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M 138.
^ulda, Montag den 20. Juni 1910.
37. Jahrgang.
■* Ministerwechsel.
LandwirtschaftSminister v. Arnim und dem Minister des Innern v. Moltke ist unter Belassung des Titels und Ranges als Staatsminister die nachgesuchte Entlassung aus ihren Aemtern ertellt worden.
Zrrm Landwirtschastsminister wird der Oberpräfl- deut der Rheinprovinz, Frhr. v S ch o r l e m e r, berufen, zum Minister des Innern der Oberpräfident der Pwvmz Schlesien, v. Dallwitz, ernannt.
Zum Ablaufe der Parlamentszeit waren drei Exzellenzen amtsmüde geworden: im Reiche der Kolonial »Staatssekretär Dernburg wegen der vielen persönlichen und sachlichen Reibungen, in Preußen der Landwirtschaftsminister v. Arnim wegen körperlicher Schwäche (Gallenstein) und der Münster des Innern, v. Mollke, wegen mehr» facher Enttanschnngen in dem ungern übernom» menen Ministeramte. Wahrscheinlich bestand die Absicht, die drei Entlassungen und Berufungen einem Aufwaschen' zu erledigen. Herr Dernburg wünschte aber eine beschleunigte Sonderbehandlung und ließ durch seinen Vater das welthistorische Ereignis seines Rücktritts vor der formellen Entscheidung in der liberalen Presse behandeln, so daß daS Zwilkabinett diese Nummer mit „Eilt!' abstempeln mußte. Die beiden preußischen Minister haben in Ruhe den ordentlichen Geschäftsgang abgewartet
D-r Wechsel im Landwirtschafts. Ministerium kommt für die weitere Oeffentlich- keit überraschend. Aber Herr v. Arnim ist wirklich leidend. Gleichwohl hat er in seiner selbstlosen Treue gern gewartet, bis sein Nebergang in den Ruhestand dem Ministerpräsidenten und dem Monarchen nicht ungelegen kam. Dieser Zeitpunkt trat jetzt ein, als Herr v. Moltke das Joch deS Ministeriums des Innern abschütteln wollte. Es paßt Herrn v. Bethmann-Hollweg sehr, daß zwei Ministerposten auf einmal neu zu besetzen waren. Er konnte nun der Krone zwei Männer seines be- sonderen Vertrauens in Vorschlag bringen, und zwar jede für einen Posten, welcher der persönlichen Begabung und der politische« Stellung deS Be» treffenden recht angemessen erschien. — Herr von Schorlemer-Lieser, der bisherige Ober- präsident der Rheinprovinz, war in dem zweiten, kritischen Stadium der Wahlrechtsfrage als Helfer des Wrusterpräfidenttn ans der Berliner Bildfläche erschiene«. Das bekannte Amendement Schorlemer« Bethmann wegen der Drittelung errang im Herren- Hanse einen „schönen' Erfolg. Im Abgeordneten- Hause freilich versagte dieses neue Rad am Wahl- rechlsivagen so voSstäadig, daß die ganze Reform in den Chausseegraben geriet. Das Fiasko der Wahlrechtsvorlage hätte, wenn unser konstitutionelles Leben regelrecht verlief, nicht bloß die Ressortminister, sondern mich den Ministerpräsidenten amtsmüde mache« müssen. Herr v. Bethmann aber ertrug das Scheitern der Vorlage mit einer ruhigen Sicherheit, als ob daS Begräbnis des .Wechselbalges" ihm gar nicht so unerwünscht gekommen wäre. Er verzichtete rächt bloß seinerseits auf jedes Abschiedsgesuch (was wir chm übrigens gar nicht übel genommen haben oder nehmen wollen) sondern hiell auch an dem Gedanken fest, seinen Amendements- genossen v. Schorlemer, die bei dem Monarchen schon längst persona grata war, in sein Ministerium zu berufen.
Zum Minister des Innern hätte an Stelle des bei der Wahlreform .verunglückten' Herrn v. Moltke eigentlich der bisherige Oder- präpdent der Rheinlande ernannt werden sollen. So dachte wenigstens die öffentliche Meinung. Herr v. Bethmann hol aber einen andem Weg, der nach Berlin führt, in Vorschlag gebracht. Vermutlich aus folgenden Erwägungen: Das Amendement, das Herr v. Schenlemer hn Verein mit dem Ministerpräsidenten
auSgearbettet und verkeim hatte, war durchaus na- tionalliberal, sowohl in grundsätzlicher, als in praktischer Hinsicht. Die konservative Frattion machte gegen dasselbe Front, und die Berufung SchorlemerS zum Minister deS Jnnem würde unter den gegenwär- tigen Umständen von den Konservattven als die Ein- leitung zu einem nationalliberalen Regiment empfunden Worben sein. Möglicher Weise hat Herr v. Bethmann auch Bedmken gehabt, dem katholischen (veretnzeltm) Neuling im Ministerium sofott ein so großes und wichtiges Reffort, wie das des Jnnem, zufallm zu (offen. Da nun aber gleichzeitig daS poli- ttsch ziemlich farblose Mntstertum für Landwirtschaft, Domänen und Forsten verfügbar wurde und Herr v Schorlemer nach seiner Erziehung als Sohn des .westfälischen Bauernkönigs' und nach seinen Erfahmngen an der Spitze der rheinischen Landwittschaftskammer sowie auf feinen eigenen Besitzungen für dieses Fach sich wohl eignete, so fand Herr v. Bethmann für ihn ein paffendes Unterkommen an der Zentralstelle, ohne einen Anstoß bei dm Ostelbiem befürchten zu müssen- Und zugleich blieb ihm die Möglichkeit, mit Herrn v. Dallwitz, dem schlesischen Oberpräsidenten, an die Spitze des Ministeriums des Jnnem einm Mann zu Berufen, der sich auszeichnet 1) durch das intimste Freundschaftsverhältnis mtt dem Ministerpräsidenten, 2) durch die Bewährung eines eminenten Verwal- tungstalmtS auf den verschiedenartigsten Posten, 3) durch die Zugehörigkeit zur konservativen Pattei und die hohe Achtung, die er dort wegen seiner Charatter- sestigkttt in der Kanalkrisis von 1899 genießt.
Die Bilanz ist für Herrn v. Bethmann nicht ungünstig. ES scheiden aus feinem Ministerium ein körperlich leidender Kollege und ein Mann, der zur ministeriellen Tättgkeit nicht genug Lust und Schneid halte. Es taten dagegen ein zwei Vertrauensmänner deS Ministerpräsidenten. Die Wirkung ist die, daß das Ministerium jetzt in noch höherem Grade, als bisher, bethmannisch wkd. Der „philosophische* Staatsmann richtet sich offenbar auf eine noch recht lange und kräftige Amtsführung ein.
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. Herr v. Arnim-Eriewen, der bisherige Land- wirtschaftSminister, ist geboren am 20. Mai 1850 in Criewen bei Sch redt an der Ober. Er trat bei der Marine ein, nahm aber schon als Leutnant zur See seinen Abschied, um sich der BewKt- schastuna des eUerlichen Besitzes zu widmen. Seit 1892 ist er Vorsitzender der deutschen Landwirt- fchastsgesellschast. Im Juni 1906 wurde er auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen, im November 1906 zum Landwirtschaftsminister ernannt. Er ist ein hervorragender Landwirt; während seiner Ministerzeit aber hat man nur wenig von ihm bemerkt.
Herr ». Moltke, der bisherige M i n i st e r d e s Innern ist geboren am 1. Mai 1852 in Rantzau (Hollstein). Er widmete sich der höherm Verwaltungslaufbahn, wurde 1885 Landrat in Gleiwitz, 1890 Hilfsarbeiter im Kultusministerium, 1893 Vortragender Rat, dann Regierungspräsident in Oppeln und Potsdam, 1903 Oberpräsident von Ostpreußen, 1907 Minister des Innern. Auf seinem Minister- sefftt. hat Herr v. Moltke sich nie sehr wohl gefühlt und er dürste wohl mehr aus dem Entschluß, einen Wunsch seines Königs zu erfüllen, als aus innerer Liede sein liebgeroorbeneS Oberpräsidium in Königsberg verlassen haben. Man hat erzählt, daß Herr v. Moltke, bald nachdem er Minister in Berlin geworden war, seinen persönlichen Freunden gegenüber zuwellen geäußert habe, er ginge sehr gern rückwärts zu Fuß wieder nach Königsberg. Es war damals die Zeit, als Graf Posadowski seinen Platz räumen mußte, der Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg wurde Staatssekretär des Innern und es ist bekannt, daß es damals viele Mühe gekostet hat, einen Verweser für das nicht sonderlich beliebte Ministerium des Innern zu finden. In feinem Amte hat Herr v. Moltke auch
nicht viel Freude gehabt. Besonders im letztm Winter setzte er sich scharfen Angriffen aus. Außer an die Wahlrechtskampagne darf man an die un- glückliche Empfehlung der Gennanikusbroschüre erinnern. Der eigentliche Dirigent im Ministerium war der nationalliberale Unterstaatssekretär Holtz, dessen Beeinflussungen Minister v. Moltke ein allzu willfähriges Ohr lieh.
Herr v. Schorlemer, der neue Landwirtfchafts- mmifter, ist am 28. September 1856 auf Schloß Alst in Westfalen geboren. Nachdem er sich anfänglich der richterlichen Laufbahn zugewendet hatte, trat er 1886 in die Verwaltung über. 1888 wurde er Landrat des Kreises Neuß, 1897 Oberpräsidialrat m Breslau, 1899 trat er aus dem Staatsdienst aus, um den Vorsitz der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz zu übernehmen. 1901 wurde er ins Herrenhaus berufen 1905 erfolgte dann seine ©rnennung zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz. Er ist bekanntlich katholisch aber ein erklärter Gegner des Zentrums.
Zoh. v. Dallwitz, der neue Minister des Innern, war schon einmal Minister und zwar im Herzogtum Anhalt. Er ist am 29. September 1855 in Breslau geboren. 1887 bis 1899 war er Landrat des Kreises Lüben, dann wurde er Regierungsrat beim Oberpräsidium Posen, 1900 vortragender Rat im Ministerium des Innern, 1902 schied er aus dem preußischen Staatsdienst aus, und wurde 1903 zum anhaltischen Staatsminister ernannt. Am 1. Januar d. Js. übernahm er das Oberpräsidium von Schlesien. In den Jahren 1893 bis 1899 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Das außerordentlich schnelle Avan- cement des Oberpräsidenten v. Dallwitz hat in An-1 halt weniger überrascht. Eingeweihte Kreise hielten es für eine Frage der Zeit, daß bet Kanzler seinen Intimus bei passender Gelegenheit dem Kaiser für eines der wichtigsten Aemter in Vorschlag bringen würde, v. Dallwitz, dessen größtes Verdienst die finanzielle Sicherstellung des anhattischen Staats für die Zukunft ist, gilt als eilt kluger Diplomat streng konservativer Gesinnung.
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Der König hat an die beiden ausscheidenden Minister Handschreiben gerichtet. Das Handschreiben an den Minister v. Arnim lautet:
Ich habe Ihrem Ansuchen um Entlassung aus Bem Amte als Staatsminister und Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten durch Erlaß vom heutigen Tage entsprochen. Um Ihnen beim Ausscheiden aus dem Staatsdienst ein besonderes Zeichen meines DankeS und meines Wohlwollens zu geben, habe ich Ihnen die Königliche Krone zum Roten Adlerorden erster Klasse mtt Eichenlaub verliehen und laffe Ihnen die Dekoration hierneben zugehen.
Das: Handschreiben an den Minister' von Moltke hat folgenden Wortlaut:
Nachdem ich Ihnen durch Erlaß vom heutigen Tage die nachgefuchte Dienstentlassung in Gnaden erteilt habe, kann ich es mit nicht versagen. Ihnen für die treuen Dienste, welche Sie in Ihren mannigfachen Aemtern mir und dem Baterlande geleistet haben, meinen königlichen Dank auszusprechen. Als Zeichen meines Wohlwollens verleihe ich Ihnen die Königliche Krone zum Roten Adlerorden erster Klaffe mit Eichenlaub und laffe Ihnen die Dekoration hierneben zugehen.
Deutsches Reich.
** Berlin, 19. Juni 1910. Der Kaiser begibt sich voraussichtlich am 25. Juni nach Kiel. — Der Ausschuß der Jmmediatkommission für die preußische Verwaltungsreform ist auf den 21. Juni einberufen worden, um die neuen Bestimmungen über das Verwaltungsstreit, verfahren zu beraten. — Der Deutsche Land- wirtschastsrat wird morgen und übermorgen
in Schwarzburg in Thüringen tagen. U. a. wird man sich beschäftigen mit der Gesetzgebung gegen den Grundstückwucher und mit der Verlegung des VolkszählungslerminS vom 1. Dezember auf den 15. Januar. — Die Kaiserin ist um 3 Uhr in Begleitung der Prinzessin Viktoria Luise in Hamburg eingetroffen und begab sich unter lebhaftem Jubel des Publikums zur Horner Rennbahn. — Kronprinzessin Cecilie ist am Sonntag in Aarhus in Dänemark eingetroffen und vom Kronprinzen und der Kronprinzessin von Dänemark empfangen worden. Die Herrschaften begaben sich nach dem Schloß Marselis- borg.
** Das Befinden des Kaisers. Die Knie- affektion nimmt einen günstigen Verlauf.' Der Erguß ist bis auf kleine Reste beseitigt. Ein Furunkel oder eine Hautverletzung bestehen nicht. Eine in Berlin verbreitete Nachricht, daß eine Operation ftatlgesunden habe, ist erfunden.
X Das neue Quinquennat. Die,Mil.-pol. Korrespondenz" schreibt:
lieber die für den Herbst halbamtlich angetünbigtt kleine Militärvorlage scheint so viel bereits festzustehen, daß die anzufordernden Neuausstellungen und Neugliederungen auf mehrere Jahre verteilt werden sollen, damit zur Deckung der Kosten teilweise die von 1914 ab freiwerdenden Matttkularbeiträge der Einzelstaaten verwendet werden können. Die bisher über den Umfang der zu erwartenden Vorlage verschiedentlich veröffentlichten Kombinationen dürften über das regle» rungsseits beschlossene Maß erheblich hinausschießen. Die wesentliche Erhöhung der Präsenzstärke wird in der Hauptsache nur die technischen Truppen — besonders den in Regimenter zu gliedernden Train, die Telegraphenbataillone und das Lustschifferbataillon — betreffen, während die eigentlichen drei Hauptwaffen wohl vereinzelte Umorganisationen, nicht aber sehr große Kaders-Verstärkungen erfahren sollten.
Hoffentlich trifft es zu, daß wirklich die Kombinationen über die Höhe der Präsenzstärke über das beschlossene Maß erheblich hinausschießen. In wie weit die technischen Truppen eine Ergänzung oder Verstärkung erfahren müssen, wird im einzelnen von der Regierung dargelegt werben müssen.
— Zur Reichsversicherungs-Ordnung nahm am Samstag in Frankfurt a. M. eine Versammlung von Zahnärzten aus allen Teilen Deutschlands eine Resolution an, in der Einspruch dagegen erhoben wird, daß das Prinzip, den Mitgliedern der Krankenkassen die bestmöglichste Behandlung durch staatlich approbierte Medizinal- Personen zuteil werden zu lassen, durch die Zulassung von Zahntechnikern durchbrochen werden soll.
* Eine symptomatische Bedeutung muß der Wahl in Friedberg-Büdingens die mit einer geradezu zerschmetternden Niederlage der Nationalliberalen endete, eingeräumt werden. WaS sich jetzt in Friedberg zugetragen hat, wird sich in den drei übrigen hessischen Reichstags- Wahlkreisen, die die NalionaUiberalen noch in Besitz haben, wiederholen: Die Bauernschaft kehrt der nationalliberalen Partei in Hessen den Rücken. DaS bedeutet aber, so wird in einer Zuschrift aus Hessen an die Kreuzztg." ausgesührt, für die Nationalliberalen nichts Geringeres als den Verlust ihrer sämtlichen Mandate. In WormS, dem Wahlkreis deS Frhrn. v. Heyl, der seinerzeit mit dem Grasen Driola aus der Reichstagsfraktion aus- schied, liegen die Verhältnisse ganz analog denen in Friedberg. In Erbach-Bensheim hat sich die Partei schon bei der letzten Wahl kaum gegen die vereinigten Christlich, und Deutsch, sozialen halten können, obwohl ihr Kandidat
3>er Wampyr.
Roman von Fergus Huuik. Autorisierte Bearbeitung 1} von C. Webner.
1. Kapitri
„Liebe Senat"'
„Liebste Olga!'
Die beiden Damen umarmten und küßten sich und es schien wirklich bei Ausdruck aufrichtiger Zmieigung, denn bie fiettMx Brünette und die zierliche Blondine, die PenfionZfreundinncn gewesen und sich nach sechs Jahren zum erstenmal« wiederfahrn, hatten einander sehr tnri zu jagen, VertrautiMetten auszutaufchen, Fragen zu stellen und hunderterlei Dinge zu erzählen-
DaS Zimmer, in welchem sie ihre Freundschaft erneuerten, war ein lauschig es, entzückendes Boudoir, in das die Hesse Morgensonne durch große Bogenfenster schien. Wände und Fußboden waren mit blauen Teppichen bedeckt, ent angenehmer, wo hl tum der Farbentor Zierlich zeschuitzt« Möbel au» d«allem Rosen- Hotz schmückt« den Raum, kostbare Orlgcmäide hinge» an den Wänden herab, seidene Portieren faßten Türe» und Fenster ein, Blumen in Basen, Phoioara- phirn stand«, bayeu'djex — das alles vereinigte sich, den Raum in. ein entzückendes, kosigrs Plätzchen, ein Stückchen aus dem Feenreich zu verwandeln.
Und die FsLnkönigin dieses Reinen Reiches war die Herrin dieses Zimmers. Lena Kirbp war wie eines jener zierlichen Meißner Porzellanfigürchru, die über- E Wtt und zerbrechlich snssehe» und dennoch wider- standssähiger sind als manche Amazone. Dunkelblaue lockiges Haar, rott Livpen und eine Gesichtsfarbe wie Milch und Blut - das waren ÄS“:™ viele Frauen sie beneideten, um
1 1 en>< die solche Vorzüge nicht auf«
en HEen, Sena hassen konnten. Diese Eigen- Mffkn Waren auch die Seranlaffimg, daß Lena Fran bk m faJ bie art8trr einer Sylphe,
bet « fröhlichen Mmckeren eines reizenden Kin- öiß & Kleid sah sie so jugendfttsch
S. - day man sie höchstens für siebzehn hielt. Aber
Olga wußte, daß Lena fünfundzwanzig zählte. Eine ganz verfübrerifche, bezaubernde Frau war diese Lena Kirby!
„Meine süße, einzige Olga'- rief diese, die Freundin abermals herzlich umarmend, „wie herrlich ist es, Dich wiederzusehen! Wie hübsch Du ausstehst und — aber auch wie trübselig!"
DaS war so recht Lenas Art — erst den Zucker, bona die bittere Pille. Daß ihre Bemerkung der Wahrheit nicht entsprach, künmtette Frau Kirby herrlich wenig-
Olga war groß, dunkel und stattlich, etwas ernst zwar, aber ihre Wohlerzogenheit ließ einen Ausdruck Bon Trübseligkeit, wie Lena es zu nennen beliebte garnicht aufkommen, wenigstens nicht in anderer Leute Skgramart. Sie hatte zwar auch Temperament aber sie zeigte eS nicht. Die meisten Leute nannten sie kalt »eil sie wenig sprach und ein ruhiges, ernstes Wesen besaß. Doch so zurückhaltend sie im allgemeinen war konnte sie auch unbändig lustig sein. Die Beine, immer heitere Frau kam ihr tote ein hübsches Kätzchen Bor. Aber das Kätzchen konnte kratzen — von welcher Fahlheit eS soeben eine Probe abgelegt
„Ich bin durchaus nicht trübselig, liebe Lena,* entgegnete Olga mtt ihrer tiefen, wohlklingenden Stimme, die fo r«ht zu ihrer königlichen Haltung paßte, „ira Gegenteil, ich befinde mich in der denkbar besten Srme. Wie könnte ich tttibfelig fein, da ich Dich erst tokbergefebenf
„Das ist sehr lieb von Dir gesagt, Schatz! Aber, weißt Du, bie Leute ändern sich/
„Du hast Dich jederrsalls nicht verändett, Lena. Du bist »och immer die Beine Else von einst. Wie hast Du es nur angefangen. Dir Drin kindliches Aussehen so völlig zu bewahren?"
„Ich bin glücklich, Olga, habe ein gutes Gewissen und Runzel» kommen nur, wenn man sich sorgt und ärgert — da» tue ich grundsätzlich nicht."
Olga feufete. „Du bist ein glückliches Wesen,' sagte sie trü6e. „Dir sind nur Rosen auf den Weg gestaut worben — mir würben die Domen zuteil.'
„Du lieber Himmel, bist Du denn unglücklich, Olga? Erzäye doch — erzähle mir alle«. Doch watte — sage mir erst, wie Du mich fandest. Ich war nie zuvor im Leben so erstaunt, als wie in dem Augenblick, da man mir Deine Karie brachte — und erfreut natürlich', fügte sie schnell hinzu. „Selbstverständlich freute ich mich riesig!'
„Erinnerst Du Dich an Elfriede Lambert, die —'
„Fritzi Lambert!' unterbrach fie Frau Kirby ungestüm. „Das schreckliche Ding! Ich konnte sie scheu in der Schule nicht leiden — diese rothaarige Katze! Sie besuchte mich nach meiner Hochzett und kam immer wieder .obgleich ich sie gar nicht dazu aufoftderte. Bon ihr erfuhrst Du alfo meine Adresse? Wahrscheinlich hat sie Dir eine Menge Lügen über mich aufgetischt!'
Fräulein Holder war erstaunt, ihre Freundin plötzlich so erregt zu sehen. „Sie hat mir nicht viel erzählt, Lena, nur daß Du verheiratet seiest und im Vorkbezirk wohnst.'
„Ah! Und was sagte sie über meinen Mann?'
„Sie erzählte mir, er fei Rechtsanwalt und liebe Dich unaussprechlich, wie das ja nur natürlich ist'
Frau Kirby holte tief Atem, sie schien sich sehr erleichtert zu fühlen. Dann fuhr fie sich mtt einem winzigen Stückchen Battfft, welches rin Taschentuch vorstellen sollte, über die Lippen. „Christoph ist Rechtsanwalt', sagte sie. „Er hat sein Bureau am
sie zögerte — „in der Stadt. Er ist reich und liebt mich. Das ist meine ganze Geschichte.'
.Also eine sehr glückliche Geschichte — kurz, schön, ohne große Ereignisse. Du mußt sehr glücklich fein. Wckch ein entzückendes Haus Ihr habt!'
„Nicht wahr, eS ist reizend? Mein Geschmack!
Christoph läßt mich tun, was ich will '
„Unb Du liebst ihn auch, Lena?'
„Natürlich!' Lena zog die Augenbrauen in die Höhe.
„Ich liebe ihn sehr. Aber ich sehe nicht viel von ihm. Der Aermste tft den ganzen Tag in der Stadt.'
„®u hast jedenfalls viele Freunde? Elfriede sagte eS wenigstens.'
„Elftiede Lambett ist eine verlogene Katze!' brauste Lena auf. „Sie lügt! Glaube ihr ja nichts, Olga!'
Sie lief ans Fenster und sah eifrig über den prächtigen Gatten hinweg auf bie Straffe. Es war nicht das erstemal, baff sie bas seit Olgas Anwesenheit tzgt, und die letztere fragte sich im stillen, ob Lena vielleicht jemanden erwatte.
„Störe ich Dich, Lena?' fragte sie, sich erhebend.
„Nein — oh nein! Ich freue mich, baff Du gekommen bist. Gehe bitte noch nicht fort, [aff uns noch tlaubem. Ist es wirklich wahr, daff Dir Elftiede nichts von mir erzählt hat?'
„Wirklich. Was hätte sie mir denn erzählen sollen?'
„Oh nichts, ich meinte nur so. Ich liebe Christoph und er liebt mich'. Sie wiederholte damit offenbar eine auswendig gelernte Formel. „Sieh mich nicht so sonderbar an, Olga.'
„Siebe Sena, ich glaube. Deine Nerven find heute nicht ganz in Ordnung.'
„Oh ja,' entgegnete Frau Kirby, „mir fehlt gar nichts '
Olga nahm bas Kinn bet überaus zierlichen Frau in bie Hand unb wandte deren Gekicht dem Lichte zu. „Du siehst etwas angegriffen aus', sagte sie plötzlich. „Dunkle Ränder unter den Augen — bas ist kein gutes Zeichen. Dazu ein ängstlicher Ausdruck in den Augen. Dich quält, Dich erregt etwas.'
Frau Kirby machte ein erschrockenes Gesicht.
.Mich quält gar nichts!' erwiderte fie fast heftig.
Mehr und mehr in Verwunderung über Lenas sonderbares Wesen geratend, hielt es Olga für besser, zu geben. „Ich muff jetzt aufbrechen, Lena.'
„Nein, nein, bleibe!' Wiederum warf sie einen Blick durchs Fenster. „Du hast mir noch nichts von Dir erzählt'
„Ich will Dir ja meine Erlebnisse gern erzählen, ober ich fürchte —'
»Ich sage Dir, mir fehlt Wittlich nichts, unterbrach sie Frau Kirby empfindlich „Nur die Hitze macht eS — Weiter ist es nichts. Komm, Olga, erzähle. Bist Du verheiratet? Nein, natürlich nicht — ich sah eS ja an Deiner Katte.' (Forts folgt.)