krscheinl ragttch mit Ausnahme der $o,m« und Feiertage, vierteljährlicher vezugspreir ohne Sringrrlohn und öeftelgeldinZuldas»- vie auswärts l.5vM.
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Z.ParzeLer in Kulda. wochenberrage: „Illustrierte 5onntagzzeitung"
»»»rt-e«: Ott einspaltige Petitzeile oder deren Lau» 15 pfg. ReNamendiePetitzeile 25 pfg., de» wieder- Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.
üatationrdruäuud Verlag der Luldaer Sl- tiendruckerei in Lulda Zernsprecher Rr.y.
155. Erstes Blatt.
Hulda, Montaa den 11. Juli 1910.
37. Jahrqanq.
s Erbprinz Hohenlohe.
hat durch seinen Rücktritt aus dem Reichstagsprästdi- um das Verdienst erworben, in die gegenwäckig politisch sehr ruhige Zeit eine Sensation hineingeworfen ju haben.
Sein Schreiben an den Reichslagspräsidenten Grafen Schwerin beschäftigt die ganze politische Presse. Von besonderer Bedeutung ist die Feststellung in der fr-ikonservativen „Post", daß Erbprinz Hohenlohe seinen Entschluß ohne Vorwissen der Reichs- Partei, der er als Hospitant angehört, gefaßt hat. Einem Mitarbeiter des „Tag" hat Frhr v. Zedlitz erklärt:
„Die Absicht des Prinzen aus dem Präsidium zu scheiden, ist uns seit Monaten bereits bekannt. Aber ausgesührt hat er sie, ohne vorher mit der Fraktion sich besprochen und sie von seinem Plane in Kenntnis gesetzt zu haben."
Die Mitteilung, daß die Rücktrittsabsicht des Prinzen schon seit Monaten bestand, bestätigt, daß die Begründung seines Schrittes mit der nur ganz kurze Zeit zurückliegenden Absage der Nationalliberalen an den Reichskanzler und mit der Enzyklika nichts anderes als Mumpitz ist. Auch die „Franks. Ztg." muß zugeben, daß die Begründung, die der Erbprinz seinem Schritte gegeben hat, sachlich und logisch anfechtbar ist, das schade aber dem Gesamteindruck seines Austritts aus dem Präsidium in der Wirkung auf die politische Meinung wenig. Mit anderen Worten: es ist zwar Quatsch, was der Erbprinz sagt, aber für uns ist es ein gefundenes Fressen. Drauf auf den „schwarz-blauen Block"! So ist denn auch die ganze liberale Presse bereits eifrig an der Arbeit, den Rücktritt des Erbprinzen als „Scheidebricf an den schwarz- blauen Block" auszuschlachten.
Aber selbst von seinen eigenen Freunden wird dem Prinzen bescheinigt, daß seine Handlungsweise unzweckmäßig und die Begründung unlogisch ist. So betont das Organ der Reichspartei, die,Postt:
Ueber die politische Zweckmäßigkeit des Rücktritts und seine Begründung könne man verschiedener Ansicht fein, als sicher aber sei anzunehmen, daß dadurch die Lösung der nationalen Auigabe, um derentwillen der Erbprinz sich seinerzeit trotz aller Bedenken zur Annahme der Wahl entschlossen habe, nicht gefördert worden wäre.
Mit Recht bemerkt auch die »Deutsche Tageszeitung":
Es ist richtig, daß die Kluft zwischen der Rechten und den Nationalliberalen durch die Linksentwicklung dieser Partei zurzeit noch erweitert erscheint; aber logischerweise könnte die doch vom Erbprinzen gewünschte Wiederannäherung durch seinen äußerlich jedenfalls gegen die Präsidialparteien, also auch gegen die Konservativen, gerichteten Schritt nur weiter erschwert werden. Da der Erbprinz weiß, wie unberechtigt das Gerede vom „schwarzblauen Block" ist, so sollte man meinen, daß es nicht in seiner Absicht liegen könnte, dieser Agitationsphrase noch neue Nahrung zu geben; daß sein Rücktritt aber diese Wirkung hat, könnte er schon aus der freudigen Zustimmung der .Freisinnigen Ztg/ entnehmen."
Auch der „Vorivärts" spricht von einer „Demonstration gegen den schwarzblauen Block", setzt sich dabei allerdings in schroffen Gegensatz zu der Ansicht des Abg. M o l k e n ü u h r, der gegenüber einem Mitarbeiter des „Tag" sich in wesentlich nüchterner Beurteilung des Falles dahin aussprach:
.Politisch ist der Posten des zweiten Vizepräsidenten int Deutschen Reichstag saft ohne jede Bedeutung; daher erscheint es gleichgültig, daß der Erbprinz von Hohenlohe-Langenburg jetzt diese Stellung niedergelegt hat. Die wahren Gründe seines Rücktritts dürften indesten tu Folgendem zu suchen sein: Es ist eine ganze Reihe von Fallen vorgekommen, in denen sich der Erbprinz als Leiter der Retchstags- sitzungen ungeeignet erwiesen hat. Ich erinnere nur an den Fall des konservativen Abgeordneten v. Oldenburg-Januschau; hier hat er sich namentlich
Wampyr.
Roman von Fergus Hume. Autorisierte Bearbeitung 19] von C. Weßner.
8 Kapitel.
Elfriede Lambert speiste bei Holders Sie trug auch heute ihren fußfreicn Rock und das Blusenhemd und hielt cs nicht für nötig, sich zum Esten anders an- zukleiden, als sie auf der Straße ging. Den Gewohnheiten der besseren Kreise trug sie keine Rechnung, noch weniger denen der Mode. Frau Holder fühlt sich etloas verletzt durch diese Rücksichtslosigkeit bei Tisch, denn in solchen Dingen war sie ziemlich eigen. Aber sic mochte Fritzi trotz ihres extravaganten Wesens gut leiden und verzieh ihr das nicht salonmäßige Erscheinen mit einem Achselzucken. Olga und ihre Mutter kleideten sich für die kleinen Mahlzeiten immer besonders um, es lvar dies eine Konzession an, frühere Zeiten und sie hielten es auch um ihrer selbst willen für nötig, einen gewissen Grad von äußerer Vornehmheit beizubehalten.
Erst auf eine dringliche Einladung Olgas war Fritzi nach West-Kensington gekommen. Fräulein Holder hatte ihr geschrieben, sie wünsche sie in einer geschäftlichen Angelegenheit zu sprechen. Fritzi verstand aber sehr wohl, daß diese geschäftliche Angelegenheit — welcher Art sie auch sein mochte — in Gegenwart von Frau Holder nicht erwähnt werden dürfe. Olgas Mutter durste in Dinge, die eine emste Besprechung erfordetten, nicht eingeweiht werden, denn sie verlor sofort den Kopf und verwirrte nur noch andere durch ihr manchmal ganz unberechtigtes Jammern und Klagen. Aus diesem Grund hatte Olga es sich angewöhnt, ihre Mutter wie ein Kind zu behandeln und allen Äerger von ihr fern zu halten.
Die Unterhaltung bei Tisch drehte sich um die alltäglichen Dinge; der Mord wurde nicht einmal er» wähnt, da dieses Thema Frau Holder an die bitteren Verluste und den Tod ihres Gatten erinnert haben würde. Bei einer Gelegenheit ließ sich Fritzi den
nicht als besonders geschickter Präsident gezeigt. Diese Tatsachen mögen in ihm selbst die Empfindung wach- gerufen haben, daß er sich zu dem ihm übertragenen Posten nicht eignet. Die jetzige Gelegenheit schien ihm günstig, feinen Rücktritt zur Ausführung zu bringen."
Besonder interessant ist es zu sehen, wie jetzt die gesamte liberale Presse, die während der Amtsführung des Erbprinzen nicht genug auf ihn schelten und ihn als unfähig verhöhnen konnte, nun von Lobsprüchen geradezu überfließt. Es geht noch wirklich nichts über die sachliche Urteilskraft unserer Liberalen.
Daß der Hinweis auf die Enzyklika bei der „Tägl. Rundschau" und den geistesverwandten Blättern laute Jubeltöne mislöst, ist ja selbstverständlich. Ueberein- stimmend meinen „Freis. Ztg" und „Tägl. Rundschau", daß der „Sieg" der Regierung über den Vatikan dadurch eine vernichtende Krittk erfahre. Wir müssen gestehen, daß wir selbst überrascht sind über die Bedeutung des Einflusses des Papstes, der es jetzt sogar in der Hand hat, Reichstagspräsidien zum Rücktritt zu zwingen I Die „Deutsche Tagesztg." erklärt mit Recht die Berufung auf die Enzyklika „ganz unerfindlich". — Frhr. v. Zedlih bleibt seiner alten Liebe zum Intrigieren getreu. Er erklärt:
„Es kommt für die Erklärung des Erbprinzen noch etwas hinzu, das mit dem Reichstag und den Parteien zwar nichts zu tun hat, aber dennoch nicht ohne politische Bedeutung ist. Ich meine den Hinweis auf die Borromäus-Enzyklika. Hier darf man fragen, was der Kaiser dazu sagen wird. Denn der Erbprinz spielt sich hier als protestantischer Fürst auf, und zwar noch protestantischer als der Kaiser, der sich bei diesem Vorkommnis duldsamer gezeigt hat."
Wir glauben, daß der Kaisergarnichts dazu sagen wird. Und damit kommen wir zu dem Moment, das in Wahrheit zu dem Entschlüsse des Erbprinzen Hohenlohe den Anlaß gegeben haben dürfte. Wahrscheinlich nämlich gar nichts anderes als ganz nüchterne wahltaktische Erwägung. Der Erbprinz ist bekanntlich gewählt iv einem sehr unsicheren Wahlkreise als Kandidat aller bürgerlichen Wähler, unter denen aber die Liberalen die überwiegende Mehrheit sind. Seit 1893 war der Wahlkreis Gotha sozialdemokratisch vertreten. 1903 siegte der Sozialdemokrat Bock gegen 8437 freisinnige und 6825 nationalliberale Stimmen. Die Rücksicht auf die liberalen Wähler veranlaßte den Erbprinzen, nach seiner Erwählung zum zweiten Vizepräsidenten das bekannte Entschuldigungsschreiben an den Vorsitzenden des Wahlausschusses in Gotha zu richten, die gleiche Rücksicht mag ihn veranlaßt haben, jetzt bei einer so günstigen Gelegenheit, wie es der EnzhMa- streit war, sich des Wohlwollens seiner liberalen Wähler erneut zu versichern.
Diese Erflärung des Schrittes, den der Erbprinz getan hat, nimmt sich gegenüber den tieffinnigen politischen Betrachtungen der liberalen Presse sicherlich recht nüchtern aus, aber sie hat den Vorzug der größeren Glaubwürdigkeit.
Deutsches Reich.
** Berlin, 10. Juli 1910. Der Kaiser nahm am Samstag in Odde die Borträge des Vertreters der Auls, sowie der Chess des Militär- und des Marinekabinelts entgegen. — Reichskanzler von Bethman n-Hollweg ist nach Hohenfinow zurückgekehrt. — Wie die .Rordd. Allq. Ztg/ mitteilt, 'st der bisherige Kaiserliche Gesandte in Tanger, Dr. Rosen, als Nachfolger des zum Staatssekretär des Aus- wärtigen Amtes berufenen Wirklichen Geheimen Rats v. Kiderlen-Wächter, auf den Gesandten- posten in Bukarest in Aussicht genommen. Dr. Rosen wird in Tanger durch den Kaiserlichen Gesandten Freiherrn von Seckendorff ersetzt werden.
Namen Lenas entschlüpfen; die Witwe des Obersten Holder hatte denselben jedoch zufällig nicht gehört und in diesem Augenblick machte auch schon ein warnender Blick Olgas die Freundin auf ihren Fehler aufmerksam. Den größten Teil der Unterhaltung nahm Frau Holder aut sich. Seit sie von der Höhe herabgestürzt war, wie sie es zu nennen pflegte, war ihr Gesichtskreis ein sehr enger geworden Sie sprach über die Preise der Lebensmittel, die Gewinnsucht der Kaufleute und die Unmöglichkeit, stischc Eier zu bekommen. Auf alle diese Dinge aufzupassen und sie gründlich zu erörtern, machte der alten Dame Spaß. In den Tagen ihres Glanzes war sie öfters wegen Mangel an Beschäftigung recht unzufrieden gewesen, jetzt wo sie zu denken und zu arbeiten hatte, schlug sie eine neue Seite ihre« Lebensbuches auf und fand ein Interesse an Dinge», die sie früher verabscheut. Olga hatte eine bestimmte Summe für den Haushalt ausgeworfen, die Frau Holder auf ihre eigene Art ausgab. Sie verstand es jetzt ausgezeichnet, vorteilhaft einzukaufen und die Kaufleute zu zwingen, ihr nur gute und frische Ware zu geben; sie war aber auch nicht wenig stolz darauf, den Hmishalt mit einer so lächerlich kleinen Summe zu führen. Diese neue Seite des Charakters ihrer Mutter amüsierte und gefiel Olga.
Als Frau Olga bei Tisch die Preise sämtlicher Lebensmittck der Mahlzeit besprochen und erzählt hatte, wie sie dies und jenes zum billigsten Preise erstanden hatte, stockte die Unterhalttcng für einige Minuten. Rach einer Weile begann sie von neuem über Kleider und Moden zu reden. Sie behauptete, Schneiderinnen und Putzmacherinnen feien Schwindlerinnen; sie gab Fritzi den Rat, sich ein anderes Kostüm zuzulegen und nannte ihr die Summe, für welche sie ein ganz nettes Kleid bekommen könne. Waren diese Themas erschöpft und das Mahl zu Ende, so zog sich Frau Holder in das kleine Wohnzimmer zurück.
„Ich überlasse die Herren ihrem Wein und ihren Zigarren", sagte sie vergnügt. „Bleiben Sie nicht zu lange, meine Herren!"
®a8 galt Fritzi, die ohne ihre Zigarette nach Tisch nicht leben konnte. Olga fand an dieser Gewohnheit keinen Gefallen Da Frau Holder den Geruch von
Von 180 Millionen Mark Fehlbetrag im Reich sprechen manche Zeitungen und fordern demgegenüber, daß eine neue Steuerreform dem Reichstage vorgelegt werde. Manche mittelparteilichen Blätter betrachten ein solches Steuergesetz als ein Bindemittel für die bürgerlichen Parteien. Das gerade Gegenteil ist zutreffend. Wer sich an die harten Kämpfe des Vorjahres erinnert, der weiß, daß ein solches Steuergesetz wie Sprengpulver wirken müßte und daß nur die Sozialdemokratie ein Vergnügen daran haben könnte. Die Behauptungen über das Defizit von 180 Millionen Mark sind vollkommen aus der Luft gegriffen und werden von liberaler Seite immer und immer wieder vorgetragen, um das angebliche Fiasko der Finanzreform be- weisen zu können. Wenn man nach einem Bindemittel für die bürgerlichen Parteien sucht, so haben wir gar nichts dagegen einzuwenden. Wir sehen aber das beste darin, daß die Regierung eine erfolgreiche Sparsamkeitsaktion durchführt. Dann reichen alle zur Verfügung stehenden Steuern, und dann löst die Regierung nur ihr feierlich gegebenes Versprechen ein.
* Alles schon dagewesen! Was der Erbprinz v. Hohenlohe-Langenburg jetzt getan hat, ist schon einmal auf Betreiben seines Vaters geschehen, wenn auch in einer etwas anderen Form. Als im Februar 1881 Graf v. Arnim-Boitzen- burg sich weigerte, neben Frhrn. v. Frankenstein im Präsidium zu sitzen, weil das Zentrum die Be- teilung am Kölner Dombaufest abgelehnt hatte, war es der freikonservative Fürst Hohenlohe-Lange n- burg, der neben dem Grafen Udo Stolberg- Wernigerode, dem nachmaligen Reichstagspräsidenten, die dahingehende Agitation betrieben hat. (Vergl. Pastor, Ang. Reichensperger. II. S. 193.) Der damalige Vorgang endete damit, daß Freiherr zu Franckenstein mit konservativer Unterstützung dennoch gewählt wurde, aber Gras Arnim dauernd ausgeschifft blieb.
)( Um 700000 Mark betrogen. Ein Berliner Mittagsblatt, das — so muß man allerdings hinzufügen — stark in Sensation macht, teilt mit, daß dem Reichskolonialamt und der Diamantenregie von privater Seite die Anzeige gemacht worden sei, daß für mehr a!8 2 Millionen auf den Feldern von Südwcstafrika geschürften Diamanten aus Lüderitz- buetjt hinausgeschmuggelt woro^. find und daß der Landesfiskus auf diese Weise um ötc ihm zustehenden Zollgebühren im Betrage von mehr als 700000 Mark betrogen worden ist. Bekanntlich ist bei der Ausfuhr von Diamanten aus dem Schutzgebiet an den Landesfiskus eine Ausfuhrzoll von SS’M/o des Wertes zu entrichten. Natürlich wollen sich viele Diamantenhändler um diesen hohen Zoll drücken, und der Diamantenschmuggel steht deshalb in Südwest in üppigster Blüte. Noch im vergangenen Jahre erregte der Diamantenschmuggler Heim bet sich nach seiner Verhaftung entleibte, großes Aufsehen.
* Die Beschlagnahme der „Zukunft", die vor 14 Tagen wegen eines Arttkels über den Schönebeck-Prozeß erfolgt wat, ist aufgehoben worden. Somit wird natürlich auch der Staatsanwalt sein Verfahren gegen Harden einstellen müssen. Die „Zukunft" aber wird jetzt abgehen wie warme Semmeln, und Maximilian Harden, alias Isidor Witkowski lacht sich ins Fäustchen.
— Die Frage der Aufteilung von Neutral- Moresnet bildet die Seeschlange, die jeden Sommer von neuem austaucht. Gegenüber einer Zeilungsmeldung, daß Preußen bereit sei, infolge der befriedigenden Regelung afrikanischer Grenz- fragen (zwischen Deutsch-Ostafrika und dem belgischen Kongo) bei der Auseinandersetzung in Moresnet Belgien weiter als bisher entgegenzukommen, wird jetzt von einer Korrespondenz bestimmt versichert, daß nicht daran gedacht
Zigaretten nicht ausstehen konnte, mußte Fritzi ihrer Leidenschaft des Rauchens im Speisezimmer huldigen. Sie lachte über den versteckten Spott der alten Dame, sprang auf und hielt die Türe für sie offen. Frau Holder ging auf den Scherz ein, verbeugte sich dankend und verschwand. Gleich darauf ließ Fräulein Lambert ihre vergnügte Miene fallen und kam an den Tisch zurück.
„Was ist los?" wandte sie sich an die Freundin, indem sie sich zugleich eine Zigarette anzündele. „Ich habe mit den ganzen Abend über Deinen Brief den Kopf zerbrochen."
Olga zog einen Brief aus der Tasche. „Ich erhielt diese Zeilen heute von Lena. Was meinst Du, was soll ich tun?"
Fräulein Lampert wippte ihren Stuhl zurück und las. Als sie sich mit dem Inhalt bertraut gemacht, legte sie den Bries mit befriedigtem Kopfnicken auf den Tisch.
„Sehr gut!" sagte sie. „Wieviel betrug das Vermögen Deines Vaters, Olga?"
„ Vierhvnderttausend Mark, glaube ich. Aber Lena —"
„Bietet Dir zwanziglaufend!" unterbrach sie Fritzi. „Das sicht ihrer Schäbigkeit ähnlich!"
„Hm, ich weiß nicht, Fritzi — wie kommt Sena überhaupt dazu, mir etwas anzubieten?"
„Wie sie dazu kommt? Kirby betrog Deinen Vater ober wie Lena, die Ratter, sich auszudrücken beliebt — er hatte schlecht ausgefallene Geschäfte mit Ob eist Holder. Also Sena bietet Dir zwanzigtausend Mack Wenn sic nicht eine so freche Katze wäre", sagte Fritzi empört, „würde sie Dir mindestens das Doppelte bieten. Und dcimoch, zwanzigtauscnd Mack ist immerhin besser als nichts, meine Liebe!"
Olga nahm den Brief abermals zur Hand und überflog seinen Inhalt. „Ich kann die ganze Sache nicht begreifen!" sagte sie in hilflosem Tone. „Sena kann mich doch nicht ausstehen, feit ich meine törichte Neigung für Herrn Brand so offen gezeigt habe."
„Für Herbeck, willst Du sagen", unterbrach sie Fcktzi. „Einen Mann, den man liebt, nennt man in Gedanken stets beim Vornamen."
werde den deutschsprechenden Teil der Bevölke- rung jenes Gebietes bei einer Teilung a»z Belgien fallen zu lasten. Hierzu ist zu be- merken, daß jenes kleine Grenzgebiet so gut wie gar keine französisch sprechenden Bewohner ent« hält. Auch die in der Nachbarschaft von Aachen gelegenen belgischen Dörfer sind durchweg deutsch und ihres Deutschtums sich sehr bewußt. Dank dem Mntreten des katholischen Klerus für dit deutsche Sprache hat das Deutsche in der Kirchq und Schule trotz des vielfach französierenden EinflusteS der Beamtenschaft bis auf den heutigen Tag sich erhalten.
* Keine Aenderung in der Polenpolttik. Am 19. Juni veranstaltete die Ortsgruppe des Ostmarkenvereins Kulm einen Deutschen Tag. Aus ein Begrüßungstelegramm antwortete, wie die ,Ostmarft jetzt beckchtet, der Reichskanzler:
„Den 1500 deutschen Männern des Kulmerlandes bitte ich für ihre Grüße aus Althausen meinen herzlichen Dank zu übermitteln. Preußens Staat und Volk haben vor der Nation die Ehrenpflicht, in der Ostmark das Werk unserer Väter fortzusetzen."
)( Wofür die deutschen Arbeiter ihre Groschen hergeben. Nach einem lieber schlage der .Deutschen Arbeitgeberzeitung/ haben die Genossen in den letzten 10 Jahren über 2300000 Mark an d a^ Ausland abgeführt, dafür aber vom Auslände nur 17652 Mark empfangen. Wenn man bedenkt, daß die ausländischen Streiks fast alle infolge bet schlechten Organisation der sozialdemokrattscheu Gewerkschaften so gut wie ergebnislos verlaufen, dann muß dieses Spiel der Obergenosten mit den sauer verdienten Groschen der deutschen Arbeite^ geradezu als frivol bezeichnet werden. Die deutschen sozialdemokratischen Arbeiter müsten darunter schwer^ leiden. So hat z. B. auf der letzten Generalversammlung des chckstlichen Metallarbeiterverbandes in Duisburg noch sestgestellt werden können, daß die Sozialdemokraten die Krankenunterstützung aus 9 Mark heruntergewirtschaftet haben, während die christlichen Organisationen noch 35 Mark pro Kopf zahlen. Und dabei schreien die Genossen immer noch von einer Ausraubung des Volkes durch bis Steuermacherei des „schwarz-blauen Blockes"'
)( Die badischen Sozialdemokraten haben den Berliner radikalen Parteigenosten wiederum einen großen Schmerz zugefügt. Als in der zweiten badischen Krmmer der Präsident auf den Geburtstag be» Großherzogs hinnnes und um die Genehmigung zur Absendung eines Glückwunschtelegramms nachsuchte, erhoben sich vie Sozialdemokraten, darunter: auch der sonst im Rufe besonders extremer Anschauungen stehende Abgeordnete Geck, wie die übrigen Mitglieder des Hauses zusti>.'mend von ihren Sitzen. Die Berliner Obergenossen und die blutige Rosa mürben, wenn sie dazu in der Lage wären, die „Verbrecher" einfach hmrichten laffen.
* Bibelkritik auf den Mittelschulprüfungen. Aus dem Westen wird der „Kreuzzeitung" geschrieben:
Man kann sich damit abfinden, wenn bei dem wissenschaftlichen Charakter der Mittelschulprüfungen von jedem Lehrer gefordert wird, daß ihm die kritische Forschung mit ihren Resultaten nicht gänzlich unbekannt lei, obwohl diese Forderung gerade vom wissenschaftlichen Standtpuntte aus für den Lehrer eine Torheit ist. Da er die in Frage kommenden Sprachen nicht beherrscht, so ist er auch nicht in der Lage, bei der Würdigung der krittschen Forschungsergebnisse die Quellen zu befragen, was dem Kandidaten der Theologie sehr wohl möglich ist. Der Lehrer ist gezwungen, blindlings zu glauben, was ihm dieser oder jener Professor vorsetzt. Zur Illustration des Gesagten sei es mir gestaltet, aus die Erfahrungen eines Pädagogen hinzuweisen, der sich vor kurzem der Prüfung für Mittelschulen unterzog. Der betreffende Herr — ein tevangelischerl Hauptlehrer — gilt in Pfarrerkreisen als theologisch außergewöhnlich befähigt, und jeder war der festen Ueberzeugung, dem Hauptlehrer müßte
„O", entgegnete Olga trocken, „das ist Deine Throne, seit Du es übernommen, für Herrn Krafft ein Theaterstück zu schreiben. Du brauchst nicht rot zu werden, Fcktzi. Ich weiß längst, wie bei Dir bet Hase läuft. Was Herrn Brand betrifft, so gebe ich mir Mühe; ihn aus meinem Herzen zu reißen. Wen» er Sena je geliebt hat, kann er mich nicht lieben. — Eine verheiratete Frau! Nein, Fritzi, suche ihn nicht zu entschuldigen. Ich schäme mich, ihn je gern gehabt zu haben!"
„Der Mann liebt Dich, Olga!"
„Es ist nicht wahr!"
„Habe ich Dir nicht gesagt, daß das mit Lena eine dumme Tändelei war? Ich glaube. Du bist töricht genug, Dir Dein Glück zu verscherzen. Du erzähltest mir doch selbst. Du wolltest versuchen, einen Teil des Geldes, das Dein Vater verloren hat, zuckick- 311 erhalten*, entgegnete Fritzi.
„Jawohl, durch das Gericht! Aber nicht als Gnadengeschenk! Lena mag ihr Geld behalten!"__
„Das ist sehr, sehr schade nach all der Mühe, die ich mir genommen, um Sena zur Vernunft zu bringen!"
Olga stieß hastig ihren Stuhl zurück. „Du? WaS hast denn Du damit zu tun?"
„Alles! Höre mich an, Olga." Und nun erzählte Fritzi schnell, welche Drohung sie angeioanbt, um Frau Kirby zur Herausgabe des Gelbes zu bewegen. „Ich hielt es für das allein Richtige, ba sie soviel hat unb Du so wenig, liebe Olga. Sena hat sich meine Drohung augenscheinlich zu Herzen genommen. Wie sie in diesem Briefe sagt, wird sie das Gelb absenden "
„Unb ich nehme es nicht an!" rief Olga. „Ich kann es nicht — das ist — ist Erpreffungsgeld!"
Fräulein Lampett fühlte sich tiefverletzt. „Ich tot es nur um Deinetwillen, Olga", sagte sie.
„Ich weiß cs, es war gut gemeint von Dir, aber es war unrecht. Wenn ich aus gesetzlichem Wege einen Teil unseres Vermögens zurückbckomrnen kann, nun gut. Aber ich weigere mich ganz entschieden, auch nut einen Pfennig von Sena Kirby anzunehrnen."
föodfeituna W)