M J30.
Zrettag den <o. 3niti 1910.
37. Iahrgmg.
* fuldaer W Zeitung
2. Blatt.
vnttk und Verlag der Fuldaer »etleudruckerei m Zulda.
Reklame»»- und Auzeigeuteil.
Schädlinge kann die Weinbauern vor großen Schaden bewahren.
* Eltville. 6. Juni 1910. Wie der »Nassauer Bote' mitteilf, soll es den naffauischcn Abgeordneten gelungen sein, die Regierung zu veranlassen, im bekannten Rheingauer Winzerkrach eine neue Finanzierung in die Wege zu leiten. Der Plan gehe dahin, daß von den 1200 000 Mark betragenden Passiva je eine halbe Million vom Staate und der Neuwieder Kaffe gezahlt werden, während der Rest von 200000 Mark von den Winzern aufgebracht werden soll.
Gefängnisdirektion Mitteilung von dem Treiben d« Gefangenen zu machen. Die beiden Falschmünzer wurden daraufhin gerade bei ihrer Arbeit von revl dierendeu Beamten überrascht Prägemaschinen >vuv den beschlagnahmt. Sie sind ü b e r 2 0 I a h r e i m Gebrauch, und scheinen sich von Gefängnisgeneration auf Gefängnisgeneration „vererbt' zu haben.
* Die amerikanische Reiselust scheint in diesem Jahre sehr groß zu sein. Bon kundiger Seite wird die Zahl der Amerikaner, die in dieser Saison Europa besuchen werden, auf mehr als 90 000 geschätzt. Der größte Tell davon ist bereits auf europäischem Boden oder zur Zeit auf der Ueberfahrt. Für den Juni allein haben 18 000 Passagiere die erste Klasse der großen Dampserlinien belegt, wofiir ein Gesanitfahrpreis von 12 Millionen Mark bezahlt wird, und seit Beginn des Jahres haben schon 35 198 Reisende derselben Klasse Newhork verlassen — gegen 31 824 in der gleichen Zeit des vorigen Jahres Dazu kommen noch die Reisenden, die aus kanadischen Häfen abfahrcn und die Passagiere zweiter Klasse.
unentgeltlich erhallen sollen. Die Schüler erklärten, . dies widerspreche den Grundsätzen der republikanischen Gleichheit. Die ausständigen Schüler veranstalteten vor anderen Schulen lärmende Kundgebungen, um die Schüler zum Anschluß an den Ausstand zu bewegen.
* Eine Programmrede hielt der italie- nis che Ministerpräsident bei der Beratung des Budgets des Innern. Luzzatti kündigte mehrere Gesetzentwürfe an und kam dann auch auf die Ausstände zu sprechen. Die Regierung Hobe in gleicher Weise für die Freiheit der Arbeit wie für die Freiheit, die Arbeit einzustellen, zu sorgen, und Gewalttätigkeiten zu unterdrücken. Mit der Redensart von der Freiheit der Syndikate könne er sich nicht einverstanden erklären. Für die germanischen Völker bestehe die Freiheit darin, ihre Ideen unter Achtung der Ideen anderer zu verteidigen. Die latei- nischen Völker verständen unler der Freiheit n ur zu leicht die Möglichkeit, die Ideen anderer zu bekämpfen. Die Auffasfung der germanischen Völker führe zur wahren Demokratie, die der lateinischen Völker zur Demagogie und zur Tyrannei. Italien müsse die erstere wählen, denn die wahre Freiheit führe den Triumph der Wahrheit, während Gewalttätigkeit immer zum Ruine führe.
* Von einer Abdankung König Peters von Serbien wird seit einigen Tagen in Belgrad wieder lebhaft gesprochen. Bekanntlich gilt als ausgemacht, daß im Herbst das Parlament einberufen rottb, um die Thronfolgersrage endgültig zu regeln. Um nun zu vermeiden, daß bei diesem Anlasse die Dynastie- .frage in einer für die Karageorgiewitsch ungünstigen Weise aufgeworfen und gelöst werde, was bei der allgemein herrschenden Stimmung leicht geschehen könnte, will König Peter schon vorher und zwar angeblich zugunsten des Kronprinzen Alexander abdanken. Diesmal treten die Abdankungsgerüchte in einer sehr bestimmten Form auf. Trotzdem erscheint es angebracht, sie mit Vorsicht aufzunehmen.
* Die Niederwerfung des albanesischen Ausstandes scheint nach amtlichen Meldungen jetzt tatsächlich erfolgt zu sein. Die militärischen Maßnahmen im Vilajet Koffowo sind beendet. In den Bezirken von Ueskueb, Pristina nnd Prizrend sind über 8 0 00 Waffenstücke abgeliefert worden. Vollkommene Ruhe und Ordnung herrschen qegenwärtia im ganzen Vilajet.
Aus dem Nachbargebiete.
* Hünfeld, 9. Juni 1910. In llnterbreiz- bach ertrank das 3jährige Kind einer dortigen Familie in einer Jauchegrude.
* Bermbach, 7. Juni 1910. Bei dem gestern abend über unsere Gegend niedergegangenen Gewitter wurde eine Kuh des Landwirts Soll hicrselbst auf der Weide vom Blitz getötet. Soll wurde betäubt, erholte sich aber bald wieder.
* Nied,7.Juni 1910. Ein erschütternder Auftritt ereignete sich gestern auf dem Fried- Hose gelegentlich der Beerdigung des beim Baden ertrunkenen Arbeiters Rihsel. Die Braut des Verunglückten sprang, ehe sie jemand daran lindern konnte, den» in das Grab versenkten Sarge nach und es kostete viele Mühe, sie wieder >erausznholen und zu beruhigen.
* Weimar, 8. Juni 1910. Der fchwerncrvöse Brauer Lalternrann aus Oßmannstedt wurde am Samstag von seinen Angehörigen zur Bahn gebracht, um in die Nervenheilanstalt Jena gebracht zu werden. Plötzlich entfloh er nach der neuen 50 Meter hohen Jlmbrücke und sprang von dort in die Jlni. Hierbei machte ein Herzschlag seinem Leben ein Ende.
* Aus Rheinhessen, 8. Juni 1910. Nach- dem schon vor einigen Tagen die Peronospora ihren Einzug in den Weinbergen unserer Provinz gehallen hat, ist nunmehr auch das Auftreten des Aescherisch in verschiedenen Gemeinden estgestellt. Nur eine energische Bekämpfung dieser
Der junge Student hatte die Schwester von der Bahn abgeholt. Sie war sehr ernst und sah schr blich aus. Ihm tat es in de: Seele weh, als er den leidvollen Zug um Ediths Mund sah.
„Warte, du sollst bald wieder lächeln,' dachte er.
Geschickt wich er ihren Fragen nach dem Geschäftliche« aus, sie auf später vertröstend.
Vor allem wollte er wissen, wie es ihr ginge.
„Gut, Thankmar, wie Du siebst.'
„Arnies Mädel, eS tut Dir doch wohl jetzt leid, so glänzende Verhältnifle aufgegeben zu haben?'
Heftig schüttelte sie den Kopf.
„Das nicht, aber Herbert Thomas tut mir leid, daß er diese Enttäuschung hat erleben müssen. Ich hörte, er sei nach England gefahren. Dorthin sollte uffprüng- lich der erste Reisend«. Ra, so tst's auch gut. Uab ich brauche Arbeit, viel Arbeit, um über alles Hinwegzukommen. Vater ist ja so gut — wem auch — ach, Thankmar, ich habe schwere Stunden hinter mir!'
„Warum aber nur nm Gottes willen?'
„Frag' mich nicht, Thankmar. Quäl« mich nicht.' Ihre Lippen zuckten in verhaltenem Schmerz.
„D ja, Edith, ich n:nß «S wiffen. Hast Du Dir vielleicht etwa» zuschulden kommen lassen?'
erwachte, fand er sich plötzlich mritterseelenallein und eingesperrt in einem fremden Kontor. In seiner Ratlosigkeit rief er aus dem Fenster des zweiten Stockes di« Passanten der Straße an und klagte ihnen sein Leio. Bald umstanden dichte Gruppen lachender Zuhörer das Haus. Auch einige Schutzleute erschienen, die, nachdem der Verdaut eines Einbruchs sich als unbegründet erwiesen batte, dem unschuldig Inhaftierten bloß den Rat erteilen konnten, zu warten, bis der Inhaber des Büros verständigt sein werde. Dieser allerdings soll sich auf eine kleine Reise begeben haben
* Unter geheimnisvolle« Umständen hat sich in eincin Hotel in Paris der 30jährige Franz Wuetz aus Ungarn erschossen. Es war bekannt, daß dec Ungar regen Verkehr mit Anarchisten aller Länder unterhielt. Man glaubt, daß er von Anarchisten zu dem Selbstmord getrieben worden ist.
** In dem norwegischen Königsschloß Bygdö am Ehristianiafjord sind im Laufe der letzten Monate mehrere Diebstähle verübt worden- Der Dieb em früherer Diener des Königs und jetziger Fuhr- wecksbesiher, hatte es vornehmlich auf das Inventar des Schlosses abgesehen. Er fuhr mehrere Stückte mit einem Wagen zu dem fast völlig unbewachten Schlosse, öffnete dies mit Schlüsseln, die noch von seiner frühes ren Stellung in seinem Besitz waren, und raubte so viel, wie er fortschaffen konnte. Der Dieb ist verhaftet.
** Das Gefängnis zur Falschmünzerwerkftätte gemocht hatten zwei wegen Urkundenfälfchung Verurteilte zu Jeffersons City j« Missouri. Sie haben seit längerer Zeit in ihrer Zelle Dollarstücke und E>nhalddollarstücke geprägt. Ein Streit über die Geivinnverteilung veranlaßte einen der Helfershelfer der
Edith Büttners Liebe.
43] Roman von Fr. Lehne.
Dann, nach einer Pause:
„Ich habe auch Edith gesehen und gesprochen —' Erseaunt blickte Tharckmar auf.
„Wie kam das?'
»Ich iah sie im Konzert — mit einem Herrn — am flnberm Tage wollte ich ihren Vater begrüßen, traf ihn aber nit daheim. Nur Edith war da Sie ist ja verlobt Thankmar — das mußt' ich doch nit —'
.Ah, Sie wußten es nicht? Ja, Edith macht das ivas man eine „sehr gute Pattie' nennt“
Thankmar wollte hören, was Waldow darauf sagen würde, deshalb erwähnte er noch nichts van Ediths Brief, sondem erzählte auf Lucians Befragen da» nähere von der Verlobung der Schwester
.Ja, ich hab’ H»ni Thomas auch gesehen. Erstens im Konzett neben Edith — mib dann begegnete er mir auf der Treppe, als ich von chr kam; er macht einen kebr vornehmen Eindruck.' v
Bei dieser Bemerkung stutzte Thankmar Sollte er hier des Rätsels Lösung finden?
Unwillkürlich bränßte sich ihm der Gedanke eines Zusammenhanges zwischen Lucians Besuch und Edtth» so inhaltsschwerem Briefe auf.
Er hatte ja immer das Gefühl gehabt, daß die Schwester sich nur aus Trotz und gekränktem Stolz so ablehnend gegen Waldows Bemühungen verhalten daß auf dem Grunde ihres Herzens die alte Ache trtzt durch das Wiedersehen nach fo lanßee Zeit übermächtig geworden war!
.-•* ?et?efen sein und nicht anders! Er £3, '' beiden Hnen hatten sich auf der Treppe gesehen — und danach war es zu einer Aus-
Und jetzt konnte er vermitteln, daß Edith und &»dan nun doch noch zusammenkamen! 9 ®Iüllöün^n ~ doch freuen rimm? ä ^6<m5CT- V Sünn' st« den, anderen rimmer, weil ich sie ntt vergessen kann. Ich komm nit
D° richtete sich Edith hoch auf und maß den Bruder mit zürnendem Blick.
„Thankmar, willst Du mich beleidigen?'
„Das nicht, Edith, Du begreifst aber wohl, daß ich wissen mochte, was vorgefallen ist. Eine Mutmaßung habe ich noch gehabt — Lucian Waldow —'
, Rot, das bei diesen Worten über
chr Gesicht lief, zeigte ihm, daß er richtig gedacht. Still lächelte er vor sich hin.
Etwas hastig fragte Edith da, um das Gesprächsthema zu wechseln: ;
»Und wann war meine Vorstellung erwünscht?'
„Gegen fünf Uhr erwartet man Dich. Hast also A rw-i Stunden Zeib Ich schlage vor. Du trinkst ers eine Taffe Kaffee bei mir und siehst Dir meine Bude an. <cch wohne ganz gemütlich, cs wird Dir Ickon gefallen.
Bald hatten sie ihr Ziel erreicht, und Thankmar war ihr b-mt Ablegen des Hutes und Jacketts behilflich. Unwillkürlich mußte er die Schwester bewundern, die so vornehm in dem dunkelblauen Schneiderkleid« missah, und er begriff Waldow, daß er dieses schöne Geschöpf nicht oerqeffm konnte.
»Sogar einen Schreibtisch hast Du, Thankmar?' . »Kolossal, nicht wahr? ’n bißchen wackelia ist er 1° swon, aber na. das tut der Liebe keinen Abbruch weiter. Nicht wahr, ich wohne ganz hübsch» Sieb mir, die Aussicht —'
@r zeigte ihr seine Bücher und seine Kollegienheste .. »Kannst mir's glauben, Dita, ich bummle nicht; ich dm fleißig. Na, und die Jahre werden auch noch ver- gchen; man schlägt sich so recht und schlecht durch.'
’ar./*ne? Röhlichen Aufwallung umarmte er sie »Ach, Dita. wenn ich Dich nicht gehabt hätte!' „Richt doch, Thankmar, ich denke, das ist erledigt.
Wir zwei, wir verstehen uns dock Als" bitte, nichts mehr darüber! Es wärt ganz schön. Wenn ich §et cme Stellung bekäme, dann könnten wii öfter beisammen fein.*
<■ tch wünsche es; vor allem aber wünsche ich. Daß Du recht glücklich werden mögest.'
(Fortsetzung folgt)
vermischtes.
* Was gilt als Ausweis am Postschalter? Ausweise am Postschalter sind in der bevorstehenden sommerlichen Reisezeit von besonderer Wichtigkeit Als Misreichende Ausweispaviece zur Empfangnahme von Sendungen, für die die Posiverwaltung Garantie zu leisten hat, läßt sie folgende gelten: von Behörden ausgestellte Ausweispapiere, die eine Personalbe- sckreibung, eine beglaubigte Photographie oder die eigenhändige Unterschrift des Inhabers enthalten, wie Passe, Paßkarten, Eewerbelegitimationskarten, Wandergewerbescheine, Radfahrerkarten nsw Außerdem auch die bekannten PostmiZweiskarten, die von den Postanstalten ausgestellt werden.
* Die Marke „Zeppelin" ist als Warenzeichen für Unbefugte nicht mehr wie bisher bei dem Kaiserlichen Patentamt eintragbar, wie uns der Patentanwalt des Grafen von Zeppelin, Dr. L. Gottscho- Berlin, schreibt. Der Name des Grafen Zeppelin würbe bisher häufig von Unbefugten als eingetragenes Warenzcichen verwendet- In den neuesten einschlägigen Entscheidungen seiner Warenzeichenabteilung von Ende April dieses Jahres steht das Patentamt nunmehr auf dem Standpunkt, daß auch der Name „Zep- lelin" nur von solchen Betrieben als Warenzeichen verwandt werden darf, welche mit dem Grafen von Zeppelin auch in irgendwelchen geschäftlichen oder om'tigen Beziehungen stehen. Da die noch eingetragenen Warenzeichen Unbefugter, wie verschiedene einschlägige Prozesse ergaben, gelöscht werden können, so ist vor Ankäufen von Lizenzen betr. solcher Warenzeichen, welche angeblich Bcnntzungsirechte an dem Namen „Zeppelin" für bestimmte Waren verleihen, dringend zu warnen.
* Wenn man im Wartezimmer einschläst. Sein uiweherrschtes Schlafbedürfnis hatte ein Mann zu bfigen, der im Wartezimmer eines Rechtsanwaltes in der Leipziger Straße in Berlin eingeschlafen war und den das Personal nicht bemerkte, als es das Büro verließ und abschloß. Als der müde Mann
Ausland.
** Frankreich kommt aus seinen Streik- bewegungen überhaupt nicht mehr heraus. Während der Streik der Südbahnangestellten noch immer seiner Beilegung harrt und sich die Leute der weitaus wichtigeren Nordbahn ernstlich zu regen beginnen, machen jetzt auch die Angestellten der Paris-Lyon-Mittelmeer-Bahn von sich teoen. Dienstag abend versammelte sich das Touloner Heizer- und Lokomotivsührer- ,Personal dieser Bahn, um wichtige Entschlüsse /betreffs eines eventuellen Eingreifens in den AuSftand der Südbahn zu fassen. Die Versammlung verlief äußerst stürmisch, und nach vielem Hin und Her wurden ernstere Beschlüffe in der angegebenen Richtung gefaßt, über die aber zur Stunde noch nichts Näheres in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. —1 Auch die Pariser Tramwayangestellten sind mit ihrer äugen- iblicklichen Lage äußerst unzufrieden, da di« verschiedenen Gesellschaften kürzlich einen neuen Tarif eingesührt haben, wodurch den Kondukteuren und Kontrolleuren infolge der schwierigeren Abrechnung eine abendliche Mehrarbeft erwachsen ist, für die sie Sonderlohn verlangen. Da dieser bislang nicht gewährt worden ist, haben sie den Ausstand nunmehr beschlossen. Achtzehnhundert Angestellte streiken. Der Trambahnverkehr zwischen Paris und den nördlichen Vororten ist unterbrochen. Die Streikwut hat selbst schon auf die Schüler übergefaßt. Mehrere hundert Schüler der Gewerbeschule und einer höheren Bürgerschule in Marseille haben den Schul, besuch eingestellt, weil der Gemeinderat angeordnet hat, daß in Zukunft nur bedürftige Schüler Schulbücher und andere Schulutensilien
Er war ganz aufgeregt; fein hübsches Gesicht strahlte vor Gluck über den Hoffnungsschimmer, der sich ihm gezeigt, daß Thankmar förmlich gerühtt davon war.
Er dachte eine Weile nach, bann sagte er:
„Ob es so ginge? Ich schicke ihr einige Stellen- Angebote aus den hiesigen Zeitungen und bemerfe dazu, daß ich mich schon für sie bemüht habe. Eine persönlich« Vorstellung bei einer Firma sei erwünscht — so kommt sie 6er und alles weitere wird sich dann finden —'
-Ja, Thankmar — ja! Ach, ich möchte Dich am liebsten umarmen, alter, lieber Kerl! Gelt, ich darf jetzt „du* sagen? Du schreibst doch gleich heute abend noch? Mensch, was bin ich glücklich! Nun komm, ich halfs hier nit mehr aus — ich muß Lust haben--"
darüber weg — mir ist ganz recht geschehen —' Trau- rig blickte er vor sich nieder.
„Kopf hoch, Lucian! Wer weiß —•
»Nein, Thankmar, ich denk' nimmer dran, zu heiraten, mm ich mein Möbele doch nit bekommen kann "
Verstohlen wischte er sich ernt Träne aus dem Auae „Sitzt e« so tief, Lucian?'
Waldow nickte.
„Wenn Ich Ihnen aber nun sage, daß Edith nickt mehr veckobt ist?'
„Was?' schrie Lucia« erregt und sprang auf, daß die Umfitzenden aufmerksam wurden.
„Ruhe, sonst erfahren Sie gar nichts mehr!" Thankmar drückte ihn auf seinen Sitz nieder.
„Ich glaub'» nit — nein! Wie wäre das möglich?'
„Hier der Beweis —'
Unter diese« Umständen hielt es Thankmar für kein Unrecht, den Brief der Schwester dem jungen Künstler gu zeigen, da es bei ihm fcststanb, daß sie ihre Verlobung nur Waldows wegen gelöst hatte, weil sie nicht mit der Liebe zu einem anderen Herbetts Frau werden konnte.
Fast gierig Überflog Lucian die Wenigen teilen- dann atmete et tief auf: ö ien’
„Thankmar, lieber alter Junge!'
M>rifr brÜrftt **" 9trm fo lcdr, daß er beinahe auf- A&r"' ®e w 11 *• « deS JünW' 8Mdn HmWtt hübschen Mund gehettt'^ d“f feh,tn wieder in Stellung
Thankmar zuckle die Achseln.
„Wer sollte sie daran hindern?'
»Ich! Ich fahre morgen nach C '
»Um dann durch Ihr Ungestüm alles »u berfwrfi.„t ®CbQn,Cn f<y°8Cn sich gefälligst au» Dem jropfi
„Dann geben Sie mir einen besseren Rat b#m. l°ffe ntt mehr von ihr! Ich will sie solange bitte? daß sie gar nit ander» kann, al» Ja* sagen.' ' 8
Literarisches.
Bad Salzschlirf. Praktischer Führer für Kurgäste. Von Geh. Sanitätsrat Dr. Schneider-Fulda. 3. vollständig neubearbeitete Auflage von Dr. med. Adolf Becker-Bad Salzschlirf. Fulda 1910. Verlag A. Maier, Hofbuchhandlung. Preis 1,— Mark.
Das Merkchen, das mit seinen zwei Karten von Salzschlirfs nächster und fernerer Umgebung, seinen 30 Illustrationen und in seiner sonstigen Ausstattung einen recht noblen Eindruck macht, weist in allen Kapiteln eine Umgestaltung gegen die früheren Auslagen auf. Dies gilt vor allem den Abschnitten über die Salzschlirfer Mineralquellen und deren Heilwirkungen, wobei der Verfasser, der sich durch mehrere wissenschaftliche Arbeiten über gichtische Krankheiten einen Namen gemacht hat, die stets fortschreitende Entwicklung der chemischen und medi- zwischen Wissenschaft in vollem Umfange beachtete. Die Erörterungen über die Eigenschaft Salzschlirfs als Bad nehmen, da das Buch in erster Linie für Kurgäste bestimmt fft, den größten Raum ein. ES finden sich da Ausführungen über Lage, Klima, hygienische Verhältnisse, über die Brunnen- und Badekur in Salzschlirf, über Wohlsahttseinrichtungen, Unterhaltung und sonstige für einen Heilungsbedürftigen wissenswerte Dinge, rote Verzeichnisse der Hotels ui d Logierhäuser, in gedrängter Fassung. Es fehlen daneben jedoch auch nicht wichtige Fingerzeige für Wanderungen in die Umgegend von Salzschlirf, in das Schützer- und Fulderland hinein, roo gar vieles auch für einen verwöhnten Touristen Sehenswertes vorhanden ist. -n.
Briefkasten der Redaktion.
A. B. in H. Die Firma ist nicht berechtigt, daS Geld zunickzubehallen. Die Klage ist, sofern Sie den Beweis Ihrer Behauptungen erbringen, von Erfolg.
C. W. in F. Schriftliche Stauf« und Tauschverträge ünd auch bei beweglichen Sachen stempelpflichtig. Der Steuersatz beträgt im allgemeinen nach Nr. 32 deS preuß. Stempelsteuergesetzes */••/<>.
Deutsches Reich.
-- Gegen den Abg. Wollkowski, Mitglied der konservativen Fraktion, eröffnen liberale Blätter ein regelrechtes Keffeltreiben, weil er die konservative Interpellation wegen der Enzyklika nicht auch unterschrieben hat. Den trefflichsten Pfeil gegen Herrn Wollkowski schießt der Graudenzer,Gesellige' ab. Er hat ermittelt, daß Herr W. einmal die Absicht gehabt hat, katholische Theologie zu studieren, daß er Geschäftsführer des katholischen Charitasver- bandes zu Danzig und Mitglied der katholischen Studentenvereine ist. Und weil er sich gleich feinem katholischen Fraktionsgenossen Regierungspräsident v. Gescher „der Unterzeichnung der Borromäus- Jnterpellation entzogen', deshalb sollten die Herren doch der Zentrums pari ei beitreten, da gehörten sie offenbar hin! — Wir haben genügend Parteiegoismus in uns, um uns über die Ansicht des »Gesilligew, daß K a t h o l i k e n, die sich als solche betätigen, eigentlich zum Zentrum gehören, von Herzen zu erfreuen.
4- Zu der Konferenz im Reichsschatzamt jur Beratung der Frage, auf welche Weise für eine Erweiterung der Veleranenfürsorge die erforderliche Deckung zu beschaffen sein würde, sind vom Zentrum als Teilnehmer genanni worden die Abgg. Dr. Spahn und Müller- Fulda.
* Sparsamkeit. Zu der Mitteilung, daß die Eisenbahn-Direktion Kattoroitz ihre Beamten auf- gefordert hat, die Umschläge der eingegangenen Briese umzuwenden und dann wieder zu benutzen, wird aus militärischen Kreisen geschrieben, daß dies Verfahren schon seit vielen Jahren von samt- ltchen Militär-Geschäftszimmern angeroenbet werde. Das ausgeworsene Bureaugeld sei zu knapp, sodaß man in die eigene Tasche greifen müßte, wenn man jenes Verfahren nicht änwendete. Bei einem Bezirks-Kommando mittlerer Größe könnten bei einem Einlauf von 22,000 Briesen rund 9000 Kuverts im Jahre gewendet werden, wodurch eine Ersparnis von 25 Mark jährlich erreicht wird.