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37. Jahrgang

Fulda, Mittwoch den 6. Juli 1910.

Erstes Blatt.

151

Roman von FerguS Hume. Autorisierte Bearbeitung

von C. Wehner.

15]

»«zrf-enr Vie ein­spaltige petitzekteo-rc deren Lau« 15 pfg. Reklamen diepetitzeile 25 Pfg., bet wieder- Holungen wird entspr.

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LotntionsdrnSnnd Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

Sie können das ja auch umsomehr, wenn es sich be­tätigen sollte, daß dieser Ministerwechsel mit einem Kurswechsel in der inneren Politik nach der Seite de« Liberalismus hin in einem en­gen und inneren Zusammenhänge steht.____________

„In Westend vielleicht, aber nicht des Nachts im Innern der Stadt. Und dann tragen wenige Manner mißer vielleicht Invaliden in dieser Jahreszeit Pelze. Ich vermute, dieser Mann — angenommen, daß er der Schuldige ist — hoffte seine Identität zu verlieren, indem er sich so kleidete, wie viele seines Standes. Andererseits zweifle ich wieder daran, daß ein Mör­der wirklich so töricht sein sollte, solche auffallende Klei­dung anzulegen, wenn er nachts durch die innere Stadt geht In Westend mag so etwas übersehen werden, aber in der Stadt —" Fel dem schüttelte aber­mals mit dem Kopf.

„Nun, zweifeln wir also vorläufig an der Schuld dieses Mannes", fiel Schau ein. „Wo traf ihn Drake?"

„In der Unteren Themsestraße.'

„In der Nähe der Nelson-Allee?"

„Ungefähr hundert Meter davon entfernt. Drake sah ihn jedoch nicht aus der Wer kommen- Er konnte ebenso gut die Hauptstraße entlang gegangen sein."

„Er konnte", wiederholte Schau zweifelnd. „Sie sagen, er habe mit Drake gesprochen?"

„Ja. Er äußerte, er hätte bis spät in seinem Büro arbeiten müssen und gab Drake eine Zigarette."

„Hat Drake ihn ganz genau gesehen?"

„Ganz genau. Der Herr machte nicht den ge- nngsten Versuch, fein Gesicht zu verbergen, was er imbedingt getan haben würde, wenn er ein Verbre­chen — noch dazu einen Mord — begangen hätte. Außerdem halte ich es für sehr unwahrscheinlich, daß ein Mann, der soeben einen Mord vollführt, einen Polizisten anreden wird. Drake meinte, er fei ziemlich groß gewesen und habe blondes Haar und einen Schnurrbart gehabt. Sie wissen, das ist die Art von Männern, tote sie überall zu Dutzenden hemmlaufen "

„War kein besonderes Merkmal an dem Manne?" Feldem zögerte. „Ein solches war vorhanden," gab er langsam zu, „ein kleines Muttermal an der linken Schläfe. Drake hatte es bemerkt, erinnerte sich

„Ich nehme an, daß Frau Kirby eine Belohnung für die Entdeckung des Mörders aussetzt?" fragte der Detettiv.

„Gewiß, vier bis sechstausend Mark, glaube ich. Sie kann sich das leisten. Sie sollen nichts verlieren, Herr Feldem, indem Sie mich unterstützen. Wollen Sie jetzt meine Fragen beantworten?"

„Gern, nachdem ich den Beweggmnd Ihres Be­suches kenne. Ich soll Ihnen den Weg zur Heirat mit Frau Kirby ebnen."

„Richttg! Und um das zu erreichen, müssen Sie und ich den Mörder finden."

„Das ist leichter gesagt, als getan", wandte der Detetiv ein.

„Wir werden sehen- Ich spüre so ein gewisses Fieber von Amateur-Detektiv in mir und finde die Menfchenjagd ungemein interessant. Gehen wir zu­nächst einmal sämtliche Punkte durch, die bei der Ge­richtsverhandlung ins Auge gefaßt wurden. Da ist zum BeispiÄ dieser Mann, den Drake traf. Lüar er wirklich ein vornehmer Herr?"

„Sicher. In biefet Beziehung dürfen Sie sich schon auf einen Polizisten verlassen. Drake crftärte, der Mann, der mit ihm gesprochen, fei vornehm gekleidet gewesen, habe sehr fein gesprochen und überhaupt sehr feine Manieren gehabt."

„Wie war er gekleidet?"

„Er trug schwarzen Gesellschaftsanzug und einen mit Pelz besetztm Paletot."

„Ahl Gehen vornehme Herren im GesellschastS- anzug in Ihr Büro?"

Feldem wiegte den Kopf hin und her. „Darm habe ich selber schon gedacht — auch an den Paletot. Ich gebe zu, daß der Abend kalt war, aber nicht so kalt, um daS Tragen eines Pelzes zu rechtfertigen. Ich weiß, was Sie meinen, Herr Schau. Wäre dies eine Bemeidung gewesen, so war es eint sehr schlechte- Ein Pelz und Gesellschaftsanzug l" Feldern schüttelte den Kopf.

„Im Gegenteil, ich glaube, sie war eine gelungene", gab Schau kühl zurück. „Dutzende von Herren gehen so cm gezogen."

nichts daran, daß der anerkannt erste Führer der Nationalliberalen vor jeder Reichstagswahl auf die Suche nach einem Wahlkreise gehen muß. Wirklich ichere Wahlkreise hat die Partei nicht mehr.

* Genug von der Hetze wegen der Borro- mäus-Enzyklika scheint man allmählich doch auch in manchen linksliberalen Kreisen zu haben. Bei dem in Leonberg veranstalteten Sommersest der Württembergischen Volkspartei kam der Abg Konrad Haußmann in seiner Rede auch auf den Enzyklikastreit zu sprechen und führte darüber folgendes aus:

Es war gut, daß die Zentmmsfrattionen in Berlin, München und Darmstadt dir Enzyklika nicht verteidigt, sondern geschwiegen haben. Es war auch gut, daß der päpstliche Stuhl die Weisung der Veröffentlichung in den deutschen Kirchen zurückgenommen hat. Es wäre angesichts dessen nicht unbedingt nötig ge­wesen, von protestantischen Kanzeln herab Pro­teste zu verlesen, die ja auch außerhalb der Kirche mit Grund lebhaft erhoben worden sind. Wir in der Fraktion der württembergischen Volkspartei haben be­raten und beschlossen, daß wir eine Interpellation aus einet Reihe von Gründen nicht mehr für nötig und richtig halten. Man hat allen Grund dafür zu sorgen, daß die konfessionelle Verbitterung keine weitere Nahrung erhalte.

Diese Aeußerung unterscheidet sich jedenfalls wohltuend von der unablässigen Aufreizung des konfessionellen Kampfgeistes durch nicht wenige liberale Blätter.

(♦) Der kultmckämpferische Freisinn. In der Artikelserie des ,Berl. 2V über „Die Stimmung im Lande" kommt heute (sJtr. 334) der ostfriesische Abg. Jan Fe gier zu Wort, der u. a. ausführt:

„Die Borromäusenzyklika wird das ihrige tun, die Flucht aus dem agrarisch-konserva­tiven Lager zu verstärken. Eine solche Flucht hat in gar manchen Orten stattgefunden, wenn die konser­vativ-agrarischen Blätter das auch bestreiten. Nament­lich sind viele aus dem Bunde der Landwirte aus­getreten. Es gibt Ortschaften, wo früher fast alle Landwirte Mitglieder des Bundes waren, jetzt nur noch ein oder zwei diesem Bunde angehören. Dem natürlich und gesund emfind enden Bauer, Bürger, Arbeiter ist es unverständlich, wie eine Patter beton- ders national, besonders vaterlandsliebend sein kann, die sich verbrüdert mit einer Partei, die letzten Ende ihrer Direktiven von jenseits der Berge erhält, von einer Stelle, die sich nicht scheut, immer und immer wieder unsere neuere deutsche Kultur, die sich doch nicht aufgebaut hat auf der Reformation und erst möglich geworden ist, nachdem durch diese Reformation Ge­danken- und Gewissensfreiheit, wenn auch nicht ganz sp doch mehr wie.vorher, gesichert waren, herabzusetzen und unsere Kulturträger, die Luther, Goethe, Fichte, Schiller, Kant, Hegel e tutti qaanti zu beschimpfen und mit Schmutz zu bewerfen."

Dieser fromme Erguß erhält seine richtige Be­leuchtung durch das kurz vorher abgelegte Geständ­nis: „Ich hatte in allerletzter Zeit Gelegenheit, mich zu informieren über die Volksstimmung nicht allein in meiner engeren und engsten Heimat, fondern auch in anderen Gegenden, in Holstein, Schleswig, Mecklenburg, Brandenburg, Pommern, Thüringen, Hessen, Westfalen — überall dieselbe Grundstim- mung: So kann, so darf, so soll es nicht weiter gehen; wenn nichts anderes hilft, so wählen wir „rot"! Ein weiteres Wort ist wohl überflüssig.

)( Amerikanisch« Mittel int politischen Kampfe scheinen auch in Deutschland Bürgerrecht finden zu sollen. So meldet das Münchener Zen­trumsblatt .Bayerischer Kurier', daß in München eine Gruppe von Persönlichkeiten, die mit dem Fürsten von Fürstenberg in Verbindung stehen soll, zwecks Gründung eines großartigen Zeit ungs« unternehmens zusammengetreten ist. Das Blatt, das im Herbst ds. Js. zum erstenmal erscheinen soll, werde den Standpunkt der Rechtsliberalen und die Interessen der Arbeitgeber vertreten und, ohne einen Parteistandpunkt zu betonen, die Sozial­demokratie bekämpfen. Dem neuen Blatte

Deutscher Reich.

** Berlin, 5. Juli 1910. Das ,Berl. Tagebl.' macht folgende Mitteilung. Der Chef der Ostsee- station Admiral v. Prittwitz und Gaffron ge­denkt in den Ruhestand zu treten. Vizeadmiral Schröder, der seit mehreren Jahren das 2. Linien­schiffgeschwader befehligt, ist als fein Nachfolger in Aussicht genommen.

* Zur Besetzung der Aemter im Unterrichts- Ministerium. Gelegentlich des Ausscheidens des vortragenden Rats im Kultusministerium, des Geheimrats Adolf Matthias, stellt die „Köln. $8tg." die Tatsache fest, daß unter allen heutigen Spitzen, Unterstaatssekretären und Ministerial- direktoren im Unterrichtsministerium kein einziger Fachmann ist, alle sind Juristen. Ueberhaupt ist bisher noch kein einziger Schulmann — weder ein Universitätsprosessor, noch ein Gymnasial­mann, noch ein früherer Volksschullehrer — je­mals seit Bestehen des Ministeriums Ministerial­direktor, geschweige denn Unterstaatssekretär oder gar Minister gewesen. Es ist ganz gewiß nicht erforderlich, daß alle diese Stellen stets mit Fachmännern besetzt werden. Aber wir fragen: Ist es umgekehrt erforderlich, daß alle diese Stellen niemals von Fachmännern verwaltet werden?

-j- Das Zusammengehen der Nationallibe­ralen mit den Sozialdemokraten bei den Reichstagswahlen empfiehlt jetzt auch das Organ des nationalliberalen Landesvereins in Sachsen, das .Nationalliberale Vereinsblaltt. ES schreibt,

die nationaDiberale Partei werde am besten tun, wenn sie die Bundesgenossen nehme, wo sie zu finden feten. Die Hilfe der Sozialdemo­kraten sei am Rhein gegen das Zentrum, im Osten gegen die Agrarier in Anspruch zu nehmen. „Die Badenser Nationalliberalen „hallen seit langem mit Hilfe der Sozialdemokratie das Vordringen des Zen­trums erfolgreich auf; sind sie darum weniger gute Nationalliberale? Dergleichen lokale und partikulare Bündnisse zerfallen, sobald die Abgeordneten das Parlament betreten haben. Dutz in den Macht­bereichen des llltramonlanismus statt des bisherigen Klerikalen zur Abwechselung einmal ein Sozial­demokrat siegt, kann dem Liberalismus nur recht fein, wenn er dadurch Vorteile an anderen Orten erringt. Und die Verhältnisse in diesen schwarzen Gegenden schreien geradezu darnach, daß auch dem Zentrum endlich einmal eine Lehre gegeben werde."

Im Anschluß hieran wird bargetan, daß durch lokale Abmachungen zwischen Sozial­demokratie und Nationalliberalen das Zentrum an die erstere acht an die letzteren 16 Mandate verlieren könne. — Das Zentrum wird schon sorgen, daß diese schönen Hoffnungen nicht in Erfüllung gehen. Logischer wäre es übrigens gewesen, die 16 Mandate der Sozialdemokratie zuzusprechen, denn den Löwenanteil würden ja doch diese erhalten, wie das angerufene Beispiel von Baden klar erweist.

)( Der nationalliberale Führer Staff ermann, bet sich auf feiner Mandatssuche in Saarbrücken be­kanntlich einen Korb geholt hat, erklärt jetzt, er habe die ihm angebotene Kandidatur für Saarbrücken nicht deshalb abgelehnt, weil die Großindustrie sich gegen ihn erklärte, sondern aus anderen Gründen. Welcher Art diese Gründe sind, wird nicht gesagt. Mögen sie auch sein, welche sie wollen, sie ändern

X Bethmann Hollweg und Rhem- baben.

Den Herren v. Moltke und v. Arnim war der Stuhl vor die Tür gestellt worden. Vielfach konnte man die Meinung hören, der mächtige Finanzmtnister stehe da­gegen fest im Sattel — als plötzlich die „Krmzzeftung einen Leitartikel veröffentlichte, der die Emruchung und Genehmigung des Entlassungsgesuches meldete lind die Versicherung enthielt, daß Herr v. Rhembaben seinen Abschied ohne Vorwissen des Ministerpra,identen erbeten habe __.

Das leitende Blatt der konservativen Partei konnte ferne Miteilungen nur von Herrn v Rheinbaben ha­ben. ES erklärte, er fei allmählich doch amtsmüde ge­worden; „inwieweit die fortgesetzten öffentlichen An- priffe, namentlich die haltlosen Ausstteunngen gewis­ser Blätter, die ihn als Nebenbuhler des Reichskanz­lers und als Anwärter auf dessen Stellung hinstellten, zu dem Entschlüsse des Ministers, seine Entlassung zu erbitten, beigetragen haben, bleibe dahingestellt." Da­nach nahm der Leser an, nicht die geringste Meinungs­verschiedenheit sei zwischen demMimsterpräsidenten und dem Finanzminister vorgekommen. Ein paar Tage daraus konnte man in der „Kons. Storr." lesen, „daß, abgesehen vielleicht von einzelnen personellen Friktio­nen (Reibungen) lediglich der private Wunsch des Herrn v. Rheinbaben . . . ihn zu seinem Rücktritts­gesuch bestimmt hat." Also doch personelle Friktionen? Mit wem? Dann konnte man in konservattven Blät­ter lesen, daß die zahlreichen Personenwechsel „doch 'etwas Auffälliges haben" Und endlich, als die „Nordd. Allg. ,3tg." den Rücktritt des Herrn von -Rheinbaben ein Ereignis „von starker politischer Be­deutung" genannt hatte, kam die „Kreuzztg." mit einem neuen Kommentar; sie habe ja schon hervor- gthoben, daß der Finanzministee sein Enttassungsge- ,snch ohne Vorwissen des Ministerpräsidenten eingeceicht hatte:

Ans dieser Tatsache ist zu erkennen, daß zwischen den beiden Staatsmännern Meinungsverschieden­heiten politischer Art bestehen, die nicht aus- iugleichen sind. An parteipolitische Gegensätze denken wir dabei natürlich nicht, denn ein Partet- mintster war Frhr. v. Rheinbaben nie. Aber allerdings läßt sein Rücktritt Schlüsse zu ans die Richtung, in der sich die Politik des Herrn v. Bethmann Sollweg bewegen will, und die liberale resse zeigt sich davon recht befriedigt.

Also der Fnanzminifier v Rheinbaben ist, wenn man der Darstellung der „Kreuzztg.", die es wissen kann, glauben darf, nicht gegangen, weil er allmählich müde geworden ist, nicht weil ihn die Angriffe der Presse und die Andeutungen, als wolle oder solle er Reichskanzler werden, Verstimmten, sondern einfach weil zwischen ihm und Herrn v. Bethmann Hollweg pokittsche Meinungsverschiedenheiten bestanden.

Indem die „Stteu^tg." aus dem Rücktritt des Freiherr» v. Rheinbaben Schlüsse ziehen zu können glaubt „auf die R e ch t u n g, in der sich die Politik des Herrn von Bethmann Hollweg bewegen will", beutet sie zur Genüge an, daß die Meimmgsverschie- denheiten politischer Art sich auf einen Kurswech­sel in der Politik beziehen, den Freiherr v. Rheinbaben nicht mitmachen zu können glaubt. Er fühlte, daß er in die Richtung nicht paßte und ging, um nicht ebenfalls dm Stuhl vor die Tür gestellt zu bekommen Die Enthüllung der „Kreuzztg." bestätigt durchaus die Auffassung, die wir von vornherein ver­treten haben.

Der Mcktritt des Frhrn. v. Rhembaben und dessen Ersatz durch den liberal angehauchten Oberbürgermei­ster Lentze — nach der Mitteilung eines Berfiner Mit- tagsblatteS soll derselbe in Kiel auf Grund von Em­pfehlungen der dort um den Kaiser versammelten Mit­glieder der Hochfinanz zum Finanzminister berufen sein — ist zumeist von den Nationalliberalen freudig begrüßt worden, die mm auch nicht mehr auf ihrer „Absage" an Bethmann Hollweg bestehen, son­dern sich zufrieden geben.

Schau mochte ein nachdenkliches Gesicht und blieS eine dichte Rauchwolke von sich.

„Darf ich einige Fragen an Sie richten? Herr FÄderu?" sagte er.

„Gewiß, wenn Sie mir dafür eine Frage beant­worten-"

„Aber natürlich. Bitte, fragen Sie."

Feldern beugte sich ein wenig nach vorn. „Warum nehmen Sie so großes Interesse an dem Fall?"'

„9hui, Sie haben mir vorhin schon gesagt. Sie wüßten, daß ich mich für Frau Kirby interessiere", erwiderte der junge Mann mit leichtem Auflachen. „Diesmal hak das Gerücht nicht gelogen. Ich liebe sie und stehe nicht an, e8 Ihnen zu gestehen. Was ich Ihnen jetzt sage, geschieht natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit.

„Natürlich", stimmte der Detektiv zu. „Sofern Sie nicht der Mörder Kirby'S find, könne» Sie fich mir ,ruhig aubertrauen. Sprechen Sie ganz offen zu nrti, ifo offen, wie Sie etwa mit einem Arzt reden wür­den."

_ Schau lachte. „Wenn ich der Schuldige wäre, würde ich mich schön hüten, dem Löwen in de» Rachen ?u spazieren", versetzte er. „Nein, ich kann mit gutem Gewissen behaupten, das Starbrechen ncht begangen zu haben. Dazu bin ich nicht schlau genug. Um Frau .Kirbh's willen wünsche ich jedoch, daß die Wahrheit üns Licht kommt. Ich will sie heiraten."

„Um ihres Geldes willen", fiel Felder» ein.

„Hm, zumteil auch darum. Ich verachte dar Geld durchaus nicht. Nichtsdestoweniger ist der Haupt- gnmd bei, daß ich sie zu besitzen wünsche. Sie ist nicht Abgeneigt, mich zu erhören; aber sie weigert sich dessen, solange der Mörder ihrer Gatten nicht entdeckt fft. Uur diesem Grunde kümmere ich mich um die Sache Mo kam hierher, um Sie um Ihren Beistand zu Wen."

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SSL McheMvaee: Illustrierte SomttagrzeNung" " Monat-d-ilag-: „Fuldaer Seschichtsblätter"

ollen alle Reichs-, Staats- und Gemeinde-Inserate, dann die Bilanzen der Banken, - der Großindustrie usw. zugewendet werden. Man hoffe es dann in- olge seiner Billigkeit massenhaft in Stadt und Land verbreiten zu können und alles andere aus dem Felde zu schlagen, so daß das Blatt bis zu den nächsten Wahlen erheblichen Einfluß auf die öffentliche Meinung gewonnen hätte. Als Kapital für das Unternehmen, das mit einer Jahres­ausgabe von 1800 000 Mark rechne, feien vier Millionen Mark angenommen, wovon zwei Millionen bereits gezeichnet feien. Den Rest hofft man aus den Kreisen des Handels, der Industrie und des Gewerbes binnen kurzem zu erhalten. Schließlich glaubt der,Bayerische Kurier' noch, daß der Hansabund mit der Sache in Verbindung stehe.

+ Wo bleibt der Hansabund? so überschreit» ein Industrieller eine Notiz, in der es u a. heißt.

„Bekanntlich ist der Hansabund gegründet zum Schutze von Handel und Gewerbe. Augenblicklich droht unserer gnbuHrie durch die Beschlüsse der Reichs­versicherungs-Kommission eine ganz außerordentlich« Schädigung. Die Hälstelung ist bereits abgelehnt, die Belriebskrankenkassen sind bedroht. Warum tritt jetzt der Hansabund zum Schutze der Industrie nicht auf den Plan? U. A. w. g."

Weiß denn der Urheber dieses Klagerufes noch nicht, daß der Hansabund einen ganz anderen Zweck hat?

(*) Katholische Volksbriese. In der unter obigem Titel im Volksvereius-Verlag (M.Gladbach) erschei­nenden Schriftensette sind drei weitere Nummern (Preis 5 Pfg.) erschienen, und zwar Brief 2: An die Eltern aller, die in die Fremde gehen, Brief 3:. An alle Männer und- Jünglinge, die bei uns zugezo- gen sind und Bries 4: An alle Mädchen, die bei uns zugezogen sind. Diese Briese betreffen die Ab w an- dererfrage. Wie viele Abwanderer, besonders vom Lande, gehen der katholischen Bewegung noch verloren, sei es, daß sie in der Heimat nicht über das Leben in der Stadt aufgeklärt waren und dem sozialen Leben fernbleiben, sei es, daß sie schon bald nach An­kunft in der neuen Heimat in die verkehrten Hände fallen. Der zweite Volksbttef hat nun den Zweck, das Gewissen der Eltern der Abwanderer zu schärfen, der dritte und vierte den, dem Zugewanderten Winke und Ratschläge zu geben und ihnen zugleich hilfreich an die Hand zu gehen e

)( Friede mit den Polen? Em Artikel, der sich in verschiedenen „nationalen" Blättern sand, behauptete, bei Gelegenheit der Einweihung des Posener Kaiserschlosses solle der ?feit ca. 3 V, Jahren verwaiste Sitz des Posen-Gnesener Erzbischofs wieder besetzt werden und zwar mit einem Polen. Neuere Verhandlungen mit Rom, die aus die schwere Schädigung der Kirche durch eine so lange Dauer eines Provisoriums hingewiesen hätten, hätten zu einer Verständi» gung geführt. Die preußische Regierung habe eingesehen, daß die Stellung eines deutschen Erz- bischoss in Posen-Gnesen unhaltbar sei und sie sei daher bereit, einen Polen zu akzeptieren, „der seine deutschfreundliche und vermittlungS- freundliche Gefi inung verschiedentlich dokumentiert hätte". Weiter wurde behauptet, der neue Kanz­ler sei der Ansicht, „daß mit sreundlicher Polenpolitik weiter zu kommen sei, als mit einer Politik der Nadelstiche. Aus diesem Grunde soll sich auch das Verhalten der Polen im Ab- geordnetenhause in letzter Zeit verändert haben und die sonstigen Polendebatten auf ein Minimum eingeschränkt worden fein, auch das Verhalten der Polen bei der Erhöhung der Krondotation spreche für eine Anbahnung guter Beziehungen mit den Deutschen. Es bereite sich ein Vev föhnungsakt zwischen Deutschtum und Polentum

desselben jedoch erst, als ich ihn nach besonderen Merk­zeichen fragte-"

Ein großer, blonder Herr mit einem Muttermcu an der linken Schläfe!" wiederholte Schau, in sichtlicher Erregung. „Mein Gott, den kenne ich."

Feldem sprang auf. „Sie — unmöglich!"

„Nicht unmöglich! Und ich werde Ihnen sofort sagen, wer der Mann ist. Rehmen wir also die erste Spur wieder auf. obglttch — der Türkisenschlüssel "

„Oh", meinte der Detektiv geringschätzend, „mit dieser Spur hat Frau Kirby bereits aufgeräumt Der Bleistift gehörte ihrem Mann."

„Gehörte — jawohl! Zu einer gewissen Zeit! Später sah ich einen anderen Mann diesen Bleistift an der Uhrkette tragen!"

„DaS haben Sie gesehen? Wer war jener Mann?" „Derselbe, mit welchem Drake gesprochen hak. Er heißt Herbett Brand."

„Brand!" wiederholte der andere. „Den kenne ich "Er ist Schriftsteller und verkehrte viel in KirbyS Haus"

„Sie wissen augenscheinlich eine ganze Menge, meinte Schau bedächtig, „und dennoch waren Sie nicht Gug genug, zwei und zwei zusammenzurechnen, wie ich er getan."

„Da mögen Sie recht haben", gab Feldern lang­sam zurück. „Während dieser ganzen Unterhaltung bin ich sehr dumm gewesen. Ich habe es vorgezogen, : Sie sprechen zu lassen, statt selber zu svrechen."

, Mit anderen Worten: Sie haben mich ausge- : horcht!" lachte der junge Mann. „92a, ich habe nichts i zu verheimlichen. Aber ich sage Ihnen, die Beschrei- । bung, die Drake von jenem Manne gegeben hat, stimmt , genau mit der Herbert Brands überein. Und, wir i bereits erwähnt, Brand trug den Türkisenschlüssel eine ' Zeitlang an der Uhrkette. Vielleicht hat er ihn Kirby , gegeben — vielleicht auch nicht. Ich möchte Ihnen , noch etwas sonderbares mitteilen,.Herr Feldern"

„Hm, und dar ist?"

l ' (Fortsetzung folgt.)'