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mittelt werden. Der wackren Männer, die das Sekretariat sowie den Volksverein überhaupt unterstützten, ei »um Schluß dankend gedacht. Mägen sie darin fortfahren, wissend, daß sie damit die großen Ziele des Volksvereins verwirklichen helfen und unserem Volk in seiner Gesamtheit die besten Dienste sowohl in weltlicher wie in religiöser Hinsicht erweisen.
Fulda, im Juli 1910.
Wilhelm Frank, Volksvereinssekretär.
berg).
Gewöhnliche Adelige . Barone und Freiherren Grafen......
Fürsten und Herzöge .
Insgesamt 2869 Auskünfte 1848 Schriftsätze
Es gingen ein: 351 Briefe, 144 Karten, 68 Drucksachen, 39 Pakete, 13 Geldsendungen und 2 Telegramme, zusammen 617 Sachen. Es gingen aus: 621 Briefe, 266 Karten, 145 Drucksachen, 95 Pakete, 16 Geldsendungen und 4 Telegramme, zusammen 1147 Sachen.
Der Po st verkehr des Büros weist also insgesamt 1764 Sachen auf.
Von dm erteilten Auskünften und angefertigten Schriftsätzen entfallen die höchsten Ziffern aus die Arbeiterversicherungsgesetzgebung. Daraus ergibt sich, daß leider zahlreiche Rentenstreitigkeiten Vorkommen. Diese sind teilweise darauf zurückzuführen, daß man die niedrigen Unfallrenten zu beseitigen sucht, teilweise werden sie auch durch die vertrauensärztlichen Gutachten veranlaßt. Wenn z. B. der behandelnde Arzt einen Rentenbewerber, den er manchmal 5—10 Jahre behandelte, für invalide im Sinne des Jnva- lidenversicherungsgesetzes erklärt, so findet der Vertrauensarzt oft schon nach einer Untersuchung von
Ns 160.
Samstag den J6. 3uti M0.
57. Jahrgang.
3. Blatt.
vrnck und Verlag der zuldaer Aetiendrucket«! i* 8«l6e.
Aus dem Nachbargebiele.
* Offenbach, 15. Juli 1910. Im Verfaffungs- und Verwaltungs-Ausschuß wurde gestern abend einstimmig beschlossen, die Kanal-Angelegenheit an den Kontroll-Ausschuß zur Untersuchung zu überweisen.
* Oberkausungen, 15. Juli 1910. Beim Zer- kleinern von Buchenschnittholz in Klibbern schlug ein Schulknabe mit der frisch geschliffenen Holzaxt so unglücklich neben den Hackklotz, daß die Schärfe der Axt durch den Schuh tn den Fuß drang und ihm zwei Zehen des rechten Fußes buchstäblich ab- gehackt wurden. _ „ -
* Dellingen (Westerwald), 15. Jult 1910. Im Steinbruche der Firma Streich wurde der 32 Jahre alte ledige Arbeiter Wilhelm Heinz von hier von herabsallenden Steinen erschlagen.
* Mainz, 15. Juli 1910. Ein langgehegter Wunsch, so schreibt das „Mainz. Journ.", vieler Mainzer Katholiken wird hoffentlich im kommenden Jahre in Erfüllung gehen. Herr Justizrat Dr. Schmitt, unser Führer, hat den Antrag gestellt, 1911 die 59. General-
Gefchirstsbericht Volksvereins-Sekretariats zu Fulda (ab 1. Januar 1909 bis 31. Dezember 1909).
Mit dem Jahre 1909 hat das am 1. Oktober 1908 von dem Volksverein für das katholische Deutschland gegründete Volksvereins-Sekretariat zu Fulda sein Fes volles Geschäftsjahr beendet. Das dem Sekre- taiiat von vornherein allerorts entgegengebrachte und im Laufe der Zeit erheblich gewachsene Vertrauen beweist, daß die uneigennützige Volksvereinsarbeit über- aö in Stadt und Land anerkannt wird und daß das Gute sich immer und überall Bahn bricht Bond^ untern und Mittlern S^eüotrerung8^^^te^, V?”® aber von der Landbevölkerung wurde das «ehe™ sowohl in Fulda wie auch auf den auswärtigen Sprechtagen stetig stark in Anspruch senommen Dec Sekretär wurde um Uebernahme von Vortragen und Mitwirkung bei Versammlungen und Konferenzen so häufig angegangen, daß es ihm unmöglich war alle Wünsche zu befriedigen. ,
Der folgende Geschäftsbericht durfte geeignet sein einen wenn auch unvollkommenen Einblick in das frischpulsierende Leben des Volksvereins-Sekretariates zu gewähren.
Sprechstunden in Fulda fanden an Wochentagen außer Montag von 11—1 Uhr mittags und von 6-8 Uhr abends statt. Die Zett wurde deshalb so gewählt, um den Arbeitern, Handwerkern und Beamten Gelegenheit zu geben ohne Zeitversäumnis und damit verbundenem Verdienstausfall sich der Hilfe des Sekretariates zu bedienen. Um auch der ländlichen Bevölkerung die Inanspruchnahme zu erleichtern, wurden auswärtige Sprechtage eingerichtet, die monatlich einmal in Hünfeld, Geisa, Eiterfeld, Schmalnau, Neuhof, Großenlüder und an allen Markttagen in Hilders abgehalten wurden.
Die Frequenz der Sprechtage ergibt sich aus nachfolgender Zusammenstellung: Es wurden erteilt in: Hünfeld 86, Geisa 298, Eiterfeld 90, Schmalnau 82, Neuhof 11.7, Großenlüder 78 und Hilders 242 Auskünfte. Die erforderlichen Schriftsätze werden in der Regel in Fulda angefertigt und können daher nicht gesondert aufgeführt werden.
Die Gesamtzahl der Auskünfte und Schriftsätze betrug im Berichtsjahre 4717, davon 2869 Auskünfte und 1848 Schriftsätze. Auf die einzelnen Rechtsachen verteilen sie sich wie folgt:
. 70520,77 Hektar . 11458,25
. 117707,56 „
. 198 616,60 „
Könige . . 21 635,89 „
Das macht im ganzen „nur* 419939,07 Hektar. Beinahe die Hälfte von Oberschlesien war also im Jahre 1909 im Besitze von nur 120 Adels- und Magnatensamilien. — Da von sozialdemokratischer Seite immer auf die Zentrumsmagnaten in Oderschlesien hingewiesen wird, stellen wir fest, daß von den namentlich aufgeführ- ten sechs größten Besitzern, wenn an die Selle des Fürsten Stolberg-Wernigerode Graf v. Tiele-Winckler gesetzt wird, nicht ein einziger sich befindet, der auch nur entfernte Beziehungen zum Zentrum unterhält. Abgesehen von dem Herzog von Ratibor handelt es sich um Protestanten.
Zivilrecht einschl. Armenrecht ........
Steuer........
Miete und Pacht . . . Unfallversicherung . . . Invaliden- und Altersversicherung .....
Krankens erstcherung . . Prioatversicherung und Haftpflicht.....
Erbschaft, Testament und
Teilung......
Dienst- u. Arbeitsvertrag Polizei- und Strafsachen Armenunterstützung und
Alimentation . . . .
Vormundschaft . . . . Verwaltungsrecht . . . Schule........
Militär .......
Sonstiges...... .
v ersammlung der Katholiken Deutschlands in Mainz abzuhalten. Das Zentralkomitee hat den Antrag warm unterstützt, sodaß er nut zur Beschlußfassung der diesjährigen Generalversammlung in Augsburg unterliegt. Mitbestimmend zur Abhaltung in Mainz ist der Umstand, daß im nächsten Jahre daS katholische Deutschland dm 100. Geburtstag des Mannes begeht, der an der Wiege der Katholikenversammlungen gestanden, und der seinen großen Einfluß in religiöser sowie in sozialer Beziehung auf denselben in einer großm Zeit geltend gemacht hat: Wilhelm Emmanuel Freiherr v. Kettelet, Bischof vonMainz. ES ist schon mehrfach an dieser Stelle Ser Wunsch ausgesprochen worden, man möge aus obigem Anlaß dem großen Bischof In Mainz, dem Orte einer Wirksamkeit, ein öffentliches Denkmal errichten, und zwar aus gesammelten Beiträgen der Katholiken Deutschlands. Es wäre vielleicht am Platze, einen diesbezüglichen Antrag auf der diesjährigen Generalversammlung zu stellen. Gleichzeitig könnte man einen Aufruf in der gesamten katholischen Preße er- lassen, tn dem alle Katholiken gebeten werden, zur Errichtung eines Ketteler-Denkmals ihr Scherflein beizutragen. Ein freudiges Echo wird dieser Plan finden, auf diese Weise dem großen Manne zu danken, dem das kathol. Deutschland so vieles verdankt. Vor allem wäre es die kath. Presse, die er auf jede Weise gefördert hat, nicht bloß mit Worten, sondern auch mit der Feder; dann sind es die katholischen Frauen die er in den, heute über ganz Deutschland eingeführten christlichen Müttervereinen organisiert hat; die kath. Arbeiter, für die er allezeit ein warmes Herz hatte, und für die Hebung dieses Standes so Hervorragendes geleistet hat; die Zentrumspartei, der er auch seine Dienste gewidmet hat und nicht zuletzt die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, bereit Patron er war, wie Stadtpfarrer Huhn-München in seiner Gedächtnisrede auf Bischof v. Ketteler 1877 zu Würzburg ausführte. Also das katholische Deutschland hat Grund genug, eine Ehrenschuld an unserm großen 591- 'chof durch Errichtung eines öffentlichen Denkmals abzutragen. Möge man daher recht bald die nötigen Schritte in die Wege leiten und auf der Generalversammlung zu Augsburg noch den Antrag stellen.
* Aus dem Rheingau, 15. Juli 1910. Wie die .Rhein. Volksztg/ mitteilt, ist im Rheing auer Winzerkrach ein Termin zur Verhandlung vor der Wiesbadener Strafkammer bis heute noch nicht angesetzt, und dürfte vor Oktober-November nicht zu erwarten sein. Noch immer wird neues Material beigebracht. Nach Einsichtnahme der sehr umfangreichen Akten wird man auch der Verteidigung noch Zeit lassen müssen, ihrerseits Anordnungen zu Zeugenvernehmungen ufro. treffen zu können.
vermischtes.
* An Fischvergiftung erkrankte in Schneidemühl (Posen) das gesamte Personal eines Geschäftshauses nach dem Genüsse von Fischkonserven. Der 19jährige Hausdiener Körner ist gestorben; einige der übrigen Erkrankten befinden sich noch in Lebensgefahr.
* Der Kunst- und Antiquitätenhändler Max Heimann in Münster wurde verhaftet, weil er jahrelang umfangreiche Fälschungen, namentlich romanischer und gothischer Holzskulpturen vorgenommen hat. Er betrieb weit über das Münsterland hinaus einen umfangreichen Antiquitätenhandel.
* Waldbräude in Amerika. Die Wälder im Staate Montana stehen seit einigen Tagen in Flammen. Das Feuer ist nicht weniger als an 13 Stellen gelegt worden. Man vermutet ein Verbrechen von Indianern. Die Stadt Whitefish ist vollständig von den brennenden Wäldern eingeschlossen. Bisher konnte der Stadt keine Hilfe gebracht werden.
wenigen Minuten, daß bet Betreffende noch nicht in- valide ist. In den meisten Fällen schließt sich die untere Verwaltungsbehörde dem vertrauensärztlichen Gutachten an, und auch baS Schiedsgericht erachtet basselbe nach erhobener Berufung oft für maßgebend, was zur Folge hat, daß der Rentenanspruch ab gelehnt wird. Sollte sich hier durch die Reichsversicherrungs- orbnung nicht Wandel schaffen lassen? Es könnte das vielleicht in der Weise geschehen, daß auch den Versicherten Vertrauensleute beigegeben werden, die nicht auch von der unteren Verwaltungsbehörde und den Rentenfestsetzungsinstanzen zur Erstattung von Gutachten angegangen werden dürften. Wenn dies nicht angängig ist, so wäre es gut, wenn das Vertrauensärztesystem beseitigt und den Rentenfestsetzungsinstanzen aufgegeben würde, abwechselnd die verschiedenen Aerzte zur Erstattung von Gutachten heranzuziehen. Die vertrauensärztlichen Gutachten haben bei den Versicherten schon viel Erbitterung hervor- gerufen, die zu verhüten Staat und Volk ein Interesse haben. In Unfallversicherungssachen kann es als ein Nebelstand bezeichnet werden, daß die Abschätzung des Grades der durch beit Unfall herbelgeführttn Erwerbsbeschränkung praktisch bem Arzte überlassen bleibt. Hierüber sollten Sachverstänbige aus bem Stande ber Arbeitgeber und Arbeitnehmer möglichst aus demselben ober einem ähnlichen Berufe, dem ber Verletzte angehört, befragt werden.
Auch ist unverkennbar, daß die heutige Rechtsprechung in Arbetterverstchernngssachen gegenüber der vor einigen Jahren von andrem Geiste getragen ist, was leider auch für das Reichsversicherungsamt zu- trifft.
In zweifelhaften Fällen wurden von diesem vor einigen Jahren selbst beim Vorliegen mehrerer zu Ungunsten des Rentenbewerbers sprechenden Ober- gutächten noch weitere Obergutachten eingeholt; heute geschieht das viel seltener zum Nachteil der Versicherten.
Der Sekretär widmete sich soweit wie eben möglich auch ber Organisation unb Agitation, in- betn er in Versammlungen be» Volksvereins, katholischer StanbeSvereine und christlicher Gewerkschaften Vorträge übernahm, Konferenzen unb Versammlungen veranlaßte unb Neugründungen vornahm. Er nahm an 70 Versammlungen teil und hielt 47 Vorträge, die sich auf nachbenannte Vereine wie folgt verteilen: Volksverein 35 Versammlungen 33 Vorträge, Männerund Arbeitervereine 17 Versammlungen 6 Vorträge, christliche Gewerkschaften 18 Versammlungen und 8 Vorträge. Die dafür aufgewandte Mühe war nicht vergeblich. So konnte in Hosenfeld, Margretenhaun, Eichenzell, Blankenau, Magdlos und Schwarzbach der Volksverein neu- bezw. wieder gegründet werden. Hierbei sowie in den übrigen Versammlungen und im persönlichen Verkehr konnten 448 Mitglieder neuausgenom- men werden. Leider begegnete in einigen Orten die Einführung des Volksvereins oder ein intensives Arbeiten tm Sinne des Vereins noch immer aktivem und passivem Widerstand an Stellen, denen eine erweiterte Volksbildung und eine soziale Förderung des katholischen Volkes dringendste Herzensangelegenheit fein sollte.
Bei Neugrünbungen von katholischen Männer- unb Arbeitervereinen sowie bei sozialen Wahlen war ter Sekretär anregenb unb mitwirkend tätig. Seit dem 1. Januar 1910 gehört er bem Ausschuß ber Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau in Kassel als Mitglied an.
Das Sekretariat widmete sich auch dem Vertrieb guter sozialer und apologet. Schriften. So konnten seit seiner Gründung 1774 solcher Schriften abgesetzt werden, die jedenfalls viel Segen verbreitet haben. Das Sekretariat verfolgte auch die gegnerische Agitation; der Sekretär besuchte deren Versammlungen unb nahm wenn nötig das Wort, um die gegnerische Agitationsmethode in's rechte Licht zu setzen. Waren auch die Arbeiten manchmal recht mühevoll und beschwerlich, so gewährte doch der Umstand, daß sie Unterstützung und volles Verständnis fanden, hohe Befriedigung. Dies umsomehr, als sie sowohl hinsichtlich der Organisation und Agitation sowie auch i der Rechtshilfe von Erfolg begleitet waren; mancher Rat- und Hilfesuchende hat der Tätigkeit des Se- : kretariates erheblichen Nutzen, sowohl in finanzieller wie auch in anderer Beziehung zu verdanken. In ■ einem Falle wurde für eine Perfon ein Erfolg von ca.
600 Mk. erzielt. Der Gesamtgeldwert der Erfolge . konnte jedoch bei den vielen sonstigen Arbeiten nicht er-
veutsches Reich.
* Die Beherrscher Oberschlesiens. Eine interessante Statistik über die Beherrscher von Oberschlchen veröffentlicht der ,Bote a. b. Riesengebrrge'. 258 Großgrundbesitzer verfügen in den 15 ländlichen Kreisen Oberschlesiens über fast 500000 Hektar, das hecht über die Hälfte der Gesamtfläche dieser Kreise. Dre größten Besitzer waren:
1. Herzog von Ujest . .......HAO Hektar
2. Fürst von Meß.......£0437,0 „
3 Herzog von Ratibor.....23 394,5 ,
4 Fürst zu Stolberg-Wernigerode . 26 517,0 „
5. Prinz Hohenlohe-Ingelfingen . . 25 486,2 „
6. Graf Henckel Fürst v. Donnersmarck 21942,2 ,
Insgesamt besaßen diese sechs Besitzer rund 200000 Hektar Fläche, wobei bemerkt sei, daß rund 5600 Hektar eine deutsche Quadratmeile ausmachen. Die Besitzungen des Fürsten zu Stolberg-Wernige- rode sind nunmehr für 17 Millionen Mark m die Hände des Grafen v. Tiele-Winckler »berge- cangen. Graf v. Tiele-Winckler hatte rm Jahre 1909 Güter im Umfange von 14380,3 Hektar. Dank dem nunmehrigen Erwerb besitzt er jetzt Güter m einem Gesamtkomplex von 40 897,3 Hektar Fläche; also mehr als sieben Quadratmeilen! Von der Gesamtfläche des deutschen Großgrundbesitzes in Ober- schlesien waren im Jahre 1909 fide,kommissarisch 258128,45 Hektar gebunden, was 24,33 Proz. der Gesamtfläche der 15 Kreise ausmachte. Von der Gesamtzahl von 258 Großgrundbesitzern waren tm Jahre 1909: 64 gewöhnliche Adelige, 14 Barone und Freiherren, 32 Grasen, 7 Fürsten und Herzöge und 3 Könige (von Preußen, Sachsen und Württern-
652 Auskünfte, 235 Schriftsätze
80
Der Wcrinpyr.
Roman von Fergus Hume. Autorisierte Bearbeitung 24] von C. Wehner.
Wenn Herbert Brand aber Zeit zum Nachdenken und Träumen fand, bann träumte er von Olga. Fritzi Lambert hatte recht — er liebte Olga mit ber tiefen, reinen Liebe eines Mannes, ber noch nie in feinem Leben wahrhaft geliebt hat. Es war seltsam, baß Fräulein Halber von bieser Liebe nichts gemerkt, Äer Herbert hatte sein Geheimnis absichtlich für sich vehalten. So lange er im Hause Kirby's verkehrte, fühlte er, daß er kein Recht habe, sich um Olgas Liebe zu bewerben, er sah, daß Olga ein gewisses Interesse für ihn empfand und ein Annäherungsversuch von feiner Seite vielleicht nicht ungünstig ausgenommen wurde. Deshalb war er doppelt vorsichtig gewesen, seine Gefühl; nicht zu verraten.
Herbert Brand war durchaus kein schlechter Mensch; fr hatte Frau Kirby nicht geliebt; auch hierin hatte Fritzi richtig geurteilt. Lena, die ihn wegen feiner männlichen Schönheit bewunderte, hatte es sich in den Kopf gesetzt, ihn zu ihren Füßen zu sehen. Tas war ihr gelungen. Aber ihr Herz hatte nie den Sieg über ihren Verstand gewonnen. Sie wußte, wie eifersüchtig ihr Mann war und daß er imstande gewesen wäre, sich von ihr scheiden zu lassen. Da sie ihn seines Geldes wegen geheiratet, fiel es ihr gamicht ein, sich ihr glänzendes Leben zu verscherzen. So war ihr Flir- ten mit Brand immer in erlaubten Grenzen geblieben. Es gefiel ihr, sich von ihm bewundert zu sehen und l’on seinen Lippen zu hören, daß sie das schönste Weib auf der Welt sei. Dafür lächelte sie ihn hold an unb Jagte ihn: einige schöne Redensarten — bamit glaubte 'fie ihn für seine Artigkeiten genügenb belohnt.
Herbert Branb hatte es anfangs Vergnügen gemacht, sich mit ihr zu amüsieren, obgleich sie ihm nichts Reiter als ein Gegenstand des Flirts war. Er liebte ihre Lebhaftigkeit und ihre Beweglichkeit, in ihrer Gesellschaft verging die Zeit rasch und angenehm, und ba sein Leben in Lonbon em ziemlich einsames, war
es ihm zur Gewohnheit geworden, in ihrem Hause zu verkehren. Daß er diesem Verkehr früher ober später ein (Silbe machen müsse, hatte er sich längst gesagt, beim seine Gelbmittel schmolzen in besorgniserregender Weise zusammen.
Ein unerwartetes Zusammentreffen mit bem Gatten Genas brachte eine viel frühere .Krisis, als Brand erwartete. Wie Sim bem Detektiv erzählt, hatte es eine heftige Szene zwischen ben beiden Männern gegeben und Brand hatte das Haus unter Drohungen oerlassen, die er freilich gleich hinterher bedauert und lächerlich gefunden. Aber, wenn auch auf eine unangenehme Weise, war doch das Ende überhaupt gekommen.
So iuar er nun nach Sittern gegangen. Er liebte Olga und beabsichtigte, sie zu seinem Weibe zu machen, wenn sie seiner Bewerbung Gehör schenkte. Ter Aufenthalt in diesem stillen, kleinen Ort sollte gewissermaßen ben Bruch mit bem alten unb ben Anfang eines neuen Lebens bedeuten. Wenn er mit bem Vollenbeten Manuskript seines neuen Romans nach Lonbon zurückkehrte, wollte er bie Freundschaft mit Olga erneuern und er hoffte nicht ohne Grund, daß diese Freundschaft mit Olga sich In Liebe verwandeln werde. Natürlich wollte er ihr so wenig wie möglich von feiner Torheit erzählen; wenn sie jedoch bie Wahrheit zu hören wünschte — nun, so würbe er ihr eben alles bekennen Olga konnte ihm bann Vorwürfe machen, baß er leichtsinnig gewesen, aber eines Vergehens konnte sie ihn nicht beschulbigen.
In ber Hoffnung, ihr Interesse für ihn wach zu erhalten, schrieb er zweimal von Bittern aus. Es waren heitere, sorglose Briefe, bie dennoch eines tiefen Ernstes nicht entbehrten, was sie bemerken würde, wie er innerlich wünschte. Aber er bekam weder auf den ersten noch auf den zweiten Bries Antwort. Das verdroß ihn und er war schon im Begriff gewesen, selber nach London zu fahren und nach dem Grund zu forschen. Doch ein gewisser Stolz hielt ihn ab, seine Gefühle so offen zu zeigen, während — tote es ihm schien — sie so glelchgilttg war. So blieb er in Bittern unb arbeitete unb träumte weiter von Olgas
Schönheit unb prächtigen Eigenschaften. Früher ober später würbe er ja doch ihre Liebe erringen. Einstweilen baute er Luftschlösser unb ließ es sich wohl in denselben sein. Dann kam der Sturm — ein Sturm, von dem er sich nichts träumen ließ — ein Sturm, der alle seine herrlichen Luftschlösser in Trümmer zerbrach und die Trümmer verwehte.
Es war Abend. Brand hatte sein einfaches Mahl verzehrt und saß am Kamin. Das Wetter war kalt und Fräulein Roding, in ihrer namenlosen Angst vor Kälte und Nässe — verursacht durch einen chronischen Rheumatismus — hatte es sich trotz Brands Widerspruch nicht nehmen lassen, Feuer zu machen. Jetzt, wo die Fenster geschlossen und die Vorhänge vorgezogen waren, fand der junge Mann den traulichen Schein des Feuers äußerst behaglich. Nur fürchtete er, bie Wärme im Zimmer könne ihn schläfrig machen. Seine Furcht war zu begrünbet, benn er fühlte nicht bie geringste Lust zum Arbeiten. Der Tisch war abgeräumt, bie Lampe angezündet, fein Manuskript lag auf bem Schreibtisch. Feber, Tinte, eine fleckenlose Schreibunterlage — alles war ba, nur bie Lust zuni Arbeiten fehlte. Fräulein Roding hatte ihrem Mieter eine Tasse kräftigen Tee gekocht, den er jetzt neben dem Feuer sitzend schlürfte.
Da klingelte es an der Haustür. Es war eine altmodische, dumpfklingende Glocke, deren Klang wie ein Klageton durch das Haus hallte. Brand fuhr in die Höhe. Es geschah so selten, daß jemand des abends im „neuen Hans" Einlaß begehrte. Er hörte feine Wirtin an die Tür schlürfen und war überzeugt, sie werde im nächsten Augenblick mit irgend einer Matrone tn der Küche verschwinden. Da er es für unmöglich hielt, daß dieser Besuch ihm gelten tonne, da niemand feine Adresse in Sittern kannte, beschäftigte er sich wieder mit seinem Manuskript, als Fräulein Roding in der Tür erschien und Herrn Sranb mitteilte, eine Dame wünsche ihn zu sprechen. Gleich darauf trat bie Setreffenbe über die Schwelle. Dann vejchwanb bas alte Fräulein, sich tm füllen wundernd, wer bie Dame wohl sein könne. Auch Branb Williberte sich — aber nicht lange.
junge Man» er bam und
von Feldern übergebenen Schriftstücks.
das, Herr Brand", hauchte sie.
Nach Immer verwundert nahm der das Papier entgegen und las es durch.
„Das ist eine infame Lüge!" schrie warf es zu Boden.
(Fortsetzung folgt.)
tat.
„Sie werden beschuldigt - beschuldigt —" Olga vermochte nicht 'weiter zu sprechen, die Worte schienen sie zu ersticken. Voller Verzweiflung riß sie ein Papier au? ihrer Kleidertasche, eine Abschrift bes ihr - Lesen Sie
„Herr Branb!" begann bie Besucherin unb schlug den Schleier zurück. /
Der junge Mann taumelte zurück, als habe et einen Schlag erhalten. „Ol — wollte sagen, Fräufeln Halber!" rief er im höchsten Maße überrascht. „Sie hier? Was ist geschehen? Ich freue mich so un- en blich, Sie zu sehen — so unendlich! Wollen Sie nicht Platz nehmen? Darf ich Ihnen eine Taffe Tee anbieten? Ich bin so überrascht!"
All diese Worte kamen hastig, überstürzt au8 seinem Munde, um Olga über ihre grenzenlose Verlegenheit, die er wohl bemerkte, hinweg zu helfen. Er für sein Teil wunderte sich, was sie nach Bittern geführt haben möge.
Olga lehnte all seine Anerbietungen ab, setzte sich jedoch auf einen in der Nähe der Tür stehenden «tuhl „Ohne Zweifel sind Sie erstaunt, mich hier zu ichen, Herr Brand?" sagte sie.
„Nun ja, Fräulein Holder Ich bm sehr erstaunt — aber nichts destoweniger auch sehr erfreut."
„Können Sie nicht erraten, Weshalb ich gekommen bin?"
„Nein", antwortete Brand, sie bewundernd be- trachtend. Ich habe keine Ahnung, was Sie hierher geführt haben könnte. Was ist es?"
„Er kann nicht schuldig sein!" murmelte Olga zu sich selbst.
„Schuldig?" Brand hatte dies eine Wort gehört, so leise es auch geflüstert war, und das Blut schoß ihm jäh ins Gesicht, als er ein paar Schritte vorwärts