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Monatsbeilager „Alldaer Seschichtsblätter"

Erstes Blatt

Fulda, Montaq den 27. Juui 1910

M 144.

37. Jahrqanss

«rfcheim täglich mit Nnrnahme der Z»M- und Feiertage, viertel­jährlicher Yer»grpreir Zh»e vringeckoh» nnb Bestellgeld in Zulda so­wie aufwärts j.5» Ml.

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Zuldaer W Zeitung

I.parzeller^«Zulda. Wochevbeilagr: .MnftrierteSomitagrzeitllng" *

holen, bis man endlich zur Erkenntnis gelangt, daß rin Systemwechsel eine absolute Notwendigkeit ist?

o Wer ist schuld?

ßifche Minister der Auswärtigen Angelegenheiten den Kompetenzkonflikt erhoben hatte, weil er den Rechts­weg für unzulässig erachtete. Das Landgericht wies jedoch die Klage gegen das Bankhaus auf Auszahlung des beschlagnahmten Guthabens ab, weil sie .wegen Ruhens des Verfahrens, zurzeit uitmiiffam" sei, zur Vermeidung einer möglichen Verletzung völkerrechtli­cher Gmnsätze sollte also das Urteil des Kompetenz- gerichtshofes abgewartet werden. Dieses Urteil ist

Amtshandlung eines Geistlichen zum Zwecke der Verteiligung des Glaubens und der Abwehr glaubensfeindlicher Kundgebungen keine Aussicht haben. Abgesehen von der Schwierigkeit "des Nachweises des kausalen Schadens liegt ein klassischer Fall der Wahrnehmung berechtigter Interessen vor.

nunmehr gesprochen. Es erachtet den Rechtsweg für unzulässig und den Kompetenzkonflikt für begründet und hebt deswegen den Pfändungs- und Ueberwei- sungsbeschluß auf. Jetzt bleibt nur noch ein diplo­matischer Weg übrig. Wir halten aber auch diesm für aussichtslos; wenn Rußland zahlen wollte, dann hätte es diese Entscheidung gar nicht erst abgewartet. Die Millionen werden also wohl für immer .perdu" sein.

c Bochum, 26. Juni 1910. In dem kathol. Ver­einshaus zu Bochum begann Freitag der 11. Vertre­tertag des Verbandes der Windthorstbunde Deutschlands, liebet das neugegründete Blatt ,DaS Zentrum" und die .Windthorstblätter" referierte der Redakteur des .Zentrum", Ritter. Der Ver­bandsleitung wurde anheimgegeben, auf dem nächsten Verbandstag Vorschläge zur Zusammenlegung der beiden Blätter zu machen. In der gestrigen Versamm­lung referierte Generalsekretär Dr. S ch a r m i tz e l das erste Referat über: Dm Stand und die Zukunsts­aussichten des Verbandes. Die Zahl der Bunde hat sich von 162 im Vorjahre mit rund 11000 Mitgliedern auf 186 mit rund 12100 Mitgliedern gehoben. Abg. Oberlandesgerichtsrat Marx hielt eine kurze An­sprache, in der er als Beauftragter des Landesaus­schusses für Preußen die herzlichsten Grüße der Partei überbrachte. In der heutigen Sitzung sprachen Ober­postsekretär Stack-Pirmasens über die Vortragsabende im Windthorstbunde und Redakteur Ritter-Elberfeld über die Unterrichtskurse im Windthorstbunde. Am Nachmittag finden zwei große Parallel-Zentrumsver- sammlungen statt, in denen beiden als Redner Fürst Löwenstein, Abg. Giesberts und Abg. Bartsch er sprachen. Der nächstjährige Vertreter­tag soll in Koblenz abgehalten werden, Vorort des Verbandes bleibt Köln.

Fritzi wußte, daß sie bei Olga in Ungnade gefal­len war, wenn diese sie Elfriede nannte. .Ich habe mir nichts zu schuldm kommen laßen", entgegnete sie mit sanftem Vorwurf.

„Gewiß hast Du, Du greuliches Ding!" Fräulein Holder verfiel plötzlich wieder in den in der Schule üblich gewesenen Ton, wo die Mädchen in ihrer Aus­drucksweise nicht gerade sehr wählerisch waren. „Du hast gewußt, daß Lmas Gatte der Vampyr war!"

„Ich weiß es erst seit kurzer Zeit, Olga!"

„Warum hast Du es mir nicht gesagt? Glaubst Du, ich wäre zu Lena gegangen, wenn ich geahnt hatte, daß dieser Mann jener Schutte ist, der meinen Vater ins Unglück gestürzt?"

Fritzj's Stuhl fiel plötzlich in seine richtige Lage zurück und das junge Mädchen nahm eine bekümmerte Miene an. .Oh, Olga, es tut mir schrecklich leid! ^ch hatte das mit Deinem Vater ganz vergeffen! Sagte es Dir Lma benn nicht?"

«Hast Du jemals von Lena gehört, daß sie un­günstiges über ihre Verwandten oder über sich selbst eingesteht?"

„Nein", gab Fräulein Lambert zu, „so ettvas habe ich nie gehört."

.Ich enld eckte es zufällig", fuhr Olga entrüstet sock. .Ein Schreiber aus dem Büro dieses GaunerS kam zu Lena, um ihr zu sagen, daß ihr Gatte ermordet worden sei Ich habe mich gefreut, wie ich das hocke — wahrhaftig, gefreut habe ich mich!"

-Olga!' rief Fritzi vorwurfsvoll.

.Ra ja, Du kannst frellich einen vorwurfsvollen ^on anschlagen, Fritzi! Du hast keinen Vater gehabt, der durch einen Schurken um sein ganzes Vermögen betrogen wurde und der sich dann erschoß! lieber den Verlust des Geldes würde ich mich ja hinwegsetzen — aber rtenn ich an meines armen Vaters Tod denke' - oh! Olga ballte die Hände. .Wie kannst Du da noch von mir verlangen, daß ich freundlich von dem Mann denken soll, der dies furchtbare Verhängnis über uns gebracht hat?"

»Ibn hat seine Strafe ereilt!"

(Fortsetzung folgt.)’

Ausland.

* Die holländischen Wahlen zu den Provinzialvee tretunge« haben den Liberalen wieder arge Enttäu­schungen bereitet; statt der gehofften Eroberung eini­ger Bezirke in der Provinz Südholland bedarf es bei den Stichwahlen der äußersten Kraftaustrengung, um den bisherigen Besitzstand zu erhalten, während dir konservative rmd die katholische Partei ihre bisherige Mehrheit schon beim ersten Wahlgang behauptet ha­ben. Um die Wichttgkeit des Ausfalls dieser Wahlen richtig einzuschätzen, fei daran erinnert, daß der stän­dige Ausschuß der Provinzialstaaten die Berufungs­instanz für allerlei Gemeindeangelegenheiten, beson­ders also auch für Unterrichtsfragen, ist und daß die Mitglieder der Ersten Kammer von den Provinzial­staaten, also durch eine Ack Filtrierapparat, ernannt werden.

1$ Verdacht gegen sie hegen? Wie komme ich eigent- ttch dazu?" Ich 6m wahnsinnig, überhaupt einen sol- chen Gedanken zu fassen!"

Aber wahnsinnig oder nicht, ihre Gedanken keiften immer in derselben Richtung. Sie konnte tun was sie wollte, immer kamen Re wieder: Lena, Brand Kirby : — Kirby, Brand, Lena. Die drei Namen 'fühcken einen wllden Steigen in ihrem Hirn auf, bis sie heftiae Kopfschmerzen bekam. - '

Es war ihr daher eine Erleichterung, als Bill ein- trat und ihr meldete, eine Dame wünsche sie zu spre­chen. Bill war der Laufbursche, der Schauerromane mit einer wahren Gier verschlang. Welchen Namen der Junge bei der Taufe empfangen, das wußte niemand nn Büro. Er nannte sich Bill Vogel und jedermann nannte ihn so. Er war ein magerer, schlottriger Kerl mit einer rauhen, krächzenden Stimme und scheuem Wesen. Seine Arme und Beine besaßen eine Beweg­lichkeit, um die ihn ein Akrobat hätte beneiden können. Er sah so bleich und elend aus, daß man unwillkürlich dachte, er habe nicht satt und obendrein schlecht zu essen, und seine Augen standen weit aus dem Kopfe hervor.

.Eine Dame wünscht Sie zu sprechen, Fräulein Holder", sagte er jetzt mit seiner rauhen Stimme

.Wer ist es, Bill?"

„Fräulein Lambeck. Soll ich sie 'rein lassen?" Olga bejahte: .Ich lasse bitten!"

4. Kapital.

Fräulein Lambert war eine sehr selbständige, junge Dame, das heißt, sie besaß einen Hausschlüssel und mußte sich allein ducch's Leben schlagen. Nachdem sie es nacheinander als Musiüehrerin, Krankenpflege­rin und Schauspielerin versuchte, war sie jetzt als Journalistin an einer wöchentlich erscheinenden Frau­enzeitung angeftettt. Diese Zeitung enthielt nicht nur praktische Winke für Haus und Küche, sondern auch Romane und kleine Geschichten, in wckchen die Liebe keine geringe Rolle spielte Mehrere Spalten waren !>er Mode und der Beschreibung derselben auf allen Gebieten gewidmet. Auch ein Brieflasten und einen

Meinungsaustausch enthielt das Blatt, beides wurde von den Abonnenten sehr eifrig benutzt. Fritzi — wie fie von der Schule her von ihren Freundinnen noch immer genannt wurde — hatte die Rubrik „Aus der Gesellschaft" zu versorgen, für welche Tätigkeit sie mo- naüich zweihundert Mack erhielt.

Fritzi war nicht hübsch; aber sie hatte „Allüren" wie Fräulein Holder sich ausdrückte. Sie trug einen gelben en Kneifer und ging stets mit einer sehr nach­denklichen Miene und einem Bündel Papieren um tbsw.Arm einher. Eine Fülle rotgoldenen Haares, mtt silbernen Nadeln lose zusammengehalten, um- rahmte ein blasses Gesicht mit Sommersprossen, die von ihrer übrigens milchweißen Haut zu entfernen, fie sich m$t die geringste Mühe gab. Und ihre dünnen Ljp- pen waren so purpurrot, daß man unwillkürlich den ^erbaebt schöpfte, sie färbe dieselben. Aber das wäre -rne Schmähung gewesen. Denn Fritzi war nicht eitel: auf keinen Fall hatte fie zu solchen Verschonerungs- mfttcln gegriffen. Daß sie keine besondere Anzieh­ungskraft aus das stacke Geschlecht ausübte, machte ihr keinen Kummer, denn fie verbscheuie die Män­ner geradezu Was ihre Kleider betraf, so trug fie für gewöhnlich einen fußfreien Rock mit Blusenhemd Kragen und Schlips, darüber ein Jäckchen. Auf ihr rotgoldenes Haar stülpre sie einen schlichten Hut, den re mit einer silbernen Hutnadel durchbohrte.

„Nun,^ Fritzi", begrüßte sie Olga, nachdem das einzige männliche Wesen des Etablissements sich zu- ruckzog, „wie geht es Dir?"

dräu [ein Lambeck sagte, es ginge ihr ganz gut und fie habe biel zu tun. Dabei legte fie bas unvermeid-

®unfbet Bapiere auf den Tisch, zog sich einen etufil herber und holte eine Zigarette aus ihrer Tasche die ,ie anzündcke. Dann kippte sie mit dem Stuhl nach rückwärts und verschränkte die Hände hinter dem Kops. .Diese schreckliche Katastrophe!" sagte fie- bann. '

„Was? Ach so. Du meinst den Mord?"

.Lena Kirby tut mir leib", bemerkte Fritzi traurig ^."Du hair es also gewußt!" rief Olga entrüstet" „Oh, Glfriebe, wie konntest Du!"

» Der nette ungarische Reichstag, der nach dem Wahlsieg der Regierungspackei unter Khuen-Heder»1 ' vary eine glücklichere Zukunft für die Entwickelung ' der gesamten Donaumonarchie bedeuten dürste, ist ; am Samstag durch den greifen König Franz Joseph in der Ofener Königsburg eröffnet worden. Thronrede gab der Freude des Monarchen über den Wahlattsfall Ausdruck, zählte dann Reformen in verschiedenen Zweigen der Verwaltung auf und kündigte die Regelung der Bankangelegenheit an. Sie forderte die Entwickelung der Wehrmacht und betonte das unveränderte Fortbestehen der bewähr­ten Bündnisse. Die dringendste und unaufschieb« barste Ausgabe sei die Neuregelung des Wahlrechts. Die Regierung wird auf der Grundlage des allge« meinen Wahlrechts einen Gesetzentwurf vorlegen, der bei voller Wahrung des einheitlichen nationalen Charakters des ungarischen Staates den Ansprüchen cher demokratischen Entwicklung entsprechen wird.

* Für die italienische Luft-Flotte hat bie Kammer 10 Millionen Lire bewilligt. Nur di« Sozialdemokraten stimmten dagegen.

** Die Lage der griechischen Regierung ist in diesem Augenblick keine beneidenswerte. Erstens häufen sich die Schwierigkeiten in der Kretafrage. Der türkische Boykott dehnt sich aus­legt den griechischen Handel lahm und droht eine innere Krise hervorzurufen. Dazu eine ernsthafte Verwicklung mit Rumänien, das ben kürzlich gemeldeten Zwischenfall im PiräuS be­nutzt, um das Ehrgefühl der Griechen ausis äußerste zu reizen. Der griechischen Regierung wurde eine Note Rumäniens überreicht, die ein ganzes Zermoniell für ben Empfang des geplünderten Dampfers „Jmperatul Trajan" im Piräus vorschreibt. Die Bewohner des PiräuS und von Athen, außerdem die Zivil- und Militär­behörden sollen den Dampfer feierlich empfangen. Die Militärmusik soll bei seiner Einfahrt die rumänische Nationalhymne spielen und di« rumänische Flagge mit dem üblichen Ehrensalut begrüßen. Die Behörden sollen dem Kapitän des Schiffes die Entschädigungssumme und den rumänischen Deserteur übergeben. Die griechische Regierung, über ein solches, der Würde des Staates hohnsprechendes Ansinnen empört, be­schloß sämtliche Forderungen Rumäniens abzu­lehnen und jede Verhandlung abzubrechen.

* Die pockugiefische Kabinettskrise ist gelöst. Teixeira be Souza nahm den Auftrag an, das

$>er Mcrmpyr.

Roman von Fergus Hnme. Autorisiecke Bearbeitung ,7] von C. Weßtier.

Olga las ben Bericht zweimal aufmerksam durch. Der Fall intereffiecke sie natürlich ungemein tmb fie sann unb grübelte barüber nach, wer wohl so unbe- (tvufit der Rächer ihres armen Vaters geworden sei. Und wie sie so dachte unb Überlegte, stahl sich leise ein furchtbarer Gebanke in ihr Hirn, ben fie trotz aller 'Mühe nicht von fich abzuwehren vermochte.

„Lena sah heute morgen nicht sehr vorteilhaft aus", murmelte sie vor sich hin. .Sie war erregt und lief immerzu ans Fenster, wie wenn sie jemanben erwacke. Ob sie am Ende gar gewußt hat, baß ihr Mann ermor- ’bet werben würbe?"

' Diese Idee setzte sich hacknWg in Olgas Kopf fest, obgleich sie sich bie größte Mühe gab, sie los zu werben. Daß Lena, bas schwache, ftivole, furchtsame 'Geschöpf, bereu Feigheit in bet Schule schon allgemein ^bekannt war, ben weiten Weg von ihrer Wohnung in Campbenhill nach ber Stabt — unb noch bazu um /Mitternacht — unternommen habe, um ihren Gatten kaltblütig zu ermorben, war zu lächerlich. Nein, wer sauch ber Mörber sein mochte, Lena war unschuldig. Sie war nicht von dem Stoff, aus welchem Verbrecher

- gemacht sind.

Dann schweiften Olga's Gedanken zu Herbeck Brand unb sie buchte an seine plötzliche Abreise, bie einer Flucht ähnlich sah. War es möglich, baß er et­was Don biefem Verbrechen wußte? Fräulein Halber /APs^cke bei bem Gedanken, baß er auch nur ober­flächlich m biefe entsetzliche Angelegenheit verwickelt jem geschweige benn ben Mord begangen haben konnte. Unb bennoch - bennoch -

< A ist lächerlich!" rief sie halblaut unb stand ml H.Ede ansstreckend, als vermöge sie dadurch '»wmh W” sich abzuschütteln. „Well Lena und Äerbales Ä ftan]f sahen - well sie beide ein *rt ,ben Tag legten, als sie die w d)t von bem Mord empfingen — deshalb sollte i

Die Sozialdemokratie schreitet von Sieg zu Sieg. I Daß ein .Systemwechsel" notwendig ist, glauben Mit Stolz stellt der Vorwärts fest, daß nun auch I auch wir, aber ein Wechsel in dem System der der Wahlkreis Friedberg-Büdingen dessen soziale! nationalliberalen Hehpolitik. Hätten die Struktur so lange ber Belagerung der Sozial-1 Nationalliberalen sich, wie ihnen angeboten war, bemotratie getrotzt habe, in ihren Besitz überge-I mit den rechtsstehenden Parteien verständigt, so gangen sei unb den neunundvierzigsten Sozial-1 wäre es wohl möglich gewesen, daß das Mandat bemotraten in den Reichstag entsende. Im übrigen I i« der Hauptwahl dem bürgerlichen Kandidaten zu- legt das sozialdemokratische Packeiblatt den größten I gefallen wäre. Wer die Schuld trägt an dem Wert daraus, daß dieser Wahlkreis, der, wie es sagt, Uebergang dieses Mandats an die Sozialdemokratie, der schlimmsten Reaktion entrissen sei, und daß der I kann durch alle Beteuerungen der liberalen Presse sozialdemokratische Erfolg eine Niederlage der | nicht verdunkelt werden.

Agrarier bewirkt habe. I '

r Kiel, 26. Juni 1910. Der Kaiser besichtigte am Samstag die Kieler Werst. Dann nahm er an Bord der .Hohenzollern" die Meldungen des deutschen Marineatachees in Paris unb des Professors Hergesell entgegen, unb empfing den früheren Staatssekretär Dernburg, der etwa eine halbe Stunde lang auf der .Hohenzollern" weilte. Heute sand an Bord bet „Hohenzollern" Gottes­dienst statt, welchen der Kaiser selber abhielt. Zur Abendtafel auf der .Hohenzollern" ist Staatsminister Freiherr v. Schorlemer geladen.

* Konstanz, 24. Juni 1910. Das hiesige Landgericht hat die Klage des liberalen „See­boten" gegen 39 katholische Geistliche des Bezirkamts Ueberltngen wegen Schaden­ersatzes (wie bereits telegraphisch gemeldet) kosten- ällig ab gewiesen. Der Tatbestand ist kurz olg endet: Das genannte nationallibetale Blatt führt seit einiger Zeit eine scharf kulturkämpserische Sprache; es behandelte wiederholt in kirchliches Gel iet eingreifende Fragen in einer für gläubige Katholiken verletzenden Weise, und zwar so, daß verschiedentlich gegen Lehren und Grundsätze der katholischen Kirche feindliche Stellung genommen wurde. Dagegen erließen nun sämtliche Geistliche des Amtsbezirks Ueberlingen in ihrer Eigenschaft als katholische Seelsorger einen Protest gegen die „verderbliche Haltung des Blattes gegenüber christlichen Wahrheiten und Lebensfr.rderungen" und ..warnten vor einem Blatte, das inmitten eines gläubigen katholischen Volkes sich solches erlaubt". Auf den Protest der Geistlichen antwortete der „Seebote" mit schweren Schmähun­gen unb Beleidigungen, was dem Redakteur eine Beleidigungsklage eintrug, die noch schwebt. Der Verlag des Blattes F. H. Ullersberger G. m. b. H. erhob Schadenersatzklage auf Grund der §§ 824 unb 826 des B. G. Wie schon aus dem Wort- aut des Gesetzes zu ersehen ist, konnte eine solche Klage gegenüber einer seelsorgerlichen

„Nach ber mißfälligen Aufnahme, bie bet Beschluß Mwachsstmer zu entnehmen, den Rest vorläufig derselben Partei in Usedom-Wollin kurz zuvor gefunden aus allgememen Ersparnissen zu decken. Jntereffant hatte — dock wurde die Abstimmung dem Entschluß I ist, wie die ,Mil.-pol. Korrespondenz, weiter be» m-hr —I werkt, daß die Wehrbesteuerung der nicht

schrittler es jetzt vorzogern^ewma? „muti^u $eim dienenden .^?^^"F^eiwUligen unter der Er» Allerdings nur im Sinne der sozialdemokratischen Presse, wägung gefördert sein soll, daß dleAbschaffung di» solchen Entschlüssen des Linksliberalismus neuer ! des Privilegiums des einjährigen bie>.babni doch!Dienstes möglicherweise in nicht allzu weiter dre Peitsche nicht spart. Es scheint, daß die Zentral» I $ „ 1 »

leitung der Fortschrittlichen Volkspackei, die sich in I )jertle

den beiden Fällen hinter ihre Statuten zurückzog, I. B- Die Reichsversicherungskommission lehnte nachher reine Hände vorzeigen zu können glaubt. Das I trotz des Widerspruches der Regierung die Se»

der Vorlage ab, daß die Vorfitzenden nach' sich zog. Denn von den Wählttn, die “man I Vertreter bei ben Landkrankc-nkassen vorn so unbesonnen dem Radikalismus zuführt, findet ein I Gememdevetbanb gestellt werben sollen, beträchtlicherTell nicht sogleich wieder den Weg! ». In der Justizkommission des Reichstags stimmen I wurde der sogenannte Kreuzverhörparagraph mit

solche unleidlichen Beweise ihrer höchst unabhängige Stimmengleichheit abgelehnt. Die Kommission Gesinnung das Vertrauen der übrigen bürger» fe&le bie Ferien auf die Zeit vom 16. Juni bis lichen Parteien ein. Basiert doch beinahe jedes jUM 20. September fest.

fortschrittliche Reichstagsmandat auf einem Stich- )( Der Ksmpetenzgerichtshof des Kammergerichts sw°hl°rgebnts; es ward kaum remals erstcktten, beschäftigte sich Samstag mit der Hellfeld-An- jOHDtrn pflegt niu» gerettet KU werben. Heber bie I n »x pnpnhpif a h

Sozialdemokratie in ihrer Eigenschaft als selbstlose! ror-6I*. V‘3 Ö’.'?.e? - e

Retterin aber bedarf es keiner Diskussion weiter." I aIL®J™t9tr Eschen Staates aus Grund eines

Daß das Berl. T." über den Si-a her I rechtskräftige» Erkenntnisses des kaiserlichen Gerichtes

keines Beweises. Eigenartig aber ist bie Stellung» „se Mendelfohn und Cie. m

nähme bet .Nationalzeitung". Sie zieht aus bem ! Pfan d en lassen. Da

Ausaang bet Wahl nm folaenbe Lebte' I -15 l Fiskus m feiner Nachlässigkeit keine Be-

$ 9 I *» 9 1 ifijmerbe bagegen erhob, hielt Herr v. Hellfeld ben Be-

Die Erscheinung der früheren Nachwahlen, von I föluß für rechtskräftig, obgleich inzwischen der Preu- Landau und Koburg an bis zu Usedom und Friedbetg,' t - ”*= •“ 1 ---- ~ - - v-

find auch hier wieder zutage getreten; der starke Zug nach links, die lebhafte Unzufriedenhett der bürger» lichen Kreise mit der Politik der Regierung, die Miß­stimmung übet di» allgemeinen potitlschen Verhältnisse, alle diese ost genannten uns bekannten Symptone, die nur in de» hohen und höchsten Regierungskreisen un­bekannt geblieben zu sein scheinen, haben auch in Friedberg-Büdingen die entscheidende Wendung herbei» geführt. Wie oft sollen sich diese Niederlagen wieder-

Kunststück, wenn ber Sozialdemokratie ber ganze I DCHtitbCS Hctd).

Liberalismus stramme Wahlhülfe leistet! Mann I . „ . .....

für Mann finb bie Freisinnigen für ben Sozial-1 „ Derli», 26. 3unt 1910. Die Kalserln, bas bemckraten Busolb eingetreten unb auch ein nicht P^zenpaar August Wilhelm unb bte Prinzessin unbeträchtlicher Teil ber nationalliberalen Wähler Viktoria Lmse begaben sich am Sonntag nach ist im Gegensatz zu ber offiziellen Wahlparole gegen Prnn.kenau zut Tefluahme an ben Beisetzungsferet- ben rechtsstehenden Kandidaten eingetreten. Die ** Frmzessm Feobota von Schleswig-

,Deutsche Tagesztg/beleuchtet biesen Tefl bes Wahl» Holstern- — Der Reichskanzler tst Samstag resultats: I nachmittag nach Rtel abgereift.

„Mir einer allen Zweifel ausschließenben Deutlich-1 T>ie Veteranenfürsorge. Das Ergebnis kett hat das Friedberger Wahlresultat bestätigt, daß I der vor Wochenfrist im Reichsschatzamt abge- ber Junglibetalismus in weiterem Vorbringen I haltenen Besprechung zwischen Vertretern der £nab b?l a^.im "/L'mllibetalen Lager Regierung und je zwei delegierten jeder Reichs» bte Folge» des wiederholte» „taktischen" Zusammen-1 t.. _• Ä tLi™ ...

gehens mit der Sozialdemokratie in einer Verhängnis-1 lWSfraktton hat, wie wrr gemeldet Haven, zu be» vollen Abschwächung des bürgerlichen Solidaritäts-1 stimmten Vorschlägen nicht geführt. Die Siegle« und damit in ihren letzten Konsequenzen zugleich des t rung hat daher — wie die,Mil.-pol. Korrespon» nationalen Staatsgedankens sich zu äußern beginnen!" I denz' erfährt — den Gedanken einer Wehr« . Dre Mordd. Allg. ^tg/ meint dazu: „Das steuer überhaupt fallen gelassen. Die Be» Mm rf”1^66-5 Vorkommnis mühungen der Reichsbehörden auf Besserstellung

m dem unerträglichen Schauspiel fern, das gerade I

ber Verlauf ber Ersatzwahlkampagne von Friedberg-1 6er. «tiegSöeletonen gehen "unuikhr dahm, bie Bübingen darbietet." Sehr energisch wirb das ^^tzlgen Veteranenbnhi fenausrvande lvon offiziöse Blatt bann gegenüber bem Freisinn unb 24 Millionen Mark) zuzüg'ich erforderlichen 7 dis hält ihm vor: I 9 Millionen mit etwa 6 Millionen ber Reichs»