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M 169.

den 27. Juli IW.

37. Jahrgang.

I Leitung

fuldaer

2. Blatt.

Druck eeb Verlag der Zuldaer Aetiendruckerer i« St'-

reten Stunden kam der Unhold zurück, um nach seinem Opfer zu sehen; als er bemerkte, daß der Unglückliche wieder zum Bewußtsein gekommen war, schlug er ihn mit einer Hacke vollends tot, und be­gab sich dann ruhig nach Hause. Der Täter wurde festgenommen.

* Elterumord im Wahnsinn. Aus den Meeres­wellen in Schedeningen wurde der 28jährige Gymnasiallehrer Bachrach aus Cochem gerettet, der angab, seinen in Cochem wohnenden Eltern mit einem Mester den Hals abgeschnitten zu haben. Eine telegraphische Anfrage der Haager Polizei an den Cochemer Bürgermeister bestätigte diese Angabe. Der junge Mann, der Juris-Doktorand ist, scheint sich in der letzten Zeit geistig überarbeitet und sein Verbrechen im Zustande geistiger Umnachtung be­gangen zu haben. /

♦ Ein Neger als europäischer Lehrer. Im Lehrer- seminar von Nörre Nissum auf Jütland hat ein Neger namens Mae Farlan das Examen be­standen. Es dürfte dies der erste Neger fein, der auf einem dänischen Seminar die Berechtigung er­wirbt, als Erzieher tätig zu sein.

* Eine Frauenjury. In dem Städtchen Hahns Peak im amerikanischen Staat Colorado ist es, soviel man weiß, zum ersten Male überhaupt ge­schehen, daß eine Geschworenenjury ausschließlich aus Frauen gebildet wurde. Der Ort ist nämlich jüngst durch ein Feuer fast vollständig zerstört worden. Als nun der Richter eine Jury bilden sollte, die über die geistige Gesundheit einer Frau zu befinden hatte, da stellte es sich heraus, daß er in der Stadt nicht genug Männer fand, um die sechs erforderlichen Geschworenen auszuwählen. Kurz entschlossen bildete er die Jury aus 6 Frauen, unter denen zwei verheiratet waren. Die Jury trat ordnungsgemäß zusammen und gab ihren Spruch ab.

Literarisches.

Die öftere heilige Kommunion. Ein Wort der Be- lehmng und Aufmunterung an das kathol. Volk. Von Dr. Ferdin. R ü e g g, Bischof von St. Gal­len. Broschiert 30 Pfg Bei Bezug von großem Partien entsprechende Preisermäßigung, ©up siedeln, Waldshut, Köln a. Rh., Verlagsanstalt Benziger u. Co., A.-G.

Seines tiefen, zum religiös-praktischen Leben an« leitenden Inhaltes wegen verdient dieses Broschürchen wohl Gmeingut des kath. Volkes zu werden. „Das Büchlein", heißt es ferner im Briefe eines hohen kirch­lichen Würdenträgers, „ist zur Belehrung und Auf­munterung des kathol. Volkes geschrieben, es wird aber auch dem Klerus ein Wegweiser in der so überaus wichtigen Frage fein."

Praktischer Leitfaden für die Anzucht und Pflege der Kakteen und Phyllokakteen von W. O. Rother. Zweite umgearbeitete Auflage. Mil 88 Ab« blldungen im Text. Frankfurt a. O., Verlag von Trowitzsch & Sohn. In Leinen gebunden Mk. 3,—.

Dieser vom rein praktischen Standpunkt bear­beitete Leitfaden des „Kc.'leenvaters" Rother, eines bekannten Mitarbeiters des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau, ist gleich bei seinem ersten Erscheinen von der Fachprefle als bahn­brechend für die Kakteenzucht bezeichnet worden. Das Buch verfolgt einen doppelten Zweck: einmal der Kakteen freunde mit gutem Rat in der Pflege dieser nicht immer leicht zu behandelnden Gewächse zu unterstützen. Das aber dürste der vorliegenden zweiten, gänzlich umgearbeiteten Auflage in erhöh­tem Maße gelingen. Das gut ausgestattete, mit vielen vortrefflichen Abbildungen geschmückte, die Kakteenzucht im weitesten Umfange behandelnde Werk fei unseren Lesern aufs beste empfohlen.

* Die Krankenversicherung «ach de« Beschlüsse« der Reichsversicherungs- kommisiion.

in.

Träger der Krankenversicherung.

Der Entwurf sieht vier Arten der reichsgesetzlichen Krankenversichemng vor: Orts-, Land- Betriebs- und Jnnungskrankenkaflen. Die lanbesgefetzlichen knapp, schastlichen Kassen werden davon nicht berührt , Tober ist es geblieben. Orts- und Landkrankenkaffen aber sol­len nach dem Kommissionsbeschluß in der Regel mner- halb des Bezicks und nicht für den Bezirk emes Ver­sicherungsamtes errichtet werden, um eine Abgrenzung des Kaffenbezirks in für die Mitglieder zweckmäßiger Weise zu ermöglichen. In dem § 237, Welcher heißt: „Die Landesregierung kann für das Gebiet ober für Gebietstelle des Bundesstaates beftimmen, daß keine Landkrankenkassen neben den allgemeinen Ortskranken­kassen errichtet werden", setzte die Kommission an Stelle des Wortes Landesregierung „Landesgesetzgeb­ung" und strich die Worte „ober für Gebietsteile"; sie nahm des ferneren folgenden § 245a an: „Die in der Gärtnerei Beschäftigten, sofern es sich nicht um landwirtschaftliche Nebenbetriebe handelt, find Mit­glieder der allgemeinen Ortskrankenkasse". Im Absatz 2 des § 249, der den besonderen Ortskrankenkassen das Recht geben wollte, „abweichend von § 194 andere und höhere, bisher zulässige Leistungen beizubehalten, als $ 193 zuläßt, wenn sie ihre Ausgaben decken, ohne die gesetzlichen Höchstbeiträge zu überschreiten", wur­den die Worte „abweichend von § 194" gestrichen.

Die Voraussetzungen für die Zulassung befonberer Ortskrankenkassen finb hn § 250 bet Vorlage festgelegt. Zu diesen Voraussetzungen gehört auch die Zahl von 500 Mitgliedern. Die Kommission nahm diesen Para­graphen an; sie strich aber folgenden § 251: „Die oberste Verwaltungsbehörde kann die erforberliche Min­destzahl von Mitgliedern bis auf dreitausend erhöhen. Wenn der Bezirk des Versicherungsamtes über 200 000 Einwohner zählt, kann sie die Mindestzahl bis auf fünftausend, und wenn er über 500 000 Einwohner zählt, bis auf zehntausend erhöhen." Eine weitere Voraussetzung für die Zulassung von besonderen Orts­krankenkassen ist, daß ihr Fortbestehen die allgemeine Orts- und Landkrankenkaffe des Bezirks nicht beein- iträchtigt. Dies ist dann der Fall, wenn die Zahl der 'Mitglieder, die ihr bei Zulassung besonderer Ortskran­kenkassen verbleiben würden, nicht mindestens tausend oder die von der ober st en Verwal­tungsbehörde festgesetzte höhere Zabl erreicht.

Die gesperrt gedruckten Worte wurden von der Kommission gestrichen und an Stelle der 1000 wurden 500 gefetzt.

। Wie aus dem Dargelegten hervorgeht, war die s Kommissionsmehrheit, zu der auch ein großer Teil der Zentrumsmitglieder gehört, nicht für die in der Regierungsvorlage vorgesehene Zentralisation der Krankenkassen. Man hielt kleinere Kaffen für besser. Das zeigte sich auch bei der Beratung der Betriebs- krankenkaffen. Solche können bisher gegründet werben, wenn sie 50 Mitglieber zählen. Die Vorlage will auch die bestehenden Betriebskasten beseitigen, wenn sie we­niger wie 100 Mitglieder haben. Dem wurde zuge- iftinrmt. Eine erhebliche Minderheit der Kommission ! (Nationalliberale, Konservative und Freckonseroative) ioollte alle bestehenden Betriebskassen erhalten und jauch die Neverrichtimg von Betriebskassen in Zukunft jbei 50 Versicherten zulassen, während für letztere die j Vorlage 500 vorsieht, welche Zahl aber von der ober­sten Verwaltungsbehörde auf 250 sollte ermäßigt wer­den können. Sozialdemokraten und Freisinnige ver­langten vollständige Beseitigung der Betriebskaffen, mindestens aber bei Neuerrichtung einer solchen 1000 Mitglieder. Ein Abgeordneter des Zentrums aus der Arbeiterschaft regte an, jegliche Zahl für die Gründung und das Bestehen von Betriebskassen zu vermeiden, ,diese aber von der Zustimmung bet Versicherten ab­hängig zu machen, die jetzt vor her Gründung von dem 'Unternehmer nur gehört zu werben brauchen. Und »mehr wie letzteres will arich nicht die Vorlage. Je- i doch war über die Frage der Vetriebskassen die Mei­nung im Zentrum geteilt Es einigte sich aber schließ­lich auf den Antrag, die Neuerrichtung von Betriebs­kassen (aber nur in diesem Falle) von der Zustimmung der Arbeiter abhängig zu machen, dazu für die Neu-

ertichtung gewerblicher die Zahl von 20 als Minbeft- zahl vorzuschreiben. Dieser Antrag fand mit Hisse der Freisinnigen, Sozialdemokraten und der Polen An­nahme

Bei der Abstimmung über den gesamten Paragra­phen aber stimmten schließlich nur noch bas Zentrum und der Pole dafür, so daß betreffs Neuerrichtung von Betriebskaffen eine Lücke entstand, welche auszufüllen jedoch der Wille der Kommissionsmehrheit ist. Eine allgemeine Orts- ober Landkrankenkaffe, die für Be­zirksteile eines Versicherungsamtes errichtet ist, soll nach der Regittilngsvorlage (§ 280) unter bestimmten Voraussetzungen geschlossen werden können. Voraus­setzung sollte sein, wenn ihr Mitgliederstand nicht nur vorübergehend unter 500 ssnkt und keine Vereinigung nach § 278 zustande kommt. Dies lehnte die Kom­missionsmehrheit ab.

Ausland.

* An der bulgarisch-türkischen Grenze scheint die Bandenbildung, dieser ewige Konfliktsstoff am Balkan, wieder einen gefährlichen Um­fang anzunehmen. Der türkische Kabinettsrat beschloß bedeutende Verstärkungen an die bul­garische Grenze zu entsenden. Gleichzeitig wurden neue große Bestellungen an Geschütz und an Munition bei Krupp und Armstrong gemacht mit der Bedingung, daß die Lieferung spätestens Ende Oktober erfolgt

* Die Entwaffnung der mazedonischen Bul­garen droht die in letzter Zeit sehr gebefferten bu'garisch-türkischen Beziehungen zu gefährden. Die bulgarische Regierung beauftragte ihren Ge­sandten in Konstantinopel, in freundschaftlicher Weise die Aufmerksamkeit der Pforte auf die Gefahren zu lenken, die durch das Vorgehen bei der Entwaffnung geschaffen werden. Der türki­schen Regierung stehe es frei, alle Maßnahmen im Interesse des Landes zu treffen, doch sollte ihre Anwendung nicht Gewalttätigkeiten im Ge- folge haben, durch welche die Bevölkerung in die Berge oder über die Grenze getrieben und in Bulgarien große Aufregung hervorgerufen werde.

volkswirtschaftliches und Soziales.

] [ Sozialdemokratische Gewaltherrschaft. Durch die gesamte sozialdemokratische Presse geht eine gleichlau­tende Notiz, worin nach einigen hämischen, der Wahr­heit direkt widersprechenden Angaben über den christ­lichen Staats-, Gemeinde-, Veckehrs-, Hilfs- ec. Ar­beitern erbanb biefem Verband der Vorwurf gemacht wird, er fordere Streikbrecher auf, nach der Schweiz zu gehen, um eine Aktion der sozialdemo­kratischen Brauer dortselbst unwirksam zu machen. Wie berhält sich nun die Sache in Wirklichkeit? Im Schweizer Braugewerbe ist zwischen den Brauereibe- sitzern und den sozialdemokratischen Braue re iar- b eitern ein Kamps ausgebrochen, der von letzteren in der frivolsten Weise heraufbeschworen worden ist. Nm die christliche Brauerorganisation der Schweiz ka- put zu machen, hatte man seitens der „Genossen" den Brauereibesttzern einen Tarifentrourf eingereicht, der felgende Ungeheuerlichkeit enthielt:

§ SO. Sämtliche in den dem Verbände Schweize­rsicher Brauereien angeschtossenen Betrieben beschäftig­ten Arbeiter müssen Mitglieder des (sozialdemokrati­schen) Verbandes der Lebens- und Genußmittelarbeiter sein. Die Einstellung der Arbeiter erfolgt durch Vermittlung des Arbeitsnachweises des letzteren.

Die Brauereibefitzer gingen natürlich auf dieses unsittliche Ansinnen, dessen Verwirklichung die Brot- losmachung aller nicht sozialdetnokratifch denkenden Arbeiter bedeutet hätte, nicht ein, und erklärten kor­rekter Weise, erst bann in Unterhandlungen eintreten zu wollen, wenn ber Terrorismusparagraph zurückge­zogen wird. Dies aber tat die rote Brauerorgani­sation nicht. Sie nahm lediglich hn Wortlaut eine kleine Aenderung vor, die aber Tendenz und Wirkung des Paragraphen ungeschwächt ließ. Ms nun in die­ser Situation ber Kampf ausbrach, wandte sich ber christlich soziale Gewerkschaftsbund der Schweiz um Hisse an seine Bruderorganisationen, darunter auch an den vorerwähnten Verband. Dieser hielt es für seine Pflicht, den bedrängten christlichen Arbeitern ber

Schweiz betzustehen und forderte die chrsstlichen Brauer auf, falls sie Willens seien, nach der Schweiz zu gehen und dort Arbeit zu nehmen. Diese Maßnahme, die vom Arbeitersiandpunkt, vom Standpunkte der Ver­nunft und Moral aus betrachtet, durchaus einwand­frei ist, wird von den „Genossen" zum Anlaß einer wüsten Hetze gemacht. Es ist jedoch sehr bezeichnend, daß in ber betreffenden Notiz jeder Hinweis auf die wahren Ursachen des Streikes fehlt, und daß man in völlig einseitiger Weise die „Genossen" als die Ver­folgten hinstellt. Die gesamte Oeffentlichkeit in der Schweiz weiß es anders. Massenhaft ist dort die Mit- gliederfluckt aus den roten Organisationen. In allen Kreisen ohne Ausnahme herrscht Ekel und Abscheu über den Terrorismus der Sozialdemokraten. Allent­halben sind die Sympathien auf Seiten ber christlichen Arbeiter, die um ihre Existenz unb Gleichberechtigung kämpfen, gegenüber der brutalen Unterbrückungssucht her Schweizer Genoffen. Der gesamten christlichen Arbeiterschaft Deutschlands aber möge dieser Vorgang eine Mahnung zur Wachsamkeit sein, denn auch hier sind Bestrebungen im Gange, die daraus hinauslaufen, bei Abschluß von Tarifverträgen die christlich gesinnten und christlich organisierten Arbeiter völlig auszuschal­ten unb brotlos zu machen.

Aus dem Nachbargebiete.

* Wabern, 26. Juli 1910. Gestern kam die etwa 1700 Morgen haltende Sondheimer Feld» und Waldjagd zur öffentlichen Verpachtung. Es hatten sich dazu eine größere Anzahl interessier­ter Herren eingefunden. Das Höchstgebot mit 505 Mk. hatte Herr Apotheker Exter-Homberg, dem auch alsbald der Zuschlag erteilt wurse. Der bis­herige Pachtpreis betrug nut 285 Mark.

* Hann. Münden, 26. Juli 1910. Eine Kanonenkugel, sechs Pfund schwer, die aus der Belagerung Mündens durch Tilly stammen soll, wurde beim Abbruch eines alten Hauses in der Burgstraße gefunden.

* Jena, 25. Juli 1910. Polizeiliche Brot- re v i s i o n e n haben für einige hiesige Bäckermeister ein fatales Ergebnis gezeigt. Es wurde festgestellt, daß in mehreren Fällen das angebliche Gewicht aar nicht zutreffend, das Manko zumteil sogar er­heblicher Art war.

* Kostheim bei Mainz, 25. Juli 1910. Der Ge­meinderat hat unter zahlreichen Bewerbern, darunter Personen, die das Finanzexamen gemacht haben, den ortsansässigen Kaufmann Joseph Marschall mm Gemeindeeinnehmer gewählt. Der Kreisaus­schuß des Kreises Mainz hat dem Gewählten nun die Genehmigung versagt.

vermischtes.

* Graf Zeppelin wird, wie auf Anfrage in Friedrichshafen die Zeppelin - Luftschiffahrt - Gesell- tchast mitteilt, mit feinem Luftschiff in der letzten anstwoche zum Besuch Kaiser Franz Josefs in l eintreffen.

* Die er rief, die Geister, wird er nun nicht los. Der Leiter des hygienischen Instituts in der eng­lischen Stadt Middlesborough, Mattison, hält die Fliegen für die gefährlichsten Infektionsträger und hatte im Interesse der Gesundheitspflege öffent­lich bekannt gemacht, daß er für je 50 Stubenfliegen ober ein Dutzend Schmeißfliegen, die ihm überbracht würden, einen Penny Belohnung zahlen wolle. Die Kinder der Stadt und auch manche Erwachsene legten sich nun mit einem solchen Eifer auf den Fliegenfang, daß der gute Mattinson nicht nur in 14 Tagen 200 Mark an Prämien auszuzahlen hatte, sondern daß auch das gesamte Personal des Instituts mit der Abnahme der Fliegen-Lieferungen beschäftigt war. In feiner Not flehte der Hygieni­ker und Menschenfreund die Blätter an, sofort mit» zuteilen, daß er feine Zusicherung auf Fliegen­prämien zurückgezogen habe; ganz allmählich ebbte jedoch erst der Strom der prämiensüchtigen Fliegen- täuger ab.

* Ein bestialisches Verbrechen beging in Nen- kann in Oberschwaben ein mit Waldarbeiten be­schäftigter Spitalpfründner. Er schlug einen Spital- genoflen, mit dem er in Streit geriet, nieder und warf ihn dann in eine tiefe Waldgrube. Nach weh»

Reklamen- und Anzeigenteil.

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NESTLE

Altbewährte Nahrund fürKinder und Kranke

Kleines Feuilleton.

± Eine Ausstellung postgefchichtlicher Gegenstände. Der vom Monat Mai bis September laufenden Jahres in Regensburg währenden Oberpfälzi- schen Kreisausstellung ist im Fürstensaale des Regensburger Rathauses auch eine hochinteres­sante Thurn und Taxische Sonderausstellung an- gegliedert. Eine reiche Sammlung höchst wertvoller Dokumente unb post- und kulturgeschichtlich wichtiger Gegenstände führen dem Besucher in chronologischer Reihenfolge die Entstehung, den Betrieb und die Aufhebung des fast durch vier Jahrhunderte de- standenen Tburn und Taxischen Boten- und Post- wesens vor Augen. (Vgl. unfern Artikel in Nr. 69 ds. Bl.) Nächst dem Fürsten Albert v. Thurn und Taxis, der die bedeutenden Bestände seines Archives zu diesem Zweck erschlossen hat, ist die genannte Ausstellung dem Fürstl. Archivrat Dr. Joseph Rübsam in Regensburg, dessen fach­kundige Hand die Anordnung leitete, zu danken. Der durch feine eindringenden Forschungen unb grundlegenden monographischen Arbeiten auf dem Gebiete des Postwesens rühmlichst bekannte Gelehrte ist bekanntlich ein geborener Fuldaer.

— Die deutschen Katholiken mtb das Heilige Land. Die Liebe zu den heiligen Stätten ber Erlösung, die einft die christlichen Völker Europas in ihren Tiefen bewegt, ist fest etwa einem halben Jahrhundert mit ungewohnter Macht wieder heworgebrochen. Was gegenwärtig gerade von Deutschland aus für bas Hei- hge Land geschieht durch Vereine und Spenden, durch Pilgerfahrten unb Gründungen, Dichtungen und Reife­erzählungen, Ausgrabungen und gelehrte Schriften ist wie em Neuaufleben alten Christensinnes, ein trost­reicher Zug im religiösen Leben der Gegenwart In origineller Weise hat soeben ein bekannter Volks- schriststeller P. M. Meschler diese erfteuliche Erschei­nung gefeiert im Juliheft ber „Stimmen aus Maria- Laach" (Freiburg, Herder, jährlich 10 Hefte, Preis für den Jahrgang 12 Mark). Er konnte dabei nicht

umgehen, auch mf die ferne Vergangenheit wie auf die verschiedenen Etappen ber Neuentwicklung einen Rückblick zu werfen. Den Tiefftand ber Verlassenheit für das Heilige Grab bezeichnet das Jahr 1808, da über der durch Brand verwüsteten Grabeskirche die Kuppel zusammenftürzte, das äußere Wahrzeichen eines Umschwunges bildet der Pariser Friede 1856, welcher den Christen im Orient freie Religionsübung und ben Mächten bes Abendlandes bas Schutzrecht über die Anstalten ihrer Nation auf dem Boden Palästinas sicherte. Doch war dies nur ein äußeres Zeichen, das rächt neues Leben brachte, sondern das bereits erwachte Leben ficherstellte. Die Errichtung des anglopreußi- schen protestantischen Bistums von Jerusalem 1841 tnar freilich eine Totgeburt, die Errichtung des latei­nischen Patriarchats von Jerusalem 1847 durch Pius iQ9ob0ter^ nur eine schöne Hoffnung. Aber schon 1838 war dem Heiligen Lande ein Herold erstanden, en«n stimme allüberall im katholischen Deutschland gegart wurde tnb dessen mächtige Posaunenstöße nicht vefftummtm, bes nach zwei Jahrzehnten andere die r'jac^5tÜ&er^met’- Es waren „die braven Hi- storffchpol.tffchen Blatter", die von ihren Anfängen an

Feuemfer und ohne zu ermüden für die Sache des Heftigen Landes wirkten. Nach neffchiedenen Rich- stingen hat dieser geistige Anstoß sich wetter verpflanzt Kaffer Ferdmand I. von Ocherreich rief 1843 bas durch Joseph II. unterdrückte Generalkommissariat für das Heilige Land aufs neue ins Leben, ber St Se­verin-Verein in Wien wurde begründet, 1855 wurde zum Oesterreichifchen Pilgerhofpiz bet Grundstein ge­legt und noch im gleichen Jahre begannen die regel­mäßigen Pilgerfahrten. Es war der Anfang der un­gezählten Wohltaten, die von Oesterreich her nach dem Hchjgen Lande flössen. Jenes selbe Jahr 1855 hatte Alphons Maria Ratisbonne nach Jerusalem geführt, der daselbst 1856 mit dem Bau des Ecce-Homo- Klosters begann; er fand für diese unb andere seiner segensreichen Stiftungen dauernde und treue Unter­stützung in München, der Hauptstadt des katholischen Bayern. In dieses denkwürdige Jahr 1855 fällt end­lich auch die Errichtung des „Vereins vom Heiligen Grad" in Köln, der schon bald der befonbem Ermuti­

gung burch ben Papst sich zu erfreuen hatte und rasch eine größere Bedeutung gewann. Er hat in den wei­testen katholischen Kreisen Deutschlands erst das Be­wußtsein geweckt und immer wieder wach erhalten, daß es jeden Christen Pflicht, für das Heil. Land und die Erhaltung der Heiligtümer daselbst etwas beizutra- gen. Von diesem Verein ging feit dem ersten Kölner Katholikentag 1858 die Aufgabe des Werbens auf die Generalversammlungen der Katholiken Deuffchlands über, und damit war ein großer Schritt vorwärts ge­schehen. Die Frucht zeigte sich in der Gründung des „Palästtnavereins der deutschen Katholcken" in Aachen 1885, und mit der Verschmelzung der beiden Vereine 1895 war die Vorstufe geschaffen für die neuen Ver­hältnisse, wie die Schenkung des deutschen Kaisers an die Katholiken und die Erbauung der Kirche und des Klosters von Mariä-Heimgang zu Jerusalem sie her- beigefühtt haben. Seitdem wacht der „Deutsche Ver­ein vom heiligen Lande" über die Interessen wie über die Almosen bet deutschen Katholiken und macht sich zum Vollzieher ihrer frommen Wünsche und Absichten für die Ehrung des Heiligen Grabes. Schön schreiben dazu die „Stimmen aus Maria-Laach": „Die Schlacht­felder Palästinas sind betaut vom Blute unserer Vä­ter. Wir machen den Blutpreis, den unsere Väter er­legt, gegenwärtig für den Besitz des Heiligen Landes nicht geltend vor dem Senate der Weltbeherrscher.'Da sind leider ganz andere Maße und Gewichte entschei­dend. Wir wollen das Gelobte Land nicht mit be­waffneter Hand erobern und der Hohen Pforte entrei­ßen. Diese Zeiten sind nicht mehr. Wir beabsichtigen nut friedliche und moralische Erwerbungen. Wir wol­len eintreten in den Wettbewerb der christlichen Ra­tionen um den heiligen Boden durch unsere Arbeit und unsere Opfer unb unser Gebet Der Anfang ber ftted- lichen Eroberung ist gemacht. Wir sind ja im Heiligen Lanb bereits zu Haufe und nicht mehr fremd. Wir haben da unsere Anstalten, unsere Gründungen, unser geliebtes Heiligtum. Das Heilige Land ist ein Stück deutscher Erde geworden, dank der langen Arbeit un­seres Vereins, dank der Opferwilligkeit des deutschen Volkes, dank dem ritterlichen Hochsinn unseres Kai­sers." eh’

— Atemübungen und ihr Zweck. Ebenso wir man einzelne Glieder durch Massage einer besonderen Pflege und Kräftigung unterwerfen fann, so kann es auch wünschenswett sein, einen ähnlichen Einfluß auf innere Organe auszuüben, die einer unmittelbaren Be­handlung nicht zugänglich sind. Für die Lunge hat man zu diesem Zweck die fogenannte Atemgymnastik erfunden. Dr. Michalsky tadelt in ber Zeitschrift für physikalische und diätetische Therapie an der bis­herigen Art dieser Hebungen, daß sie entweder nicht sachgemäß angeordnet und ausgefühtt werden oder daß sie zu schwer zu befolgen sind, so daß ein Kranker sie nicht ohne persönliche Anweisung eines Lehrmeisters gebrauchen fann. Dr. Michalsky beschreibt daher acht verschiedene Atemübungen, die einfach genug sind, um sogar von Kindern begriffen zu werben, und auch zu jeder Zett und an jedem Ott ohne Zuhilfenahme eines Apparates vorgenommen werden können. Dabei hat er vor allem darauf Bedacht genommen, daß durch die Hebungen jeder Teil ber Lunge in Tätigkeit gebracht wird. Als die beste Zeit für Atemgymnastik bezeichnet er die Zeiten stütz morgens, mittags vor dem Essen und abends vor dem Zubettgehen. Der Zweck der Atemgymnastik richttte sich zunächst daraus, die so weit Derbrdtete Mundatmung gewohnheitsmäßig bmch die richtige Nasenatmung zu ersehen. Zweitens soll die Lunge angemessen beschäftigt werden, weil sie sonst durch mangelhafte Tätigkeit in ihrem Gesundheitszu­stand leidet. Außerdem können die Atemübungen sttbstverständlich einen besonderen Nutzen bei Krank­heiten haben, zunächst bei Lungenschwindsucht, wo sie als ein sehr wirksamer Teil ihrer Behandlung erscheint. Ebenso sollten sie bei nervösem Asthma erprobt wer­den. Ihr Hmfttwett liegt aber wahrscheinlich noch bann, daß burch bie Hebung der Lunge gewissen Er- franfungen vorgebeugt wirb. Es wäre daher gewiß zu empfehlen, baß die Vornahme von Atemübungen in Erholungsstätten und Sanatorien gelehrt werbe.

— Berschuappt. „Also, Sie haben in letzter Zeit zur Aushilfe bei einem Juwelier gearbeitet? Was haben Sie denn da bekommen?" — Sechs Wo­chen."