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Monatsbellage: „8llldaer SeschichtMatter"

erscheint täglich mit Anmahme ö«r §0M- «ichFeiertaseviertel- jSHAiche?v«Mgrpreir ohne vringerlohn und Vestellgeld in Zulda so­wie aurwärtr s.S« Mk.

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üotationsdruckund Verlag der Fuldaer Rt- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Kr. 9.

M 13). Erstes Blatt.

Fulda, Dienstag den 21. Juui 1910.

37. Jahraanst.

+ Wem foll die Enzyklikahetze dienen?

Tie Erwartung, daß nach dem versöhnlichen Entgegenkommen der Kurie der Streit um die Enzyklika auch seitens der evangelischen Bevölkerung als erledigt angesehen werde und die schwere Ge­fahren für unser Volk in ihrem Schoße bergende Bewegung durch den festen Willen beider christlichen Konfessionen beruhigt werde, um de» Frieden zu wahren Md die konfessionellen Streitigkeiten aus dem Polltischen Kampfe auszuscheiden, hat sich nur zu einem Teile erfüllt.

Wir können leider nicht sagen, daß wir durch diese Erscheinung überrascht worden seien. Wenn si>lr aber trotzdem die Hoffnung hegen, daß der hier ^unzweifelhaft vorhandene böse Wille nicht die erhofften Früchte tragen werde, so deshalb, weil man auch in ernsten evangelischen Kreisen die wahren Beweggründe erkennt, welche der Fortsetzung der Enzyklikahetze zu Grunde liegen. Die,Kreuzztg.' (Nr. 281) gibt dieser Erkenntnis offenen Ausdruck, indem sie in ihrer Wochenrundschau fest stellt:

„Ernsthaft wird von keiner Seite mehr bestritten, daß der durch den Reichskanzler und Ministerpräsidenten v. Belhmann-Hollweg emgeleiteten diplomatischen Aktion beim Vatikan wegen der Borromäus-Euzyklika ein voller Erfolg beschieden gewesen ist. Es mag stcherlich denjenigen Stellen, die sich konsequent befliffen zeigten, de» leitende» Staatsmann im Reiche und in Preußen als unentschlossen und tatenlos in der öffent­lichen Meinung herabzusetzen und ihn gewissermaßen nur als Platzhalter auszugeben, schwer gefallen sein, das entschlossene und tatkräftige, darum auch erfolg­reiche Vorgehen des Herrn v. Belhmann-Hollweg an­zuerkennen. Vielfach ist diese Anerkennung auch mit reichlichen Vorbehalten und Nörgeleien begleitet gewesen. Man konnte diese Erscheinung namentlich 'm der nationalliberalen Presse beobachten tmd daraus ent- hehmen, daß von jener Seite der Schwerpunkt der ranzen bedauerlichen Angelegenheit nicht auf die ent­schiedene und erfolgreiche Abwehr der von dem Ober- saupte der katholischen Kirche den Evangelischen zuge- ügten Beleidigungen, sondern darauf gelegt wird, die -onfessionetle Erregung möglichst lange ^ach zu erhalten und ans ihrparteipoki tisch es Kapital zu schlagen."

Dem nattonalliberalen Führer Dr. Paasche der auf dem rheinischen Parteitag der National- liberalen in Krefeld die Enzyklika ein .Glück für die politische Lage", nach anderen Berichten »für das protestantische Delttschkand nicht ein lln- glück, sondern ein Glück" genannt hat, hält das konservative Blatt entgegen:

„Aus dieser Auslassung spricht sehr deutlich die unverwüstliche Kampsnatur des früheren zwecken Reichs­tags-Vizepräsidenten, aber auch eine herzerfrischende Offenheck. Was Herr Paafche hier ausfpricht, denken im Stillen viele seiner Parteigenossen. Aber staats­männische Gesichtspunkte, die srüher bei der national- liberalen Parteileitung die vielgerühmte Hauptrolle spielten, wird man darin vergebens suchen. Dr. Paasche hat jedoch recht: Der Liberalismus hat die Borromäus-Enzyklika wie einen großen Glücks- f al! für seine arg verfahrene Lage begrüßt und aus- gemrtzt. Das Glück war aber auch diesmal leider nicht vollkommen. Die Enzyklika hat wohl das evau- gelffche Volk Deutschlands in eine gewaltige, macht­volle Erregung versetzt, aber auch zugleich in unzwei­deutiger Weise dem Willen beider christlicher Kon- f.sfionen zmn Ausdruck oerholsm, den Frieden zu wahren und die konfessionellen Streitigkeiten aus dem politischen Kampfe auszuscheideu. Damit ist den Liberalen, die heutzutage alles nur vom Standpunkte des Agitationsinteresses auS betrachten, nicht gedient. Und deshalb suche» sie noch immer die Euzy- kltka-„Affäre" als Agitationsmittel gegen — den „schwarz-blauen Bloch' zu konservieren."

Daß die schlaue Spekulation den Wationat- nalen trotzdem nicht den erwarteten Erfolg ^.ngen wird, müssen sie sich auch von der soziai- bEokra«'sch«n -Leip-P» Volkszeitung' sagen lassen, die (9Zr. 134) über dieses Kapitel schreibt:

„Wenn der sächsische König dir Absicht hatte, den konfejsionellen Frieden zu wahren, so wird diese Ab­sicht durch die bürgerlichePrefle frivol in ihr Gegen­teil verdreht. Die ganze Enzyklikaposse ist denn doch ein gar zu durchsichtiges Spiel — zumal, wenn man sich die Drahtzieher ansteht —, als daß sie au die Dauer jemanden über ihren wahren Charakter täuschen könnte. Nachdem der Liberalismus aus dem Bülow-Block hinausgesteckt worden ist, nachdem er durch seine feige, doppelzüngige Politik bei der Reichsfinanzreform, der preußischen Wahlrechtsbewegung und der Zivillistenerhöhung fich um jedes Vertrauen der Wähler gebracht hat, sieht er den kommenden Reichstagswahlen mit Grauen und Entsetzen entgegen. Er weiß, das große Fallbeil des allgemeinen Wahl­rechts wird ihm die Kehle abschneiden. Was Wunder, daß dieser konfiszierte Mohrenschädel nach jedem Stroh­halm greift! Und da fiel ihm die Schrmpfepistel des Papstes wie Regen auf dürstenden Wüstensand. Das war Manna vom Himmel! Und nun wurde getrommelt in Deutschlands Gauen, daß alle Kalbs­felle platzten . .

In eine noch intereffantere Beleuchtung wird die Enzyklikahetze gesetzt durch einen Artikel, den wir in der „Kreuzzig." an einer anderen Stelle in der genannten Nummer finden. Der niederländische Korrespondent des Blattes berichtet über den Ver­lauf des Enzyklikastreites in Holland und schreibt da n. #.:

Während nun die konservativen Protestanten ihrer Entrüstung über die Borromäus-Enzyklika Ausdruck verliehen, ohne die Angelegenheit in das politische Ge­biet hinüberzuspielen, in das sie nicht gehört, erblicken die Oppositionsparteien in der Kundgebung des Papstes Pius X. lediglich ein Mittel, die katholisch­konservative Regierungs-Koalition zu sprengen und im Anschluß daran die Herrschaft im Lande an sich zu reißen. Selbst die Sozialdemo­kraten, die das ganze Jahr hindizrch über die Reli­gion spotten, fühlen sich plötzlich durch die Borromäus- Enzyklika beleidigt und fordern, daß das Ministerium Heemskerk die Allianz mit den Klerikalen brechen solle. ... Da der Ministerpräsident natürlich keine Miene macht, die klerikale Kammerfraktion, die er nicht ent­behren kann und die ihrerseits doch auch nicht für das Werk der Kardinäle Tuto und Merry del Bal ver­antwortlich ist, abzuichütteln, so hat der liberale Abg. Vandoorn eine Kammeranfrage an die Regierung gerichtet. Der Ministerpräsident Dr. Theodor Heems- keerk hat sich zur Beantwortung bereit erklärt und so werden wir auch in dem niederländischen Parlament demnächst eine lebhafte Enzyklika-Debatte erleben. Die Taktik der Opposition ist von vornherein klar. Es wird furchtbar auf den Papst geschimpft werden, um die Klerikalen zu reizen und um andererseits die Re­gierung zu veranlassen, etwa für den Papst einzutreten, um damit den llerikalen Verbündeten zu Hilfe zu kommen. Mck dieser »Felonie' wird sich dann vor der konservativen protestantischen Wählerschaft vielleicht er- stkgrekch km-liberalen Sinne operieren lassen.

Man braucht nur einige Namen zu ändern, dann paßt der Bericht ganz genau auch für Deutschland.

Im Anschluß hieran noch ein paar Belege dafür, daß Liberalismus und Evangelischer Bund in un­geniertester Verquickung von Politik und Religion aus der Hetze gegen die Enzyklika po.itisches Kapital zu fchlagen suchen. Auf einer Proiest- versammlnng des hessischen Goethebundes, die in Darmstadt stattfand, sagte Reallehrer Dr. Strecker-Bad Nauheim nach dem Berichte der «Franks. Ztg.' (Nr. 167):

„Es handelt sich nicht um eine Angelegenheit der Diplomatie, die mit einigen Schriftlichkeiten zu erledi­gen ist, sondern der Protest richtet sich gegen die An- fchauuugen, die in der Enzyklika zum Ausdruck kommen. Er richtet fich gegen die politische Partei, für die diese Anschauungen Prinzip und man kamt sagen, Kalechismuslehre sind. (Stürmischer Beifall.)'

In Offenbach erklärte auf einer vom Zweig- verem des Evangelischen Bundes veranstalteten Protestversammlnng gegen die Borromäus-Enzyklika der Referent, Generalsekretär des Evang. Bundes Lic. Bräunlich-Halle:

Mit dem von der preußischen Regierung erzielten Scheinerfolg könne man sich nicht zusriedengeben. Die

Abberufung des Gesandten beim Vatikan muffe ver­langt werden. Kein Zentrumsmann und auch kein Schleppenträger des Zentrums dürfe von deutschen Protestanten mehr gewählt werden.

Die Angst, die Wirkung der liberalen Hetze könne bis zu den nächsten Wahlen nicht mehr vor­halten, bringt die liberalen Herren auf allerhand kuriose Ideen. Eine der kuriosesten davon ist sicher­lich die der Magdeburgischen Zeitung', die dem Reichskanzler zuredet, er möge sich überlegen, „ob nicht, da ein Ausgleich der politischen Gegensätze doch nicht mehr zu erwarten ist, ihr baldiger Aus­trag durch allgemeine Reichstagswahlen zu wünschen wäre." Die Nationalliberalen können demnach, wie es scheint, die Reichstagswahlen nicht mehr erwarten, sondern möchten den Reichstag am liebsten sofort aufgelöst sehen. Die Aus­peitschung des furor protestanticas mit der Enzyklika — hu, das wäre eine Wonne für jedes liberale Herz! In ihrer rabiaten Stimmung über­sehen die liberalen Herren nur, daß nicht fie, fondern die Sozialdemokratie die Früchte ihrer Hetze ernten würde. Siehe Usedom-Wollin und Friedberg- Büdingen !

* Wiesbaden, 20. Juni 1910. Auch wir haben nunmehr unsere beiden Protest Versammlungen gegen die Borromäus-Enzyklika hinter uns. Die eine war von freidenkerischer, die andere von prote­stantischer Seite einderuken. Was besonders bei der ersten zusammengeschimpft worden ist, kann man sich denken, wenn man bedenkt, daß ein durch richterliches Urteil zum Fanatiker gestempelter Prediger der Hauptredner war. Die zweite Ver­sammlung nahm einen ruhigen Verlauf.

Deutsches Reich.

ö Ter Ministei wechsel findet in der Presse eine eingehende Erörterung. Em ausrichtiges Bedauern über den Abgang der beiden Minister ist eigentlich an keiner Stelle zu merken. Der ,Reichsbote' meint: „Als eine System­änderung kann dieser Ministerwechsel nicht an­gesehen werden, sondern nur als der Anfang einer kraftvolleren Regierung, die ja überall gewünscht wird." Es ist zweifellos, daß die beiden neuen Minister bedeutendere Persönlichkeiten sind als ihre Vorgänger. Beide haben in ihrer früheren Anwalts- tätigfeit sich ausgezeichnet bewährt und sind speziell Ar die ihnen übertragenen Ressorts vorzüglich qualifiziert. An Herrn v. Schorlemer, der ein „unpolitisches" Ministerium leitet, interessiert ins­besondere sein katholisches Glaubensbekenntnis und eine feindliche Stellung zum Zentrum. Der,Berl.

Lokal-Anz/ läßt sich aus Köln melden:

„In rheinischen Parteikreisen wird die Ernennung des Frhrn. v. Schorlemer zum Landwirtschaftsminister deshalb als direkte Konzession an dasZentrum betrachtet, weil dieses nunmehr frohlocken könne, den ihm häufig unbequemen Mann von der Spitze der rheinischen Berwaltnngsgeschäste abberufen und in eine Stelle desördert zu fehe», in der er weniger hervor­treten, weniger antiklerikale Politik treiben kann als bisher, vornehmlich aber als im Ministerium des Innern, das zu bekleiden er früher mehrfach ausersehen war. In Zentrumskreisen wird denn auch die Be- fetzung beider Ministerien durch den Frhrn v. Schor- lemer und v. Dallwitz lebhaft begrüßt und ausdrück­lich der Krone und dem Reichskanzler bescheinigt, daß beide Teile bei Auswahl der neuen Männer eine glück­liche Hand bewiefen. Die Stellung der preußischen Regierung werde durch Eintritt von zwei solch' her­vorragenden Persönlichkeiten emen wesentlichen Zu­wachs an Stärke und Ansehen gewinnen. Bon beiden Ministerien erwartet man, daß bei Besetzung hoher Beamtenstellen mehr als bisher katholische Anwärter berücksichtigt werden.'

Zu dieser Meldung scheint uns wahres und affches geschickt gemischt. Daß die Ernennung des Serrn v. Schorlemer zum Minister einen „Fteund- fchaslserweis' gegenüber den Zentrum bedeute,

ist allerdings ein etwas grotesker Gedanke; wir glauben, daß man Herrn v. Bethmann sehr unrecht tut, wenn man ihn derartiger Beweggründe be­zichtigt. Die ,Germania' präzisiert die Stellung­nahme des Zentrums den beiden neuen Männern gegenüber zutreffend dahin:

„Wir unsererseits können nur wiederholen, daß uns die Ernennung eines Katholiken, wenn er auch Zentrumsgegner ist, mit Befriedigung erfüllt. Wird doch dem katholischen Bolksteil einmal Gelegen­heit gegeben, zu zeigen, daß auch in feinen Reihen Männer sind, die etwas können, und darf man in feiner Ernennung doch ein Zeichen dafür sehen, daß der Gedanke der Parität noch nicht ganz tot ist. Denn daß Herr von Schorlemer nicht zunächst wegen feiner Zentrumsgegnerschast, fondern als Katholik ins Ministerium berufen ist (um gehässigen Auslegungen vorzubeugen, fügen wir gleich noch ausdrücklich hinzu, daß wir nicht sagen wollen, er fei wegen seiner katholischen Konfession Minister geworden, sondern diese sei ihm nicht hinderlich, vielmehr aus politischen Gründen förderlich gewesen, nachdem feine Befähigung fest stand), glauben wir annehmen zu dürfen. Welche Spekulationen NUN die Zenlrumsgegner an seine Ministerschaft knüpfen, das braucht uns einstweilen keine Sorge zu machen. Schließlich hängt doch die innerpoliiische Entwicklung in Preußen nicht von diesem ober jenem Minister, über­haupt nicht von dieser oder jener Persönlichkeit, sondern von viel stärkeren und ständigeren Faktoren ob. Oder glaubt z. B. jemand, man könne nach Belieben anstelle des angeblich schwarz-blauen Blockes mit dem Bülow- Block ober mit dem „Kartell" regieren V Und weil nicht dieser oder jener Minister den Kurs einfach diktieren kann, so sehen wir überhaupt den Folgen des über­raschenden Ministerwechsels, so wenig fie sich heute übersehen lassen, mit Seelenruhe entgegen. In dieser Seelenruhe haben wir auch gar keinen Grund, den neuen Männern von vornherein irgendwie mit Miß­trauen ober Feindschaft entgegenzutreten, auch nicht was die Wahlrechtsfrage angeht."

Die Berufung des Herrn v. Dallwitz bereitet der konservativen Presse begreifliche Genugtuung. Ein Teil der Nationalliberalen tritt ihm mit kühler Reserve gegenüber, ein anderer Teil, an der Spitze die „Magdeburger Ztg." ist mit seiner Ernennung ehr unzufrieden. In noch höherem Maße ist dies die linksliberale und fortschrittliche Presse. Die „Vossische Ztg." widmet dem Ministerwechsel noch einen zweiten Leitartikel, in welchem sie sogar Herrn v. Mollke gegenüber seinem »schroff konservativen" Nachfolger mächtig herausstreicht. Wir warten die Taten des Ministers ab, wobei wir nicht verhehlen, daß Herr v. Dallwitz als konservativer Minister uns viel sympathischer ist, als wenn er liberal wäre.

** Berlin, 20. Juni 1910. Der Kaiser nahm am Montag den Vortrag des Chefs des Zivil-Kabinetts entgegen. Die Heilung der Knie- affektion hat weitere Fortschritte gemacht, sodaß der Kaiser beabsichtigt, sich am Montag nach Kiel zu begeben. — Bon den Ausschüssen des Bundes­rates für Handel und Verkehr, Justizwesen und der Verfassung, in denen sämtliche Bundesstaaten vertreten sind, ist die preußische Vorlage bett, die Erhebung von Schiffahrts-Abgaben auf regulierten Wasserstraßen einstimmig angenommen worden. Die Verabschiedung im Plenum wird in der letzten Sitzung des Bundesrates vor den Ferien, also Ende dieses Monates, stattfinden.

* Fürst Radolin, der deutsche Botschafter in Paris, beabsichtigt, wie Berliner Blätter melden, nunmehr oefinitiv sich ins Privatleben zurückzu­ziehen. Der Fürst soll bereits sein Entlassungs« gesuch eingereicht haben. Als sein Nachfolger wird mit großer Bestimmtheit Graf Uniko v. d. Gröben genannt.

+ Als Kandidaten für die beiden erledig­ten Oberpräsidie» wird in der Presse eine ganz« Reihe von Warnen genannt, und jeder Tag läßt weitere Vermutungen austauchen. Es erscheint

Frau Kirbh'S Erficht wurde plötzlich leichenblaß.

-Der Vampyr!" murmelte fie

»"2/ rffiy6? d?. S?ann ist allgemein unter diesem Ramm bCTamrt. Und dennoch bin ich nie einem Menschen begegnet, der mir seinen wirllichm Ramm

sagen konnte. Das kommt öaber, weil wir so zurück­gezogen leben. Habe ich ihn aber gefunden, bann wehe ihm — dann soll er für seine Erbärmlichkeit büßen!"

.Bist Du sicher, daß et so schlecht ist?" fragte Sena, deren Stimme zitterte und die die Farbe noch immer nicht zurückgewonnen hatte. „Du weißt doch, die meisten Leute treibt jetzt ein wahres Fieber, in Goldminen zu spekulieren. Spekulation ist eben Spe­kulation! Vielleicht ist dieser — dieser Vampyr gar nicht zu tadeln!"

„Ich denke anders darüber", gab Olga zurück. „Mein Vater war ein einfach er, biederer, ehrenhafter Rann- Jmer Schucke riet ihm, sein Vermögen in Goldminen anzulegen, von denen er genau wußte, daß sie schlecht waren. Ich bin überzeugt, daß er selber das Geld in die Tasche steckte, welches mein armer Vater verlor."

„Du kennst nicht beit ganzen Sachverhalt?"

»Richt ganz. Ich weiß nur, was mein Vater mir erzählte und das ist wenig genug. Doch reden wir jetzt nicht mehr davon?"

Frau Kirbh kam dieser Vorschlag dem Anschein nach sehr erwünscht. Vielleicht besaß fie ein zu wei­ches Herz, jedenfalls schim fie sich für Olga's Sorgen zu interessieren und dennoch mußte fie nach Fraum­art noch eine Frage stellen „Hast Du diesem Vampyr deshalb Rache geschworm, weil er Deinen Vater rui­niert hat?"

„Teilweise ist dies der ®nmb. Den Verlust des Geldes würde ich nicht einmal so sehr bebauem, wenn nicht noch mehr Unheil dadurch entstanden ' wäre. Mein Vater —" Olga wandte dm Kopf ab — „hat sich erschoffm! Er wußte nicht, was er tat! Er konnte unsere plötzliche Verarmung nicht ertragen So, jetzt weißt Du, warum ich diesen Mann bitter hasse!"

Sena erhob sich hastig und trat wieder ans Fen- ter, um Olga ihren Gestchtsausdruck in diesem Mo­ment zu verbergen. Einige Sekunden lang achtete Olga nicht auf dieses Gebühren; als Sena jedoch zu­rückkam und ihr voller Sympathie die Hand entgegen^ streckte, küßte Olga dir Freundin herzlich. Jetzt be­

tmd begriff einfach nicht, daß diese majestätische Er­scheinung ihrm Lebensunterhalt selber verdiente.

„Auf welche Weise verlor Dein Vater eigentlich Euer Vermögm?" fragte Lena teilnehmend.

Olgas Gesicht wurde dunkelrot und ihre Augen sprühten Blitze.

„Papa verlor sein Geld durch einen Schurken", riej sie, die Hände zusammenkcampfend- „Der amte Vater — er war zu vertrauensselig — zu ehrenhaft. Er hatte sich überreden lassen, Aktien von Goldminen zu kaufen. Diese fielen bis auf Null und war ruiniert. Der jähe Wechsel in unferen Verhältnissen und der Kummer brachm ihm das Herz. Er starb, Mutter und mich fast ohne einen Pfennig zurücklassend. Ein Frmnd stand uns in unserer furchtbaren Lage bei und ordnete die Verhältnisse Aber der Elende der meinen Vater ins Unglück gestürzt — ah!"

. für schlechte Menschen es doch in der Welt gibt? ruf Lena. „Es tut mir schrecklich leid, Olga. Wer ist der Mann?" ' u

Namen weiß ich nicht", versetzte Olga duster. „Das Unglück geschah, als ich mit Mama auf -netten war. Wir befanden uns gerade in Nizza als wir unfern Ruin erfuhren. Als wir zurückkamen' tprach mein Vater nur wenig über die Sache. Wir mußten unser Hmts verkaufen und eine Mietsivoh- "U"« beziehen und dannsie zögerte, ihre Stimme Kl1* starb Vater. Mein armer Vater! Ich wünscht^ ich wußte, tote der elende Schucke 0Iö“in Fibern Zorne fort. „Ich würde bl oter rachen - rmd wenn es Jahre dauerte!

Jan^ Nachforschungen anstellm müssen! Aber ich habe die Mittel nicht dazu"

»Anne Olga!" murmelte Sena, „sprach denn Dein Vater nie von dem schlechten Mann»" ’ hfr Jtintn wirklichen Namm. Er

pflegte ihn .Vampyr zu nennen, da er ein Geld- verleih« war."

$>er Wcemppv.

&i<— uii von FerguS Hume. Autorifierte Bearbeitung von C. Wehner.

„Ich bin nicht verheiratet", antwortete Olga mit einem Smfz«, „und ich werde mich wahrscheinlich auch im ganzen Leben nicht verheiraten."

,Äh — Du liebst!"

Olga «rötete heiß. „Melleicht", versetzte fie aus­weichend, „ich weiß es nicht."

„Wie heißt er denn?"

»Vl*1 *“■ wissen. Uebrigens ist lnes auch gk«ch das Ende meiner Geschichte — nicht eü»a der Anfang. Weißt Du, daß ich arm bin, Lena?" „’trm?" Frau Kirbtz ließ die Nicke üb« Olgas stMtSiche Erscheinung gkeitm und berechnete im stll- l». deren Kleid kostete. Dann sagt sie: „DaS glaube ich nicht."

. »Und dennoch ist es wahr. Dieses Kleid hi« ist em Uet)«6ltt6id aus meinen guten Tagen. Ich bin f» arm, daß ich meinen Lebensunterhalt durch Arbei-1 tat mit der Schreibmaschine verdienen muß. Sieh;

dr»"! Ich habe mein eigenes Büro unb beschäftige eine Anzahl fang« Mädchen. Ab« t»»tz alledem arbeite ich |d6ft mit "

„Sine Schreibmaschinmarbeiterink" Sena schloß .vor Schreckm die Augen. „Aber Dein «ater war doch so rach!"

„'S“/ « „war" reich?" versetzte Olga traurig. »2tb« jetzt — jetzt ist « tot", fügte sie mit dumpf« srnume hinzu.

-3LoV- Der arme Oberst! Und Deine Mutt«?" ffiir" * Gott sei Dank noch am Leben.

^"ung in Wch-Kensmgton

S 6en chrer Familie aus eine

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herrschte sich Frau Kirbh wieder vollkommen. SU gurrte um die Freundin, tote ein Tauber um bi« Täubin- Und Olga war tiefgerührt von diesen Be­weisen ihrer Teilnahme.

„Du warft immer ein liebes Geschöpf, Lena", sagt« sie, während ihr dusterer Gestchtsausdruck sich allmäh­lich aufhellte. „Glaubst Du, daß Dein Gatte mir helfen könnte, diesen Elenden zu finden?"

„Vielleicht!" antwortete Sena leichthin. „Chri- boph kennt ja alle Welt und er tut mir alles zu Liebe. Komm doch nächste Woche einmal zu uns, Olga, wir können dann tu Ruhe darüber sprechen. Aber jetzt, lieber Schatz, mußt Du mir von Dir selber erzählen! Du liebst also?"

Olga lachte Ter düstere Emst war von ihr ge­wichen. „Run ja", gab sie zögernd zu. „Einem an­dern Menschen als Dir wurde ich das freilich um keinen Preis eingestehen, Lena. Meiner Meinung nach darf ein Weib seine Liebe nicht verschenken, wo sie nicht erwidert wird. Tatsache ist nämlich: der Betreffende hat keine Ahnung, daß ich mich für ihn interessiere."

»Wir heißt er? Was tut er? Ist er reich?"

.Du bist immer noch genau wie früher", rief Olga mit gutem Humor. „Du stellst eine Meng« Fragen auf einmal- Er ist Schriftsteller. Bis jetzt hat er noch keinen berühmten Namm. Ich lernte ihn in meinem Büro kennen, er brachte mir Manuskripte, die er abgeschrieben haben wollte. Wir unterhielten uns über vnschiedenes und von da an kam er öfters. Ich habe schon eine Menge für ihn abgeschrieben Seine Arbeiten gefallen mir außerordentlich"

„Ist er hübsch?"

„Oh ja, ich finde ihn wenigstens sehr hübsch. Ob er nach Deinem Geschmack sein würde, weiß ich nicht Wir plaudern von Kunst, Literatur und Musik — von weit« nicht?. Er mag mich ganz gern, weil wir miteinander sympathisieren, aber ein tieferes Jntereffe empfindet er nicht für mich."

„Ab« Du für ihn, Olga?"

(Forisetzung folgt)'