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üotationsdruckund Verlag der Lnldaer Ab üeodruSerei io Fulda Fernsprecher Ur. 9.

129. Erstes Blatt.

Fulda, Donnerstag den 9. Juni 1910.

37. Jahrgang.

eftellte

nhänger

spazieren geht, er nicht durch die Autos in Gefahr kommt

Sie

und

er

und nicht den von ihnen aufgewirbelten Staub zu schlucken braucht. Vor allem aber legen wir dagegen

Ergeben senkte sie den blonden Kopf.

„Was du willst, Herbert," sagte sie leise.

Ein bitteres Lächeln verzog seinen Mund — was wollte!

Ist die konfessionelle Empfindlichkeit auf katho­lischer Seite ebenso gerichtet? Natürlich sind uns Angriffe auf Päpste, Bischöfe, Kirchenlehrer, Heilige und sonstige hervorragenden katholischen Persön­lichkeiten unangenehm; aber tausendmal bitterer sind

Wir erwähnen diese Dinge nicht, um Vorwürfe auszuteilen, sondern um aus der Eigenart der konfessionellen Empfindlichkeit, wie sie hüben und drüben sich nun einmal entwickelt hat, Nutzan­wendungen zu Gunsten des konfessionellen Friedens zu ziehen. Die ,Kreuzzeitung^ sagt: Scheltet lieber noch unser Bekenntnis, als die von uns verehrten Persönlichkeiten! Wir sagen demgegenüber: Wenn ihr durchaus schelten wollt, so beschränkt euch wenigstens auf die Menschen und das Mensch­liche, aber verunglimpft nicht das, was wir als göttliche Offenbarung undgöttliche Ein­richtung verehren.

Der ernsten, wissenschaftlichen geschichtlichen Kritik lassen sich keine Schranken ziehen. Auch die theologischen Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht ersticken. Es kommt nur darauf an, den Kampf der Geister in den angemessenen Formen zu halten. Wer sich nun über Schärfen von der Gegenliebe beklagen will, der soll erst sein und seiner Gesinnungsgenossen Gewissen erforschen, ob nicht von seiner Seite auch gegen bie be­rechtigten Gefühle der anderen gefrevelt worden ist. I

Besonders soll man sich davor hüten, der geg­nerischen Kritik durch die Staatsgewalt ^wang I antun zu wollen. Die Einmischung politischer Faktoren kann nur die Spannung verschärfen.

hafte Verleumdung der katholischen Sittenlehre und

des Sakramentes der Beichte. ____________ UU5)

heilige S-a ch e fW uns viel höher, als die amtlichen, aber meist gut unterrichteten Kreisen vev verehrteste Person. I f—v-------m *■ —- - - -

Langsam streifte sie den Ring vom Finger legte ihn vor ihn hin.

Flehend streckte sie ihm die Hand entgegen.

„Vergib mir doch, Herbett —*

amtuchen, aber metfl gut unterrichteten Kreisen vev lautet, hat der preußische Gesandte v. Mühlber« im Auftrage seiner Regierung dem Heiligen Stuhl eine a m t l i ch e, auf die E n z y k l i k a bezügliche M i t teilung gemacht. Hebet Form und Inhalt dieser Mitteilung ist Bestimmtes noch nicht in Erfahrung zu bringen.

des Automobilsports sind. (Sehr richlig!) Wenn die Regierung es nicht weiß, wir wissen es. Wir wissen, wie es kommt, daß alle Reden hier nichts nützen. Wir haben aber noch Rückgrat und wir werden unsere Be-

2 uucui vem Zentrum

ni*t6HtOb«?66 e/.ctn« tonJ«frionea katholische Fraktion 'st' 4®®$ sich die Zentrumspresse in der Be- Enzyklika unter dem hier in Ji.oe stehenden Gesichtspunkte große Zurückhal - auferlegt, bedarf keiner weitern Erklärung und ®t> (Shrfnr kl"” ®l,te 6ec,en sie ausgenutzt werden. Dre Ehrfurcht vor dem Oberhaupt ihrer Kirche und

Eine Erklärung der Kurie.

W. Rom, 8. Juni 1910. ,Osservatore Ro­mano' veröffentlicht heute abend folgende Note:

Angesichts der in Deutschland auf Grund irrtüm­licher Auslegung und ungenauer Uebersetzung der letzten päpstlichen Enzyklika zutage getretenen Erregung sind wir ermächtigt, folgendes zu erklären:

Der heilige Vater hat in der Enzyklika, die aus Anlaß des Gedächtnistages des heiligen Borromäus veröffentlicht wurde, und die darauf abzielt, die Irr­tümer der Modernisten zu bekämpfen, wie es sich auch augenscheinlich aus dem Wortlaut ergibt, nicht im entferntesten die Absicht gehabt, die Nichtkatholiken in Deutschland und ihre! Fürsten zu beleidigen. In der Enzyklika be­finden sich einzig und allein einige historische Ur­teile über die Epoche des heiligen Borromäus, in denen weder Völker noch Fürsten eines bestimmten Landes genannt werden. Im übrigen ist zu be­merken, daß es sich um Katholiken jener Zeit I handelt, die sich gegen die Lehre und die Autorirät I des apostolischen Stuhles auflehnten. Wie wohl­wollend übrigens die Gefühle des Papstes gegen Deutschland und seine Fürsten find, ist auch in der I jüngsten Zeit sehr deutlich zutage getreten.

Er war gewohnt, den Tatsachen — und feien sie noch so brutal — ins Auge zu sehen und sich mit ihnen abzusindea.

Hier aber — so schwer war ihm noch nie ttwas geworden. Doch er war nicht der Mann, der um die Liebe eines Weibes bettelte, und wenn er es noch so heiß, so mit allen seinen Sinnen liebte!

Er gab ein ganzes Herz, ein ganzes Gefühl und wollte eS auch so wieder haben- Mit einem anderen konnte er nicht teilen — mit Halbheiten rechnete er nicht-

Darum mußte nun alles vorbei sein!

„Du kennst meine Ansichten, Edith, und weißt, daß mir Klarheit in allen Lebenslagen das Höchste ist' Ich danke dir, daß du mir die gegeben, daß du mich nicht belogen hast. Somit find wir beide vor einer unglück­lichen Ehe bewahtt. Nur den Vorwurf mache ich dir daß du dich nicht rechtzeitiger und gründlicher geprüft hast —' der schwer berichte Stolz des verschmähten Mannes brach doch durch, und grollend klang seine Stimme — „dann wäre mir diese Stunde erspart ge­blieben! Ich habe dich geliebtzEdith, unsagbar - mehr, als du ahnen kannst —"

In feinen Augen brannte ein düsteres Feuer

„Nein, Edith, das kann ich nicht —*

Er griff nach seinen Handschuhen und nach seinem Hut; ihre bittend auSgestreckte Hand übersah er; er fürchtete eine Berührung mit ihr; er wollte doch stark bleiben.

„Lebe wohl, Edith --"

„Herbett lasse dir doch sagen — ich möchte dir so gern danken für alles — und deine Eltern — ach Herbert —" '

Mit einer Handbewegung schnitt er ihr das Wort ab.

„Laß gut fein. Ich war ja so glücklich, daß du mir bald angehören würdest —•

, btacf) kurz ab — und noch einen langen, glühen- dmBlickauf das so innig geliebte Mädchen werfend ichntt er hinaus. '

* Köln, 8. Juni 1910. Der „Kölnischen Zeitung' wrrb aus Rom telegraphiert: Wie hier aus nicht

völkerung schützen. Unser Volk soll nicht zu der Ueber» zeugung kommen, daß wir nicht mehr in einem Rechts­staats leben. «Beifall). Es darf nicht weiter gestattet werden, daß Automobile mit schnellzugsgeschwindigkeit, - - ■ . -------

dahinsausen. Wir toerben immer wieder dagegen pro-1 un® bie -uerunglt mpfungen b er Lehre unb

testieren. Das ist unsere Pflicht. (Beifall.) der Heiligtümer unserer Kirche. Darum hat

Adg. Röchling (nil.) bricht eine Lanze für den I oas katholische Volk unter all' ben zahlreichen

AuiomodUspokt unb führt aus, daß die Gefahren durch I Schmähreden und Schmähschriften der letzten Jahr­gut aiiigebilbete Chauffeure beseitigt würden. 1 — r-*----- - — *-•- — »

Abg. Slroffer (tonf.): Wir verlangen gar nicht, daß der Äulomobisport eingeengt werde, was wir ver-

AlS er sich wieder zu ihr wandte, trug sein Ge­sicht den gewohnten kühlen Ausdruck; meisterhaft ver­stand sich Herbett Thomas zu beherrschen und zu un­terdrücken, was in ihm verging.

„Unb was meinst du, Edith, was nun werden soll?"

Sie wußte es, auch wenn er es ihr nicht gesagt hätte und ein tiefer Schmerz erfüllte sie um ihn ~ sah, wie schwer er innerlich litt.

Mit schmerzlichem Blick umfaßte er ihre ganze, lebensvolle Schönheit---ein Glück, um das ihn

Fürsten beneidet hätten, hatte er sich an ihrer Seite erträumt; er hatte die Tage gezählt, sie warm ihm so lang erschienen bis zu dem, an welchem die Geliebte chm ganz angehören sollte — und ein paar kurze Mi­nuten batten ihm seine Lebenshoffnung zerstött!

„Edith, das ist nicht ivahr — du hast ihn noch nicht vergessen! Kannst du mir das mit gutem Ge­wissen versichern? Sieh mich doch an, Edith! Barum siehst du weg?'

„Herbert---*

Sie schlang die Anne um seinen Hals und drückte Ihren Kopf an feine Brust, damit er ihre Tränen nicht sehen sollte.

Innig preßte er ihre schöne Gestalt an sich. „Edith, Mädchen — ach, du —'

Er fühlte, wie sie unter seinen Liebkosungen er­bebte; er hätte ihr leises Weinen. „So sprich doch ein Wort —*

Da glitt sie zu seinen Füßen nieder und drückte ihr tränenüberströmtes Gesicht auf seine Hand.

„Ach, Herbett, ich wußte es sribft nicht — bis ich >hn _geftem wiedersah — vergib mir —'

So leise sie gesprochen, er hatte es doch gehött. Bis ins Innerste trafen ihn ihre Wotte. Ein unge­heurer Schmerz faßte ihn.

Er trat ans Fenster und ftartte hinaus.

Bang hingm ihre Augen an seiner hohm Gestalt, und in stummer Oual rang sie die Hände. Sie wußte, was sie ihm angetan mit diesem Bekenntnis — aber gatte sie lögen sollen? Damit hätte sie doch Herberts Einmal erwachtes Mßtraum nicht aus der Welt ge- ,'^fst, das jeden Blick, jedes Wott, jeden Gedanken «Mkrsuchtig belauern würde — ihr und ihm selbst zur jT^al 'Darum war es besser, jetzt Offenheit. Was : ffttn kam. war ihr gleich.

Edith Büttners Liebe.

42J Roman von Fr. Lehne.

Da trat er zu ihr, hob chr Kinn in die Höhe und blickte tief und lange in ihre Augen. Ec sah, wie sie eine innere Erregung niederzwang, wie cs um ihren Mund zuckte, wie ihre Augen sich mit Tränen füllten.

Da wußte er genug.

Ein Ausdruck tiefen Schmerzes trat in sein Ge­sicht.

I Aber er war nicht so recht bei der Sache Denn : Win mit der Nachmittagspost war ein Bries von . 7^7 eingetroffen der ihn unangenehm überrascht hatte. Er enthielt die kurze Mitteilung, daß ihre Der- lobung gelöst sei. .

Die Gründe anzugeben, möge er ihr ersparen — nur soviel, daß die Schuld nicht auf feiten des Ver­übten fei, schrieb Edith. Wegen Familie Thomas, der j*e Ar, tu Dank verpflichtet sei, könne sie nicht gut in ® bleiben sie wolle sich deshalb baldigst nach einer stelle umsehen.

Thankmar zerbrach sich fast den Kopf, was borge, fanen fetn fonne besonders da Edith durchblicken ließ, daß sie selber die Veranlassung gegeben.

®ie Stimmung zum Arbeiten war Thankmar ver- USuSu* zerstreut, und um von feinen uner- guicklichen Gedanken abgelenkt zu werden, zog er vor, etnen Stadtbummel zu machen-

h„rSe^ fLÄ“ Grübeleien so nachhing und ^rthestraße nach dem Lass Reichskanzler

Ichlendette, begegnete ihm Lucian Waldow, vom Thea­ter kommend. v

,®ertm§ alter Junge! Das ist schön, daß ich Sie treffe, Thankmar! Wie geht's? Mel Arbeit? Na ja ma immer so büffelt wie Sie! Da kann einem ja erben tt<$ bange werden vor soviel Gelehrsamkeit Dars ich mitkommen, um a bifferl zu planschen?*

. , Di- beiden hatten in dem CSafö bald ein unaestör- teg Plätzchen gefunden. Waldow erzählte von seiner Konzertreise, und mit Interesse hörte Thankmar zu. Er hatte Lucian immer gern gehabt; dessen frifckes ungekünsteltes Wesen war ihm sehr svmpEsch und gern nchm er den Vorschlag des Künstlers an öfter mit chm zusammen zu fein

-Wissen Sie auch, Thankmar, daß ich vorige Woche m C. m einem Konzert mitgewirkt habe?*

^.fZsrn gestanden, nein. Sicher haben Sie großen

Beifall gefunden?* p

Der andere lächelte.

„Nun, ich kann zufrieden fein.*

(Fortsetzung folgt)’

*♦ Braunschweig, 8- Juni 1910. In der heutigen | Sitzung der L a n d es v e r sam mlu n g wurde ein­stimmig eine Resolution angenommen, in der er­klärt wird, daß eingedenk der „Segnungen, dieDeutsch- land und das Braunschweiger Land durch die Einfüh- rung der Reformation* erfahren, entschieden Verwah­rung einlege gegen die „unerhörte Herabwürdigung unserer deutschen Reformatoren, sowie gegen die den Frieden der Konfessionen in unferm Volke schwer stö­renden Auslassungen der römischen Kurie*. Minister Wolff gab namens der Regierung die Erklärung, daß das herzogliche Staatsministerium ben Standpunkt biefer Entschließung als berechtigt anerienne unb ouch seinerseits die Haltung der römischen Kurie tief beklage. Die Regierung werde aber nach wie vor auch den berechtigten Wünschen der katholischen Landesein-

I wohner soweit als möglich entgegenkommen und auch I das Erbe des protestantischen Geistes pflegen.

* Rom, 7. Juni 1910 Der „(Sortiere d' Italia* I erklärt halbamtlich, die Schuld an dem Mißverständnis hätten die römischen Korrespondenten der deutschen li­beralen Blätter. Die bedeutsamsten Stellen der En- I zyklika seien aus dem Zusammenhang herausaerissen worden, dazu seien einzelne Phrasen falsch übersetzt worden. So sei die falsche Meinung in Rom entstan­den, daß in Deutschland eine gefälschte Enzyklika zir­kuliere. Die Entrüstung sei von den Politikern aus­gebeutet worden, bie bas Zentrum isolieren wollten. (Ein' deutsche Uebersetzung des lateinischen Urtextes, die auf Wunsch der Regierung Prof. Adolf Harnack angefettigi hat, ergab, daß einzelne markante Aus­drucke schon in der italienischen Uebersetzung ungenau unb zu stark wiedergegeben sind).

** Dr. Julius Bachem von der „Köln. Vztg.* ver- oftentlicht im „Tag* einen Attikel über die Enzyklika, 'n dem er aussühtt, die R e g i e r u n g werde es wohl ablehnen, bei der Besprechung der Interpella­tionen tiefer in die Materie einzudringen. „In eine Kritik des päpstlichen Rundschreibens kann sie sich ia nicht einraffen Das ginge zweifellos über ihre Kompetenz hinaus. Sie mag ihr Bedauern ausspre­chen, daß eine Störung des konfessionellen Friedens । sAetreten ist, aber bie Reformation gegen eine päpst- "che Enzyklika zu vetteibigen, kann nicht ihre Ausgabe I pn Auch parlamentarische Fraktionen seien nicht berufen, bie Reformation gegen Kritik und Angriffe zu vetteibigen, es sei benn, daß diese Fraktionen sich als konfessionelle fühlen, was sie doch jederzeit ableh- neu. Herr Dr. I. Bachem fährt dann fort:

Ausdrücke der Enzyklika haben auch C«ne 1 r.8bwtsses Bedauern ausge- £ q b.en Wunsch zu erkennen gegeben, es möchten wiche in Zukunft vermieden werden. Dieses Bedauern Ln “bflrief>enDon allgemeinen Erwägunaen, auch vom besondern Standpunkte der Zentrumspresse und rbpiA?pentrmmf??4tel "°bl begreiflich. Die ohnehin nicht '?n^ni»d°kktion der Zentrumspartei im stV" -.^ben Deutschlands wird durch Zwischen- A^ser Art sicher noch mehr erschwert; die politi- "»br. oes Zentrums glauben hier ein wirksames n8n™-^ gesunden zu haben, um nach ver- schiedenen Richtungen dem Zentrum Schwierigkeiten zu bereuen, und sie werden davon reichlichen Gebrauch machen. Indirekt leidet dadurch auch das Eintreten &’e. b^chk-gten Interessen des katholischen Volks' Preußen, welches vor allem dem Zentrum obliegt, obwohl es eme konses"" "" ' " *"■' ~ nicht ist. Daß sich die Zei sprechnng der päpstlichen ®n„

zehnte am schwersten gelitten, als die Thümmel und Bachstein über das hl. Altarssakrament ihren

langen ist, daß er aus ben übrigen Verkehr Rücksicht I

nimmt unb daß, wenn ein Fußgänger an Sonntagen I ' Graßma n n seine bekannte Schmähschrift - ■ - ~ ■ • 1 verbreiten ließ, wurde die Erregung weniger durch

dir Verunglimpfung der Person des hl. Alfons von Liguori ausgelöst, als vielmehr durch die grauen»

Donnerstag: Interpellationen wegen der päpstlichen Enzyklika. Krondotation.

Ern philosophischer Zuschauer hätte eigentlich eine umgekehrte Orientierung der konfessionellen Empfindlichkeit vermuten können. Den Katholiken, denen man nicht bloß eine übertriebene Heiligenver­ehrung, sondern vielfach sogar eine „Menschenver- götterung* zum Vorwurf macht, würde er wohl bie größere Neigung zum Personenkultus zu- ttauen. In Wirklichkeit ist aber auf protestantischer Seite die Empfindlichkeit gegen Personenkrittk größer, und zwar auch in denjenigen Kreisen, die sonst nicht laut genug die schrankenlose Freiheit der geschichtlichen Forschungen und Urteile verkünden und von dieser Freiheit gegen alle alten und neuen Vertreter des Katholizismus nicht kräftig genug Gebrauch machen können. So ist bekanntlich aus protestantischer Seite lange geklagt und protestiert worden wegen einer Broschüre über den angeblichen Selbstmord Luthers, die von katholischer Seite so- fort als eine unwissenschaftliche und versehlte Schrift zurückgewiefen wurde.

(Stbitterung zu. Es muß einmal hier öffentlich ausgesprochen werden, daß die Regierung nicht mit der nötigen Energie vorgeht, weil gewisse h o ch g t ~ Persönlichkeiten besondere Freunde und 2li

Ein Antrag Brandenstein (kous.) betr. Regelung der Rechtsverhältnisse zwischen der Staatsbahnver­waltung und den Anliegern wird angenommen. — Ein Antrag Eckert (natl.) für hauswirtschaftliche Unter­weisung der weiblichen ländlichen Jugend in ben nächsten Etat höhere Mittel einzustellen, wird der Budgetkommisfion überwiesen, ebenso ein Antrag Giesbert? (Ztr.), der dasselbe sür die hauswirt­schaftliche Ausbildung der städtischen weiblichen Ju­gend verlangt. Ein Antrag von Bülow-Homburg (kons.) bete, volkreicher Städte wird der Agrarkom­mission überwiesen. Ein Antrag Bajer (Ztr.) bett. Erhöhung des Staatszuschusses zur Pensionskasse der Eisenbahnarbeiter der Abteilung B erledigt sich durch die Erklärung der Regierung, daß eine Er­höhung dieses Zuschusses am 1. Juli d. I. in Geltung treten soll.

Verwahrung ein, daß die öffentlichen Wege immer wieder für Renn» und Wettfahrten zur Setfügung gestellt werden. Dazu hat die Regierung, meiner Ansicht nach, kein Recht. (Lebhaftes Bravo.)

Abg. Maceo (ntl.): Ich möchte davor warnen, in in dieser Tonart gegen den Automobilismus zu Felde ziehen, weil dadurch die Neigung zu Ausschreitungen gegen die Auto verstärkt wird. Wenn Unglücke Vor­kommen, so liegt die Schuld keineswegs immer aus Seiten der Automobilisten.

Abg. Fehr. v. Eynatten (Ztr.): Nach dem Vor­redner hat es den Anschein, als ob die Fußgänger sich Ausschreitungen gegen die Automobllisten zuschulden kommen ließen. Vielleicht bringt er einen Antrag ein, zum Schutze der Automobllisten gegen Ausschreitungen des PubliÜlmS (Sehr gut! und Heiterkeit). Der Un­wille des Volkes richtet sich dagegen, daß bie Auto­mobilisten rücksichtslos find und daß sie nament­lich bei Unglücksfällen rücksichtslos davonfahren.

Der Antrag wird mit großer Mehrheit ange­nommen.

Run war aucy das vorbei!

-- M-t tränenvollen Augen blickte Edith vor sich hin- ta* doch wehe — Herbert wat immer so gut feine eitern waren stets so liebevoll zu ihr gewesen' äaÄ""*6 bOt $nf"' bie r,e wie eine ^Tochter

Welche glanzende Zukunft hatte sie aufgegeben , "w em Nichts! Wenn sie geschwiegen, hätte Her­bett nichts erfahren, und eS wäre alles beim alten ge­blieben. 8

Doch die Genugtuung erfüCte sie, daß sie wahr und aufnchttg gewesen daß Herbett wenigstens nicht mit Vttachtung von ihr gegangen — benn das hätte sie nicht ertragen! 1

20.

In feinem einfachen Studmtenftübchen saß Thank­mar Burkner eifrig über seine Büchet geneigt

Preußischer Landtag,

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 8. Juni 1910.

Nach Erledigung von Rechnungssachen folgt die •ritte Beratung des Gesetzentwurfes betr. Reisekosten der Beamten.

Es liegen zwei Abänderungsanträge Schröder- Kassel (natl.) vor, einer zu § 1, der die Tagegelder der Minister und Beamten aus die ursprünglichen Sätze der Vorlage, die vom Hause in der zweiten Lesung herabgemindert waren, wieder heraufsetzt, ein zweiter zu ß 6 betr. Fahrkosten, den Satz zu streichen, daß bei Reisen zwischen sechs und acht Kilometern Fahrkosten für acht Kilometer zu gewähren sind.. Die übrigen Be­stimmungen werden in der Fassung der zweiten Lesung angenommen. Die Abstimmung über die Anträge erfolgt nach Erledigung mehrerer Petitionen und zwar wird § 1 nach dem Antraa Schröder angenommen, den der Finanzminister befünÄutet hatte, mit einem wei­teren Antrag von der Osten (fonf.i, die von der Regie­rung in der zweiten fjffung ebenfalls bekämpfte Fassung zu streichen, wonach ein Unterschied zwischen Reisen "von drei Stunden Dauer und länger gemacht wurde. Die Sätze dieses Antrages sind etwas höher bemessen, als die der Vorlage. Zu § 6 wird der Antrag Schröder ebenfalls angenommen. Ein Antrag Bart- s di e r (Zenlr.), das Wort „Subalternbeamte" durch „mittlere Beamte* zu ersetzen, da ersteres einen Bei­geschmack habe, wird von der Regierung bekämpft nnd schließlich abgelehnt. — Im übrigen wird das Gesetz unverändert angenommen.

Es folgen Petitionen.

Eine Petition aus Abänderung der west­fälischen Landgemeindeordnung wird der Regierung als Material überwiesen.

Eine Petition des katholischen Frauen­bundes in Köln um Zulassung der Frauen als! Mitglieder der Schulkommission wird nach Befürwortung durch den Abg. Heß (Ztr.) unb nach I Bekämpfung durch den Abg. d'Hauffonville zur Berück-1 fichtigung überwiesen.

Eine Petition der Konfitürenhändler um Ab-1 lehnung jeder weiteren Einschränkung der! Verkaufszeii an Sonn- und Feiertagen I wird zur Erwägung überwiesen.

Eine Petition des sozialdemokratischen Zentral-1 verbanües der Handlungsgehilfen Deutschlands um I Schaffung öffentlich-rechtlicher Stellenvermitte-1 lungen für Handlungsgehilfen und Besetti-1 gung der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung wird I als Material überwiesen.

ES folgen Initiativanträge.

Abg, Strosser (kons.) beantragt, die Polizeiorgane I anzuweisen, aus Befolgung der Vorschriften über den I Automobilverkehr zu achten und den Auto-I mobilverkehr auf verkehrsreichen Straßen I einzuschränken. Durch das schnelle Fahren der! zablreichen Autos ereigneten sich zahlreiche Unglücks-1 sälle.

Ein Regiernngsvcrtrrter erwidert, daß eine solche I Anweisung bereits ergangen sei, daß das moderne Er-1 roerbeieben eine schnelle Förderung erheische und man I daher das Tempo nicht allzusehr hrrunterdrücken dürfe. I Abo. Frhr. v. Eynatten (Ztr.): Die Landbevölke-1 rung sieht dem Automobilunfug mit steigenderI

K Bekenntnis und Personen

Bei allen Konflikten ist es geraten, sich nicht I bloß über den Gedankengang, sondern auch über das Gefühlsleben, die Empfindungen und Stim­mungen auf der Gegenseite möglichst klar zu werden.

In dieser Beziehung ist für uns von besonderem Interesse eine Bemerkung, welche die protestantisch- konservatwe „Kreuzztg." dieser Tage in ihre Be­trachtungen über die Enzyklika einfließen ließ. Sie lautet:

„Immerhin, über das Bekenntnis der evange­lischen Kirche mag er sPapst Pius X.] schelten, so viel ihm beliebt: wir sind daran gewöhnt und nehmen es nicht tragisch. Viel bedenklicher ist das sittliche Urteil der Enzyklika über bie Reform crtoren, bie evangelischen Fürsten unb Völker"

Also eine scharfe Kritik der Persönlichkeit wird schwerer empfunden als ein Schelten des Be­kenntnisses!

Diese Bemerkung der „Kreuzztg." bestätigt, was man aus gewissen Erscheinungen der letzten Jahr­zehnten bereits folgern mußte: unsere protestantischen Mitbürger sind besonders empfindlich gegen abfällige Aenßerungen über die Person Luthers oder anderer Personen, die sie als Helden ihres Glaubens verehren.