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scheint täglich mit ^urnahme ber Sonn- inb gtierlagt. viertel­jährlicher Veznorvre» »hne Btingerlohu und VrsteLgeld in Fulda i»- »ie anrwärtr 150 M.

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Wochmd-Ikage: „Illustrierte Sonlltagrzeitung"

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Erstes Blatt.

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Deutsches Reich.

£ Berlin, 20. Juli 1910. Der Kaiser hörte vor Drontheim auf der „Hohenzollern" einen Vor­trag des Obersten Dickhulh, über die Königin Luise. Heute vormittag nahm der Kaiser Vorträge ent­legen und hat mit den Herren der Umgebung den Dom besichtigt. Am 6. August findet die Besichti­gung der Königs-Ulanen statt, anschließend Früh- stückslafel im Ösfizierkasino und darauf die Abreise nach Wilhelmshöhe, wo die Ankunft gegen Abend erfolgt. Seit 16 Tagen ist heute das erste Mal trübes Wetter. — Dem katholischen Feldprobst der Armee Titularbischos von Pergamon Dr. Vollmar und dem evangelischen Feldprobst der Armee Wülfing ist der Rang al8 Rat erster Klasse verliehen worden.

* Fürst Bülow traf am Mittwoch vormittag wohlbehalten in Norderney ein. Der Fürst hatte jeden Empfang abgelehnt und auf seinen telephonisch geäußerten Wunsch wurden auch die Fürstenzimmer, die für ihn bereits erleuchtet worden waren, wieder geschlossen. Wie erst nachträglich bekannt wird, empfing der Fürst in Berlin die Reichstagsabgeordneten Dr. Arendt (Reichspartei) und Dr. Wiemer (fortschr. Volksp.) zu längeren Unterredungen.

Neuer Kurs im Kolonialamt? Der.Deutsch. Tagesztg/ wird geschrieben:

„Das Regime Lindequist im Kolonialamt beginnt in seinen von den Dernburg'schen abweichenden Zügen allmählich hervorzutreten. So scheinen die besten Tage der Land- und Bergbau-Gesellschaften in Südwest vor­über ,u sein. Die Auseinandersetzung mit der „South- West-Äfrika-Territories« ist z. B , wie wir hören, be­reits im Gange und wird vermutlich demnächst zu Feststellungslkagen über den Umfang der beidersettigen Rechte führen. Ebenso darf man nach gewissen An­zeichen annehmen, daß das Kolonialamt nunmehr auch den Umfang der Rechtssphäre der deutschen Kolonial­gesellschaft wenigstens in einigen Punkten für revisions- sähig hält. Schließlich hat der gesunde Grundgedanke der bekannten Erzberger'schen Vorschläge, daß die Auf­wendungen des Reiches während der Kriegszeit diesem besondere moralische Ansprüche gegen die südwest­afrikanischen Gesellschaften gegeben haben, und daß solche Ansprüche in lohnendem Umfange auch auf dem Wege der Sonderbesteuerung geltend gemacht werden können, neuerdings auch im Kolonialamt mehr Freunde als bisher. In den Personalfragen wird nach wie vor verhandelt, ohne daß man damit bisher viel weiter gekommen wäre." _

)( Das Wichtigste vergessen! Das Pro­gramm des diesjährigen sozialdemokratischen Parteitages, der am 18. September im Luisen- park in Magdeburg zusammentritt, wird jetzt vom .Vorwärts' veröffentlicht. Als vorläufige Tages­ordnung ist festgesetzt: 1) Geschäftsbericht des Partei- vorslandes. Berichterstatter: W. Psannkuch, A. Gerisch. 2) Bericht der Kontrolleure. Berichterstatter: Kaden. 3) Parlamentarischer Bericht. Berichter­statter: G. Roske. 4) Wahlrechtsfrage. Bericht- erstalter: M. Borgmann. 5) Reichsversicherungs­ordnung. Berichterstatter: H. Molkenbuhr. 6) Genoffenfchaftsfrage. Berichterstatter: H. Fleißner. 7) Maifeier. Berichterstatter: H. Müller. 8) Inter­nationaler Kongreß in Kopenhagen. Berichterstatter: B. Singer. Außerdem Anträge und Wahlen. — Da fehlt doch die Hauptsache: Tie Hinrichtung der badischen Bndgetbewilliger. Oder soll es diesmal wider Erwarten ruhig abgehen, weil der Radikalis­mus einsicht, daß er doch nichts ausrichten kann? Das glauben wir nicht, wir machen uns auf eine wüste Schlacht gefaßt.

[] Tie rrichsländische Verfassungsfrage. Die „Straßburger Neue Zeitung" will in der Lage sein, die wichtigsten Bestimnmngen des neuen Verfassungs­entwurfs für Elsaß-Lothringcn mitt eilen zu können. ■Sie gibt an, daß Staatssekretär Delbrück vor Antritt seines achtwöchigen Urlaubs über diese Frage sich vertraulich und unverbindlich mit den Ministem der größeren Einzelstaaten ins Benehmen gesetzt und mit verschiedenen Abgeordneten der größeren bürgerlichen Parteien Fühlung genommen habe.

Nach den Angaben der genannten Zeitung wird die staalliche Gteichberechtignng Elsaß - Lothringens nicht gefordert. Es soll tatsächlich Reichsland bleiben. Infolgedessen wird keine stimmberechtigte Bertrelung im Bundesrat gefordert. Die zum Bundesrat ent­sandten Kommissare sollen, wie bisher, konsultative Stimmen enthalten, aber in Sachen der eigentlichen LandeSgesehgebung endgillig mitsiimmen dürfen. An der Stellung des Kaisers soll, wie auch anderweit ge­meldet wird, nichts geändert werden. Der Wahl- rechtsentwmf enthält nichts von einem Proporz. Auch ist das Reichstagswahlrecht nicht zugrunde gelegt. Es wird das allgemeine, geheime und direkte Wahlrecht gefordert, zwar ohne Pluralstimmen für Bildung und Besitz, aber mit Altersmehrstimmen. Die über 35 Jahre alten Wähler sollen zwei Stimmen erhalten. Vom 45. Lebensjahre ab erhält jeder Wähler noch eine weitere Stimme. Zur Begründung wurde den Abgeordneten gegenüber ausgeführt, daß damit alle Klassen der Bevölkerung und alle Parteien gleite Wahlvorteile für ihre älteren Mitglieder erhalten. Im einzelnen lehnt sich der Wahlrechtsentwurf an die Be­stimmungen des elsaß-lothringischen Gemeindewahl- rechts an. Voraussetzung des Wahlrechts ist also nur ein dreijähriger Wohnsitz im Lande.

Ob die Meldung zutrifst, wissen wir nicht. Mit Delbrücks Abreise von Berlin ruht die Verfaffungs- srage vollkommen. Weitere Schütte werden bis zu seiner Rückkehr Anfang September nicht unternommen.

(*) In der Ersatzwahl im Wahlbezirke Oppeln 8, die durch den Tod des Abg. Dr. Hager erforderlich wurde, ist der Zentrums - Kandidat JustMat B itta (Breslau) mü 356 von 357 ab- gegebenen Stimmen gewählt worden. Ein Gegen- kandrdat war nicht aufgestellt.

a * Einberufung eines deutsche« Gastwirte- Kongresses nach Berlm empfahl in Stuttgart Herr Ringel, der Vorsitzende des deutschen Gastwirte- perbandes. Zu diesem Kongresse sollen Vertreter der Regierungen und aller politischer Parteien einge- laden werden, damit einmal in aller Oeffentlichkeit dargetan werden könne, wie es dem deutschen Gast- pirtestand eigentlich gehe. Die 120000 deutschen

Gastwirte leiden, so sagte der Vorsitzende, am schwersten unter den Steuern der vorjährigen Reichsfinanzreform und stellen in keinem Falle den­jenigen Erwerbsstand dar» wie fälschlich angenom­men wird, der noch weitere steuerliche Lasten tragen kann.

— Toleranz im „hellen" Sachsen. Zu diesem Thema schreibt der ,Berg. K/ folgendes: Die ca. 600 Katholiken von Johanngeorgenstadt in Sachsen besitzen keine Kirche, die nächste Kirche ist in dem böhmischen Orte Platten, 7—8 Kilometer entfernt. Sie wandten sich 1907 an den Stadtrat mit der Bitte um Ueberlassung der Schulaula für einen jährlich sechsmaligen Gottesdienst. DerStadt- rat hätte das Gesuch auch berücksichtigt, wenn nicht der Evangelische Bund dazwischen getreten wäre. Er setzte mtt einer kräftigen Hetze ein, insbesondere gegen den toleranten Schuldirektor Hecker. Dieser wurde bei der eben stattfindenden Kirchenvorstands­wahl hinausgewählt. Aber es mußte auch auf den Stadtrat ein Druck ausgeübt werden, da er ver- dächtig war, den Katholiken die jährlich sechsmalige Benutzung der Aula gestatten zu wollen. Eine Protestversammlung wurde abgehalten und die Folge davon war, daß der Stadtrat das Gesuch der Katholiken ab lehnte. Nunmehr wandte sich der katholische Geistliche an den Stadtrat um Ueber­lassung des Ratskellersaales. Auch dieses Gesuch wurde abschlägig beschieden (29. Juli 1908) mit folgender wörtlicher Begründung:

„Da e8 früher bisweilen zu Zwistigkeiten wegen der Hergabe deS Ratskellersaales zu politischen Zwecken kam, so wurde ein für allemal beschlossen, den Rats- kellerfaal zu keinerlei politischen (!) Zwecken herzu­geben."

Also katholischer Gottesdienst ist gleichbedeutend mit politischer Versammlung. Der „unpolitische" Evangelische Bund aber hält seine Versammlungen ungestört im Ratskellersaal ab! Nun wandte sich der katholische Geistliche noch an zwei Wirte und bat um pachtweise Ueberlassung eines Saales, wurde aber auch hier abschlägig beschieden, weil der eine Wirt Mitglied des Evangelischen Bundes war und der andere den Saal nicht hergeben wollte: es würde zu viel Anstoß erregen und er hätte mehr Schaden als Nutzen davon. Und nun vergleiche man nachstehenden Protest des Evangelischen Bundes in Johanngeorgenstadt im ,Nachrichtenblatt und Anzeiger für Johanngeorgenstadt" vom 8. Juni 1910, Nr. 67, mit obigen Tatsachen:

„ . . . Der Evangelische Bund sieht in der unver­antwortlichen Handlungsweise des Oberhauptes der katholischen Kirche besonders eine unendliche Gefahr für die Störung des konfessionellen Friedens in unserem Lande und des stets friedlichen, einmütigen Zusammen­lebens der Glieder beider Konfessionen in unserer Stadt. Er erwartet von den katholischen Mitbürgern in der Stadt, daß auch sie, in gerechter Anerkennung der völligen Duldsamkeit (!\ die sie im Lande wie in der Stadt genießen, mit ihm eins sind in der Verurteilung der unglaublichen Angriffe des Papstes gegen unsere evangelische Konfession."

Ein Kommentar ist überflüssig.

In Samoa sind, wie gemeldet, außer den beiden Kreuzern „Conkwr" und „Cormorau" der Panzerkreuzer „Scharnhorst" und der Kreuzer „Nürn­berg" von der Ostasiatischen Station eingetroffen. Der ,Tag' erfährt dazu an unterrichteter Stelle, daß es sich lediglich um die Ausführung eines schon vor Monaten ergangenen Befehls handelt. Tie letzten über ein Jahr zurückliegenden und damals durch die Verbannung der Hauptschuldigen beende­ten Unruhen lassen es erwünscht erscheinen, an der Küste von Samoa von Zeit zu Zeit die deutsche Flagge durch ein Achtung gebietendes Geschwader zu zeigen, das würde in diesem Jahre bereits früher geschehen sein, wenn nicht erst der Besatzungswechsel auf den betreffenden Schiffen in Tsingtau abzu­warten gewesen wäre. Das übrigens auf Samoa selbst vollkommene Ruhe herrscht, hat der Gouver­neur Dr. Sols noch in allerneuester Zeit ausdrück­lich gemeldet.

** Niederwerfung des Maka-Aufstandes in Kamerun. Major Dominik hat dir rebellischen Maka völlig unterworfen. Eiu Jj-fzgramm der südafrikanischen Kompagnie in Ber.meldet: Der Aufstand in Südkamerun ist bereits er­loschen. Faktoreien wurden nicht ausgeraubl. Die Handelsgeschäfte wurden wieder ausgenommen. Die Maka, die ein ganz unkultivierter Stamm find und noch der Menschenfresserei huldigen, haben also angesichts der Truppen überhaupt keinen Widerstand zu leisten gewagt. Gleich­zeitig galt der Zug des Majors Dominik der Züchtigung der Mörder des deutschen Kaufmanns Brettschneider. Beendigt ist diese Strafexpedition noch nicht.

Ausland.

* Die Erklärungen ClemenceauS im Rochette-Handel haben kein« Erklärung, sondern im Gegenteil neue Verwirrung hervorgerufen. Man erklärt sie erstens für widerspruchsvoll, da der ehemalige Minister- adent erst von nichts in der Sache wissen zu m vorgibt, dann aber von Druckversuchen redete die zugunsten Rochettes sich geltend gemacht hätten

r Die Zahl der streikenden englische« Eisenbahner auf der Nordostbahn betrug am Mittwoch 40000. Der eigentliche Grund der Arbeitsniederlegung soll die tyrannische Behandlung durch einige Oberbeamte sein, die eS verhinderten, daß die Beschwerden der Eisenbahnarbeiter angehört würden. Verkehrs- störungen sind die nächste Folge des Streiks gewesen. Die Geschäftswelt sieht den Streik, der jetzt auch auf die benachbarten Bezirke übergreift, als sehr ernst an. Die Frachten werden vorläufig in Auto- mobilen, Lastwagen von Ort zu Ort gefahren. Bei längeren Entfernungen wird nach Möglichkeit der Wasserweg benutzt. Es heißt, daß auch tn Aorkshire auf der Great Northern Railroad Co. schwere Unruhen im Anzuge sind.

♦ In Spanien treibt der H a ß gegen Rom, der durch den gegenwärtigen Kulturkampf entfesselt ist, sonderbare Blüten. So schlägt der ,Nad!eass eine Ehrung des Abgeordneten Leroux, des Führers der Republikaner, vor. „Tie beste Art, ihn zu ehren, dürste wohl die fein, ihm ein Freudenfeuer zn be­reiten, indem ein mit Mönchen gefülltes Kloster in Flammen gesteckt wird." — Da sieht man, wie „human" und „tolerant" die sozialdemokratischen Republikaner in Spanien sind. Es ist nicht zu verwundern, daß das sozialistische Blatt in Spanien zu solchen brutalen Gedanken kommt; haben wir doch auch während der Herrschaft der Kommune in Frankreich manche Scheußlichkeiten erlebt. Und wenn die „Diktatur des Proletariats" in Spanien einmal eintreten sollte, wird das vom »Radieass empfohlene „Freudenfeuer" wohl nicht ausbleiben, vielmehr sich vielleicht wiederholen. Ter Ministerpräsident Eanalejas kann daraus ersehen, welche brutale Bundesgenossen er in seinem Kampfe gegen Rom hat, ihn würde für eine solche Greueltat wenigstens die moralische Verantwortung treffen. „Die Geister, die ich tief . . ." Aber was werden die deu t s chen sozialdemokratischen Blätter wohl zu dem Vorschläge ihres Bruderorgans ,Radicast sagen?

* Spanien und der Vatikan, Stach einer Mel- düng der Magdeb. Ztg.' ordnete Eanalejas die persönliche Vorladung aller Klosterprime an, die bis zum 1. August nicht die behördliche Genehmigung ihrer Niederlassung nachgeholt haben. Sollten sie nicht erscheinen, so werden ihre Klöster geschlossen werden.

** Die republikanische Partei Portugals bedroht zurzeit die Monarchie in gefährlicher Weife. Der Pariser ,Matin' weiß von den Führern der Republikaner interessante Einzelheiten zu berichten. Die meisten haben ihre republika­nische Propaganda mit schweren Kerkerstrafen ge­büßt, haben aber trotzdem ihre Pläne nicht auf- gegeben. Ihr Beispiel hat im portugiesischen Volke viele Nachahmung gefunden. Seit dem Tode des Königs Carlos hat sich ein weitver­zweigter Geheimbund gebildet, ähnlich den italie­nischen Carbonari. Dieser Bund besteht aus einer großen Zahl von kleinen Gruppen, deren jede nur ganz wenige Mitglieder zählt. An der Spitze der Bewegung steht ein geheimes Komitee. Die Mitglieder des Bundes führen den Namen Primo, was soviel wie Kousin bedeutet; mit diesem Worte begrüßen sie auch dnanber. Dir 5 Ministerien, welche seit der Ermordung König Carlos einander ablösten, haben den Geheimbund mit erbarmungs­loser Strenge verfolgt. Die Organisation ist je­doch so vortrefflich durchgesührt, daß es bisher kaum gelungen ist, 100 Mitglieder des Bundes zu verhaften. Bei solchen Zuständen ist es er­klärlich, daß der junge König Manuel, den ein so trauriges Geschick seiner Familie aus dea Thron rief, bang in die Zukunft blickt.

*, Nachhutgefechte zwischen der Türkei und Griechenland finden immer noch statt. Da die Flotte der Schutzmächte sich auf den griechischen Gewässern entfernt hat, scheint man in Athen wieder mutig geworden zu sein. So demon­strierten in Athen etwa 100 Reservisten vor den Kasernen und forderten Entlassung oder Krieg. Durch das Eingreifen von Offizieren wurde die Ordnung wiederhergestellt.

+ Ermordung eines Deutsche» durch Fellachen. Nach SJlitteilung des offiziösen Telegraphenbüros aus Haiffa soll gestern ein Deutscher aus der dor­tigen Kolonie in dem Fellachendorfe Hreh durch Eingeborene erschossen worden fein. Au die kaiser­liche Botschaft in Konstantinopel sind sofort die er­forderlichen Weisungen ergangen. Danach dürfte die Aufklärung nicht lange auf sich warten lassen.

vo.rswirtfchastliches und Soziales.

— Kaffeezoll und Kaffeeeinst,hr. Durch die Zei­tungen ging dieser Tage eine vom Hansabunde lan- zierte Notiz, in der an der Hand statistischen Materials behauptet wurde, daß infolge der Erhöhung des Zol­les auf Kaffee ein enormer Rückgang des Kaffeeim­ports eingetreten fei. Diese Notiz ließ jedoch, wie der „Deutschen Tagesztg." geschrieben wird, außer Rück­sicht, daß man die Einfuhrzahlen von 1910 nicht ohne weiteres mit denen der Vorjahre vergleichen darf. Im Jahre 1909 trat auf die ersten Gerüchte von einer be­vorstehenden Kaffeezollerhöhung hin eine erhebliche Vermehrung der Einfuhr ein. Diese Versorgung ließ auf der einen Seite die Einfuhrziffern für 1909 un­verhältnismäßig hoch erscheinen, auf der anderen Seite drückte sie auf die Einfuhrziffern für die Zeit nach Inkrafttreten des Gesetzes bis weit in das Jahr 1910 hinein. So erklärt es sich in sehr einfacher Weife, daß die Statistik für die Monate Januar bis einschließ- lich Mai des Jahres 1910 eine Mindereinfuhr nicht nur gegen, das Jahr 1909, das wegen der Voreinfuhr hier ausscheiden kann, sondern auch gegen das an sich zum Vergleich geeignete Jahr 1908 ergibt. Die Min­dereinfuhr entfällt jedoch, was besonders hervor­gehoben zu werden verdient, wesentlich auf die beiden ersten Monate des Kalenderjahres. Vom Marz ab erscheint die Einwirkung der Boreinfuhr von 1909 bereits abzuflauen. Wenigstens wurden an Rohkaffee im April 1910 132 914 gegen 127 687 Dztr. im glei­chen Monat 1908, im Mai 1910: 123 612 gegen 133 371 Dztr. im Jahre 1908, d. h. im Jahre 1910 im Mai nicht erheblich weniger, im April sogar mehr als im entsprechenden Zeitraum des Jahres 1908 ein- geführt. Für eine Beunruhigung des Kaffeehandels bietet somit die statisttsche Lage keinen Anhalt, viel­mehr scheint danach die Wiederkehr normaler Einfnhr- verhältniffe unmittelbar bevorzustehen. Die von dem Hansabunde in sehr durchsichtiger Tendenz verbrei­teten Ziffern sind danach sehr wenia beweiskräftia

Man sollte nachgerade es aufgeben, die Finanzreforn schlecht zu machen, wenn man nichts Besseres voczu bringen weiß.

28. ordentlicher Terbllndstoz des HeUchen Endlicher CeWenichllsten (tingelt. Vereintoi).

§§ Fulda, 21. Juli 1910.

In die alte Bischossstadt hielten gestern die Rai ff- eisenleute aus allen Teilen des Regierimgsvczirls Kassel ihren Einzug, um an den Verhandlungen des 28. Verbandstages teilzunehmen. Ter Besuch des Verbandstages war ein überaus starker; übet 600 Delegierte, die 225 Genossenschaften vertraten, waren angemeldet und bereits zu der geschloffenen Vcr- treterversammlung am heutigen Nachmittag erschienen. Dieser geschlossenen Vertrelcrversammlung ging am Vormittag im „Hotel zum Kurfürsten" eine Verbands- Ausschuß-Sitzung voraus, die gleichfalls sehr zahl­reich besucht roa*1. Die

geschlossene Vertreter-Versammlung

in den Stadtsälen eröffnete nachmittags um 3 Uhr Herr Oekonomierat Rexerodt-Kasset mit Worten der Begrüßung an die außerordentlich zahlreichen Be­sucher aus allen Teilen des Regierungsbezirks. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß trotz des kürzlich in Kassel abgehaltenen Raiffeiseniages für ganz Kaffel der Familientag des hessischen Verbandes so überaus zahlreich besucht wurde, wodurch dolu- mentiert sei, daß die hessischen Raifseiicnleute an ihrem Verbände nach wie vor großes Interesse be­kunden. Man habe für den 28. Verbandstag in der schönen, alten und ehrwürdigen Bischossstadt eine sehr umfangreiche Tagesordnung zusammenge­stellt, die er im Interesse der Raiffeisenorganisation im Regierungsbezirk Kassel glatt und erfolgreich ab­zuwickeln hoffe. Bei Vorlage der Verbands- r e ch n u n g von 1909 wurde betont, daß ein größerer Betrag für die große Wanderausstellung der deutschen Laudwirschasts - Gesellschaft im Jahre 1911 in Kassel zurückgestellt worden sei, da­mit auf unserer großen Ausstellung die hes­sischen Raiffeisen - Vereine gut vertreten sein tonnen. Dem Verbandsvorstande wurde daraufhin einstimmig Entlastung erteilt Dann wurde durch Herrn Oekonomierat Rexerodl-Kassel der Bericht Über den Stand der Zentrale und der An- und Verkauf sgesellschast „Hessenland" er­stattet. Diese Gesellschaft habe sehr gut gearbeitet, der Umsatz an Düngemitteln habe sich erhöht, nur der Absatz von Futtermitteln sei nicht größer ge­worden, was der erfreulich hohen und verhältnis­mäßig guten Fullerernte zu danken sei, die es nicht nötig machte, ausländische Futtermittel eiuzujührcn. Reoner betonte, daß es notwendig sei, den Maschinen- handel noch immer mehr und mehr durch die An- und Verkaufsgesellschaft „Hessenland" zu fördern und dies geschehe dadurch, daß man alle landwirt­schaftlichen Maschinen durch die Gesellschaft beziehe, dann könne die Gesellschaft auch noch billiger liefern als wie jetzt. Es schloß sich an diesen Bericht eine sehr eingehende Aussprache, in der hervorgehoben werden konnte, daß auch die Kornhäuser eine sehr gute Entwicklung durchgemacht haben; nach Möglich­keit soll den Landwirten entgegengekommen und auch das schlechtere Getreide ihnen abgenommen werden. Die Hauptsache sei und müsse bleiben, daß die Maschinenlieferungen noch viel mehr als wie bisher durch die Raiffeisenvereine und weiter durch die An- und Verkaufsgenossenschaft „Hessen­land" erfolgen; bis jetzt sei es dadurch möglich ge­wesen, die Dreschmaschinen um über 100 Mk. billiger als wie früher durch den Handel zu liefern, ebenso sei auch der Preis für Binder nach dem Zeit­punkte, wo Raiffeisen sich mit der Maschinenliefe­rung befaßte, um rund 100 Mark beim Handel zurückgegangen. Es könnte natürlich noch beffer werden, wenn die Mitglieder bei allen Maschinenlieserunge» treuer an die An- und Ver- kaufsgenoffenschast „Hessenland' denken würden. Herr Lehrer Leo Jestädt-Rückers bei Flieden hielt einen interessanten und instruktiven Vortrag über die Frage: „Wodurch erhalten wir den Raifseisenverein liquid? Redner meinte, daß es für die einzelnen Raiffeisenvereine wichtiger sei, einen guten Kredit auf Kassen ihrer an die Zentral­kassen abgeführten Mittel und ihrer Reserven zu haben, als wenn sie etwa selbst das bare Geld für sich zur Verfügung hätten, indem sie es überflüssiger Weise sesthiellen und dadurch einen flüssigen, liqui­den Geldstand verhinderten. Das wichtigste sei es aber, daß die einzelnen Raiffeisenvereine zuerst sehr sicher und gut geleitet werden, daß es nicht an der Kontrolle der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglie­der fehle, damit keinerlei Mittel unnötig in einem Vereine festgehalten werden, die der Allgemeinheit dienstbar gemacht werden könnten. Die Spar- und Darlehnskaffenvereine müssen alles aufwenden, um die Spargelder-Anleger durch einen Zinsfuß anzu­ziehen, den man als gefunden und richtigen be­zeichnen könnte, man müßte jedoch den größten Wert immer daraus legen, diese Gelder an die Zentralkaffe abzuführen, um nicht in die Versuchung zu kommen, leichtfertigen Kredit auf Hypotheken und bergt zu bewilligen, wodurch sehr oft, auch gutgeleitete Raiffeisenvereine sich festgelegt haben und bei den Zentralkaffen Darlehen aufnehmen mußten. Nachdem Redner nochmals betont hatte, welche Wichtigkeit auf gute Revisionen durch Vor­stand, Rechner und Aufsichtsrat notwendig fei, um die Raiffeisenvereine liquid zu erhalten, schloß er unter lebhaftem Beifall der Versammlung.

Herr Landgerichtsrat Klingenbiel-Marburg berichtete sodann über den heutigen Stand der Landdank. Bereits im vorigen Jahre, gelegent­lich des Verbandstages in Marburg, war die Grün­dung einer Landbank zur Bekämpfung des Güter« Wuchers angeregt worden, allein, da man glaubte, ohne ein Kapital von 2000000 Mark nicht aus­kommen zu können, so wollte man mindestens 500000 Mark Anfangskapital beschaffen, das fei aber nickt aelunoen. da von den 361 dem Verband»