Fulda, Donnerstag den 28. Juli 1010
37. Jahrgang
jß 170.
öou L. Wehner.
Verla- der Fuldaer Ak. üaedruckerei ta Fulda Ferutzlrrcher Ur. v.
PfS^ del BHete# bolxxg« wird etttfp«. Etibott gemährt.
«rfchelut täglich mit gasttobme der Somu «nd Feiertag«, viertek. Phrlicherverugeprei« ahae vriugerlshn und Beftelgelbtn gelte fo- witoiumirtst^oHÖ.
verautw. «rdaNenr
Vie eti» fpaltlgepetitzeileod« bereu Saug \5 pfg.
Der Warnpyr.
Roma» von FerguS Hmne. Autorisierte Bearbeitung
der sie stutzig machte. .Ist eS eine ernste Sache?" fragte sie.
„Für Sie, ja"
„So komm", entschied ste und schritt dem Wohn» zimmer zu, dessen Tür ste nach Bill» Eintritt zu schloß. Dann fragte per
.Hat Dein Hiersein etwa» mit dem Morde J» tunt'
‘ Biss nickte. ------------------
.Du willst Dir wohl die au-gesetztr Belohnung verdienen?" forschte sie, indem fie sich vergeblich de» mühte, ihrer Stimme einen ruhigen Klang zu gebe«.
.Die viertausend Mark? Rein, Frau Kirby, da» ist mir nicht genug. Ich verlange zehntausend Mark.'
Lena blickte bestürzt aus den Burschen, der feine Absichten so kurz und bündig auSsprach. „Unb wofür?"
.Dafür, daß ich Sie rette, Frau Kirby '
„Mich retten? Wieso?"
.Sie sollen wegen der Ermordung Ihre» Gatten verhaftet werden."
Lena taumelte. Dar ganze Zimmer schien sich mit ihr im Streife zu drehen. Sie schnappte nach Lust und faßte krampfhaft die Lehne de» Stuhle», um sich ju stützen.
.Mich — verhaften?" ächzte sie.
.Jawohl. Der Detcktiv kommt heute nachmittag mit dem Verhaftungsbefehl zu Ihnen."
„Ader ich — ich habe — ihn doch nicht ermordet stöhnte sie fassungslos.
Bill zuckte die Achseln, wie er e» so ost von Fel- dem gesehen.
.ga", meinte er dann bedächtig, .da» behaupten .Sie" — aber die Polizei denkt anders."
Lena war auf das Sofa gesunken und starrte Bill unverwandt an.
„Woher weißt Du das alles? Ist e» etwa nur Er> finbung, um mich in Angst zu jagen?"
„Es ist die reine Wahrheit, Frau Kirby. Sim und ich haben die Sache erfahren. Heute abend bereit» werden Sie im Gefängnis sitzen." - -
Gortsetzuna sollst.)
Deutscher Reich.
** Berlin, 27. Juli 1910. Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist heute vormittag in Bergen eingetroffen. — Der Kaiser wird Mitte August bei Gelegenheit der Mainzer Truppenschau in Schloß Friedrichshof zu einem mehrtägigen Aufenthalt eintreffen. Ein Aufenthalt in Homburg v. b. H. ober Wiesbaden ist nicht geplant, jedoch sind kurze Besuch« in diesen Städten in Aussicht genommen.
)( Der deutsche Staatssekretär im Auswärttgen Amte v. Kiderlen-Wäl^er ist in Marienbad in Oesterreich eingetroffen, wo er mit dem österreichischen Minister der auswärtigen Lngelegenheiten, dem österreichischen .Bismarch", Baron von Aehrenthal. zusarnrnentraf. Der Mariendader Besuch ist zum großen Teil durch FreundschastSrücksichten verursacht. Die mehrtägige Ausdehnung derselben beruht zum Teil darauf, baß
Du zu Felde» zurück unb paßt auf den Kerl auf. Wir müssen ganz genau wissen, war vorgeht."
.Laß mich Dich erst tu eine Droschke steigen sehen!"
„Der Wunsch sei Dir gewährt", entgegnete B:S huldvoll
In der Zwischenzett hatte Lena Kirby, nicht» ahnend von dem Gewitter, das sich über ihrem Haupte zusarnmenzoa, mit Selma ein lebhaftes Gespräch in ihrem Schlatzimmer geführt. Sie raisonnierte in einem fort, daß sie der Gerichtsverhandlung wegen London noch immer nicht hatte verlassen bihfen, und obgleich sie tn ihren Worten aus drückte, daß sie großes Mitleid mtt Brand empfinde, zeigte sie eS doch auf feine Weife dnrch di« Tat. Solange ihr von ihrer eigenen Behaglichkeit und Bequemlichkeit nicht» abging, kümmerte es sie nicht, ob andere Qualen litten unb unglücklich waren. Seit de» an ihrem Gatten begangenen Morde hatte sie sich von der Gesellschaft zurückgezogen, um — wie sie die Well glauben machen wollte — um ihren lieben Christoph zu trauern! Diejenigen, die sie kannten, lächelt« fceMch darüber, denn sie wußten es besser. Bon Zett zu Zell kam Oskar Schau zu ihr und leistete ihr bei ihren kleinen, auserlesenen Diners Gesellschaft. Ja, Manchmal ging sie sogar trotz der Trauer um ihr« Gatten in« Theater Aber bei solchen ®e- legenheiten war die junge Wttwe vorsichttg genug, eine Loge zu nehmen und sich möglichst im Hintergrund derselben zu hallen.
Alle» in allem genommen führte sie jetzt ein recht glücklich«» Leb«.
.Sie bleiten doch bei mir, Selma?" hatte Lena jochen gefragt, .auch wenn ich mich zum zweitenmal verheirat«? Ich kann ohne Sie garnicht mehr aus- kommen."
Ich weiß es noch nicht, gnädige Frau", lautete Selma'» Antwort. .Melleicht heirat« ich eines Tage- selbst."
Ste soll« aber nicht!" rief ßena wie ein eigensinnige», kleine» Kind „Ich zahle Ihnen ein sehr hohes Gehakt, also faßen Sie nicht» mehr vom Fortgehen. „Und Selma, die bett Entschluß, ihre Herrin zu verlassen, schon längst gefaßt, schwieg.
„Oh ja, sie wird'» schon rau»rücken", sich» Bill mtt vollem Munde fort. .Sie gibfr her, wenn sie sich dadurch ihr bischen Leben rett« tarnt. Wenn fie nicht gleich meine Forderung von zehntausend Mauk bewilligt, iterlanae ich das Doppelte. Sie kann gar nichts machen ohne Dich, Sim." ' ~ ’.....
Sim glotzte den Bruder an unb schmunzelte. .Du hast Du recht. Es ist eine famose Geschichte, Bill. Ich werbe aber aus bet Sache nicht «ug."
Ich auch nicht", gab Bill nachdenklich zu. Fel- dein ist also ganz sicher, sagst Du, daß Hen Brand und Frau Kirby im .Blauen Hecht waren?
„Ganz sicher," befiättgte Sim mtt Nachdruck. „Für diese Ueberzeugilng rennt er mit dem Kops durch die Wand." , ,
„Hihi! Wir wollen ihm kehren, ferne Ansicht« zu ändern, Sim, nicht wahr?"
„Na ob! Was machst Du also jetzt?"
„Jetzt nehme ich mir eine Droschke", lautete die stolze Antwort, wobei der junge Mann mit kritischen Blicken die in der Nahe haltenden Wagen,musterte.
„Donnerwetter! Da» erstemal, daß Du überhaupt in einer Droschke fährst, Bill."
.ES wird aber nicht das letztemal sein, lieber Sim. Wenn Du und ich aus Afrika zurückkomm«, kann fahr« wir immer in Droschken und Eqnipagm, bann funkeln unb glänzen wir vor lauter Diamant« vnb trag« kostbare Pelze. Dann bespritz« wir die ,Leute mit Schmutz, wie fie uns beschmutz«", schloß Bill. „Dann rächen wir uns, Sim!"
„Jawohl, dann rächen wir uns," sagte Sim, die Hände ftohlockmd aneinander reibend und wie ein ivöser Dämon kichernd. „Hast Du viel Geld bei Dir, Bill?"
„Fünf Mack. Die Fahrt zu Frau Kirby kostet eine Mark fünfzig Pfennige, aber ich werde versuchen, ob Mich einer für eine Mark fähtt. Doch nun, Sim, kehrst
Während grau Kirby jetzt mit Selma sprach, mel- dete das Stubenmädchen — da» sich da» Lachen kaum verhall« konnte — tn der Halle warte ein Junge, der Frau Kirby bringenb zu sprech« wünsche. .Ich glaube, gnädige Frau, Sim ist Wrückgekommm — ter Bursche kommt mir wenigsten» so vor."
„Lächerlich, wenn e» Sim ist, müffm Sie ihn doch fennen", bremste Sena ärgerlich auf. „Was will er denn?"
„Er will Ste sehen, gnädige Frau. Er läßt sich nicht abwekfm."
„Ich werde selber nachseh«", sagte Lena unge- duldig und ging m die Halle hinaus, wo ter tn ein« grau« Anzug gekleidete Junge wartete.
„Sim", rief sie heftig, „wo» so« dieser Unsinn bedeut«?" ,,
.Entschuldig« Sie, Frau Kirby, ich btt, nicht Sim, fonbem fein ZwillingSbruder."
.So? Ich wußte nicht, daß er ein« Zwilling»» bruber hat."
.Er hat aber einen. Ich heiße Bill unb bin bet Netteste von un» zwei«."
Lena mußte über die lächerliche Erscheinung beS Jungen laut lachen.
„Nun also," fragte Lena, .wo» gibt's?"
.Kann ich Sie nicht im Wohnzimmer oder sonstwo sprech«, wo wir ungestört sind?"
.Auf keinen Fall, Junge. Mach Reber, daß Du forttommst "
.Na, schön, geh« wir also." Bill ging langsam auf die Einyangstür zu.
„Watte einen Augenblick", rief Frau Kirby dann, die nicht darauf gerechnet hatte, daß der Bursche die» so wöttlich nehm« würde. „Wa» wolltest Du eigent- lich?" , ,
„In Ihrem Privatzimmer mit Ihnen red«, Frau Kirby."
„Worüber benn?"
.Das werbe ich Ihnen in Ihrem Zimmer sagen, nicht hier draußen."
L«a stampfte mtt dem Fuße und war schon im Begriff, eine ärgerliche Antwort zu geben, ba bemerkte sie jedoch einen Ausdruck in dem Gesicht des Jungen,
E> Eine Ehrenrettung der Tabak- steuer
nimmt die .Köln. Ztg." (Nr-806v.«£)m«n«n Artikel „DaS Tabakfteuergesetz und stune Foig« vor, der ihr .von durchaus sa^und^« Sette zu begangen ist. Da gerade die Tabaksteun zu den föwerft« Angriffen gegen i»e Fmanzreforln und die Parteien, welche sie durchgesührthaben, Anlaß gegeben hat, so können wir die tn dem Artikel ent hauen« Feststellungen nur mit Genugtuung be. grüßen. Deren Gewicht wiegt um so schwerer, als gerade von nationalliberaler Sette gegen die Ge- Haltung der Tabaksteuer die ärgst« Bedenken er- hoben ward« find. Der Artikel behandettzunst die Tabakeinfuhr und kommt h»er zu folgendem
Resultat:
.ES wäre ein Sinken der für den BehaEgs- zustand erwartet« vollen Einfuhrmenge vou^vMO dz um die vorangegangene Mehreinfuhr von 190000 da auf etwa 470000 dz im Jahre 1910 nur als die natürliche Folgeerscheinung vorangegangener Ueberspannun- 4« der Handels-Nind Fabrik-tttonStätigtet anzusehen gewesen. Da sich indessen auf Grund der Handels, statistik für das Kalenderjahr 1910 anstatt der wahr, fcheinlich gewesenen Einfuhrmenge von nur etwa 470000 d£ bereits eine Einfuhrmenge von etwa 620000 dz erwart« läßt, f° kmtn erfreulicherweise kein Zweifel mehr bestehen, daß dank der Ausnahmefähigkeit des deutschen Konsums der nach den Versorgungen (sowohl mit Fabrikaten wie mit Rohtabay 'unausbleiblich gewordene natürliche Rückschlag auch nicht im entferntesten den Umfang angenom. men hat, der nach der Maßlosigkeit bet vor Inkrafttreten de» Tabaksteuergesetzes gemachten Bestimmungen zu befürcht« stand."
Der zweite Abschnitt des Artikels beschäftigt sich mit den Arbeitseinschränkungen unter besonders em. gehender Erörteruug der Folgewirkungen, welche durch die staatliche Fürsorge für dre arbeitslosen Tabakarbeiter hervorgerufm motten sind. Die Darlegung kommt zu dem Resultat:
.Nur unter voller Verkennung der wahren wirt- schaslltchen Zusammenhänge, auf welche diese Grschei. nung zurückzuführ« ist, war eS möglich, auS der Aus- zehrung des Unterstützungsfonds ein« Konsmnruckgang ableiten zu wollen."
Neber „Beschäftigung und Lohn" führt der Ar. titel weiter aus:
„Eine neue, wenn auch unbefangenen Fachmännern nicht unerwartet gekommene Beleuchtung erfahren die maßlosen Uebertreidungen verschtedener Be. richte, die seit Jahren auf die öffentliche Meinung erregend «inmitten, durch ten nunmehr auSgegebenen
der Herrschaft deS neuen Steuergesetzes standen. Danach hat dis Zabl der bei der TabakberufSgenoffen- schäft verstcherungSpflichtigen Personen (Vollardeiter zu 300 Arbeitstagen) im Jahre 1909 um noch nicht 0,7 Proz. abgenomm«; von 171126 auf 169 964 Person«, also um 1130 Personen . . . Man wird sich vor Augen halten müssen, was es für dre Steurtedung ter vorliegend en Frage bedeutet, wenn auf 2 Jahre eines ungewöhnlich lebhaften Geschäftsganges mit einet Vermehrung des Arbeiterbestandes um 12 /» Prozent ein kritisches, in den letzten 4'j, Monaten unter bet Herrschaft eines neuen Steuergesetzes stehendeS Jahr folgt, das nur einen Rückgang der Arbeiterzahlum etwa 0,7 Prozent aufweist. Nicht mhtbet erfreulich ist das Bild, das man von der Straft des Tabakgewerbe» gewinnt, wenn man die in dem Berwallungsberichte bet Berussgenoffenschaft verschiedene Lohnstattsti! für das Jahr 1909 mit der für das Iaht 1908 vergleicht ... Di« pessimistische Beurteilung des Tabak- steuergesetzes kann vor einer objektiv« Prüfung der tatsächlichen wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht be- stehen."
Von besondere« Bedeutung ist die mm sollende Darlegung über „Gewichts- oder Wertzoll", ter« Studium man recht eindringlich ten nationalliberalen Abgeordneten empfehlen tarnt, die ^seinerzeit gegen die beschlossene Steuerart bte schärfst« An» griffe gerichtet hqb-n. Es heißt darüber:
** Eine Landesversammlung der badische« Sozialdemokraten soll in der dritten Augustwochß tattfinden. Zu heftig« Auseinandersetzungen zwischen dm 17 Revisionisten der Fraktion und )en 3 Radikalen Geck, Mansch und Stockinger wirt» es hier voraussichtlich kommen. _____
-i- Was bei« „Vorwärts" „Schwindel" heißt, Die Nachricht, baß eS in Essen anläßlich ttneS Feste» bet rot« Gewerkschaftler zu Schlägereien unb Zusam» menstößm mtt bet Polizei, bei benen sogar ber Revolver eine Rolle gesvielt hat, gekommen ist, wirb vom .Vorwärts" unter ber Ueberschrist: „Der neueste Schwinbtt" wiedergegeben. Dabei muß er zugeben, daß bte Schlägerei, ja sogar eine Messerstecherei, auf bem Festplatze stattgefunden hat, daß es zu „Wort- wechsön mit Polizist«" gekommen ist und daß auch auf die Polizei geschossen worden ist. Hier scheint bet , Vorwärts" selbst ben — nach Lage ber Dinge allere ding» ziemlich aussichtslosen — Versuch gemacht zu haben, seine Leser zu beschwinbeln. Unter diesem Gesichtspunkte ist allerdings die Ueberschrist ganz zutreffend.
)( Ei» Vorspiel für Magdeburg ging am Dienstag atend in Berlin Über die Bretter, die die sozialdemokratische Welt bedeuten. Der Verband der sozialdemokrattschen Wahlvereine von Groß- Berlin, dessen Kreis« erfahrungsgemäß wenigstens 75 Prozent aller Delegierten zum Parteitage entstammen — die Berliner wissen sich ja in all« möglichen Landesteil« „Mandate" zum „Arbeiter- Parlament" zu verschaffen — hielt, wie schon gemeldet, eine Sitzung ab, um di« badische» Budgetbewilliger gründlich zur Ordnung zu ruf«. Es ging recht lustig her, und wenn die ©«offen in Magdeburg auch fo radaulustig fein werden, dann wird Dresdens Jungbrunnen sicher, auch in Magdeburg wieder lustig sprudeln. Der Zentralvorstand legte eine Resolution vor, worin unter Hinweis auf den Nürnberger Beschluß gegen die Budgetbewilligung gesagt wird:
„Deshalb müffen wir bei aller MeinungSfteiheit innerhalb der Partei verlangen, daß jedes Parteimit-, glieb gellende PartettagSbeschlüffe unter allen Unu ständen hochhält. Die Berliner Parteig«offen bebauen, die Zustimmung der badisch« Landtagsfraktion zum Budget, ein Beschluß, welcher eine Lockerung der notwendig« Disziplin und eine arge Schädigung der Eta» heitlichkeit der Partei bedeutet. Ei« mißbilligest daher die Budgrtbewilligung und b«< DiSztplinbruch der Mehrheit ter badisch« Land» tagsftaktion aus baS allerschärsste. Die Parteigenosse^ Groß-BettinS verurteil« weiter bi« Teilnahme bet, badisch« LandtagSfraktton an höfisch« Kundgebungen welche geeignet ist, den republikanischen Charatter der Partei zu verhüll« und daS demokratische Gefühl d« Genossen zu empören. Die Groß-Berliner Partei genoffenschaft erwartet vom Magdeburger Parteitag, daß et Vorkehrungen trifft, um in Zukunft ParteitagSbe» schlüfs« unter allen Umständen Geltung zu verschaffen."
Da die badischen Revisionisten „unter all« Um» ständen" ihre Meinung hochhallen, werd« in Magdeburg also allerlei „unverrückbare" und „unentwegte" Ansicht« auseinanderprallen. Wai sich daraus entwickeln wird, steht dahin. Wichtig für die Entwickelung wird sein, ob Bebel dort wird anwesmd fein könn« oder nicht. Kommt er de» .Unmtroegten" mit seinem ungeheuren Einfluss« nicht zu Hilfe, dann steht «8 um die Anhänger bei alten Programms sehr schlimm.
X Die chrfftlich-siyiale Partei wird ihr« diesjährigen Parteitag in ihrer Hochburg in Siegen (West- falm) abhalten, und zwar in d« Tagen vom 11. bis 13. September. Man wird sich u. a. mit bem Entwurf eines neuen Parteiprogramms befass«.
* Auf Wünsche wegen Ausdehnung bet Fleischbeschau auf Wild, Geflügel und Fischs erklärte der neue Landrnirlschasts - Minister Freiherr ». Schorlernet-Lieser seine Bereitwilligkeit, die ausgesprochen« Wünsche zu prüseu unb
bie Schwester des Herrn von Kiderl« z. Zt. tn Marienbad zur Kur mellt.
* Ei« mißglückter SnzyMa-Protest. Der A k a b e • mische Bismarck-Bund Berlin hatte auf Freitag abend 81/» Uhr zu einem Vortrag in d« Sophi«. sälen eingeladen. Der Generalsekretär deS Buntes, der frühere Kapuziner-Ordensprtester Wahl, sollte über das Thema sprechen: Sind die Schmähung« der Borromäns-Enzyklika in der Geschichte begründet? Nach der „Germ." waren um v Uhr außer dem Vorstarche vier Personen anwes«d, und diese vier waren — Vertreter der Presse. Man zog eS deshalb vor, nicht in die Tagesordnung einzutreten.
Q Eine nationalliberale Absage an bi« Links« liberale». Der Kreiswahlausschuß der Hagener Nattonalliteralen hat einstimmig folgende Resolution beschlossen:
,Der nationalliberale KreiSwahlauSschuß Hagen- Schwelm hält die Abwehr bet aemeingesährlicken Bestrebung« der Sozialdemokratie für die wichtigste politische Aufgabe der ®eg«wart und erkennt die ernsthaften Bemühungen der Regierung rote einsichtiger bürgerlicher Politiker aller Richtungen an, die zur positiven Mitarbttt willig« Parteien zu gemeinsamer Arbeit ,u vereinigen. Nicht weniger alS die Sozialdemokratie sind biejenigen bürgerlichen Gruppen zu bekämpf«, welche grundsätzlich willen» sind, Schuller an Schulter mit der Sozialdemokratie andere bürgerliche Partei« zu bekämpfen. In den Reihen der nationalliberalen Partei kann für sie kein Platz sein. Angesichts der während de» letzten Jahres bewiesenen Unzuverlässigkeit der Linksltbetalen tat Kampfe gegen die Sozialdemokratie, der vielfachen direkten Einbrüche der Fortschrittspartei in den nativ- nallibetalen Besitzstand, welche heute bereits vielerorts offen vorbereitet werden, der vielfach erkennbar gewordenen fortschrtttlichen Eingriffe in die Nominierung rechtsstehender nationalliberaler Kandidaten kann etae allgemeine Wahlverständigung für die nächste Reichs« tagSwahl nicht in Frage kommen."
Di« ,Kreuzztg.' bemerkt dazu: „ES wird ab» gewartet werden müssen, ob der bevorstehende Kasseler Parteitag dies« Entschluß zu dem (einigen machen wird. Wäre eS der Fall, dann würde daS ein Wiedereinlenken in die früher« nationalliberalen Bahnen fein. Denn früheres ist noch nicht allzu lange her — wurde der Fret- sinn für die Nationalliberalen als bündnissähtg erklärt."
— Die angebliche Konferenz des Reichskanzlers mit Baffermann. Die „Rattonalztg." ßringt folgenbe Richttgsiellung: „In verschiedenen Blättem findtt sich bie Mitteilung, daß der Abg. Baffermann in Berlin eine Aonserenz mit bem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg gehabt habe, in welcher ber Kanzler ben Wunsch ausgesprochen habe, baß ber Abg. Baffermann bie Führung ber nationalliberalen Fraktion beibehal- ten möge. Daraufhin habe Herr Baffermann stch entschlossen, sich dem pattammtarisch« Leb« weiter zu tolbm«. — An dieser ganzen Rachttcht ist nur richtig, daß der Abg. Baffermann mit bem Reichskanzler auf ber Fahrt von Karlsruhe nach Berlin eine mehrstün- btge Konferenz hatte. Alles anbete, was über diese Unterredung bezüglich ter Beibehaltung der Führerschaft usw. gesagt wird, ist von Anfang bis zu Ende erfunden."
+ Zu dm B«rtra»«nSk»ndgebn»gm für Basser- mann bemerkt die,93off. Ztg.':
„Der Abg. Baffermann wird plötzlich von natto- nalliberalenOrganisation« mitBertrauen über» schüttet. AnS all« Eck« und Enten bet national- liberal« Partei regnet eS in dies« Tagen BertrauettS- kundgebung« auf ihn herab. Unser« Aufgabe kann eS natürlich nicht fein, tat einzeln« aufzuzähl«, wo überall bei dm Natiouallibetal« ter Ruf „Hetl Basset- mann!“ erschallt. Nur muß hervorgehobm wetten, daß dieses Bedürfnis, dem Führet daS Berttaueu auszudrücken, stch recht spät eingestellt hat. Der damit nachträglich Beglückte würde den Wert dtese» allgemeinen BertrauenS sicher erheblich höher geschätzt haben, wenn er früher davon erfahren hätte, alS er Gegenstand heftiger Angriffe auS dem eigen« Lager war. Indessen: Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt! wird Baffermann denk«." _________
Zuldaer W Zeitung
WäL ro°chmb-!iag°-,Illustrierte§o»ntag;reitu«g" „Ktldaer GeschichttblStter«
„Befremdlich muß eS erscheinen, daß eS bte bt». hertgen Anhänger thtet S«wichts»ll.rhÖhuug Md, welche bte vorgekommenen Betrtebseinschtänkungen und Verkürzung« der Arbeitszeit innerhalb der, Tabak- industrte dem Epstetu be» Wertzolls ta* Staf*1®9 ’ Gerate ter Wertbesteuetung deS «” * ‘ Rohtabak» »ar e» zu bautet, daß der deutsche Tabak mtt einer trat gering« Mehrsteuer beleg i werden brauchte, während bte Anhang Geroichtszolles eine Belastung brä inländisch«
XXt^S'blteb die Zigmre d°S-rmenManms not lebet wesentlich« Verteuerung beschützt ... . Es unterliegt keinem Zweifel, daß empfindltche Konsum« rürkgänge und «wifangteiche Ärteiterentlaflungeu von bauember Wirkung nur dann m Frage kommen konnten, ro«n bas Genußmittel bet breiten Massen, dte billige Zigarre, durch ein« einhettlichen GewichtSzoll für hoch« und gerhtaroertigm Zigarrentabak fo stark getroffen worden wäre, wie die feine Zigarre. DaS hat der Wertzoll vermieden, und w«n von benjetttaett, bte den GewichtSzoll wollten und durch seine Einführung einen etwaigen Konsumrückgang erst verschuldet haben rofltb«, die von ihn« gewollte Höherbesteuerung deS Tabak» lediglich deshalb absprechend beurteilt wird, weil ihn« die gewährte Bteuerfotm trotz ihrer bie Fabrikation und ben Konsum mehr schonenbett Belastung nicht paßt, so muß dem «tgegengetreten werben; eS gibt kein« sozialere Reform einer Gniußmütelsteuer att die nach dem Wette. Die durch die Wertbesteue- » gewährleistete geringste Belastmtg beä billigen «Verbrauchs ist da» beste Mittel zur Verhütung etneS KonsumrückgangS und auf die Dauer damit auch der wirksamst» Schutz für die dem besteuerten Konsum- gegenständ herstellenven Arbett. . . . Nachdem das Tabaksteuergefetz vom 15. Juli 1909 einen bte technische Durchführung beS Wertzolles vollauf sichernden Weg votgezeichnet hat, möchte e» an der Zeit sein, die Polemik ruhe» zu lassen. Ihr» ^^tumg könnte nur geeignet fein, steuerpolitische Gegensätze grundsätzlicher Art von neuem in die Erscheinung treten zu lass« und bte beteiligten Erwerbskreise in Unruhe zu versetzen."
Hebet b« Steuerertrag endlich läßt der Artikel stch wie folgt aus:
„Urfier ten finanziellen Erfolg der Tabaksteuer sind verschiedeutttch irrtümliche Auffaffungeu zu Tage getreten .... Rach Ausweis der bisher vorliegend« Statistik ist anzunehmen, daß da? künfttae Steueraufkommen n i ch t hinter diesem Betrage zurückbleiben wird."
Man darf auS diesem objektiven Urteil von fach- kundiger Sette entnehmen, daß die MehrheitS- Parteien, dte im vergangen« Jahre bte Reichs« finanzreform zur Durchführung gebracht hab«, bezüglich bet Tabaksteuer ein sehr gutes Gewisse« haben bürsen. Wir glauben, daß em sachliches Urteil über bie anderen Steuern entsprechend laut« wird. Um so verächtlicher aber erscheint die roilbe agitatorische Hetze, die gegen die Finanzreform und die Mehrheitsparteien gerichtet worden ist.