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JV» 148.

Samstag -en 2. Juli 19(0.

57. Jahrgang.

' fuldaer W Leitung •

3. Blatt.

Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerel i* $ul6a.

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mit Stift und Palette ist er Schwind und Richter ebenbürtig. Ganz allein aber steht er mit seinen zahllosen religiösen Silbern, Legenden und Symbo­len, deren unmittelbare Wirkung unvergänglich blei­ben wird. Der deutsche Rhein, die deutsche Sagen­welt reizten seine Phantasie, Dichter werben um ihn als Illustrator. Seine Shakespeare-Illustrationen ge­hören zum Feinsinnigsten, was zur Deutung des gro­ßen Briten geschaffen wurde. Manche sagen, Steinle habe zu viel geschaffen. Rach wie langer Zeit wird man auch nur einen Strich dieses Lebenswerkes wissen wollen?

Tiefer Glaube, Edelsinn und Humor vereinigen sich mit hoher technischer Vollendung in diesem selte­nen Künstler. Und seine Kunst hielt ihn nicht ab, regen Geistes die Schicksale dec katholischen Kirche in derWelt zu verfolgen und ihre Schmerzen mtt zu durch­leben. Er verdient, an seinem Jubeltage vom katho­lischen Volle gebührend geehrt zu werden.

Jmler mit der Zeit unempfänglich werden gegen das Gift der Insektenstiche. Das ist erklärlich und wahr- cheinlich. Denn jedes Gift verliert mit der Zeit seine chädliche Wirkung auf den Organismus, wenn sich die- er langsam an ihn gewöhnen kann, ebenso wie auch ne Impfung verschiedener Gifte ja den Körper gegen die Schädlichkeit solcher Gifte schützt.

Man hat auch bereits Versuche mit der Impfung von derartigen tierischen Giften angestellt, natürlich

gar als ein Landungsunglück anzuschen, sondern als ein Sturm» nglück. Der Sturm zwang zu langer Fahrt, der Sturm verhinderte eine gute Lan­dung, der Sturm beraubte das Fahrzeug seines nötigen Auftriebs und er war es, der es dann zu Boden schmet­terte. Dem Sturm gegenüber find aber alle Luftfahr­zeuge ohnmächtig, sie mögen welchem Svstem immer an­gehören. Luftschiffe sämtlicher Systeme und auch Flugmaschinen sind bis jetzt vom Sturm vernichtet wor­den. Denken wir nur an Weilburg, an Erbslö^Leich- lingeu, an das englische Militärluftschiff, das am Tage von Weilbrirg zerfetzt wurde, an die Patrie »sw. So viel Namen, so viel Systeme!

Hier erheben sich ganz andere Fragen. War das Unternehmen der Fahrt bei so offenbar ungünstigen Wetterlage zulässig? Hat der wirkliche Verlauf der Dinge nicht gezeigt, daß es doch Umstände geben kann, die auch ein zeppelinsches Luftschiff zwingen können zu landen? Wenn nicht, war es dann richttg, so lange gegen den Sturm anzukämpfen, statt, wie Graf Zeppelin selbst es bei seiner ersten Rbeinfahrt getan hat, rechtzeitig zu wenden und mit dem Sturm im faufenben Fluge einem geschützteren Gelände zuzu­streben? Das sind heikle Fragen, die nicht restlos be­jaht oder verneint werden können, denn es bleib! Immer noch jene unvorgesehene Programmwidrigkeit: die Bö, die das Schiff plötzlich in große Höhe binauftih und dort durch den Gasverlust die Tragkraft schwächte. Ohne sie wäre wohl nach menschlicher Voraussicht alles glatt abgelaufen und anders gekommen. Der Unter­gang der Deutschland ist ein schwerer und empfindlicher Verlust, aber noch mehr als das: ein lehrreicher Fall

Sttch einer Mücke nur mittelst eines stark vergrößern­den Mikroskops wahrnehmbar ist, während die Schwel­lung, die solch ein Stich auf der Hmit hervorrust, oftmals einen mehr als tausendmal größeren Umfang hat. Man stelle sich vor, welch' eine Verunstaltung und gefährliche Anschwellung eines Körperteiles her­vorgerufen würde, wenn der Sttch von einem etwas größeren Tiere ausging, sodaß er mit bloßem Auge wahrnehmbar wäre.

Tatsächlich sind ja auch kleine Kinder, die von Mücken- ober Bienenschwärmen überfallen wurden, durch solche Masse von Stichen tödlich verletzt worden.

Ein altes Volkswort behauptet iogar, ba{j_ zwei Hornissen einen Menschen, drei ein Pferd töten können. Eine solche Wirkung ist freilich unter normalen Ver­hältnissen, d. h. wenn keine Komplikationen vorhanden sind und die Folgen des Sttches einer rechtzeitigen Be­handlung unterworfen toerben, ganz unmöglich.

Eine Komplikation würde z. B. bann vorhanden sein, wenn der Stich an einer besonders gefährlichen Stelle erfolgt, z. B. auf der Zunge, was unter Umstän­den eine solche Schwellung verursachen kann, daß der Gestochene ersticken könnte, ober Blut- ober Lymphge­fäße werden durch den Stich getroffen, wodurch eine Vergiftung der Säfte Hervorgenifen werden kann, was

gen mit essigsaurer Tonerde durchaus zu empfehlen und die Hinzuziehung eines Arztes, der die Verbreitung des Giftes zu verhindern hat, eine unbedingte Notwen­digkeit.

Sobald sich in der Umgebung des Jnsektensttches Bläschen und Knötchen zeigen, sobald die Anschwel­lung nicht auf die unmittelbarste Umgebung der Stich- wunde beschräntt bleibt, sobald Fiebererscheinungen sich einstellen, zögere man nicht mit der Hinzuziehung eines Arztes. Es braucht in solchen Fällen noch keine Gefahr vorzuliegen, aber die Verzögerung kann sich schwer rächen, zumal auf dem Lande nicht selten die Herbecholung eines Arztes Stunden bauert.

Alles in allem aber brauchen wir, wie gesagt, keine zu große Angst vor Jnsettensttchen zu haben. Die Zahl Wittlich ernster Fälle, bie durch Insektenstiche entstehen, ist gegenüber der ungeheuren großen Zahl von Stichen, die uns der Sommer bringt, außerordentlich gering.

Ja, um den Jnsetten gegenüber ganz gerecht zu sein, darf am Schluffe sogar nicht unerwähnt bleiben, daß auch Jnsettenstiche gute Folgen haben können. Wie beinahe jedes Gift Heilzwecken nutzbar gemacht wird, so soll auch das Gift der Jnsetten Heilwirkungen haben. Angeblich sollen Bienensttche gegen Rheuma­tismus helfen, und viele Landleute, die an Rheumatts- mus leiden, setzen sich geflissentlich Bienenstichen aus. Erwiesen ist die Tatsache dieser Heilwirkung wissen­schaftlich nicht, unmöglich erscheint sie ebensowenig, sie soll aber keineswegs hier empfohlen werden.

Ländern, wo das häufige Vorkommen der furchtbar lästigen. Moskitos und der sehr giftigen Thestefliege eine gewisse volkswirtschaftliche Bedeutung hat. In­dessen war dabei vor allem die Absicht, das Vieh gegen das Gift der Sttche dieser Insekten immun zu machen. Die Versuche können kaum als vollkommen gelungen betrachtet werden, sind aber noch keineswegs abge­schlossen.

Nun sind alle diese Insektenstiche, bie wir bisher erwähnt haben, in der Regel keineswegs besonbers gefährlich. Sie sind unangenehm, störenv und lästtg, tragen aber nicht zu einer Krankheit bei.

Wirklich gefährlich kann der Insektenstich werden, wenn das Tier irgendeinen vorher irgendwo aufge­nommenen Giftstoff auf den Menschen überträgt. Ganz besonders gefährlich ist in dieser Beziehung bie Fliege, selbst unsere sonst so harmlose Stubenfliege, bann aber auch bie Stechfliege und die Bremse. -

In dieser Beziehung ist der Landaufenthalt nicht selten eine große Gefahr Auf den Höfen, in dm Dün­gergruben, Müllkasten sammeln sich so viele faulige Stoffe an, Ettremente von kranken Menschen und Tie­ren, angehäuft mit Bakterien, die die Insekten an ihren Stacheln und Sted)rüffeln mit forttragen. Ja, es braucht nicht einmal zu einem Stich des Insekts zu kommen, bie Stubenfliege ober sonst ein Insekt braucht nur biefe Krankheitskeime auf wunde Stellen am Kör­per, aufgekratzte Bläschen, Kratzwunden usw. abzule­gen, unb es können gefährliche Krankheiten m.d Blut­vergiftungen mtstehm.

Bei Milzbrandepidemien ist es nicht selten vorge­kommen, baß auf diese Weise bie Krankheiten von den Tierm auf bie Menschen übertragen wurden. Schwere Blutvergiftungen machten die Amputicrung von menschlichen Gliedmaßen notwendig.

Aus diesem Grunde ist die Behandlung solcher In­sektenstiche, die nicht harmlos erscheinen mit Umichlä-

zwar nicht immer schwere Erkrankung, doch wohl einen Leibenszustand erregen kann, der den Verletzten wohl zu ängstigen vermag unb, wenn dieser etwa ohnedies krank ist, zu bösen Folgen ftihren kann.

Indessen sind die weitaus meisten Fälle der Jn- settmstiche an sich harmloser Art. Sie vemrsachen Heine örtliche Entzündungen,die manchmal zwar, aber keineswegs immer schmerzhaft sind, kleine Schwellun- ben der Haut zur Folge haben, bie von selbst abheilen unb verschwinden.

Solche Stiche, z. B. bie der Mücken, sind zwar eine recht lästige Begleiterscheinung bes Sommers, weil sie so massenhaft erfolgen, aber in ber Regel braucht man sich deswegen nicht zu beunruhigen. Man tut nur gut, bie entzündete Stelle sofort mit etwas "Salmiakgeist zu betupfen, den eben jeder auf der Sommerreise in der Taschenapotheke bei sich fuhren muß. Ist der Mücken­stich besonders schmerzhaft, so mache man kalte Um­schläge, wohl auch mit etwas essigsaurer Tonerde. Man hüte sich aber, wozu man durch das Jucken der Wundstelle mir allzu schnell gereizt wird, diese zu kra­tzen, was die Entzündung nur verschlimmert.

Ein Glück ist es, daß wir in den meisten Fällen es garuicht wahrzunehmen pflegen, wenn die Mücke ihre blutsaugerische Tätigkeit ausübt. Würden wir das nämlich merken, so wurden wir wohl unwillkürlich bie Mücke fortjagen ober tvtschlagen unb die Folge wäre, daß dabei der Stechrüffel abgerissen würde unb in ber Wunde stecken bleibt, wodurch die Geschwulst be­sonders groß unb schmerzhaft wirb. Das geschieht zu­weilen, wenn wir z B. wahrnehmen, baß eine Mücke sich auf der Hand niedergelassen hat unb wir sie dann fortjagen ober abschlagen. Richtiger ist es in solchem Falle, sie ruhig weitersangen zu lassen. Denn wenn wir sie sehen, hat sie ohnedies meist schon ihr Geschäft ausgeübt. Allenfalls mag man ganz leise gegen die stechende Mücke pusten, was sie veranlaßt, den Stech- russel herauszuziehen unb weiter zu fliegen.

Schmerzhafter, weil auch viel größer, ist ber Stich einer Wespe ober Biene. Diese Jnsetten lassen messt ben Stachel in der Stichzelle zurück, weshalb er vor- sichttg zu entfernen ist, bevor man bie Wundstelle mit Salmiakgeist tränkt. Entfernt man ben Stachel nicht, ober macht man dies unvorsichtig, so drückt man das Giftbläschen, das. am Stachel hängt, vollständig aus unb läßt das darin enthaltene Gift sich erst recht in bie Wunde ergießen, wodurch bann biefe noch größer unb schmerzhafter wirb.

Auch Wespen- unb Bienenstiche lassen sich in ber Regel nicht anders behandeln, als durch Betupfen mit Salmiakgeist und kalte Umschläge.

Es gibt freilich auch Mittel gegen das Gift ber In­sektenstiche, das von Leuten angewendet wird, die beruflich solchen Stichen mehr ausgesetzt sind. Das find bie Imker. Bei ber Bienenzucht kann man sich selbstverständlich nicht vor Bienenstichen schützeir, und besonders im Süden wenden Bienenzüchter vielfach Skorpionöl an, das ist eine Mischung von Baumöl mit zerdrückten Skorpionen. Auch wirb behauptet, daß

Nur ber Händedruck hat sich in seiner alten Be­deutung erhalten. Nun will man mich ihm zu Leibe?

Unter den Gründen, bie man gegen ihn geltend macht, sind die famtären bie wichtigsten. Es wirb gesagt, daß durch das Drücken der Hände Bazillen und sonstige Krankheitsstoffe übertragen würden. So ge­fährlich ists aber mit ber Uebertragung doch nicht und schließlich sind auch nicht so viele Leute krank, wie uns gewisse Aerzte glauben machen möchten. Und endlich kennt man denn nicht bie meisten Leute, denen man die Hand gibt, näher? So weit das nicht der Fall ist, könnte aüechings das Hänbegeben unter­bleiben. Hier liegt tatsächlich eine gewisse Berechti­gung ber englischen Bewegung. Es folgt aber auch aus ber obigen Darlegung ber Bedeutung des Hände­drucks von selbst, wo man ihn anwenden soll. Man soll ihn eben ba nicht an wenden, wo ihm kein inne­res Verhältnis enffpricht. Einem ganz Unbttannten, mit dem man nur geschäftlich zusammen kommt, brückt man nicht die Hand. Aber deshalb die schöne Sitte ganz abschassen zu wollen nach Art ber englischen Liga, hieße bas Kind mit dem Babe ausschütten.

p Der Handdruck.

Vor ttirzem hat sich in London unb anderen eng­lischen Städten ein Verein gebildet zum Zwecke bet Bekämpfung der »verwerflichen Sitte des Hänbe- dmcks*.

Der Händedruck findet nicht nur statt zur Begrü­ßung, sondern auch bei manchen andern Gelegenheiten, und gerade hierbei tritt seine wahre Bedeutung be­sonders öar hervor. Wenn man beispielsweise in der Unterhaltung mit einem Freunde in Streit ge­raten ist, bie Zwistigkeit ist bis zum Höhepuntt ge­diehen und plötzlich wird einem bie Unsinnigkeit dieses Streitens klar, so möchte man doch nicht mit dem Mittel des Wortes, das in seiner Dürftigkeit eben zur Entzweiung führte, einlenfen — ein stummer Hände­druck hebt nicht nur wie eine elektrische Lösung die ganze Spannung der Gegnerschaft auf, sondern ge­staltet oft das Freundschaftsverhältnis fester als es vorher gewesen ist. Oder wenn Studenten im über­mütigen Spiele einen „Bierjungen" trinken, bann reicht ber Sieger bem Besiegten bie Hub, um anzu­zeigen, baß burch dieses Wettspiel die alte Freund­schaft nicht im mindesten ge" "rt ist. In etwas anberm aber doch verwandtem Sinne findet der Händedruck statt, wenn in ernsterer Unterhaltung jemand ein Wort ausgesprochen hat, welches dem andern Partner aus der Seele gesprochen ist; oder auch, wenn ein Künstler mit seinem Vorträge feinen Zuhörer hinge­rissen hat, so daß dieser jedes Wort des Beifalls als nichttg empfindet; bann brückt er dem Künstler warm die Hand, und der empfindet bas sicher wohltuender und wärmer als ben lautesten Beifallssturm. In all diesen Fällen ist der Händedmck ein Zeichen momen­taner geistiger Annäherung, seelischer Uebereinstim- tnung, geistiger Verwandtschaft. Da bedeutet die Sprache der körperlichen Berührung mehr als die dürre unb verbrauchte Sprache des Wortes.

Dieselbe Bebeuttmg, wenn auch in einem mehr ober mm ber abgeschwächten Grade hat der Hände­druck bei der Begrüßung. Drücke ich jemandem zur Begrüßung bie Hanb, so soll damit ausgebrückt fein, baß ich mich dem Begrüßten geistig nähere, mich ihm znwenbe unb mit ihm beschäftigen will. Ja, oft auch, wenn ich zur Unterhaltung gar nicht mal Zeit habe, bann sagt verstänbnisvoller Händedmck mehr als die längste Unterhaltung. Unb wenn zwei befreundete Menschen sich nach langer Trennung Wiedersehen, so drücken sie sich länger unb fester bie Hand, um so ihrer Frcube bes Wiebersehens befferen unb verständlicheren Ausdruck zu geben, als es burch Worte geschehen könnte. Worte find Schall unb Rauch; durch einen Druck ber Hände aber fließt warmes Leben von einem Menschen in ben anbem über.

Früher hatte man neben dem Händedruck noch zwei anbere Arien körperlicher Begrüßung: bie Um­armung unb ben Kuß. Beide sind in unserer etwas nüchternen Zeit abhanden gekommen. Sie finden sich ast nur mehr zwischen Frauen, Kindern und — Lie­benden- Früher küßten und umarmten sich die Leute viel mehr — man dmke an die Zeit etwa vor hunbett Jahren!

trennten sich unter Overbeck von bet Akademie, an bet ein trockener, formeller Klassizismus herrschte. Die ringenben Mächte der Zeit hatten auch sie in ihren Wirbel gezogen und so wurde die herrschende Roman­tik mit ihrem statten Einschlag von kacholischer Welt­anschauung ihre Führerin ins Reich der Kunst. Sie bleiben in der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts eine der mattantesten Erscheinungen. Die Höhen, die ein Comelius erklomm, sind von den wenigen erreicht worden. Im Vergleich zur monumentalen Wucht seiner Kompositionen kann heute das „Historienbild" fast als ausgestorben gelten. Wenig will es dem­gegenüber besagen, daß dieser Riese, wie auch mmiche anbere ber Schule, ihre Stätte in ber Zeichnung, ihre Schwäche in ber Farbe besaßen. Das geistige Niveau auch be3 Kleinsten unter ihnen steht hoch über unseren ziellos umhertappenben Mobernen, denen bie Farbe alles gilt

Dies war bie Atmosphäre, in welche der in Wien gebotene Eduard Steinle eintrat, als er, achtzehn­jährig, ins Hauptquartier der „Nazarener", die ewige Rom«, geriet. In Rom fand er bei dem frommen Overbeck Rückhalt und Führung, so daß man sagen kann: Steinles Entwicklungsgang als Künstler war von dieser Zeit an gegeben, als er mtt bem tiefreligi­ösen Overbeck eine Freundschaft schloß, die bis ins hohe Alter dauerte. DieVerschiedenheit beider tritt erst beim Vergleich des Lebenswerkes hervor; die Arhnlichkett findet sich bei jedem Bilde in der Ver­innerlichung des Gedankens.

Mit Overbeck ging Steinle nach Assiffi unb half dort beim „Rosenwunder", dessen Fries er malte. Größere Aufgaben wurden ihm in diesen jungen Jahren noch nicht zuteil, obwohl überall sein früh­reifes Talent im Komponieren unb die spielende Leich­tigkeit seiner Zeichnung Anettennung fand. Steinles Frommer Sinn trieb ihn in diesen Lehrjahren von selbst zur religiösen Malerei. Die Blätter aus den Lehrjahren behandln mit deutscher Gemütstiefe Le­genden und Idyllen. Auch Porträts schuf er; sie „tagen-* ihm aber weniger. Die erste große Arbeit tarn ihni-von protestantischer Seite, und er hatte nicht geringe Skrupel, ob er sie annehmen dürfe. Professor von Bethmunn-Hollweg übertrug ihm die Ausmalung ber Kapelle auf seiner Burg Rheiucck. Auf acht Flä­chen stellte der Künstler „Die acht Seligkeiten* dar, und es spricht für bie geistige Höhe biefer Entwürfe, wenn ..Unparteiische" ihren Grundgedanken als halb für katholisch erklärten. Vor diese Arbeit fiel ein A.....lhalt in München, wo er Klemens Brentano

?r i lernte, der einen gewaltigen Einfluß, auch in ...p_ i..!cher Hinsicht, auf ihn gewann Mit Veit, Rei- chenspetger, Tiepcabrock u. a- wurde so Steinle ein unbewußter Vorläufer der späteren politischen Entwicklung ber deutschen Katholiken.

.1839 zog Steinle nach F t a n k s u r t, wo er nun

Insektenstiche.

Hygienische Sommcrplauderei von Dr. Ernst Richter.

Nachdruck nicht gestattet.

Daß Jnsettenstiche recht böse sein und recht ernst­hafte Folgen haben können, hat uns vor kurzem erst die Erkrankung unseres Kaisers gezeigt, der sich durch erneu Insektenstich einen recht schmerzhaften Furunkel zazog, was zwar keine gefährliche, aber immerhin eine Operation zur Folge hatte.

N'chi immer sreilch find Jnsettenstiche so gefahr- l7- »ft nnb sie ganz harmloser Art, aber es gibt auch viche, die noch weit gefährlicher sind, ja es haben sich Falle ereignet, in denen Menschen an einen; einfachen Fliegenstich gestorben find.

Doch deshalb keine Angst! Uber Vorsicht! Und zur Vorsicht gehört vor allem die Kenntnis dessen wie man sich bei einem Insektenstich zu verhaften bat

In unseren deutschen LondM und den benachbar­ten Säubern, bie vor allem in Frage konmien in ber sommerlichen Reisezeit, sind wir vor allem den Stichen )er Mücken, Stechfliegen, Wespen und Bienen ausge- etzt. Es ist nur eine ganz winzige Quantität, die olch ein Tierchen in unsere Haut durch ihren Stich sineinzuprakttzieren vermag, aber es ist zweifellos ein larkes Gift, wie ia schon daraus hervorgeht. £a6 der

mit wenigen Unterbrechungen sein Zelt auffchlug. Frankfurt ivar damals Kunststadt im besten Sinne, bas von Veit geleitete Städtische Institut zählte her- vorragenbe Schüler. Hier vollendete Steinle eine Menge seiner vielgepriesenen Legenden- unb Mär­chenblätter: Illustration zu Brentanos Werken (Mär­chen. Chronica eines fahrenden Schülers; auch selbst­ständige Arbeiten in reichster Fülle. An allen bestrickt die Sinnigkeit, dec echte Humor und die zarteste Li­nienführung, die spielend alle Hindernisse sucht unb bewältigt. Oft liegt in ben umrahmenden Schnörkeln ein ganzes zweites Kunstwerk verborgen.

Alles das beschäftigte den Künstler, ohne ihn aus- zuschopfen. Sein Schmerz war das'Ausbleiben gro­ßer Aufträge von katholischer Seite, vor allem aus seiner österreichischen Heimat. August Reichensperaer der unermüdliche Kämpfer für die Vollendung des K o l n e r D o m e s, war es, der Steinle für die Aus­malung der im Chor des Domes gefundenen alten Bilderreste vorschlug. Was Steinle entwarf lehnte sich zwar nur leicht an die alten Vorbilder' an cs blieb aber im großen und ganzen im Rahmen'des Stils So entstanden die neun Engelchöre, bie mehr an Fra Angelico als an gothischc Muster erinnern. Richt so glücklich war Steinle mit ber Ausmalung des Treppenhauses im Wallraf-Richactz-Museum in Köln, da es ihm, trotz Reichensperger, an der richtigen Ueberiicbt der kölnischen Geschichte fehlte. Das hl. Meßopfer mit feinen Vorbildern schilderte Steinle in ber St. Aegibii-Kirche in Münster i. 28.: Christus als Priester unb Opfer zugleich. Dieses Wett gehört, trotz einer gewissen lleberlabung mit Figuren, zu den bebeutenb{ten des Künstlers. Nach der geschichllichen Reihenfolge find noch zu nennen die Fresken in der Aachener Marienkirche, die Ausmalung der Schloßka­pelle des Fürsten zu Löwenstein in Klem-Heubach und bte Apsis des Straßburger Münsters; letzteres hält Stemle selbst für ben Höhepunkt seines Schaffens und allerbmgs ist er weder in der Ausmalung des Frankfurter Domes noch in der Ausschmückung des oomgen Opernhauses wieder so ganz auf der Höhe ^gewesen.

Haben wir so die meisten monumentalen Wette Steinles kurz erwähnt, so gehört ein Buch dazu, all "le emzelnen Blätter und Sammelwerke des uner­müdlichen Künstlers zu würdigen. Als Märckenzäbler

Allerlei.

— BoShast. „Warum ist denn der Herr Rat gar so wild heul'?" — „Ja wissen S', er heißt Friedrich mit dem Vornamen, unb da hat ihm je­mand an die Tür' seines Arbeitszimmers geschrieben: „Friebrichsruh'i"

— Nicht mehr ängstlich. Mutter (als die Toch­ter für den Verehrer, mtt bem sie sich vor einigen Tagen verlobt hat, Rühreier mit Schinken machls: --Liesl,... jetzt kannst schon zwei Eier und ein Stück Buller weniger nehmen!"

— „Unangenehm. Onkel: „Wie mir schon die Haare ausgehen." — „Da freust du dich gar nicht Onkel?" — „Ader, Hänschen wie sollt, ich denn?" — „Na, .:pa sagt doch, — an dir wär kein gutes Haar."

Eduard von Steinle.

Zum hundertsten Geburtstag deS Künstlers 1810. — 2. Juli. — 1910.

In einer Zett, welche die Ruhmcsversicherung ge­wisser Kunsttliquen „auf Gegenseitigkeit" als ständige Einrichtung kennt, wäre es eine Pflichtverletzung, wollte man der abseits vom breiten Wege stehenden Künstler vergessen, deren Bedeutung von der herr­schenden Richtung nur mit Widerwillen anerkannt, mindestens aber geflissentlich unterschätzt wird.

Wir tönnen mit gutem Gewissen einem Eduard von Steinle seinen Platz unter den besten deut­schen Meistern anweisen und tun es um so lie­ber, weil wir von Steinle sagen dürfen: „Er war unser!" Ein weit ins 19. Jahrhundert hinein­ragender Markstein für die tiefinnere Verwandtschaft von Kultur und Christentum.

Das Jahr 1810, das Geburtsjahr Steinles, sah In ber Kaiserstabt Wien etwas, was wir heute eine „Sezession* nennen. Die später wegen ihrer urchrist­lichen Neigungen sogenannten „Nazarener"

△ Die Katastrophe vo» Wellendorf.

Die Stranbung bes stolzen Luftschiffes „Deutsch- lanb" im Teutoburger Walb hat toicber einmal bie Geister entfesselt zum Kampf mit ber Parole „Hte starres, hie unstarres Syftem". In fceiben Lagern be= finben sich Männer mit großer Erfahrung, bie mit Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit ihre Jbee vec- teiblgen, unb von benen man ohne weiteres anneh­men kann, baß keiner auch nur um Haaresbreite von seiner Ueberzeugung ab gehen wirb. Es müssen Tat­sachen sprechen, um zu einer enbgültigen Würbigung ber beiben Systeme gelangen zu tonnen.

Als solche entscheibenbe Tatsache wirb jetzt bie Ka­tastrophe bei Wellenbors von manchen Seiten bettachtet. Warum? Es fei bas britte Mal im Lause von zwei Jahren, baß ein Ballon starren Systems, speziell bes Zeppelin-Typs, vollkommen vernichtet worben sei Ech­terbingen, Weilburg unb Wellenbors seien bie Todes­urteile des starren Systems.

Wahr ist, baß ein Ballon des Zeppelin-Typs durch seine Vernichtung weit größeren materiellen Schaden bringt, da er einen ungleich höheren Wert besitzt. Wahr ist, daß ein Zeppelin-Luftschiff schweren Katastrophen bei unb nach ber Landung besonders auf freiem Feld mehr ausgefetzt sst, als ein Ballon, der mittels Reiß­leine leicht zu entleeren und zu verstauen ist. Aber wahr ist auch, daß ein Zeppelin-Luftschiff ungleich höhere Widerstände der Lust, der Winde und des Wet­ters beim Fluge zu überwinden vermag, als ein an­derer Typ. Wahr ist auch, daß ein Zeppelin für die mitfahrenden Personen ungleich größere Garantien für Sicherheit bietet.

Das Unglück bei Wellendorf beweist mm in obiger Hinsicht gar nichts. Der Ruf nach der Neißleine ist ganz unverständlich. Wo und wann hätte sie denn gezogen werden sollen? Ms der Wind das Fahrzeug in die Höbe von über 1200 Meter riß? Oder als es über den Bäumen schwebte? Daß es keinen genü­genden Austrieb mehr hatte, war ja gerade die letzte unb unmittelbare Ursache des Schiffbruchs. Das Ziehen ber Reißbahn hat aber boch nur den Zweck, wo es nötig wirb, auch ben letzten Rest bes auftrei- benben Gases mit einem Ruck entweichen zu lassen. Angenommen, bas Luftschiff wäre auf solche Weise ent­leert worben, so wäre es mit allen seinen Insassen so­fort ohne jede Milberung bes Falles zu Bobm ge­stürzt unb aus ber noch glücklichen Lanbung, wie sie vorliegt, wäre eine Katastrophe geworben.

Das Unglück ist, wie die „Kölnische Zeitung" sagt, nicht als ein Unglück des Systems oder

nicht in unseren Gegenden, wo diese Frage ziemlich be- v langlos ist, aber wohl in Afrika und anderen heißen