JW Hl.
Donnerslag den 25. Juni 1916.
57. Jahrgang.
* fuldaer W Zeitung •
2. Blatt.
vruck und Verlag der Znldaer Netteudru-erek in Zulda.
Aus -em Nachbargebrete.
Sonntag hier abgehaltenen Feuerwehrübung wurde
* Erbach L I, 21 Juni 1910. Die Eheleute
Shakespeares: I, ist von einem ßi
Kleines Feuilleton
F.
durch den Kreisobecbcan dineister Simmer aus Fulda die vom Kaiser gestiftete Medaille nebst Diplom für 25jährige treue Dienstleistung in dec Feuerwehr überreicht.
* Ziegenhain, 20. Juni 1910. In Leimsfeld bekam der 14jährige Schreibgehilfe an der Kreiskaffe in Ziegenhain, Johannes Schwalm, beim Kaffeetrinken plötzlich einen Ohnmachtsanfall. Dabei fiel er so un-
* Offenbach, 22. Juni 1910. „ Ein Frankfurter Blatt mit Kulbrrkampfssehnsucht, das morgens und abends gern katholische Geistliche verspeist, bringt aus Offenbach die erschütternde Nachricht, daß in einer Offenbacher Stadtschule infolge Einspruchs eines N e- ligionslehrers aus der Schülerbibliothek R o- seggers „Als ich noch ein Waldbub war"
Zurückgezogen worden sei. Wenn das dxr Fall gewesen sein soll, so hat sich, wie die Offenbacher „Volkszeitung" mit Recht bemerkt, der betreffende Herr ein Verdienst um die Schule erworben, das Anerkennung verdient. Rosegger hat gewiß manches literarisch Wertvolle geschrieben. Im allgemeinen ist er aber Kulturkämpfer und Religionsspöttec. Auch das genannte Werkchen macht keine Ausnahme. In der uns vorliegenden Ausgabe (Staakmann, 61. Tsd) wird S. 67 die Geistlichkeit verspottet, S. 58 die Ablaßlehre falsch dargestellt. Wir verniögen deshalb dem Frankfurter Blatt nicht zu glauben, daß das Buch auf Empfehlung eines katholischen Lehrers angeschafst sein soll. Es wäre das kein guter Beweis für pädagogischen Feinsmn und Einsicht in die Erscheinungen neuerer Literatur. Die Schulen in Offenbach sind simultan und müssen auf das religiöse Gefühl aller Konfessionen äußerste Rücksicht nehmen. Das mag ja manchen Leuten und auch der „Frankfurter Zeitung" unangenehm sein, aber ändem lassen sich die Tatsachen nicht.
Wmz waren in der Scheune mit dem Aufziehen von Kleeheu beschäftigt, als plötzlich die eiserne Z u g- rolleherunterfiel und die Ehefrau am Kopfe schwer verletzte.
Freunde dieser guten und gerechten Steuer keine Mühe der Abwehr und Verteidigung scheuen. Und mag schließlich mit den einzelnen Bestiminungen des Gesetzes bet eine oder andere nicht ganz zufrieden sein, zunächst handelt es sich darum, das Prinzip der Zuwachssteuer zum Sieg; und zur Durchfühmng zu bringen. Die weiteren Verbesserungen können wir getrost der Zukunft überlassen, sie werden sicher kommen.
glücklicht, daß sich die Kanne mitkochendemKaf- f e e über ihn ergoß. Er erlitt schwere Brandwunden.
= Johannesberg, 22. Jun! 1910. Bei der an.
Wrr haben bereits früher unserer Meinung" dahin Ausdruck gegeben, daß die Reichswertzuwachssteuer zunächst in einer möglichst m i l d e n F o r m ausgestattet werden solle. Einmal im Interesse der Erleichterung des Zustandekommens der Vorlage im Reichstage, dann aber auch aus sachlichen Gründen. Bei der Zuwachssteuer handelt es sich um eine gänzlich n e u e Sleuerart, wenigstens wenn man ihre Erstreckung auf das ganze Reichsgebiet berücksichtigt. Außewrdentlich verschiedenartig gestaltete Verhältnisse sollen geregelt werden, und praktische Erfahrungen liegen nur zu einem geringen Teile vor. Da erscheint es wohl ratsam, erst die Erfahrungen auf Grund des neuen Gesetzes abzuwarten, um an deren Hand später die Verbesserungen und Verschärfungen vorzunehmen, die sich als zweckmäßig und gerecht erweisen. I
Damit ist nicht gesagt, daß die Vorlage in ihrer gegenwärtigen Fassung nun die Mrzeit b e st e Lösung der Aufgabe darstelle Die Vorlage ist gewiß noch mancher Verbesserungen fähig, und die Ruhepause der Sommermonate gibt treffliche Gelegenheit, Bedenken geltend zu machen und Verbesserungs- vorschlage M begründen. Im neuesten Hefte der „Bodenreform" macht Adolf Damaschke einiae wohl erwägenswerte Verschlüge.
ist von einem Zuge jugendlicher Frische und Begeisterung durchweht, der mit sich fortreißt. Da der Autor seine Ideen in eine blütenreiche, gesunde und kernige Sprache zu kleiden weiß, so wird das Drama dieselbe zündende Wirkung, die es bei der Uraufführung im Brüsseler katholischen Gesellenverein ausüble, (S. Maria Immaculata, Juni 1910, 'S. 317) überall offenbaren. Bei der geringen Anzahl der Rollen ist' es für Vereinsbühnen vorzüglich geeignet. R. S.
* Bon einem Volksangriff auf einen Bischof berichtete die „Frankfurter Ztg." (3. Juni) aus M i- l i t e l l o in Sizilien. Das Blatt schrieb: „Während der Bischof, ein Monsignore De Bono, der mit Glücksgütern gesegnet ist, die Kirche San Nicola besuchte stürzte eine große Menge zum Altar, während ein tarker Hausen den Kirchturm erstieg und Sturm läutete- Die Frechsten ergriffen unter den Rufen: „Haltet den Dieb!" den Bischof, rissen ihm die Kleider vom Leibe und spuckten ihm ins Gesicht. Herbei-
+ Der Kampf um die Relchszilwachs- steuer
nimmt still aber mit unveränderter Heftigkeit seinen Fortgang. Eine Unzahl von Protesttesolutionen findet in einem Teile der Presse bereitwillige Aufnahme, die Abgeordneten sehen sich einer systematischen „Be- irbeitung" ausgesetzt, die dahin abzielt, im nächsten Winter eine Mehrheit gegen die Vorlage zu erreichen.
eilende Gendarmen befreiten den Kirchenfürsten. Und was war der Gmnd? Im Orte hatte sich das Gerücht verbreitet, der Bischof sei gekommen, um die Bibliothek zu plündern, alle Weihgeschenke an sich zu nehmen und die Wunderstatue des heiligen (!) Salvatore zu entführen." Wie die Zentral-Auskunstsstelle der katholischen Presse von zuständiger Seite erfährt, spielte sich der Vorfall nicht in der Kirche, sondern im Pfarrhaus ab. Es ist nicht wahr, daß dem Bischof die Kleider vom Leibe gerissen wurden, überhaupt kam es gegen den Bischof zu keinerlei Tätlichkeiten. Man hatte dem Volke vorgeschwindelt, der Bischof wolle die Statue des Erlösers (nicht des heiligen" Salvator) nach der Bischofftadt verbringen, worauf es zu Demonsttationen kam. Bald aber war die Ruhe wieder hergestellt und als der Bischof am anderen Morgen unter das Volk ging, baten ihn diejenigen, die am lautesten gegen ihn geschimpft hatten, kniefällig um Verzeihung.
* Gelyncht wurde in Rusk (Nordamerika) wieder einmal ein Schwarzer. Eine Anzahl Weißer brang trotz des Einschreitens der Polizei in das Gefängnis ein und schleppte einen Neger heraus, der des Totschlages an einer weißen Frau beschuldigt war. Der Neger wurde gefoltert und gestand schließlich seine Schuld ein, wormf er von den Weißen verbrannt wurde.
— Englischer Humor. Eine Dame besuchte ihre Freundin, fand sie aber nicht zu Hause. Da sie sah, daß Staub auf dem Klavier lag, schrieb sie mit dem Finger drauf: ^Ferkelchen". — Einige Tage später traf sie ihre Freundin auf der Straße und fragte sie: Weißt du, daß ich neulich bei dir war?" — „O ja, ich fand ja deinen Namen auf dem Klavier!"
Literarisches.
Im Banne der Freiheit." Drama in 4 Akten aus der großen französischen Revolution von P. Paul Humpert o.m.i. Limburg a. d. Lahn, Druck und Verlag der Limburger Vereinsdruckerei. Preis drosch. Mk. 1,—.
Er fordert, daß di« Zinsanrechmmg beschränkt werde auf eine zahrliche Zurechnung von PA Prozent jm dem Erwerbspreise, und er verweist hierzu auf eine kürzlich mit Unterstützung des preußischen Finanz- Ministers von Rothkegel herausgegkbene Arbeit, die wett über eine Million Einzelläufe aus den Jahren 1895 bis 1906 auf Grund amtlichen Materials untersucht hat. Das Resultat war • „jtn Durchschnitt für den ganzen Staat hat das Ansteigen (des Wertes für ländliche Besitzungen in Preußen) m der Zeit von 1895 bis 1906 nicht mehr als 6 bis 12 Prozent betragen." Das macht eine jährliche Wert- steigerung von '/. bis 1 Prozent. Gegen die Bestimmung des § 15 Abs. 2, wonach auf Antrag des Steuer- pstichtigen der Betrag, um den der auS dem Grundstück erziette Ertrag hinter 9 Prozent des Erwerbspreises, zurüchbleibt, vom Veräußerungspreis abgezogen werden kann, macht Damaschke das gewichtige Bedenken geltend, daß diese Bestimmung geradezu eine Prämie daraus darstelle, die Benutzung des Bodens zu verhindern, ein Steuerprwllegium zu Gunsten der Spekulation. Damaschke fordert endllch für die Gemeinden die Mög- kichkett stärkerer individueller Ausgestaltung der Zuschläge.
Gegenüber den mächttgen Bestrebungen, die Zu-1 wachssteuervorlage zu Fall zu bringen, dürfen die |
vermischtes.
c. * Der Kaiser und drei Prinzen als Paten in einer Familie. Fast die ganze deutsche Kaiserfamilie als Paten zu besitzen, dürste wohl eine Seltenheit sein. Der Familie des Bergmanns Robett Franck in Z a- brz e-N ord in Oberschlesien wurde vor kurzem der zwölfte Sohn geboren. Nachdem bei den früheren Söhnen der Kaiser, der Kronprinz und Prinz Eitel- Friedrich als Paten gestanden, hat jetzt beim zwölften Jungen Prinz Adalbert von Preußen die Patenstrlle übernommen.
* Beim Baden ertrunken sind auf dem Neuen- burgerSee drei Berner Gymnasiasten. Sie waren in einem Segelschiffchen hinausgefahren und nahmen vom Schiff aus ein Bad. Inzwischen wurde das Boot fortgetrieben. Von Müdigkeit überfallen, vermochten die jungen Leute offenbar schwimmend dieses nicht mehr zu erreichen. Die Leichen sind noch nicht gefunden.
* Der Bierpreisanfschlag ist in den verschiedenen Bezirken der Pfalz sehr ungleichmäßig Während meistenteils die Wirte den ihnen von den Brauereien auferlegten Aufschlag von 2 Pfennig per Liter zur Ausführung brachten, wurde anderwärts die Gelegenheit benützt, 4 Pfennige aufzuschlagen. Das Landauer Gewerkschaftskartell beschloß, die Wirtschaften mit 4 5i Aufschlag gänzlich zu meiden, in den andern mit 2 4 Erhöhung den Konsum aufs Minimum zu beschränken. In Zweibrücken scheint der Aufschlag auszubleiben. In Eisenberg sind die Arbeiter der Ginanthwerke wegen des Aufschlgas um 2 in den Bierstreck ein getreten. Der Sachlage nach wird wahrscheinlich die Erhöhung um 4 per Liter nicht auftecht zu erhalten sein.
** Zu den Unterkunftsverhältnissen in Brüssel, die gegenwärtig während der Weltausstellung zu Klagen Anlaß gaben, wird aus Brüssel beuchtet, daß dort gegenwärtig zwei vertrauenswürdige deutsche Wohnungsnachweise in Tätigkeit sind. Der eine befindet ich im deutschen Gesellenverein. Rue Pletinck 4, unter Leitung des Präses: der andere hat seinen Sitz in nächster Nähe des Nordbahnhofs 18. Avenue de Boulevard, Direktion Heß. Dieses Bureau ivird vom Reichskommiffariat empfohlen.
* Grosifeuer hat auf der Insel Wollin im Dorfe Reckow sechs Vauerngehöste eingeäschert. Viel Vieh ist in den Flammen umgekommen
* Eine schnurrige Geschichte, die wirklich nicht all-
* Kassel, 21. Juni 1910 Die Z e i ch e nl e h r erst rü fu n g an der hiesigen Mademie fand in der vorigen Woche statt. Das Ergebnis ist sehr ungünstig I gewesen. Es hatten sich 43 Damen und Herren gemel- I bet. Von diesen wurden 10 nicht zugelassen; von den übrigen 33 erreichten 19 das gesteckte Ziel nicht
* Eisenach, 22. Juni 1910. Aus „Liebesgram" Ierschoß sich im Stadtwald ein 22jähriger, hier in Arbeit stehender Friseurgehilfe aus Schwedt 'a O
* Erfurt, 22. Juni 1910. U e 6 e r I o u t e S Laschen bildete den Gegenstand einer Verhandlung vor bem Erfurter Schöffengericht Zu mttternächtlicher stunde erzählte jemand auf der Radowitzbrücke in Erfurt einem Handlungsgehülfen einen faulen Witz. Darüber lachte der junge Mensch anhaltend derartig, daß zahlreiche Anwohner neugierig ans den Betten an die Fenster sprangen. Dieses Lachen brachte dem Lacher drei Mark Geldstrafe oder einen Tag ,f>ast wegen Verübung groben Unfugs.
I r * Wiesbaden, 21. Juni 1910. Um sich „Speiseeis" zu verschaffen, verkaufte hier ein siebenjähriger Junge das gute Kleid seiner Mutter für 27 (!) Pfennig bei einem Lumpenhändler.
* Vom Obereichsfeld, 21. Juni 1910. Auf 20000 Mark Schadenersatz hat der Unternehmer Kopp den Eisenbahnfiskus wegen der Ver- zögemng der Arbeiten am Bahnbau Mühlhausen Obereichsfeld, Treffurt verklagt. Jetzt ist endlich mit oer Legung des Oberbaues zur Gleisanlage begonnen Vorausstchllich wird er im Herbst bis Mühlhausen fertig sein.
aus einer Entfernung von 7 Fuß abgefeuert, in einem Holzbrett noch einen Eindruck von 0,5 Zentimeter Tufe hervor. In der gleichen Versuchsreihe wurde auch Holz als Geschoß verwendet. 12 Milli- meter lange Holzkugeln drangen, aus einem gewöhn- ttchen Gewehr abgeschoffen, 18 Millimeter tief in Holzbretter ein und durchbohrten von drei hintereinander stehenden, 3 Millimeter dicken Bleiplatten zwei, während die dritte stark eingebeult wurde. Eine Stearinkerze von 15 Zentimeter Länge, die ebenfalls versuchshalber als Geschoß benutzt wurde, durchdrang sogar zwei Bretter aus Fichtenholz von 3 Zentimeter Stärke. 8
— Bessere Lebensverhältnisse. Die neuen Sterbe- tafeln, die im 200. Bande der Reichsstatistik erschienen sind sprechen eine beredte Sprache über den Fortschritt in unseren allgemeinen Lebensverhältnissen. Von 100000 Geborenen männlichen Geschlechts wurden im Durchschnitt der Jahre von 1871 bis 1880 62,089 zehn Jahre alt, im nächsten Jahrzehnt waren es 63,526, und in den Jahren 1891 bis 1900 betrug ihr- Zahl 67,369; für das weibliche Geschlecht sind die enffprechenden Zahlen: 65,237, 66,601 und 70,646. Das Alter von 30 Jahren erreichten unter den Männem in dem 70er Jahrzehnt 54,454, im nächten 56,113 und im letzten des Vorigen Jahrhunderts 61,274, Frauen 57,566, 59,584 und 64,385 Beachtet man dazu noch, die Angaben über das Erleben des fünfzigsten Gebuttstages bei den Männern mit
43,684 und 49,002, bei den Frauen mit 45,245, 48,110 und 53,768 Ueberlebenden, so erkennt “ hacke Verbesserung der Verhältnisse aufs deutlichste. Besonders stark ist der Sprung von den achtziger zu den neunziger Jahren. Erreichten doch in den letzteren nicht weniger als rund 8 v. H. Männer und Frauen mehr das 31. Lebensjahr als im vorher- gehenden Jahrzehnt und 11V, v. H. Frauen, 121/, 5t. H 17.5""" mehr das Ende des fünfzigsten Jahres. Die mittlere Lebensdauer berechnet sich in den drei Jahrzehnten für alle Männer auf 35.58, 3717, 40.56, ("rgesamte weibliche Geschlecht auf 38.15,' 40*25,
?a§re; das ergibt einen so sichtlichen Fort- ichntt, daß jeder weitere Kommentar überflüssig ist.
Die Kreise, die so ütteusiv die Beeinflussung der öffentlichen Meinung Betreiben, sind in der Hauptsache die Grundstücksmakler und die Terra in sp e kul an t en Auch ein Teil der Guts-,^-.»«^ wy^umu, ucucuucyl.uuuna wuiuc oe I • Ö e r beledigt sich daran, obwohl nach unserer dem Steigerführer, Herrn Gregor Sch wen dn er Ueberzeugung der solide Grundbesitz nicht die ge- " ' ' " ' ' ' - ~
—ecanlassung hat, von der Zuwachssteuer Schädigungen zu befürchten. Die Terrainspekulation dagegen sieht sich tatsächlich in ihren Interessen bedroht, aber diese Interessen sind nicht derart, daß sie besondere Schonung verdienen. Gerade die Spekulation soll von der Zuwachssteuer getroffen werden wenn die Steuer diesen Zweck nicht erreichte, wäre fte damit als unbrauchbar erwiesen. Die scharfe Opposition der Spekulantenkreise ist übrigens wohl mehr gegen das Prinzip der Zuwachssteuer gerichtet ms gegen die Vorlage in ihrer gegenwärtigen Reform Denn wenn beispielsweise in folgendem Falle, den vie „Bodenreform" anführt:
©elctebT'h? ren?ltbt 1895 ei« unbebautes städtisches
*? Große von 1 ha für 100000 Mark und 192° für 200 000 Mark, wobei
K
Den ersten Posten, den wir stehen. Den stehen wir vor Liebchens Tür; Da haben wir auf nichts zu sehen, Und keine Ronde kommt daher. Drum, Brüder, stoßt die Gläser an. Hoch lebe der Reservemann, Der treu gedient hat seine Zett, Ihm sei ein volles Glas geweiht!
— Tas Reservistenlied „Es lebe der Reservemann" in etwas anderer Beleuchtung. In Nr. 138 brachte die ,Fuld. Zeitung^ eine Strophe des allbekannten Reservistenliedes und int Anschluß daran war die Vermutung ausgesprochen, daß das Lied vor oder um 1865 entstanden sei. Ein aller Fuldaer, der -mn 15. März 1855 der 4. Kompagnie des 3. Kurh. Infanterie-Regiments in Kassel als Musketier zu- aeteitt wurde, teill uns mit, daß schon damals das Lied auf Märschen und in der Kaserne ost gesungen worden fei Er meint, e8 stamme von einem kurhessischen Infanterie-Kommando her, das dem damaligen Kurfürsten von Hessen als Ehrenwache nach Bad Liebenstein beigegeben war. Der Text wich etwas von dem heute bekannten ab; die folgenden zwei Sttophen des Liedes mögen das zeigen:
Es blinkt so freundlich in der Ferne Mein liebes, teures Heimatland; Ich war Soldat, und wai's nicht (!) gerne, Doch bald ist meine Dienstzeit auS. Drum, Brüder, stoßt die Gläser an. Hoch lebe der Reservemann, Der treu gedient hat feine Zeit, Ihm sei ein volles Glas geweiht!
Diejenigen unserer Leser, welche der Aufführung des Dramas ,8uciu§' von P. Paul Humpert o. m. i. durch den Fuldaer Jünglingsverein beigewohnt haben, werden auch das vorliegende Bühnenstück mit aufrichtiger Freude begrüßen. Das neueste Stück von P. Humpert gewährt uns hier einen Einblick in die wahre Bedeutung jener freiheitlichen Bewegung, die einst von Frankreich ausgehend, die Völker wie ein Taumel erfaßte. Vor unsere Augen entrollt sich ein Zeitgemälde voll tragischer Kontraste: Im Hintergründe düster und drohend wie ein Ungewitter die Revolution mit ihren blutigen Gräueln; rechts die Helden der Vendöe im Kampfe für die alten und ewig jungen Ideale des Menschenherzens: Freiheit, Heimat, Religion und Königstreue; links die Vertreter des reinen Menschentums, die kalten Egoisten und blutdürstigen Königsmörder, und in der Mitte die Gestalt des jugendlichen Grafen Arthur de Bonchamps, des unerfahrenen Jünglings, den der falsche Schimmer der Freiheit betört hat. Der junge sieggewohnte Führer will sein Volk mit dem Frieden und mit jener Freiheit beglücken, wie er sie sich erträumt. Bei den Feindes seines Landes sucht der Vertrauensselige Verständnis und Mithülfe zur Verwirklichung seiner Ideale, aber bei diesem waghalsigen Spiel verliert er den Boden unter den Füßen und wird zum Verräter an den Seinen. Erst spät erkannte er, wie schmählich er getäuscht worden, und sühnt feinen Fehltritt und seine Blindheit mit dem Heldentode. So wird der Träger der Aktion in seinem stolzen Selbstvertrauen, seinem Ungestüm und seinem Wankelmut zum typischen Vertreter seiner ruhelosen Zeit. Das Stück schließt sich in der Verwertung dramatischer Motive eng au die Werke der großen Meister an, z. B.
Julius Cäsar, King Lear usw. Es
täglich ist, hat sich in der ungarischen Hauptstadt B u- dapest abgespielt. Ein Kaufmann versichert sein Leben bei einer Gesellschaft. Hinterher wird ihm aber die Sache leid, er will die Bedingungen falsch verstanden haben und verweigert die Zahlung der Prämie. Die Gesellschaft verllagt ihn natürlich, aber während des Prozesses stirbt der Mann Nunmehr erklären die Erben sofort, sie wollten die Prämie zahlen, denn sie bekommen ja dann die Versicherungssumme. Die Gesellschaft ihrerseits will jetzt gern auf die Prämie verzichten, um die Summe nicht bezahlen zu brauchen; der Prozeß geht also weiter, und das Gericht verurteilt die Erben zur Zahlung der Prämie. Die Gesellschaft will nochmals auf Den Betrag verzichten, doch die Erben lehnen das ab, und nunmehr klagen sie auf Zahlung der Versicherungssumme.
* „Fräulein Gerichtsvollzieher" wurde jüngst irgendwo in Amerika zum ersten Male' mit der Pfändung einer Wohnung betraut. Miß Ellen H. Swift- neß ist eine junge Dame, die sich der Rechtswissenschaft gewidmet hatte. Unglückliche pekuniäre Verhältnisse zwangen sie aber, das Studium aufzugeben, und nun hat sie in dieser Tätigkeit einen Beruf gefunden, der der Rechtswissenschaft wenigstens verwandt ist Nun drückt sie ihres Willens Herrschersiegel auf Tische und Bänke, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht was sie . . pfände.
* Schiff der Hamburg - Amerika-Linie, die „Andalufta" ist im Hasen von Port Said in Flammen aufgegangen.
Falle die Zuwachssteuer im ganzen 1799,87 2TJ. ^^1, dann kann man wohl nicht sa- fanke ** ' U” Hne unerträgliche Belastung
— Die Aerzte, deren Beruf es ist, das Lesse« Ker Mitmenschen nach Kräften zu verlängern, gemeßen m Wirklichkeit nur wenig Nutzen ihres sonnens und ihres Wissens; die Stattstik zeigt, .?xe Junger des Aeskulap nicht länger leben M chre Klienten; ja die Zahl derer, die ein hohes Atter erreichen, ist nur gering und keinesfalls größer als die der anderen Sterblichen. Eine französische Mdtzmische Wochenschrift hat eine Statistik aufge
stellt, die darüber Aufschluß gibt, an welchen Arten von Krankheiten die meisten französischen Aerzte sterben. Danach finden nicht wen'.ger 44 Prozent durch Herzleiden den Tod, 20 Prozent erliegen nervösen Krankheiten, 20 Proz. der Morphiumsucht 7 Prozent der Schwindsucht und nur 9 Prozent anderen Krankheiten oder der Altersschwäche Auffällig ist die große Zahl der Mediziner, die an dem übertriebenen Genuß von Morphium zugrunde gehen. Als Aerzte kennen sie die furchtbaren Wirkungen des schmerzstillenden Giftes besser als andere Menschen, aber sie zögern doch nicht, es oft und immer wieder anzuwenden, um Schmerzen zu betäuben, bis sie schließlich den Folgewirkungen des Morphiums erliegen.
— Em Bienenschwarm in der Badeanstalt. Am Rigaischen Strande bei Astern, so schreibt man aus Petersburg, ereignete sich ein ttagikomischer Unfall, der eine wahre Panik hervorrief. Ein Bienenschwarm zog längs des Wassers dahin und ließ sich plötzlich in einer Damenbadeanstalt nieder. Die erschreckten Frauen taten das Unvernünftigste. Sie suchten nämlich mit Leinentüchern und Bademänteln die Tiere zu ver- scheuchen und zerstreuten nur dadurch die erschreckten Tiere, die sich angegriffen glaubten und sich zur Wehr setzten, indem sie die einzelnen Damen atta- kierten und sich in deren nassen Haaren verkrochen. Die meisten von ihnen trugen zahlreiche Stiche davon, und bald erhob sich ein derartiges Zetern und Hilfegeschrei, daß man ein schweres Unglück ver- muten mußte. Badewärter eilten zur Hilfe herbei. Doch die Schützer konnten wenig ausrichten, sie trugen selbst Stiche davon und halfen schließlich den Dame» zu--schreien. Erst nach langem
Bemühen wurde man den Schwarm von Bienen los. Alle stiegen nämlich in das Waffer und tauchten unter. Eine Stunde später trauten sie sich erst in die Kabine zurück. Zu gleicher Zeit ereignete sich ein ähnlicher Vorfall, der beweist, daß die Bienen, wenn man sie richtig behandelt, ganz ungefährliche Tiere sind. Ein anderer Schwann ließ sich nämlich auf dem Kopse eines Feldhüters
nieder, in dichter Masse sein ganzes Gesicht bedeckend. So, mit dem Schwarm auf dem Kopfe, ging der Feldhüter zu einem benachbarten Bienenzüchter, der ihm das Volk abnahm und es in einen Bienenkorb brachte. Keine der Bienen hat bei dieser die Zuschauer seltsam anmutende Szene den Mann gestochen. J.
— Der Bedarf an Gummi wächst außerordentlich rasch, weit rascher als die Erzeugung. Man hat zwar schon vor einigen Jahren neue Gummibaumpflanzungen in verschiedenen tropischen Gegenden angelegt, aber diese Bestände werden erst in einigen Jahren ertragfähig sein. Bis dahin wird auf dem Markt zweifellos ein empfindlicher Mangel herrschen; es ist daher nur natürlich, daß man sich bemüht, den Kautschuk künstlich herzustellen, ähnlich wie dies bei dem bekannten Farbstoff Indigo schon vor einigen Jahren gelungen ist. Nach einem Vortrag, den Prof. C. Harries im österreichischen Architekten- und Ingenieur-Verein hielt, scheint man jetzt dem Ziele nahe zu fein. Ein von Dr. Fritz Hofmann ausgearbeitetes Verfahren liefert ein Produkt, das in jeder Beziehung dem natürlichen Kautschuk ent- spricht, es ist genau so zäh und elastisch, aber, und das dämpft die Freude gewaltig, sehr teuer, teurer als der beste natürliche Kautschuk. Vielleicht gelingt eine wesentliche Verbilligung, so daß die Erfindung auch praktische Bedeutung gewinnt.
~ Gewehrkugeln aus - Waffer. Im allgemeinen gelten Blei und andere Ntetaüe als einzige Stoffe, aus denen Geschosse angefertigt werden können. Gewehrkugeln ans viel weicheren Substanzen sind jedoch ebenfalls imstande, zerstörende Wir- kungen hervorzurufen. Eine amerikanische Zeitschrift bringt Abbildungen von Holz- und BleipÄten, auf
,"nt Gewehren gefeuert wurde, die nicht mit Bleikugeln, sondern mit Kugeln aus Wasser geladen waren. Das Wasser wurde in einer gewöhnlichen Patronenhülse mit der üblichen Pulverladung zwischen zwe, dünne Wachspftopfen eingeschlossen. Dann wurde aus entern Abstande von 10 Zentimetern ein metjr als zollstarkes Brett beschossen, und die Wasser- kugel durchschlug es glatt. Noch leichtere Geschosse, nämlich Pftopfen aus fettgetränktem Filz, riefen