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Zuldaer
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^ulda, Montan den 4 Juli 1910.
37. Ja'nnani.
△ Die Vorgänge in Spanien.
Es ist nur gut, daß die spanische Politik nicht vn den liberalen Blättern des Auslands oder deren Madrider' Korrespondenten gemacht wird. Da wäre man in drei Tagen so weit wie heute in Frankreich. Oder noch weiter. Man hätte die Revolution. Es ist ber in Spanien ein eigen Ding um die Ratschläge von Außen. Sobald der stolze Sohn Jberies hört, daß ihm dec Fremde zu etwas rät, dann tut er es sicher nicht. Oder er wird zum mindesten mißtrauisch. Es ist infolgedeffen begreiflich, daß der spanische Ministerpräsident Canalejas dem wohlwollenden Drängen seiner Freunde im Ausland, den „Tausenden E Depeschen" gegenüber so schwerhörig ist. Er geht nur langsamen und behutsamen Schrittes in seinem Kirchenkampf vorwärts, spricht hie und da ein großes Vock, um seinen Getreuen Mut zu machen, und doch ürfte er eines Tages vielleicht an seiner Politik scheitern.
Eins sollte dem spanischen Ministerpräsidenten allmählich klar werden In dem katholischen Spanien 'ft kirchenfeindliche Politik nicht leicht u tret 6 en. Die heftige Gegenbewegung, die jetzt ,chon bei den vorbereitenden Maßnahmen, der Kirchen- volitik des Herrn Canalejas durch die Monarchie geht. Dürfte das genügend bewiesen haben. Auch die Gefolgschaft, die die monarchistischen Demokraten und ihre Führer Canalejas bei ihrem Vorgehen gefunden haben, sollte sie ein wenig stutzig machen-
An ber Spitze ber kirchlichen Protestbeweg- n g in Spanien steht bas Zentralkomitee ber katholischen Aktton, das mehr als 400 Ortsgruppen zählt. Beim Ministerpräsidenten sind Deputationen aus allen Letten des Landes angemeldet, und wenn er sie alle empfangen will, muß er mindestens ein Jahr lang tm Ruder bleiben. Andere Protestler wenden sich an den König und an die Königin-Mutter. Die im Se- >at sitzenden Bischöfe haben beim Könige um Audienz tachgesucht, um die Kirchenpolittk zur Sprache zu ringen. 60 Deputierte, darunter auch einige Rechtsliberale, begaben sich zum Ministerpräsidenten, um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß hinter seinen Maßnahmen das Volk nicht stehe. Ein Ausschuß von Damen wurde von Canalejas schon empfangen. Da- öei erhob die Marquise de la Sora im Namen von 81 Damenvereinen mit 60 000 Mitgliedern gegen die Verletzung ber Verfassung Einspruch. Die Namen ber protestierenden Vereine, bie man gelegentlich angeführt findct,könnten leicht^ salschenAuffassungen führen und glauben'machen, es handle sich ausschließlich um rein eligiöse Vereine. Das ist nicht richtig. Alle Ver- 'ände in Spanien, selbst Kredit- und Sparkassenvereinigungen, führen den Namen eines Schutzpatrons. Eine Ausnahme machen nur die republikanischen Vereine in Barcelona Es sind also die protestierenden katholischen Korporationen solche jeder Art im sozialen Leben, deren ungeheure Mitgliederzahl einen nicht zu unterschätzenden Machtfaktor darstellt Die Riesen- versammlungen di- lebt im camen Lande stattfinden, beweisen es-
Die gewichttgste Stimme in dem ganzen Streit spricht der spanische Episkopat. Aus seinem em= sten Schreiben an die Regierung sei folgende Stelle hervorgehoben:
. »Das Volk will Frieden und Brot; man kann feinen Hunger nicht mit einer mehr oder minder starken Tosis Antiklerikalismus stillen. Es wäre traurig, wollte man, nachdem es durch seine friedliche Arbeit die Wunden des Vaterlandes hat tiernatben lanen, in seinem Schoße die Zwietracht schüren. Aus Liebe zum Vaterlande, dem, wie wir ja nicht zweifeln, die Regierung durch all ihre Handlungen nutzen will, erlauben wir uns ebenso achtungsvoll wie dringend zu bitten, die Regierung möge dem nationalen Willen Rechnung tragen, der sich nachdrücklich gezeigt hat, als man im Parlament den Bereins-
Wclmpyr.
Roman von Fergus Hume. Autorisierte Bearbeitung 13] von C. Wehner.
„Gut. So werde ich einen Artikel in verschiedene Zeitungen Ebringen und dein Publikum die Geschichte von dem Schlüssel erzählen, den Du Deinem Mann schenktest. Ich werde veröffentlichen, daß dieser Schlüssel mir gehörte und daß Frau Kirby chn mit gestohlen hat."
, „Das darfst Du nicht wagen!" stieß Lena erschrocken aus
„O ja, >ch ivage es. Solltest Du dieserhalb eine Beleidigungsklage gegen mich anstrengen, so würdest Du nur die Erfahning machen, daß Du damit Deine Lage nur verschlimmerst. Ich meine aber, die ganze Angelegenheit verträgt eine scharfe, genaue Untersuchung kaum, Lena Kirby. Welches Gesicht würdest Du zum Beispiel machen, wenn mein Rechtsanwalt in aller Oeffentlichkeit fragte, welcher Art die Gesellschaften waren, die Du in Deinem Hause gabst? Wenn er sich nach dem Roulettetisch erkundigte? Wenn er den Tod Theo Landors zur Sprache bringt?"
„Niemanb kann mir mit all diesen Dingen etwas anhaben", rief Lena.
„Das Gesetz vielleicht nicht — aber die Gesellschaft, Lena Kirby! Die Gesellschaft kann Dir den Boden unter den Füßen sehr heiß machen! O, ich kenne Dein Ehrgefühl! Du willst mit Deinem (Selbe Mobe machen. Wer aber wird trotz allen Reichtums eine Diebin, die Anstifterin eines Mordes empfangen? Ich schwöre Dir, ich bringe die Geschichte in die Zeitung, wenn Du nicht zweierlei tust]"
„Erstens Olga Geld geben, nicht wahr?" fragte Sena, „und welches ist Deine zweite Bedingung?"
„Daß Du Herbert Brand in Ruhe läßt!"
Die Witwe zuckte geringschätzend die Achsel. „O, den brauche ich nicht. Jetzt wünsche ich aber allein zu fein! *
fc »34 gehe noch nicht! Durchpeitschen möchte ich Dich, Du infames Ding!"
gesetzenlwurf einbrachte. Weil wir einst vor dem Richterstuhl Gottes und vor demjenigen der Geschichte zu erscheinen haben, hallen wir es für unsere Pflicht, uns zu Dolmetschern der wahren öffentlichen Meinung zu machen." — Zum Schluffe heißt es: „Am Ende des Weges, den die Regierung beschreitet, wird sie Abgründe finden, die ein Patriot nicht sehen kann, ohne daß ihm die Tränen in die Bugen treten."
Auf alle diese Kundgebungen des in seinem Besten bedrohtm Volkes hat der Herr auf dem Ministersessel nichts anderes als ein Achselzucken, das er mit ein paar geschwollenen Phrasen sophistischer Wortllauberei über „Staatsautorität" u. a. begleitet. Hinter Canalejas steht seine liberale Gefolgschaft. Selbst der anfangs grollende Gemäßigte Moret hat sich dem demo- krattschen Nebenbuhler in die Arme geworfen. Freunde des Monarchisten Canalejas nennen sich aber auch plötzlich die Republikaner, feit er bie antikirchliche Flagge entfaltete. Diese Freundschaft sollte zu denken geben. Vielleicht liegt hierin der Schwerpunkt von Spaniens zukünftigem Geschick.
Es ist bekanntlich seit vielen Jahrzehnten Brauch unter den monarchischen Parteien Spaniens, daß sie zur Zurückbrängung des Republ'kanismus bei ben Wahlen bie Mandate vorher verteilen, baß es also zwischen ben konstitutionellen Parteien zu einem eigentlichen Wahlkampf kaum kommt. Das ist so, wenn ein konservatives Kabinett van einem liberalen berbrängt wirb, ebenso wenn ein liberales einem konservativen weicht Auch bie letzten Wahlen sind unter diesen Zuständen erfolgt, und es hat sich daraus.die Legende geblldet, der konsewative Führer Maura unterstütze die Kirchenpolitik des liberalen Ministerpräsidenten, während Maura die Liberalen nur im Kampfe gegen bie revolutionären Republikaner unb Sozialisten zu unterstützen versprochen hat. • Nun ergibt sich im Falle von Neuwahlen im Zeichen des Kulturkampfes folgenbe Situation: Das spanische Volk in seiner überwältig en ben Mehrheit ist durchaus kirchlich gesinnt, toenbet sich also scharf gegen die jetzige Politik. Diese Politik verquickt das nicht scharf ur- teitenbe Volk mit ber Krone; und der Heuchler Canalejas sucht noch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit diese falsche Ansicht zu verstärken. Es wird infolge der erhitzten politischen Kämpfe im Parlament höchst wahrscheinlich zu einer Wahlabmachung nach dem Muster der bisherigen nicht mehr kommen, das Volk wird also frei entscheiden, dann aber ist es nach Lage ber Tinge nicht ausgeschlossen, baß bie Wahlen eine republikanische Mehrheit ergeben. Das wäre ber Anfang vom Enbe der spanischen Monarchie. Die Schuld daran hätte bie unglückselige Kirchenpolittk.
Es ist nun nicht uninteressant, daß außer den liberalen auch gewisse konservative spanische Blätter bie Zustimmung des Königs an Canalejas Kirchen- potttik als erwies.n erachten. Das find die Blätter karlistischer Couleur, also die ber jetzigen Dynastie feindlichen Organe. Diese sinb eS auch, bie ganz unverblümt mit bem Thronprätendenten drohen. Wie ber König in ber ganzen Angelegenheit in Frage kommt, bas wirb von dem Minister bes Jnnem im konservativen Kabinett Maura, von Lacierva, ben man ben „frechsten Fanatiker bieses Kabinetts" nannte, folgenbermaßen präzisiert:
„Der König kann nur dann eine Ankündigung in der Thronrede verweigern, wenn sie im Widerspruch zn der Verfassung fleht. Das ist nun bei der Verkündigung der Kultusfteiheit der Fall. Die Ankündigungen in der Thronrede, so sehr sie gegen das katholische Empfinden der ©panier verstoßen, verletzen die Ber- sassung nich', weil sie noch nicht durchgeführt sind und der Zustiinmung dcs Parlaments bedürfen. Ter König kann die Sanktionierung eines von den parlamentarischen Körperschaften angenommenen Gesetzes verweigern, nicht aber die Ankündigung eines Gesetzes, und wenn es sich noch so sehr gegen das Bolks- empfinden wendet. Canalejas setzt feine radikale Propaganda fort. Wir glauben, daß er sich damit
„Ich klingle jetzt bie Dienstboten herbei, bamit sie Dich Hinauswersen!" wimmerte Lena
„Ich werde ihnen die Mühe ersparen", entgegnete Elfriede, indem sie vor den Spiegel hat, um zu sehen, ob auch ihre Haarmähne in Ordnung war. Dann nahm sie ihr Bündel Papiere.
„Ich gehe", sagte sie. „Eine Woche gebe ich Dir Bedenkzeit; Du kannst Dir ja überlegen, auf welche Weise Du Olga entschädigen willst. Wenn Du nicht tust, was ich verlange, so soll die ganze Welt erfahren, daß Du jenen Schlüssel gestohlen hast unb auch bie Geschichte von Theo Landors Tod!"
„Das ist ja die reine Erpressung!"
„Gehe hin unb verklage mich! Du wirst schon sehen, was dabei herauskommt. Adieu, Frau Kirby. Ich verlasse Dich jetzt, damit Du nach Herzensbedürfnis über Deinen Vampyr meinen kannst!"
Hochaufgerichtet verließ Fräulein Lambert das Zimmer, ohne auf die Flut vonSchmöhungen zu hören, die Lena ihr nachsandte und die durchaus nicht in einen Salon paßten. Sie beobachtete Elfriede, als diese das Haus verließ und wünschte im stillen, sie für immer los zu sein. Sie wußte, daß Elfriede bei ber Presse war und hatte übertriebene Ansichten von bem Unheil, das diese anrichten konnte. Lena wußte zwar, daß sie nichts getan hatte, was sie mit den Gesetzen in Konflikt brachte; aber wenn bie Geschichte mit bem gestohlenen Bleistift in die Zeitungen kam — das! konnte ihr nicht angenehm sein, das würde einen ! Skandal heraufbeschwören unb sie in ber Gesellschaft unmöglich machen. Auch bie Geschichte mit Theo Lanbor konnte ihr nur schaben. Ja, Elfriede konnte ihr sehr gefährlich werden- Frau Kirby begann einzusehen, daß es am besten fein würde, zu zahlen Run, sie hatte ja eine Woche Frist, da konnte sie sich bie Sache reiflich überlegen. Der nächste Schritt, ben le zu biefem Zweck unternahm, war, daß sie an Oskar Schau schrieb.
„Er wird mir aus der Klemme helfen", dachte Lena bei sich, als sie ben Brief siegelte. „Unb schließlich weiß Elfriebe nicht, was ich anfangs befürchtete, le wisse es."
schwer irrt und daß er eine schwere Verantwortung auf sich nimmt. In seinen öffentlichen Erklärungen findet sich aber etwas, gegen das wir protestieren muffen: Der König hat nichts weiter getan, als bem jetzigen Ministerpräsidenten die Mittel erleichtert, konstitutionell zu regieren."
Mit ber liberalen Heuchelei, bie der Ministerpräsident Canalejas bis zur Virtuosität betreibt, steht es in vollem Einklang, daß sie den König für ihre Gesinnung in Anspruch nehmen, ja in ben Vordergrund schieben, denselben Alfons XIIL, den sie zur Zeit bes Ferrermmmels, als er bie gerechten Maßnahmen des konservativen Kabinetts gegen die Revolutionäre mit seinem Namen deckte, in Grund und Boden hinein beschimpft und verwünscht haben. Heuchelei 'st es jebenfalls auch, wenn Canalejas die äußeren Formen des kathol. Kultus peinlich genau wahrt, Heuchelei, wenn er von Verehrung für den Papst spricht und hohen geistlichen Würdenträgern der spanischen Kirche in den Wandelgängen des Senats die Hand küßt, Heuchelei, wenn er die nationale Phrase bis zum Erbrechen im Munde führt, als hätte die liberal-demokratische Partei, die Genossen eines Ferrer unb ber Republikaner, ein Gesinnungsmonop ol für sich allein.
In ber letzten Sitzung bes Senats hat Canalejas folgenbe Erklärung abgegeben:
„Die Regierung würde die religiöse Frage nicht angeschnitten haben, wenn sie nicht geglaubt hätte, sie auch lösen zu können. Das Vorgehen der Regierung sei nicht gegen die religiösen Gefühle des Volkes, sondern lediglich gegen den ,Klerikaltsmus" gerichtet. Sie bedauere die öffentliche Einmischung des spanischen Episkopats, nachdem Verhandlungen mit dem päpstlichen Stuhle eingeleitet worden seien. In gleicher Weise sei zu bedauern die von spanischen Damen, die in ihrem Katholizismus sehr schlecht beraten seien, eingeteitete Bewegung gegen die Regierung."
Der Ministerpräsident schloß mit der Erklärung, er verlange Zurückhaltung von allen, namenttich vom Epiflopat. Canalejas konnte wirklich nicht ungeschickter sich äußern. Welche Bloßstellung seiner selbst, den Bischöfen ihre „Einmischung" zum Vorwurf zu machen, weil Verhandlungen mit bem Vatikan schweben! Wer hat benn sich über biese Verhanblungen hinweggesetzt. bie bestehenben biplomatischen Abmachungen mit bem Vatikan verachtet, wenn nicht Canalejas, grabe ber Epiflopat ist es, ber ihm ben Respekt vor jenen Verhanblungen und diesen Abmachungen anders vor das Gewissen geführt hat. Es ist nichts anderes als die alte unehrliche Manier ber Kultuckämp- fer, wenn Canalejas hier zwischen „bem religiösen Gefühl" unb bem „Klerttalismus" eine Unterscheidung macht. Er muff diese auch selber preisgeben, indem er die durch die Verletzung des religiösen Gefühls her- tiorgerufenen Massenkundgebungen ber spanischen Frauenwelt erwähnt. Daß diese „sehr schlecht beraten" sei, steht auf derselben Höhe wie die Behauptung der (»genannten Freidenker, daß nur ihnen Freiheit zukomme, weil nur sie wohlberaten seien.
Die Katholiken Spaniens, ihr Episkopat, bie Kurie finb jedenfalls im besten Rechie, wenn sie angesichts des beginnenden Abbruchs des Gebäudes der Religiösität, der von Canalejas verlangt und erwartet wird, ihre Stimme erbeben und ihm energisch Halt rufen.
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W. Madrid, 3. Juli 1910. (lelegr.) Heute nachmittag fand hier eine von den Republikanern und Sozia listen veranstaltete tirchenfeindliche Demonstration statt, an der sich eine große Menschenmenge, darunter auch viele Frauen beteiligten. An der Spitze des Zuges schritten alle liberalen, republikanischen und sozialistischen Führer. Auch aus der Provinz werden ähnliche Kundgebungen gemeldet. Die Ruhe wurde nirgends gestört.
6. Kapitel.
Der Detektiv, der die Verfolgung des in der Nelson-Allee begangenen Mordes leitete, hieß Felbern. Er war als einer der tüchtigsten und klügsten seines Berufes bekannt unb hatte bereits eine Menge erfolgreich zu Enbe geführter Fälle auszuweisen, um bie ihn seine sämtlichen Kollegen beneibeten unb bie ihm die höchste Zuftiedenheit unb Bewunderung seiner Vorgesetzten einkugen.
In seiner äußeren Erscheinung tag nichts, was auf feinen Beruf gedeutet hätte. Er war ein kleiner, beleibter Herr, ber stets einen grauen Anzug und einen grauen Schlapphut, dazu braune Handschuhe und braune Stiefel trug. Auf feinem glattrasierten Gesicht lag stets ein vergnügtes Lächeln, aber es kamen auch Zeiten, wo er traurig unb verzweifelt aussah — dies geschah aber nur, wenn er allein mar.
Im Entwirren unb Lösen von Geheimnissen wohl- beroanbert, war er boch selber ein Geheimnis - sogar für seine vorgesetzte Behörde, die Krimmalpolizei. Niemand kannte seine Privawerhältnisse, obgleich er bereits feit mehr als zwanzig Jahre im Dienste ber Geheimpolizei stand All diese Zeit über hatte er nie von seinen eigenen Verhältnissen gesprochen, obwohl er bei mehr als einer Gelegenheit bar um befragt worden wo,. Tag für Tag, freundlich und lächelnd, ging er feinem Berufe nach, der darin stand, bie Gesellschaft von Verbrechern zu säubern. Er nahm nie Fetten, er mer uu. krank, er schreckte nie vor feinen Pflichten zurück, wie häßlich unb gesährlih dieselben auch fein ntraitii. Ohne Zweifel besaß er bas volle Vertrauen seiner Vorgesetzten. Aber man fragte nichts, unb so behielt dc kleine Detektiv sein unjch ilbi.zes Geheimnis streng Nir sich.
Felbern kannte das Verbrech:rle vn Londons nie feine Hrsentaschen. Er war ber Schrecken aller Bösewichter, denn er ging äußerst klug und unbarmherzig vor, wenn er ihre zahllosen Streiche zu schänden machte. Die Verbrecher verfluchten ihn, aber sie fürchteten ihn -auch. Was er tat, tat er gründlich. War er einem Verbrecher erst einmal auf der Spur, bann konnte dieser ruhig seine Schuld eingeftehen — was meistens auch geschah, denn der Ruhm des Erfolges,
Deutsches Reich.
** Berlin, 3= Juli 1910. (Telegr.) De m Direktor im Justizministerium, Wirk!. Geh. Rat Dr. Lucas, ist die nachgesuchte Dienstentlassung mit Pensiion erteilt worden. Zu seinem Nachfolger ist, wie die,Deutsche Tageszlgck mitteilt, der Vortragende Rat im Justizministerium, Mügel, ernannt worden. — Der Staatssekretär für Elsaß-Lothringen, Freiherr Zorn von Bulach, ist zu Besprechungen über die reichsländische Verfassungsfrage in Berlin eingetroffen. — AuS Anlaß der Jahrhundertfeier der Berliner Universität wird ein Jubiläums-Drei- markstück geprägt werden. Die Gedenkmünze soll mit dem Doppelbildnis des Gründers der Universität Friedlich Wilhelms III. und Kaiser Wilhelms II. geschmückt werden. — Die,Kö ln. Z t gck hatte vor kurzem den Entwurf eines Schiffahrtsabgabengesetzes veröffentlicht, und zwar noch ehe der Entwurf vom Bundesrat genehmigt worden war. Wie jetzt gemeldet wird, soll der Versuch gemacht werden, auf dem Wege eines Disziplinarverfahrens denjenigen zu ermitteln, der dem Kölner Blatt den Entwurf zugänglich gemacht Hal.
** Zum Wechsel im Fiuauzministerium schreibt die ,Rordd. Allg. Ztgck in ihren Rückblicken, bie offiziösen Charakter tragen:
„Der Rücktritt bes Frhr. v. Rheinbaben von der Leitung des Finanzministeriums wird allgemein alS Ereignis von starker politischer Bedeutung empfunden. Aus allen Seiten kommt zum Ausdruck, daß mit dem Nachfolger Miquels eine Persönlichkeit von eigenartigem Gepräge, staatsmännischer Begabung und unermüdlicher Schaffenslust aus dem Amte scheidet. Auch die politischen Gegner des Frhr. v. Rheinbaben werden jetzt seinen bedeutenden Eigenschaften unb seinen Leistungen für den preußischen Staat gerecht. Freiherr v. Rheinbaben hat es niemals an sich fehlen lassen, wo es um große Entscheidungen ging; in der finanziellen Vertretung der Flotlenintereffen wie bei der Reichsfinanzreform, in der Polenpolitik wie in der Bekämpfung der staatsfeindlichen Bestrebungen ber Sozialdemokratie hat er feine große staatsmännische Kraft auch über den Rahmen seines Ressorts hinaus in den Dienst des Staates gestellt. Bei der parteipolitischen Bewertung dieses letzten Ministerwechsels ist die Presse wesentlich maßvoller gewesen, als bei der Beurteilung der vorhergegangenen Veränderungen. Man hat in der liberalen Presse wohl erkannt, daß das bisher benutzte Schema mit den Tatsachen in Widerspruch steht, um unverändert weiter angewandt werden zu können."
Es ist bemerkenswert, daß bas osfiziöse Blatt die politische Bedeutung des Ministerwechsels anerkennt.
+ Rational - freisinnige Reichstags-Kandi» daturen Die fieifinnige und die nationalliberalv Partei vereinbarten, daß für die Reichstags-Ersatzwahl in dem sächsischen Wahlkreise Zschopau- Marienberg, sowie auch für die Hauptwahl im Jahre 1911 der freisinnige Landtags - Abg. Hoch (Annaberg) als Kompromiß-Kandidat gelten soll. Als Ausgleich soll in Annaberg bei der nächsten Wahl der bisherige nationalliberale Vertreter des Wahlkreises, Stresemann, Kompromiß-Kandidat fein. Ebenso einigten sich die Freisinnigen und Nationalliberalen des Wahlkreises Teltow-Charlottenburg, bei der nächsten Wahl für einen gemeinsamen liberalen Kandidaten einzutrelen.
** Nachspiel zum Kieler Werstprozeß. Der Reichs- fiskus hat beim Kieler Landgericht gegen den Magazindirektor a. D. Heinrich und gegen den Kaufmann Repenning jr. Zivilprozesse auf Ersatz von 24 000 Mark für Oele, die auf der Kaiser«
der sich an den Namen des berühmten Detektivs heftete, beraubte bie Uebeltater aller Schlauheit unb allen Mutes, wenn sie sich von Felbern verfolgt wußten. „Grünblich" war seine Devise, nach bieser handelte er in allen Fallen.
In einem versteckten Winkel von Whitehall hatte Felbern ein zu ebener Erbe gelegenes Büro inne- Dasselbe besaut» »ich am Enbe einer Allee unb niemand ging biese Allee hinauf, ber nicht zu bem Detektiv wollte Uebcratt sah man nur Fenster; FeldernS Tür war bie einzige, bie hier existtette. Sie war fast immer offen, wie eine Falle — unb eine Falle war es in bet Tat, wie schon mancher Bösewicht auf feine Kosten hatte erfahren müssen. Der Geheimpolizist bevorzugte dieses unter ben Mauern von Scotland flock (Hauptsitz ber Lonboner Polizei) gelegene Büro, weil hierher Leute kamen, bie sich wohlweislich hüteten, ben Fuß über die Schwelle des Polizeigebäubes zu setzen. Mancher Manu unb manche Frau waren biese Allee heraufgekommen, um sich von bem bebeutenben Detektiv Rats zu erholen, einen Mitmenschen zu denunzieren ober Mitteilung irgendwelcher Art zu machen. Gewöhnlich kamen diese Besucher des Abends, sodaß niemand sie kommen unb gehen sah — außer ber Polizei, aber biese kannte Felberns Falle unb drückte bie Augen zu.
Das Büro bestand aus einem kahlen Zimmer, in bem nicht einmal ein Teppich lag. Die Wände waren weiß getüncht; auf ber einen Seite war ein vergittertes Fenster und eine schwere Tür. War diese Tür einmal geschloffen, so wußte der Detettiv ganz genau, wie er mit einem in die Falle gegangenen Verbrecher umzugehen hatte. In der Schublade des Tisches, vor welchem er saß, lag ein stets geladener sechsläufiger Revolver. Neben dem Tisch an ber Wand unter bem Fenster staub ein großer eiserner Schrank. Derselbe enthielt zahllose Geheimnisse von Leuten ber Gesell- schäft unb solchen außerhalb derselben. Wäre her Inhalt diefes Gewahrsams veröffentlicht worden, manche anftbeinenb über jeden Vorwurf erhabene hohe Persönlichkeit hätte sich gezwungen gesehen, fluchtartig bas Land zu verlassen- Aber Feldern beobachtete strengstes Stillschweigen über solche Dinge
(Fortsetzung folgt)