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Samstag -en 9. Juli WO.
37. Jahrgang.
* fuldaer W Leitung •
5. Natt.
Druck und Verlag der Zuldaer Actrendrnckrrrt In Sulöa.
+ Die Segnungen des Börsengesetzes.
Man schreibt uns aus Berlin:
Wie kürzlich bekannt gegeben worden ist, sind die Einnahmen des Reichs auS der Börsen- steuer von 8,7 Millionen Mark im RechnungS- fahre 1907/08 auf 21,9 Millionen Mark im R«h- nungsjahr 1909/10 gestiegen.
Aus dieser Tatsache, die ja an sich recht günstig ist, lasten sich zwei Schlußfolgerungen ziehen. Zu- nächst die, daß die als Folgewirkung der Reichs- finanzresorm vorausgesagten schweren Schädigungen unseres Wirtschaftslebens, wenigstens soweit bet Börsenhaudel in Betracht kommt, doch wohl nicht ganz eingetroffen sein können. Wichtiger aber ist die zweite Feststellung, die sich auf die Wirkungen der Reform des Börsengesetzes, die bekanntlich am 1 Juni 1908 in Kraft trat, bezieht. Das neue Börsengesctz war das eine der beiden Blockkinder, die von der Eltern Kraft und Schönheit Zeugnis ablegeu sollten. Es ist deshalb billig, daß wir auch ihrer „Entwickelung* uns freuen. Ein sehr intereffantes Bild von dieser Entwicklung wird in einem Artikel des.Reichsboten' (Nr. 156) gezeichnet, und dieses Urteil ist um so beweiskräftiger, als die konservative Partei, deren Grundsätze der»Reichsbote, vertritt, im Jahre 1908 der Neugestaltung unseres Börsenrechts zugestimmt hat. Der,Reichsbote schreibt:
„Als das Reichsgericht den Differenzeinwand bei Spiel und Wette in bezug auf Börsengeschäfte zuließ, erhoben die Börsenintereffenten ein großes Geschrei über die angebliche Rechtsunficherheit und verlangten freies Spiel der Kräfte, vor allem die Freiheit, weiteste Kreise der Bevölkerung zum Börsenspiel )eranziehen zu können, ohne von Gesetzgebung und Rechtssprechung irgendwie behindert zu werden. In richtiger Erkenntnis der dunklen Schattenseiten dieser Börsenfreiheit hatte das Börsenreformgesetz von 1896 pen Kreis der zum Börfenspiel Berechtigten be- .chränkt, um dem Publikum das Spiel zu erschweren. Inzwischen ist die Effektenbörse durch di« Liberaliste- :ung des Börsenreformgesetzes von allen ihren lästigen keschränkungen befreit worden, in eine nur zu erfolgreiche Tätigkeit Eingetreten und auf dem besten Wege, zu werden, was der frühere Handelsminister Möller in den Verhandlungen über die Revision des vörsengesetzes allen Ernstes als erstrebenswertes Ideal sinstellte: die Spielbank für die ganze Be- »ölkeruug. Seither wird die Verlockung weitester Preise zum Börsenspiel ebenso skrupellos wie erfolg» reich betrieben. Welchen Umfang das Differenzspiel Angenommen hat, läßt sich nur annähernd aus der trstaunlichen Zunahme der Börse »st euer er» sehen. Irgendwelches Einschreiten der Justiz hat die pötfe nicht mehr zu befürchten. Bei Depotsgeschäften st der Einwand von Spiel und Welte nicht mehr zn- ässig. Die geschäftsmäßigen Börsenspekulanten und Nsbesonder« die $ erteilet zum Börsenspiel werden )urch nichts mehr behindert, Abschlachtungen nach Be- )arf vorzunehmen, um ihren Gewinn in Sicherheit zu hingen. Diese Abschlachtungen erfolgen unter Aus- ftttuß der Oeffentlichkeit, ohne daß die Gerichte davon Kenntnis erhallen. Darin zeigt sich der große Unter« chied in der Rechtslage vor und nach dem Jnkraft- kelbn des liberalisierten Börsen Gesetzes."
Was hier ausgeführt wird, ist bereits durch eine llcihe trauriger Erfahrungen zu belegen. Cor allem die sogen. „Amimerbankiers" entfallen ine außerordentlich rührige und erfolgreiche Tätiget, wobei ihnen die Lücken und Unvollkommen- iriten des Gesetzes sehr zu Hilfe kommen. Das )llne, was nach dieser Richtung geleistet wirb, ist ?ohl folgende Praktik. Der § 45 des Börsengesetzes leftünmt bekanntlich, daß die Börsenvermittler sich -on jedermann für Differenzgeschäfte eine Sicherheit jeden taffen lönnen, die bann nicht mehr auf Grund je§ Spieleinwandes zmückgefordert werden kann. Wenn nun ein Kunde die Sicherheit geleistet bat und der Vermittler weigert sich, ihm den Gewinn auszuzahlen, ober er berechnet zu hohe Provision usw., was geschieht bann ? Ter Kunde ist in diesem Falle ganz ohnmächtig, weil er für eine Klage ge- gen den Vermittler wegen des Mangels der Terminfähigkeit nicht zugelassen wird. Ja, nicht einmal eines strafbaren Betrugs macht sich der Vermittler schuldig. Ter Gesetzgeber wird sicher an diese Konsequenz nicht gedacht haben, aber sie besteht jweisellos zu Recht. Mit Recht saßt deshalb der „Reichsbote" ein Gesamturteil bah irr zusammen:
„Nach der Liberalisierung des Börsenreformgesehes hat das alte Treiben an der Börse auf Kosten der
Außenseiter wieder begonnen. Umfangreicher, plan, mäßiger und ungenierter als je zuvor wird zum Börsen» spiel angeregt, eingeladen und verleitet — von den Großen wie von den Kleinen, fein und klug, grob und schwindelhaft. Die Zahl der Agenten, Prämisiers und Winkelbankiers ist größer als je zuvor und wird durch geschästsgieriae Zuzügler zweifelhafter Art auS Galizien, Ungarn und Rußland noch immer vermehrt."
Die Geschäfte der Börsenspekulation blühe» wie man sieht. Aber trotzdem sind die Seute noch nicht zufrieden. In einem Berliner Börsenblatt wird bereits eine „neue und wirklich gründliche Umänderung" des Börsengesetzes gefordert. Insbesondere ist mau mit dem Gesetz unzufrieden, wett es eine schriftliche Erklärung über den Zweä der Sicherheitsleistung vorschreibt, roenn der Vermittler ein Zurückbehaltungsrecht an der Sicherhei erlangen »tu. Die weiteren Wünsche gehen au die unbeschräntte Zulaffung des Terminhandels in Mühlenfabrikaten, in Bergwerken und Fabrik anteilen usw., kurz die Börse will eine durch keine gesetzlichen Schranken irgendwie gehinderte Freiheit. Welche Bedeutung das für unser nationales Wirtschaftsleben haben würde, brauchen wir wohl nach dem Vorhergesagten nicht weiter auszuführen. Der Himmel möge uns vor der schrankenlosen Börsen- sreihett bewahren. Ein Mann, der zu den besten Kennern des Wirtschaftslebens gehörte, Schäffele, in seinem Werk „Bau und Leben deS sozialen Körpers sagt:
„Die Börse wird zum Grabe zahlloser Familienvermögen, zum Hebel des gesetzlichen Diebstahls von größter Ausdehnung, zum Richtplatz rascher Dekapitali- sation der Mittelklassen, zum Treibhause des Bankerotts. Die Börse beschleunigt in hohem Grade den Prozeß der Vertilgung der vielen kleinen durch die wenigen großen Vermögen, die Ausbildung einer Geldaristokratie, welcher Volk und Staat durch Geld-, Miet- und Pachtzinsen tributpflichtig sind."
Wer es mit unserem Volke gut meint, möge dieses Wortes eingedenk bleiben.
Ausland.
** Der italienische Bolksschulgesetzgebungsentwurf hat bekannüich die Zustimmung des Parlaments ge- funben. Die katholischen Stimmen sprachen sich dagegen aus. Wohl erklärten alle Redner, der Zweck des Gesetzes sei nicht der, den Gemeinden und damit den Familienvätem den Einfluß auf die Schule zu »erkür« zen, die Verstaatlichung fei nicht in Aussicht genommen, aber es gab noch andere Worte, die der uicklaren Situation ein Ende machten. Die äußerste Linke, Sozialisten, Republikaner, Radikale, sprachen offen ihre Freude über das Gesetz aus und betonten in der Kammer, es diene der „Modernisierung" der Schule. Was unter „Modernisierung" der Schule von diesen Herr- chasten verstanden wird, weiß man ja. Zudem trat noch der Logenhäuptling und Demokrat Finocchiaro- Aprlle auf und erllärte feine Zustimmung mit der Begründung, daS Gesetz sei der Uebergang zur Verstaatlichung und gefalle ihm. Damit war für die Katholiken die Richtschnur gegeben. Sie konnten und durften dem Gesetz nicht zustimmen, das die Loge als Konzession für sich betrachtet Wenn es auch die Regierung nicht wahr haben will: das Gesetz hat zwei Seiten, eine politische und eine administrative. Gegen die letztere haben die Katholiken nichts einzuwenden. Sie besteht in der Hebung der Volksbildung durch die Beseitigung des Analphabetentums, das wie eine Krankheit am Körper des italienischen Volkstums sitzt. Der nationale Aufschwung ist durch dieses Nebel zu einem wesentlichen Telle gehemmt, denn im Süden gibt es 50 und mehr Prozent Analphabeten. Hier muß der Hebel angeseht werden. Das Phlegma der Südländer, die unter den heißen Strahlen der Sonne sich nicht gerne in die Schulbänke zwingen taffen, muß in Lerneifer umgewandelt und ihnen das Interesse an der Bildung beigebracht werden. Das ist ein Problem, das nicht im Handumdrehen zu losen ist. Finanzielle Mittel werden erforderlich, und die Gemeinden, bekanntlich alle mehr ober minber im Bereiche bet Erd- erschütterunoen gelegen, haben nicht bie finanzielle Kraft, um bie Anforderungen zu erfüllen. Nun greift ber Staat in solchen Fällen ein. Er will ben Schulbetrieb in ben betreffenden, durch das Analphabetentum berüchtigten Provinzen übernehmen. Und da eine Ausnahmebehandlung für einzelne Provinzen nicht wohl angeht, soll der Staatsbetrieb auch auf andere Provinzen ausgedehnt werden. Zunächst ist eine Ver-
provinzialisierung der Schulen geplant, bie natürlich jedem benlenben Menschen als eine Brücke zur Verstaatlichung erscheint. So kamen bie Katholiken in bie Lage, sich gegen ben Entwurf verteidigen zu muffen, sie seien Feinde ber Volksbilbung, inbem sie bas „wohltätige Gesetz" scheitern lassen wollten. Mit Recht erwlbern bie katholischen Deputierten, jebe Wohltat müsse mich geprüft werben, ob sie nicht eine üble Folge mit sich bringe. Das sei nun hier ber Fall, benn bie Unterstützung ber Gemeinben würbe bazu benutzt, ihr Selbstbestimmungsrecht zu vernichten. Die Staatshilfe kann ja ben Gemeinden auch in anderer Form direkt gegeben werden, die staatliche Uebernahme der Schule ist nicht nötig Das liebel des Analphabetentums darf nicht dazu herhalten, ein noch anderes viel größeres Uebel, bie Vernichtung bet Rechte ber Familienväter, zu ermöglichen. Die Ka- tholikm hatten Abänderungen beantragt, bie für bie Gemeinden ttnb bie Familien eine Garantie bilbeten. Wären sie angenommen worben, bann hätten sie gern für das ganze Gesetz gestimmt, bas sich, wie ber Deputierte Rava ausbrückt, bas hohe unb eble Ziel setzt, bie Schanbe bes Analphabetentums aus bem Buch ber Nation zu tilgen.
Aus dem Nachbargebiete.
♦ Gelnhausen, 8. Juli 1910. Dem 14jährigen Gärtnerlehrling Bruno Wilhelm Uhlmcmn von hier, ber am 13 Mai ben 6jährigen Sohn Emil bes Schäfers Graul, als er in bie hochgehenbe Kinzig gefallen war, vom Tobe bes Ertrinkens g e r e t t e t hat, würbe hierfür vom Regierungsprästbenten eine öffentliche Anerkennung ausgesprochen.
* Frankfurt a. M., 8. Juli 1910. Zwischen ben Beiben weltbekannten erpen Hotels hier, Frankfurter Hof unb Englischer Hof, bisher Konkurrenzunternehmen, hat eine F u s i o n stattgefunden. Vom Jahre 1913 ab, zu welcher Zeit ber Pachtvertrag des Pächters des Englischen Hofs abläuft, werben beide Hotels von dem Direktor des Frankfurter Hofs geleitet. Der Englische Hof, ein vor einigen Jahren am Bahnhof errichteter Prachtbau, wird bis dahin noch von seinem Besitzer, der Baufirma I. C. Junior, im I Innern verschiedene Aenderungen erfahren.
* Jena, 6. Juli 1910. Der „Eisenacher Tagespost" wird geschrieben: „Um vielfach geäußerter falscher Auffassung entgegenzutreten", gibt der Studentinnenverein Jena in der Oeffentlichkeit folgende Erklänmg ab: „Die seit dem Einzug des Großherzogpaares ein- gefühcten Baretts für Studentinnen sind nicht der in England und Amerika von Studierenden getragenen Kopfbedeckung nach geahmt Die Mützen tnb ohne Benutzung eines Vorbildes, weder ausländisch noch deutschstudentisch, frei erfunden. Eine Aehn- lichkeit mtt dem englischen Barett besteht tatsächlich nur in dem Vorhandensein von 4 Ecken. Zum Beweis wird bei Rudolf Wachs am Engelplatz einige Tage lang ein deutsches und ein englisches Barett ausgestellt." — Der Studentinnenverein Jena hat unseres Wissens die Oeffentlichkeit bisher noch nicht mit einer Erklärung behelligt; zum erstenmal geschieht es etzt in einer — Kleiderfrage. Echt weiblich! — Sine vom sozialen Ausschuß der kaufmännischen Gehilfenvereine Jenas einberufene öffentliche Versammlung nahm eine Resolution an, welche sich für örtliche Einführung völligerSonntagsruhe im Handelsgewerbe und für ein völliges Verbot der Sonntagsarbeit im Großhandel mit entsprechenden Ueber- gangsbesiimmungcn für den Kleinhandel ausspricht.
* Kassel, 8. Juli 1910. Ein Landwirt aus einem benachbarten Dorfe hatte auf dem Schweinemarkt zwei Ferkel gekauft. Um sich zu stärken, kehrte )et Bauersmann in einer Wirtschaft am Altmarkt ein. Als er dann den Heimweg antreten wollte, mußte er die Enideckung machen, daß Spitzbuben ihm die beiden Ferkel gestohlen und ihm an deren Stelle einen feisten Mopshund auf den Wagen gesetzt hatten.
* Worbis (Eichsfeld), 6. Juli 1910. B e im B a- den ertrank im Rorburger See der Musiker Wilhelm Rinaleb ans Hundeshagen. Er hinterläßt eine Frau und vier Kinder.
Gottesdknftordrmng in Hulda.
(Katholischer Gottesdienst.)
Sonntag, 10. Juli. Dom. */.6, 6 unb 7 Uhr hl. Meisen, Vs7 Uhr hl. Messe und Kommunion der
christenlehrpfl. Jungfrauen in der Marienkapelle, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, ' ,10 Ubt Kalhedralanil und Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, 1,9 Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Predigt und Herz-Maiia-Brudeischnit in ber Marienkapelle. — Stadtpfarrkirchc. 1 ,fi Uhr hü Messe unb Predigt, 6 unb 7 Uhr hl. M. ssen, 8 Uhr heil. Messe und Predigt, VilO Uhr Amt und Predigt, 11 und */,2 Uhr Christenlehre, 3 Uhr Bruderschaft von ber Todesangst bes Herrn. — Pfarrkirche zum heiligen Geiste. */«7 Uhr Austeilung der hl. Kommunion, 7 Uhr Frühmesse, 8 Uhr Amt und Prebigt, */,5 Uhr Christenlehre, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Sodalität V»10 Uhr. — Jungfrnucn-Sodali- tät. ',,3 Uhr Mutterhaus. — Frauenberg Heil. Messen von 5 bis 7 Uhr, 8 Uhr Bruoerfchastsmksse, 9 Uhr Hochamt. Nachm. 2 Uhr Predigt und Andacht für bie Tertiären.
Montag, 11. Juli. Nonnenkirche. <Fest der ewigen Anbetung Jesu tm allerheiligsten Sakramente.) 6 Uhr Aussetzung des Allerheiiiqsten und hl. Messe, */,7, 7, '/-8 unb 8 Uhr hl. Messen, 9 Uhr feierliches Hochamt, 10 Uhr hl. Messe, 11—12 Uhr erste und zweite Fronleichnamsandacht, 12—1 Uhr stille Anbetung, 1—2 Uhr dritte und vierte Fron- leichnamsanbacht, 2—3 Uhr fünfte Fronleichnams» anbacht, 3—4 Uhr feierliche Vesper und Komplet, 4—5 Uhr stille Anbetung, 5—6 Uhr Krone Christi, 6—7 Uhr Schlußanbacht mit Tebeum.
Evangelischer Gottesdienst. 8 Uhr Pfarrer Rausch, '/«IO Uhr Pfarrer Rausch. — Bieberstein. 9 Uhr Pfarrer Reich.
Gotter-ienstor-mmg in Aaste!.
Sonntag, 10. Juli.
Kassel-Alt. a. Pfarrkirche zur hl. Elisabeth (FriebrichSplatz 16): 6 unb 7 Uhr heil. Messen mil Austeilung ber hl. Kommunion, 8 Uhr Militärgotre-dienst (auch für Zivilpersonen), 9'/, Uhr Hochamt mitPredigt, 11 Uhr Kindergoltesdienst mit AnsPrache, nachm. 2'/, Uhr Andacht. — An Wochentagen 6'/», 7*° unb 8 Uhr hl. Messen. — Gelegenheit zur hl. Beicht vor Sonn- und Festtagen nachmittags von 4'1»—7 unb 7*/«—8*/i Uhr, >.'! diesen selbst von 6 Uhr morgens.
l>. Pfarrkirche zur hl. Familie (Kölnisch« 2-traße 53, nahe beim Hauptbahnhof): 6'/, Uhr hl. Messe mit Austeilung ber hü Kommunion, 8 Uhr hü Messe unb nach derselben Austeilung der hl. Kommunion, 9'Vi Uhr Hochamt, danach Christenlehre, 11 Uhr hl. Meffe und Predigt. Abends 7'/, Uhr Andacht. An den Wochentagen 7'° (und 8) Uhr hl. Messe. — Gelegenheit zu beichten vor Sonn- und gfeft« tagen nachmittags von 5—7 Uhr, an diesen selbst von 6 Uhr morgens an. ,
Kaffel-Wehlheidc«. Pfarrkirche St.Marie» (Rofenkranzttrche am Neumartt): 8 Uhr Frühmesse, 10 Uhr Hochamt mit Predigt, nachm. 2 Uhr Christenlehre und Andacht mit Segen. - Werktags 7*J« Uhr HI. Messe. — Gelegenheit zu beichten vor Sonn- unb Festtagen nachm. 5 Uhr, an btefen felbst morgens 7 Uhr.
Kassel-Rothenditmold. (Josephskirche, Vellmar« jche Straße 32): V-8 Uhr Frühmesse, '/,10 Uhr Hochamt mit Predigt, darauf Christenlehre, nachmittags ’/»2 Uhr Segens-Andacht. — Gelegenheit zum Beichten vor Soun- und Festtagen nachmittags 5 Uhr, an diese» selbst früh H.7 Uhr. — Werktags hl. Meffe: 7'/* Uhr.
Kassel-Bettenhausen. 9 Uhr Hochamt mti Predigt, 2 Uhr Christenlehre unb Andacht.
Reklamen- und Anzeigenteil
Dev "Nclmppv.
Roman von Fergus Hnme. Autorisieile Bearbeitung 18] von C. Wesncr.
„Ha!" bemerkte Feldern überrascht, denn jetzt erst staubte er, daß die zu erwartende Mitteilung von Wert sein könne. Und sich an Sim wendend, forschte er: „Wir kam es. daß der Beamte, den ich in das Kirby- /chk Haus schickte, um Erkundigungen einzuziehen, nichts von Dir s-ch und hörte?"
„Wett ich ihm aus dem Wege ging", erwiderte der schlaue Sim. „Ich wollte warten, bis ich mit meiner Aussage Geld verdienen konnte."
„Ach so, iieh da!" meinte Feldern, nicht ohne eine eewiffe Bewunderung. „Na, und was habt Ihr mir zu fageg? Ach so, das Goldstück!" Er sah die vier gierigen Augen und schob es ihnen hin. „Na, nehmt Und nun 'raus mit der Sprache"
Bill nahm das Goldstück und reichte es Sim, der es in die Taschc steckte, nachdem beide es sorgfältig von allen Seiten betrachtet hatten. Sie schienen dem berühmten Detektiv Feldern znzutrauen, daß er sie mit falschem Geld abspeiste.
„Also, mein Herr", begann Sim, nachdem er seinen Lohn sicher in der Tasche wußte, „an dem Abend wo der Moro stattsand, ließ Frau Kirby alle Dienstboten nach dem Abendessen fortgehen. Ich blieb aber da, wett ich schon ahnte, was im Gange war."
„Woher ahntest Du das?"
„Herr Brand kam zum Essen", berichtete Sim. Der Herr — damit meine ich meinen Herrn, der ermordet wurde — stierte ihn wütend an und ich sah, daß es Krach geben würde. Die andern Dienstboten waren alle in die Ausstellung gegangen, ich hatte mich in meine Kammer geschlichen und gewartet. Gegen neun Uhr hörte ich einen furchtbaren Spektakel, da lief ich schnell hinunter und horchte an der Tür."
„Du bist ja ein nettes Früchtchen", bemerkte Feldern grimmig. „Und wozu machtest Du Dir soviel Mühe?"
„Ich dachte, es wäre bei der Geschichte für mich und Bill Geld herauSziischlagen", meinte Sim be
dächtig. „Wir sind zwei arme Jungen und müssen uns, so gut es geht, durch die Welt schlagen. Also im Wohnzimmer hätte es beinahe eine Seilerei gegeben zwischen meinem Herrn und Brand. Es handelte sich offenbar um eine Summe Geld, die Brand von meinem J?errn zurückverlangte, den er des Falschspiels beschuldigte Es war ein Geschrei und ein Gequieke, dann wies Kirby Herm Brand die Tür. Die Gnädige schrie, aber Herr Brand ging. An der Tür wandte er sich "och einmal um und sagte: „Das soll Ihnen teuer ju stehen kommen. Sie Vampyr! Mit Ihnen nimmt's noch mal ein schlechtes Ende!" Der Herr stürzte auf ibn unb fchlug ihn. Aber Herr Branb packle ihn beim Kragen unb warf ihn ber Länge nach in ben Korridor, während die Frau immerzu schrie „So, da bleib lie- Z«r, Du giftiges Reptil," sagte Herr Brand. „Nächstes Mal, wenn ich Ihnen wieder begegne, geht's zu Ende mit Ihnen!" und dann stürzte er wie besessen davon."
„Weißt Du ganz genau, daß er diese Worte gebrauchte?" fragte Feldern.
„Na gewiß." Sim brachte einen Zettel zum Vorschein. „Ich habe sie mir ja gleich ausgeschrieben", lugte er, dem Detektiv das Papier Überreichend. „Ich dachte, es könnt; mir eines Tages Nutzen bringen. Daß Herr Brand meinen Herrn ermorden wollte, ahnte ich freilich nicht."
„Oh!" Feldern nahm den Jungen scharfs auf8 Korn. „Du meinst, er habe den Mord begangen?"
„Na natürlich!" antwortete Sim mit Nachdruck. „Hat er nicht gesagt, es falle Herrn Kirby teuer zu stehen kommen und es sollte zu Ende mit ihm gehen, wenn er ihm wieder begegnet? Ich glaube wirklich^ Herr Feldern, der Herr Brand ist zum Herrn Kirby ins Büro gegangen und hat ihn ermordet.
Bevor Feldern auf diese Beschuldigung etwas erwidern konnte, begann Bill zu sprechen. „Und ich glaube es auch", erklärte er, „denn als Herr Brand am nächsten Morgen in unser Büro kam und nach Fräulein Holder fragte, da sah er ganz schrecklich aus. Kreideweiß wie ein Geist unb von Gewissensbissen gefoltert", zitierte Bill aus feiner Schauerlektüre. „Unb bann sagte er noch, er wolle verreisen, um seine angegriffene Gesunbheit zu stacken", setzte er grtnfeub hin
zu. „Als ich bann Sim traf, wußte ich es fteilich besser!"
Die Zwillinge verfielen in Stillschweigen unb Feldern überlegte, welchen Vorteil ihre Mitteilung ihm brächte. Die Verdachtsgründe gegen Brand häuften sich und es schien wirklich, als sei er der Schuldige. Erfunden konnten die beiden Jungen die Geschichte doch nicht haben. Er forschte sie weiter aus.
„Was wollte Herr Brand im Abschreibebureau? Und wer ist Fräulein Holder?"
„Das ist meine Prinzipapn", erklärte Bill. „Ein liebreizender Schönheitstraum mit herrlichen, bezaubernden Augen." Tas war wieder aus der Schundliteratur. „Herr Brand läßt seine Manuskripte bei uns abschreiben und kam ziemlich oft" Bill' zögerte, sah Sim an und kicherte dann laut, wobei sein Bruder ihn, augenblicklich Gesellschaft leistete. „Herr Brand ist.nämlich in Fräulein Holder verliebt", fügte er dann hinzu.
Feldern blickte sprachlos von einem Zwilling auf den andern, die wie zwei Wachsfiguren 7>asaßen. Er wußte nicht recht, was er aus ihnen machen sollte. Ihre Ausdrucksweise, ihre Verschlagenheit, die schamlose Art und Weise, Geld zu verdienen — das alles gab ihm zu denken. Tas waren zweiGeschöpfe von jener Sorte, die von Erpressungen leben. Feldern kamen sie wie ein einziges Wesen mit zwei Köpfen vor; sie waren einander so ähnlich im Aussehen, in der Figur und ihrem erbärnttichcn Charakter, daß er nicht umhin konnte, sie als eins zu betrachten. Doch wie schmutzig auch diese Werkzeuge waren, er mußte sich ihrer bedienen.
„Ich denke, Ihr habt Eure zwanzig Mark verdient", bemerkte er. „Aber ich gebe Euch noch zehn Mark extra, wenn Ihr mir sagt, wo Herr Brand jetzt ist."
„Weißt Du's Bill?"
„Nein." antwortete der mit bekümmerter Miene. „Ich wünschte, ich wüßte es Aber ich werbe es herauskriegen. Auf alle Fälle wirb Herr Branb an Fräulein Halber schreiben unb sie an ihn. Ich werbe die Adresse aufschreiben, wenn ich die Briefe besorge. Ich trage alle ihre Briefe auf die Post."
„Es kann Herm Brand den Kopf kosten! Bedenk« das!" sagte Feldern.
„Ich weiß es", erwiderte Bill seelenvergnügt. „Ich glaube, er hat's getan "
„Ist Fräulein Holder Dir eine gütige Herrin?"
„Es hat nie eine gütigere gegeben!"
„Unb sie liebt Herm Branb?"
„Ganz schanberhaft, Herr!"
„Unb wenn er zum Tode verurteilt werden sollt«; so wirb sie bas schwer treffen?" fuhr Felbern fort.
„Na unb wie!"
„Unb beimach helft Ihr beibe, Herm Branb zu verderben?"
„Jawahl, Herr", tönte es gleichzeitig van den List Pen der Zwillinge, die höchst erstaunt über die Fragen zu sein schienen.
Feldem sah grimmig auf bie beiben Burschen, bi/ keine Spur van Menschlichkeit zu fühlen schienen. „Na, Ihr seib ja ein nettes Paar Spitzbuben!" sagte er verächtlich. „Ihr lammt sicher noch an ben Galgen."
„Ach nee", erwiderte Sim, „wir find schlau genug, uns da drumrum zu drücken Wenn Sie aber Bill hängen, können Sie mich gleich mithängen. Denn ohne Bill könnte ich nicht leben."
„Und ich könnte nicht ohne Sim leben", rief Bill. Dabei warfen die beiden entmenschten Geschöpfe einander einen zo zärtlichen Blick zu, ber wirklich schön anzusehen war.
„Ra", meinte Felbern, „Ihr könnt gehen. Wenn Du Herm Branb's Abresse erfährst, bringst Du ste mir, Bill Vogel."
„Ja, Herr", antworteten bie Zwillinge wie aus einem Munbe. Daraus gingen sie Hand in Hanb, wie ste gekommen, fort.
Als Felbern allein war, bemühte er sich, bie beiben fratzenhaften Gestalten zu vergessen. „Hm", murmelte er vor sich hin, „es ist also noch ein anbereS Weib im Spiele. _ Auf jeben Fall werb- ich einen Verhaftungsbefehl für Brand erwirken. Dieser Junge wird seine Adresse schon ausfindig machen. In ber Zwischenzeit kann ich mir ja etwas abschreiben lassen — ich gehe einfach zu Fräulein Halder!"
(Forisetzung folgt.)