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Maer W Zeitung

Monatrbellage: „zuldaer Seschlchtsblätter"

37. Ia.ir imi.i

Verlag der Fuldaer Li> Lmdrmkerei in Fulda Lervfprecher Rr-S. /

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j* 161.

Kolbs ist mit ihrem Appell an die sehr menschlichen eigensüchtigen Instinkte der Massen nicht erfolglos geblieben. Und die leitenden Männer selbst werden noch weniger geneigt sein, ihre bewährte Politik aufzugeben. Zu deren Verständnis muß man sich gewärtig halten, eine wie große Rolle der persön- !iche Ehrgeiz dabei spielt. Unter den Führern der opportunistischen Richtung befinden sich Persönlich­keiten, deren geheime Wünsche durch einen Müüster- effel jedenfalls nicht enttäuscht werden würden. Inb die Großblockpolitik ist zweifellos der Weg, der dazu die meisten Aussichten verspricht.

ohne ihr Wort der Irreführung anheimfielen, und i denen diese Irreführung die Reichs- und die natio- nale Arbeitsfreudigkeit raubte/ Diesen schweren ' Vorwurf kann in der Tat Herr v. Bethmann-Holl- weg nicht von sich abweisen. .

= Die Finanzpolitik deS Freiherrn v. Rhembaben < hat auch in sachverständigen Kreisen Süddeutschlands Anerkennung gefunden und zwar unter Ablehnung dec Ausführungen des Herrn Bankdirektors von Gwinner im Herrenhaüse. In der Vorrede zu dem eben erschienenen Werk „Großindustrie und Großhandel in Wüttemberg' (Stuttgart 1910, 2 Bände, im Auftrage der württembergischen Handels­kammern herausgcgeben) kommt Prof. Dr. Huber, der langjährige Sekretär der Stuttgarter Handels­und Gewerbckammer, auf die Auslassungen des Herrn v. Gwinner zurück, der hervorgehoben hatte, der Rückschlag von 1907 sei dir schwerste aller jemals dagewesenen Krisen gewesen, habe kein Hand verschont usw. und sagt dagegen:

„Es ist staunenswert, mit welcher Sicherheit hier unzutreffende Austastungen über die Zeit des Eintintts des Rückschlags und lieber treiimngen über seine Wir­kungen vorgeiragen wurden, die jedem noch klar vor Augen stehen sollren. p. Gwinner sprach über die preußische Etat- und Finanzlechnik, sowie über die Wahl und rasche Erfassung des richtigen Moments zur Ausgabe von Staalsanleihen und für die Eisenbahn­verdingungen manches richtige Wort. Aber die Be­gründung und der Ausgangspunkt ist irrig — unddas von dem Leiter einer Bank, deren Worte in der Bankwell gläubig wie die Bibel auf dem Altäre verehrt werden. Er hätte den preußischen Staat viele Millionen gekostet, wenn er in den Jahren 1906 und 1906 der pessimistischen Auffassung der Deutschen Bank gefolgt wäre."

. Die.Deutsche Tagesztg/ meint nicht mit Unrecht: Für einen Bankdirektor ist der Vorwurf, wie er in dem letzten Satze formuliert wird, gelinde gesagt, mißlich, und seine Autorität erscheint dadurch nichts weniger als gekräftigt.

) ( Zur Frage der Nachfolgerschaft des Erbprinzen Hohenlohe schreibt die freikonservative „Pos/: „Die bereits verschiedentlich aufgetaucht- Kombination, daß die Nationalliberalen nun doch einen Kandidaten für den durch des Erbprinzen von Hohenlohe Rücktritt erledigten Posten stellen und Geh. Rat Dr. Paasche dem Reichstage präsentieren würden, entbehrt jeglicher Begründung. Die Partei steht nach wie vor auf dem im letzten November festgelegten Standpunkt, kemen- falls eins ihrer Mitglieder in das Reichstagspräsidium eintreten zu laffen. Dagegen dürfte die Reichspartei dem vom Zentrum und den Konservativen anscheinend bcabsicknigten Ersuchen, einen Abgeordneten ihrer Frak­tion ins Präsidium zu delegieren, nicht ablehnend gegenüberstehen bleiben. Es wird sogar, »eben dem schon im November 1909 in Aussicht genommenen Ab­geordneten v. Damm von der Wirtschaftlichen Ver­einigung, bei Name des konservativen Vertreters von Kottbus-Spremberg, des Kaiserlichen Gesandten a. D. v. Dirksen, als des mutmaßlichen neuen 2. Vize­präsidenten genannt/

a Ein gewagtes Spiel treiben die Konservativen im Reichstagswahlkreise Bernburg - Ballen­stedt-Köthen. Sie stellten dort unter Trennung von den Nationallideralen sür die nächste Reichs­tagswahl den Archivrat Pros. Dr. Hermann Waeschke-Zerbst als Kandidaten auf. Der Kreis ist gegenwärtig vertreten durch den nationalliberalen Abgeordneten Hermann Trautmann, der im Jahre 1907 mit 18812 gegen 14 319 sozialdemokratische Stimmen gewählt wurde. Wir glauben, der Opti­mismus der Konservativen geht doch zu weit, wenn sie hoffen, gleich aus dem ersten Wahlgange als Sieger hervorzugehen. Kommen sie sonst mit den Sozialdemokraten in die Stichwahl, dann werden die Nationalliberalen schon dafür sorgen, daß der : Sozialdemokrat gewählt wird. Findet Stichwahl . zwischen den Sozialdemokraten und den National- : liberalen statt, dann dürste bei der inzwischen groß- : gezogenen Verärgerung zwischen Nationalliberalen

z.v°rze»e?"in 8'üda. w«chmbMgi:„7Ilustriefte Sonntagrzeitung

Erscheint täglich mit Ausnahme der Som« und Feiertage. viertel­jährlicher Bezugspreis ohne Vringerlohn und Bestellgeld in Fulda so­wie auswärts 150 Bit

11 Kapitel.

Ja, es war Feldem — und zwar nicht allein, son- dem hinter ihm stand ein zweiter Mann in Zivil-' lleidung und seiner steifen, unbeweglichen Haltung nach zu schließen ein Polizist. Der Detektiv verlor keine Zeit. Er zog einen Verhaftungsbefehl aus der Tasche und berührte Brand an der Schulter.

„Herbert Brand, ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes!"

„Wessen beschuldigt man mich?' fragte der junge Mann mechanisch.

verantw. Redakteur i. v.: A. Weh ter;

Deutscher Reich.

; Mit besonderer Liebe wird in diesen Tagen in liberalen Blättern die Behauptung erörtert, daß Fürst Bülow mit seiner Prophezeiung recht behalten habe, wonach die Politik der Reichsfinanzreform­mehrheit eine gewaltige Erstarkung der Sozial­demokratie mit sich bringen werde, während diese infolge seiner Politik sich in einer rückläufigen Bewegung befunden habe. Die .Deutsche Tagesztg/ (Nr. 328 v. 16. Juli) tritt bieten Redereien mit Entschiedenheit entgegen. Sie stellt zunächst fest:

„Fürst Bülow hat bei seinen damaligen Neuste- ningen ganz übersehen, daß gerade unter feiner Re­gierung die Sozialdemokratie ziffernmäßig einen ge­waltigen Ausschwung genommen und daß sie auch bei den Blockwahlen durchaus nicht schlecht ab­geschnitten hat. Die Sozialdemokratie hat 1903 rund dreiviertel Millionen Stimmen und auch bei den Block­wahlen, trotz des Verlustes beinahe der Halste ihrer Mandate, eine weitere Viertelmillion Stimmen gewonnen. Wir können das als eine „rückläufige" Bewegung jeden­falls nicht gelten lasten/ Richtig sei, rote die Erfah­rungen von 1903 mit aller Klarheit zeigten, „daß eine Zu- und Abnahme ter Sozialdemokratie keineswegs in entscheidendem Maße davon abhängt, ob eine gute und sachlich berechtigte Politik gemacht wird oder nicht, daß vielmehr auch die sachgemäßeste und nolwendigite Politik zur Verstärkung der Sozialdemokratie beitragen muß, sobald sie eine materielle Belastung der Masten bringt; ganz gleichgültig, ob diese Belastung aus eine andere Weise wieder zehn- und hundertfach ausgeglichen wird: Da die Maste iiir die verwickelten Vorgänge des Wirtschaslslebens naturgemäß wenig Verständnis hat, und deshalb der Jrresührung und Hetze ziemlich wehrlos ausgeliesert ist. Daraus ergibt sich aber zu­gleich mit voller Sicherheit, daß auch die Reichsfinanz- resorm aus jeden Fall eine gieße Verstärkung der sozialdemokratischen Stimmen nach sich ziehen mußte .. Soweit Halle also Fürst Büloiv es leicht, zu prophezeien, denn somit handelt eS sich nur um eine natürliche und unabwendbare Erscheinung." Allerdings sei, fährt die ,Deu sche Tazeszlg.' fort, ein Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen über das natürliche Maß hinaus zu erwarten „nämlich wegen der „Zer­splitterung des Bürgertums"; aber die Schuld daran trügen die liberalen Parteien wegen ihrer un­erhört unehrlichen und unerhört skrupellosenH >. tz e." Zu deren Mitschuldigen aber zähle leider auch der ehemalige Reichskanzler Fürst Bülow, weil er mit seinem Worte von dem „frevelhaften Spiele" der Kon­servativen erst eigentlich die Weise intoniert habe, „deren Rattenfängertlänge dann verwüstend auch durch das ganze deutsche Land tönten, mit dem selbstverständ­lichen Enolge, daß Tausende und Abertausende deut­scher Wählern hinter den falschen Flötenspielern her ins rote Lager bineintaumelten, wie die Kinder in der Sage in den Zauberderg bei Hameln."

Den Schluß bildet ein ernster Tadel an die Adresse der „gegenwärtigen Regierung", die an dem Anschwellen der roten Flut deshalb eine schwere Schuld treffe, weil sie nicht, wie es die „Wahrheit und das Retch" verlangten, ihre Pflicht der Auf­klärung erfüllte, als sie sah, daß die Hetze wie em giftiger Windhauch durch die ganze Bevölkerung ge­tragen wurde. Sie hat diese Pflicht gehabt: „weil nur sie allein die Autorität besaß, die für eine wirk­same Aufklärung vonnöten war: Weil gerade nut sie das außerhalb des eigentlichen Parteistreites tun konnte. Und weil allein auf ihre Stimme ungezählte patriotische und loyale Männer gehört hätten, die

Wenn nicht, so fliehen Sie — ich beschwöre Sie — fliehen Siel Sie sind hier ganz in der Nähe von Southampton. Besteigen Sie^das erste beste Schiff und verlassm Sie England. Sie haben keine Minute zu verlieren I"

„Weshalb sollte ich fliehen?" entgegnete er saft unwillig. „Ich bin schuldlos!"

„Können Sie denn Ihre Schuldlosigkeit bewei­sen?" fragte Olga leidenschaftlich.

„Natürlich kann ich das, denn ich war" — er stockte und wandte sich mit einem leisen Stöhnen von ihr ab.

„Nun? Weiter!' drängte Olga ungeduldig. „So sprechen Sie doch! Ich meine es ja so gut mit Ihnen! Schon daß ich hierher gekommen, muß Ihnen das beweisen!"

Brand wandte sich ihr hastig wieder zu und streckte ihr beide Hände entgegen. „Ja, Sie meinen es gut mit mir. Sie sind treu und wahrhaft gegen mich! Sie sind die edelste, beste aller Frauen. Wenn Sie blos wüßten, wie ich Sie —*

„Halt!" gebot Olga, indem sie heftig errötete und zurücktrat. „Sprechen Sie -licht so zu mir"—

Kaum waren dies« Worte über ihre Lippen ge­kommen, als draußen die Hausflur geöffnet ward. Brand war blaß wie der Tod, ebenfalls Olga — es schien, als seien beide vor Schreck zu Stein erstarrt.

Im nächsten Moment stand der Detektiv Feldem im Zimmer.

und Konservativen der größte Teil der Konservativen zu Hause bleiben, waS unzweifelhaft ebenfalls den Sieg der Sozialdemokraten herbeisühren wird. Die letzte Möglichkeit wäre Stichwahl zwischen Konser­vativen und Nationalliberalen und da werden vor­aussichtlich, ivenn die Sozialdemokraten an der Urne erscheinen, diese sür den Nationalliberalen stimmen. Also an einen konservativen Sieg ist kaum zu denken.

4- Die Soldatenschindereien, über die man ich leider immer noch von Zeit zu Zeit zu be- 'lagen hat, haben die Sozialdemokratie zu einer „Tat" auf den Plan gerufen. Es ist die Grün­dung einer Zentralstelle zur Bekämpfung der Mißhandlungen in der Armee und Marine in Aussicht genommen. Die Zentralstelle soll ihren Zweck erreichen durch folgende Maß­nahmen:

„1. Sammlung kriegsgerichtlich ergangener Urteil« im Gebiete des Deutschen Reiches und der Kolonien, die wegen Mißhandlung ergangen sind. 2. Heraus­gabe eines Jahrbuches, in dem alle diese Urteile und Aufsätze ans der Feder hervorragender Fachleute auf militärischem, juristischem und pädagogischen Gebiete veröffentlicht werden. 8. Gründung von Zweiggruppen zunächst in allen Provinzial-, Regieruugs-, Haupt­städten, die ihrerseits sammelnd, belehrend zu wirken haben. 4. Abhaltung von Borträgen. Nachrichtendienst an die Presse. Mitteilung von Auskünften an alle Angehörigen des Deutschen Reiches." Da Zentral­stelle soll offenbar ein sozialdemokratisches Institut ein, das spricht aus der Beründung, die der .Vor­wärts zu ihrer Errichtung gibt, er sagt: Die Regierung und Militärbehörden sich zum Teil abgeneigt, zum Teil aber gänzlich unfähig erwiesen haben, die stän­digen Soldalenmißhandlungen einzuschränken, und noch weniger sie zu beseitigen, soll jetzt private Hilfe in Anspruch genommen werden."

Unter diesen Umständen wird man der Zen- ralstelle nut das größte Mißtrauen entgegen­bringen dürfen. Viel wirksamer wäre eine Be- Bekämpfung der Soldatenmißhandlungen durch die Offiziere, die ihre größte Ehre darin sehen müßten, daß in der ihnen zugeleilten Mannschaft Soldatenmißhandlungen nicht Vor­kommen. Gerade in diesem Punkte gehören f« erst recht vor die Front.

* Ein Protest-Rummel vor hundert Jahren. Ben Akiba hat wieder einmal recht behalten mit seinem Ausspruch, auch mit Bezug auf den neuen Protest-Rummel des Evangelischen Bundes gegen die Borromäus-Enzyklika. Man lese nur den folgenden Bericht, der in dem 22. Stucke der „National-Zeitung der Lettischen" vom 21. Mai 1804, Seite 472—473, eingerllckt ist. Er lautet: „Maynz. Um Ostern dieses Jahres war zwischen den Protestanten und Katholiken in einem Teile des Donnersberg-Departements eine Feindseligkeit aufgeregt worden, die leicht die schlimmsten Folgen veranlaflen konnte. In einem Gebete der Katholiken, um Verdienst des vollkommenen Ablasses bevm Jubiläum, bemerkte ein reformierter Prediger eine Stelle, welche die Aus­rottung der Ketzerey zum Gegenstand hatte. Er erklärte diese Stelle für einen Aufruf zum Morde der Protestanten, sähe im Geiste alle Schrecken einer rheinisch-teutfchen Bartholomäusnacht und tb eilte sie einem Theite feiner Glaubensgenossen mit. Diese gerieihen dadurch in eine Erbitterung gegen die Katho­liken, die sich mit den jetzt bekannten, aufgeklärten und billigen Gesinnungen derselben kaum vereinigen läßt. Glücklicherweise wurden die herrschenden Mißverständ­nisse bald wieder beseitigt; und man verdankt es dem mildern Geist der Zeit, den Liberaldenkenden aus beyden Konfessionen, der Thätigkeit des aufgeklärten und menschenfreundlichen Präfekts und den weisen Maßregeln des Mair» von Alzey, daß keine einzige Geroalttätigkeit vorfiel, daß das neunzehnte Jahr- : hundert nicht dem sechzehnten ähnlich ward, daß die friedlichen Menschen, die ohngeachtet verschiedener Glaubensmeinungen wie Kinder eines Baters immer 1 nebeneinander wohnten, sich nunmehr wieder verstehen 1 und sich der armseligen Veranlassung schämen, dir i ihren Frieden störe» konnte."

„Des Mordes, begangen an Christoph Kirbh am 30. Juli."

„O nein, nein!* schrie Olga vorwärts stürzend. „Er ist unschuldig!"

„3a", sagte Brand ruhig, „ich bin unschuldig!'

„Das wird das Gericht zu entscheiden haben", ver­setzte Feldem kühl. „Ich denke, wir erreichen den Neun-Uhr-Zug noch."

„Sie gestatten mir doch, einige Sachen zusarnmen- zupocken?"

„Gewiß, aber ich muß dem Einpacken zusehen bür- fen."

Brands Lippen kräuselten sich spöttisch. „O, Sie brauchen nicht zu befürchten, daß ich Jhnm zu ent­wischen suche oder gar Selbstmord begehe! O nein, ich nehme den Kampf auf! Ich bin nicht schuldig!"

„Hoffentlich können Sie das beweisen.'

„Er ist schuldlos!' rief Olga leidenschaftlich.

„Ich weiß es."

„Können Sie es beweisen, mein Fräulein?"

„Nein, ich nicht, aber Herr Brand kann es!'

Feldem sah den jungen Mann forschend an. „Wmn Herr Brand Bug ist, schweigt ec jetzt. Denn alles, was er äußett, gllt eventuell als Aussage.'

Brand setzte sich nieder und lud die beiden Herren ein, ein Gleiches zu tun. „Ich mache mir nicht» daraus, ob meine Worte als Aussage bettachtet wer- den oder nicht", bemerftc er in emstern Tone, „aber ich möchte gern wissen, auf welche Gründe hin Sie mich dieses furchtbaren Verbrechens beschuldigen.'

„Jmes Schriftstück auf dem Tisch dort hätte Ihnen das bereits sagen können', versetzte Feldem, dessen kcharfe Augen das mit der Schreibmaschine angeser- tigte Papier längst entdeckt hatten. „Ich bewundere den Mut Fräulein Holders, daß sie zu Ihnen kant, um Sie zu warnen. Sie wird aber wahrscheinlich sehr unangenehm berührt sein, wenn sie vernimmt, daß gerade ihre Fahrt hierher mich auf Ihre Spur geführt hat, Herr Brand.'

(Fortsetzung folgt.)

Der Wampyr.

Roman von Fergus Hume. Autorisierte Bearbeitung 25] von C. Wehner.

Olga legte die Hände in einander. „Ich wußte "(8 — o, ich wußte es!" rief sie fast jubelnd. „Ich wußte, daß Sie nicht schuldig find, obgleich der Schein cegfit Sie ist!'

„Schuldig — des Morües an Kirbh — o mein Hott!" Braud hob das Papier wieder auf und las t8 nochmals aufmerksam durch.

' ,Sie glauben doch nicht?" wandte er sich in bit­tendem Tone an das junge Mädchen.

Sir wich dieser Frage aus. „Lesen Sie weiter — ^"^Jch zankte mich mit Kirbh — das stimmt. Mr wechselten heftige Wotte und ich stteß Drohungen gegen ihn aus — das war dumm, lächerlich. Aber ich hatte nicht die mindeste Absicht, ihm etwas zu Leide zu tun. Was ist das?' unterbrach er sich plötzlich in einem Ton unbeschreiblicher Wut. „Ich wäre in der Nähe des Tatottes gewesm — um die Zeit, zu welcher das Verbrechen begangen wurde? Ich war nicht dort! Ich war — doch das tut nichts zur Sache!' Er brach plötzlich ab, schaute in Olgas ihn scharf beobachtendes Gesicht und schien verwirrt. „Auf jeden Fall war ich an jenem Abend gar nicht in der Stadt', erklärte er.

Sie können Ihr Alibi nachweisen?' sagte Olga mit freudiger Stimme.

„Ich weiß nicht — ich kann nicht sagen' — stam- mette Brand.

r Verwundert blickte ihn Fräulein Holder an. Es schien ihr gänzlich unfaßbar, daß er nicht imstande sein sollte, sich zu erinnern, wo er an jenem Abend gewesen.

„Und wie steht es mit dem Schlüssel?" fragte sie.

„Dem Schlussel? Ach ja - der Bleistift! Ich ent­sinne mich nun, Frau Kirbh gab ihn mit eines Tages, weil ich chn so hübsch fand. Ich trug ihn an meiner Uhckette. Aber bann — dann — verlor ich ihn!"

' Olga erhob sich von ihrem Platze. „Herr Brand', sagte sie, „Sie sind nicht aufrichtig gegen mich. Sie

Damit ist seitens der Parteileitung der von Karlsruhe herübergeworfene Fehdehandschuh auf» Seuommen. „Eine schwere Verfehlung gegen die

-jnheit der Partei' — ein böserer Vorwurf kann nicht leicht gegen Parteisreunde erhoben werden. Aber damtt ist das Schulokouto der badischen Ge­nossen nicht einmal erschöpft. Mit dem Gejühl „tiefer Beschämung' muß der ,Vorwärts" folgende Nachrichten seinen Lesern milteilen:

| „Zu dem Verzicht auf das Bekenntnis des sozia- . Wischen Endzieles, das in der Budgetabstimmung liegt, i fügen unfere Genossen in der badischen Kammer noch die Verleugnung der republikanischen Prinzipien unserer Partei! Und hier handelt es sich nicht allein um die Unterlassung einer Demonstration, sondern umgekehrt Unsere Genossen suchen geradezu die Gelegen­heit, um für ihr Wohlverhalten dem Monarchen gegenüber Zeugnis ablegen zu können! Die Fraktion hat es ihren Mitgliedern freigefteflt, sich an der Sams­tag stattfindenden feierlichen Schließung des Landtags !u beteiligen. Es handelt sich um eine rein formale Sitzung, die mit einer Ovation für den Großherzog schließt. Ungefähr ein Dutzend wzialdemokratische Ab- zeordnete werden sich an dieser Huldignngskundgebung Beteiligen. Damit ist aber der sozialdemokratische Hos- bericht noch nicht abgeschlossen. Die Genossen Geiß sind Pfeisfle, die dem Kammerpräsidium angehören, sind von der Fraktion beftimmt worden, im September M der Gratulationskur im Schlosse teilzunehmen, tue jinläßlich des silbernen Hochzeitssestes des großherzog- jichen Paares stattfindet!"

Einem treuen Marxisten kann in der Tat ein s.flches Verhalten nur als Hochverrat erscheinen. Die ,Leipz. Volksztg/ will mit den Verrätern keine Gemeinschaft mehr haben:

,Er hat kaum Zweck, über die neueste „Affäre" der badischen Revifionisten noch viele Worte zu ver­lieren Die große Mehrheit der Genossen hat es nun Endlich satt, sich noch länger von den Frank, Selb und Genossen brüskieren zu lassen und verlangt, daß endlich einmal auf die vielen Worte, die schon in 6er Budget- und mancher anderen Frage vergeudet worden sind, entsprechende Taten folgen. Wer sich selbst kon­sequent außerhalb der Parteibeschlüsse stellt, soll auch Vie Konsequenzen tragen."

Der „Vorwärts" appeliert an das Partei- gewissen der badischen Genoffen und hegt die Hoffnung,

daß auch die badischen Arbeiter sich der ungeheu­re» Verantwortung werden bewußt werden, die ihre Vertreter ihnen auferlegt habe». An den badischen Sozialdemokraten ist es, in erster Linie sich die Frage 'vorzulegen, ob sie wirklich eine Lockerung der Gesamt- partei, eine Zerstörung der Autorität des Parteitages und damit die Aufhebung jeder proletarischen Disziplin, die bisher den Stolz wie die Stärke unserer Partei gebildet haben, auf sich nehme» wollen."

' Es erscheint kaum noch möglich, daß der von den badischen Genoffen heraufbeschworene Konflikt ‘eine friedliche Erledigung finden könnte. Es ist 'äuch sehr zu bezweifeln, daß die badischen Partet- aenossen sich dazu entschließen könnten, ihre Ver­treter in der Kammer zu desavouieren. Denn ge­rade in Baden, dem Musterlande des Großblocks, besitzt die opportunistische Richtung, die bereits im Gegemvartsstaate Einfluß und Vorteile erstrebt, in ben Kreisen der Wählerschaft großen Anhang. Die intensive Agitation der badischen Führer Frank und

0 Die badischen Birdgetbewittiger.

Der sozialdemokratische Parteivorstand bat fol­gende Erklärung gegen die badischen Budgetbewtl- liger erlaffen:

„Die sozialdemokratische Fraktion des badische» Landtages hat den Parteivorstand von ihrer Absicht, für das Budget zu stimmen, in keiner Weise m Kennt­nis gesetzt. Der Parteivorstand bedauert das die Interessen der Gejamtpartei schädigende Vorgehen der Landtagsfraktion der badischen Sozialdemokratie und e darin eine schwere Verfehlung gegen die

,eit der sozialdemokratischen Partei. Der Partei­tag wird den Genossen Gelegenheit geben, sich zur Lattung der sozialdemokratischen Landtagsfraktion Badens zu äußern. Der Parteivorstand."

yitiua, Montan Den 18. Juli 1910.

Dtt d* fpdtiat vcfittelle oder der«» »amt 15 ps» LeklamrridleprtltzeLe 25 pfo, bei Med«, Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

behaupten schuldlos zu sein und ich glaube Ihnen, aber —*

„Sie glauben an mich!" Er trat einen Schritt auf sie zu, sie wich jedoch zurück und wehrte ihn ab.

„Ja, ich glaub« nicht, daß Sie diesen Mann ge­tötet haben. Aber Sie müssen erklären, wo Sie in jener Nacht zu der Stunde waren, in welcher das Verbrechen begangen wurde/

„Das kann ich nicht", murmelte Herbett dumpf und wagte nickt, Olga anzusehen.

„Sie muffen, sage ick Ihnen! Sie müssen auch an­geben, wo Sie den Schlüssel verloren haben! Er wurde in Kirbh's Hand gefunden, in der Hand des Toten! Und das ist ein furchtbarer Beweis gegen Sie! So erklären Sie doch —'

„Ich kann nicht", murmelte er abermals tonlos.

„Warum nicht? Sir sind doch schuldlos! Bewei­sen Sie doch Ihre Unschuld! Ich bin hierher gekom­men, um Sir zu retten. Aber Sie müssen sich auch selber retten!"

„Ich — mich retten? Vor wem?" Brand war jetzt völlig bestürzt.

Olga ergriff seinen Arm und schüttelte ihn heftig. „Begreifen Sir denn nicht?" schrte sie fieberhaft. „Glauben Sie denn, ich wäre hierher gekommm, wenn es sich nicht um Leben und Tod für Sie handelte?"

„Leben und Tod?" Brand wurde geisterbleich. „Was wollen Sie damtt sagen?"

„Mein Gott! Sind Sie blind? Sind Sie denn wahnsinnig? Dieses Dokument hier brachte mir heute früh ein Drtcktiv der Londoner Geheimpolizei. Sein Name ist Feldern, ei ist jener Detektiv, dem die Un­tersuchung deS Falles übertragen worden ist. Dieser wollte das Dokument abgetrieben haben. Die Kopien sollen morgen mittag fertig fein. Dann wer­den Sie verhaftet werden!'

„Verhaftet — wegen des Mordes?'

"Ja Sie haben doch die Zeugenaussagen in ben Zeitungen gelesen. Diese sind sehr belastend für Sie. Wenn Sie sich rechtfertigen können — war ich be­stimmt glaube — so tuen Sie es um Gotteswillen!