M 157.
Samstag den 18. 3mti 19(0.
37. Jahrgang.
* fuldacr U Leitung *
4. Blatt.
Druck und Verlag der Fuldaer Aktien druckerri in iiulda.
| Lue TDttt und 'Wissen.
■M, nur ganz zufällig-, meinte der Romanzier, tnnllTf» Ptntrirtl Qflt___± r* . u_. f
Allerlei.
körper-
‘2 -3 Wochen bei dem umhüllten Blütenstand feststelle«,
bei meiner Tätigkeit sitzen, nun will ick mich tüchtig auslaufen und den Körper gehörig beiten.
Nein, man muß sich beobachten, ob diese
einmal ausar-
Man soll sie nur so lange auZüben als man e'ne Erfrischung daran fühlt, sie aber entfgeben, sobald man fühlt, daß der Wechsel der Lebensweise zur An-
Wie dem Romanzier in dem Eingangsgeschichtchen die wissenschaftliche Arbeit, dem Gelehrten das schreiben eines Romans zum Vergnügen, zur Erholung wird, weil es ihm ungewohnt ist, so gibt es für jeden Menschen eine Tättgkeitsform, die für ihn die gleiche Hebung der Kraft bedeutet, wie seine gewohnte Arbeit, die ihm aber leichter und angenehmer erscheint, weil sie ihm ungewohnt ist.
Daher sind denn auch jene idyllischen Plätzchen, die ehedem als Erholungsorte so gesucht waren, die abseits von jedem Verkehr gelegenen Luftkurorte,' wo man sich vier Wochen lang tüchtig langweilen und ausgähnen konnten, für den Großstädter kaum noch eine empfehlenswerte Erholung zu nennen.
Der Großstadtbetrieb ist in den letzten Jahrzehnte» so wesentlich komvlizierter und lärmvoller geworden, daß ein Aufenthalt auf steiler Bergeshöhe oder ! auf einem kleinen Jnseleiland, wohin keine Automobile und andere geräuschvolle „Errungenschaften- des modernen Lebens bringen, einen zu starken Gegensatz zum Stadlleben bilden, als daß ein Aufenthalt daselbst für längere Dauer nicht größere Schädigungen zur Folge haben konnte, als der Nutzen sein würde
Die Nerven würden sich nicht nur nicht erholen fie würden auch erschlaffen und unfähig werden, den ' lörnwollen Betrieb der Großstadt wieder zu ertragen Natürlich würde das nicht nach einem Aufenthalt von einet Woche der Fall sein, aber bei vielen schon nach zwei Wochen, bei den meisten nach vier Wochen und nach längerem Aiffenthalt fernab vom Weltverkehr würde der Heimgekehrte in der Großstadt ernste Gefahren für feine Gesundheit zu bestehen haben-
Hiernach ist es durchaus „kurgemäß", wenn in den Kurorten. Bädern und Sommerfrischen den Erholungsbedürftigen Vergnügungen aller Ärt geboten werden, die es ihnen gestatten, die gewohnten Zerstreuungen der Großstadt — natürlich in bescheidenem Maße — aufsuchen zu können.
strengung führt und eine Erschlaffung der Kräfte zur Folge hat.
Das wird der Fall fein, wenn man den Wechsel der gewohnten Lebensweise plötzlich eintreten läßt. Wer heute noch den ganzen Tag über gesessen und morgen schon ebenso lange den Körper ausarbeitet, wird keine Erholung davon haben. Und umgekehrt, wer heute im Geschäfte noch den ganzen Tag über tätig war, wird, wenn er morgen sich zehn Stunden lang an den Sttand ober in die Hängematte legt, von dieser Ruhe ermüdeter fein als von der Arbeit.
Mso: auch zur Erholung muß man Körper und Äefft erst trainieren Nur die Erholung ist eine solche, an welche man sich gewöhnt hat- Und es ist meist ein Beweis von Krankheit, wenn einem ein plötzlicher starker Wechsel der Lebensweise ein wohliges und behagliches Gefühl erzeugt.
Der wirklich kraftvolle und kemgesunde Mensch hat ebenso wenig ein Bedürfnis für Erholung, wie er auch die Fähigkeit besitzt, sich zu erholen. Für ihn bedeutet es gar keine Erholung, aus der gewohnten Anspannung der Kräfte herauszukommen.
Das werft man bei jenen zahlreichen älteren Herren, die noch in der Vollkraft ihrer körperlichen Fähigkeiten sich zur Ruhe setzen und durch diese Erholung front werden. Sie werden bei dauernder Anspannung ihrer Kräfte, wenn diese auch nach und nach abnech- men würden, sich länger und dauernd gesund erhalten haben, als durch das plötzliche Ausruhen.
Mso, die Erholung soll kein völliges Ausspannen sein, sondern im allgemeinen nur eine Aendernng in der Anwendung der Kräfte.
Wie jeder Kranke seine besondere Hellweife hat, so jeder Mensch feine individuelle Erholungsform' und wie es bei dem Kranken Sache des behandelnden Arztes ist, nicht die Krankheit, die ihm vorgeftagt wird, zu behandeln, sondern den Kranken zu unter« suchen und ihn feiner gesamten Körperkonsttuftion gemäß zu behandeln, so ist es Sache desjenigen, der Erholung sucht, sich selbst zu erforschen und zu sehen, was ihm Erholung gewährt.
Es ist falsch, sich zu sagen: ich muß jahraus jahrein
Arzt der Neuzeit gibt es eine Heilung von Krankheiten überhaupt nicht, sondern nur eine solche von Kranken. DaS heißt: jeder Mensch hat seine Son- derkrankheit und ist seiner Eigenart entsprechend zu behandeln.
So bedarf auch jeder Mensch einer Erholung, die feiner Eigenart entspricht.
Man kann z. B. nicht sagen, daß für einen geistigen Arbeiter, der das ganze Jahr über sich in geistiger Tätigkeit abrackert, es eine Erholung wäre, nun vier Wochen ober länger ohne jede geistige Beschäftigung zu fein. Abgesehen davon, daß die Ausführung eines i solchen Vorhabens beinahe unmöglich wäre — denn der Geist läßt sich ja in seiner Betätigung nicht aus- schalten und er wäre tätig, ohne daß der Schriftsteller am Schreibtisch sitzt, der Professor auf dem Katheder steht, der Arzt Patienten behandelt, der Jurist Prozeffe führt, lediglich schon im Denken und in der Unterhaltung — abgesehen von der Unausfiihrlichkett wäre das keine Erholung, wenigstens keine zweckmäßige Erholung. Denn mich jeder Laie weiß, daß eine Muskel, die nicht bauemb geübt wird, verkümmert. In früheren Zetten pflegte man z. B. bei Beinbrüchen den Kranken viele Wochen lang bis zur absoluten Zu- fammenheilung der Wochen im Bett zu behalten und hatte dann den glänzenden Mißerfolg, daß selbst die unversehrt geblichenen Muskeln des gebrochen gewesenen Beines in ihrer Brauchbarkeit erheblich zu- ruckgegangen ober überhaupt gebrauchsunfähig geworden waren. Solche Geheilte lahmten dann oft ihr ganzes Leben lang
Ebenso würde es mit der absoluten Ruhe des Geistes sein; die geistige Tätigkeit würde völlig erschlaffen, wenn sie nicht auch während der Ruhezeit in mäßiger Weise ausgeübt würde-
Genau so aber ist es mit der Erholung von körperlicher Tätigkeit. Wer gewohnt tft, eine körperliche Tätigkeit auszuüben, würde die Fähigkeit hierzu nicht erhöhen, wenn er den Körper Wochen lang völlig ruhen lassen wollte, fonbem im Gegenteil sie erschlaffen lassen.
Schulkinder, die das ganze Jahr hindurch frühzeitig anfftehen müssen, in den Ferien zur Erholung bis gegen Mittag schlafen lassen, ist deshalb auch durchaus falsch. Der Erfolg würde nur sein, daß ihnen das Aufftehenmüssen nach den Ferien um so schwerer fiele. Sie hätten die körperliche Fähigkeit dazu völlig eingebüßt und müßten sie erst wieder von I neuem erwerben. Das dauert oft Wochen, ehe sie sich daran gewöhnt haben.
Der geistige Arbeiter bedarf auch in der Ruhezeit der Lektüre und geistigen Anregung, sonst wäre die Ruhe keine Erholung für ihn, der körperliche Arbeiter bedarf der körperlichen Anstrengung, er muß auch während der Ruhezeit seinen Körper ausarbeiten können.
Die Erholung bei beiden soll darin bestehen, daß fie erstens ihre Tätigkeit nicht in der gleichen anstrengenden Weise ausüben, zweitens in dem Gefühl, nicht ein bestimmtes Quantum von Anstrengung her- geben zu müssen, sondern nach freiem Ermessen und freier Wahl jetzt die Kräfte arbeiten, bann sie ruhen lassen zu können, drittens, und vor allem aber die Ausübung bet Kräfte in anderer als gewohnter Weise walten zu lassen und sie dadurch, daß es eine ungewohnte ist, zum Vergnügen zu stempeln.
Zum 100. Geburtstag Ferdinand Freiligraths 17. Juni 1910.
P. vom Wildbach.
Der erste unserer Kriegsdichter des Jahres 1870 ist in seiner besten Manneszeit ein Revolutionär und Verbannter gewesen — wie so mancher andere seiner Dichterkollegen aus der Mitte des vorigen Jahr- bunderts
Als Sohn einer Lehrersfamilie in Detmold geboren, besuchte er das Gymnasium nur bis zu seinem 15. Lebensjahre und wurde dann zum Kaufmann bestimmt. In Soest in Westfalen bestand er seine Lehre und kam bann als Kommis nach Amsterdam, wo es ihn, nachdem er von Jugend an eine wahre Lesewut gezeigt hatte, mehr und mehr zur Poesie hinzog. Hier in Amsterdam schaute er mit den Augen des Geistes über das Weltmeer hin, und seine Phantasie sammelte die Menge der Bilder, die ihn bald zum Dichter des Meeres und der Wüste machten Er ist der Maler, bet Horacc Verriet in bet Poesie. Am liebsten verweilt er unter südlichen Palmen, im Banne von Mekkas Toren ober auf Afrikas glühendem Sand imd drückt sich bett Turban auf bie schwarzen Haare. Mit Vorliebe suchte er sich frembartige, wilde, nackende Stoffe aus und führte sie in bunter, oft greller Farbenpracht, in übergipfelnder Phantasie und in einer fast fremdartig klingenden, immer ober gewaltigen Sprache aus, wobei ihm freilich ungewohnte Fremdwörter oft zu Hilfe j kommen mußten. So hat er das Publikum geradezu! überrascht durch feinen „Löwenritt", „Gesicht der Rei-1 senden", „Unter den Palmen", „Die Auswanderer", „Tod des Führeres" und viele andere phantastische und farbige Bilder aus Gegenden, bie er nie geschaut hat. Noch mehr bichterischen Wert haben fteilich einige anbere Gedichte, in welchen er sich nicht auf ben fremdartigen Boden begab, wie fein „O lieb’, so lang du lieben kannst", und „Die Rose" aus feiner 1849 er= ichienenen Gedichtsammlung „ Zwischen den Garben".
Als der Dichter Zl^Jahre alt war, war fein An- ichen so befestigt, daß ihm der König von Preußen 1842 ein Gnadengehalt zuerkannte und er daran denken konnte, sich sorgenfrei am Rhein, in St. Goar, nie« derzulajsen.
Da wurde er von Hoffmann von Fallersleben, dem sonst so gemütvollen Volksliederdichter und Schöpfer von „Deutschland, Deuffchland über alles", von seinen eigentümlichen dichterischen Pfaden — er selbst hatte einst das Wort gesprochen: „Der Dichter steht auf einer höheren Warte, als auf der Zinne einer Partei — auf die politische Führte gebracht. 1844 erschien fein „Glaubensbekenntnis", 1846 das Jakobinerlieb „Ca ira", 1851 bie politisch sozialen Gedichte. Wenn er früher feine Werke mit dem Purpur des Meeres schmückte, färbte er sie jetzt mit Blut; statt der Frie- denspalme des Orients pflanzte er jetzt Freiheits- bctzimc auf und statt des Turbans drückte er sich bie Jakobinermütze auf das Haupt. Natürlich war es da
X Der Zeitmangel
„Dazu habe ich leider keine Zeit." Wie oft muß man nicht berechtigter- wie unberechtigterweise dieses Wort hören. Besonders oft hoben die Leute keine Zeit, die Zeitungen eingebend zu lesen oder sich um Geschehnisse zu kümmern, die nicht in ihr eigentliches Fachgebiet cinschlagen. Und es fehlt sehr vielen in der Tot die Zeit dazu. Sie können aber, wenn sie mit der Kultur fortschreiten wollen, nicht darauf verzichten, aus den verschiedensten Gebieten sich zu orientieren.
liche Ausarbeitung nicht mich nachteilige Folgen Hot.
7" Das Umhüllen von Blumen zwecks früherer Entfaltung dürste den Züchter wohl bisher noch nicht beschäftigt haben und doch ist es der Professor des botanffchen Gartens von Rouen, der sich bereits feit ewigen Jahren dem Studium der Entwicklung von in leichte Hullen gesteckten pflanzlichen Organen ergab, gelungen, einen Vorsprung von zwei Wochen bei Anwendung dieses Verfahrens feftfteÄen zu können. Bei einem Vorträge, in dem er die bei Früchten erzielten Grfrfge zugrunde legte, zeigte er einige schon entwickle .Rispen von persischem Flieder, dessen Blüten sich völlig geöffnet hatten und einen angenehmen Geruch erzeugten, während der Kontrollzweig noch kleine, festgeschlossene und kaum gefärbte Knospen zeigte ®eibe Zweige entstammten ein- und derselben Pflanz^ die unter gleichen Verhältnissen gezogen wurde. Am •24. März wurden die Blüten des einen Zweiges mit einem durchscheinenden Papier umbüllt. Am 26. April wurde der Versuch abgeschlossen und es ließ sich Art re.___. re rtrt F. ,
Was ist Erholung?
Eine hygienische Reiseplauderei von Dr. Max Weller.
Nachdruck nicht gestattet.
Das folgende Geschichtchen trug sich vor einigen Jahren buchstäblich so zu, wie es hier berichtet wird. In einer Gesellschaft ward ein Gelehrter, der kurz zuvor einen Roman veröffentlicht hatte, gefragt, wie er, der Mann der strengen Wissenschaft, darauf gekommen sei, sich auf diesem literarischen Gebiete zu versuchen. Und er erzühlle, daß er sich überarbeitet hatte und gleichsam zur Erholung von seinen gelehrten Forschungen seinem Geiste einmal freieren Spielraum habe geben wollen.
Wenige Minuten später erschien in dem Kreise ein berühmter Romanzier, der kurz zuvor mtt einer wissenschaftlichen Schrift Aufsehen erregt hatte Der Gelehrte sprach seine Freude aus, den Autor kennen zu lernen; jene Schrift habe ihn sehr interessiert da sie auch sein Forschungsgebiet berühre. „Sagen Sie lieber Doktor", so fuhr er fort, „wie sind Sie nur darauf gekommen, mein Feld zu beackern?"
Allen diefcn bient als willkommenes Hilfsmittel das „Jahrbuch der Zeit- und Kulturgei schichte, unter Mitwirkung von Fachmännern herausgegeben von Dr. Franz Schnürer, von denz soeben der über das Jahr 1909 berichtende 3. Jahrg. erschienen ist (Herder, Freiburg, geb- in Original-Lein- wcmdband 7,50 Mk). Dieser stattliche Band von etwa 450 S. in Lex.-8° mit angenehmem, deutlichem Druck bringt eine außerordentliche Fülle von Material au8 den verschiedensten Kulturgebieten. In den beiden ersten Abteilungen werden kirchliches und politisches Leben behandelt. Daran schließen sich soziale und Wirt» I schaftliche Fragen in den Abteilungen Volkswirtschaft, Soziale Bewegung, Gesetz und Reckt, Unterrichts- unbi Bildungswesen. Von wisfensckaftlichen Disziplinen weist das Jahrbuch auf: Theologie, Phllosophie, Geschichte, Sprachwissenschaft und Literaturgeschichte. ES lolgeu Abbandlungen über Schöne Literatur, bildende Kunji und Musik, die ebenfalls wieder mehrfach gegliedert find. Eine Chronik, eine Totenschau und ein Register beschließen das Werk. Unberücksichtigt geblieben ist nur das Gebiet der Naturwissenschaften, dem em besonderer Band gewidmet ist, das „Jahrbuch der Naturwissenschaften" (geb. 7,50 Mk.), d.rs Heuer ichon zum 25- Male erscheint. Mit dieser Reichhaltig- 5” und Vielseitigkeit verbindet das Jahrbuch größte Zunerlcffsigkeit. Es erfüllt den Zweck, den Leser übet bie Vorkommnisse auf den verschiedensten Gebieten auf bem laufenden zu halten, vollkommen und ist zugleich em vorzügliches Nachschlagewerk.
Unglückssälle durch Blitzschlag sich in der Regel in der Nähe von Bäumen ereignen, so glaubt man in solchen Zeichnungen Bilder der Umgebung zu sehen und spricht von einer photographischen Kraft des elektrischen Funkens. Tatsächlich ist ein Fall bekannt, der diese letztere Anschauung zu erhärten scheint. Es ist allerdings schon eiwas länger her, seit er sich ereignet haben soll, und wir möchten ihn daher nur mit Vorbehalt roiebergeben: Im Jahre 1865 vermißte ein Arzt namens Tr. Teren- dinger seine Börse, die in Metallbuchstaben sein Monogramm in Gestalt eines doppelten D trug. Einige Zeit danach wurde der Arzt zu einem fremden Mann gerufen, der bewußtlos vom Blitz getroffen unter einem Baurn gefunden worden war. Sein Erstaunen war groß, als er bei Untersuchung des Körpers des Verunglückten ganz deutlick sein Monogramm erblickte. Der Mann wurde ins Krankenhaus üdergesührt, und Derendinger erklärte mit Bestimmtheit, daß man bei dem fremden Mann die vermißte Börse finden werde, und so war es auch. Die Metaübuchstaben des Monogramms hatten dem elektrischen Strom besonders guten Durchgang gestattet und fanden sich tatsächlich als „Bli^rhotographie" abgebildet.
Am merkwürdigsten sind aber jene Fälle, in denen der Blitz die getroffenen Personen selbst nicht verletzt, dagegen z. B. die Uhrsoder Uhrkette schmilzt. Auch die zu beobachtende sofort eintretende Todesstarre gehört hin und wieder zu den Launen des Blitzes. Acht Landleure sitzen unter einem Eichbaume gerade beim Essen, als der Blitz in den Baum schlägt und die ganze Gesellschaft tötet. Aber auch nach dem Gewitter sitzen sie, Steinbildern vergleichbar, stumm und starr da. Der eine hält ein Glas in der Hand, als ob er es zum Munde führen wolle, während ein anderer die Hand der Schüssel nähert, um sie anzufassen. Ein Dritter ist im Begriff, sich ein Stück Brot zu brechen usw Alle waren tot und in derselben Stellung, in der sie der Blitzschlag getroffen hatte.
Gewöhnlich beschädigt der Blitz den Körper, den er trifft, nicht. Doch kommen auch Fälle vom Gegenteil vor. Neber eine solche eigenartige Wirkung wußte im vorigen Jahre eine englische Wochenschrift „Sancet" zu berichten. Es handelt sich um einen; Vorfall, der in Transvaal, in Krügersdorp sich ereignet hat. Es wurden ein junger Bursche sowie ein Maultier gleichzeitig vorn Blitz getroffen. Der Boy verlor das Bewußtsein und starb drei Tage danach, während das Maultier auf dem Fleck tot, blieb. Mensch und Tier wiesen schwere Knochen- brüche auf, indem dem Maultier das Rückgrat und dem Burschen die Wirbelsäule und der rechte Oberarm gebrochen waren.
Manchmal hat der Blitz' aber auch segensreiche Wirkungen. Das ist leicht erklärlich. Wenn heute die Elektrizität vielfach angewandt wird zur Heilung und Linderung, besonders rheumatischer Leiden, warum sollte uichi auch der allerdings vieltausendmal stärker gespannte elektrische Naturstrahl nicht die gle.che Wirkung Hervorrufen. Tatsächlich sind auch Fälle bekannt, in denen Rheuma auf diese etwas gewaltsame. Art geheilt wurde. In einem Falle von vollständiger linksseitiger Lähmung wurde der Patient geheilt, verlor dafür aber das Gehör.
Merkwürdig sind die sogenannten Blitzbilder, feine Verästelungen deS elektrischen Strahtes, die in , ,vuvut utt UUüeicnio„m imn ,=
ihrer e:getitüm!id;en Zeichnung in der Mehrzahl der da sobcn erwähnte Ergebnis, also ein Vorspmng von Falle dem Bilde eines Baumes gleichen. Weil aber h-3 Wochen bei dem UötoenMtaftSSS
Launen des Blitzes.
Bon Wilhelm Branden.
(Nachdr. verb.)
Von Jahr zu Jahr mehren sich mit der zunehmenden Häufigkeit der Gewitter auch die Fälle, in denen der Blitz an Mensch, Tier und Natur seine zerstörende Wirkung ausübt. Dabei äußert
®' ^hen aus den Geschichtchen, daß es eine cin- aÜe Menschen nicht gibt Für leben Menschen ist bie Erholung völlig anders ge- ,nnrte‘“nb m"n wird in sehr vielen, freilich keineswegs £iir “ r UItb Flicht nicht einmal in den meisten £ n s°S-n können: die Erholung ist das Andere, das Ungewohnte.
"An Fällen freilich tft es so: man erholt T Se'ftneI cn der Ruhe und Einförmigkeit des h$nbo Br.en8 ti.on bem Lärm und der Kompliziertheit Lebens m der Großstadt, während der an die T Landlebens Gewohnte tatsächlich eine Er- 7°™nr9 dann findet, einmal die Nerven im Großstadt- rrubel aufreizen zu können
Nun ist es fteilich mit der Erholung genau wie öer Heilung von Krankheiten- Für den modemen
Natürlich aber gibt es, wie gesagt, kenn allgemein gültigen Normen. Es gibt Leute, für die eine absolute Ausspannung aus dem gewohnten Lebensgleise als Erholung notwendig ist, Leute, die sich einmal tüchtig ein paar Wochen lang attslausen müssen, obwohl sie zu Hause den ganzen Tag über sitzen, und irfy w./rrt. • ~ —a ' ......... v" cnouiauzier, i andere, die ein paar Wochen hindurch nur sitzen und
boti'na nnnn»n maramemer Phantasie ein Wenig Er- liegen müssen in absoluter Stille, obwohl ne sonst eine irfirpiÄ a man jahraus jahrein Romane völlig gegenteilige Lebensgewohnheit haben, eintreten ®n mu6 einmal eine Pause ‘
Eine ähnliche Meldung kam im voriaeu Jahre ans einem Torfe Niederschlesiens. Dort traf ein sogenannter kalter Schlag das Wirtschaftsgebäude eines Gehöfts, schlug in den Stall, in bem“ sieden Skück Rintvieh standen und tö'ete mit jedesmaliger lieber springnug eines Tieres die erste, dritte, fünfte und siebente Kuh, ohne die übrigen trei im geringsten zu beschädigen.
sich die Zerstörungskraft des himmlischen Feuerstrahls manchmal in sehr eigenartiger Weise. Erst jüngst brachte der „Berl. Lok.-Anz." die Abbildung I einer Blitzwirkung. Eine mächtige Kiefer des Grünewalds war getroffen worden. Der elektrische Strahl war in einen Ast gefahren, von diesem ab« gesprungen und hatte in den Stamm geschlagen. Diesen riß er nicht nur bis zum Erdboden vollständig auf, sondern drehte ihn auch in seiner ganzen Länge fo herum, daß ein Teil des abgetrennten Stammes seitwärts zu stehen kam, was einen eigenartigen Anblick gewährte. Eine häufig beobachtete Erscheinung bei Blitzschlägen in einen Baum ist die Abschälung der Rinde. Man hat die Erklärung dafür darin gesucht, daß der Blitz in der stark feuchtigkeitshaltigen Sastschicht einen guten elektri- scheu Leiter findet und die Flüssigkeit unter heftiger Dampfentwicklung zur Verdunstung bringt, die dann die Rinde explosionsartig vom Stamme reißt. Diese Erklärung muß auch in den häufig beobachtenden Fällen in Anwendung gebracht werden, in denen der Blitz Personen entkleidet. Erst jüngst ging die Meldung durch die Presse, auf wir seltsame Art die Frau des Metalldruckers Max Bogel in Mannheim, als sie mit ihrem Mann spazieren ging, vorn Blitz getroffen wurde. Der Frau wurden bie Kleider vom Leibe gerissen, während sie selbst wunderbarerweise mit einigen kleinen Brandwunden und einer leichten Betäubung davon kam. Der neben ihr gehende Mann blieb unverletzt. Aehnliche Fälle haben sich schon mannigfach ereignet. So wurde im vorigen Jahre in England ein Mann, der sich unter einen Baum geflüchtet hatte, vorn Blitz getroffen. Seine Stiefel fand man am Fuße des Stammes, der Körper aber lag einige Meter abseits und war vollständig nackt, mit Ausnahme des linken Armes, der noch mit dem Aermel seiner Flanelljacke bekleidet war. Der ganze Raum war auf einige Meter int Umkreis mit Kleiderfetzen bedeckt. Aus dem Jahre 1898 berichtet der französische Astronom Flammarion, daß drei Frauen, die auf dem Felde mit Landarbeiten beschäftigt waren, vom Blitz getroffen wurden. Die eine von ihnen wurde getötet, bie zweite blieb unverletzt, ober bis auf bie Schuhe wurden ihr sämtliche Kleidungsstücke vom Körper gerissen, der dritten passierte nichts. In einem anderen Falle tötete der Blitz einen pflügenden Bauern samt dem Pflugochsen, riß dem Mann die Stiesel von den Füßen und schleuderte sie mehr als 30 Meter wett weg.
Ju allen diesen Fällen, die sich noch vermehren ließen, muß die eigenartige Blitzwirknng mit der explosionsartig wirkenden Verdunstung der Feuchtigkeit des menschlichen Körpers erklärt werben.
D« Tatsache, daß bie Feuchtigkeit ein guter elektrischer Leiter ist, lenkt auch sonst ben Blitz in j eigenartige Bahnen. Auch dafür ein Beispiel ans allerjüngster Zeit. Kürzlich las man in der,Erm- ländischen Zeitung", daß in Klein-Brodersby auf Angeln der Blitz in den mit Wellblech gedeckten Viehstall der Wuwe Bahr gefahren sei und vier der besten Milchkühe getöiet habe, und zwar inert- würdigerweife nicht vier nebkneinanderstehenbe, fonbem inmitten bet übrigen unversehrt gebliebenen Kühe an verschiedenen Plätzen. Der Blitz war in das im Stalle stehende Wasserbassin des Selbst- tränkers gefahren und hatte ben Schwimmer zerstört, so baß sich bie Wassermengcu überschwemmend über den Stall ergossen. Der Blitz war bann an der Tränkrintt- entlang gefahren. Die erschlagenen vier Stück Vieh hatten nun wahrscheinlich in ruhender Stellung n ihrem Standort gelegen, wobei die Halsketten die Tränkiinne berühr: haben mußten. So konnte der B!ch auf bie vier Tiere überspringen, die sofort crfd’jg.n wurden. Brandwunden am Halse der erschlagenen Tiere zeigten deutlich den Weg, den der Blitz Kenommen hatte. Die übrigen Rinder, bereu Halsketten nicht an die Tränkrinne stießen, biteben unoersehrl.
mit dem preußischen Gnadengehalt, auf welches er verzichtet-, und der dichterischen Ruhezett bald vorbei. Er mußte erst nach der Schweiz, dann nach England flüchten, kehrte aber 1848 nach dem Ausbruch der Revolution wieder zurück- Er wohnte in Düsseldorf, wurde wegen des Gedichtes „Die Toten an die Lebenden" verhaftet und wegen Majestätsbeleidigung an- geklogt, jedoch freigesprochen, bann aber 1851 wegen der politischen Gedichte wieder unter Anklage gestellt, sodaß er abermals nach London flüchtete Erst 1868 kehrte er wieder nach Deutschland zurück, nachdem eine National-Subflription ihm die Lebenssorgen abnahm, sodaß er bis zu seinem Lebensende mit 18. März 1876 in Ruhe in Cannstatt bei Stuttgart verbleiben konnte.
Freudig nahm er noch Anteil an den Ereignissen don 1870/71, und seine Gedichte „Die Trompete von Grovelotte" und „Hurra, Germania" gehören zu dem Besten, was die damalige Literatur dervorae- bracht hat.