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37. Iahrgavg.

2. Blatt.

Druck und Verlag der Zuldaer Actirndruckerel in 8«lda.

4- Die Neuregelung der Wohnnngs- geldzuschnfie in Prentzen.

Der Gesetzentwurf zur Abänderung der Vorschrif­ten über die Wohnungsgelbzuschüsse und Mietsent­schädigungen ist vom Abgeordnetenhause in einer Fas­sung angenommen worden, die im wesentlichm der Regierungsvorlage entspricht. Auch das Herrenhaus hat ihm inzwischen seine Zustimniung gegeben

Es ist erfteulich, daß nunmehr das im vorigen Jahre geschaffene Provisorium beseitigt ist und die Beamten mit dauernden Verhältnissen rechnen können. Aber eine wirklich ungetrübte Freude an dem Gesetze hatte im Abgeordnetenhause eigentlich niemand. Es ist erklärlich und kann nicht verwundern, wenn vor allem die deklaffierten Orte mit der jetzigen Neurege­lung sehr wenig zuftieden sind. Aber man braucht nicht zu den Betroffenen selbst zu gehören, um aner­kennen zu müssen, daß die nunmehr beschloffene Orts­klaffeneinteilung alles andere denn als ideal genannt werden kann Der Abg. Giesberts hat im Abgeord­netenhause zu diesem Punkte ein umfangreiches Ma­terial vorgetragen, unter besonderer Berücksichtigung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes- Wenn nian da hört, daß z B die Genieinde Alteneffen um nicht weniger als 2 Klassen tiefer steht gegenüber der Stadt Effen, trotzdem die wirtschaftlichen Verhältniffe vollständig gleichartig sind, so muß man sagen, daß eine solche Ortsklaffeneinteilung weder gerecht noch zweckmäßig ist.

Es ist vorgesehen, im Jahre 1918 eine Neurege­lung der Wohnungsgeldzuschüffe vorzunehmen. Vor­aussichtlich wird dann ein sehr scharfer Kampf um die Ortsklaffeneinteilung enfftehen. Aber auch dann wer­den der Kampf und die Unzufriedenheit nicht aufhören, denn es fft selbstverständlich, daß alle Gemeinden auf die Versetzung in eine höhere Ortsklasse die größten Anstrengungen richten. Unter diesen Umständen hat bereits bei den jetzigen Verhandlungen des Abgeord^ netenhauses der Gedanke sich manche Freunde erwor­ben, die Unterscheidung der Wohnungsgeldzuschüffe nach Ortsklassen vollständig fallen zu lassen, den Wohnungsgeldzuschuß vielmehr als eine feste Zulage zu dem Gehalt der einzelnen Beamten­kategorien auszugestalten.

Es läßt sich nicht verkennen, daß für eine derartige Regelung, die bis zum Jahre 1918 wohl noch viele weitere Freunde finden wird, auch gewichtige sachliche Erwägungen sprechen Der Beamte, der mit seiner Faniilie in der Großstadt wohnt, hat zwar mit teuren Wohnungsverhältniffen zu rechnen, auf der anderen Seite aber gewährt ihm die Großstadt zahlreiche Annehmlichkeiten, die dem Beamten in den kleinen Gemeinden mit billigeren Wohnungsverhält­nissen nicht zu Gebote stehen- Um einen der wichtig­sten Punkte zu nennen, erinnern wir nur an die S ch u l v e r h ä l t n i s s e. Der Beamte in der Groß­stadt kann seine Kinder in die höheren und mittleren Schulen seines Wohnortes schicken, der Beamte in der kleineren Gemeinde muß seine Kinder nach auswärts schicken; was er am Wohnungsgelde spart, das muß er dem Erziehungsgelde oft doppelt und dreifach zu- rechnen. Man kann es nur als gerecht bezeichnen, daß auch diese Verhältnisse Berücksichtigung finden, denen zweifellos am besten durch einen einheitlichen Wohnungsgeldzuschuß Rechnung getragen werden könnte. Eine solche Regelung würde auch noch nach anderer Richtung wohltätig wirken. Sie würde die Landflucht der Beamten hemmen und eine bessere Berücksichtigung der persönlichen Verhältniffe der Beamten bei der Zuweisung ihres Amtssitzes mög­lich machen.

Die jetzt getroffene Regelung der Wohnungsgeld- juschüsse wird für die nächsten 8 Jahre eine Aende- rung wohl nicht erfahren; in dieser Zeit aber mögen sowohl die Beamten wie die maßgebenden Regierungs- - stellen ernsllich die hier vorgeschlagene Regelung über­legen, die — tote zu ihrer Empfehlung hinzugefiigt werden kann — in Bayern sich bereits bestens bewährt hat.

deutsches Reich.

0 Der freisinnige Katzenjammer. Aus dem Kreise U e ck e r m ü nd e-U s o d e m-W ollin wird uns zu der dortigen Reichstags-Nachwahl geschrieben: Das Morgenrot einer neuen liberalen Epoche, das man auf

der Linken nach der Wahl in Lhck-Oletzko-Johannis- burg aufgehen sah, ist sehr schnell hinter dunsten Wol­ken verschwunden. Der .Fortschritt, von dem man träumte, ist nämlich nicht den Liberalen zugute gekom­men, sondern den Sozialdemokraten. In Jauer- Bolkenhain hat man zwar, da für zwei große Parteien der Sozialdemokrat das größere Nebel war, noch ein­mal zu siegen vermocht. In Neckerinünde aber schmet­terte der Sozialismus im kräftigen Ansturm die Po­sition seines Vaters, des Liberalismus, erbarmungslos über den Haufen; nicht einmal in die Stichwahl kam er, gleich im ersten Wahlgang wurde er besiegt. Das Hauptblatt der Partei in Berlin, die „Freisinnige Zeitung", hat natürlich für diesen unerwarteten WM- ausfall allerlei Gründe, die den Eindruck dieser be­jammernswerten Niederlage abichwächen sollen Ueber das, was darin über die Agitation zugunsten des kon­servativen Kandidaten gesagt worden ist, lacht man int Kreise allgemein; eifriger und rücksichtsloser als die freisinnige Agitation ist die des konservativen Kan­didaten von Höhlendorf-Kölpin sicher nicht gewesen. Die arte Geschichte, daß die Konservativen siir Wahl­zwecke kein Geld haben, wiederholte sich auch hier, wahrend der Freisinn ja nur in seinen großen Geld­sack zu faffen brauchte. Das Argument der Freisinni­gen, viele freisinnige Wähler seien zu Hause geblie­ben, erweckt noch mehr jpeiterteit; beim die Leute, die au' dem Acker tätig gewesen sind, die hätten ganz sicher nicht fteistnnig gewählt, eher konservativ. Es bleibt von Entschuldigungsgründen für die liberale Niederlage nichts übrig als allein die Tatsache, daß große Massen der f r e is in n i g e n W ä h l e r s ch as t in festem Schritt und Tritt ins Lager der Ge­nossen abgeschwenkt sind. Ganz so, wie es anders auch immer war, und es in Zukunft überall sein wird, sobald der Linksliberalisn.us die „Volks- aufklärung" mit denselben verlogenen Mitteln betreibt die seit der Zertrümmerung des Blocks bei ihm Mode geworden sind. Ein Punkt in dem freisinnigen Ent­schuldigungszettel hat allerdings seine Berechtigung, nur mit der Abschwächung, daß er in derselben Weile den Konservastven zugute kommt. Der Freisinn hat in dem Wahlkreise kelne Presse. Die Konserva­tiven freilich auch nicht; die Amtsblätter dort sind überall farblose Annoncenblätter, die sich in politisch erregten Zeiten recht unbequem fühlen. In einem Wahlkreise, wo 20 000 Stimmen abgegeben werden sollte man ja nun eigentlich das Bestehen einer aus­reichenden Presse für möglich halten. Es kann aber hier ein Vergleich mit oen kulturell höher stehenden Bezirken nicht zulässig erachtet werden. Während im Westen auch der Heinfte Mann sich schämen würde wenn er auch nur 8 Tage ohne seine gewohnte Lektüre wäre, hat hier die größere Zahl der Einwohnerschaft überhaupt nicht das Bedürfnis zum Lesen. Daß unter »Men Umständen sich der politische Kampf überaus chwierig gestaltet, und die große Masse der auf jede Erziehung durch die Presseauftlärung verzichtenden Wähler sich im Wahlkampf genau so wie in Lyck- Olctzko von geriebenen Agitatoren hin und her werfen läßt, bedarf keiner Erörterung. Für die politischen Parteien aller Richtungen und aller Gegenden be­deutet diese Seite des Wahlkampfes eine ernste Lehre. Wer seine Presse vernachlässigt, 1 untergräbt seine Stellung.

• Thom, 14. Juni 1910. In der ,Elb. Big.' ' liest, man: Em eigentümliches Licht auf die Ge- i chäftspraxis mancher Landwirte in den । Ansledtungsprovinzen wirft die Nachricht, < daß Herr Kürbis fein Gut Seyde (Kreis Thorn) 1 an einen Polen verkauft hat. Kürbis besaß vor ! einigen Jahren das Gut CHolewitz im Kreise , Briesen und bot es, da er aus anscheinend stich- ! haltigen Gründen an der Bewirtschaftling eines - größeren Gutes verhindert zu sein glaubte, der An- , iedlungskommission wiederholt dringend mit der i Drohung an, das Gut sonst an einen Polen zu < verkaufen. Er erreichte damtt, daß die Ansiedlunqs- i kommission das G. t schließlich zu einem Verhältnis. ° mäßig sehr hohen Preis kaufte. Gegen Er- l warten erwarb Kürbis bald darauf das G u t S eyd e ? und suchte es dann in ähnlicher Weise an die An- iedlungskommission zu veräußern. Da sich diese i Behörde zur Zahlung des geforderten hohen Preises nicht entschließen konnte, machte Herr K. das Ge- - chäft mit einem Polen. — Die alte Geschichte! E

Aus dem Nachbargebiete.

* Wrudershausm b. Tann, 14. Juni 1910. Als eine Seltenheit dürste es zu verzeichnen fein, daß Herr Lehrer H. Müller aus seinem Garten bereits gestern ein größeres Quantum Frühkirschen pflücken konnte.

♦ Hersfeld, 16. Juni 1910. In diesem Herbst wird hier eine landwirtschaftliche Winterschule errichtet. Als Leiter ist Herr Direttor Fürst aus Oldislohe gewählt worden.

♦ Kelsterbach, 14. Juni 1910. Ein italienisches Ehepaar hatte sich in seiner Heimat eines schweren Einbruchsdicbstahlsschuldiggemacht und war dann geflüchtet. Die Ausreißer sanden später Ar­beit in der hiesigen Kunstseidefabrik. Doch die Ruhe vor dem Richter fanden sie nicht. Ihr Aufenthalt wurde ermittelt und gestern erfolgte auf Anordnung der Mailänder Gerichtsbehörde die Verhaftung des diebischen Paares.

* Frankfurt a. M., 16. Juni 1910. Bei der im Hause des Bankiers Alexander Mayer erfolgten Bombenexplosion soll es sich nach den Er­mittelungen der Polizei um einen schlechten Scherz handeln.

* Göttingen, 14. Juni 1910 Auf eine originelle Idee, sich kostenlos einen fidelen Abend zu verschaffen, kam der Arbeiter Wohthal zu Uslar. A l s B e 111 e r kostümiert, die Maske vor und ein Plakat um­hängend mit der Aufschrift: „Ein armer Reisender bittet um eine kleine Gabe", ging W- am 6. Februar auf den vom „Turnklub Uslar" veranstalteten Mas­kenball. Die Gaben flössen reichlich, 5, 10 und 20 H gab man dem „armen Reisenden" scherzeshalber, da man in ihm einen legitimen Festteilnehmer vermutete. Etwa 3 Mark, die W. auf diese Weise erbettelt hatte, setzte er sofort in Bier um und gedachte sich dann heim­lich und unerkannt zu entfernen. Da riß man ihm die Maske ab und entdeckte, daß es ein Fremder war, der sich eingeschmuggelt hatte. Wegen Betrugs und Bettelns zur Anzeige gebracht, nahm das Schöffenge­richt Uslar nur das letztere Delikt an und erkannte auf einen Tag Haft, Weniger ernst faßte das Berufungs­gericht, die Göttinger Strafkammer, die Sache auf und erkannte auf Freisprechung.

* Worms, 16. Juni 1910. Die Handelskammer hat eme Eingabe an den deutschen Handelstag ge­richtet, darauf hinzuwirken, daß auf dem diesjährigen internationalen Kongreß die Festlegung des Osterfestes beschlossen werde.

Marktbericht.

* Frankfurter amtliche Notierungen der Bielimarkt- preise vom 15. Juni. Austrieb: 773 Rinder, 342 Ochsen, darunter 24 Österreich., 24 Bullen, 407Färsen u. Kühe, 492 Kälber, 92 Schafe 1637 Schweine, keine Ziegen. Preise für 1 Zentner: Rinder: ä. Ochsen: a. vollfleifchige, ansgemästete höchsten Schlacht wertes höchstens 6 Jahre alt (Lebendgewicht) 46—50 Mark, (Schlachtgewicht) 83—87 M., b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete (Lebendgew.)42—45 M., (Schlachtg.) 77—82 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere (Lebendgew.) 38-41 M., (Schlachtgew.) 70—75 Mark, d. gering genährte jeden Alters (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew.) 00—00 M. 8. Bullen: i. vollfleifchige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 42- 45 Mark, (Schlachtgew.) 70-75 M., h- vollfleischge jüngere (Lebendgewicht) 00 - 00 Mk., (Schlachtgew.) 00—00 M., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere (Lebendgew.) 00- 00 Mark, (Schlachtgew.) 00— 00 M., d. gering genährte (Lbgew.) 00—00 Mk., (Schlachtgew.) 00 — 00 M. 0. Färsen und Kühe: a. vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 45—46 Mark, (Schachtgew.) 76—82 M., b. vollfleifchige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu . 7 Jahren (Ldqew.) 39—42 Mk, (Schlachtgew.) 72—75 M., c. ältere aus­gemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Lebendgew.) 35—40 M., (Schlachtg.) 67—75 Mark, d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 26—30 Mk., (Schlachtgew.) 51—60 Mk., e. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 23 - 00 M., (Schlachtgew.) 52—00 M. D. Gering genährtes Jungvieh (Fresser) (Lebendgew.) 00—00 M., -Schlachtg.) 00 - 00 M. Kälber: a. Doppelender feinste Mast (Lebendgew.) 00—00 M., (Schachtgew.) 00—00 Mark, b. feinste Mast- (Vollmilchmast) und beste Saugkälber Lebendgew.) 55—60 Mk., (Schlachtgew.) 91 — 100 M., >'- mittlere Mast« und gute Saugkälber (Lebendgew.) 50—54 Mk., (Schlachtgew.) 85—91 Mk., d. geringe Saugkälber (Lebendgew.) 46 -49 Mk., (Schlachtgew.) 77—83 Mk. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Lebendgew.) 39—40 Mk., (Schlachtgew.)

82—84 M-, b. filtere Masthämmel und gut genährte Schafe (Lebendgew.) 00—00 Mk., (Schlachtgew.) 00 bis 00 Mk., c. mäßig genährte Hammel und Schafe (Merz-Schafe) (Lebendgew.) 00 —00 Mk., (Schlachtgw.) 00—00 Mk., d. Marschschafe ober Niederungsschafe (Lebendgew.) 00-00 Mk., (Schlachtgew.) 00—00 Mk., Schweine: a. Fettschweine über 3 Zentner Lebend­gewicht (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew. 00—00 Mark, b. vollfleifchige Schweine über 2*/« Ztr. Lebend­gewicht (Lebengew.) 00- 00 Mk., (Schlachtgew.) oO bis 00 Mark, c. vollfleifchige Schweine über 2 Ztr. Lebend­gewicht (Lebendgewicht) 52—55 Mark, (Schlachtgewicht) 64,00 - 68,00 M., d. vollfleifchige Schweine bis zu 2 Ztr. Lebendgewicht (Lebendgew.) 52.00 —55.00 Mark, (Schlachtgew.) 66,00 —70,00 M., e. fleischige Schweine (Lebendgew.) 52.00—54.00 Mk., (Schlachtgew.) 63—68 Mark, f. Sauen (Lebendgew.) 00—00 Mk., (Schlachtgw.) 00—00 Mark. — Das Rindergeschäft wickelte sich sehr lebhaft ab. Der schwache Austrieb wurde frühzeitig abgeseht. Der Kälber- und Schafhandel gestaltete sich ruhig; es wird geräumt. Der Schweinemarkt verlief gedrückt und hinterläßt großen Uederstand.

IkrjridjiM her NkuanHassunM der Kaudesbibliothrk zu Fulda im Etatsjahr 1909. (Die Bibliothek leiht ihre Werke an jedermann in Fulda und außerhalb Fuldas unentgeltlrch aus.) (Fortsetzung.)

Vin, Rechts- und Staatswiffenschaft.

Amtsblatt (und Anzeiger) der König!. Regierung zu Kassel. 4°. — Jahrg. 1909.

Archiv, I. A. Seufferts, für Entscheidungen der obersten Gerichte in den deutschen Staaten. 3. Folge. München u. B. 8°. — Bd. 9, 1909.

Collectio librorum Juris Antejus tinian i edd. P. Krüger, Th. Mommsen, G. Studemund. Berol. 8°. T. 1- 3, 1878- 1905.

Conrad, I.: Grundriß zum Studium der poli­tischen Oekonomie. Jena. 8°. — T. IV, 2, II, 1. 1909.

Cosack, K.: Lehrbuch des Handelsrechts. 6. Aufl. Stultz. 1903. 8“.

Enneccerus, L.: Lehrbuch des bürgerlichen Rechts von Enneccerus, Kipp und Wolff. 4. und 5. Aufl. Marburg. 8». — Bd. I, Abt. 1, 1909.

Freese: Die konstitutionelle Fabrik. Jena 1909. 8°.

Gesetzsammlung für die Königlich Preußischen Staaten. B. 4°. — Jahrg. 1909.

Handbuch des öffentlichen Rechts der Gegen­wart . . . Hrsg, von G. Jellineck und R. Piloly. Tübingen. 8°. — Einleitungsband VII, 1. 1909.

Jahrbuch, Statistisches, Deutscher Städte. Hrsg, von M. Neffe. Breslau. 8°. Jahrg. 16, 1909.

Jahrbuch, Statistisches, für den Preußischen Staat. Hrsg, vom Kgl. Statist. Landesamt. Jahrg. 6. B. 1909. 8°.

Keyserrccht, Das, nach der Handschrift von 1372. sCod. Fuld. D 31.] Hrsg, von Endemann. Staffel 1846. 8°.

Keutgen, F.: A em ter und Zünfte. Jena 1903. 8°.

Neukamp, E.: Gewerbeordnung für das deutsche Reich. 8. Aufl. Tüb. 1910. 8°.

Rechtsprechung, Tie, dcs Reichsgerichts in Zivil­sachen . . . Hrsg. . . . von Hugo Neumann. 1. Bür­ger!. Gesetzbuch. Bd. I, 9-14 u. II, 6-11. B. 1909. 8°.

Reichs-Gesetzblatt. B. 4. — Jahrg. 1909.

v. Schulte, I. F.: Literaturgeschichte der Compi- lationes antiquae. Wien 1871. 8°.

v. Schulte, I. F.: Die Kompilationen Gilberts u. Alanus. Wien 1870. 8°.

Seuffert, L.: Kommentar zur Zivilprozeß­ordnung .. . 10. Ausl. Bd. 2. Münch. 1909. 8».

Stein, Friedrich: Die Novelle zur Zivilprozeß­ordnung vom 1. Juni 1909. Tüb. 1910. 4°.

Zehetbauer, F.: Das Kirchenrecht bei Boni­fatius. . . . Wien u. L. 1910. 8«.

Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissen­schaft. Hrsg, von Liszt und Lilienthal. B. 8°. — Bd. 29 u. 30, 1908-10.

(Schluß folgt.)

Reklamen- und Anzeigenteil.

NEST LE

„M Altbewährte Nahrund ■ fürKinderundKra n ke

Meines Feuilleton

— Die Generalversammlung der Görresgesellschast wird in diesem Jahre, wie auf der vorjährigen Versammlung zu Regensburg beschlossen wurde, in Rietz stattfinden, und zwar in den Tagen vom 3. —5. Oktober. Einladungen an die Mitglieder mit Programm werden später versendet. Die Vor- bereitungen find schon längst im Gange, zahlreiche neue Mitglieder wurden durch die Tätigkeit des Metzer Ortslomitees gewonnen.

— Wer ist der Erfinder des Pneumatiks? Die Hauptstadt Schottlands, Edinburgh, befindet sich ge­genwärtig in großer Bedtängnis. Sie will dem Er­finder des Pneumatiks ein Denkmal setzen und steht nun vor der Frage, ob sie ein Bronze- ober Marmor­standbild R. W. Thomsons ober John Dunlops er­richten soll. Der erste ließ im Jahre 1845 einen mit Lust gefüllten Schlauch patentieren, unb der anbere er­fand 1888 ben heute allbekannten Pneumatik. Der Streit um bie Priorität ber Erfindung betrifft eine I der erstaunlichsten Episoden ber Weltinbustrie; sie | beginnt_mit einer Entbecknng unb gipfelt in finan­ziellen Operationen von allergrößtem Umfange. Im Jahre 1845, als Thomson sich bie Idee eines mit Lust gefüllten, um bie Wagenräder gelegten „Gurtes" pa­tentieren ließ, fanb diese Erfindung nirgends ein ß^o; 43 Jahre später kam Dnnlop auf die gleiche «3bee, ohne von seinem Vorgänger etwas zu wissen. Dunlop hat später selbst geschildert, wie er seine wert- -^^"d^Grfmbung machte. In jenen Jahren wa- » , 'e "S^rheitssahrräder" stark in Aufnahme ge- f?iue Sohn Dunlops besaß gleich- Bands mn^reirrab • 2lbet die Wege in dem Teile berbafter Verfassung “unP "T 1”

Stuckern» •>,, Jrl”8, ""d um bern Knaben bas Zabnarzt war, mss "L T V

sie nicht ein Herr Harvey bu Eros interessiert hätte, bet in irischen Sportkreisen eine große Rolle spielte' Mit bem Instinkt bes Geschäftsmannes erkannte bu CroS sofort ben ungeheuren Wert des Pneumatiks für Fahrräder und legte sich mit aller Macht für die Verbreitung des Pneumatiks ins Zeug. Aber auch trotz seiner Verwendung war der Erfolg anfangs gleich Null. Fahrcabsabrikanten tote Fahrradkäufer verhiel­ten sich gegen ben „plumpen" Schlauch mehr als kühl. Schließlich aber gelang es bu Eros boch, einen Kreis irischer Fahrer für ben Pneumatik zu interessieren, und nach langen unb harten Kämpfen kam er bann schließ­lich auch allgemein in Aufnahme. Wäre auch Dun- lops Erfindung ber Vergessenheit anheimgefallen, fo [tänbe ohne Zweifel webet unsere Fahrrad- noch die Äutomobilindustrie auf ber heutigen Höhe unb noch viel weniger besäßen wir heute schon ben Aeroplan Denn nach bem Pneumatik kam bet Automobil m o - tot, unb biefer wurde wieder zu dem noch viel lei­stungsfähigeren Motor ausgebilbet, ber überhaupt bas Fliegen erst möglich macht. Millionen von Räbern smb mit Pneumatiks ausgestattet worben, eine halbe Mil­lion Automobile sinb schon jetzt über ben Erdball ver­teilt, unb sie find alle mit Pneumatikreifen ausgestattet Das Werben fo vieler umfangreicher Industrien, bie Schaffung fo vieler neuer ungeheurer Vemögenswerte verbankt man aber nur bem Ilmstaube, baß ein Kind unter ber schlechten Beschaffenheit irischer Straßen litt unb baß sein Vater es vor dem „Stuckern" be­wahren wollte.

— Die Eiltdeckung eines seltsamen Zwergvolkes in N e u-G u i n e a, die einer von ber britischen Ornitho­logischen Gesellschaft au3gefanbten Forschungsexpedi- tion gelungen ist, erregt in englischen Gelehrtenkreisen bas größte Auffehen- Währenb ber Besteigung ber großen Schneeberge im Innern von Nieberläudisch- Neu-Guinea stteß in einer Hohe von etwa 2000 Fuß bie Expebitton auf einen Volksstamm, besten Angehö­rige eine Durchschnittsgtoße von nur 4 Fuß 3 Zoll haben. Außer bet Kleinheit ber Gestalten erregte vor allem bie außerordentliche Dunkelheit der Haut beson­deres Aufsehen. Die Hautfarbe erinnert an einen mit Gravbit friM» aetoroänten Ofen. Seltsam ist auch

die Nasenform dieser Zwerge: die Nase ist auffällig breit, dabei verhältnismäßig kurz, bie Breite entspricht ber Höhe Das Haar ist gekräuselt unb wächst in merk­würdig isoliert stehenden Büscheln. Das Volk emährt sich durch Jagen unb Fischen. Hauptwaffe ist ber Bo­gen; bie Pfeile werden meist vergiftet. Besonders inter- cffant ist eine merkwürdige Art mechanischer Waffen­konstruktionen, beten sich bie Pygmäen zum Fallenstellen unb Jagen bebienen. Es handelt sich dabei um eine Art Bambusspeer, ber an einem stark gekrümmten jun­gen Baum ober Ast befestigt ist. Die Krümmung bes Astes wirb durch eine Art Hebel bewirkt, ber durch einen kleinen Ruck leicht zu lösen ist. Im Grase wirb eine dünne Leine gespannt, bie an einem Ende mit bem Hebel in Veröinbung steht. Wer nun baherschreitct unb über bie unsichtbare Seine stolpert, lost durch den Ruck ben Hebel, ber gekrümmte Baum richtet sich mit Wucht auf unb schleubert babei ben Speer auf bas Tier ober ben Menschen, der bie Leine berührt hat. Diese Vor­richtung bient gewöhnlich ber Jagd; in Friedenszeiten ist bie Falle auch durch besondere Zeichen kenntlich ge­macht, gewöhnlich durch einen abgebrochenen Ast. In Kriegszeiten dagegen werden diese Zeichen entfernt- Die Wunden, bie durch diese automatisch geschlender­ten Speere verursacht werden, sind schwer und in den meisten Fällen tödlich. Trotz der Erfindung dieser sinn­reichen Einrichtung sind bie geistigen Fähigkeiten ber Pygmäen so gut wie gar nicht entwickelt. Kemer von ihnen war z. B imftanbe, eine Zahlenvorstellung auf­zunehmen, die über drei hinausging. Das kleine Volk lebt sorglos unb glücklich; haben bie Pygmäen einmal Vertrauen gefaßt, so zeigen sie bie größte Gastlichkeit. Die Forscher sinb auch auf Spuren jenes geheimnis­vollen Niesentieres gestoßen, dessen Existenz in Neu-Guinea vor kurzem von einem andern englischen Forscher, Mr. O. W. Monckton, berichtet wurde. Nach dm Aussagen der Eingeborenen hat dies rätselhafte Tier eine Nase, die in ihrer Form etwa der Nase des Tapirs entspricht und ein Gesicht „wie ber Teufel". Als Monckton im Westen von Britisch-Neu-Guinea den Albert-Edwarb-Berg bestieg, fand er bie riesigen Fuß­spuren bieses Tieres, das offenbar kurz vorher auf dem -Berge in einer Höbe von 12 500 Fuß gegrast hatte.

Alle Versuche, ein Exemplar dieses Tieres, das nach den Spuren zweiteilig gespaltene Hufe hat, zu fangen, sind bisher gescheitert-

-- Aufschneidereien. Zwei Amerikaner, einer aus Newhork und einer aus Philadelphia, streiten um den Preis im Ausschneiden und der Leser soll Schiedsrich­ter fein. „Du", sagt der Philadclphier und spritzt einen braunen Satt zwischen den obern Schneibezähnen her­aus an die Wand, „bei uns haben sie jetzt eine Ma­schine erfunden, eine Schweineschlachtmaschme; über bie kommt nichts auf. Vorne hat sie ein großes Loch unb rückwärts hat sie ein paar kleine Locher, das übrige ist Geheimnis. Will man ein Schwein schlachten, so ist bas sehr einfach. Man wirft das Vieh, wie's leibt und lebt, ins große Loch, dreht ein paarmal herum und bie Arbeit ist getan Aus einem ber kleinen Löcher kom­men die Borsten heraus, schön, sauber unb in Päckchen für den Borsienbinder, aus einem andern der Speck, aus ben- briüen das Fleisch unb aus bem vierten die Blut- unb Leberwurste . . . Freundchen, was willst du noch mehr?" — Darauf entgegnete der Neuhorker: »Ich will bas Fleisch auch gleich gebraten unb die Würste gleich gesotten haben unb das liefert unsere bereinigte Schlacht- unb Kochmaschine. Ja, sie tut noch mehr. Wenn nämlich bie Würste nicht gut ge­raten sind, der Braten brenzelt zu viel, schwupps! schmeißen wir Würste, Fleisch, Schmalz unb Borsten wieder in bie kleinen Löcher hinein, drehen ein paarmal zurück und auitsch! kommt vorn die Sau fix und fer­tig wieder heraus unb läuft, was sie kann, dem Stalle zu "

— Ein unfreiwilliger politischer Witz findet sich aus Selle 561 des amtlichen stenographischen Be­richts über die Verhandlungen in der bayerischen Abgeordnetenkammer. Dort heißt es in einer Rede Pichlers: „Der Verkehrsminister glaubte . . . das alte Sprichwort zitieren zu können: Wer den Haller nicht ehrt, ist den Taler nicht wert." — Der sozial- demokratische Abgcordneie Haller, der gegenwärtig in Brückenau »eilt, wird sich freuen, auf diese Weise amllich der Ehrung des Volkes auempsohleu zu fein.