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Erscheint täglich mit Snrnahme der Sonn« Md Feiertage, viertel- sährlicher Vezngzpreis »hne Vriugerlohn und Sesteilgekd in Fnlda so- «oke auswärts 150 Ulf.

verautw. Redakteur i. v.: L. w e h l e r;

für die Anzeigen: Z. Varzeller in Fulda.

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Mldaer W Zeitung

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leto(toe$bmati» Verlag der Fuldaer Lk- LcodruLerei in Fulda Fernsprecher »r.8.

,-yulM, Dienstag Den 19. Juli 1910.

Erstes Blatt.

37. Jaijrqau^

Politik, wob« er von Seiten seines .Genossen* Dr. Maurenbrecher lebhafte Unterstützung findet. Daß aber eine ans die bewußte Inszenierung der Block» Politik hinanÄaufende Takt« der Sozialdemokratie eine« Bruch mit ihrer ganzen Vergangenheit und eine« Wendepunkt in ihrem Wese« und in ihrer Geschichte bedeutet, fühlt dieser recht wohl heraus, worüber er fich dann folgendermaßen ausläßt:

Wir stehen vor einem Entweder — oder» über dessen Tragweite man fich nicht täuschen darf. Ent» weder unsere Zukunft liegt auf dem Wege der isolierten Erhebung der Arbeiterklasse, die dann notwendig eine außerparlamentarische Erhebung sein müßte, oder unsere Zukunft liegt in der Mehrheits­bildung deS Parlaments. Dann aber ist der nächste Schritt noch nicht der, daß wir allein die ganze Mehr­heit beherrschen, sondern der nächst« Schritt ist der, daß ein Block von Parteien, die links vom Zentrum fitzen, die Mehrheit hübet Diese Möglichkeit, die bis­her nur in nebelhafter Ferne vor uns lag, ist durch die Ereignisse der letzten Jahre handgreiflich nahe- gerückt . . . Unsere Partei kann die politischen Ber- hällnisse in Deutschland in wenigen Jahren schon gründlich ändern, wenn fie ernstlich entschossen ist, den antikonservaÜven Abwehrbkock, der bei den nächsten Reichstagswahlen fich fast von selber bilden wird, auch zu einem pofitiven Arbeitsblock zu formen. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. Entweder wir rechn«» auf Massenstreik, Zerrüttung des Militärs und schließlich Revolution . . . Wer die Revolution nicht will, well er meint daß wir sie nicht machen können, der muß die Situation der nächsten Jahre dazu benutzen, den Block der Linken zu einem Instrument positiver schöpfe­rischer Staatspolitik zu machen.

Also sozialdemokratische Opportunitätspolitik in Reinkultur I Wie well bte Sozialdemokratie bei ihrer ganzen Eigenart und ihrer ganzen Vergangenheit zu einer solchen .positiven schöpferischen Staats­politik* überhaupt fähig sein wird, diese Frage soll uns hier nicht mehr kümmern. Es kam uns hier nur einmal wieder darauf an, zu zeigen, wie der steigende Wille der .Genossen*, zu wirklicher Macht zu gelangen, über eine Ketzerei nach der andern führt!

möchte« wir sie dringend bitten, chre Behauptung mit Tatsachen zu belegen, damll wir endlich einmal wissen, was wir Böses getan haben, und damll wir dann, wenn notwendig, unS auch bessern können.

*» Der große SisenbahnaMentenverband ist, wie aus Elberfeld gemeldet wird, durch das Kartell mittlerer Eisenbahnbeamten, dem fünf große Ver­bände angehören, aus dem Kartell ausgeschlossen worden. Die Maßregel erfolgte, weil der Verband schwere Verstöße gegen die Kartellbestimmungen be­ging, im Verbandsorgan Angriffe gegen die Ver­bandsleitung erhob und die geforderte Genugtuung verweigerte.

C. Heber Rektoren und Hauptlehrer hat der preußische Kultusminister eine Bersügung erlassen. Darin stimmt er jenem Beschlüsse des Abgeord­netenhauses zu, wonach den mit voller Leitungs­befugnis ausgestatteten Leitern von Schulen mit 6 oder mehr aufsteigenden Klassen grundsätzlich die Amtsbezeichnung Rektor, anderen Schulleitern und solchen ersten Lehrern an Volksschulen mit drei oder mehr Lehrkräften, denen Leilungsbesug- niffe übertragen find, grundsätzlich die Amtsbe­zeichnung Hauptlehrer beigelegt werden soll. Um die Ausführung dieser Bestimmung den Regie- rungen zu erleichtern, sollen vorläufig nach der ministeriellen Verfügung wesentliche Be- freiungen eintreten, wenn der Ernennung tüch­tiger Hauptlehrer zu Rektoren nur formelle Gründe (Nichtablegung der betreffenden Prüfung) entgegen- stehen. Können die betreffenden Lehrer aber zur selbständigen Leitung nicht für befähigt erachtet werden, oder kann nach Lage der Sache eine Be­freiung nicht empfohlen werden, jo wird der gegenwärtige Zustand einstweilen noch aufrecht zu erhalten sein, bis sich bei dem Ausscheiden des gegenwärtigen Stelleninhabers die Regelung im Sinne der allgemeinen Bestimmungen ermöglichen läßt.

• Offiziere und Boykott. Auf dem m der vorigen Woche in Breslau stattgehabten Verbandstag deutscher Lohnfuhrunternehmer be­sagten sich die Fuhrherrn lebhaft darüber, daß Offiziere, die sogenannten Krümperwagen nicht nur zu Dienstzwecken, sondern auch für Jagd- und Spazierfahrten benutzen. In Dresden sei man genötigt gewesen, die Hilfe des Kriegs­ministers gegen diesen „Mißbrauch" anzurufen. Der Erfolg soll ein verblüffender gewesen fein: Sell jener Zeit sollen die Offiziere für die Renn­tage _ auf die die Droschken angewiesen seien — über die Droschken den Boykott verhängt haben. Die Frage, inwiewell die Fuhrherren berechtigte Klagen über das bei den Offizieren beliebte Krümperwagensystem führen können, braucht hier nicht näher erörtert zu werde«. Interessant ist nur, daß Offiziere, die den von Arbellern inszenierten Boykott im allgemeinen auf das schärfste verurteilen, selbst zu diesem Streikmittel greifen. Der »Vorwärts' hat gan- recht wenn er meint, wenn Arbeiter künftig zu dem Mittel des Boykotts greifen, würden sie fich von jetzt ab stets darauf berufen können, daß sogar Offiziere dieses Kampfmütel anwenden.

». Waisenkinder als Versuchsobjekte für Polizei- Hunde. Die von uns mllgeteilte Meldung des »Vorwärts', daß bei der Polizeihundprüfung in Altona-Bahrenfeld Waisenkinder als Versuchsobjekte für die Polizeihund« verwandt worden sind, bestätigt sich. Das Mona« Stadtverordneten-Kol- legium beschäftigte sich in sein« letzten Sitzung mit einer Interpellation über diesen Vorgang. D« stellvertretende Polizeichef, Senator Horbeck, meinte, die Sache gehe eigentlich die Stadtkollegien gar nichts

feindliche Absichten zu unterstellen.*.....@8 bleibt

nur ut wünschen, daß die Frage der Flotten« rüstungen fortan auf beiden Seilen mit d« ihr zu- kommenden Ruhe und Sachlichkeit beurteilt werbe. Damit würde auS den Beziehungen der beiden Rationen zueinander ein Moment ausscheiden» das iiueiten in bedauerlicher Weise den mit aufrichtiger Befriedigung zu begrüßenden Bemühungen entgegen­wirkte, daS Verhältnis zwischen dem deutschen und dem britischen Bolle so herzlich zu gestalten, rote eS den Interessen beider Mächte entspräche.*

X Altprrnhische Sparsamkeit. Obwohl im preußischen Landtag verschiedentlich versichert wurde, die fiskalischen Brornberg« Mühlen rentierten sich sehr gut, hat man daran doch nie so recht glauben können. Dieses Mißtrauen scheint gerechtfertigt zu sein. Die Insterburg« Handelskamm« teilt mit, daß die Insterburg« Strafanstalt ihre Mehlliefe­rungen unter Ausschluß jeden privaten Wettbewerbs an die der Königlich-preußischen Seehandlnng gehörigen Mühlen vngibt. Die ganze Umstände zwingen aber die Bromberger fiskalischen Mühlen, wesentlich teurer als die Insterburg« Mühlen zu liefern, was nach Ansicht der Infi«- burger Handelskamm« nur den Zweck haben kann, die Rentabilität d« Mühlen künstlich zu steigern. Der Fiskus scheint gar nicht zu bedenken, daß « durch ein solches Verfahren sich selbst schwer schädigt. Die Jnstttburg« Gefängnisvttwaltung wirft ja das Geld geradezu zum Fenst« hinaus, und dabei hört man alle Tage, wir lebten tm Zeitalter d« Sparsamkeit.

-7- Hansabund und Zentrum. Ein Mitglied des HansabundeS offenbart seine Gesinnungen m der München« Zeitschrift,Es w«de Licht'. Das­selbe schreibt in einem Aussatz „Die zehn Gebote des HansabundeS' u. a. folgendes:

„Der Hansabund sollte d« Veranlassung seiner Entstehung eingedenk bleiben und nur solche Mitglieder ausnehmen, welche wirklich vorwärts wollen und die Wege ber Zentrumspartei verachten, well sie alle nach Rom führen.....Der Hansabund sollte alle Muhe

darauf verwenden, die katholischen Priester aus dem Reichstage fernzuhaltenl*

Gewiß wird d« „Hansabund* de« vorlauten Schwätz« von seinen Rockschößen abzuschütteln suchen. Ab« man sieht doch, wozu manche die Neugründung für dienlich halten, und darin hat der Mann unbedingt recht, daß di« Veranlassung d« Entstehung des HansabundeS auch der systema­tische Kampf gegen das Zentrum war.

Nur mit großem Befremden können wir eine Aeußerung d« ,Kreuzzeitung' in ihr« letzten Wochenschau (Rr. 23 vom 17. Juli) ausnehmen. Sie wendet fich gegen die Bemerkung eines Kor­respondenzartikels, in der angedeutet wurde, die preußische Regittung sei bereit, durch innerpolitische Konzessionen (neue Wahlrechtsvorlage) sich die Be­willigung notwendiger Ausgaben für die Landesverteidigung im Reiche zu erkaufen, und sagt dazu:

„Die Zumutung an den Reichstag ist unerhört, baß er dem Reiche die notwendigsten Mtttel verweigern sollte, um den größten unb führenden Bundesstaat zu zwingen, eine Wahlrechtsvorlage nach liberalen Wünschen einzubringen und durchzusetzen. Ein schlimmerer Schach« wäre in der Reichspolitik nie getrieben worden."

Daun folgt in ganz unmotiviert« Verknüpfung der Satz:

„Wenn das Zentrum die dem Reiche zu seiner Existenz nötigen Mittel nur gegen parteipolitische Zugeständnisse bewilligte, so wäre das schon schlimm genug."

Der in diesen Worten enthaltene Vorwurf ist sehr alt. Wir haben ihn schon öfters hören müssen, aber niemals ist er bis jetzt von denen, die ihn er­hoben, bewiesen worden. Man will doch wohl nicht annehmen, daß die stete Wied«holung bereits einen Beweis darstelle. Da die ,Kreuzztg.', wie anerkannt w«d«n muß, sich einer löblichen Loyalität mich gegenüber And«sdenkenden befleißigt, so

Deutsches Reich.

* Berlin, 18. Juli 1910. Der Kaiser ist nach Drontheim abgereist. — Der Kronprinz hat sich im Automobil nach Alt-Madlitz zu kurzem Jagd« aufenthalt beim Banki« Delbrück begeben. — Die Kronprinzessin mit den beiden Prinzen ist zu läng«em Aufenthalt in Heiligendamm ein- getroffen.

<$• Deutschland und England. Die be­kannten Auslassungen des englischen Premier- Ministers Asquith finden in der „Nordd. Allg. Ztg." freundliche Aufnahme:

„Die Aeußnungen des britischen Ministers üb« bas Verhältnis Deutschlands und Englands zueinand« haben bei uns einen sehr günstigen Eindruck hinter- lassen. Bon dem für die Politik ber Regierung in ihrer Gesamtheit verantwortlichen Staatsmann im Unterhause gesprochen, haben biese Aeußerungen ein Gewicht, bas nicht wohl üb«troffen werben kann. In Deurschland «blickt man in dieser Kundgebung einen rückhaltlosen Beweis für ehren erfreulichen Um­schwung in der Beurteilung ber deutsch-englischen Beziehungen jenseits bes Aermelkanals. Wenn schon wiederholt in den letzten Jahren auch von britisch« Seite betont wurde, daß keine irgend vernünftige reale Ursache denkbar sei für ein ernstliches Zerwürfnis zwischen Deutschland und England, so scheit«te die von selbst gegebene Schlußfolgerung, daß sonach einer durchaus freundschaftlichen Gestaltung ihres gegen­seitigen V«hältnisses keinerlei Hindernis im Wege stehe, an dem drüben oftmals geltend gemachten „Aber' der deutsche« Wottenvermehrung. Im vollen Einklang mit den von allen maßgebenden deutschen Stellen bei jedem sich barbietenben Anlaß vertretenen Auffassungen hat nun Herr Asquith feftgefteüt, daß es völlig ver­fehlt sei, bem Ausbau der deutschen Flotte eine gegen England gerichtete Tendenz zuzuschreiben, ebenso wie es irrig sei, den britischen Flottenrüstungen beutto-

* Der „Gemosiem" Wille zur Macht.

Die in dem nächsten Jahre stattfindmden Neu­ro a h l e n zu>n Reichstag werfen in den Erörterungen bet sozialdemokratischen Presse jetzt schon wen ihre Schatten voraus. Es ist die lebhafteste Sorge bei „Genossen* aller Richtungen, bie durch bte -Lohten vom Jahre 1907 stark gelichteten Reihen ihrer MM- bäte um ein Erkleckliches wieder zu vermehren. Dabei gehen bie Hoffnungen soweit, daß man es bei ein« Verdoppelung ber Mandate nicht mehr bewen­den läßt sondern sogar stark eine Verdreifachung der- selben bis zur stattlichen Zahl von 150 erwartet. Man ist sich aber wohl klar, daß die Eroberung einer der­artigen Mandatzifi« aus eigner Kraft mehr wie schwierig sein wird. Und deshalb sieht man sich jetzt schon nach Bundesgenossen von Links um, die schon in der Hauptwahl für den Kandidaten der „@e- nassen* zu stimmen bereit sind, wofür umgekehrt in slsichen Wahlkreisen, auf denen ihrer Stacke nach mehr die Freunde von Links ein Anrecht haben, die Wahl- hllfe der „Genossen" bereitwilligst in Aussicht gestellt wird. Das ist wenigstens der Feldzugsplan brr führenden „Genossen", die in den „Sozialistischen Mo­natsheften" zu Worte kommen, und daß die „Genos­sen" von der radikalen Ack mit einem solchen Aus- gang der Dinge zufrieden sein werden, wenn sie vor­läufig sich mit einer Aussprache auch noch zurück­halten, ist mit Sich«heit anzunehmen.

Eine derartige Taktik verstößt aber gegen das Prinzip des Klassenkampfes und gegen den Satz, daß die Befreiung der Arbeitecklasse nur durch die Arbei­ter selbst geschehen, deshalb auch die Erobemng ber politischen Macht als Ausgangspunkt zur ZukunftS- , gefellschaft lebiglich Sache bes „Proletariats" sein könne. Damit hat es aber noch seine guten Wege. Denn , .vie „Genosse" Dr. Quessel in ber neuesten Numm« ' (14) ber „Sozialistischen Monatshefte" auseinander- setzt, werden erst die Kindesktnder der heutigen „Genossen" stark genug sein, eine Mehrheit im Reichs­tag zu bilden. Er spottet dabei über die Auffassung der „Sozialdemokraten der alten Schule", wie et sie nennt, daß die kapitalistische Entwicklung mit Sicben- meilen'stiefeln voranschreite und hält diesen Illusio­nisten nachstehendes Bild des „Konzentrationsprozes- fes" vor:

Unsere deutsche Statistik ber gewerblichen Berufs- ! genossenschasten zählt in ber Hauptsache bie Betriebe, bie nicht bloß Menschenkraft anroenben, unb bie mehr als 10 Arbeiter umfassen. Ihre Gesamtzahl war 1888 850697 mit durchschnittlich je 12,3 Arbeitern, 17 Jahre spät«, im Iahte 1905, 637 611 mit durchschnittlich je 112,8 Arbeitern. Für den Politiker, den nicht die ferne Zukunft, sondern bie Gegenwart interessiert, ist bieseS durchschnittliche Wachstum ber Zahl ber von jebem Betrieb beschäftigten Arbeiter um 0,5 im Zeitraum von 17 Jahren so gering, baß er fast berechtigt ist, es bei fernen politischen Erwägungen unbeachtet zu lassen. Auch ber sozialdemokratische Politiker wird sich daher mit der Tatsache abfinden müssen, daß neben dem An­wachsen ein« mäßigen Zahl von Groß- und Riesen­betrieben bie kleinkapitalistische Unternehmung im weiten Umfang existe nzsähig bkeiben wirb. Damit soll natürlich nicht in Abrede gestellt werben, oaß ber Sieg b« kleinkapUalistischen Unternehmung über ben Handwerksbetrieb eine tiefgehende Umgestal­tung d« Klassenverhältnisse der städtisch-industrielleu Bevölkevung herbeigesührt hat. In dem Maße wie die Üeiniapitalistische Uniernehmung vordrang, ging das selbständige Hanbw«ksmeist«tum zurück. Freilich nicht in dem Sinn, baß bie Zahl ber Handwerksmeister tm ganzen geringer würbe. Ganz im Gegenteil. Der Zahl nach wirb bie Klaffe ber Handwerksmeister sich in den letzten 100 Jahren wahrscheinlich verdoppelt haben. Schmoller glaubt ziemlich sicher schätzen zu können, baß im heutigen Deutschland 1816 etwa 0,5 Millionen, 1861 1 Million, 1895 1,3 Handwerksmeister vorhanden waren.

Daraus entnimmt „Genosse" Quessel, daß die kapitalistische Konzentration „erstaunlich lang« farn" vor sich geht. Um aber gleichwohl auf dem Wege zur politischen Macht schnell« vorwärts zu tomuteu, eu-pfublt er die oben gekennzeichnete Block«

Der

Roman von Fergus Hume. Autorisierte Bearbeitung

W) von C. Wetzner. „

„Was?" rief Olga mit weitgeöfineten Augen, „Sir siud mir gefolgt?"

Der Deicktio nickte. „Don dem Moment an, wo Sie «ach meiner Anwesenheit Ihr Bureau verließen, habe ich 'sie beobachten lassen, Fräulein Holder. Ich übergab Ihnen das Dokument, weil ich glaubte, daß Sie Herrn Brand schreiben oder zu ihm gehen würden. Und da ich keine Hofsnung hegen durste, seinen Auf­enthalt von Ihnen zu erfahren, griff ich zu ein« List, die bezweckte, daß Sie mir zeigen mußten, wo er sich verborgen hielt."

„Ich habe mich nicht verborgen gehalten!" entgeg­nete Brand stolz. „Nun wohl, wir w«den ja sehen, ich nehme den Kampf auf."

„Sehr gut," gab Feldern kalt zurück. „Sie toerben bald genug dazu Gelegenheit haben."

„Wer sagte Ihnen denn eigentlich, daß ich Herrn Brands Adresse wußte?" fiel Olga plötzlich ein.

„Ohl* Feldern zuckte die Achseln. „Ich werde mich hüten. Ihnen die Geheimnisse meines Berufes zu betraten. Sie siud eine kluge, junge Dame, Fräulein yotber. Sie konnten mir leicht einen zweiten Streich spielen. Kommen Sie, Herr Brand, die Zeit ver­geht"

„Noch einen Augenblick," sagte Herbert. „Ich leugne ganz entschieden, Kitby in jener Nacht, wo et «rwrbet wurde, gesehen zu habe« Ich bin weder in ssnem Burean, noch überhaupt in bet inneren Stadt gewesen."

-Das stimmt aber nicht," fiel jetzt der andere Herr ein, ber bis dahin stillschweigend sich verhalten hatte. „Ich habe Sie gesehen, Herr Brand, und habe mtt Ihnen gesprochen. Jawohl, Herr, das war in ber Unteren Themsestrabe, nahe der Nelson-Allee. Mein Name ist Drake."

„Ich weiß, daß Sie unb Ihre Aussage in bei Untersuchung eine Rolle spielten, aber ich habe Sie in meinem ganzen Leben ule zuvor gesehen!"

„Herr Branb," entgegnete Drake in würdevollem Tone, „Sie haben in jener Nacht mit mir gesprochen! Ich erkenne Ihr Gesicht, Ihren blonden Bart und Ihr Haar und das kleine Mal an der linken Schläfe ganz genau. Ihre Stimme freilich kommt mir heute nicht so tief unb heiser vor, ab« daran mag die feuchte Wit­terung schuld gewesen sein"

„Ich schwöre, daß Sie sich irren! Ich war wed« in der Mockmacht in bet inneren Stabt, noch in einer anderen Nacht. Mein Weg führt mich überhaupt nur selten in die innere Stadt."

„Na,* Warf Felbern ein, „wenn ent Mensch nicht an dem röten Ort ist, muß er eben an einem anberen fein. Beweisen Sie also Ihr Alibi. Wo warm Sie m jener Nacht, H«r Brand?"

Olga rang die Hände und sah flehend auf Her- 6ert. „Ja, ja," stieß sie heftig hervor, „sagen Sie, wo Sie waren!"

Brand blickte auf Feldern und blickte aus Olga, daun ließ er den Kopf sinken und murmelte: „Ich kann nichtl"

„Aha! Sie haben es vergessen!" höhnte Felbern.

„Nein, vergessen habe ich es nicht, aber ich kann es nicht sagen "

Die beiden Beamten wechsesten einen Blick des Einverständnisses unb zuckten gleichzeitig bie Achseln. Dann erhob sich Felbern. „Wir müssen ausbrechen," sagte er. „$atfen Sie Ihre Sachen, Herr Branb."

„Wacken Sie, oh. toarten Sic!" rief Olga, als Herbert mit ernstem, totenblassem Gesicht auf die Tür zufchritt. „Sagen Sie es mir, Herr Branb. Ich habe ja soviel für Sie gewagt. Sagen Sie mir, wo Sie waren."

Herb eck ergriff ihre betben Hände und hielt fie so fest umklammeck, baß sie vor Schmerz fast aufschrie. „Mh kann nichts" stieß er mit heiserer Stimme hervor. „Ich kann eS niemandem sagen! Aber ich schwöre bei piTfcm mb- beilio ist: ich bin unschulbia f* Darauf

ließ er sie jäh los unb verließ baS Zimmer, gefolgt von bem wachsamen Felbern.

Olga verbarg das Gesicht in die Hände und schluchzte laut auf. Sie begriff das Benehmen Her- bnts nicht. Warum rechssertigte er sich nicht, wenn er es vermochte? Was konnte ihm teuerer sein als sein Leben? Wenn er sie liebte, hätte er seine Un­schuld schon allein um ihretwillen beweisen müssen! Olga war es, als stürze die Welt um sie her in Trümmer.

Drake machte einen unbeholfenen Versuch sie zu trösten.

„Lassen Sie es sich nicht so nahe gehen, Fräulem; er ist es nicht wert. Ein Mann, der so lügt, sst ein schlechter Mensch."

„Er ist kein schlechter Mensch!" brauste das junge Mädchen mit blitzenden Augen auf. „Ich glaube ihm jedes Wort! Er lügt nicht!"

„Und ich glaube bloß meinen eigenen Augen," ver­setzte ber Beamte hartnäckig. „Habe ich nicht vorhin schon gesagt, baß er in jen« Nacht stehen blieb tmb mich ansprach? Jawohl, und er schenkte mir sogar eine Zigarette. Ich habe sein Gesicht sofock wiedrr- ertannt. vor allem das kleine Mal, das habe ich da­mals ganz genau gesehen."

Olga rang verzweifelt die Hände. „Hi« waltet irgend ein geheimnisvoller Irrtum ob." ächzte sie

Nach kurz« Zeit kchrien Brand unb Feldern aus bem anstoßenden Zimm« zurück. Der so schwer An­geschuldigte trug eine schwarze Reisetasche und war mit Paletot und Hut bekleidet. Er war ausgerüstet für die Reffe, bie im Gefängnis enden sollte. Als fie in das Zimm« traten, berührte Feldern Drake am Arm unb sagte:

„Kommen Sie mit hinaus. Ich möchte Herrn Brand noch eine kleine private Unterhaltung mit der Dame gestatten."

„Aber das ist doch nicht in ber Ordnung," er­widerte d« Polizist ängstlich.

„Lassen Sie nut, ich nehme die Verantwortung auf mich, kommen Sie."

„Na, das ist aber doch sonderbar!" knurrte Drake, während sie sich entfernten. „Mir kommt es vor, als wenn Sie gar nicht an seine Schuld glaubten."

„Vielleicht haben Sie recht," gab Feldern zurück. „Wir Menschen alle sind Irrtümern unterworfen."

Als die beiden Beamten das Zimm« verlassen hatten, blickte Olga, die den Wockwechsel gehöck, ge­spannt auf Herbert.

„Haben Sie dem Mann eine Erklärung gegeben?" fragte sie.

Brand schüttelte traurig den Kops.

Ich kann keine Erklärung geben," versetzte er. „Ich habe ihm nichts gesagt, ich kann nichts sagen. Ich bat Feldern, mich einen Augenblick mit Ihnen allein zu lassen, und er willigte ein, wenn auch wider­strebend, da sich dies mit feinen Pflichten eigentlich nicht verträgt. Ich möchte mit Ihnen sprechen."

„Sie wollen mir sagen, wo Sie in jener Nacht waren?"

„Rein. Denn in Ihr« Herzensgüte würden Sie es bem Detektiv verraten unb « darf es nicht er­fahren."

„Warum nicht?*

„Meine Ehre zwingt mich zum Stillschweigen.*

„Ab« Sie setzen badurch Ihr Leben auf dar Spiel!" schluchzte Olga von neuem auf.

„Vielleicht — vielleicht auch nicht. Ich weiß e» • och nicht."

.Aber Sie find unschuldig?"

„Vollkommen unschuldig. Ich befand mich in jener Nacht nicht in ber Stabt. Ich habe Kirby nicht gesehen. Ich weiß nicht, wie b« Tückisenschlüffel in seine Hanb geriet."

„Wer, mein Gott, warum wollen Sie sich nicht verteidigen — um Ihretwillen — ja, tim meinet­willen!"

Herbeck faßte ihre beiben Hände und sah ihr in bte flchend auf ihn gerichteten Augen. „Um Deinetwillen würbe ich vieles tun — denn ich klebe Dich üb« alle-.* „Oh Gott, sprechen Sie in dieser furchtbaren Stund« nicht von Liebe*

(Fortsetzung folgt.)