Einzelbild herunterladen
 

Zeitung

Möser

Mehr Lebensfreude

«rumhermcrSdorf L «rzgeb., 17. Espt. 1909.

(«ej.) M. Schreitsr.

Aus Sem Nachbargebiete.

* Münden, 8. Juli 1910. Zwei Bremer Schlepper mit Holzladungen je 20 Waggons, be­stimmt für die vereinigten Faß-Fabriken in Kassel, liefen gestern nach 14tägiger Fahrt hier ein. Trotz des anhaltenden Regens mußte die Ladung

Samstag den 9. Juli (910.

$7. Jahrgang.

Nur echt mit dieser Mark—demFischer — brat SarauUo l-ichra bei Scott» Ichra Derf-hrmil

vermischtes.

* Schiffsjungenlaufbahn in der Kaiserlichen Marine. Im Hinblick auf den Ende dieses Monats statt­findenden Meldeschluß für die Schiffsjungenlauf­bahn in der Kaiserlichen Marine weist die offiziöse »Berliner Korrespondenz" nochmals darauf hin, daß junge Leute, die zu dem jährlichen Einstellungs« lermin — Anfang Oktober — nicht jünger sind als 15, auch nicht älter als 18 Jahre, sofern sie voll­kommen gesund und kräftig sind, gute Schulbildung (Volksschule) und einen in jeder Beziehung einwand­freien Leumund besitzen, in die Schiffsjungendivision an Bord des „König Wilhelm" in Mürwik bei Flensburg eingestellt werden können. Mit der Ein­stellung übernimmt der Staat alle Kosten für Ver­pflegung, Bekleidung und Erziehung der Schiffs­jungen, so daß den Eltern, die ihre Söhne diese Lausbahn wählen taffen, keinerlei Ausgaben erwach­sen. Ein Schiffsjunge wird zwei Jahre nach dem Eintritt Leichtmatrose, nach etwa 3Va Jahren Ober­matrose, 5 bis 6 Jahren Maat, 8 bis 9 Jahren Obermaat. Wer weiter dient, wird Deckosfizier und ist als solcher pensionsberechtigt. Wer nach zwölf­jähriger aktiver Dienstzeit aus der Marine aus» scheidet, erhält den Zivilversorgungsschein. Wer in die Schiffsjungendivision eingestellt werden will, meldet sich persönlich beim nächsten Bezirkskom­mando. Meldeschluß ist der 25. Juli. Nähere Nachrichten erteilt das Bezirkskommando.

lichkeit sind die anerkannten Vorzüge von Scotts Emulsion, die es leicht er­klärlich machen, weshalb sie den Körper so rasch und nachhaltend kräftigt. Scotts Emulsion kann zu jeder Jahreszeit, im Sommer wie im Winter, mit Erfolg genommen werden.

Nachahmungen, die dem Publikum als »ebenso gut* wie Scotts Emul-

2. Blatt.

druck und Verlag der Fuldaer Rettendruckeret in Fulda.

sion aufgedrängt werden, weise man zurück und bestehe darauf, dre echte ScottS Emulsion zu erhalten.

Scotts Emulsion wirb von uns auSjchlletzllch tm großen ver­kauft und zwar nie tote noch Gewicht oder Matz, sondern nur in verstegelten Ortginalsiaschen in Karton mit unserer Schutz­marke (Fischer mit dem Dorsch). Scott u. Bowne, ®. m. b. H. Frankfurt a. M.

Bestandteile: Feinster Medizinal-Ledertrar 150,"1, prima Glyzerin 60,0, untcrpyosvhorigsaurer «all 4A unlerpyoiphooig- laures Natron 2,0, pulv. Dragan! 8,0, seinfier arad. (Stimmt Val«, 2,0, deaill. Lia er 129,0, Alkohol 11,0. Hierzu aromatische Emulsion mit Simt, t,anbei- und GaiUthertaöl se u Trov'en.

ihre Entschlüsse aufrecht erhält und ausführlich begrün­det. Was die Möglichkeit eines Abbruches der Be­ziehungen zu Spanien anbelangt, zeigt man sich im Vatikan sehr zurückhaltend. Man deutet an, daß alle« von der weiteren Haltung des Kabinetts CanaleM abhängen werde. In den spanischen kirchlichen Krei­sen Roms glaubt man nicht, daß CanalejaS die Absicht habe, die Dinge zum Aeußersten zu treiben.

Die Seestreitkräste der 4 Schutzmächte sind vor Kreta erschienen Die tückische Regierung hat die Behörden angetolefen, auf die Beendigung des Boy­kotts gegen Griechenland hinzuwirken. Sie hat wei­ter beschlossen, Oesterreich und Deutschland um Unter­stützung der tückischen Bestrebungen nach einer defini- titien Lösung der Kretafrage anzugehen. Einen Er­folg dürste dieses Vorgehen aber um so weniger haben, als die Schuhmächte sich auf den Standpunkt Englands geeinigt haben, daß der Zeitpunkt zu einer endgültigen Regelung der ganzen Frage noch nicht gekommen sei. Auf Kreta selbst nehmen die Dinge eine kritische Wen­dung. Dem opportunistisch gesinnten Chef der provi­sorischen kretischen Regierung, Veniselos, scheinen die Zügel aus den Händen zu gleiten. Seine Bemühungen, die Kreter zu veranlassen, die Forderungen der Schutz­mächte zu erfüllen, insbesondere die Zulassung der muselmanischen Deputierten zur Nationalversammlung, welche bekanntlich den Treueid für den König von Griechenland verweigern, stoßen auf immer stackeren Widerspruch und schon befürchtet man, daß Micheli» dakiS, der Führer der kretischen Intransigenten in der Nationalversammlung, eine Mehrheit finden wird. Dann würden die Schuhmächte sich gezwungen sehen, nach Iswolskis Vorschlag zu verfahren und die Insel zu besetzen, wobei es dann vorausstchtltch zu emften Kämpfen kommen wird. Gegenwäckig findet zwischen den Regierungen der Schutzmächte ein Austausch von Noten statt, um über die Maßregelung zu beschließen, die das ablehnende Verhalten der kretischen National­versammlung gegenüber den Forderungen der Mächte erheischt.

Die montenegrini sche Regierung hat alle europäischen Großmächte von der Absicht des Fürsten Nikolaus verständigt, sich anläßlich seines fünfzigjähri­gen Regirmngsjubiläums zum König in den Schwar­zen Bergen auSrufen zu lassen. Die Ankündigung die­ses Willensaktes ist überall zustimmend ausgenommen worden. Nur in Belgrad ist man mißgesttmmt, weil die Erhebung Montenegros zum Königreich den groß-ser­bischen Bestrebungen zuwiderläust bzw. der geforderten Abhängigkeit Montenegros von Serbien entgegenwirkt. Da Montenegro vollständig souverän ist, so ist seitens der anderen Staaten ein Einspruch nicht möglich. Fürst Nikita aber wird einen lang gehegten Herzenswunsch erfüllt sehen

Das russisch-japanische Abkommen be­treffend die Mandschurei gibt Japan freie Hand zur Durchführung seiner Pläne in Korea. Für Rußland ist es yaupffächlich deshalb wichtig, weil es ihm die Ostgrenze sichert, sodaß es nunmehr das ganze Schwer­gewicht seiner Politik auf den Westen, auf den Balkan und Persien verlegen kann. Politisch bedeutsam ist da8 Abkommen auch wegen seiner Spitze gegen die Vereinigten Staaten, es stellt die schroff ablehnende Antwort der auf den von Amerika im Interesse Chinas gemachten Vorschlag der Neutralisierung der mandschu- ckschen Bahnen. Bei den ohnehin gespannten Beziehun­gen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan ist hier leicht die Möglichkeit eines Konfliktfalles gegeben.

„Sd) hab« meinen drei Kindern, der vierjährigen Äatola. der zweijährigen Ella und bem «einen ein Jahr alten Helmut, etwa »/. Jahr hindurch Scotti Emulsion zur allgemeinen Stärtung und Kräftigung gegeben, Urb ich mutz gestehen, daß ich mit den erzielten Befolgen überaus zufrieden bin. Dem ältesten Mädchen mundet da- Essen jetzt bedeutend besser, und e» ist mehr Lebens­freude in dar Sind hineingekommen. Die «eine Ella hat stch vorzüglich entwickelt und verhältniSmäAg srüh laufen gelernt Hm überraschendsten aber war die Wirkung von Scotts Emulston bei dem «einen Helmut sichtbar, der heute ganz allein umherläuft, eine aulgezelchnete Eflust zeigt und eine qan,e Reihe von Zähn­chen leicht bekommen hat. Ich kann ScottS Emu ston al« ein vorlrtffliches SstirkungSmiitel für zarte Kinder nur bellens em­pfehlen, und fie sollte wirklich in keiner Kinderstube fehlen."

Verhandlung so gut vorbereitet und fo weit kondensiert werden, daß den Laienrichtern die nötige Frische und die Fähigkeit zur selbständigen Verarbeitung des Stoffes erhalten bleibt. Wenn mit der übermäßigen Dauer sich eine ver­wirrende Weitschweifigkeit, ein Uebermaß von sensationellen Zwischenfällen, von Bro» schürenreden zahlreicher Sachverständiger und Verteidiger verbinden, so droht bei dem ungeschulten und untrainierten Richter ans dem Volke der Zu­stand des bekannten Mühlrades im Kopfe einzu­treten.

Die Strafprozeßordnung sieht für Schwurgerichts­sachen eine gründliche Voruntersuchung vor. Der Zweck der Voruntersuchung, das Material zu klären, zu sichten und zu ordnen, wird aber gerade bei den sog. Sensationsprozeffen häufig in Frage gestellt. Die große Oeffentlichkeit, die solche Pro­zesse durch die ausführliche Berichterstattung in den Zeitungen erlangen, regt alle Beteiligten zu fieber­hafter Tätigkeit an, und auch manche Unbeteiligte. Es regnet Zuschriften mit und ohne Namen; es melden sich neue Zeugen, die erst durch die Zeitungs­berichte angereizt worden sind, ihre wirkliche oder vermeintliche Wissenschaft zum Besten zu geben. Es gibt improvisierte Verhörer, milche die Vorarbeit des Untersuchungsrichters in Verwirrung bringen. Es ist oft gar nicht möglich, die sittliche und in­tellektuelle Zuverlässigkeit dieser späten Zeugen gründ­lich zu prüfen. Ihre neuen Aussagen veranlassen die Gegenpartei, nach Möglichkeit noch weitere Zeugen heranzuziehen, von denen man die Beleuch­tung der anderer Seite der Frage erwartet. Um­stände und Fragen, die bisher als Nebensachen be­trachtet wurden, rücken sie in den Vordergrund, und schließlich sieht der Geschworene vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.

Findet die Verhandlung vor einer Straf­kammer statt, so kann das einheitliche Spruch­kollegium durch Gerichtsbeschluß viel zur Abkürzung, Einigung und Konzentrierung auf die Hauptsache beitragen. Z. B. dadurch, daß der Gerichtshof eine Behauptung, für welche die Verteidigung einen umständlichen und zeitraubenden Beweis anbietet, einfach als wahr unterstellt. Sitzt aber neben dem Kollegium dev rechtsgelehrten Richter ein abge­sondertes Kollegium von Laienrichtern, so ist eine solche vereinfachende Beschlußfassung nicht möglich. Werigstens nach dem bisherigen Recht nicht. Ob es zweckmäßig ist, dem Kollegium der Geschworenen eine erweiterte Beschlußfähigkeit behufs Einwirkung auf den Gang der Beweisaufnahme einzr räumen, wird wohl vorläufig sehr zweifelhaft bleiben.

Die Einrichtung der Geschworenen, die ohne Mitwirkung eines beamteten Richter über die Tat­fragen unter sich entscheiden, hat wirklich große Vorzüge und auch eine große und begeisterte An­hängerschaft. Aber wenn man die moderne Ent­wicklung des Prozeßbetriebes in der ganzen rhetori­schen, advokatorischen, technischen und publizistischen Ueppigkeit betrachtet, so drängt sich doch die Frage auf, ob es nicht besser wäre, aus rechtsgelehrten Richtern und Laien zusammen ein ein­heitliches Kollegium zu bilden, das eine straffere, mehr sachliche und kürzere Verhandlung erzwingen könnte. Wofern doch die Beweisaufnahme sehr umfangreich, verwickelt werden sollte, würde die Beteiligung von geschulten Richtern der Gefahr vorbeugen, daß an das Gedächtnis und an die Unterscheidungskraft der untrainierten Leute und dem Volk allzu große Anforderungen gestellt werden.

Wie man auch über die Regelung in Zukunft denken mag, zweifellos wird nicht bestritten werden lönnen, daß das gegenwärtige Verfahren ost an die wirtschaftliche, die körperliche und die geistige Leistungsfähigkeit der Geschworenen zu große Anforderungen stellt.

□ Die Geschworenen.

Wenn der erwerbstätige Bürger gezwungen wird, mehrere Wochen lang von morgens früh bis abends pät im Gerichtssaale zu sitzen und sich unter Preis» gebung aller Übrigen Interessen in einem verant­wortungsvollen Amt zu betätigen, zu dem er keine Schulung mitbringt, so ist das ein sehr großes und vielfach zu großes Opfer auf dem Altar der Gerechtigkeit. Man darf niemanden über seine Kräfte ansucheu und den Schultern nicht mehr aus­laden, als sie tragen können. Prozesse wie der Allensteiner bedeuten aber eine U eberlastnng der Laien, die zur Rechtspflege zugezogen werden.

Soll die Mitwirkung der Geschworenenbank zu­lässig und zuverlässig bleiben, so muß die betreffende

wochen-Rundschan.

[:] Fulda, 8. Juli 1910.

Der Ministerwechsel hat die Presse noch nickt iur Ruhe kommen lassen. Vielfach wird ausge- Mrt daß man nun noch immer nicht wisse, welchen Kurs der Nachfolger deS Fürsten Bülow zu steuem gedenke. Im „Sag" meint ein bekannter national­liberaler Publizist: es scheine eine Politik der Ueber- mschung uns bevorzustehen. Wir möchten diese An­sicht nicht teilen Die Politik des Reichskanz- 'ers ist wirklich nicht so geheimnisvoll, daß man mit Ueberraschungen rechnen müßte. Herr v. Bethmann Hollweg zählte sich, als er Mitglied des Abgeordnetcn- yauses war, zu der fteikonservativen Fraktion, d. h. 'n verfassungspolitischen und wirtschaftspolitischen Fra­gen war er konservattv gesinnt, in kulturpolitischen Fragen neigte er zu liberalen Anschauungen hin. Kann -nan von einem solchen Manne eine andere Politik er­warten, als er sie bis jetzt vertreten hat, die dadurch charakterisieck ist, daß sie der seiner eigenen politischen ckeberzeugung am nächsten stehenden nationalliberalen Partei den entscheidenden Einfluß auf feine Entschlie- ungen zumißt? Der Kampf um die Wahlrechtsvor­lage lieferte den ersten offenbaren Beweis. Das Mi­nisterrevirement lieferte den zweiten, ebenso deutlichen Beweis. Die „Nordd. Allg. Ztg." Hai offen zugegeben, daß die Berufung des nationalliberalen Dr. Lentze zum Nachfolger Frhrn. v. Rheinbabens „politische" Beweggründe gehabt habe — welcher Ack diese sind, braucht man wirklich nicht besonders zu fragen. Die Politik des Herrn v. Bethmann Hollweg enthält nicht die geringsten Geheimnisse mehr, wenn man — wie es notwendig ist — sie unter dem Gesichtspunkte der Vor­bereitung auf die nächsten Reichstagswahlen betrachtet. Wir wissen nicht, ob der Kanzler darauf zu hoffen wagt, die alte Kartellmehrheit wieder zu erhallen, ge­wiß aber ist, daß die Erfüllung dieser Hoffnung ihm die größte Freude sein würde.

De Borromäus-encycüek is een po- li tiefe fortuintje (Glücksfall) voor de Parteien van -inksi So jubelte in unferm Nachbarlande Hol­land die liberale Presse Zu früh. Denn die posi­tiven Protestanten Hollands sind fiüger als. ihre deut­schen Glaubensgenossen. Sie ließen sich durch das Mittel der Enzyllika nicht auf den parteipolitischen li­beralen Leim locken. Die der Mehrheit nach protestan­tische Regierung und die Redner der gläubigste« stantischen Kammerfraktion erklärten, daß eine inner- kirchliche Angelegenheit wie die Enzyllika nicht vor das Forum der Kammer gehöre. Gewiß haben auch m Holland Protestkundgebungen stattgefunden, aber sie waren weit sachlicker und ruhiger als die deutschen. Freilich stand als Einpeitscher auch kein Evangelischer Hetz-Bund hinter ihnen, wie leider bei uns zu Lande wo jetzt der romscheue „Reichsbote" scharf Front -nachte gegen das aufhehende Treiben der Evanaeli- ftündler.

In Oesterreich hat die Regierung aus der 'erworrenen innerpolitischen Lage einen vorläufigen Ausweg gefunden. Ministerkrisis oder Vertagung des Parlaments waren die beiden Möglichkeiten, mit denen gerechnet wurde. Die Regierung hat stch entschlossen, u dem augenblicklich bequemeren Mittel der Ver­tagung zu greifen, und das Parlament ist nun auf un- -estimmte Zeit außer Tättgkett gesetzt. Falls also, . )as leider wahrscheinlich, keine Einigung der Palleten 'sfolgt, wird in Oesterreich einstweilen wieder einmal ,iae Periode der Herrschaft des § 14 eintreten. Die Vertagung erfolgt nach offiziöser Darstellung wegen er Schwiellgkeiten, die sich der Erledigung der Vor- nge über die italienische Rechtsfakultät infolge der Behinderung der Arbeit des Budgetausschusses ent- 'egenstellen, und mit Rücksicht darauf, das gegenwär- rig nicht die Voraussetzungen dafür gegeben sind, die­sen Hoffnungen der parlamentallschen Tätigkeit Wick' sam entgegenzutreten Für die Entschließung der Re­gierung ist aber noch ein zweites Moment maßgebend ,ewesen, nämlich die Haltung des Polenllubs, der vegen der Verschiebung des Baues der Wasserstraßen, der unter dem Ministerium v. Körber aus politischen Gründen beschlossen worden war, zurzeit aber wegen Cer Notlage bet Staatsfinanzen unmöglich ausgeführt werden kann, sich der Opposition angeschloflen hatte.

Die spanische Regierung hat ihre Antwort _-uf die Protestnote des Vatikans abgesandt, in der sie

wegen zu niedrigen Wasserstandes um die Hälfte verringert werden. Der Wasserstand der Weser war 1,30 und der der Fulda 1,40 Meter Tiefgang; 3 weitere Bremer Schlepper fuhren heute mit Kalisalz beladen stromabwärts.

* Höchst a. M., 8. Juli 1910. Die beiden Brüder Wilhelm und Gottlieb Kaiser aus Nieder­hofen bei Stuttgart, die am 9. Juni mittels einer gefälschten Quittung bei der Lohnkasse der Höchster Farbwerke, wo sie in Arbeit standen, 1689 Mark 90 Pfg. erschwindelten, wurden von der Wiesbadener Strafkammer wegen Betruges und schwerer Urkundenfälschung zu 6 Monaten bezw. 3 Wochen Gefängnis verurteilt.

* Wiesbaden, 8. Juli 1910. Dem katho­lischen Gesellen-Verein ist ein Legat von 2000 Jfc von dem dahier verstorbenen Bischof Klein von Limburg hinterlassen worden.

Unpolitische Zeitlause.

(N.) Berlin, 7. Juli 1910.

Nachdruck nicht gestattet.

Graf Zeppelin hat sich in einem offenen Briefe über das Lustschiffsunglück im Teutoburger Walde ausgesprochen und Ratschläge zur Vermeidung weiterer Schicksalsschläge gegeben Diese stimmen in der Haupt­sache überein mit den unmaßgeblichen Vorschlägen in den letzten Unpolitischen Zeitkäufen. Vor der Abfahrt die Wetterlage genau prüfen; bei ungünstiger Wetter­lage überhaupt keine Passagierfahrt unternehmen; bei einer nicht ganz sicheren Wetterlage die Richtung g e- £.C1L .rin? Einschlagen, um einen günstigen Wind *ur die Rückfahrt zu haben.

Graf Zeppelin verteidigt sein starres System und /Uhrt aus, daß gerade diese Bauweise bei dem Anfahren an feste Gegenstände den Stoß für die Insassen weni­ger gefährlich mache und durch dir ausgedehnten Unter­flächen das allzu rasche Hinunterfallen verhüte. In der Tat sind bei dem Unglück im Teutoburger Walde die Passagiere nicht zn Schaden gekommen. Der Aus­stoß ist freilich nicht bloß durch die Unterflächen des Luftschiffes gemildert worden, sondern auch durch die Bäume. Eine gewisse Gefahr lag insofern vor, als der Baumstamm, der mit seiner Spitze die Gondel durch­bohrt, einen Insassen hätte verletzen können, wenn sich an der Durchbruchsstelle gerade jemand aufgehalten hätte. Ter Monteur, der verletzt worden ist, hat be­kanntlich einen Sprung aus der ©nobel gewagt, um dadurch den hinteren aufftoßenden Teil des Luftschiffs zu entlasten und womöglich über den Wald hinwegzu- bringen. Wäre der pflichteifrige Mann in der Gondel geblieben, so wurde auch er mit dem bloßen Schrecken tavongekommen sein.

Wenn nun das starre System für die mitfahrenden ,7 ' rp u e n eine gewisse Sicherheit bietet, so bleibt Äc -£r-a0e °ffen, ob und wie das kostbare Luft- m J ' gesichert ist. Wir wiesen schon vorige hm, daß den anderen Systemen das

PhL-a-c entIeerun9 bleibt, das dem Zeppelin- ÄnnS’-A ÖES^t i$t 3" dieser Hinsicht ist die halb-ungluckllche Fahrt des M i litä r b a ll o n s . IH von Interesse. Major Groß unternahm Anfang

dieser Woche bei unsicherer Wetterlage eine Fernfahrt von Berlin nach Gotha. Da er auf widrige Winde stteß, wich er von der geraden Strecke längs der Ber- lin-Änhalter Eisenbahn nach Süden ab und schlug den Umweg längs der Berlin-Dresdener Bahnstrecke ein. Bei Torgau stieß er auf heftigen Gegenwind und spülle ein stackes Gewitter in der Leipziger Gegend vor sich. Er beschloß, nach Berlin zurückzukehren, fand aber nach der Wendung noch ungünstigere Winde auf feinem Wege. Daher lenlle er das Luftschiff nach dem nächsten Truppenübungsplatz bei Zeithain und vermocht- auch doll glücklich zu landen. Nun kam er aber in eine ähnliche Lag-, wie seiner Zeit das Zeppelinsche Luft­schiff bei der Zwischenlandung von Limburg. Der Aufenthalt mußte lange dauern, da das Gas zur Nach­füllung erst weither bezogen werden mußte. Der Wind wurde immer böiger; das Schiff zerrte immer stärker an ben Haltseilen. Um nun zu verhüten, daß der Militär­ballon sich losreiße und das Schicksal des Zeppelin bei Weilburg teile, entleerte Major Groß sein Luftschiff und ließ die unversehrte Hülle und das feste Zubehör auf der Eisenbahn nach Berlin zurückbringen.

Die Schicksale der Luftschiffe verschiedenen Systems lehren übereinstimmend, daß es zur Zeit noch nicht möglich ist, gegen ungünstiges Wetter anzukämpfen. Die Erfahrung des Majors Groß bekräftigt also die Mah- ^-?0!>3ehpelins, daß man sich erst nach der Wetterlage erkundigen und bei schlechten Aussichten in der Halle bleiben soll Ein erheblicher Unterschied lag freilich m dem Umstande, daß der verunglückte „Z. VII" eine

? b r t mit Passagieren unternahm, während der Mil iwrlustballon eine Dien st fahrt zu Uebungs- und «ttidienzwecken antrat. Im letzteren Falle darf man schon etwas mehr riskieren, aber vielleicht war auch hier schon das Wagnis zu groß

. .,.^aivrrv®rr?^ u?b ^ine Leute wollten auf dieser knirschen Fahrt insbesondere ftmkentelegraphische Ver­such- anstellen. In Gotha war eine provisorische Sta­tion für drahtlose Telegraphie errichtet worden Das Luftschiff versuchte alsbald nach seiner Auffahrt in Berlin mit Gotha zu sprechen, und das gelang vortreff­lich, trotz der großen Entfernung von 400 Kilometern. Auch vermochte Major Groß aus der Höhe von Torgau seine Wendung zur Rückkehr funkentelegrophisch nach Gotha zu melden In feinem Bericht fehlt leider die

I Angabe, ob er auch während seiner Fahll von Gotha aus Nachrichten über die Entwicklung der Wind- und Wetterverhältniffe erhalten hat. Auf jeden Fall ist die Ausstattung der Luftschiffe mit einem funkentelegraphi­schen Apparat als großer Fortschlltt zu begrüßen. Di« Sicherheit wird wesentlich erhöht, wenn die Lustfchif- ser jeden Augenblick ihre Bedürfnisse und Wünsche schnell und zuverlässig an die „Unterwelt" melden kön­nen, und sie wird noch weiter erhöht, Wenn man auch den Luftschiffern jeden Augenblick mitteilen kann, was auf der Erdoberfläche über die Wetterlage auf ihrem Kurs bekannt ist. Das Auswerfen von schriftlichen Mitteilungen war bisher das einzige Mittel für die Lustschiffer, ihre Anliegen der Unterwelt kundzugeben. Ob die fallenden Papiere alsbald aufgefunden und wei­ter befördert wurden, hing vom Zufall ab. Eine Mel­dung von der Erdoberfläche her konnten die Luftschisfer höchstens dann erhalten, wenn sie bis auf Hörweite hinabgingen. Oft hat sich gezeigt, daß auf diesem Wege nicht einmal der Name der betreffenden Ortschaft zu ermitteln toarr.

Nicht verzagen, sondern immer weiter arbeiten! Aber auch nicht zu früh Hurra rufen und nicht in blindem Wagemut hinwegspringen wollen über Schwierigkeiten, die erst nach und nach überwunden werden können!

Die Weisheitsregel „Erst g e g e n den Wind, nach­her mit dem Wind" gilt nicht bloß für die Luftschiff­fahrt. Manche Menschen haben Neigung, den schwer- sten und gefährlichsten Teil eines Unternehmens bis zuletzt zu verschieben. Aus Feigheit oder Bequemlich­keit fassen sie die Sache an ihrem leichtesten Ende an. „O, wenn wir nur erst im Gange sind, dann wird sich das weitere schon finden " Es „findet sich" aber viel­fach etwas ganz anderes, als man erhofft hat. Zu den vorausgesehenen Schwierigkeiten, die man auf das Ende verschoben hat, gesellen sich noch neue, unerwar­tete Schwierigkeiten und Gefahren. Inzwischen find die Kräfte schon geschwächt; man kann nicht mehr vor­wärts. Nun möchte man zurück, das ganze Unterneh­men aufgeben. Aber das geht auch nicht mehr, weil man sich schon zu sehr darin verstrickt hat. Viel besser fährt berjenige, der die hörtsten Nüsse gleich lm Anfang knackt, die.höchsten Hindernisse zuerst in Angriff nimmt. Erstens hat er bann noch frische Kräfte, und zweitens

bleibt ihm, wenn die Kräfte nicht ausreichen sollten, der Rückzug noch eher möglich, als wenn er erst eine ganze Masse Arbeit, Kapital und Ansehen in die Sache hineingesteckt hat. Darum greift man eine Sache am besten dort an, wo die meisten oder größten Schwierig­keiten stecken.

Zu den Neuigkeiten unpolitischer Natur gehört auch noch der große Boxerskandal von Nordamerika. Dock haben ein weißer Boxerheld und ein schwarzer Matador beS Faustkampfs um die Weltmeisterschaft und nebenbei um ein kleines Vermögen sich vor einer Zu- schauerschast von Zehntausenden nach alle Regeln der Kunst gegenseitig verdroschen. Der riesige Neger hat den weißen Mann überwunden. In ganz Nordamerika folgte man diesem rohen Wettkampf mit fieberhafter Spannung. Als die verachteten Farbigen den Triumph ihres schwarzen Bruders erfuhren, schwoll ihnen der Kamm und sie ließen ihre gehobene Stimmung hier und da die Weißen fühlen. Darob ergrimmten die weißen Aaickees und schlugen einige Dutzend Neger tot, einige Hundert halbtot Es brach ein förmlicher Rassenkampf aus, dessen Ende noch gar nicht abzusehen ist. Meine Sympathie für die dortige weiße Rasse ist sehr dünn. Erstens ist diese öffentliche Preisboxerei überhaupt eines Kulturvolkes nicht würdig; zweitens war es eine schändliche Verirrung, daß ein Weißer sich mit einem Neger in einen solchen Kampf einließ und daß die Behörde die abscheuliche Schaustellung gestat­tete; drittens sollten die Weißen ihren Aerger über die Niederlage des Stammesgenossen nicht an der un­beteiligten schwarzen Minderheit auslassen. Aber dabei dürfen wir nicht in eine pharisäische Ueberhebung ge­genüber den Pankees verfallen. Die Boxerei ist roh und abscheulich; man sollte sie den Schwarzen über­lassen und von weißer Seite weder Kämpfe noch Zu­schauer stellen. Doch die Ringkämpse, welche grobkno­chige Männer in Badehosen auf deutschen Schaubühnen veranstalten, sind auch roh und eines Kulturvolkes un­würdig. Trotzdem laufen tausende von neugierigen Mannesleuten und lüsternen Weibsleuten zu solchen Schaukämpfen, wo außer dem rohen Fleisch auch noch der Schwindel in Blüte steht. Häßlichkeiten und Dummheiten gibt es an beiden Seiten des „großen Teichs" im Ueberfluß. Wer den Sittenrichter spielen will, fasse zuerst feine eigene Nase.