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Dienstag »en 28. 3«ni 1910.
37. Jahrgang.
• fflldacr W Zeitung«
2. Blatt.
»rod mtt Verlag der zuidaer Utfltnbrodtfd in ge»e.
eine positive Mehrheit ohne das Zentrum bilden
X Die „Zentrumszwickmühle"
Ablösung derKonservativenvon dem Ultra« rotrb bas Ziel kommenber beutscher E«r<iLLei^U^C2.‘ s“nbVn diesem Sinne allerdings begrä^en wir auch bte alles andere immer noch über» mögende Protestbewegung gegen Ro m."
Also der konservativen Partei soll das Zusammen- arbeitai mit der Zentrumspartei verleidet und un- w°3llch gemacht werden. Dieser Herzenswunsch deS Sö angel. Bundes und aller liberalen Kulturkämpfer fennen wir schon längst und erwidern auf den erneuten Seufzer mit aller Gemütsruhe: Wollt ihr das Zentrum ausstechen und ausschalten, so müßt ihr etwas mehr bieten, als geschwollene Worte. Schafft soviel arbeitswillige und arbeitsfähige liberale Abqe- erbnete in den Reichstag, daß die Regierung stets!
Aus dem Nachbargebiete.
D GerSfelb, 27. Juni 1910. Heute vormittag erhängte sich der vor einigen Jahren hierher verzogen« 53 Jahre alle verheiratete Privatier (früher Landwirt) Johann Kemmerzell, während feine Frau in der Küche beschäftigt war, an seiner Zimmertür. K. ist sehr vermögend und war längere Jahre Bürgermeister in Rommers. Der Alkohol wurde ihm zum Verhängnis. Dies ist seit ungefähr 10 Wochen der fünfte Selbstmord in dem etwa 3500 Seelen zählenden engeren Bezirk Gersfeld; 8 Frauen gingen ins Wasser und 2 Männer erhängten sich. — Die ausgedehnten Wiesenflächen der Rhön, sowohl in den Tälern als auf den Bergen, ergeben dieses Jahr einen überaus reichen Futterertrag. Manche Viehzüchter ernten 80—40 Fuhren für ihren eigenen Bedarf. Die Heuernte auf den Bergwiesen der Rhön ist besonders interessant für die Touristen und Sommerfrischler, die um diese Zell von Anfang Juli ab sich zahlreich im Rhöngebirge aufbalten. Die vielfach unbewaldeten hohen Berge werde« bis zum obersten Scheitel abgemäht und das kräuterreiche nahrhafte Futter, wenn auch mühsam, zu Tal gebracht.
* Hersfeld, 27. Juni 1910. Der Maurer Spengler hatte sich bei der Arbeit eine Verletzung an einem Finger zugezogen. Bei dem Anblick« des Blutes bekam der Verletzte einen Ohnmachtsanfall, stürzte zu Boden, schlug mit dem Kopse auf und erlitt einen Schädelbruch, dem er am vergangenen Mittwoch im Landkrankenhausr erlegen ist.
* Heinebach, 27. Juni 1910. Ein Rechtsstreit, der mehrere Jahre zwischen dem Wagnermeister Schäfer dahier und der Ortsgemeinve schwebte, ist jetzt durch einen Vergleich beendet worden. Im Jahre 1907 brach der 11jährige Sohn des Sch. auf der eisbedeckten Dorsstraße ein Bein; die Heilung gestaltete sich sehr schwierig. Der Vater des Knaben verklagte die Gemeinde auf Schadenersatz, hat sich aber jetzt mit einer Entschädigungs - Summe von 2000 zufrieden gegeben, doch muß Sch. die etwa 1500 betragenden Kosten bezahlen. Die Gemeinde ist in der Haftpflicht-Versicherung.
* Eschwege, 25. Juni 1910- In das Landkrankenhaus wurde ein junger Arbeiter eingeliefert, ver auf dem Gut Datterpfeifr durch einen Sturz vom Boden einer Scheune schwere Verletzungen am Kopfe und Rückgrat erlitten hatte.
ausländisches Blatt solches schreiben kann, ohne daß etwas Stichhaltiges dagegen zu sagen wäre!
T.p?“n gibt aber die „Tägliche Rundschau" als ihrer polilachen Weisheit letzten Schluß folgendes an:
werden! Und aus Lenas Krallen Die bevorzugt jetzt übrigens Oskar Schau — Du weißt doch, den Artisten, der in Gesellschaften Vorstellungen gibt. Er ist ein großer, dunkler Mann mit feurigen Augen und einer schmutzigen Seele- Pfui, dieses Biest!"
„Fritzi, Du hast manchmal eine schreckliche Ausdrucks weise. Was übrigens Herbert Brand betrifft, so fühle ich nicht das mindeste Interesse für ihn!"
„Das ist Unsinn, meine Liebe!"
„Es ist kein Unsinn!"
„Ra, na, ich kenne das. Weil Brand, ehe er Dich kannte, in Lenas Retz gegangen ist, deshalb willst Du ihn von Dir stoßen? Pah! Du liebst ihn — ich weiß es und Du weißt es ebenfalls. Und ich bin überzeugt, er ist ein guter, netter Mensch — trotz Lena's Teufeleien."
„Fritzi, ich bitte Dich, sprich nicht so laut Die Mädchen könnten Dich hören."
„Was ich mir daraus mache! Doch reden wir von dem Mord. Ich möchte willen, ob Lena etwas über die Person weiß, die den tödlichen Streich führte"
. Fräulein Holder stutzte und sah betroffen in Fritzis blasses Gesicht. „Warum sagst Du das?" fragte sie
Elfriede gab den Blick zurück. „Ah, Du hast sie ebenfalls im Verdacht!"
Olga schauderte und streckte wie abwehrend beide Hände gegen die Freundin au8- „Oh, Fritzi, sage l’o etwas nicht", rief sie beschwörend. „Lenas Benehmen heute früh war so sonderbar und — und — o, sie kann unmöglich ein so entsetzliches Verbrechen begangen haben!"
„Allein nicht, dazu hat sie garnicht den Mut Aber ich würde mich garnicht wundern, wenn sie jemanden dazu gewonnen hätte." Die letzten Worte prach Fritzi im Flüsterton. „Ich würde das zu keiner Menschenseele sagen, außer zu Dir."
„Aber, welche Gründe hast Du für diese Vermutung?"
„Gar keine!" unterbrach sie Fritzi. „Außer, daß ich weiß, daß Sena ihren Gatten haßte. Ich glaube er war sehr hart zu ihr. Eines Tages sah ich einen Ausdruck in ihren Augen, der ihrem Mann nichts
Ausland.
* Die englische Flottenliga fordert von der Regierung in einer Petition zwei Milliarden Mark für nationale Verteidigungspläne.
erfahren, sowohl hinsichtlich der absoluten EinschlaaS- maffe als auch hinsichtlich der Abnutzung pro Ar. Dagegen sind die Gelderträge der Forsten 1908 infolge der Wirtschaftskrisis erheblich gesunken.
* Bismarck als Steuerzahler. In der Wochenschrift ,Das freie Volk" erzählt Hello v. Gerlach Erinnerungen aus der Zeit, da er als Regierungsassessor dem Kreise Vorstand, in dem der gestürzte BiSmarck wohnte. Gerlach berichtet:
„Ich bekam als Vertreter des Landrats den Vorsitz
* Kassel, 26. Juni 1910 Eine Einbrecherbande, die fett längerer Zeit in Kassel und Umgegend Geschäfts- und Kirchendiebstähle ausführte, wurde jetzt verhaftet. Es find auS einer Anstalt entwichene Kürsorgezöglinge. — Die ersten Wihenhause- ner Kirschen wurden gestern cm den Markt gebracht und mit 30 und 35 Pfennig für das Pfund bezahl!
* Haml.-Mi»deu, 27. Juni 1910. Ein tolle- Zigeunerstückchen wurde gestern hier verübt. Zwei Zigeunerweiber durchstreiften die Straßen unserer Stad! Eie bettelten fast an jeder Türe, auch bei einer Frau in der dunklen Straße baten sie um Brot Während die Frau bereitwilligerweise ihnen Brot abschnitt, schnitt eines der Zigeunerweiber heimlich der edlen Spenderin die Tasche, in der sich Geld befand, aus dem Kleide heraus. Nicht lange erfreute fie sich ihrer Beute, den schon im benachbarten Hedemünden wurden sie dingfest gemacht.
* Dillenburg, 27. Juni 1910. Kürzlich wurde in ber Nacht bei dem Wirt Müller in Burg eingebro- chkn. Der Dieb labte sich an den Getränken und nat)m u. a. Eßwaren, Zigarren, sechs Flaschen Likör,
❖ Staatsforste« nud Privatforstbesitz ft, Preußen. In Preußen war am 1. April 1908 eine Wald- stäche von 8270 134 'ha vorhanden, von welcher sich mehr als die Hälfte in Privatbesitz befand (4201197). Bemerkenswert ist, daß sich die Fläche der preußischen Staatsforsten in der neuesten Zell ständig gehoben hat Während die Gesamtfläche im Jahre 1870 2 634449 ha betrug, erreichte sie 1910 2 997175 ha. Die Vermehrung des Forstbesitzes erfolgt jetzt vornehmlich im Osten der Monarchie durch Ankauf von heruntergekommenen Forsten und Oedland. Auch die Holznutzung hat in den preußischen Staatsforsten eine Steigerung 1
5>er Wcrmpprr.
Roman von Fergus Hume. Autorisierte Bearbeitung 9] von C. Wehner.
„Wie er sie verdiente! Wenn ich blos eine Ahnung gehabt hätte! Ich wäre wirklich zu ihm gegangen und hätte darauf bestanden, daß er wenigstens einen Teil des erschwindelten Geldes herausgebe!"
Fritzi lachte und zündete ihre inzwischen aus gegangene Zigarette von neuem an. „Msein liebes Kind", sagte sie dann achselzuckend, „was jemals den Weg in Kirby's Tasche fand, hat nie wieder einen Ausgang aus derselben herausgefunden. Eher hättest Du Blut aus einem Stein schöpfen können."
„Welche Art von Mann war denn dieses — dieser Reptil?"
„Durchaus nicht so, wie Du denkst Deiner Meinung nach ist Kirby ein grausames, steinhartes Ungeheuer. Fehlgefchossen! Er war ein hübscher, kleiner Kerl mit einem frischen, zarten Gesicht und einem unendlich gütigen Lächeln. An seinem Auge konnte man freilich den Halsabschneider erkennen, daS war Hari imb kalt wie Stein und sah auch steingrau aus. Er hatte eigentlich blos ein Auge, damit sah er aber mehr, als Menschen mit zwei Augen
> „Ich bin ein Vampyr", schien dieses eine Auge zu sagen Er war wie ein Pfirsich: sanft und zcwt pon außen, aber mit einem harten Stein im Innern." i Er und Sena paßten also vortrefflich zu einander", erwiderte Olga grimmig. „Sie ist ein Früchtchen von derselben Sorte."
? „Ich habe mir nie viel aus Lena gemacht", meinte Fräulein Lambert nachdenklich. „Sie bestahl ihre Mitschülerinnen und log das Blaue vom Himmel herunter. Ich habe mich eigentlich manchmal im stillen gewundert, wie Du, Olga, sonst so wählerisch und vorsichtig in allem, dieses Geschöpf ausstehen konntest."
„Ich täuschte mich eben in ihr. Sie verstand sich «nzuschmeicheln. Wo hast Du sie nur als Frau Kirby wiedergetroffen?"
„Oh, wir trafen auf der Straße zusammen. Ich ßtng im Straßenschmutz und zu Fuß, sie dagegen fuhr
gutes weissagte. Das ist allerdings nur eine Vermutung — aber Du hattest dieselbe"
„Sine ähnliche Idee, ich muß es gestehen, stieg auch in meinem Kopfe auf", stammelte Fräulein Hol- ber, „aber ich suchte sie zu verbannen. Lena ist oberflächlich und töricht, — aber an dem Tode eines Mannes wird sie doch nicht die Schuld tragen —'
„Das ist bereits der Fall" unterbrach ste Fräulein Lambert.
„Elfriede!" Olga fuhr entsetzt von ihrem Stuhl in die Höhe.
„Jawohl, mach Du nur erstaunte Augen! Da war ein junger Mann, namens Theo Landor, ein geistreicher, vickversprechender Mensch, der als Dichter ge- toijj die höchste Staffel des Ruhmes erklommen hätte. @r war sehr tüchtig als Journalist, als ihn in einer böfen Stunde ein Bekannter mtt Lena zusammenbrachte. Sanbor war bei jeder ihrer Gesellschaften juflegen unb verspielte fein ganzes Vermögen. Kirby streckte ihm — aus reinster Gutmütigkeit und Freund- ichast, wie er sagte — eine Summe nach der an dem hot. Aks der arme Mann dann nicht mehr bejahen konnte, verklagte er ihn und drohte ihm mit Verhaftung. Sandor, ein empfindlicher, ehrgefühlvoller Mensch, ging zu Sena und beschwor sie, ihn vor dieser Schande zu bewahren. Sie schlug ihm feine Bitte ab — er ging nach Hause und jagte sich eine Kugel in den Kop!"
A mein Gott", stöhnte Olga, „wie furchtbar! Und was sagte Sena?"
„Die? Nichts sagte sie. Was sollte sie auch sagen? jemand brachte Sena oder ihren Mann mit dem Selbstmord m Verbindung Sie erwähnte nie seinen Stomenunb meiner Ansicht nach hat sie auch nicht eine Sekunde lang Gewisftnsbifse gesühlt"
-Wie erfuhrst Du die Wahrheit?"
-D« Vater Theo s erzählte mir die Sache- Ich
8®t) fonberbare Weise mit ihm zusammen — ab« das ist eine zu lange Geschichte. Es scheint, daß °°"ruu junge Mann seinem Vater die Wahrheit ge- "eichtet hat, bevor er sich erschoß. Armer Theo!"
(Fortschritts folgt.)'
• Zum Chefarzt der türkischen Armee wurde der MrifionSmHt der 37. Division in Allenstein, GeneraloberaiHt Dr. Vollbrecht berufen.
t Zur Grundlage der neuen chinesischen Währung wird durch einen kaiserlichen Erlaß irx Dollar und nicht der Tael bestimmt. ES erschMt dies alS ein weiterer Schritt China-, feine veraltete Kultur dem modernen Seien anzupaffen.
in einer Eauipage — der kleine, blonde Satan! Ihr Hans besuchte ich eigentlich nur aus geschäftlichen Gründen — nicht etwa, weil ich sie leiden mochte."
„Bist Du oft dort gewesen?"
„So oft ste mich einlud. Ihre Diners waren immer vorzüglich "
„Und die Gesellschaft, die in ihrem Hause verkehrte? War die ebenso gut wie ihre Diners?" fragte Fräulein Holder, der plötzlich Ptest'? Bemerkung einst el.
„Jhre Gesellschaft!" Fritzi zuckte die Schultern in einer Weise, die mehr sagte, als Worte e8 vermocht hatten. „Ich bin keine Heilige, Olga — aber die Gesellschaft, die bei Sena verkehrte — davor bebüte uns Zwei der Himmel!"
„So war sie schlecht?"
„Schlecht! Der Ausdruck ist zahm! Eine ganz qe- meme Bande war es! Vorzugsweise Männer! Und imt diese Lena mtt ihnen umging — ich habe mich manchmal halbtot geschämt ihretwegen", sagte Fritzi 9$ tnn.ne ^°he richtend. „Ich wurde schamrot i.ena hielt einen Roulettetisch und wenn einer ber ^errett sein Geld verspielt hatte, dann half ihm der Vourpyr cruS und lieh ihm Geld, damit et weitet spie- Lm konnte. Mit kurzen Worten: Lena und ihr
unterhielten in ihrem Hause eine Privatspiel-
„Aber warum bist Du dann überhaupt in ein solches Haus gegangen?'
„Liebes Kind!* Fritzi beugte sich vornüber und legte ihre Hand auf den Arm der Freundin Ick dachte. Du liebtest ihn!"
„3M Wen?" rief Fräulein Holder heiß erglühend. v °
-Herbert Brand! Du erzähltest mir, daß Du ibn bewundertest. Was ich von ihm horte ündsah aeK mir unb ich b* er würde Dir ein guter S werden. Er interessiert sich für Dich, er liebt Dich Olga —
„Unsinn!"
„Natürlich, es ist der Unsinn, der »ur ftekat führt", fuhr Fritzi unbeirrt fort ' „Ich § „
müsse bloS aus den Krallen des Spielteufels befreit
, , kann, und tragt Hann dm Grundsätzen und Jnter-
DieseS schöne Wort ist eine Erfindung unserer un- essen der Konservativen soweit Rechnung, daß sie mit ermudliche Gegnerin, der „Tägl. Rundschau" Sie euch dauernd Zusammengehen können — Das sind orakelt über den Linksmarsch der Nationalliberalen und realpolitische „Kleinigkeiten", welche die großsprecheüb er die Wahlsiege, welche die Sozialdemokratie mit I Aschen Herren zu leisten hätten.
£fn SÄ “nb erttrolrft| Was sie augenblicklich leisten, bewegt sich freilich
. falgenbeS 3ufanftebüb$en. lin der gerade entgegengesetzten Richtung.
n "W,e dw Dmge letzt <S«uge find, können ss^e Nicht bloß di- Linksltberalen, sondern auch die Na-
gwickmühle deutscher Nation für das Zentrum schaffen. I 6 c.ra 1 *n $ten
plan kennt doch das geistreiche Spiel, in dem etn|®*’ort darin, die Konservativen zu brüskieren, alle glücklich gestellter Stein durch die Wiederholung ein I SammlungSversuche deS Herrn v. Bethmcmn mit imb desselben Zuges alle anderen beherrscht. So wird I Spott und Hohn zurückzuweisen und die Verstärkung es auf dem politischen Spielbrett deutscher Ration I der Sozialdemokratie zu besorgen Man spekuliert kmimen, das Zentrum wird so herrlich zwischen I offenbar darauf, daß die Regierung bei steigender Ver-
» ff°^demakraten plaziert sein daß wirrung unb Gefahr für den inneren Frieden gezwun-
Politik zur Hand hat. Rück?-? ein Fe!d"nach recht? F fei" toerbe; l'ch dem Liberalismus auf Gnade unb so hat es seine ultramontan-feudale, wieder ein Feld I Ungnade zu übergeben. Der Versuch, im arglistig ge- nach links seine ultramontan-sozialistische Mehrheit. Erbten Wasser zu fischen, gluckt aber nicht immer- Und jedeSmal wenn es rückt, nimmt eS der deutschen I Es gibt schließlich andere Mittel und Wege zur Ad- Ration einen ihrer besten Steine auS dem Spie! Das I wehr der anwachsenden Umsturzpartei, als die B-- Zmtrum weiß daher sehr gut, warum es die endgültige I rufung von Ministern aus den Großblockreihen.
Absage der Konservativen an die „Liberalen" mit heller I
Freude begrüßt."
in ber Einkommensteuer!)eranlagungskommisston übertragen. Der Landtat, der mir baS eröffnete, fügte hinzu: „Auf eins möchte ich Sie besonders aufmerksam machen. Zu unseren Zenfiten gehört natürlich Bismarck. Sie werden sich vielleicht über die Kürze seiner Steuererklärung, vor allem aber über die Niedrigkeit seiner Selbsteinschätzung wundern. Trotzdem bitte ich dringend, ihn nicht mit Rückfragen zu belästigen oder gar seine Steuererklärung zu beanstanden. Das würde ihn entsetzlich aufregen. „Oben* ist man damit auch einverstanden. Natürlich glaubt jedermann, daß sein Einkommen höher ist. Aber ich habe gehört, daß er gewisse Kapitalien seinen Söhnen abgetreten habe. Die werden wohl ihrerseits dafür mehr Steuern zahlen. So können wir unser amtliches Einschätzungsgewissen beruhigen." . . Ms ich nachher die Steuererklärung selbst sah, kriegte ich doch noch einen Schrecken. So dürftig hatte ich mir die Angaben, so niedrig die Einkommensumme selbst nach der schonenden Vorbereitung durch den Landtat nicht vorgestellt. Das sah ja so aus, als wenn der oberste der notleidenden Agrarier wirklich nur ein par lumpige Millionen im Verwögen hätte. Varzin, Schönhausen, der Sachsenwald, die Güter im Stormarnschen, die industriellen Anlagen, das von Bleichröder so erfolgreich angelegte Kapitalvermögen — unb bann diese kümmerliche Einnahme I Dabei wußte ich durch den Oberförster Lauge, der den Immobiliarbesitz verwaltete, so einigermaßen über die Einkünfte Bescheid. Na, ich legte die Steuererklärung meiner Kommission vor.
, ... , a, , Allseitiges vielsagendes Lächeln! „Wünscht einer der auf bas Uebergewicht des Liberalismus hinaus-1 Herren das Wort?* Nein! „Sollen wir uns mit dieser lief Herr Bafsermann prägte damals das stolze Steuererklärung begnügen?" Ja! Ich ging zur nächsten
| Konservativen unter das kaudinische Joch des Libe- steinen nicht zulässig sei. Die deutsche Presse cmt- ralismus zu zwingen. Herrn v. Bethmann Hollweg wartete hierauf mit einem Schrei der Entrüstung: wird jetzt von liberaler Seite vorgeworfen daß er die Barbaren! Die Bürger von Trieft aber halten an „Gleichberechtigung der nationalen Parteien" nicht ihrem Beschluß fest; jetzt verhöhnen die deutschen kenne. Es ist etwas wahres daran aber daraus Zeitungen den italienischen Barbarismus und trösten könnten ihm höchstens die Konservativen einen Vor- s'H mit nachfolgenden Worten, die durch zahlreiche wurf machen. Mit seinem Drittelungs-Amendement, Blätter kolportiert werden:
das den Namen Schorlemer trug, versuchte Herr v I „Gibt es denn auf dem ganzen Erdboden einen Bethmann eine Bevorzugung der nationallibe-1 Menschen, der Einspruch erheben könnte gegen das | raten Partei. Dieses fette Kalb wurde zu Ehren 31e$t A Familie, auf dem Grabstein einen Spruch des unartigen Sohnes geschlachtet, ehe er Buße getan ’"?p£
. u cq if < „ I stiuCTc 41selt binübctQCQGiißcn tji« wo tnttit tetne i o"
SSL b Herr v Bethmann denselben I «tischen und Sprachenkämpfe kennt? Ueberall, woh.n
™mentet, bet pd) um bte nationaltibcralen man nur fommt, wird der gerechte und edle Mensch an- -nl? c Jr ausnehmend besorgt erwies, auf einen I diesen Beschluß ber Triester Stadtverwaltung nicht Ministerstuhl befördern lassen. Offenbar eine Auf-! anders als „Barbarismus" bezeichnen. Kämpfen wer- merksamkeit gegenüber der nationallibe-! den wir gegen diese barbarische Maßnahme nicht weiter, ralcn Partei! Doch statt Dank erntet er nur I roiT erklären nur, daß wir froh und glücklich sind, daß
™ , 1 eine solche abscheuliche Tat auf deutschem
I Boden nicht geschehen könne und daß wir zu snArt»; tY’.' Tn I einem solchen grenzenlosen Hasse, entern derartigen
m r3 J / rmb bat ^Äaubt, er dürfe zum I Barbarismus nicht sähig smd!"
Hoffentlich werden die Zentrumspolitiker durch I Deutscher Reich,
drese Anerkennung ihres „Mühlrspiels" nicht zum _.
Uebermute verleitet. Zur Steuer der Wahrheit wollen . . *?. ~'e «Gleichberechtigung der nationalen Par- wir sofort bemerken, daß uns von einer „endglltigen dieser Tage bekanntlich die parteiamtliche
Absage", welche die Konservativen an „die Liberalm" I -National. Korr." verlangt, als die Drohung mit
(mit Einschluß der Nationalliberalen) erlassen haben | bei? Linksabmarsch der Nationalliberalm wegen der
sollen, nichts bekannt ist. Freilich sind „mdgiltige Ab-1 ni$f ausreichenden Berücksichtigung nationalliberaler sagen" ergangen, aber immer von der liberalen Seite, Interessen bei dem Ministerwechsel in der Presse gründ neuerdings von der parteiamtlichen National-! buhrend beleuchtet toorben war. (Vgl. Nr. 143.)
liberalen Korrespondenz". " Unter dm „nationalen Parteien" will die „National-
Grundfalsch ist die Ansicht, daß die Zentrums- veröle Korrespondenz" gewiß die Parteien des frühe- portei auf eine Vermehrung der sozialdemokratischen ren verstanden wissen. Nun weiß und bezeugt Mandate spekuliere oder überhaupt in ihrer parlamm- o6ct iebfr unbefangene Zuschauer, daß die Bülowsche Lettischen Taktik auf eine Verstärkung der roten I Blockpolitik nicht auf die Gleichberechtigung, sondern Fraktion angewiesen sei. Was wir wünschen und er-11 f s‘-° ?'r:™!2..;_: streben, läßt sich erschöpfend mit wenigen einfachen Baffermami prägte damals das stolze. . - - - - -----
Worten ausdrücken: das Zentrum will nicht Aori, die nationalliberale Partei sei der Kem des A»er.
ausgeschaltet werden. Mit einer solchen Blocks, was die befreunbeten Berichterstatter als * Barbaren! Die „Gaz. Narodowa" (Lemberg) Ausschaltung, die natürlich keiner selbstbewußten unb *firone bc8 Blocks" in die Zeitungen brachten. Das schreibt u. a.: Der Stadtrat von Trtest hat ange- arbeitswilligen Partei gefällt, hat uns zwei Jahre lana Festhalten an ber „Witwen- und Waisensteuer" ordnet, daß auf dem Friedhöfe in Triest die Ander politische Mühlbrettspieler Bernhard v Bülow I toar im Grunde nichts anderes, als der Versuch, die ! tongung deutscher Aufschriften auf den Grab- bedroht. Inzwischen ist sein berühmter Block in Konservativen unter das kaudinische Joch des Libe- stemen nicht zulässig sei. Die deutsche Prche ant- Scherben gegangen. Hätte der Block von 1907 Aus- ' Ä----m " - " 1 —
sicht auf eine Auferstehung, so könnte uns baS fteilich in Sorge und Abwehrtätigkeit stürzen. Aber es liegt dock; wirklich keine Veranlassung zur Aufregung ober außerordentlicher Anstrengung vor. 1907 ist mit Ach unb Krach eine knappe Blockmehrheit zustande gekommen; 1911 ober 12 wird e8 sicherlich keine Block- mehrheit geben. Auch in dem Fall nicht, wenn die Sozialdemokraten keine weiteren Mandate erobern würden. Denn nach den bisherigen Erfahrungen ist das vollständig ausgeschlossen, daß sich abermals ein I Paiteienbündnis bilden ließe, das zugleich die alt- konservative Rechte und die freisinnig-bemokratisch- Lmke umfaßt. Unter diesen Umstanden ist es für unsere Parteiintereffen ziemlich gleichgültig, wie bte I Großblockmandate unter dm bürgerl. und dm umstütz-1 r'm*—: '•“** «•«« »u
letischen Jagbgenossm verteilt werden- Im allge-1 ss^mmige Vorwürfe; denn Herr v- Bethmann hat meinen Interesse würben wir bas Anwachsen ber I erlaubt, auch an die Existenz ber konservativen Umsturzpartei natürlich bedauern. 1^°'
Was folgt aus der handgreiflichen Unmöglichkeit j Rachfolger bes konservativen Moltke wohl wieder I Hierzu bemerkt die Gaz Narodowa" • Keines- a7bt"b Bl°ckmehrheit? Die „Logik dieser Tat- * ÄftSA r6e= £1unbÄJSttioerK
«r 1 ,bÄ' b°L das Zentrum nicht aus- £ mit dem Beschlüsse der Stadtverwaltung von Triest.
ildSuhS ptn herr« en ka/n unb darf, wenn T' o?« «1 »Ä A ?m6' Auch wir erklären ihn als einen nationalen Haß-
ftiftÄrhTr n°flhöC parlamentarische Arbeit ge- 'wollten sie doch das Mi- Uttb ehte nationale Verblendung, aber wir
Rtftet werden soll. Priorn- erlauben uns hinzuzufügen, daß die Italiener von
Nat,o-1 Triest nichts weiter - als gelehrige Schüler
_. ivuHn.uc» uu; । Herr v Bethmann I der Deutschen sind! Diesen Barbarismus haben
-D" Sprmgung der ZmtrumSzwickmühle durch I b SjLSTÄ ™b sie von den Deutschen gelernt. Sie haben, als die
stech- und tücktrtttsreif Hingestell! W ™ d- S" S” “
v a 1 • Rhemlande (Holsterhausen) den dortigen Polen ver
boten, polnische Inschriften auf Grabsteine zu setzen; ihrem Beispiel folgten die deutschen Städte in Böhmen, indem sie die tschechischen Inschriften gewaltsam entfernen ließen. — Bedauerlich, daß ein