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fuldaer

Zeitung

I -Aue T2?eff und wissen

nutzen.

Es ist dies eine jvrane der veränderten Kunstan­schauung unserer Tage. Die Entwicklung der musikali­schen Kunst fordert zu allen Zeiten Opfer. Das war ’o und wird stets so bleiben, und auch das hat sich zu allen Zeiten leider bestätigt, daß die grausame E-egen- wart auch solche Erscheinungen der Vergangenheit ver­schlingt, die ihre Lebenskraft noch nicht verloren haben Die moderne Musik aber ist besonders unerbitt­lich gegen alles, was vorher war und was vorher ent­standen ist. Denn in der Umkehrung der Begriffe von Zweck und Wesen der Musik, wie sie heute sich in ro­buster Weise geltend niacht, bilden die Produkte einer auf den unmittelbaren Krinstgenuß gerichteten Art des Äunstchasfens eine hohe Gefahr für das Prinzip der „Moderne". Die große Masse weiß und fühlt insttick-, tiv, daß es in der Musik nur ein einiges lebenspen­dendes Prinzip gibt, das der Melodie. Die moderne Musik jedoch verleugnet dieses Wirkungsmittel Sie will mehr geben, indem sie weniger gibt und verlangt für ihre geringeren Darbietungen ein Mehr an Äuf- nahmefrcudigkett. Der Automobilismus in der Musik der in rasendem Tempo unter viel Geräusch in dem Zuhörer olles aufwühlen will, was in ihm an Gefühls- möglichkeiten vorhanden ist, hat auch Schumann den Tonpoetcn, überfahren; und das ist nur zu bedauern

sie bildeten den einzigen Schmuck dieses Hauses und gaben ihm ein herrschaftliches Gepräge

Ich möchte fast sagen, charakteristisch für Fuldas Barockbauten sind die schönen Säle, die auf ims ae- ^nb: n“r J? ?u bedauern, daß man sie ftüher ün? nTh'X roU^ 8tCJl8 ^ute. Die Folgen davon sind naturluh auch nicht ausgeblieben. Da man den schon feucht liegenden Kaisersaal früher jahrelang nicht genügend lüftete, haben seine Gemälde viel ge- ,~>en durch zwei Stockwerke führenden Her- kuleSsaal mit seinen Gemälden hat man gänzlich ver­baut und Wohnungen daraus yemacht. Die Spiegel eines sogen. Spicgelsaales (vielleicht ist dieser auch identisch mit dem Herkulessaal) wurdm mit vielen Emnchtungsgegenständen an den Meistbietenden ver­kauft. So kam es, daß aus dem Schlosse mehrere Wa­genfuhren fortgeschafst wurden. Heute wüßte ich in dem Schloße keinen einzigen der früheren Gegenstände zu nennen, der nicht niet- und nagelfest ist. Der Sitzungssaal ds Magistrates beweist uns, daß man auch heute noch einen alten Saal in den modernen Dienst stellen kann, ohne seine Würde zu verletzen.

Unter allen Sälen ist aber der im Altenstein'schen Hmise hervorzuheben. Er ist wirklich eine Perle des Rokoko zu nennen und ich wünschte, unserx. einheimi­schen Architeften, Stukkateure und Dekorationsmaler würden sich diesen Saal einmal genauer ansehen Das schöne Treppengeländer in diesem Hause ist bei späte­ren baulichen Veränderungen leider von der Haupt­treppe an die kleine Nebentreppe verseht worden, wäre aber leicht wieder an seinen alten Platz zu bringen, iöo es in die Fugen der alten Handhabe genau passen wird.

Gelehrter, er war auch ein großer Kunstenthusiast, der seines Schülers Befähigung erkannte und ihm riet, die Juristerei ganz an den Nagel zu hängen- Jedoch erst nach einer längeren Rücksprache mit seiner Mutter, der auch Fr. Wieck zuredete, folgte er Thibouts Rat.

Nach feiner Rückkehr nach Leipzig hatte Robert Schumann zunächst die Abficht, Klaviervirtuose zu werden, ein Entschluß, der auf den glänzenden Geigenkünstleo^fiaganini, den Schumann noch in^hei- delberg gehört hatte, zurückzuführen ist. Jedoch hatten die angestrengten Uebungen auf dem Klavier die Läh­mung des Mittelfingers der rechten Hand zur Folge, ein Unglück, das dem Virtuosentraum ein jähes Ende bereitete.

। von den spanischen Machthabern vertrieben wurden, zerfielen die Reduktionen bald, und mit ihnen gingen die Früchte langjähriger kultureller Arbeit verloren. Eine fiffgemeine sittliche Verwahrlosung griff Platz, die nicht zum wenigsten die Schuld trug an den Zeiten trauriger Anarchie, die später über das Land kamen.

Langsam, aber sicher führten so die schamlose hab­gierige Aussaugung des Landes, die Korruption und grausame Willkür der Beamten gegenüber den Ein­geborenen, die Monopolisierung des Handels zugun­sten des Mutterlandes — die Kolonien durften nur an das Mutterland verkaufen und nur wieder von die­sem einkaufen — zum mählichen Abfall, der sich dann im Jahre 1810 öffentlich vollzog.

Zwar traten in den folgenden Jahren wieder Gegenströmungen ein und mit dem Mutterlande wur­den Verhandlungen gepflogen, in deren Verlauf Spa­nen sich zu weitgehenden Zugeständnissen an die Ko­lonien herbeiließ. Aber es war zu spät, und das Jahr 1816 brachte den völligen Bruch mit Spanien, indem die Nationalversammlung von Tukuman die Unabhängigkeit der „Vereinigten Provinzen des Rio de la Plata' feierlich erklärte. (Bolivia, Paraguay und Umgay trennten sich später als eigene Repu­bliken ab)

War die Abtrennung vom Mutterlande leicht und ohne Blutvergießen geschehen, so hatte die junge Re­publik in den nun folgenden Jahrzehnten schwere Zeiten zu bestehen. Insbesondere war es der schroffe Gegensatz zweier großer politischen Parteien — der Unionisten oder Zentralisten, die der Bundesregierung in DuenoS-Aires eine starke Zentralgewalt geben wollten, und der Föderalisten, die eine weitgehende Selbständigkeit der einzelnen Provinzen verlangten — welcher das Land in eine Reihe blutiger Bürgerkriege verwickelte und an den Rand des Verderbens brachte Viel besser wurde es auch nicht, als der Abenteurer Rosa sich 1829 durch die Schlacht bei Easeras mit Hilfe seiner Gauchos, der Viehknechte, zum Diktator aufwarf und ein blutiges Parteiregiment begann, unter dem das Land furchtbar litt. Biel Verluste und wenig Gewinn brachte dann auch in den sechziger Jahren der Krieg mit Paraguay, und es schien fast, als sei der Wirren kein Ende.

Einen überaus schönen Saal erblicken wir auch in dem Bibliotheksaal der Landesbibliothek. Schade, daß die sonst schöne Decke weder dem Stile noch den ästhe­tischen Anfordemngen, welche die vielen Bücher­schränke an fie stellen, entspricht. Die Stichkappen, die jedenfalls aus dem Gmnde schon ftüh daraus entfernt wurden, weil sie die Seitenwände zu sehr belasteten, was bann einem Konstruktionsfehler zuzuschreiben wäre, könnten durch hohle Kappen aus leichtem Stuck ersetzt werden. Ilm diesem Saale ein freundliches, lustiges Aussehen zu geben, mußte eine weiße, von den Seiten ansteigende, mit Rokokoornamenten oder Gemälden gezierte Decke gewählt werden.

Für die Wände des neuen Stadtsaales wählte man die Stuckornamente des Orangeriesaales, das ging ia schließlich auch, aber für die Decke hatte man nun 'kein Muster und daher kommt es, daß auch sie zu schwer er­scheint- Diesen Saal hätte man um ein Viertel höher

erscheinen lasten können, wenn man leichte Barockorna- mente gewählt hätte, die überhaupt schon durch die Wände bebungen werden.

begljalb wohl angebracht sein, einen kurzen Blick auf bas argentinische Land und feine Geschichte zu werfen und besonders den Gmnd und die Folgen des jetzt so festlich begangenen Ereignisses kurz zu würdigen.

In dem ersten Viertel des 16 Jahrhunderts von den Spaniern entdeckt und erobert, bildete Argen- nnien eine Provinz des spanischen Vizekönigreiches Peru. Die spanische Regierung verstand es jedoch nicht, eine gesunde praktische Kolonialpolitik zu trei­ben, und so hat sie in Argentinien wie auch in anderen Kolonien die Anhänglichkeit ihrer Untertanen ver­scherzt. Mehr Verdienste um die Kolonisierung des Landes als die Regienmg erwarben sich die Franzis­kaner und Jesuiten, die den heidnischen Indianern das Christentum und die Segnungen der Kultur über­mittelten. Insbesondere die Jesuiten leisteten gro­ßes, und ihre zahlreichen Reduktionen — Ansiedlun­gen von 3000—4000 Seelen — in denen die Wilden zu einem gesitteten religiösen Leben erzogen wurden, bildeten blühende Kulturstätten und wurden ein Segen fürs ganze Land. Als aber 1767 die Jesuiten

Dadurch, daß man obengenannte Säle entweder ganz leer stehen läßt oder moderne Wirtschaftsmöbel und Garderobeständer hinein stellt, beivirkt man nur, daß dieselben öde und verlassen erscheinen. Den Oran­geriebau nennt Dr. p. Alb Kuhn in seiner Ogern Kunstgeschichte „ein Prachtstück des heiteren Barock'. Wie sehr wird dieser Eindruck heute durch die rein praktischen Zwecken dienenden Gacdecobesiänder ver­nichtet. Man sollte diesen Saal nur als Foyer und einen der anderen Säle vorerst für die Garderobe be-

Jn diese Leipziger Zeit fallen die ersten bedeuten­deren Kompofittonen Schumanns, die wohl noch brau­sende Jugend und wenig theoretisches Swdium, aber auch am stärksten Schumanns Eigenart im Sttl zeigen. Den Hauptfleiß verwandte Schumann jedoch in dem 30er Jahrzehnt auf literarische Arbeiten. 1834 grün­dete et die „Neue Zeitschrift für Musik', deren jugend­lich kecker Ton bald die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich zog. Ein Versuch, den Verlag seiner Zeit­schrift nach Wien zu verlegen (1837), um seinen Wir­kungskreis bedeutend auszudehnen, scheiterte Jedoch wurde dem Künstler bei seiner Rückkehr aus Wien (1839) von der Universität Leipzig eine hohe Ehrung zuteil, er wurde zum p h i l o s o p h is chen Ehren­doktor ernannt.

Die ruhigste, nur dem künstlerischen Schaffen ge­weihte Lebenszeit trat mit Schumanns Verheiratung mit Klara Wieck ein. Seinen Schwiegervater hatte er gerichtlich zwingen müssen, die Einwilligung zu der Verbindung zu geben. Schumann war zunächst Lehret des Klavier- und Pattttutspiels an bet Mendelsohn- schen Leipziger Musikschule, stedelte bann nach Dresden über, im Revolutionsjahre flüchtete er aus Dresden, 1849 nahm er die Stellung des städtischen Kapell­meisters in Düsseldorf an, wo er bis 1854 in äußerst glücklichen Verhältniffen mit seiner kunstsinnigen Gattin lebte. Er lernte dort auch noch den jungen Brahms kennen, der ihm ein warmherziger Freund wurde und blieb-

△ Robert Schumann.

Bum 100. Geburtstage.

Am 8. Juni 1810 wurde Robett Schumann in Zwickau als Sohn eines Buchhändlers geboten Schon als Junge galt er für ein Wunderkind das fer­tig das Klavier beherrschte und im freien Pbantasie>-en Bewunderung erweckte. Mit 18 Jahren bezog Robert Schumann auf Drängen feiner Mutter — fein Vater war schon 1826 gestorben — die Universität Leipzig um Jurispmdenz zu studieren. Er quälte sich zeit­weise redlich mit der „eiskalten und trockenen Juris­prudenz" ab, nur um seiner Mutter zu Willen zu fein die ängstlich beforgt war, ihr Junge könnte das Schick­sal der meisten Künstler, materiell entbehren zu müssen teilen

In Leipzig fand Schumann jedoch auch Anschluß an Künstlerkreise, dir in ihm neues Sehnen nach der Musik wach riefen. Et nahm Klavierunterricht bei Friedrich Wieck, von dem er gememfam mit dessen Tochter unterrichtet wurde. Klara Wieck ist später Schumanns geliebte Fran geworden.

Entscheidend für Schumanns Künstlerbetuf wurde fein Aufenthalt in Heidelberg, wo er den berühmten Jurlstm T h i b a it t hörte. Thibaut war nicht nur

Weit manigfattiger und geschmackvoller sind meist die Ueberbleibsel vergangener Epochen. Mr Fuldaer hoben Zeugen der Vergangenheit, welche die Beach­tung des Bürgers wir die des Fremden verdienen. Aus der zweiten Blütezett Fuldas sind uns herrliche Batockbonten geblieben, deren Wert sich die Fuldaer noch gar nicht genügend bewußt sind. Schloß und Schloßgarien müssen nattitlich in ihrem alten Stile erhalten werden. Sie sind ein abgeschlossenes Ganzes für sich, m das keine fremden Elemente hineinspielen dürfen. Alle späteren Zutatell sind, soweit dies an­gebracht erscheint, durch vorhandene Originale zu er­setzen, und neue Mieder sind den alten anzupassen. In einem dec vorderen Schloßkeller harren hinter Brettern und Brennholz die Wappen eines Schleifras und man­ches anderen Regenten Fifldas der Auferstehung. Wir haben es, soviel bekannt, dem Herrn Oberbürgermeffter Dr- Antoni zu verdanken, daß die überall Herumliegen­den Wappen bereits früher gesammelt und dadurch vor einer vorläustgen Verschleppung bewahrt wurden. Diese Wappen befanden sich an den Stellen, an die später das Monogramm oder Wappen der Kurfürsten trat, schade, daß wir der kurheffischen Regierung keine Mo­numentalbauten zu verdanken haben, sonst könnten wir dse kurhessischen Embleme ja dahin überführen. So- viel jfl ledoch sicher, die Wappen unserer einheimischen Regenten stehen in näherer Beziehung zu den Gebäu­den unserer Stadt, als jene. Es befinden sich unter diesen auch zwei Engel als Wappenhalter eines schleif- ras'scheu Wappens, das jedenfalls den Mittelbau des Schlosses zierte. Das Wappen von der Hauptwacke und ein Türabschluß mit dem Wappen Walderdorfs zwischen zwei Pferdeköpfen, das offenbar von einer Türe des fürstlichen Marstalles oder der Reitschule her- stammen dürfte, finden wir ebenfalls dort. Auch die zwei Löwen, die an dem Borkenhäuschen im Schloß- garten ein kümmerliches Dasein fristen, waren vielleicht Wappenhalter eines waldcrdvrf scheu Wappens. Hinter der Orangerie ist eine Arnnnenschole eingegraben, um die anscheinend niemand, oder jedenfalls nur wenige Leute wissen. **) Sie hat einen Durchmes­ser von zwei bis drei Metern und ist mit geschmackvol­len Ornamenten geziert, zwischen denen das Wappen des Placidus von Droste mit der Jahreszahl 1696 angebracht ist. Das wäre indessen noch nicht das merkwürdigste, aber neben einer schönen Form und schönen Ornamenten scheint auch das ganze aus einem einzigen mächtigen Sandsteinblock gehauen zu fein Die Schale ist offenbar schon zur Zeit, da die Orangerie gebaut wurde, an jener Stelle eingelassen worden, sie beherbergt heute in ihrem Innern einen Sumpf. Selbst unseren bar-.lrfftigen Regenten scheint sie zum Zerschlagen zu schade gewesen zu sein, und so benützte wan fie als Wasserbehälter. Wir dürfen wohl an- nekmien, daß dieser Springbrunnen, wenn et nicht früher an der Stelle der Orangerie stand, den Hof des allen Schlosses zierte. Wie schön würde sich diese Schale vor dem Kaisersaale des Schlosses ausnehmen Wenn sich ein Komitee bildete, es sich zum Ziele setzte, diese alten Denkmale wieder aufzurichten, so könnte diries mehr tun, als wenn es uniert Stadt mit mehre­ren neuen Denkmalen spicken würde.

X Denkmalschutz.*)

ii.

I Znr Jahrhundertfeier der Unab- hängigkeitserklärnng Argentiniens.

Von R. S i l v a n u s.

(Sergi. Nr. 114.)

In diesen Tagen beging das argentinische Volk unter glänzenden Festlichkeiten die 100. Wiederkehr des Jahres, in dem es sich von der spanischen Herr­schaft befrette und den Grundstein legte zu einer freien selbständigen Entwicklung des Landes. Es dürste

Jß 131.

Samtiag de» u. Mit 1910.

37. Jahrgang.

Ein dunkles Schicksal traf Schumann im Jahre 1854, das schon ein Jahrzehnt früher einmal bei ihm angeklopst hatte. Schlaflosigkeit, Todesfurcht und guälende Zwangsvorstellungen hatten seine Ueber- siedelung nach Dresden notwendig gemacht. Je­doch war es Schumanns Energie damals gelungen der bösen Geister Herr zu werden. In Düsseldorf tra­ten die schlimmen Erscheinungen in seinem Gemüts- leben erneut auf. Eines Tages stürzte sich der unglück­liche Künstler in einem Anfall von Schwermut in den Rhein. Er wurde zwar gerettet, aber in die Irren­anstalt noch E n d e n i ch a. Rh. gebracht, wo sich sein Leiden wieder besserte, sodaß er Besuche empfangen und auch Korrespondenzen führen konnte Doch blieb Schumann in Endenich, bis ihn der Tod erlöste am 29. Juli 1856.

Robert Schumann gilt als der K ö n i g d e r N o - - mantik in der Musik. Ms er sich ganz der Musik hingegeben hatte, wirkten noch die Schönheitsprin­zipien einer Kunstausfassung, die aus dem Klassizis­mus ihre Nährstoffe, gezogen, und als bann eine neue Strömung im Schrifttum des deutschen Volkes die romantisch- Poesie mit ihren wundersamen Blüten er- tehen ließ, da konnte der junge Musiker, durchgeikildet an den Formen der großen Tonmeister, geschult an der Tonsprache der Heroen der Kunst, mit Glück den 23eg betreten, den vor ihm Mendelssohn zu einem gangbaren gemacht hatte.

4- Blatt.

und Verlag der Fuldaer Aetteudruckeret in Fulda.

Zum Schluß sei noch erwähnt, daß es einer Stadt und auch dem Fremden nicht den geringsten Nutzen bietet, wenn man einen erstklassigen Rokokosaal nur Privaten zur Benutzung gibt und ibn dadurch der Oeffentlichkett entzieht. Wäre nicht, um obige Anre­gungen nach und nach zu verwirklichen, auch ein Denk- molkomitee am Matze, das weder vom rein historischen noch vom rein lokalpatriotischen Standpunkte ausgeht, andern nur von dem eines guten Geschmacks Ich denke ein derartiges Unternehmen könnte gute Früchte bangen und würde reichlich lohnen.

j Langsam aber sicher ist seither ein fröhliches Em- । vorblühen auf allen Gebieten eingetreten, und heute, bei„ der Zentenarfeier, berechtigt das Land zu den schönsten Hoffnungen. In der Tat, wenn man be­denkt, daß dieses Land von natürlichen Hilfsmitteln eines der reichsten der Erde ist und bei seinem riesigen Flächeninhalt von nahezu 3 Millionen Quadratkilo- meter noch- nicht ganz zwei Einwohner pro Quadrat­kilometer zöhll, so ergeben sich für Industrie und Han­del. für Viehzucht und Ackerbau, denen das Land gleich viel verspricht, unendlich reiche Aussichten für die Zukunft.

(5in rasches Anwachsen der Bevölkerung, haupt­sächlich durch Einwanderung hervorgerufen, ist von Jahr zu Jahr stärker wahrzunehmen.

Es ist zwar keine einheitliche Rasse, die an der Hebung des Landes arbeitet, und die Bevölkerung ist noch recht gemischt und wenig zusammenhängend, aber auch für dieses Land wird die Zeit kommen, die für Nordamerika längst da ist Wie in der Union als Aodukt aus der Vermischung zahlreicher Nationali­täten ein einheitliches starkes Volk hervorgegangen ist, wird auch in Argentinien, wo die Vorbedingungen dazu nicht ungünstiger liegen, in absehbarer Zeit sich ein mächtiges und reiches Kulturvolk langsam aber ftetig entwickeln und das Land zu dem machen, wozu der natürliche Reichtum es bestimmt. Heute herrscht noch die romanische Rasse vor, aber bei der starken Einwanderung der germanischen Nasse kann es sogar dieser noch Vorbehalten sein, das Kulturwerk dort zu vollbringen und in Südamerika dasselbe zu schaffen was sie m der Union vollbracht hat. W '

2er träumerisch veranlagte Schumann griff freudig die Schasfensprodukte der Tieck, Erchendorff und Heine auf, die ihn mit bet Klangkraft des Reimes unmittelbar in die Welt des überfeinerten Empfin- dung-llebnis einführten Aus dieser unmittelbaren Nachempfindung einer dem Alltag entrückten Weltan- schauuug entstand die Begabung Schumanns die Musik in die Sphäre Der Poesie zu erheben-

Die Lieder Schumanns wirkten, als sie erschie­nen, wie eine Offenbarung auf die Gebildeten. Aber lange blieben sie nicht das ausschließliche Bildungsma­terial der mit Bewußtsein Genießenden. Was der hochoegabte Mann aus der Tiefe seines Herzens hat erstehe» lassen, das flog bald schon hinaus in die weite Welt und fand endlich dauernde Zuflucht im Hause in der Hausmusik. In dem Gehege der Familie I har sich das Lebenswerk Schumanns festgesetzt, und nur j uoch dort findet es heute überzeugte und liebevolle Pflege. Unsere moderne Musikergeneration und auch die ausübenden reproduzierenden Künsller stehen zu «chumann in dem Verhältnis der respektvollen Ach­tung. Viel Liebe ist für ihn und seine Art nicht mehr vorhanden, soweit die öffentliche Kunstaus- üb'.mg in Betracht kommt

**) Wenn ich annehme, daß niemand davon etwas genaueres weiß, so ist das gerechtferttzt,- denn wenn jemand derartiges weiß, ohne an geeigneter Stelle darauf hiuzuweisen, fo bezeugt er ein gewisses Unver­ständnis. Ich kann mir wenigstens nicht denken, daß ein Bürger, ber sich bewußt ist, hier geht etwas zu­grunde, das ein beredtes Zeugnis einer ruhmvollen Vergangenheit seiner Vaterstadt abgeben könnte dabei gleichgültig bleiben kann. Erblickt ein Sachverstän- unter bat Böllern ber Stadt das einzige fürst­liche Geschütz ,das noch vorhanden ist und weist in wenigen bescheidenen Worten im Gefchichtsvereine daraus hin, daß es erhalten und an den ihm gebühren­de» Platz gebracht werden müße, so tut dieser nur feine Pflicht. Das Verdienst der Entdeckung kön- nicht dem abstreiten, der zuerst an geeignet Mitteilung erstattete- Später zu sagen .das bfe S^vußf, erinnert unwillkürlich an

b e Ä Kolumbus. Hoffentlich wird

zühem Ld dabei befindlichen Mei Kugel- feum übtt?el»n f€m und dem städtischen Mu- Aufffiffuno^ nwn toC^en' ist eine ganz verkehrte etwas dem'rti«s"kw^r denken, diejenigen, die auf etaer Sn Een damit den Ruhm

schon fS fceSKUnrt prüfen. Das müßten KS d>- M -Iw-, bacouf dn-

Allerlei.

Bne vergleichende Zusammenstellung der Eise«. sn^hx aärn'n verschiedenen Ländern wird von der Morvd. Mg. Btg.' veröffentlicht. Es kommen im I Jahre auf je eine Million Reisende in:

Deutschland 0,08 Todesfälle, 0,39 Verletz, zus 0 49 Kreußen 0,07 , 0 39 „ 51 O46

Oesterreich-Ung. 0,12 , 0,96 I ' 202

Frankreich 0,13 „ 0,18 1 12

England 0,14 ", ® 2 J 207

Schweiz 0,15 . 1,12 2 ' o'91

Belgien 0,23 , 3,02 265

Bereinigt. Staat. 0,45 . 6 58 ” ' in'«z

Rußland 2>4 : 1?Z : : W

fcanad) W Deutschland in Bezug auf die « s^ner Eisenbahnen an der Spitze aller Kulturländer.

— Senaten. Braut (W ihrem Verlobten, der »um ersten Male bei ihre» Etern zum Besuche ist): .Papa wwd gleich komm«, er freut sich schon sehr. Dich kennen zu lernen.« — Die kleine Ella: ,Ja- wohl, " hat gestern n»ch gesagt: ich bin neugierig, rote ber Schasskops ans sieht, der Dich heiraten will '

— Aus der alten Mt. .Du, Wachtposten, schnarch n°t so arg, woast, mei Alte kann koa sonst net schlafen.*

Es ist gar nicht so schwer, wie man oft annimmt, antike Möbel zu erwerben, um mit einigen wenigen Stücken den Sälen einen wohnlichen Charakter zu geben. In den^Nischen des Kaiserfaales könnte man fitzt schon im Sommer einige pyramidal oder kugel­förmig geschnittene Lorbeerbäume aufstellen, ebenso in bem großen .Garderobesaal' des Orangeriegebäudes, an den sich noch ein kleines mit Fresken geziertes Ka­binett ansckfließt. Ta« frische Grim würde viel dazu beitragen, die Räume anheimelnder zu gestatten- Selbstredend würden die Säle, wenn sie eine gewisse Einrichtung hätten, alltags geschlossen, doch müßten ie Sonntag vormittags unentgeltlich geöffnet fein. Außer bieder fiel wär- e'r-e E "tttttskarie für sämt­liche Sale zusammen zu lösen. In jedem dieser Gebäude könnte jemand wohnen, der es übernehmen würde, bem Fremden durch ein Kind den Saal für wenige Minuten öffnen ui lassen denke, ber Eindruck, den bann unsere Bauten auf den Fremden hinterlassen, wäre doch ein anderer wie der heutige. Es ist zu bebauem, daß in manchen der kleineren Säle die antiken Oesen fehlen Eiwa acht solcher Oesen mit den Wappen verschiede- ner Fürstä^- jch tJor mimen

wahren noch auf Schloß Bieberstein, darunter den grvtzen Kachelofen der Küche. Sie waren aufs Gewicht an einen hiesigen Eisengießer verkauft worden, der sie zur leichteren Forisckassuna in kleine Stücke zerschlagen ließ. — Einen oder zwei ähnliche Oefen haben wir noch im Museum.

Einen erfreulichen Aufschwung nahm jedoch das Land unter. dem tüchtigen Bundespräsidenten Sar­miento, der für Handel, Ackerbau und Unterricht vie­les tat und fo den Grundstein zu einer gesunden Ent­wicklung des Landes legte. Aber lange hielt das nitbt an. innere Unruhen kamen wieder, und die Folge davon war der Staatsbankerott in den achtziger Jahren-

In dem jetzigen Schloßgarten waren ehedem auch mehrere Springbrunnen und Grotten nach dem Ge- schmacke ber damaligen Zeit angebracht- Diese wieder inftenb zu setzen, wäre gewiß nicht schwerer, wenn tue Stadt das Wasser liefern würde. Die Sandsteinum- fafiungen solcher Brunnen find ja noch sichtbar. Ueber- haupt sollte man sich auch gärtnerisch etwas mehr nach dem Rokoko richten, denn ein fdm -er Rokokopark ist wahrhaftig nicht häßlich, und Pläne über die frühere Gartenarchitektur sind noch vorhanden. Wenn wieder ein Milchhäuschen in dem Schloßgarten errichtet wer­den sollte, so würde ich entschieden raten, eines nach nordischem Geschmacke oder nach Art der Borkenhäus- che:, zu errichten, denn es genügt vollständig, werm das Innere weiß gehalten ist, wie man es anderwärts auch findet. Die Aussicht nach der Orangerie ist, be­sonders in der blätterlosen Jahreszeit, nicht wenig be­einflußt durch das aufdringliche Weiß dieser Milchbude.

Zu bedauern ist, daß man den alten Rathausbnln- nen, der ja dem Verkehr im Wege stm^ nicht in dem $efe ber städtischen Schulen wieder crr. jtrte In ber Mitte dieses Hofes hätte er sicherlich niemandem im SB/oe gestanden, und der Hof würde nicht den oben Eindruck machen, den er jetzt dem Beschauer bietet. Öanr unverständlich ist es mir auch, warum man nicht bie durch hangende Ketten miteinander verbundenen P^iisteine vor dem Jacobson scheu Hause am Butter- marfte in den Randstein des Bürgersteiges verlegte;

*1 Man lese im erflen Teile dieses Artikels in Nr. 125 im fünften Absatz zehnte Zette stA „Kunst! genossen Zuuftgerwssen' und im neunten Absatz achte Zeile statt „bet Spaziergänger, der meist nur- ber Spassergänger, der nicht nur."

0,08 Todesfälle, 0,39 Verletz, zus. 0,49

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