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monatrbeSager „Zuldaer GeschichtsblAter"
lti»ftee:Hte et» ^paltigepetitreileoder deren 8<ram rs pfg. BeNamendiepetitzeUe 25 Pfg., bei wieder- Holungen wird entfpr. Babatt gewährt.
BotatkonrdrnSund Verlag der Luldaer Bf« tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.
Jtf 141. Erstes Blatt.
Fulda, Donnerstag den 23. Juni 1910.
37. Jahrgang.
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treu« evangelisch« Christen zu bekennen, freudig benutzten! DaS würde dem Papste und unfern katholischen Mitchristen mehr Respekt einflößen, al- alle Resolutionen, die doch in der Luft verhallen! ... Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß es
$>er Wcrmppv.
Roman von Fergus Hnme. Autoristert« Bearbeitung 4] von C. Weßner.
, „Des Mörders? Wissen Sie benn, ob ein Mann das Verbrechen beging?"
„Ra, eine Fmn kann doch nicht so starke Nerven haben, so 'was zu tun. Aber man kann nicht wissen"
„Warum wurde er wohl ermordet, Herr Prest?" „Mell er ein Blutsauger, ein Betrüger, ein alter, scheußlicher Vampyr war!" rief der Schreiber heftig. '„Ich wundere mich bloß, daß er nicht schon längst ermordet worden ist. Er hat eine Unmenge Menschen an den Bettelstab gebracht und trotzdem konnte ihm daS Gesetz nichts anhaben."
Olga überlegte eine Weile. „Herr Prest", sagte sie dann, „würden Sie mir wohl einige Informationen geben?"
Mit Vergnügen, Fräulein, wenn ich imstande bo$u bin."
»Ich möchte verschiebenes inbezug auf einen Oberst Holder fragen."
Der Schreiber schüttelte energisch mit dem Kopf -Oh, der hat's nicht getan! Der arme Kerl ist ja tot — er hat sich erschossen, well der alte Vampyr ihn um sein ganzes Vermögen beschwindelt hat."
„Mein Gott, ich dachte es mir!" murmelte Olga „Er war mein Vater!'
« P/est sprang empor. „Ich bitte um Verzeihung, Fraulem, sagte er bestürzt, daß ich Ihren Vater einen armen Kerl nannte. Er war ein Ehrenmann durch, hat mir manche» Geldstück bi die £anb gebrudr. ^ch habe ihm manchen gutgemeinten wnltt- Kirby fern zu halten, aber er
wEe durchaus nicht auf mich hören-" Olaö^Ä^ 5^en es gut gemeint", versetzte S&ÄaS' m,ln “ sw“ * «° b-. ^än'd?°si^Erlich - wie jeder, der Kirby in die Vänbe fiel. Unser Bureau war wirklich das reine
um diesem angeblich einen Gefallen zu erweisen! Gleich darauf stiegen sie wieder und der Vampyr verkaufte sie mtt großem Gewinn. Das erfuhr der Oberst und machte ihm eine Szene. Inzwischen waren auch die anderen Gesellschaften verkracht, von denen Ihr Herr Vater Papiere besaß und Kirby beschlagnahmte das gesamte Besitztum des Obersten. Er verkaufte die Besitzung und die Papiere — na, wenn ich an des Obersten Stelle gewesen wäre, ich hätte dem alten Schuft damals eine Kugel durch die Rippen gejagt"
„Konnte denn nicht das Gesetz —'
„Ach, du lieber Himmel, was denken Sie sich benn, Fräulein! Der Vampyr blieb immer auf der rechten Seite des Gesetzes. Der kannte die einzelnen Paragraphen besser al» jeder Richter. Ich wundere mich gar nicht, daß endlich einer das Gesetz selber in die Hand genommen", fügte Prest hinzu, „und den Scharfrichter gespielt hat. Und ich hoffe und wünsche von ganzem Herzen, daß derjenige nicht gefunden wird, der diesen Akt der Revanche ausübte."
Fräulein Holder echob sich, um zu gehen. Der Schrnber starrte sie mit bewundernden Augen an Plötzlich kam dem jungen Mädchen ein Gedanke Sie hätte gern die Papiere gesehen, die sich auf die Angelegenheit ihre» Vaters bezogen Melleicht konnte sie dieselben durch Prest «dangen, wenn sie diesem eine angemessene Summe zahlte.
Herr Prest. es ist möglich, daß ich Sie nochmals sprechen mochte, würden Sie mir woH Ihre Adresse geben?"
»Mtt Vergnügen, Fräulein," versetzte der Schreiber hastig, ein Matt aus feinem Notizbuch reißend Nach einigen Augenblicken händigte er ihr dieses ein auf welchem stand: Chelsea, Blumenstratze, Villa Mana. Olga nahm das Papier, faltete es zusammen und steckte es in ihr Portemonnaie. Dann reichte sie Prch die Hand. „Ich danke Ihnen herzlich, Herr Prest. Adieu."
„Adieu, Fräulein", antwortete der Schreiber, chüchtem ihre Hand ergreifend, denn er war in (Segen- wart dieser königlichen Erscheinung nervös geworden. „Wenn Sie mich rufen, komme ich sofort."
„M a ch e" sei. Während die katholischen Gotteshäuser immer gedrängt voll find, findet sich fast in allen evangelischen Kirchen an gewöhnlichen Sonntagen meist noch viel leerer Raum .... Und doch kann man in unserem lieben Heffenlande verhältnismäßig mtt dem Kirchenbesuch noch zufrieden fein; in den Gegenden, in welchen Luther gelebt und gewirkt hat, fieht's noch viel trauriger aus. Selbst ein Mann wie Dietrich Vorwerk predigt sonntäglich meist nur vor 15 bis 20 erwachsenen Zuhörern. Unsere leeren Gottes»
Häuser zeugen gegen uns und geben dem Papste wenigstens den Schein des Rechtes, uns vor aller Welt al» „Feinde desKreuzes Christi" hinzustellen. Sehr gern würde ich be» reit sein, eine etwaige Dankadresse an den Papst mit zu unterzeichnen, wenn seine Verunglimpfung der Reformatoren und der evangelischen Kirche dazu dienten, die große Masse der evangelischen Christen aus ihrer Gleichgiltigkeit aufzurütteln. So aber gehen wohl die meisten Teilnehmer mtt dem Bewußtsein weg, eine große Tat getan zu haben, denn sie haben ja Bravo! gerufen und ihre Zustimmung zur Resolution gegeben. EinenGewinn fürden inwendigen Menschen, eine Stärkung ihres Glaubenslebens nehmen sie nicht mit nach Hause; ste schlafen als gute deutsche Michel ruhig weiter, es bleibt alles beim Alten.
In Treysa nahm eine Protestversammulng eine Resolution an, die sich in starken Worten über die Enzhkltta entrüstet und nichts weniger forderte, als daß der preußische Gesandte beim Vatikan abberufen werde, und päpstliche Erlasse ohne Genehmigung der Staatsregierung nicht veröffentlicht werden bürfen. Ein Hauptspektakelmacher ist Sic. Bräunlich, bet Generalsckretär des ©banget. Bundes. Gegenwärtig bereift er „im Interesse des konfessionellen Friedens" das Ruhrrevier und hält eine Brandrede nach der an- bem. InHerne führte er u. a. in bet evangelischen Kirche aus:
Dem Zentrum geht die Enzyklika wider den Strich, da es auf dem besten Wege war, wieder zur Herrschaft zu gelangen. Wir brauchen wieder einen Bismarck . . . Im Landtage hatte das nur auf Grund von religiösen Fragen zustandegekommene Zentrum zu behaupten gewagt, wir mischten uns in innerkirchliche Verhältnisse. Es ist hohe Zeit, daß diese Bildung in Deutschland wieder verschwindet zugunsten einer Parteiung, die wirklich nur deutsche Interessen wahrnimmt.
Sagt nun aber später jemand, in evangelischen Gotteshäusern sei Politik getrieben worden, bann wird die nationalliberale Presse ttotz der Bräunlichschen Rede in den höchsten Tönen über „ultramontane Verlogenheit" usw. weitem — In Offenbach hatte sich Bräunlich bekanntlich schon vorher produziert. Seine bärtige Rede war ein Erguß von Hohn und Spott über die preußische Regierung und den Reichskanzler, von Verdächttgungen und Beschimpfungen des Papsttums, von SßcamgTimpfungen der katholischen Presse und deS Zentmms. Bei Vedesung des beanstandeten Telles der Enzyklika leistete et sich die ungezogene Bemerkung, vielleicht glaube der eine ober andere, daß bei Abfassung dieser Stelle „der Hl. Vater vielleicht einmal seiner Sinne nicht ganz mächtig gewesen" sei. Weitet wünschte Bräunlich einen stacken Reichskanzler, der wie Bismarck dem Vatikan wieder einmal die Stirne zeigt. Kein Hohenzoller dürfe mehr >as Haus des Papstes betreten, der preußische Ge- anbte am päpstlichen Stuhle müsse abberufen werden, •a wir ja auch beim Oberrabiner keinen Gesandten unterhielten. Seine politische Schlußmachung, das Zen- trum im politischen Kampfe nicht mehr zu unterstützen, wurde schon gebührend hervorgehoben.
Eine besondere Rolle in dem Entrüstungsspek- takel spielen die Burschenschaften. In Er- langen haben sie zu der Protestversammlung den Anstoß gegeben, und wie der .Fränkische jfuriet' meldet, ist
aus Anlaß der Borromäus-Enzyklika an sämtliche deutschen Burschenschaften durch die präsidierende Burschenschaft „Arminia" in Würzburg ein Schreiben versandt worden, in dem „vom rein nationalen Stand- < punkt" (!) aus ländliche deutschen Burschenschaften i aufgefordert werden, „Versammlungen aller national gesinnten Studenten an chren Hochschulen einzuberufen".
(■5 Der Rummel geht weiter. Ja, vielfach kommt die „Entrüstung" erst jetzt mit Vehemenz zum Ausdruck, nachdem der Grund zur Aufregung durch den Notenwechsel mit dem Vatikan beseitigt ist. Man hat eben erst vorher tüchtig und lauge einheiz en müssen, ehe die protestantische Volksseele ins Kochen gekommen ist.
Indessen beginnt man auch auf protestantischer Seite, sogar unter den Mitgliedern des Evangel. Bundes, allmählich den Kopf zu schütteln über die unfruchtbaren, höchstens parteipolitisch beachtenswerten endlosen Protestierereien. Ein evangelischer BÜndler, der in Kassel der Protestversammlung auf der Knallhütte beigewohnt hat, erklärt in der „Hess. Post", daß er unbefriedigt von bannen gegangen sei. Er schreibt:
Ich hatte gehasst, daß man den schlimmsten Vorwurf, welchen der Papst den Evangelischen macht, gründlich widerlegen würde. Der „heilige Vater", wie ihn die Katholiken nennen, bezeichnet nämlich die Reformatoren und ihre Anhänger alS „Feinde des Kreuzes Christi." Da halte ich erwartet, daß die Herren Redner die willkommene Gelegenheit benutzen und vor der großen Versammlung ein begeistertes und begeisterndes Zeugnis ablegen und sich zu dem „Kreuze Christi" als dem einzigen Grunde unsrer Seligkeit bekennen würden. Aber in dieser Erwartung sollte ich mich bitter getäuscht sehen. Man begnügte sich mtt Protesten, die dem Oberhaupte der katholischen Küche nicht die geringsten Kopfschmerzen verursachen werden. Wie eindrucksvoll wäre
Spinnen- und Fliegengeschäft. Der alte Kirby war bie Stiinne und was für eine! Er bot bem Obersten Aktien von Goldminen an."
„Ja, ja, Wetter, weiter!"
Prest kratzte sich hinter'm Ohr. „EigenÜich bürste ich das nicht erzählen, Fräulein; aber Sie haben so was merkwürdiges an sich, baß man Ihnen alles sagt. Jta, bet Alte ist tot, bet kann mit nichts mehr anhaben. Also es wat ein ganz gemeiner Schwindel. Ich sprach von Goldminen, aber da waten auch noch andere Geschichten, Grundstüötzspekulationen und Gesellschasten die medizinische Patente und dergleichen Zeug auS- nutzen wollten. Kirby hatte immer solche Geschichten bet der Hand; manche waren gut, manche schlecht - aber ob gut ober schlecht, Kirby schlug immer Geld oabet heraus.
_ -ErAlm Sie mir doch von meinem Vater Herr Prest. Wo lernte et Kirby kennen?"
„3a Fräulein, das weiß ich nicht. Vielleicht hier gibt ja immer große Gesellschaften unv Tente x/ttters-
Achtete sich in die Höhe. .Ich verstehe nicht, was Sie damit sagen wollen."
.'Na, da« sage ich Ihnen, Fräulein, trauen Sie tbr ja nicht! Also, wo der Vampyr den Obersten ken- ich nichtt Er kam in unser Bureau Ud der Alte erzMe chm von ben Goldminen in West-Australien. Ich wußte, daß es Schwindel wat aber — '
»Sie hätten meinen Vater warnen sollen"
„Und dadurch meine Stelle verlieren? Nein, das konnte ich nicht. Ich gab ihm verschiedenemale Winke et beachtete sie jedoch nicht Et war seht eigensinnig bet alte Herr. Et kaufte also eine Menge dieser Goldminenaktien und sie gingen auch wirklich in die Höhe Da wollte er veckaufen,Kirby riet ihm jedoch davon ab Dann ergriff den Obersten die Spckulationswut und er kaufte immer nette Aktien von patentierten anderem Mumpitz, bi« fein Geld alle wat Dann lieh ihm Kirby größer« Summen zu hohen Zinsen — fünfundzwanzig Prozent und mehr. Ja, ja. Sie können'» mit glauben! Dann fielen die Aktien der Goldminen und Kirby kaufte sie Ihrem Baier ab — natückich bloß,
es gewesen, wenn die große Versammlung sich einmütig erhoben und ... sich zu Christo dem gekreuzigten und auferstandenen und zur Recht enGo tt eSe rhöhtenHeiland bekannt hätte. Ein Freund, dem ich von dem wenig befriedigenden Berkaus der Protestversammlung Mitteilung machte, meinte r Ach, wenn doch die Herren Protestler lieber einmal in die Kirche gingen und jede Gelegenheit, sich durch Wort und Tat als
b Nachklänge z« der Auseinandersetzung wegen der EnzhUika.
An der Spitze der „Nordd. Allg. Ztg." tritt heute die Staatsregierung in einer offiziösen Auslassung den „Zweifeln" entgegen, die von einem Teil der deutschen Presse „unter Berufung auf Veröffentlichungen vatikanischer Blätter" gegenüber dem Erfolg der diplomatischen Aftion erhoben worden sind.
Herr v. Bethmann-Hollweg läßt hervorheben: Durch nachträgliche Kommentare könnte« weder die Klarheit noch die politische Bedeutung der Erklärungen, die von dem päpstlichen Staatssekretariat dem preußischen Gesandten schriftlich und mündlich gegeben worden seien, verdunkelt oder abgeschwächt werden. — Gewiß ist es richtig, daß Preßartikel gegen amtliche Kundgebungen nicht aufkommen können. Soweit es sich im vorliegenden Falle um Zeitungsveröffenllichungen handelt, die mtt Grund als „vatikanische" angesprochen werde« dürfe«, ist die Absicht einer Verdunkelung oder Abschwächung durchaus nicht erwiesen. Es handelte sich vielmehr um die Abwehr und Berichtigung gegenüber den Versuchen gegnerischer Blätter, durch tendenziöse Uebertreibungen und Entstellungen das entgegenkommende Verhalten de8 hl. Stuhles als eine Verleugnung seiner Grundsätze und einer Preisgabe seiner Würde hinzustellen. So wurde z. B. aus dem Verzicht auf die Veröffentlichung der En- jyklika in ben deutschen Diözesanblättern und von >en deutschen Kanzeln nichts geringeres gefolgert, lls die volle Zurücknahme, der glatte Widerruf des päpstlichen Rundschreibens unter dem Zwange der preußischen Drohungen. Ein so häßliches Echo der päpstlichen Friedensliebe nötigt natürlich die '„vaiikamsche" Presse, bte grundsätzliche Bedeutung der Einschränkung der Veröffentlichung auf das rechte Maß zurückzuführen und zugleich die Tatsache hervorzuheben, daß die Einstellung der weiteren Veröffentlichung in Deutschland schon vor den diplomatischen Schritten in die Wege geleitet worden war, als in Rom die überraschende« Nachrichten von der Erregung und Agitation in Deutschland eintrafen.
$n Bezug auf diesen Punkt sagt nun die neueste offizielle Kundgebung unserer Regierung:
„Für die Bedeutung dieses Schrittes (der Einschränkung der Veröffentlichung) ist es unerheblich, ob die päpstlichen Anordnungen schon vor der Erhebung der preußischen Forderung ergangen sind oder nicht. Der preußischen Regierung konme es nur auf die Tatsache der schleunigen Inhibierung der kircheuamtlickeu Publikation ankommen."
Dem können wir zustimmen, — wobei natürlich nur die kirchenamtliche Publikation in Deutsch, land gemeint ist. Das tatsächliche Entgegenkommen des hl. Stuhles verliert ntcht an Wert durch den Umstand, daß es aus eigenem Entschluß schon vor der Einbringung der Forderung erfolgt war. J"> Gegenteil, die friedliche Gesinnung des hl. Stuhles und feine Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an der Erhaltung des Friedens traten alsdann um w deutlicher hervor.
Wie notwendig es war, den herabwürdigenden Entstellungen und Trugschlüssen der kulturkämpfe- rrfchen Presse entgegenzutreten, kann man u. a. aus dem Umstande erkennen, daß noch heute in emem so angesehenen Organ wie der .Kreuzztg/ ein falscher Bericht des römischen Korrespondenten des ,Berl. Tagebl/ als „unverdächtige Quelle" .ehrenvolle Aufnahme findet, — obschon die Akten- Widrigkeit handgreiflich ist! Dieser Berichterstatter, dessen Fabulierkunst-uns schon längst bekannt war, schreibt unter viel Wichligtuerei:
„Am 8. Juni wurde die Note überreicht, aber erst am 13. Juni, als die Dinge sich bereits haarscharf zu gespitzt hatten und ein Bruck fast mwermeidlick schien, ließ die Kurie endlich Herrn v. Mühlberg wissen
Wen« in gewissen studentischen Kreisen etwa- vom „nationalen" Standpunkt au8 unternommen wird, kann man in der Regel daraus bauen, daß kulturkämpferssche Instinkte dahinter stecken, und die zünden bei den „nationalen" Kommilitonen allemal. Er ist daher wohl anzunehmen, daß die „natio» «alcn" Würzburger mtt ihrem Plane Anklang finden.
In Halle ist bereits von den Studenten beschlossen worden, sich an einem der nächsten Tage zu „entrüsten".
* Mächtig protestantisch gibt sich die ,granff. Ztg/, t an der in dieser Woche der Evangelische Bund seine . helle Freude haben muß. Wir lesen in Nr. 168:
»ES war ein kaum gut zu machender Fehler der preußischen Regierung, daß sie dem Komitee in die Arme fiel, welche? s. Zt. die Lutherkirche in Rom er- : richten wollte. DaS wurde als Schwäche des Protestantismus ausgelegt und wenn man die Enzyklika verstehen will, muß man das furchtsame Zurückweichen PreußenS in dieser Kirchenfrage mtt zur Erklärung heranziehen. Es gibt darum nur eine Antwort, welche dem Vatikan gegenüber in dem jetzigen Augenblick Wert hat: Man sammle sofort in Deutschland daS Geld, um die Lutherkirche in Rom zu errichten! Wie die Dinge heute liegen, wird die nötige Summe in wenigen Monaten zusammenkommen, zumal auch alle freien D e n k e r, die der Kirche längst entwachsen sind, die aber doch verstehen, daß die Reformatoren der Gedankenfreiheit zuerst eine Gaffe in der Welt gebahnt haben, ihr Scherflein beisteuern werden. Eine Lutherkirche in Rom, im Angesichte des Vatikans, Has wäre allerdings eine wuchtige protestantische Antwort aus bte BorromäuS-Enzyklika! *
Man ficht, bas liberale Jubentum kann ganz protestantisch schreiben, wenn es seinem altübeckommenen Hasse gegen bie katholische Kirche fröhnen kann!
O Ein evangelischer Protestfonds. Der Bremische Hauptveretn des Evangel Bundes, der Bremische protestantische Verein und der Evangelische Verein veranstalteten am Dienstag eine große Protestversammlung gegen die päpstliche Borromäus-Enzyklika. Die Einladung enthickt die Bekanntgabe, daß eS in dieser Versammlung nicht nur heißen werde, mtt einer Resolution gegen Rom zu protestieren, sondern daß eine „g r o ß e T a t getan" werden solle, zu der Bremen die echte Anregung und den ersten Anstoß geben wolle, eine „ernste heftige Tat, im Sinne Luthers", zu deren Verwirklichung bas ganze evangelische Deuchchland aufgerufen werden solle Die „große Tat", die nach donnernden Reden über „RomS Schmähung" und „Deutschlands Entrüstung" getan wurden, war die Begründung eines Protestfonds 1910 zur Erhaltung und Förderung deutscher Bildungsan st alten in katholischen Ländern und Provinzen. In einer Resolution wurde der Wunsch ausgedrückt, daß in der Gründung dieses Fonds ein dauemdes Denkmal an die „Erhebung bei deutschen evangelischen Volkes" geschaffen werde. Durch fteiwillige Gaben wurde sofort ein Grundstock in Höhe von 1000 Mack zu diesem Protestfond aufgebracht.
— Den richtigen Ton, der sich im Verkehr mtt dem Evang. Bunde ziemt, hat der Herzog von Meiningen in einer Antwort auf ein von dem Saalfelder Zweigverein ihm gesandtes Telegramm gefunden. Die Antwort des Herzogs lautete: „Empfangen Sie meinen Dank für den mich erfreuenden Gruß der Protestversammlung gegen die Schmähungen, welche die päpstliche Kurte, be« angen in mittelalterlichem Geiste, sich erlauben zu können geglaubt hat. Georg."
* Früchte der Enzyklidl-Hehe. Der „Voffischen Zeitung" wird au3 Dresden gemeldet: „Gelegentlich der Anwesenheit de» sächsischen Bischofs, Dr. Schaefer, zur Firmung in Annaberg erfolgte eine Kundgebung. Nachts wurden Girlanden und Straßenschmuck zerstört." — Kommentar überflüssig.
Olga fragte sich, ob sie ihm Geld schenken sollte. Aber ste fürchtete ihn zu verletzen, so verneigte ste sich , nur nochmals und verließ das Zimmer _ 5113 ste durch den Hausflur schritt, hörte ste van 'Selma, daß es Frau Kirby besser ging. In Gedanken versunken ließ sie die Ereignisse des heutigen Tages nochmals vor ihrem Geiste vorüberziehen. Was ste Lena nicht vergeben konnte, war die Tatsache, daß diese sie inbezug auf den Vampyr wrffenftich getäuscht hatte. Schließlich durfte ste in dieser Beziehung auch wiederum nicht zu engherzig denken, denn sie konnte doch nicht erwarten, daß eine Frau die Schlechtigkeiten ihre» eigenen Mannes einaeftanb. Trotzallebem suhlte Olga, daß sie Frau Kirby nicht vertrauen dürfe, und sie beschloß, sie nicht wieder mchusuchen. Ar erster Besirch sollte auch ihr letzter sein. Und dennoch bereute Olga ihren Morgenbesuch nicht, hatte sie dadurch doch den Namen jenes Mannes erfahren der chren armen Vater ins Unglück gestürzt.
In West-Kensington angelangt, begab sie sich sofort nach Hause Sie fand die Mutter mtt häuslichen Arbeiten beschäftigt, denn die von ihrer Höhe herab- gestürzte Frau Holder tat ihr möglichstes, den Heinen Haushalt ohne Hilfe eines Mädchens so gut wie möglich in Ordnung zu halten.
Frau Holder war eine liebenswürdige, alte Dame, klug, statüich und würdevoll, mit weißem Haar und glänzenden, schwarzen Augen. Man sah auf ben erste« Blick, daß Olga ihre Schönheit von bet Mutter geerbt Sogar in ihrem einfachen, schwarzen Kleid und der Küchenschürze machte Frau Holder den Eindruck einer vornehmen Dame Jetzt begrüßte sie die unerwartet heimkehrende Tochter mit Freude und Erstaunen
„So früh habe ich Dich nicht erwartet, lieb« Kind", begann ste. „Aber ich freue mich, daß Du da bist"
„Hast Du viel zu tun, Mutter?" fragte Olga, ben Hut absetzend.
„Jetzt nicht mehr. Ich bin soeben mtt meiner Arbeit fertig und wollte bie Zeitung lesen, als ich Dich Hingckn hörte. ES ist doch nichts unangenehmer passiert?" .
(Fortsetzung folgt)'
baß der Papst bie Verkündigung der Enzyklika formell „verboten" habe."
Dieser Datum bes IS. Juni bilbet ben Angelpunkt bet ganzen Enthüllung beS liberalen Korrespondenten; erst am Nachmittag dieses 13. Juni soll baS „unerhörte Ereignis" bet entscheidenden „Sitzung bet hervorragendsten Karbinäle" stattgeftmden haben, wobei auch bie „schärfsten Proteste vorn beutschen Zentrum unb bei deutschen Prälatur" auf ben „Rückzug" eingewirkt haben sollen. Nun steht aber aktenmäßig fest, baß bte Einstellung bet weiteten Veröffentlichung bereis am 12. Juni bem preußischen ©efanbten amtlich mitgeteilt worben ist. DaS wat schon in bet ersten halbamtlichen Mitteilung vom 15. Juni zu lesen, unb wirb in bem neuesten Artikel bet ,Nordd. Allg. Ztg.' bestätigt. Das falsche Datum, baS bet Korrespondent beS ,$BetL Tagebl/ so großartig ausbeutet, bilbet baS verhängnisvolle Loch in bieset aufgeblasenen Pneumatik.
Dies« Besspiel beleuchtet recht deutlich, baß bie „vatikanische Presse" sich in bet Defensive befanb, unb bie Gefahr für baS Friebenswetk von bet libetalenPrefle ausging. Unser „Evangelischer Bunb" war bekanntlich zur Fortsetzung bet Hetze um jebeu Preis unb also auch zur Verdächtigung jedes päpstlichen Entgegenkommens entschlossen, ehe die „vatikanische Presse" nur em Wort gesagt hatte» Wo die Friedensfeind« sitzen, bie ben konfessionellen Zwist behufs parteipolttischet Ausbeutung verlängern unb verschärfen wollen, ist boch mittlerweile klar genug geworben.
Die Regierung hält in bet Hoffnung fest, baß „bet Abschttlß bei Konfliktes das evangelische Em- pstnben befriedige". Wit wünschen eS auch; aber es gibt Leute, die sich durchaus nicht befriedigen lassen wollen.