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M 129.

Donnerstag den 9. Inni (910.

37. Jahrgang.

' fuldaer W Zeitung *

2. Blatt.

Druck wnb Verlag der Mdaer Akttendruckerel iw Sulbd. )

Deutsches Reich.

— Der liberale Kampf gegen den kath. Lehrer« verband zeitigt auch ergötzliche Blüten. Man ist richtig schon bis an die Jesuiten gelangt. Er­schütternd! Bekanntlich ist es die in Bochum er­folgte Gründung eines katholisch-pädagogischen Welt­verbandes, das diesen jesuitischen Spuk in den liberalen Blättern hat umgehen lassen. Die liberale „Dortmunder Zeitung" (Nr. 262) bringt hierzu folgende geistreichen Ausführungen:

Das Zentrum löst durch seinen katholischen Lehrer­verein die Lehrer im Fühlen und Denken langsam aus dem Verbände der Staatsschule und staatlichen Er­ziehung heraus und unterstellt sie den internationalen Autoritäten der römischen Kirche. Das ist der Weg, den ka.holischen Lehrerverein zu einer Filiale des Jesuitenordens zu machen.

Dazu wird der,Tremonia' aus Leserkreisen ge­schrieben: „Wir haben uns über diesen Artikel köst­lich amüsiert und konnten dies um so mehr, als es doch wohl ausgeschlossen ist, daß sich irgend ein Halbwegs vernünftiger Lehrer durch ein derartiges Geschreibsel beeinflussen läßt. Doch da fällt uns ein, daß ein Führer der belgischen Freimaurer — Rossilon ist sein Name — vor ewigen Jahren einen internationalen Verband der sogen, freien Lehrervereine ins Leben gerufen hat, dem auch der Deutsche Lehrerverein angehört. Wir bitten die „Dortm. Ztg.* um die Erlaubnis, ihre tief­sinnige Aeußerung ein wenig abändern zu dürfen und zu sagen: Die Freimaurerei löst durch den Deutschen Lchrerverein die deutschen Lehrer im Fühlen und Denken langsam aus dem Verbände der Staatsschule (daß wir eine solche nicht haben, scheint der „Dortm. Ztg." unbekannt zu sein) und staatlichen Erziehung (?!) heraus und unterstellt sie den internationalen Autoritäten der Freimaurerei. Das ist der Weg, den Deutschen Lehrerverein zu einer Filiale des Freimaurerordens zu machen. — Wir fügen hinzu: Ein bedeutsames Zeichen der - Verbrüderung war die Einladung, welche die Straß­burger Logen an die Teilnehmer des Straßburger Lehrertages ergehen ließen."

Ausland.

* Das wankelmütige Vorgehen der Schutzmächte in der Lösung des Kretaproblems wird grell illustriert durch die Nachricht, daß England plötzlich auf die Erzielung einer definitiven Lösung verzichtet hat. Die Beratung eines neuen Sta­tuts für Kreta soll den Vorwand zu einer neuen Verschleppung durch die Schutzmächte bieten. Die Erregung in der Türkei und auch in Griechenland ist unterdeffen so angewachsen, daß unvorhergesehene Ereignisse befürchtet werden, die die Frage plötzlich akut machen könnten. Sind sich denn die Schutz­mächte ihrer schweren Verantwortung garnicht bewußt?

* Das erwachende politische Bewußtsein der Chinesen tritt von Tag zu Tag mehr in die Er­scheinung. Wie aus der Hauptstadt Peking tele­graphiert wird, sind dort achtzig Delegaten aus allen chinesischen Provinzen angelangt, die dem Pr.nzregenten am 8. Juni eine Bittschrift überreichen wollen, um ihn zur sofortigen Einberufung einer Volksvertretung zu veranlaflen. Eine Art von chinesischem Parlament sollte am 3. Oktober ds. Js. zusammentreten. Die Mitglieder dieser Versamm­lung wollte die Regierung aus den verschiedenen Volksklaffen auswählen, und ihre Zahl sollte 94 sein. Es macht den Eindruck, als beabsichtigen die eben in Peking angekommenen 80 Delegierten,die Einberufung eines Vorparlaments.

Aus -em Rachbargebiete.

X Gotthards (Rhön), 8. Juni 1910. Bei dem heute nachmittag hier niedergegangenen Ge­witter schlug der Blitz durch die Giebelwand in die Stallung des Landwirts Karl Herr, zün­dete und lötete zwei Stiere. Das Feuer konnte durch rasches Eingreifen bald wieder ge­löscht werden.

* Lauterbach, 8. Juni 1910. Mit einem Kosten­aufwand von rund 30000 Mark hat die Heine Nachbargemeinde Reuters ein neues Schulhaus

erbaut, das dieser Tage eingeweiht wurde. Das alte SchulhauS wurde 1812 erbaut, hat also säst 100 Jahre als Unterrichtslokal gedient.

* Hünfeld, 8. Juni 1910. Das hiesige Sta- tionsgebäude soll eine Erweiterung erfahren. Die Eisenbahn-Betriebs-Jnspektion in Hersseld hat die erforderlichen Arbeiten und Lieferungen bereits ausgeschrieben.

* Gießen, 8. Juni 1910. Der Briefträger Reckel von hier beging eine große Anzahl Briesdieb- stähle. Als er verhaftet werden sollte, sprang er aus dem Fenster und flüchtete in den Wald. Er ist noch nicht ergriffen.

! I Amöneburg, 8- Juni 1910. Die Ablösung der hiesigen bürgerlichen H o l z a b n u tz u n g ist per­fekt geworden. Ausgeschloffen von der Enffchädignng sind die außechalb wohnenden Bürger, sowie diejeni­gen, welche sich wahrend des Ablösungsverfahrens verheiratet haben. Es ist, als wenn jetzt erst vielen zum Bewußtsein komme, welche Bedeutung die Ab­lösung für den einzelnen und für die Bürger in ihrer Gesamtheit hat. Die Entschädigungssumme beträgt für den Berechtigten 692 Mack. Die Höhe der Summe kommt verhältnismäßig wenig in Betracht; selbst wenn sie 1000 Mack betrage, könnte sie die Schwere der Sache nicht abschwächen. Die Ablösung wird von schweren Folgen sein. Wenngleich die Jntension des Gesetzes, nach welchem die Slblösung alter, für unsere modernen kommunalen Verhältnisse nicht mehr passen­der Gerechtsamen herbeigeführt werden soll, vollkom­mene Berechtigung hat, so machen die ganz eigen- ackigen Verhältnisse Amöneburgs die Ablösung zu einer Existenzfrage der Bürgerschaft; sie bedeutet eine unberechenbar schwere Schädigung ihrer Lebenslage. Es ist zu beklagen, daß vor Jahren die Stadtbehörde aus das Drängen der Verwaltungsbehörde eine Rege­lung der an sich einseitigen Nutzung herbeizuführen, mit für erstere unannehmbaren Bedingungen diese Regelung unmöglich machte und sie, die Behörde, zwang, die als eventuell angekündigte Ablösung zu betreiben. Nachträglich haben die Bürger nichts un­versucht gelaffen, der Ablösung auszuweichen; es war zu spät. Die Sache ist um so schlimmer, als die Ablösung der Holznutzung mich diejenigen der übrigen Servitute nach sich ziehen wird. — Wie verlautet, will die obengenannte zweite Gruppe der von der Entschädigung ausgeschloffenen Bürger zur Rettung ihres Rechts den Weg des Prozeffes betreten.

* Mainz, 7. Juni 1910. Ein Deutsch- Amerikaner, der mit den amerikanischen Krieger- verbänden auf der Teutschlandsreise ist, vermißte bei seiner Ankunft in Mainz seine Brieftasche, die einen Kreditbrief auf 10,000 Mk. und siebzehn Einhundertmarkscheine enthielt. Die Tasche wurde ihm wahrscheinlich auf der Fahrt von Hagen nach Köln im V-Zuge gestohlen.

* Mainz, 6. Juni 1910. Aus der Rede des Führers der hessischen Zentrumspartei Justizrat S ch m i t t bei Gelegenheit des 25jährigen Jubiläums des katholischen Männervereins tragen wir »ach dem Mainzer Journal noch folgendes nach:

Wir Mitglieder der Männervereine wollen unsere Religion frei und ohne Menschenfurcht ausüben, wir fordern Achtung vor unserer religiösen Ueberzeugung, sind unS aber auch bewußt, daß diese Forderung die Verpflichtung mit sich bringt, die religiöse Ueberzeugung unserer andersgläubigen Mitbürger gerade so zu respektieren, gerade so zu achten, wie wir wollen, daß unsere religiöse Ueberzeugung geachtet und respektiert werde. Deshalb erhebt sich aber auch ganz spontan aus dem Volke heraus fofort Widerspruch, wenn ein Ereignis eintritt, das diesen Frieden wirklich oder ver­meintlich zu stören geeignet ist. tBeifall.) Wir in den Männeroereinen haben seit 25 Jahren immer darauf gehalten, daß in unseren Versammlungen nie ein Wort gefallen ist, das die religiöse Ueberzeugung unserer Mitbürger beeinträchtigen konnte (Lebh. Beifall), und wir waren auch stets bestrebt, im privaten Verkehr alles auszufchließen, was als eine Kränkung hätte auf­gefaßt werden können. (Beifall.) Heute an diesem Jubelfeste wollen wir feierlich geloben, daß wir uns durch niemand und durch nichts von diesem wohl­bewährten Prinzip abbringen lassen. (Lebhafter, lang­anhaltender Beifall.) Wir wollen immer nur das be­tonen, was unS eint, nie das, was uns trennt. (Bei­fall.) Wir wollen voll Freude und Dank uns die herrlichen Worte vor Augen halten, die unser Kaiser »ot, einigen Wochen an den Erzabt von Beuron ge­schrieben hat, alS er ihm ein Kruzifix überreichen ließ! Wir wollen uns tagtäglich daran erinnern, daß wir Katholiken und Protestanten doch gemeinsam nach dem aufschauen, der unS gemeinsam durch seinen.

Kreuzestod erlöst hat! Folgen wir den Worten des Kaisers, dann wird auch sein Wunsch erfüllt: dauernder Friede zwischen den Angehörigen der beiden christlichen Konfessionen!

Bischof Dr. Kir stein erklärte in derselben Ver­sammlung: „Unsere Religion gebietet uns, alle Menschen zu lieben und die Ueberzeugung des Nächsten zu achten. Selbstverständlich unterscheiden wir zwischen der Wahrheit, die wir sesthalten, und zwischen dem, was wir als Irrtum bekämpfen, aber das schließt doch aus, daß wir dem Anders­denkenden persönlich zu nahe treten.*

♦ EmS, 6. Juni 1910. Der Ausschuß zur För­derung des Baues einer Bahn von Montabaur hierher hat diesen Plan vorläufig zurückgezogen und dafür die Verbindung von Hillscheid, das dem­nächst eine Bahn erhält, über Neuhäusel hierher vorgeschlagen. Auch der Magistrat hat beschlossen, für den Bau dieser Strecke einzutreten.

vermischter.

* Die Fernfahrt Zeppelins nach Wien ist ver­schoben worden. Obgleich die Fahrten des ,8. Z. 6* einen guten Verlauf nahmen, haben die Versuche mit den verschiedenen Neuerungen notwendige Aenderungen ergeben. Es erscheint dem Grafen Zeppelin deshalb vorsichtiger, die Fernfahrt nicht zu unternehmen, bis noch eine gründliche Erprobung erfolgt ist. Die Fernfahrt nach Wien und Dresden mußte deshalb zur Zeit abgesagt werden.

* Wegen Mückenplage mußte in Liegnitz die Handelsschule geschlossen werden, da Lehrer wie Schüler sich nicht der kleinen Plagegeister erwehren konnten. Die Plage soll in Liegnitz tatsächlich un­erträglich sein; der Aufenthalt im Freien, in Gärten und Anlagen wird durch die Mücken gänzlich ver­leidet.

♦ Kaust, kauft! In Mos k a ui sch en Zeitungen findet sich folgendes Inserat: „Welcher reiche Mann würde eine Locke des berühmten Dichters Goethe kaufen? Diese Locke hat Goethe Ihrer Majestät der Königin Marie geschenkt. Die Königin hat fie vor ihrem Tode in andere Hände übergeben und im Jahre 1804 ein Siegel angelegt.* — Die Haare sind auch einzeln käuflich.

Literarischer.

„Kreuzfahrer der Gegenwart" betitelt Jae. Odenthal seine interessanten Reiseerlebnisse, die im lausenden Jahrgange der,Katholischen Wett' (Illu­striertes Familienblatt, jährlich 12 Hefte ä 40 Pfg. Verlag der Kongregation der Pallottiner zu Lim­burg a. d. Lahn) erscheinen. Odenthal ist, das muß man sagen, einfach originell. In zwei Zeilen wird mehr Humor verzapft, als in mancher Humoreske. Die fortgeführte Novelle „Licht und Liebe* in Heft 9 macht dem Verfasser alle Ehre. Besonders hervor­gehoben zu werden verdient noch der höchst lehr­reiche und intereffante Artikel: „Transhimalaja, Sven Hedins neue Reisen und Abenteuer in Tibet.* Außerdem enthält das Heft noch eine meisterhafte Skizze von P. Ansgar Pöllmann, betitelt: „Zeppelin der Zweite", eine Kriminalnovelle von Franz Wich­mann und andere kleinere Skizzen. Den Schluß macht wie immer Leonz Niderberger mit seiner Rundschau „Vom Webstuhl der Zeit*. Schließlich sei noch die Beilage „Für die Frauen und Töchter* und der „Büchertisch" erwähnt. Heft 9 enthält zirka vierzig Illustrationen, darunter eine prächtige Kunstbeilage.

NerMnis der Neuanjchaffnirgen der LandesbibUothkk?« Fulda im Statsjahr1W9 (Die Bibliothek leiht ihre Werke an jedermann in Fulda und außerhalb FuldaS unentgeltlich aus.) (Fortsetzung.)

V. Philosophie und Pädagogik.

Binding, K.: Die Ehre. Der Zweikampf. Neue Aufl. L. 1909. 8°.

Dürr, S.: Einführu ig in die Pädagogik. L. 1908. 8«.

Eisler, R.: Wörterbuch der philo sopbischen Begriffe. Bd. 1-3. 3. Aufl. B. 1909. 8°.

Fritz, Gottlieb: Das moderne Volksbildungs- wesen. 8. 1909. 8».

Handbuch, Encyklopädisches, der Pädagogik. Bo« W. Rein. 2. Aufl. Langensalza. 8*. Bd. IX, 2 u. X, 1, 1909. ’

Herrmann, W.: Ethik. 4. Aufl. Tüb. 1909. 8».

Scherer, H.: Die Pädagogik in ihrer Entwick­lung im Zusammenhang mit dem Kultur- und Geistes­leben. L. 8 °. Bd. II, 1-3, 1907.

Schmidt, SB.: Der Kampf um die sittliche Welt. Gütersloh. 1906. 8«.

VI. Theologie und Religionswissenschaft.

Beda, des Ehrwürdigen Kirchengeschichte der Angelsachsen. AIS Anhang: WMbalds Leben des hl. Bonifatius. Deutsch von Wilden. Schaffh. 1866. 8».

Bewegungen, Kirchliche, der Gegenwart. Eine Sammlung von Aktenstücken. Hrsg. v. F. Wie­gand. Ig. 2 1908. L. 1909. 8°.

Consalvi, Herkules. Die Denkwürdigkeiten des Kardinals —. Neu Hrsg, von Sleumer. Osnab. 1901. 8°.

Corpus scriptorum ecclesiastorum lati- n o rum ed. cons. et. imp. Acad. liier. Caesar. Vindo- bonensis. Vol. 52 Vindob-Lips. 1909. 8 °.

Deitzmann, A.: Licht vom Osten. Tüb. 1909. 4®.

Dietrich, 91.: Eine Mithrasliturgie. L. u. B. 1910. 8°.

Harnack, Ad.: Lehrbuch der Dogmengeschichte. 1. Aufl. Tüb. 8°. — Lirg. 1—8, 1909-10.

Harnack, A.: Das Mönchtum, seine Ideale und seine Geschichte. 7. Aufl. Gießen 1907. 8®.

Hauck, 91.: Die Entstehung der geistlichen Territorien. L. 1909. 4°.

jv. Hüne:] Erinnerungen an Amalie von L a s a u l x, Schwester Augustine, ... 3. Aufl. Gotha 1881. 8°.

Jonas, Justus: Wilch die rechte Kirche, . . . Widder das gewesch Georg. Witzels. Witlemberg. 1538. 4°.

Kaulen, Fr.: Der biblische Schöpfungsbericht. Freiburg 1902 8°.

Kehr, P. F.: Begesta Pontificmn Romanorum ... Berol. 8®. Italia Pontificia IV. 1909.

Klette, E. Th.: Die C h rist e nkatastro p h e unter Nero nach ihren Quellen. Tüb. 1907. 8°.

Kröll, M.: Die Beziehungen des klassischen Altertums zu den hl. Schriften des A l t e n und N e u en Testamentes. Bd. 1—2. Bonn 1907—1910. 8°.

Kymeus, Joh.: Bon der Priester Ehestand .... Witlemberg 1533. 4°.

Lazarus, M.: Die Erneuerung des Judentums. B. 1909. 8".

Lindner, P.: Fünf Profeßbücher ... II. Wein­garten. Kempten u. München 1909. 4°.

Meinhold, H.: Die Weisheit Israels. L. 1908. 8®.

Pastor, Ludwig: Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters. Freiburg i Br.: 8». Bd. 5, 1909.

Psleiderer, O.: Der Paulinismus. Ein Bei­trag z. (Seid), der urchr. Theologie. 2. Aufl. L. 1890. 8®.

Preuschen, Erw.: Vollständiges Griech.-Deutsches Handwörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments, 0-irßen 1908. 4°.

Raida, Ballt).: Widder das lester u. lügen büch- tin... Georg Witzels. Will. 1533. 4°.

Realenchklopiidie für Protest antische Theo­logie und Kirche. Begründet von Herzog. In 3. Aufl. hg. von Hauck. L. 8®. — Bd. 22. 1909.

Schriftsteller, Die griechischen christlichen, der ersten drei Jahrhunderte. Hgg. von der Kirchen- väter-Komm. der König!. Preuß. Akad. der Wissen­schaften. L. 8°. — Bd. IX, 3: Eusebius II, 3. XVII: Clemens Alexandrimus 3. 1909.

Schubert, H. v.: Das älteste germanische Christen­tum ob. der sogen. „Arianismus" der Germanen. Tüb. 1909 8°

Sell, Karl, Die Religion unserer Klassiker Lessing, Herder, Schiller, Goethe. Tüb. 1910. 8®.

Strack, H. L.: Einleitung in den Talmud. 1908.

Wieelius, G.: Hagiologium, seu de Sanctii Ecclesiae. Mogunt 1541. 2®.

Wieelius, G.: Laus Mariae Deiparae Virginia. Moguntiae 1546. 8 ®.

Zeitschrift für Kirchengeschichte. Herausg. von Brieger und Beß. Gotha. 8®. — Bd. 30, 1909.

(Fortsetzung folgt.)

Zur gefl. Beachtung.

Wir bitten

Mitteilungen, die zurAufnahme in denredaktionellen Teil des Blattes bestimmt sind, zu adressieren: An die Redaktion der Fuldaer Zeitung in Fulda.

Anzeigen, Offerten usw. nur „An die G eschäfts» stelle" oder „An die Expedition der Fuldaer Zeitung in Fulda" zu richten.

Bei Einsendungen, die erst kurz vor R daktions» schluß einlaufen, wo mit jeder Minute gerechnet wer­den muß, kann eine unrichtige Adresse zur Folge haben, daß die Aufnahme am selben Tage nicht mehr möglich ist.

Kleines Feuilleton.

— Der chinesische Geheimbund Shan-Li. Nach ü6ereinftimmenbai Berichten aus Amerika und Lon­don befindet sich China in hellstem Aufruhr. Jeden Tag wird der Ausbruch der Revolution erwartet, eine Revolution, wie sie größer, umwälzender und schreck­licher die Geschichte noch nicht aufzuweisen hat. Die 400 Millionen Bewohner von China sind heute nicht mehr die stumpffmnigen Asiaten von ehedem. Der Geist des Fortschritts ist zugleich mit der abendlän­dischen Bildung in einzelne Schichten des Volkes ein« gedrungen, zugleich aber der Geist der Opposition, der sich nicht blindlings der absolutistischen Herrschaft unterwerfen will. Seit etwa drei Jahren hat sich im Lande eine in allen Provinzen verzweigte geheime Gesellschaft gebildet, die sich Shan-Li, d. h. die „Helle Flamme*, nennt, und deren Mitglieder zumeist zum intelligeittesten Teile der chinesischen Bevölkerung ge­hören. Shan-Li, die „Helle glömme", bezweckt nichts Geringeres, als den Sturz der Mandschu-Dynaflie- Sie ist in ihren Tendenzen sehr forischritttich, geradezu republikanisch und durchaus von abendländischem Geiste erfüllt. Ein genauer Kenner Chinas teilt der „Inf." über das Shan-Li einige Einzelhetten mü: Jeder Eintretende muß bei feinem Leben schwören, daß er keinem Menschen von dem, was er im Bunde erfährt, Mitteilung macht. Alle Teilnehmer erscheinen bei den Versammlungen in gelben Seidenmarken und kennen sich zumeist gar nicht. Dir Versammlungen werden irgendwo auf dem Lande, zumeist des Nachts unter Fackelschein in einsamen, befallenen Tempeln oder Ruinen abgehalten. Wenn irgend ein Mitglied des Shan-Li Verrat übt oder auch nur in den Ver­dacht gerät, ein Verräter zu sein, so wftd er von einem vfrt Fehmgericht zur Verantwortung gezogen und "'Eist kurzerhand zur sofortigen Erdroffelung verur- teilt Die Drohbriefe, die vor einigen Tagen in Nanking den Vertretern dec auswärttgen Mächte zu- konnr" U?J> deren Herkunft man sich nicht erklären ■ IE- rühren unbedingt, wie der Kenner aus dem

ganzen Stil der Briefe ersehen muß, von den Mitglie­dern des Shan-Li, die endlich nunmehr dahin ge­langt sind, die Aufruhr, die sie so lange genährt haben, zum Ausbruche zu bringen. Vor allem will der Ge­heimbund, daß die so lange versprochene Verfassung, die bereftS vor vier Jahren hätte eingeführt werden sollen, endlich in Kraft tritt. Außerdem soll die gegenwärtig noch allmächtige Hof-Beamtenschaft, die ihre Vertreter in allen chinesischen Städten besitzt und das riesige Reich in unerhörter Weise aussaugt, ge­stürzt werden. Genaueres über die nächsten Pläne des Shan-Li kann man natürlich nicht ersahren, aber so viel darf bereits gesagt werden, daß das Leben des jungen Kaisers und der 90 Mitglieder des kaiserlichen Hauses nur an einem Haare hängt. Wenn der Auf­stand glückt, so werden wahrscheinlich alle Prinzen und Prinzrisinnen hingerichtet werden. j.

— Jdtzkle aus dem ruffischen Schulleben. Das von Schweinen umgestürzte Schulgebäude ist, wie der „Inf." aus Petersburg geschrieben wird, noch nicht die äußerste Kulturerrungenschast des großen russischen Reiches. Was hierin tatsächlich in Rußland geleistet wird, ersehen wir aus Mitteilungen des Inspektors Boikow, die jüngst im Petersburger „Herold" veröf­fentlicht wurden. Der Lehrer an einer Volksschule im Gouvernement Kursk besagte sich bei dem Volksschul- mspektor Boikow über daS entsetzlich kalte und feuchte Schullokal. Boikow antwortete: „Was reden Sie da?" Sechs Grad — das ist doch nicht kalt. Im Gegenteil. Einmal war ich im Gouvernement Tam­bow in einer Schule, da saßen alle in Pelzen und Tüchern auf den Bänken. Ich wollte etwas ins Klas- fenioumal einschreiben, die Tinte war aber steinhart gefroren. Ich mußte fottfahren, ohne die Eintragung gemacht zu haben. Sehen Sie, da war es kalt, ich ftlbst fror ganz ordentlich. Aber hier — hier ist es ja wunderschön warm, ganze sechs Grad. Ueberhaupt, was klagen Sie? Diese Schule soll eng sein und über­füllt? Sie haben ja keine Ahnung! Sehen Sie in Tambow, da war so eine Kirchenschule, die war Witt­lich eng. Es war ein kleines Zimmerchen, in den Ecken waren Verschlüge, da saß eine Gans auf den Eiem und

gackerte und im anderen Verschlage blöckte ein Kalb. Und in dieser,Klass? standen noch die Betten aller die­ser Armenkinder. Die Klaffe war in fünf Abteilungen geteilt Man hatte Wittlich nicht Platz, in dieser Klaffe zu stehen. Die Luft war so, daß ich beinahe ohnmäch­tig wurde In Slobin bttlagte sich ein Lehrer über die Frösche, die maffenhast in allen Räumen leben und sogar in die Betten springen (!). Boikow beruhigte ihn. „Maffe? Aber gamicht! Höchstens sind da zehn oder zwölf. Was schadet denn das? Sehen Sie, im Gouvernement Tambow sah ich in einer Schule alle Wände und die Oberlage vollständig bedeckt von Wan­zen (!). Es waren sicher eine Million Wanzen da. Wenn man die Tür bewegte, fiel ein Platzregen von Wanzen herab. Das war wirklich eine Masse. Ich kam nach Hause, zog meinen Pelz aus, alle meine Kleider, alle Taschen waren voller Wanzen. Meine Frau erschrak zuerst, wurde bann aber böse und ich mußte draußen auf dem Hofe mich unckleiden. Ja, das war nicht schön. Also was vagen Sie gleich, wenn ein unschuldiges Fröschlein in Ihr Bett springt?" I

— Bergistungserscheimmgen als Folge von Kar­toffelgenuß sind schon vor hundert Jahren konstattert worden; genaue Untersuchungen darüber existieren jedoch erst seit 1893. als eine große Massenettrankung der Sttaßburger Garnison Aufsehen erregte. Seit dieser Zeit wurden derartige Massenvergistungen in zahlreichen Garnisonen, vor allem Deuffchlands und Frankreichs beobachtet. Wie der preußische Stabsarzt Dr. von Geselberg vor einiger Zeit in der „Medizi­nischen Klinik" mitteilte, hat man bisher das Solanin, jenen Giftstoff, der in den Karioffelknollen sich findet, für die Ursache der Vergiftung gehalten. Diese An­sicht ist falsch, wie eine abschließende Untersuchung er« aab. Sie hat festgestellt, daß man schon einige Kilo Solanin zu sich nehmen mußte, um davon krank zu werden- Die richttge Spur und Erklärung jener Er­scheinung lieferte nun die Tatsache, daß es sich bei der Massenettrankung nie um frische Kartoffeln, son- bem meist um vor längerer Zeit gekochte handelte, in allen Fällen aber um solche, die längere Zeit in höherer Temperatur lagen. In dieser bilden

sich Toxin e, die die Urheber der Vergiftungen sind. Es sind dieselben Bakterien, die bei anderen Nah­rungsmitteln vorkommen; man fand sie bei den Er­krankungen im Virchow-Krankenhause zu Berlin und bei der Maffenvergiftung durch Bohnenkonserven in einem Leipziger Warenhaus (1901). Man darf also Kartoffel nicht längere Zeit höherer Temperatur aus- setzcn, sei es bei der .Lagerung ober bei ihrer Zube­reitung. Vorn Kriegsministerium wurden auch dahin­gehende Weisungen erlassen.

— Radieschen. Zu den ersten Erdfrüchten zählen die Radieschen, jene kleinen, schmucken, karminroten, weißen und gelben Dinger, die ihres herzhaften Ge­schmacks wegen gern mit etwas Salz zum Butterbrot gegessen herben. Bereiten sie dem Gaumen auch kei­nen „erstllaffigen Genuß", so gelten sie doch immer­hin als eine beliebte Abwechselung und „machen Ap­petit". Rur holzig dürfen sie nicht fein! Das ab« ist bei ihnen leider sehr oft der Fall, besonders wen« sie eine gewisse Größe überschritten haben. Darm könnte man Spanholz aus ihnen schneiden. Dal Radieschen brachte 1764 ein Seefahrer, namens Braad, von Madras nach Europa. $eute kennt man et überall!

— Der kleinste Motor der Welt. Ein Uhrmacher Boot aus Damburh im Staate Connecticut hat eine Maschine konstruiert, die mit komprimierter Lust be­trieben wird und die fichettich nur im Lande Llliput Verwendung finden kann, denn der ganze Motor ist nur zwei Zentimeter hoch und wiegt die Kleinigkett von 30 Gramm. Diese Zwergmaschine ist aus den feinften Metallen: Gold und Silber, hergestellt und auf das genaueste ausgearbeitet. Das Schwungrad, das ungefähr so viel Lärm verursacht wie eine Heine Fliege, ist 11 Millimeter lang und aus Gold ange­fertigt.

— Sin Zubläum am häuslichen Herd. „Mein Gott, Herr Nachbar, warum haben Sie denn Ihre Küchentüre mit Girlanden geschmückt?" — „Meine Frau ist soeben ausgegangen, um eine neue Köchin zu suchen, und'wenn sie eine dringt, ist's die fünf« undzwanzigste in diesem Jahre."

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