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Verantto. Redakteur: «art Schütter

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MonatsbeUager „Fuldaer Geschichtsblätter"

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Erstes Blatt.

Jti? 133.

Fulda, Dienstag den 14. Juni 1910,

37. Jahrgang

Man kann nicht sagen, daß die von dem Hansabund bis jetzt erreichten praktischen Erfolge diesen gewaltigen Anstrengungen entsprechen. 9fm Lager der Industrie stehen sich heute Zentral.

Partei als die Partei der Toleranz und die beste Hüterin des konfessionellen Friedens in Deutschland in Vergangenheit und Zukunft. Ausgerechnet die nationalliberale Partei! „Daß du die Nase ins ®e» sicht behälft!" würde Onkel Bräsig sagen.

* Stuttgart, 12. Juni 1910. Der evangelische Arbeiterverein Groß-Stuttgarts gab eine Erklärung ab, dahingehend, daß für ihn „eine Mitarbeit in christlichen Gewerkschaften immer weniger möglich sei, wenn nicht von dieser Seite angesichts der päpstlichen Runbgebung, die die Gemeinsamkeit der christlichen Grundlage bestreite, eine befriedigende Erklärung abgegeben werde". Was die christlichen Gewerkschaften mit der Enzyklika eigentlich zu tun haben, bleibt das Geheimnis der evangelischen Arbeitervereine Groß-Stuttgarts.

* München, 13. Juni 1910. Die liberale Land- tagsftatlion hat in der Kammer eine Interpellation eingebracht, worin sie die Staatsregierung ersucht, den schweren Beleidigungen, die den Protestanten des Königreichs Bayern durch die Borromäus- Enzyklika zugefügt wurden, entgeqenzutreten. . . a ,, . ------------

W. Eisenach, 14. Juni 1910. (Tel.) Eine große {°.?bsWaIJ ba8 fernere Nebel bezeichnet. Auf die Protest-Kundgebung gegen die Borromäus'Encyklika findet heute nachmittag aus der Wartburg statt.

leise Andeutung konservativer Blätter, daß der Fort- schritt doch eigentlich etwas Dankbarkeit an den Tag legen müßte, antwortet das ,Berl. Tageblatt' mit folgenden höhnischen Bemerkungen:

)( Dankbare Seelen. Die Konservativen, die in Jauer-Bolkenhain den Fortschritt ehrlich heraus­gehauen haben, ernten ihren Dank. Sämtliche linksstehenden Blätter veröffentlichen Artikel, in denen die Fortschrittsmannen eindringlich davor gewarnt werden, bei der bevorstehenden Stich- wähl in Ueckermünde-Usedom-Wollin für den Konservativen einzutreten. Der Sozialdemokrat

s. Der 12. deutsche Handlungsgehilfentag, der kürzlich in Hamburg getagt hat, hat zur RelchSverstcherungs - Ordnung eine Entschließung in welcher die Bestimmungen der Regierungs- Vorlage als eine Verschlechterung der Lage der Handlungsgehilfen bezeichnet werden und die Er­richtung einer Reichs-Krankenkasse für den Hand- lungsgehilfenstand aufs neue empfohlen wird. In einer weiteren Entschließung wird die Ausdeh- nungder K aikerv rsicherungepssichi auf alle Ha ' » lungsgehilfen gefordert, die" mcht mehr als 3000 Mark Einkommen haben; ebenso wird verlangt, daß für die Berechnung der Unfallrente das volle Einkommen bis zu 3000 Mark angerechnet wird.

mal den Horizont der innern Politik Oesterreichs. Die italienischen Reichsratsabgeordneten forderten von dem Ministerpräsidenten Frhrn. v. Bienerth eine bindende Erklärung, über die Errichtung der ... _ . . _ . , Fakultät noch vor Abschluß der Generaldebatte über

Oletzko-Lyck-Johannisburg, wo die Kliegskaffe des das Budget. Im Weigerungsfälle würden sie in Bundes recht beträchtliche Summen geopfert hat. I die Opposition gehen.

volkswirtschaftlicher und Soziales.

+ Zur Lage im Baugewerbe. Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen scheint es, als ob nur in einer verschwindend kleinen Zahl von Orten eine Verständigung zwischen den Arbeit­gebern und den Arbeiterorganisationen über die Ortsverträge zustande kommen wird. Da nach den von beiden Parteien angenommenen Be­stimmungen über das Schiedsgericht, welches aus den drei Unparteiischen und aus je drei Ver­tretern des Arbeitgeberbundes und oer Arbeiter­organisationen besteht, dieses in jedem Fall end- gültig über den Ortsvertrag entscheidet, sofern eine Verständigung nicht zustande kommt, so dürfte daS Schiedsgericht von der nächsten Woche ab in mehr als 1000 Fällen Ortsverträge zu entscheiden haben.

o. Der christliche Metallarbeiterverbaud Deutsch­lands häll seine 6. Generalversammlung in den Tagen vom 3.-6. Juli in Duisburg ab. Vom Hauptvorstand wird in einem 280 Seiten umfassenden Geschäftsbericht der Generalversammlung Rechenschaft abgelegt über die Tätigkeit des Ver­bandes. Dem zehnjährigen Bestehen des Verbandes ist ein Kapitel gewidmet, woraus zu ersehen ist, daß der Verband von 10 Pfg. Wochenbeitrag bei seiner Gründung am 15. Oktober 1899 bis zur 5. General­versammlung in München 1908 aus 60 beziehungs- weise 90 Pfennig gestiegen ist. Entsprechend den Beitragen wurden auch die Unterstützungen für die Mitglieder erhöht. In den 10 Jahren stehen einer Gesamteinnahme von 2717249 Mark 1950117 Mk. Ausgaben gegenüber. Hebet eine Million Mark kamen davon ausschließlich den Mitgliedern in Form von Unterstützungen rc. zugute. An Erwerbs- losenunterstützung für Kranken und Arbeitslose zahlte der Verband in den letzten 20» Jahren mehr al3 350000 Mark aus. lieber £00000 Mark Vermögen weist die Verbandskaffe auf. Der Bericht legt Zeugnis davon ab, daß im christlichen Metallarbeiter­verband ernstliche Arbeit geleistet wird. An Nicht- Mitglieder wird der Bericht für 2 Mark von der Hauptgeschäftsstelle in Duisburg, Seitenstraße 19, abgegeben.

Deutsches Reich.

0 Der Hansabund feierte am Sonntag den ersten Jahrestag feiner Gründung. Die liberale Presse bringt lange „Fest­artikel" und die Bundesleitung selbst hat in einem an die Zeitungen versandten „Rückblick" dir Groß­taten des Jahres aufgezählt.

Der Bund soll ungefähr 250000 Mitglieder zählen, 33 Landesgruppen, 537 Ortsgruppen um- fasten und außerdem in 889 Orten 1120 Vertrauens männer haben. 525 wirtschaftliche Vereine sind ihm als korporative Mitglieder beigetreten. Davon dürfte ein erhebt,cheriProzentsatz der Mitglieder her- rühren. Die Mitglieder solcher Vereine sind ohne weiteres Mitglieder des Hansabundes, auch wenn sie sich um ihn gar nicht gekümmert haben, ja ge­gen ihn find. Die Zeitungskorrespondenz des Bundes wird wöchentlich in 30000 Exemplaren versandt.

Ztadwerordneten-versammlung.

2 Fulda, 14. Juni 1910.

An dec gestrigen Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung nahmen 22 Mitglieder des Kollegiums, sowie die Herren Gas- und Wasserwerksdirektor Me- w es und Stadtbaumeister Fuhrmann teil. Der Magistrat war durch die Herren erster Beigeordneter Müller und Stadtrat A r n d vertreten. Den Vor­sitz führte Herr Stadtverordnetenvorsteher Gegen- 6 aut.

Vor Eintritt in die Tagesordnung brachte bet Vorsitzende eine Zuschrift des Herrn ©immer jur Kenntnis, worin dieser seine Erllärung, daß er sein Stadwerordnetenmandat niederlege, zurückzieht (Bra­vo!). Der Vorsitzende nimmt hierbei Veranlassung, auf eine Anftage zu antworten, die Herr Simmer we­gen eines Vorfalles in der Sitzung vom 18. März d. I. an ihn gerichtet hat. Herr Justizrat Gegenbaur weist darauf hin, daß es in jener Sitzung bei Beratung des Antrages Breitenborn über die Neuregelung des Sub­missionswesens zwischen den Herren Simmer und Fritz über die Tätigkeit der Handwerkskammer zu einer Auseinandersetzung gekommen sei, bei der auf beiden Seiten scharfe Worte gefallen seien. Ich, so erklärt der Vorsitzende, habe die Fortsetzung der Erörterung zu verhindern gesucht, weil die Angelegenheit nicht zur Zuständigkeit der Stadtverordnetenversammlung gehöre Einer der Beteiligten hat dann in einer Aeußerung des anderen eine Beleidigung zu sehen geglaubt, eine An- llcht, der ich nicht beigetreten bin. Daß ich besonders

Ausland.

Tie italienische Rechtsfakultät trübt wieder ein­

ganzen 3 transportable Luftschiffshallen für die Militärlustschiffe Verwendung finden. 2 neue Hallen hat die Heeresverwaltung bei einer Oschers­lebener Firma bestellt.

* Die Einnahmen des Reiches an Zöllen | im Mai dieses Jahres haben 46 V» Millionen betragen. Für die Zeit vom 1. April bis Ende Mai stellen sich die Solleinnahmen auf 91 Millionen, d. h. 21/« Millionen weniger als in den entsprechenden beiden Monaten 1909. Gegen den Etatsvoranschlag für daS Rechnungsjahr 1910 bleiben die Solleinnahmen für April und Mai d. Js. um etwa 14 Millionen zurück. Gegenüber den ungünstigen Ausfall der Ein­nahmen aus den Zöllen zeigen die Verkehrs­einnahmen im Etatsjahr 1909 ein günstiges Er­gebnis: Die Reichspostverwaltung erzielte im Etatsjahr 1009 rund 667,8 Millionen Mark, gegen 623,3 Millionen Mark im Jahre 1908, d- h- also rund 44Vr Millionen Mark mehr. Die Reichseisenbahn vereinnahmte 122,7 Millionen Mark, oder rund 6V. Millionen Mark mehr als im Etatsjahr 1908.

Das kann auf die Dauer nicht so weitergehen. Auf katholischer Seite wird man die schweigende Zurückhaltung und „passive Assistenz"' nicht auf­rechterhalten können, wenn die Ausbeutung der Enzyklika auf der anderen Seite mit dem bisherigen Ueberetfer fortgesetzt wird.

Für das Maß halten sprechen noch besonders zwei Erwägungen.

Erstens hat die Staatsregierung sich der Beschwerde des evangelischen Volksteils angenommen. Nachdem auf diplomatischem Wege „Verwahrung" eingelegt und die „Erwartung" eines beschwichtigen­den Schrittes der Kurie ausgesprochen ist, könnte man doch den Erfolg der staatlichen Maßnahmen erst abwarten, ehe man die „Selbsthilfe" in so großem Maß stabe, bis zur Aufregung der breitesten Masten, sortsetzt.

Zweitens kann es den positiv gerichteten Vittgliedern der evangelischen Kirche nicht entgehen, daß die Bewegung parteipolitisch aus- gebeutet wird, und zwar von den lin ksstehen-I den Elementen, die in religiöser Hinsicht frei- sinnig und in politischer Hinsicht liberal sind. Auf der Protestversammlung, die am letzten Sonn- u« -mounne neuen nm heute «enh-ni. b««kensN^ dM Wand, war das verband und Bund der Industriellen so schroff selige ßäX'e »ä6 hClt ?ec Z"t der seind- ferndselig entgegen, wie nie zuvor, und gerade J-v'ge Lärm, der den konservativen Abg. von' &<- ~ • - ~ä -

* beim Betreten der Rednertribüne empfing. nber.ih>n^esneir3ise* ,®ruVPe in der fast ausschließlich als den wollte den Konservativen

nickt reden^ss""^^" be§ Zentrums" überhaupt ÄÄunÄ ganz richtig

auf den ^^nfalls erkannt, mdem sie gelisch-n^i Charakter des Evan-

SlemäSe Aweist und auf „gewiste

C! te' b!e "ch m.t Eifer an derartigen Kotest-

Preußischer Landtag»

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 13. Junj 1910.

Am Ministertisch Finanzmmister v. Rheinbaben. Dritte Beratung des Eisenbahnanleihegesetzes. Es werden Spezialwünsche vorgebracht

Abg. Human» (Zentr.) empfiehlt eine Bahn von Corbach nach Paderborn.

Abg. Dr. v. Savignh (Zentr.) wünscht eine Bahn von Soest nach Scherfede, und von Corbach nach Paderborn.

Abg. Schwarze-Lippstadt (Zentr.) plädiert ebenfalls für die Linie Corbach-Marsberg-Paderborn.

Abg. k Stockhausen (kons.) fordert beffere Anschlüsse in Kassel an die Berliner Schnellzüge.

Die Vorlage wird angenommen.

Es folgen Juitiativanrräge.

Abg. Linz (Zentr.) begründet einen von ihm ein­gebrachten Initiativantragbetr. kommunaleZweck- verbänd e.

Im Laufe der Debatte bemerkt Geheimrat Freund, daß ein entsprechender Entwurf den Oberpräsidenten zur Begutachtung zugehen werde.

Nach längerer Debatte wird der Antrag, der die Zweckverbände betreffenden Bestimmungen der Land­gemeinden auf alle Provinzen ausdehnen und zu solchen Verbänden auch Stadtgemeinden zulassen will, ange­nommen. — Ein Antrag v. Zedlitz (freit), der die Bildung eines Zweckverbandes Groß-Berlin als be­sonderen Verwaltungsbezirk fordert, wird derGemeinde- kommiffion überwiesen.

Hierauf wird ein Antrag Aronsohn und Ge­nossen betr. gesetzliche Regelung der Studenten an den Universitäten usw. mit einer kleinen Aenderung ange­nommen.

Dienstag: Petitionen und Anträge.

„Wir find in der Politik überhaupt nicht für Dank­barkeit und glauben, daß man besonders bei Stich­wahlen nicht mit Sentimentalitäten kommen soll. Es bandelt sich nicht darum, dem einen oder dem andern I Liebenswürdigkeiten zu erweisen, sondern es handelt sich darum, der Junkerherrschaft ein Ende zu setzen, die Macht des schwarz-blauen Blockes zu brechen, einer reaktionären Regierung, der jeder fähige, aufgeklärte und weltkundige Mann den Rücken kehrt, einen Denk­zettel zu geben, und in diesem Lande endlich menschen­würdige Zuitände zu schaffen. Und weil das die Auf­gabe der Stunde ist, darf kein Wähler in Ueckermünde- llsedom-Wollin, der noch „liberal" heißen will, Herrn v. Böhlendorff seine Stimme geben. Darin ist, wie wir mit Befriedigung konstatieren, di« liberale Presse, soweit sie zur Stichwahlfrage bereits Stellung nimmt, denn auch vollständig einig."

Zu diesem Ergüsse bemerkt die ,Natlb. Sott/, dem ,Berl. Tagebl/ wohnt eine politische Bedeutung bekanntlich nicht inne, es bleibe die Hoffnung, daß die Volkspartei das gemeinsame bürgerliche Interesse im Auge behalten werde. Und das umsomehr, als sie der Stichwahlhilfe, welche ihnen am gleichen Tage die Konservativen in Jauer-Bolkenhain leisteten, die Behauptung des bisherigen Hermes'schen Man­dats verdanke.

der Hansabund, der Industrie und Gewerbe einigen wollte, ist die Veranlassung zu diesem Zwist gewesen. Der Mittelstand hat weitüberwiegend sich gegen den Hansabund erklärt. Die „praktischen Erfolge" des Hansabundes liegen auf einem ganz anderen Gebiete. Als politische Hilfsorgani­sation für den Liberalismus hat er bereits mehrfach mit Erfolg sich betätigt, zuletzt noch in Oletzko-Lyck-Johannisburg, wo die Kciegskaffe des

Zu den zahllosen Kundgebungen gegen die Enzyklika

müßte eigentlich eine Masse von Berichtigungen und Abwehrerklärungen erlassen werden. Auf katholischer Seite aber hält man sich nach Mög­lichkeit zurück, um ja nicht dem Evangelischen Bunde und seinen Helfern neuen Stoff zu friedens- gefährlichen Demonstrationen zu geben. Umsomehr tst der Wunsch gerechtfertigt, daß die besonnenen Elemente auf der evangelischen Seite aus Mäßigung hinwirken, damit die Protestbewegung nicht einen Umfang, eine Schärfe und eine Dauer annimmt, die zu dem kleinen historisch-kritischen Absatz der Borromäus-Enzyklika in schreiendem Mißverhältnis steht.

So ist es z. B. eine ganz wunderliche Erscheinung, daß in zahlreichen protestantischen Kirchen von den Kanzeln über die Enzyklika des Papstes gepredigt worden ist, während auf den k a t h o li s ch e n Kanzeln die Enzyklika weder zur Verlesung noch zur Besprechung gelangt, liebet protestantische Anti­enzyklikapredigten wird berichtet aus dem Berliner Dom und sämtlichen Kirchen Leipzigs und zahlreichen Kirchen Westdeutschlands; man darf wohl annehmen,! daß in sehr vielen anderen, wenn nicht gar den meisten evangelischen Kirchen dieses sensationelle Thema in der Predigt gestreift worden ist. Gemäß dem Standpunkte des Zentrums, das die Sache nicht für eine politische, sondern für eine kirchlich- konfessionelle Angelegenheit hält, können wir den berufenen Vertretern des Protestantismus das Recht nicht bestreften, ihre abweichende Ueberzeugung gegenüber dem Urteil der Enzyklika zu bekunden, — wofern sie selbst die angemessene Form wahren, die sie sich gegenüber gewahrt wissen wollen. Wenn die Enzyklika von den Kanzeln der katholischen Kirchen verlesen worden wäre, so würde auch die Erwiderung auf protestantischen Kanzeln uns nicht wundern. Jetzt aber haben wir den eigentümlichen Zustand, daß die evangelischen Kirchenbesucher über eine Kundgebung des Oberhauptes der katholischen Kirche in polemischer Weise informiert sind, während die katholischen Kirchenbesucher über den Inhalt und die wahre Bedeutung der Kundgebung ihres hl. Vaters nicht informiert sind, soweit sie nicht privatim aus den katholischen Zeitungen sich Kenutnrs verschafft haben. Und diejenigen Katholiken, die auf gegnerische ober „farblose" Blätter ange­wiesen sind, werden überhaupt keine richtige Infor­mation erhalten!

Die reichen Geldmittel des Bundes gestatten ihm, eine Überaus rege Agitation zu entfalten. Indem „Rückblick" wird bescheiden gesagt, daß der Bund inbezug auf die Wahlen erfreuliche Erfolge zu ver­zeichnen gehabt habe. „Insbesondere hat eine An- zahl angesehener Vertreter von Gewerbe, Handel und Industrie auf Veranlassung des Hansabundes sich bereit erklärt, für den Reichstag zu kandidieren, und zwar in nicht geringer Zahl."

Fehlt nur noch, daß sie gewählt werden.

» Berlin, 13. Juni 1910. D er Kais er, der in der Nacht zum Sonntag von Schwerin nach Potsdam zurückgekehrt, ist, wohnte am Sonntag der Grünaner Rnder-Regatte bei. Am Montag begab sich der Kaiser nach Döberitz, wo er einem Scharf­schießen eines Bataillons des ersten Gardereaiments beiwohnte. — Wie verlautet, wird sich der Bundes­rat bereits in den allernächsten Tagen mit der Frage der Schiffahrtsabgaben beschäftigen.

*♦ Der Kaiser und die Schulfrage. Unter den Gästen des Kaisers bei der diesjährigen Nordlandfahrt wird sich auch der Regierungs­und Schulrat Dr. Komorowski aus Potsdam befinden. Wie die ,Berl. N. N/ hören, ist Dr. Komorowski deshalb zur Teilnahme an der Nordlandfahrt des Kaisers eingeladen worden, wril sich der Monarch von ihm gelegentlich über neuzeitliche Schulfragen berichten lassen will. Schon vor längerer Zeit hat der Kaiser geäußert, daß das Schulwesen noch mehr nach neuzeitlichen Gesichtspunkten ausgestaltet werden müsse.

- Im diesjährigm Kaisermanöver werden im

* Die Bewegung der französischen Eisenbahner hat nun auch die Ostbahnbediensteten ergriffen. Sie halten gemeinsame Zusammenkünfte und es ist mcht zweifelhaft, daß sie zum Ausstand entschlossen sind, wenn die Ostbahnverwaltung ihnen ihre Lohn­erhöhungsforderungen nicht bewilligt. Die Schlag­baumwächterinnen haben plötzlich ihren Dienst ver­weigert, weil sie durch die neue Lohnordnung geschädigt zu sein behaupten.

* König Alfons von Spanien ist bekanntlich seit längerer Zeit ohrenleidend. Dr. Moure, der wohl­bekannte Pariser Spezialist für Ohrenleiden, war letzten Freitag in San Sebastian wieder bei König Alfons. Eine Untersuchung ergab, daß der König durch die im vergangenen Jahre vorgenommene Operation von seinem Uebel nicht geheilt worden ist. Dr. Moure wird eine weitere Untersuchung der Ohren des Königs vornehmen, um zu entscheiden, ob ein neues chirurgisches Eingreifen nötig ist.

* Btt einem Grenzgefecht an der türkisch-monte­negrinischen Grenze wurden zwei türkische Soldaten getötet und drei verwundet. Die Verluste der Montenegriner sind nicht bekannt.

; Der türkische Thronfolger Jussuf Jzzedin ist zum offiziellen Besuche, von Belgrad kommend, in Sofia eingetroffen. Er wurde am Bahnhof vom König und den Behörden begrüßt. Der Bürger­meister bot ihm nach alter Sitte Brot und Salz an. Jzzedin wurde von der angesammelten Volksmenge zurückhaltend begrüßt. Es waren strenge Polizeimaßnahmen getroffen und alle Verdächtigen verhaftet worden.

* Um die Negerrepnblik Liberia macht sich Uncle Sam große Sorgen. Obwohl der Senat in Washington sich in deutlicher Weise geäußert hat, daß es nicht die Aufgabe der Vereinigten Staaten sei, sich in die inneren Angelegenheiten Liberias zu mischen, ist Minister Knox dennoch entschlossen, den schwarzen Republikanern die helfende Hand zu reichen. Er hofft, ein Konsortium von New-Iorker, Londoner, Pariser und Berliner Finanziers für eine liberische Anleihe zu gewinnen.

J tunbgebungen beteiligen, denen es aber weniger um eine Wahrung evangelischer Glaubensgüter und Rechte, als um eine parteipolitische Aus­schlachtung der Erregung zu tun ist".

Möchten doch alle gläubig und friedlich ge­sinnten Christen zusammen dahin wirken, daß die Erregung nachläßt und den liberalen „Aus- schlächtern" das Geschäft verdorben wird!

* Die Unterhandlungen betreffend die Enzyklika zwischen dem preußischen Gesandten im Namen der preußischen Regierung und dem Vatikan schweben noch, wie der „Köln. Vztg." vom 13. Juni aus Rom gemeldet wird. Morgen oder übermorgen soll die Entscheidung fallen. Der preußische Ge­sandte wie der Kardinal-Staatssekretär geben sich Mühe, die von der Enzyklika hervorgerufene Wirkung zu beseitigen. — Die „Frist. Ztg." droht, wenn der Vatikan keine genügende Antwort erteile, werde der preußische Gesandte Rom verlasse».

* Die sächsische Regierung und der König von Sachsen, der bekanntlich katholisch ist, haben sich dem Protest gegen die Enzyklika angeschlossen. Eine offiziöse Meldung besagt: „Der König berief die in evangelicis beauftragten Staatsminister, um mit ihnen die durch die Borromäus-Enzyklika geschaffene Sachlage zu besprechen. Der König erklärte seine lebhafte Genugtuung darüber, daß seine Bestrebungen, den konfessionellen Frieden im Lande zu schützen, bisher immer von Erfolg gekrönt gewesen seien. Um so mehr bedauere er, wenn diese Bestrebungen gegen­wärtig durch so schwere Angriffe aus die der evan- gelisch-lutherischen Landeskirche angehörenden über­wiegende Mehrheit der sächsischen Staatsbürger durchkreuzt worden seien. Der König eröffnete den Staatsministern, daß er deshalb aus eigener Ent­schließung in Aussicht genommen habe, ein Hand­schreiben an den Papst zu richten. Die Staatsminister sprachen im Namen der evangelisch« lutherischen Landeskirche dem König dafür den wärmsten Dank aus. — Was würden die „duld­samen" Sachsen wohl angestellt haben, wenn ihnen der König nicht diese Zusicherung gegeben hätte? Bekanntlich hatte bereits in Dresden eine Versamm­lung die Aufforderung an ihn gerichtet, zur evange­lischen Kirche überzutreten I

[] Krefeld, 12. Juni 1910. Der nationalliberale Rheinische Parteitag nahm gestern eine Protest­kundgebung gegen die Enzyklika an. Abg.Dr. Hintz- mann leistete sich dabei die tolle Verdächtigung, die Enzyklika solle der Kurie ein Mittel zum Ver­such der Entfachung eines Kulturkampfes sein, der dem Zentrum eine willkommene Ablenkung i von Den „Fehlern" feiner Politik bei der Reichs- sinanzresorm und bei der preußischen Wahlrechts. Vorlage böte. Auch Dr. P a a s ch e hackte wegen der Enzyklika auf dem Zentrum herum. Sie habe, meinte er, denen die nicht glauben wollten, daß das Zentrum im Grunde antinational und eine ultramontane Gefahr sei, die Anger geöffnet So? Wodurch denn? Professor Moldenhauer pries in den höchsten Tönen die nationalliberale