57. fatrolöerjammhiig der toljolita DeotWmds in Äugsbnrg.
Zum Augsburger Katholikentag wird die ka« tholische Geistlichkeit Deutschlands voraussichtlich ein großes Kontingent von Teilnehmern stellen. Um nun den Wünschen der hochw. Herren beit. Zelebrationsgeleyenheit möglichst gerecht werden zu können, ist eine vorausgehende Anmeldung beim unterfertigten Vorsitzenden der A l t a r k o m m i s s i o n fast unerläßlich. Dabei möge über folgende Punkte gefl. Auskunft gegeben werden:
1. ob eine bestimmte Kirche gewünscht oder der Altar-Kommission es überlassen wird, dieselbe zu bezeichnen, in welch' letzterem Fall Wohnnngsangabe notwendig ist;
2. an welchen Tagen und zu welcher Stunde der bett. Altar reserviert werden soll.
Rach dem Vorgang früherer General-Versammlungen wird für jeden Zelebrationstag eine besondere Karte zu je 50 Pfennig ausgegeben, um den Kirchen die eigenen Aufwendungen und den Mesnern und Ministranten ihre Dienste zu vergüten. Die bestellten Karten werden für jeden einzelnen hochw. Herrn unter Kuvert reserviert und tönnen bei der Ankunft auf dem Bahnhof im Bureau der Altarkommission persönlich erhoben werden. Gewünschten Falls werden sie aber auch den Bestellern in die Heimat zugesandt, wenn dieselben entweder den treffenden Betrag mit 30 Pfg. Aufschlag (für das Ausland 60 Pfg.) vorher einsenden oder uns zur Erhebung desselben durch Nachnahme ermächtteen. . Für Priester, welche hier bei bekannten Familien wohnen, können auch diese die Zelebrationskarten beim Vorsitzenden der Altarkommission besorgen und dieselben bis zur Ankunft ihrer Gäste in Verwahrung nehmen.
Alle hochw. Herren wollen sich gefl. mit „Cele- bret" versehen.
Die Anmeldungen mögen bis längsten- 15. August vollzogen werden.
Der der Lokal- Der KgMrnde der Alt«-
Sommiffton: Sominission:
Justiztat Reifert. I. Oblinger, Domkaplan, Augsburg D 113 a.
Reklame«- «nd Anzeigenteil.
•Kindermehl.
Tausendfach bewährte
Nahrung bei:
Brechdurchfall^ Diarrhöe, -Krankenkost. Darmkalarrh.etc.
Zeitung
Fuldaer
und der Eisenbahnschuldentilgung von zwei auf vier Millionen, angesichts der wirtschaftlichen Lage und der bevorstehenden Mißernte ab.__
Frankfurt a. M. werden dem Buchbinder 15 Mk. bezahlt und in Limburg 12 Mark; mir bisher 10 Mark und der Preis war nicht zu hoch. Nun verfügt die Ober-Rechnungskammer einfach, daß die bett. Bücher im Gefängnisse zu BreSlau ge- Kunden werden sollen. Für 3 Mark 90 Pfg. kann der Meister noch nicht einmal die baren Auslagen decken! So sieht daS „Wohlwollen" des Staates aus. Nun frage ich: Darf die Ober-Rechnungs- kammer derartiges veranlaflen? Darf dieselbe Reklame machen für die Gefängnis-Arbeit? Man soll sich heutzutage das Fell über die Ohren ziehen lasten und noch Hurra dabei schreien. Steuern soll man bezahlen und die Handwerker bekommen die Arbeit entzogen. Anstatt daß man die staatlichen Anstalten anweist, ihre Bedürfnisse am Platze zu decken, versichert man einen des Wohlwollens und läßt ruhig im Gesängniste arbeiten. Der Handwerker wird sonst zu üppig, er muß schön klein bleiben und zahm dabei! Der Staat bereitet sich auf diese Weise auf die kommenden Reichstags-Wahlen vor. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, daß die Gesängnis-Arbeit mehl eingeschränkt wird und dem Handwerk nicht noch mehr der Verdienst entzogen wird."
Aur dem Nachbargebiete.
* Jena, 10. Juli 1910. Von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn wurde gestern mittag ein etwa öjähriges Mädchen aus Zwätzen in der Saalbahnstraße überfahren, als es dem von einem Windstoß entführten Hut ihres Pflegevaters nacheilte. Das anscheinend schwer verletzte Kind wurde in eine Klinik gebracht.
* Mühlhausen, 10. Juli 1910. Im Verfolgungswahn sprang gestern vormittag die Ehefrau des hiesigen Steuerkassenrendanten aus dem Mansar- denfenstkr ihrer Wohnung. Sie stürzte auf das Straßenpflaster und erlitt hierbei so schwere Verletzungen, daß sie einige Stunden darauf starb.
* Darmstadt, 9. Juli 1910. Verschiedene Blätter brachten in einem Bericht über den Verlauf der Gläubigerversammlung, die im Konkurse über den Nachlaß des Notars Hubert in Oppenheim a. Rh. am letzten Mittwoch daselbst stattgefunden hat, die Mitteilung, daß eine staatliche Hilfsaktion für diejenigen geschädigten Deponenten gesichert sei, deren Existenz infolge ihrer Verluste geiährdct erscheine. Die „Darmstädter Zeitung" ist ermächtigt, diese Mitteilung dahin richtig zu stellen, daß zwischen der großherzoglichen Regierung und dem Hessischen Notar-Verein Verhandlungen im Gange sind, welche die Gründung eines Hilfsfonds bezwecken, zu dem die großherzogliche Regierung einen Zuschuß zu leisten sich schon bereit erklärt habe.
* Rüdesheim, 11. Juli 1910. DieFolgendes Eltviller Winzerkraches treten mehr und mehr in die Erscheinung. Beim hiesigen Winzerverein sind im verflossenen Geschäftsjahr zwei Mitglieder mit Tod abgegangen. Deren Angehörige wurden jetzt ausgefordert, ihren Veclustanteil an den Winzerverein binnen 14 Tagen zu zahlen. Beim hiesigen Winzerverein beträgt der Verlust pro Mitglied über 3000 Mk.! Die Agehörigen weigern sich, die Forderung anzuerkennen resp. zu zahlen, da sie deren Rechtsgültigkeit bestreiten; sie wollen es auf einen gerichtlichen Entscheid ankommen lasten.
* Vom hohen Westerwald, 12. Juli 1910. Die aus hiesiger Gegend im Siegerland arbeitenden Bergleute klagen, daß die Besserung des Verdienstes auch jetzt noch viel zu wünschen übrig laste. Während früher Monatslöhne von 150 bis 180 Mark keine Seltenheit gewesen seien, müsse man jetzt mit 60 bis 80 Mark zufrieden sein. Viele Bergleute ziehen es deshalb auch vor, in der Heimat sich nach Arbeit umzu- schen, wenn dieselbe auch weniger lohnend ist.
* Aus Nassau, 11. Juli 1910. Zum Kapitel „Gefängnis - Arbeit" schreibt der ,Rhein. Volksztg/ ein Leser: „Vom „Wohlwollen" des Staates dem Handwerk gegenüber hört man sehr viel und denkt da manch' einer, wie rücksichtsvoll das Handwerk behandelt wird. Wohlwollend? Nein! Unterdrückt wird man auf das empfindlichste. Komme ich da auf das Amtsgericht und will die Grundbücher einbinden, wie ich das feit Jahren besorgte, da wird mir der „wohlwollende" Bescheid, daß die Ober-Rechnungskammer zu Potsdam verfügt hat: Die Grundbücher sollen im Gefängnisse zu Breslau gebunden werden. Die Gefängnis-Verwaltung offeriere das Einbinden pro Band zu sage und schreibe 3 Mark 90 Pfg.! Nicht möglich, wird da mancher sagen, denn in
M 151.
MI«w»ch den IS. 3nli W
57. Jahrgang.
Deutsches Reich.
m Der Zentralverband der deutschen Ortskrankenkassen ist am Montag in Regensburg zusammengetreten. Er beschäftigte sich am ersten Tage in der Hauptsache mit der Besprechung der R e i ch s v e r - sicherungSordnung. Rechtsanwalt Dr. Mayer (Frankenchal), der die Beschlüsse der Reichstagskommission erörterte, bedauerte, daß die Reichstagskommission die Frauen nicht für würdig befunden habe, Ver- sicherungstragcr zu werden. Im allgemeinen war er mit den Grundzügerr des Entwurfs einverstanden, hatte jedoch einzelne Bedenken. Reichstagsabg. Frhr. v. Pfetten (Zentrum) bezeichnet die Reichsversicherungsordnung als die schivierigste Aufgabe, die je den Reichstag beschäftigt habe. Er wamt vor einer einseitigen Beurteilung dec Arbeiten der Reichs- tagskommiffion. Kompromiß und auch Verhandlungen hinter dm Kulissen seien bei unseren unsicheren Parteiverhältnissen im Reichstage unvermeidlich. Der Referent hatte von Parteien gesprochen, die sich in der Gunst der Regierung sonnen. Soweit er das Zentrum gemeint haben sollte, müsse er, Redner, das zurückweisen. Er müsse auch die Behauptung zurück- iveisen, daß in der Kommission politische Rücksichten eine größere Rolle gespielt hätten als versicherungstechnische. Politische Gesichtspunkte hätten eine gewisse Bedeutung gehabt. Aber diese hätten weit zurückgestanden hinter den versicherungstechnischen und wirtschaftlichen Erwägungen. In der Debatte trat W i e s- n e r-Leipzig für die freie Arztwahl ein. Landtagsabg. F r ä ß d o rf-Dresden betonte, das Arztsystem zu bestimmen, sei Sache der Kasse und der Versicherten und unter keinen Umständen der Aerzte. In dem Augenblick, wo die freie Arztwahl vorgeschrieben sein wird, werden die Stergte den Krankenkassen ihre Vorschriften diktieren. Redner bringt dann einen Fall zur Sprache, der ihn selbst betrifft: Er sei im letzten Winter erkrankt gewesen und habe in 40 Grad Fieber gelegen. Der in Vertretung seines ständigen Arztes herbeigeholte Dr. Morsbach habe, nachdem er einmal dagewesen war, die W e i t e r rb e h a n d l u n g abgelehnt mit den Worten: Herrn Fräßdorf behandle ich nicht, der ist ein Feind der Aerzteorganisation. (Hört, hört!) Sanitätscät Dr. Schmidt in Leipzig habe als Vorstand der Leipziger Organisation dieses Verhalten gebilligt. In Dresden sei er nicht in Gefahr um ärztliche Hilfe gekommen. Wie wäre es aber in einem Orte gewesen, wo er auf diesen Arzt angewiesen wäre! (Sehr wahr!) Das ist doch Haß, der alle Grenzen überschreitet! (Stürm. Beifall, Rufe,: Pfui Teufel!) Wo Leben und Gesundheit in Frage stehen, muß doch der Mensch in er st er Reihe Mensch sein! (Stürrm. Beifall.) Nachdem diese Sache im sächsischen Landtage zur Sprache gebracht wurde, hat der Leipziger Verband mit unwahren Behauptungen gegen mich operiert. Ich muß daher an dieser Stelle vor aller Oeffenttichkeit folgendes erklären: „Herr Dr. Mosbach ist ein gelehriger Schüler des Leipziger Verbandes und hat wider besseres Wissen diese Behauptung aufgestellt, um inich als Vorsitzenden des Zentralverbandes der Ortskrankenkassen in der Oeffentlchkeit herabzusetzen. Ich erwarte die weiteren Schritte des Herrn Morsbach". Es folgte dann noch eine längere Debatte, an der sich eine große Reihe Redner beteiligte. Am Schlüsse der Debatte erklärte der Vorsitzende Abg. Fräßdors-Dresden, daß er es nicht für notivendig halte, jetzt noch der Versammlung Resolutionen zur Beschlußfassung vorzulegen.
# Karlsruhe, 12. Juli 1910. Die zweite badische Kammer lehnte die Erhöhung der Steuer
2. Blatt.
vru« und Verlag der Znldaer »tHe*6t«dere< in Zulda.
sammenwirken mit dem Zentrum grundsätzlich und praktisch ab lehnt.
Haben die Herren, die hüben und drüben von der Sammlungspolitik reden, sich gründlich klar gemacht, daß es ohne das Zentrum nicht geht? Wenn ja, so würden wir den Evangelischen Bund, der hinter der neuesten Demonstration steckt, zu jener Kraft rechnen, die stets das Böse will und das Gute schafft.
Aber zunächst hat die nationalliberale Parteileitung das Wort. Möge sie klipp und klar sagen, ob sie von der Hehpolitik der Linken sich abwenden und den Arbeitsparteien sich anschließen will. Es wird Zeit, daß die Gährung in der nationalliberalen Partei mit der Klärung zum Abschluß kommt.
v „Zusammenfaffrmg aller schaffende« Kräfte."
Eine Art Programm dieses Inhalts wird in der offiziösen „Nordd. Allg. Ztg." aufgestellt.
Allerdings nicht an der Spitze des Blattes, wo die Dinge stehen, die den halbamtlichen Stempel offen tragen sollen, sondern nur tn der Abteilung Äütungsschau". Und zwar im Anschluß an ein Mat aus dem im gestrigen 2. Blatt erwähnten Artikel rer Natlib. Son." Dieses wetterwendische Parteiorgan hatte einiges Dumme und Anmaßende geschrieben, z. B. von der „historischen Schuld bei der Fertigstellung der Reichsfinanzreform und von der „Resignation", die anläßlich der Demonstration des Erbprinzen einen „kleinmütigen" Reichskanzler ergreifen könnte. Aber schließlich hatte es eme Forderung aufgestellt, die überraschend vernünftig klang, nämlich die:
daß .ein energischer Wille durch Zusammenfassung aller positiv schaffenden Kräfte der großen Gefahr einer abschreckend «wachsenden Sozialdemokratie einen wirksamen Damm entgegensetzen" müsse.
An dieses Schlußwort knüpft die „Nordd. Allg. Ztg." an. Sie läßt die „historische Schuld" ganz unbeachtet, um zu erklären, daß „auch wir von der Notwendigkeit der Zusammenfassung aller positiv schaffenden Kräfte um so fester überzeugt sind, je mehr die Unzufriedenheit und der Mißmut der letzten Zeiten die Gefahr des Anwachsens der Sozial- demokrätie vor Augm führen."
Sehr schön! „Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bund der dritte!" Eigentlich könnte das Zentrum die Priorität in Anspruch nehmen, denn unsere Partei ist schon im vorigen Jahrhundert für die Zusammenfassung aller positiv schaffenden Kräfte eingetreten, — nicht bloß rednerisch oder programmatisch, sondern auch durch die Tat. An dem Programm, alle pofitiven Kräfte zu sammeln, haben nur auch festgehalten, als Fürst Bülow gegen Ende 1906 die neue Staatsweisheit entdeckte, wonach die größte der positiven Parteien aus- gesch alt et und der Rest als allein maßgebender Block zu einer knappen Mehrheit zusammengefaßt werden müsse. Nachdem dies Experiment mißglückt war, erschien die Rückkehr zu der alten Manier des Zusammenarbeitens aller positiv schaffenden Parteien als eine Selbstverständlichkeit. Aber gerade der Liberalismus widersetzte sich der natürlichen Sammlungspolitik. Durch seine Teilnahme an der „Steuerhetze" und durch die sonstigen blockpolitischen Auslassungen goß er Oel in daS sozialdemokratische Feuer und suchte die Konservativen und das Zentrum nach Möglichkeit in Mißkredit zu bringen, obschon diese Parteien doch in die positiv schaffenden Kräfte gehören und für eine Arbeitsmehrheit unentbehrlich sind. Kurz: die Zu- samnrenfassung wurde vereitelt durch die Anmaßung des Liberalismus, der den Vätern der Finanzreform den Krieg bis aufs Messer ansagte.
Darum schreibt die konservative ^reuzztgck gegenüber den neuesten schönen Worten vom „Zusammensassen" mit Recht:
„Wir teilen die Meinung der nationalliberalen Parteileitung darin vollkommen, daß es nötig ist, das Volk darüber aufzuklären, wohin die Fahrt geht. Bevor jedoch hierüber Klarheit geschaffen werden kann, muß man erst wissen, welchen Kurs die nationalliberale Partei zu segeln entschlossen ist. Wenn die Nationalliberalen den ernsten Willen haben, an der „Zusammenfassung aller positiv schaffenden Kräften mitzuwirken, dann ist es unabweisbar, ihn dadurch zu betätigen, daß sie aufhören, den Parteizwist sortzuspinnen."
An die Adresse der Regierung möchten wir die Bemerkung hinzufügen, daß zwar nichts einzuwenden ist gegen eine freundliche Rücksichtnahme auf die Nationalliberalen, denen man die Rückkehr aus dem Irrgarten des Großblocks erleichterit will, daß aber die Regierungspolitik nicht einen einseitigen Charakter annehmen und in den Dienst der nationalliberalen Partei geraten darf. Die Zusammenfassung hat nur Bestand, wenn die Gleichberechtigung der mitarbeitenden Parteien gewahrt wird.
Es ist wie eine Ironie des Schicksals, daß die „Zusammenfassung al ler positiv schaffenden Kräfte" gerade jetzt auj's Tapet kommt im Anschluß an die Demonstration des Erbprinzen, die doch das Zu-
Au§ Nirche und Schule.
1 Limburg, 11. Juli 1910. Am 8. Juli wurden im hiesigen Mutterhause der deutschen Provinz der Pallottiner acht Proseß-Kleriker zu Priestern ge werht. Die Weihe nahm der Hochw. Herr Apost. Vikar von Kamerun, Bischof Heinr. Bieter, aus derselben Genossenschaft vor. Die Kongregation, bte bekanntlich im In- und Auslande apostolisch tätig ist, erhielt vor einiger Zeit vom Apostol. Stuhle die definitive Genehmigung ihrer Konstitutionen und hat sich namentlich in den letzten Jahrzehnten, seitdem sie in Deutschland tätig ist, erfreulich entwickell.
$>er Wampyr.
Roman von Fergus Hume. Autorisierte Bearbeitung
21] von C. Wehner.
„So glaubst Du denoch an seine Schuld?"
„Nein, nein, das nicht, aber es wäre doch immerhin möglich, daß man ihn verhaften will. Ich werde ihm schreiben. Nein, womöglich geht der Brief verloren. Ich werde telegraphieren. Das geht auch nicht — die Postbeamten sehen ja den Inhalt. Ich werde selber hinfahren und ihn warnen!"
„Olga!" Kühn und extravagant wie Elfriede war, hatte sie doch ein solches Unterfangen Olgas nicht geglaubt. Es erschütterte sie geradezu. „Du kennst den Mann kaum!" stammelte sie.
„Ich kenne ihn gut genug, um ihm zu Liebe ihn zu retten. Jawohl, ich fahre nach Bittern und erzähle ihm alles inbezug auf ben Schlüssel. Vielleicht gibt er mir Aufklärung, vielleicht beweist et seine Schuldlosigkeit. Elfriede, Du wirst schweigen?"
„Selbswerständlich!" erwiderte Fritzi schnell. „Selbst wenn er Kirbh ermordet hat, verdamme ich ihn nicht. Gewiß, ich schweige wie das Grab, Olga. Und was wirst Du bann tun?"
„Ihm zur Flucht verhelfen", rief Olga ungestüm. „Ich liebe ihn mehr als mein Leben."
„Hm", bemertte Elfriede, „ich würde an Deiner Stelle nicht anders handeln. Du bist ein edles Mädchen!"
< Fräulein Holder lächelte bitter. „Mehr töricht als edel, Elfriede. Komm, laß uns jetzt in ben Salon liehen und unfern Gesichtern Masken anlegen. Mutter darf von alledem nichts erfahren."
,Und Lena's Anerbieten?"
„Lenas Bestechungsversuch I" höhnte Olga. „Ich beantworte ihren Brief einfach gamichi"
„Na, das wird ihr das Herz auch nicht brechen", bemertte Fritzi. Dann gingen sie zusammen in den kleinen Salon, wo die nichtsahnende Frau Holder ihrer wartete.
Es die drei Damen beim Tee saßen, bemertte Frau Kolbet, daß Olga blaß und leidend ausiab. ..Was
fehlt Dir, Kind?" fragte sie. „Hoffentlich fühlst Du Dich nicht krank?"
„Nein, nein, Mutter", antwortete Olga und versuchte zu lächeln. „Ich habe Kopfschmerzen und bin abgespannt. Und ich meine, ich könnte eigentlich auf einen ober zwei Tage nach außerhalb fahren."
„Wird bas viel kosten?" fragte Frau Holder.
„Ach nein. Ich gehe ja nicht weit weg, Mutter. Nut möchte ich an einen ganz kleinen Ott, nach Bittern. Ich hotte, dort sei es sehr ruhig. Ein paar Tage ausmhen würde mir gut tun."
„Ja, Kind, das glaube ich auch", sagte die Mutter.
Bald verabschiedete sich Fritzi, Olga begleitete sie bis zur Tür.
„Du wirst kein Wort sprechen, Ftthi?"
„Keine Silbe! Ob schuldig ober nicht schuloig — ich überlasse ihn Deinen Händen."
Damit trennten sich die beiden Freundinnen, voll banger Ahnungen an die Zukunft denkend.
9. Kapitel.
Olga führte ihr Vorhaben nicht sofort aus. Sie sah keine Ursache, Brand sogleich aufzusuchen, da — roie, Jie t glaubte — außer ihr und Fritzi niemand wußte, daß er in irgend einer Beziehung zu dem Ver- bcechen stand Bevor ihm die Verhaftung drohte, lag für sie fern Grund zum Eingreifen vor. Mochte er schuld,g fehl ober nicht, jedenfalls war er in Bittern vorläufig sicher. Olga glaubte, er habe überhaupt nicht daS geringste zu befürchten, denn nach dem Urteil des Gerichts schim das Interesse der Leute für diesen Fall zu Ende zu sein.
Inzwischen bekam sie abermals einen Brief von Brand und der sorglose Ton, seine heitere, männliche Schreibweise bestärtten ste mehr denn je in der Annahme, daß er dem Verbrechen völlig fern stehe. Mochten auch noch so schwerwiegende Verdachtsmomente gegen ihn vorliegen, im Innersten ihres Herzens fühlte Olga, daß der junge Mann schuldlos fei. Sie verzögerte ihre Fahtt nach Bittern, wo sie die Wahrheit doch von feinen eigenen Lippen hätte hören und ihn vor der ihm drohenden Gefahr toamen können. Ihre Liebe zu Herbett Brand ließ sie vor diesen Schritt immer wieder rurückbeben Sie war »u weiblick um
aus den Grenzen der Schicklichkeit herauszutreten und ihre Liebe zu verraten, denn wenn sie jetzt zu ihm ging, so verriet sie dadurch ihr Herzensgeheimnis.
Inzwischen ging sie tagtäglich in ihr Büro und erfüllte chre Geschästspflichten. Auch Bill Vogel ging seinen Geschäften nach — das heißt, er beäugte auf das schärfste sämtliche Briefe, die für Fräulein Holder eingingen. Wenn er die ihm wohlbekannte Schrift sah, dann hoffte et durch den Poststempel Brands Aufenthalt zu erfahren. Aber dank dem Einfall Brands, an Olgas Pttvatadreffe zu schreiben, gelangte keiner seiner Briefe in Bills Hände. Nach einigen Tagen hoffnungslosen Wartens begab der junge Mensch sich zu Feldern, um diesem sein Mißgeschick zu bettchten.
„Ich glaube, et ist durchgebrannt und kommt gar* nicht wieder!" beendete er seine Erzählung. „Vielleicht hat er Lunte gerochen und ist verduftet!"
„Das glaube ich nicht", antwortete Feldern. „Wahrscheinlich hält et sich irgendwo verborgen."
„Aber er weiß doch garnicht, daß ein Verdacht auf ihm ruht."
„O, in diesem Falle ist es wohl das böse Gewissen. Der Umstand, daß garnichts gegen ihn unternommen wird, mag ihn in dem Glauben bestärtt haben, daß die Polizei ihn heimlich beobachtet und ihn in einem Moment fängt, wo er es am wenigsten erwartet. Deshalb hält er es für geraten, sich nicht sehen zu lassen. Aber Fräulein Holder weiß doch, wo er sich aufhält?"
,Ra ob, darauf wette ich meinen Kopf", erwiderte Bill nachdrücklich. „Am Tage nach dem Morde kam et ins Büro und fragte nach ihrer Privatadresse. Wenn er nicht zu ihr nach Hause gegangen ist und gefegt hat, wohin er geht, so lasse ich mich hängen!
„Vielleicht schreibt er an ihre Privatadresse?"
fVA schüttelte dm Kopf und grinite. ,.?>'ce. das hat er nicht getan. Keine Silbe hat er ihr geschrieben. Darum sieht sie auch so tteuzunglücklich aus."
Feldern überlegte. „Wenn sie nun ahnte, daß die Polizei Brand im Verdacht hat, was würde sie b .11111 tun?"
„Ihm schreiben, daß er ausrücktl" versetzte Bill kurz.
,Hm, in diesem Falle möchte ich doch ein Experiment versuchen!" bemertte Feldern. „Ich werde zu ihr gehen, mich ihr als Geheimpolizist voistelleu und i!.r lagen, daß ich Brand beargwöhne. Wenn sie ihm ba- n schreibt, wird sie Dir den Brief zur Befolgung übn geben und Du bringst ihn zu mir."
„Gewiß, das ist gut. Aber die ist nicht dumm. Womöglich schafft sie selber den Bttef auf die Post", versetzte Bill düster.
„Jedenfalls lohnt sich ein Versuch, Bill. Hat Frau Kirbh an Brand geschrieben?"
„Stein, Herr Feldern, Sim guckt jeden Bries genau an, bevor er au8 dem Hause geht. Aber sie hat nicht geschrieben. Er wird nicht mehr lange aufpassen können" setzte er düster hinzu.
„Warum nicht? Will sie ihn entlasse!?*
„Jawohl, sie hat ihm gekündigt. Sie will tuf Reifen gehen."
,£«!" rief Feldern, hastig ausstehend. ,Das muß verbind« tt werden."
„Wie können Sie das? Sie hat ihren Mann nicht eniwrbfi."
„Sie selber nicht, aber die Möglichkeit, daß sie Brand zu dem Mord angestiftet hat, ist nicht ausge- schlofstn.'
„Ich glaube, die andern Dienstboten gehen später auch weg Sim ist schon morgen frei."
„So kannst Du ihn zu mir fdjvfeuantwortete Feldern. „Ich werde schon Arbeit für ihn finden."
„Wittlich, Herr? Ach, das wäre fein", rief Bill. „Sie sind Wittlich nett. Sim und ich wollen soviel als möglich Geld verdienen."
„Ja, ob ich ihn so sehr viel Geld verdienen lassen kann, weiß ich nicht", erwiderte Feldern trocken. „Aber beschäftigen kann ich ihn. Wozu wollt Ihr denn eigentlich so viel Geld zufammenscharren?"