M 154.
mtttwA d« IS. Satti 1910.
II. Jahrgang.
* fildatr M Zeitung *
2. Blatt.
Druck imb Verlag der Zulbaer Aetlenbrnckerei in $elb«.
Deutsches Reich,
H.
nommen.
Reklamen- und Anzeigenteil.
Aus dem Nachbargebiete.
* Stammen (Kr. Hofgeismar), 13. Juni 1910. Gestern vormittag ertrank in der Diemel hinter bem von Pappenheimfchcn Gute der etwa 21jährige Maurer Gustav Meier von hier. M, der des Schwimmens nicht kundig war, hatte sich zu weit in den Fluß gewagt und wurde durch die starke Strömung mit fortgeriffen.
* Frankfurt a. M., 14. Juni 1910. Nach dem Vorbilde wissenschaftlicher Institute Englands und anderer Staaten hatten die Senttenber- gische Naturforschende Gesellschaft und der Physikalische Verein die Gesellschaft Frankfurts zu einem Empfange auf Samstag abend eingeladen. Die beiben Institute waren für den Abend durch einen ZeUgang verbunden, sodaß die übergroße Zahl der aus Gelehrten-, Beamten- und Geschäftskreisen erschienenen Herren und Damen hinüber und herüber wandeln konnten. In den meisten Hörsälen und Laboratorien gab es wäh- i rend des ganzen Abends Vorlesungen und Vor- sührunoen wissenschaftlichen Charakters vor einem Zuhörerkreis, der sich jeweils zwanglos bildete
* Oppenheim, 12. Juni 1910. lieber das Ver- mögen des verstorbenen Notars I u st i z r a t Hubert ist nunmehr das Konkursversahren eröffnet worden. Nach dem bisherigen Stand der I Angelegenheit glaubt man, daß für die Geschädigten I etwa 10 bis 12 Prozent herauskommen werden.
* Biebrich 14. Juni 1910. Die Stadtver-1 ordneten lehnten in ihrer letzten Sitzung aber-1 mals die beantragte Ortszulage von 600 Mk fut die Bolkrschullehrer ab, und zwar wegen der ungünstigen finanziellen Lage der Stabt. I
in der empfindlichsten und empörendsten Weise gestört wurde? Wo blieb die bayerische Staatsregierung, als der Evangttische Bund, als das Frei- denkertum, als der Monismus, als der „Strnplizissi- muS', die .Jugend' und andere katholikenfetndlichen Blätter die katholische Kirche in der vettetzenbsten und empörendstm Weise schmähten und beschimpften und dadurch den konfessionellen Frieden in der empfindlich- sten Weise störten? Kein Wort hat man damals gehört, mit dem die bayerische Regierung diesen Frie- denSstörem entgegenzutreten gewagt oder sich veranlaßt gesehen hatte. Umso auffallender müßte es erscheinen, wenn jetzt auf einmal die bayerische Regie- rnng dem hl. Stuhl gegenüber den Mut zum Borgehen gefunben hätte, den sie den frivolen, systematischen, langjährigen Friedensstörungen im Lande fefifft gegenüber hat vermissen lassen. DaS wäre eine e t n s e i - tige Partei einnahme für den Protestantismus und eine Zurücksetzung und Verletzung der Katholiken.
.Und Du hast kein Recht, mir das noch heut' vor- z werfen', braust Gustel aus, und' schon hat sie ein hartes Wort auf ihrer Zunge.
Hüter der europäischen Kultur gewesen, daß ohne das Papsttum die Welt nichts wüßte von Freiheit, well die Allmacht der Staatsgewalt alles erdrückt hätte, daß Europa ohne das Papsttum eine Wüste wäre, weil alle Kultur und Zivilisation von Tütten- und Mongolenscharen vernichtet worden wären'
DaS Papsttum, das muß man immer wieder sich bet der Beurteilung seiner Repräsentanten beherzigen, ist nicht Organ der göttlichen HeilSoffenbamng, sondern nur deren gottbestellter Hüter- Die einzelnen Päpste waren nicht Propheten, nicht Empfänger und Träger neuer Offenbarungen. Wer d a S sein will, der muß allerdings an erücr Stelle auch durch sein persönliches Leben der göttlichen Wahrheit zur Anerkennung unter dem Menschen verhelfen. Wer sich aufwirst als Reformator, als Sitten- und Kirchenverbesserer, der muß vor allem an sich selbst das Ideal, das er erstrebt, so weit es ihm möglich sst, verwirklichen und ein Spiegel der zu Neformiermden sein, wie BiuS X. mit Recht in seinem Rundschreiben hervorhebt. In wieweit die Begründer der Reformation diesen Ansprüchen gerecht geworden find, ist eine Frage, die zu beantworten gegenwärtig bei der leidenschaftlichen Verwahrung gegen den .Angriff' der Enzyklika auf die Reformatoren sich förmlich aufdrängt, wir unterlassen es gleichwohl, um unsererseits nicht zur weiteren Erregung beizuttagen. Doch das darf man zur Würdigung der Worte des Papstes doch wohl sagen, daß kein anderer als Luther selbst über die Wicknngen der Reformation auf die Gläubigen nch sehr pessimistisch ausgesprochen hat Wiederhoü muß er das Geständnis machen, daß die Sittenzustände noch viel trauriger seien als zuvor unter dem Papsttum. Zitate au? seinen Schriften stehen zum Beweise dessen genügend zur Ver- ügung.
Näher darauf einzugehen untersagen wir unS aus Liebe zum Frieden, aber erwähnen muß man es, damit auch die Gegner, die das eine oder andere Wott der Enzyklika als hart empfinden, es verstehen, wenn der hl Vater seinem Schmerze über den Abfall ganzer Völler von der Kirche in bitteren Klagen Ausdruck gibt. Seinen Schmerz teilen alle wahren Ka- tholllen. Ein lindernder Balsam sei auftichtige Liebe zu allen Andersgläubigen.
jalsschlag getroffen, so muß man ihn wieder aufzu- nchten versuchen . . . Und das will ich tun- Laß' ein Wort mit Dir reden. Lös' auf ein’ alten Mann, Geh' in Dich, bereu', was Du 'ton hast, vielleicht wend't sich noch alles wieder zum Guten.'
Gustel war so mächtig ergriffen.
.Was Du mir jetzt g ratschlagt hast', sagt sie mit tränenerstickter Stimme und ergreift die Hand des Wurzelgrabers, .das hab ich schon längst ton.'
.Dann ist noch nit alles verloren', meint der Alte frtubig, nimmt wieder Messer und Holz und schnitzelt weiter. Nach einer Weil' ruft chn der Rosner. Er legt Messer und Holz beiseite und geht hinaus.
Gustel ist allein. Ihr Herz ist zum Zerspringen weh. Sie stützt den Kopf in ihre Hand und sinnt.
Bs. Die „schlechten Päpste"
haben, wie vorauszusehen war, in zahlreichen Protetestreden und Schmähartikeln gegen die päpstliche Enzyklika wieder einmal Revue passieren muffen.
Im Wiesbadener liberalen .Rheinischen Kurier' hieß es: .Daß es beinahe wie Wahnwitz llingt, wenn das Papsttum sich in einer derartigen Form, wie eS in der Enz^lcka geschehen ist, zum Richter über die Reformation und den Protestanttsmus aufwirst, wird uns jeder, der die Geschichte des Papsttums kennt, ohne weiteres bestätigen.' Einige Grade gewöhnlicher treibt es die Frankfurter sozialdemokratische „Volksstimme'. Sie bringt ein ganzes Register von Päpsten, die an Moralität den Reformatoren weit nachständen
Es hieße den liberalen und sozialdemokratischen Blättern zu viel Ehre antun, wollte man sich mit ihnen m eine wissenschaftliche Auseinandersetzung einlassen; man weiß ja, daß bei solchen Angriffen weniger die Liebe zur Wahrheit als der Haß gegen die Kirche die Feder füllt und leitet. Daß mit dem Htn^ meife auf den einen oder den anderen unwürdigen Träger der Tiam nichts, absolut nichtsgegendaS Papsttum als gottmenschliche Einrichtung bewiesen ist, brauchen wir dem Leser nicht zum Bewußtsein zu bringen, noch viel weniger, daß die geringere moralische Würdigkeit des einen oder des anderen Papstes den übrigen nicht das Recht nehmen kann, über die christlichen Sitten zu wachen.
,,, Die Fehler, die einzelne Päpste im privaten, kirchlichen oder politischen Leben begangen haben, werden immer mehr von den katholischen Geschichtsschreibern unverhohlen ein gestand en Die Geschichte der Papste des Mittelalters von Pastor kann als Beispiel dienen. Leo XIII. öffnete seiner Zeit ohne Rücksicht auf die Menschlichkeiten der Päpste das vatikanische Archiv der gelehrten Forschung. Ob auch die weltlichen Regenten mit derselben Weitherzigkeit die Archive ihrer Ahnen der Geschichtsforschung zu erschließen bereit sind, ist eine andere Frage- Die Sonne des Papsttums kann die paar Nebelftecken, das bischen Schatten ti ertragen, sie bleibt doch durch die Jayrbuntette hindurch der Licht- und Warmeguell für die religionsbedürft'ge Menschheit. Die katholikenfeindliche, voran die sozial- demokrattsche Presse, schlägt mit roher Faust der Wahrheit ins Angesicht, wenn sie immer wieder nur von dm .Sünde n* der Päpste zu be- nchien weiß, das unendlich viel Gute aber, das die Religion und Kultur dem Papsttum verdankt, tückisch . verschweigt, wenn sie ein paar pftichweraeffene Päpste
zu Repräsentanten und Typen des gesamten Papsttums stempelt, wenn sie den einzelnen bei der Beuttei- n Je,ner Persönlichkeit aus dem Rahmen seiner Zeit herausreißt, die Ursachen bet Mißstände nur in der päpstlichen Regierung, im .Pfaflenregiment', nicht ab« in ben verworrenen, beklagenswerten po- un~ sozialen Zustand en, in der Habgier, Pflichtvergessenheit weltlicher Regenten, in den Jn- tnguen römischer Patrizierfamilien (besonders im 9 und 10 Jahrhundert) sucht Aus keinem Throne haben mehr tugendhafte und heilige Männer gefeffen als auf dem Stuhle Petri. Nicht weniger als 75 von ihnen verehrt die Kirche als Heilige.
vermischtes.
** Die Exzesse der Bonner Korpsstudenten werden noch einmal das Gericht beschäftigen. Die StaatS-
Anslanü.
♦ Die Lage in Persien ist durch die noch immer andauernde Kabinettskrise sehr unsicher, zumal bei der Uneinigkett unter dm liberalen Parteien ein Ende noch nicht abzusehen ist. Die Besetzung der Stadl Barnpur durch die Engländer hat in Teheran Bestürzung v«ursacht. Man befürchtet die Besetzung von Südpersien durch die Engländer und in ähnlicher Weise die Okkupatton Nordpersiens durch die Ruffen. Von der Anleihefrage ist es still geworden.
* Der marokkanische Ränberhauptmann Raisuli ist, wie aus Tanger gemeldet wird, wieder regierungsfreundlich geworden. Er wurde unter starker Erweiterung seiner Befugniffe zum Gouvernmr von Alkassar und den benachbarten Distrikten ernannt.
** Roosevelt wird wieder in die politische Arena eintreten. In St. Paul im Staate Minnesota ist die Bildung einer neuen Partei beschlossen worden, welche die Rechte des Volkes gegenüber den Bestrebungen, die natürlichen Hilfsquellen des Landes zu monopolisieren, vertreten soll. An die Spitze bei neuen Partei, weiche noch keinen Namen führt, werden Roosevelt, der srübere Sekretär des Innern Garfield, sowie Pichont, ein vom Präsident Taft entlaffener Beamter, treten.
und nach drei Monaten konnte er das Krankenhaus in btt nächsten Stadt, wohin er gebracht worden war, wieder geheilt verlaffm. Bartls Eltem, welche in chm dm Hang zum Leichtsinn erkannten, drängten ihn, zu heiratm. Er erfüllte ihrm Wunsch, imb nach vier Wochen fühtte er bei Stollbauern Annamarie zum War.
Seit bem Kirchweihfeste haßte ihn Gustel, sie ersah in ihm ben Urheber all ihrer Leidm. Ein jäher Schreck imtchzuckte sie, als sie- dmselbm nun vor sich sah. Zomesröte stteg ihr ins Gesicht, und sie wandte cs ab von ihm.
.Du schreist mich ja gar nicht an', meinte er nach einer Welle.
.Hab' auch keinen Grund, Dich anzuschau'n', warf sie ihm kurz entgegen.
.Gustel!' rief er und beugte sich hinein und suchte ibn Hand zu erfassen.
«'^ühr' mich nit an!' schrie ihm Gustel zomig ju. .Du vergißt wohl, daß Du ein verheirateter Mann bist und ich noch immer bas Weib bes Ecker."
.Gustel!' meinte er, wieder zudringlicher werbend, .schau', ich hab' Dich so gern. Und wann ich auch jetzt verheiratet bin, deswegen bleibt doch - . *
.Ruhig? Nit weiter!' unterbrach ihn Gustel, beiligen Zornes voll, und verächttich schleuderte sie ihm die Borte entgegen: .Ich hab' Dich durchschaut, ich weiß, was Du von mir willst. Nit genug, daß Du schuld bist, daß ich ins Unglück kommen bin. Du willst mir mich das nehmen, auf was jedes Weib stolz ist, die Ehr? . . . Mein Frauenehr aber ist mir heilig' verstehst mich, die werd' ich zu hütm wissen. Und ein' Mmschm, der was Schlechtes von mir will, bem mill ich mich gchöng antwotten. Da hast!' Unb sie versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht, baß er gegen öß3 Fenster anflog, unb flirrend die Scheibe in tau* >enb Scherben zerbrach; bann eilte sie aus btt Stube.
.Recht ist Dir geschehen, Lump Du!' Der alte Wunelgrober war braunen vorbeigeganaen und Zeuge der tojme gewesen.
(Fortsetzung folgt.)
.Das Recht nimm’ ich mir auch gar nit 'raus' gegenredet der Alte, „aber Hand auss Herz, -hält’ 's jo weit zu kommen brauchen, als es gekommen ift? Der Ecker hat Dich und Tein Kind im Stich lassen ist auf und davon, und Tu mußt Dich jetzt als Dienft- bott durchs Leben frotlen- Jst s jetzt besser? Wär's nit schöner, wenn Du mit oem Ecker oben im Fottt- haus im Ftteden Hausen tatst?'
.JfttS meine Schuld, daß das heut nimmer fo ist? War ich schlecht . . ?'
.Schlecht nit', unterbricht er sie, .aber leichtsin- mg. Unb bet Leichtsinn ist eine arge Krankheit bie man nit so leicht losbringt. Schau', Gustel' 'unb Meich ttang bes Alten Stimmt, .was hätt'st Du in gejagt, wann der Ecker mit led'ge Dirnd'ln so um- g spmngen mär’, wie Du mit ben lebigen Burschen" Was ^itt st Tu so g’jagt, wenn er sich um sein Weib und fein Kmd nit kümmert hätt . . .?'
Gustel schwieg; aber ein Zucken um ihre Mundwinkel gab Zeugnis davon, daß diese Borte ihr £>Cn getroffen. v 5
.WaS hältst Du io gejagir fragt wieder t-cr Alte und ergreift bie zitternde Hand Gustels.
.Laß' mich, Sepp', antwottete sie, und weicht feinem Blick aus, .laß' mich unb quäl’ mich nit Zch hab' ja fch-a so viel ausstehen müssen wegen meiner bamaligen Handlungsweis.' In ihrem Auge schimmert eine Träne unb sie kämpft sichtlich gegen bie Erregung, die be» Alten Watte in ihrem l^üern bervor- gerufen-
. Das lügnerische, unrebliche Verfahren ber papst- Tetnbnen Geschichte- ober Papstschreiber wirb sehr dmstisch von einem hervorragenden Apologeten wie /algt geschildert: „Gesetzt ben Fall: Wir hätten bie Aufgabe, bie Geschichte Moltkes zu schreiben unb mürben dies tun ganz nach der Praxis dieser Papst- gefchichisschrekber. Dann käme etwa folgende Darstel- !U"S heraus: Hellmut von Meiste, 1800 zu Parchim n Mecklenburg geboren, gab so lange er in der Wi-ge lag, nicht selten Veranlassung über feilte Unsauber- Tert ja klagen, trat als Jüngling in dänische, danach in preußische Kriegsdienste, wurde nach der Türkei beur- wnbt, lebte eine zeitlang als Adjutant des Prinzen Jxmridijton Preußen in Rom unb würbe schließlich an ott de? preußischen Generalstabes Berufen. Während dec großen Krieg? m ?r ins Feuer, sondern hielt sich immer weit hinter der Front ans um wie er sagte, bie Sache besser übersehen zu könneii' ■d” der Schützenlinie ist er in dielen Kriegen nur einmal gewesen. Er «--'-»fe bnä Rittergut Kreissau unb starb 1891 . . Das wäre eine Darstellung von hj.n- mttschreienber Verlogenheit unb Entstellung unb doch nur Tatsachen. Gewiß Tatsachen, aber eben nicht alle Tatsachen, Wahrheiten unb boch nicht b i t Wahrheit. Denn trotz aller angeführten Tatsachen ist
Im Herrgottswmkel.
3] PnäUung aus den Bergen von Alfred Berus.
Es war ein wunderbar schöner Herbstnachmittag. Lwaußen im Garten, ber sich hinter bem Rosnerhofe atr rettete, blühten Aitern unb Herbstzeitlosen, bie einzigen Blumen, bie ber Herbst hervorzubttngen ver- wfG- , Die Strahlen ber vom grauen Gewölke um- dustertkn Sonne lagen schwach auf ber grauen Gegend, unb ba sang noch ein verspäteter Vogel sein Lieb. Die walbotstanbenen Gehängt unb Kuppen erschimmerten m rötlichem Scheine unb manch ein Baum streckte bereits seine kahlen Aeste in bie Luft.
In ber Gesindestube sitzt Gustel und beffett eine Joppe bes RoSners aus. Kmckensepp, ber alte Wur- zelgraber, der allwinterlich sich in einen anderen Hof ein gnad iert unb dort eine seinem Alter entsprechende Arbeit verttchttt, um nicht gerade umsonst daS Brot zu essen, trägt Holz herbei und schichtet eS hinter dem großen Kachttofen auf Als er fertig ist, setzt er sich auf bie Bank, gerade Gustel gegenüber, unb schnitzelt «päne zum Anheizen. Die Gustel unb der Knicken- sepp und gerade nicht sonberlich gut auf ebtanbet zu sprechen, denn Gustel glaubte, daß auch er mit dazu betgefragen hatte zu ihrem Unglück. Deshalb gibt sie tarn recht einsilbige Antworten auf seine Fragen.
.Warst $u heul’ im Segen?' fragt sie jetzt der Kruckense^.
diese Darstellung keine Lebensgeschichte MoltteS, sondern nur eine Sarrikatur, aus der kein Mensch, der nicht von Moltkes Verdiensten weiß, die großattige »ebeutung dieses Mannes erkennen kann; denn 99°/,, Prozent d« übrigen Tatsachen seines Lebens und seiner Leistungen find einfach unter ben Tisch geworfen unb baS reitige letzte Zehntel als seine Lebensgeschichte hingestellt. Genau so verfahren die Papstgeschichtsschreiber mit den Tatsachen Fleißig durchstöbern sie bie Rumpelkammer ber Geschichte, um bott irgenb eine Skanbalgeschichte aufzustöbern. Das tragen sie bann alles zusammen auf ein Häufchen und präsentieren es als Geschichte des Papsttums, zur Beurteilung und Charakteristik des Papsttums, unb wie sie ihre Machwette immer nennen mögen. . . . Müßten sie boch, wenn sie die ganze Wahrheit berichten wollten, auch davon erzählm. daß das Papsttum berTrägerunb
Literarisches.
Idealisten. Roman von M. Herbert. Verlag von I. Habbel in Regensburg. Geb. in Leinen Mark 4,—.
In diese scheinbar so stille und anspruchslose Geschichte spielen allerhand brennende Menschheitsfragen hinein, besonders Fragen deutscher Verhält« niffe. Ein Teil dieser deutschen Verhältnisse entrollt sich vor den Augen einer kosmopolitisch denkenden Amerikanerin und wird dadurch in schärfere Be» ieuchlung gerückt. Die Frage der Kindererziehnng erfährt manche Anregung, die Zustände, welche durch die unglückliche deutsche Religionsspaltung entstanden und noch heute so viele Schicksale beeinflussen, der deutsche PartikulariSmuS und feine Licht- und Schattenseiten werden erörtert. Es ist keine der land« iäufigen Liebesgeschichten, in denen alles gut auS» gebt, es ist eine Lebensgeschichte, in welcher Irrtum, Schmerz und Trennung ihre dunklen Töne mischen, und doch steht am Ende ein leuchtender Sieg. Das Ganze ist mit Schilderungen der hesfischen Landschaft durchzogen. Ans diese landschaftlichen Teile ces Romans hat der Verlag durch die den Kapiteln vorstehenden Vignetten liebevoll Rücksicht ge-
„Was fragst denn? " gibt ihm bie Gustel, seinem Blick ausweichend, zurück-
.Weil dich früher ’s ganze Jahr kein' Kirchen seh n hat. Da bist lieber am Tanzboden g'wesen', meint ber Sepp in seiner etwas berben Art.
. .Gehörst Du auch zu benen, bie mir alleweil vor- Itofcen, was g wesen fft, um mich zu kränken?' Bitter- lag in biesen Worten. .Na ja', setzte sie bann ^vas gleichgültig hinzu, .hast ja auch zu benen ge- die dem Ecker alles zugttragen haben.'
.. -Ist nit f wehrt sich Sepp, .ber Ecker hat T~tt 2^«gen -EM, er hat selber g’sehen, wie Du ben Leijj^m «wg^mngen bist.'
d* München, 14. Juni 1910. Die bayerische Zen- tmmspreffe bezweifelt bie Richtigkeit ber Meldung, baß auch ber bayerische Gesanbte b-im hl. Stuhl beauftragt gewesen sei, im Namen seiner Regierung Vorstellung wegen bet Bortomäus-En- Ihkllka bei ber Kurie zu erheben unb meint, wenn sie sich bewabcheiten sollte, sei sie geeignet, lebhaftes Befremden hervorzurufen- Die bayerische Staatsregie- ung habe sich bamit eine Einmischung in rein kirchliche Dinge erlaubt, bie auss Schärfste zurückqewiesen werden müßte. Die „AuSb. Postztg.' fragt: Welchen Anlaß hätte bie bayerische StaatSregicrung dazu gehabt? Zum Vertreter des Protestantismus ist sie nicht berufen: baS Interesse bes Protestantismus zu wahren. ist Sache ber protestantischen Kirchenbehörbe. STie^TTttTT oü metter. bie Rücksicht
auf bie Erhaltung bes konfessionelle!! Friedens Äöri bann müßte man boch fragen: wenn bie bayerische Sfaat§reqierung jetzt, wo ber Protestantismus üch durch eine Enzyklika UtHfit fühlt sich nemüiiint suhlt, beim hl. Stuhl Voch-llmn-cn zu erholen: wo war bie bayerische ^taatsregierung als ber konfessionelle Frlede ven katho- likenfein blich er Seite seit Jahren in Bayern
I anwaltschast hat gegen das Urteil der Strafkammer vom 1. Juni, daS gegen 11 Bonner Korpsstudenten
I wegen der Ringsdorf er Ausschreitungen auf Geld« I strafen von 30—80 Mark dez. Freisprechung lautete^ IRevision eingelegt
♦ Siu Diadem tm Werte von 20 000 Mark hat auf dem Wege zur Rennbahn in Hoppegarten die dänische Gräfin Karen v. Grothe verloren.
* Zm Zirkus Charles kam es bei einer Vorstellung in Trier zu einer aufregenden Szene. Eine Dompteuse legte ihren Kopf in den Rachen eines dressierten Löwen, als dieser plötzlich der Tierbändigerin in die Wangen biß. Nur durch das beherzte Auftreten des Zirkusdirektors konnte sich das stark blutende Mädchen in Sicherheit vor der wild gewordenen Bestie bringen.
* Opfer der Berge. Unterhalb der Rumer- spitze in Tirol verunglückte ein Innsbrucker In- genieur, der sich verstiegen hatte und um sich zu retten, über eine Felswand hinuntersprang. Die Hilfsmannschasten mußten 20 Stunden arbeiten, ehe [ es ihnen gelang, den Schwerverletzten in Sicherheit zu bringen. — Vom Hohen Freschen stürzte der Schauspieler Wächter ab und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.— In den Glarner Alpen ist der 22jährige Bergsteiger aus Säckingen Paul Edwin Butz beim Blumenpflücken über mehrere Felslöpfe abgestürzt. Er wurde schwer verletzt aufgehoben. — In der Orb e sch lucht im Waadtländer Jura fand man die Leiche des 66jährigen Louis Faction, der dort über eine Felswand totgestürzt war. — Am Lauberh orn im Berner Oberland geriet das Ehepaar Scholz aus Königsberg mit einer Masse Schnee ins Rutschen unv stürzte über einen Fcls» absatz hinunter. Die Frau erlitt einen Beinbruch, der Mann starke Schürfungen.
I Unsere Schwarzen in Kamerun haben es Herr» lich weit gebracht. Selbst auf dem Gebiet des Bankraubs find sie schon zu Hause. Das Gonvernemcnt erließ unierm 14. Mai int Amtsblatt nachstehende Bekanntmachung: „In der Nacht vom 3. turn' 4. d. Mis. find bei der Deutsch-Westafrikanijchen Bank in Dnala (Kamerun! über 65000 Pik. gestohlen worden. Der Täterschaft sind zwei Eingeborene verdächtig, von denen einer aus Nnecho stammt.'
Sie fieht sich als Ueines Mädel, sorgen- unb kummerlos umhegt von liebenben Eltem. Sie fleht sich als junges, lebensfrisches, lustiges Dirnb’l, umschwärmt von ben Butschen ber ganzen Umgegenb, bie sie alle so gerne besessen. Unb sie sieht ben Ecket HanS, bet bamals als neuer Förster in ben Herrgotts winkel gekommen ist, wie er beim Schützenstanbe -lad') bem Ziele schießt, ben ersten Preis erringt unb zum Schützenkönig aufgerufen wird. Unb butch ihre Brnlt zieht reichet jenes Gefühl, tote damals, als er ihr in bie Augen geblickt unb ihr seine Liebe einge- ftanben Unb bann denkt sie beS Lebens an Eckers Seite, ber sie fo innig geliebt unb beffen Liebe sie fo schmählich vergolten. Unb je mehr sie ins Erinnem versintt, befto trauriger unb wehmütiger wirb sie gestimmt, besto mächtiger ergreift sie bie Sehnsucht nach ihm, nach ihrem verschollenen Gatten.
-Grüß Gott, Gustel!' tönt jetzt eine Stimme zu ihr. Sie schrickt zusammen unb wendet sich zum Fenster, von reo bie Stimme gekommen.
Beim offenen Fenster lehnt ber Kienlinger-Bartl.
Gustel hatte ben Kienlinger seit jenem verhängnisvollen Toge, an welchem ihn die Kugel des Försters getrvffm, nicht gesehen- Die Berreunbung hatte pch glücklicheiwe.;e a'.S nicht ledensqefäbrlich erwiesen
«ein mein Ltever - geht nur allein!
D Jch bin schon ein wenig erkältet und wenn ich nun auch noch eine Bergtour mach«, dann bin ich übermorgen einfach krank. — Unsinn! Gegen deine Er- Ö kättung nimmst hu jetzt gleich ein paar FayS ächte Sodener Mineral-Pastillen; morgen nehmen wir eine Schachtel mit unb du wirst sehen, rote brillant D dir bie Partie bekommt, wenn du bie Sodener nach
Vorschrift anwendest. Die Schachtel kostet nur 85 Pjg. lieberen erhältlich.
„Gustel', meint er wieder, „wenn nan einen '-Brunnen grabt, muß man lang graben, „J man aufs Wasser kommt. Unb auch ber Weg zum Menschenherzen ist gar weit . . Ich hab’ nie was gegen Dich «Habt, und wenn ich’s verhüten hätt können was gewesm ist, ich hätt s greife ’tan. ... Unb 'wann Dich auch heut’ noch alle andern mt scheelen Blicken snschau’n, ich tu’S nit. Wann ein’ ein schwerer Schul-