rade-Marburg für die kommende Reichstags­wahl nicht zu beharren, da die nationaUibeialc Organisation des Wahlkreises diese Kandidatur endgültig abgelehnt hat. Dagegen wurde aber auch der Vorschlag der nalionalliberalen Partei abge­lehnt, Professor G i s e v i u s - Gießen als gemeinsamen Kandidaten der Liberalen anfzustellen. Man will in erneute Verhandlungen nut der nationalliberalen Partei eintreten, zwecks Verständigung über eine andere politische Persönlichkeit.

Aus dem Nachbargebiete.

* Hersfeld, 1. Aug. 1910. Den im Zn- sammenlegungs - Verfahren befindlichen Gemeinden des Kreises Hersseld sind im lausen­den Rechnungsjahre durch die Vermittelung der König!. General-Kommiffion in Kassel 25,1t 0 Jk aus staatlichen und kommunalständischen Fonds als Beihilfe zur Verfügung gestellt worden.

— Altenmittlau (Freigericht), 1. Äug. 1910. Der Neupriester Herr Konrad T r a g e f e r, ein Sohn un­seres Bürgermeisters, feierte gestern in der hiesigen Pfarrkirche seine.Primiz. An der Feier nahm die ganze Gemeinde innigsten Anteil.

* Diemerode b. Sontra, 31. Juli 1910. Dem Sohn eines Maurers wurde beim Holzhacken von einem an­

deren Knaben eine Hand der Länge nach ge- spalten.

* Niederellenbach b. Rotenburg a. d. F., 28. Juli 1910. Ein hiesiger 87jähriger Ortsbürger erbte von seinem in Amerika verstorbenen Bruder 150 000 Mk.

♦ Marburg, 1. Aug. 1910. Wie die „Hochschulkorr.* erfährt, ist die Versetzung des Professors Dr. Kranz in Kiel an die Berliner Universität als Nachfolgers von Prof. Summ bereits erfolgt; als sein Nachfolger an der Kieler Universität kommt Professor Dr. Walther Stoeckel in Marburg in Frage.

* Jena, 1. Aug. 1910. Die Einführung des Ar­beitszwanges auf der Verpflegungsstation in Jena, gegen die man anfänglich Bedenken hegte, hat zur Folge gehabt, daß die Station durchschnittlich nur noch etwa von der Hälfte der früheren Zahl „armer Reisender" in Anspruch genommen wird.

* Eisenach, 1. Aug. 1910. Anfangs August treffen der Großherzog und seine Gemahlin zu längerem Aufenthalte in der Sommer-Residenz Wilhelmslal bei Eisenach ein. Dieses Schloß ist im Laufe des Sommers durch den Anbau eines Flügels erweitert worden.

* Weimar, 30. Juli 1910. Im hiesigen Landge- richtsgefängnis hat sich der D a p p e l m ö d e r Noel, obwohl er an einem Bein und einem Arm festgeschlos­sen war, am Handtuche erhängt.

* Erfurt, 30. Juli 1910. Gestern abend brach in dem Hause Katthäuserstraße 50 ein Dachstuhlbrand aus, der den Dachstuhl vernichtete. Schon vor eini­gen Wochen war ein Feuer in demselben Hause unter­drückt worden, sodaß Brandstiftung vermutet wird. Als Tätettn kommt ein im Hause bedienste- tes Mädchen in Frage, das verhaftet worden ist.

vermischtes.

* Ein förmliches Schwalbendorf, das Freude bei jedem Vozetfreunde verursacht, kann man an der Scheune des Gemeindepflegers Weber in Berga­treute im württemb. Oberschwaben sehen. Nicht weniger als 58 Schwalbennester befinden sich dort heuer in einer Reihe an der Wand, die alle bewohn: sind. Einen reizenden Anblick gewährt gegenwärtig diese Schwalbenansiedelung, da aus jedem Nest einige Junge herausschauen. Voriges Jahr nisteten an diesem Gebäude 50 Schwalbenfamilien. Der Hausbesitzer schützt seine befiederten Hausleute auch vor den Spatzen, die gerne wohnen möchten, ohne zu bauen. Sobalo nämlich die Schwalben im Herbst abgereist find, verstopft er die Fluglöcher und öffnet sie erst wieder, wenn die Frühlingsboten wieder kommen. Die Spatzen sind über diese List so erbost gewesen, daß sie einfach einige Schwalben­nester zerstörten.

♦ Toten- statt Hochzeitsfeier wurde in dem Dorfe Fischau Kr. Marienburg (Westpr.) abgehalten. Der Fleischermeister Eschner sollte dortselbst feine goldene Hochzeit feiern. Alles war schon für die Feier ange­ordnet, u. a auch das vom Kaiser gewähtte Geschenk eingetroffen. Drei Tage.vor dem Feste feierte E. noch das 50jähttge VorstandSjubiläum, sowie feine 50jähr. Angehörigkeit zur Ottsgemeinde, als er plötzlich inmit­ten seiner häuslichen Tätigkeit von einem Herzschlag dahingerafft wurde.

* Zum Ritter der Ehrenlegion ist der bekannte Aviatiker Paulhau ernannt worden. Auch dem Pfarrer Faller der Gemeinde Mars-la-Tour, der seit 35 Jahren Reliquien der in der Schlacht von 1870 Gefallenen sammelt und in Mars-la-Tour ein Mausoleum ähnlich demjenigen in Gravelotte ein« gerichtet hat, ift dieselbe Ehrung zuteil geworden.

1 Eine Mafsenvergistun wird vom Bord des französischen Kremers .Cecilie", der zurzeit bei