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vi«tttag tat 7. Juni (9(0.

37. Zahr-mg.

* Tuldaer W Leitung *

2. Blatt.

Druck flttb Verlag bet Zuldaer Hctie*bntdertl l* 5«lba.

Deutsches Reich.

» Der Verbandst,, der unteren Post- u. Telegra- phendeamten nahm in Berlin am Sonntag Stellung zu der neue» Vesoldungsreform. Bon allen Re^ necn wurde betont, daß die Bcsoldungsresorm auch nicht im entfemtesten einen Ausgleich geboten habe für die durch Steuern und Zölle verursacht« Verteue­rung aller Lebensbedürfnisse. Für viele Bcamtengrup- pen habe sie sogar eine Verschlechterung in der Be­soldung gebracht. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, in der die dringende Bitte an Negierung und Reichstag gerichtet wird, durch eine Novelle zum Besoldungsgesetz die GehÄter aufzubessern.

* Die neu eingeführten BeobachttmgSwage« für die Feldartillerie, von denen jede Batterie und jeder Zlbteilungsstab einen Wagen erhält, find den Re- g'mentem zmn Tell bereits überwiesen. Die Beobach- tungswagen bestehen aus Protze und Hinterwage» und sind ähnlich wie die Munitionswagen konstmiert. Sie sind im Frieden mit vier, im Kriege, wo die Protze Munition enthalt, mit sechs Pferden bespannt. An Paraden nehmen sie nicht teil.

* Annchen, 6. Juni 1910. Der erste Vorsitzende der ZentrumSfraMon der bayerischen Abgeordneien- Ämmer, Dr. v. D a l l e r, feierte am Sonntag sein SOjähriges Priesterjubiläum in ungeschwächter Kör­per- und Gcistessrische. Am Tage vor dem goldenen Priesterjubiläum Dr. v. Dallers veranstaltete die Zen- trumsfraktion in ihrem Beratungssaal des Landtags einen Festakt zu Ehren des Jubilars. In Freising fand gestern eine größere Feier statt.

Ausland.

♦ Der frühere Sultan von Marokko Abdul Asis tritt von feinem jetzigen Wohnsitz Tanger eine Reife nach Mekka an-

♦ Aufständische Kurden haben in der persischen Stadt Urmia die Wasserleitung zerstört; die Stad ist ohne Trinkwaffer.

Aus dem Rachbargebiete.

* Rasdorf, 3 Juni 1910. In der Zu sammen- legungssache dahier ist gestem die Königliche Spezialkommission zu Hünfeld soweit fertig geworden, daß alle Beteiligten das Protokoll unterschrieben und sich mit der Abfindung ihrer neuen Pläne einverstan­den erklärt haben.

* Frankfurt a. M., 6. Juni 1910. DaS Armenamt hat beschlossen, bedürftigen Familien Land unentgeltlich zu verpachten, um sie auf diese Weise zu unterstütze« und von der öffentlichen Armenpflege fernzuhaklen, zumal sich hier die Einrichtung der De Neusoilleschen Stif- tungs-Aecker seit Jahren in der besten Weise be­währt hat. Nachdem anfangs dieses Monates 90 Ar Land in Parzellen von 3 Ar an arme Leute in Niederrad vergeben worden sind, soll die Einrichtung der Armenäcker in großem Stile in diesem Herbste durchgesührt werden, wozu di« Stadtkämmerei in Bornheim und Niederrad dar nötige Feld in Aussicht stellt. Der Verein zur Förderung des Kleingartenbaues wird die Par­zellierung, Vergebung und Beaufsichtigung der Armenäcker auf Wunsch des Armenamte- in die Hand nehmen.

♦ Gieße», 6. Juni 1910. Demnächst werden zwi­schen Gießen und den nächsten Dörfern auf der Kahn Motorboote verkehren, die später ihre Fahrten auch bis Wetzlar ausdehnen sollen.

* Ilmenau, 3. Juni 1910- Der aus 15 Sozial­demokraten und 5 Bürgerlichen bestehende hiesig« G e° meinderat hat in seiner letzten Sitzung dem Ge- membevorstand die Genehmigung versagt, der Großherzogin zu ihrem Geburtstage die Glück­wünsche der Stadt auszusprechen.

* Rotenburg, 5. Juni 1910. Während der gestri­gen Vormittagsstunden ging dahier ein schweres Ge w i 11 e t nieder, das insbesondere den elektrischen Licht- und Tclefonanlagen übel mitgespielt hat. In der Post wurden durch einen Blitzschlag sämtliche Lich­ter aus gelöscht und an 23 Fernsprechstellen di« Siche­

rungen zerstört. Auch in einer Anzahl Privathäuser find ähilliche Störungen vorgekommen.

* Kassel, 6. Juni 1910. Dem Kanzleisekretär Höpfner von hier wurde anläßlich seiner Versetz­ung in den Ruhestand der Kronenorden Werter Klaffe verliehen. — Ein .netter" Sohn. Der Sohn einer Wttwe in der Weserstraße vergaß sich soweit, daß er gegen seine Mutter tätlich wurde uni) mit dem Taschenmesser auf sie eindrang. Der junge Mann traf die Frau in den Kopf und fügte ihr eine schwere Verletzung zu. Wie verlautet, ist die Tat darau' zurückzuführen, daß die Frau die Geldansprüche des jungen Menschen nicht befriedigen konnte oder wollte.

* Pößneck (Thür ), 6. Juni 1910. Die Worte: „Ia, wir Maurer, wir sein Helle", dürften eine gewisse Berechtigung haben. Einem hiesigen Mei­ster unterbreüeten dieser Tage seine Maurer eine Pe­tition, tu welcher sie um eine kleine Lohnerhöhung nachsuchten. Damit jedoch dem Meister gegenüber nie­mand als « r st e r Unterzeichneter des Schriffftückes auf­zutreten brauchte, den womöglich die Kündigung tref­fen könnte, hatten die Leute unter das Gesuch ein Rad mit soviel Speichen, als es Arbeiter waren, gezeichnet mib in die dadurch entstandenen Felder ihre Namen gebracht?

* Greiz, 4. Juni 1910. Ein 13 Jahre altes Mäd­chen stürzte beim Fensterputzen aus dem ersten Stock­werk auf die Straße und erlitt einen Schädel­bruch. Es storb kurz darauf im Krankenhaus.

* Bieber (Großh. Hessen), 6. Juni 1910. Eine Frankfurter Großftrma will hier einen Hühnerhof einrichten. Sie beabsichtigt, zirka 20 am Wald in der Nähe des Sportplatzes gelegene Morgen Wiesen anzu­kaufen. Es schweben bereits Verhandlungen.

* Schmalkalden, 6. Juni 1910. Zwecks Förderung der kulturhistorischen Heimatpflege hat Herr Landrat Dr. Hagen die Anregung gegeben, daß die Landgemeinden unseres Kreises zu den Kosten für die Erhaltung und Erweitening der Sammlungen des Museums des Geschichtsvereins auf Schloß Wilhelms­burg eine Bechiffe gewähren. Diese soll sich auf 1 H vro Kopf dec Bevölkerung Belaufen. Eine Anzahl Gemeinden hat dieser Anregung bereits Folge ge­leistet-

vermischtes.

* Besuch der Schlachtfelder vom Feldzug 1870 71. — Im Anschluß an die Fahrpreisermäßigung auf demschen Bahnen für Veteranen, welche die Schlacht- elber vom Jahre 1870/71 besuchen, (Militärfahrkar- ten, 3. Klasse 1 Pfg. pro Kilometer) veranstaltet die Zentralstelle für Veteranenreifen nach Frankreich, Mün­chen, Dachauerstraße 11 vom 16. bis 25. Juli d. I. eine lOtägige Reise von Straßburg über Nancy nach Paris, St- Cloud, Versailles, Sedan und Umgebung und nach Metz und Umgebung, wobei sämtliche Schlachtfelder unter vorzüglicher Führung von Mit- kämvfem besucht werden. Der Preis der ganzen Reise oon Straßburg bis Metz, inklusive Fahrkarte, Woh­nung, vollständiger Verpflegung, Trinkgelder, Ein­trittsgelder, Wagenfahrten, Beförderung von und zu den Bahnhöfen usw. stellt sich auf 180 Mark. Genauer Prospekt ist gegen Einsendung einer 10 Pfg.-Marke zu beziehen durch obige Zentralstelle.

* Auf dem Schlachtfelde von Leipzig soll eine r u s- ische Gedenkkapelle errichtet werden. In Petersburg Bilbete sich ein Komitee, an dessen Spitze als Ehrenvräsident Großfürst Michael Alexandrowitsch steht, um eine Subskriptton für dm Bau derselben zu eröffnen.

* Zum Tode verurteilt wurde von den beiden Kuhhirten, die, wie erinnerlich, im Dezember vorigen Jahres auf einem Landgut bei Jnlly fünf Personen ermordeten, der 17jährige Jacqmarb. Der 15jährige Viennh wurde zur Martmalstrafe von zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Die beiden jugendlichen Ver­breche^ zeigten sich bei der Verhandlung vollständig

* Die republikanischen Reger. Eine schnurrige Geschichte erzählt der „Gaulois": Der Chcsredakteur eines amerikanischen Blattes berief jüngst drei Reger in sein ArbeitÄabinett und versprach demjenigen von ihnen, welcher auf die beste und bündigste Weise er- klären wurde, weshalb er republikanisch gesinnt sei eine vrächttge Truthenne. .Ich bin ein Freund der Republik", sagte der erste der schwarzen Genllemen, „mdt die Republikaner die Emanzipatton der Reger

durchgesührt haben!" — „Bravo", sprach der Zei- tungsmann, und wandte sich bann mit den Worten: .Run, BÄ, weshalb bfft Du Republikaner?" an den zweiten Reger- — »Ich bin Republikaner", erividerte dieser, „well die Republikaner so weise Gesetze geben?" — „Auch nuht übd", lobte der Redakteur und fuhr dann, zum dritten gewandt, fort: „Jetzt, Sam, sag Du uns, weshalb Du Republikaner bfft?" — „Ich bin Republikaner", entgegnete Sam treuherzig, „weil ich gern die Truthenne haben möchte?" Und er bekam die Truthenne!

Marktbericht.

• Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmarkt- preife vom 30. Mat. Auftrieb: 1462 Rinder, 548 Ochsen, darunter 48 Österreich., 36 Bullen, 880 Färsen u. Kühe, 362 Kälber, 238 Schafe 1745 Schweine, 0 Ziegen. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen: a. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 6 Jahre alt (Lebendgewicht) 45—50 Mark, (Schlachtgewicht) 82—87 M., b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete (Lebendgew.) 41—44 M., (Schlachtg.) 74—80 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere (Lebendgew.) 38—4) M., (Schlachtgew.) 70—74 Mark, d. gering genährte jeden Alters (Lebendgew.) 00-00 M., (Schlachtgew.) 00-00 M. L. Bullen: a. vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 41—44 Mark, (Schlachtgew.) 68 —73 M., b. vollfleischige jüngere (Lebendgewicht) 40—00 Mk., (Schlachtgew.) 66—00 M., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere (Lebendgew.) 00-00 Mark, (Schlachtgew.) 00—00 M., d. gering genährte <Lbgew.) 00-00 Mk., (Schlachtgew.) 00-00 M. C. Färsen und Kühe: a. vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 42—45 Mark, (Schachigew.) 75—80 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren (Ldgrw.) 38—43 Mk., (Schlachtgew.) 70—76 M„ c. ältere aus­gemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Lebendgew.) 32—37 9JL, (Schlachtg.) 61—66 Marl, d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 26—28 Mk., (Schlachtgew.) 51-56 Mk., e. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 16—22 M., (Schlachtgew.) 37—50 M. D. Gering genährtes Jungvieh (Fresser) (Lebendgeiv.) 00—00 M , (Schlachtg.) 00-00 M. Kälber: a. Doppelender feinste Mast (Lebendgew.) 00—00 M., (Schachigew.) 00—00 Mark, b. feinste Mast- (Vollmilchmast) und beste Saugkälber (Lebendgew.) 54-58 Mk., (Schlachtgew.) 90-96 M., e, mittlere Matt- und gute Saugkälber (Lebendgew.) 49-53 Mk., (Schlachtgew.) 83-90 Mk., d. geringe Saugkälber (Lebendgew.) 4J> —48 Mk., (Schlachtgew.) 76—82 Mk. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Lebendgew.) 39—40 Mk., (Schlachtgew.) 82—84 M., b. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe (Lebendgew.) 00—00 Mk., (Schlachtgew.) 00 bis 00 Mk., c. mäßig genährte Hammel und Schafe (Merz-Schafe) (Lebendgew.) 00—00 Mk., (Schlachtgw.) 00—00 Mk., d. Marschschafe oder Niederungsschafe (Lebendgew.) 00—00 Mk., (Schlachtgew.) 00—00 Mk., Schweine: a. Fellschweine über 3 Zentner Lebend­gewicht (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew. 00—00 Mark, b. vollfleischige Schwein« über 21/» Ztr. Lebend­gewicht (Lebengew.) 00—00 Mk., (Schlachtgew.) 00 bis ÖO Mark, c. vollfleischig« Schweine über 2 Ztr. Lebend­gewicht (Lebendgew.) 53.50—55 Mark, (Schlachtgewicht) 65,00- 69,00 M., d. vollfleischig« Schweine bis zu 2 Ztr. Lebendgewicht (Lebendgew.) 53.00—55.00 Mark, (Schlachtgew.) 67,60—70,00 M., e. fleischige Schweine (Lebendgew.) 52.50—55,00 Mk., (Schlachtgew.) 63—68 Mark. f. Sauen (Lebendgew.) 00—00 Mk., (Schlachtgw.) 00—00 Mark. — Das Rindergeschäft verlief äußerst lott, cs wurde bald ausverkauft. Der Auftrieb an Kälbern und Schafen wurde bei ruhigem Geschäfts­gang abgesetzt. Der Schweinemarkt »erlief mäßig rege und wurde nahezu geräumt. Di« nächstwöchigen Groß« und Kleinvirhmärkte werden auf Mittwoch, 15. und Freilag. 17. Juni verlegt.

*■ Frankfurter Getreidemorktbericht vom 6. Juni. Am heutige» Wochenmarkt waren die Offerten vom Ausland etwas höher. Di« Besserung macht« sich je­doch nur bei den Mehlforderungen bemerkbar, indem aus zweiter Hand permanent unter Mühlenpreis ver­kauft wurde, und dieselbe jetzt nach Deckung sucht. In den sonstigen Artikeln wird nur d«S Dringendste gekauft. Hafer und MaiS auf Lieferung unter Notiz auf die Monate offeriert. Der nächste Montagmarkt fällt aus. Es notieren je nach Qualität: Weizen, hiesiger und Wetterauer 19.50—19.75 Mark, auf dem Land« ab­geholt 19.00-19 10 M„ kurhessischer 19.75-19.85 Mk. norddeutscher 00.00—20.25 Mk.. russischer Nicolajeff 21.50 -21.75 M., SaxouSka 21.25—21.75 M.. Ulka 21.25-21.75 Mk.. Bzima 21.20-21.75 Mk., La Plata 21.25-21.75 Mk.. Rumän. 21.60—21.50 Mark, Walla Wall« 21.50-21.00 M. — Roggen, hiesiger, 15.00 bis 15.10 Mk., auf dem Lande abgehvll 14.00—14.25 I Mark, Pfälzer 00.00-00.00 M. — Gerste hief. 00.00 I biS 00.00 Mark., Pfälzer ohne Handel, fränkische I

00.00—«0.00 Mk., Riedgerste ohne Handel, ungarisch« 00.00-00.00 M., russische Futtergerste 00.00-00.00 M. — Hafer, hirf.und Wetterauer 14.75—15.50 Mk., tut» hessischer 15.00-15.60 M., dayer. 15.00—15.50 Mk,. russischer 00.00-00.00 M. — MaiS (Mixed) 00.00 bis, 00.00 M., Donamnais 15.75-16.00 M., La Plata 15.50; bi» 15.75 Mk., Odessa 16.00-16.25 M-, russ. 16.25 bis J 16.50 M. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: unverändert. — Es notieren nach Qualität: Weizenmehl, hiesiger, Nr. 0 28.50—28.75 Mk., südd, Nr.V. 28.25—28.50 Mk., hiesiges Nr. 1 26.50 -26.75 M„ süddeutsches Nr. 1 26.25-26.50 M., hiesige» Nr. 3 23.50 -23.75 M., süddeutsches Nr. 3 23.25-23.50 M., hiesige» Nr. 4 19.50-19.75 M., süddeutsches Nr. 4 19.25-19.50 M. —Roggenmehl, hiesiges,Nr.023.00 bis 23.25 M., do. Nr. 01 22.00—22.25 M., do. Nr. 1 21.00—21.25 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack lokohier. Futtermittel: matt. — Weizenschalen 10.00 bi» 10L5M., Weizenkleie 9.00—9.25 M., Noggenkleie 10.00-10.25 M., Weizen-Futtermehl 13.50—13.76 M., Biertreber, getrocknet, 12.90—13.10 M., Malzkeime 12.00—12.10 M., Rapskuchen 12.50—13.00 M., Palm­kuchen 12.40—12.60 M. Alles per 100 Kilo netto effek­tiv loko hier bei Abnahme von 10 000 Kilo.

Kurzer Setreide-wochmbericht der PreisberichtSstelle des deutschen LandwirtschastS- rats vom 31. Mai bis 6. Juni 1910.

Rach einem noch recht flauen Beginn vermochte sich In der Berichtswoche allmählich eine Besserung und schließlich zum ersten Male seit langer Zeit eine recht feste Tendenz durchzusetzen. Anlaß dazu gab zunächst Amercka, über dessen Ernteausstchten der Statistiker Snow weniger günstige Angaben machte als man er­wartet hatte. Dazu kam, daß sich auf dem englischen Landungsmarkte nach längerer Pause Anzeichen einer Belebung bemerkbar machten und Liverpool darauf­hin höhere Preise meldete. Die Exportländer zeigten sich merllich zurückhaüender. Bemerkenswert und an­scheinend eine Folge des entgegenkommenden Verhal­tens der Banken gegenüber den Wareribesitzern ist der Umstand, daß Rußland trotz der unverändert günstigen Emteaussichten seine Forderungen erhöht hat. Nicht unbeachtet blieb ferner, daß der russische Weizenexport in der letzten Woche auf 74000 To. zurück gegangen ist, so ist es erklärlich, daß sich diese Abnahme in den Weltexpottzahlen empfindlich bemerkbar machte. Waren schon diese Momente geeignet, der gesamten Marktlage ein festeres Gepräge zu verleihen, so trat für Berlin noch der Umstand hinzu, daß das heiße und trockene Wetter der letzten Zeit Befürchtungen wegen der Saa­ten aufkommen ließ. Nach der Erhebung der Preis­berichtsstelle vom 1. Juni beziehen sich derartige Be­sorgnisse namentlich auf den ohnehin nicht überall be- riedigenden Roggenstand, sowie auf die Sommer­saaten, aber auch für den bisher sehr günstig entwickel­ten Weizen und auch für die Futterpflanzen beginnt die Trockenheit allmählich gesähttich zu werden. Unter dem Eindruck dieser Verhältnisse zogen sich die Ab­aeber allmählich vom Markte zurück, sodaß bei zuneh­mendem Kauf- und Deckungsbegehr Weizen seinen Tiefftand allmählich um 6—8 Mk- überschreiten konnte. Für Roggen betrug die Besserung gegenüber letztem Roggenschluß bei Juli 3%, bei Sept. 3y2 Mk. Der esten Tendenz schloß sich auch Lieferungshafer an, wahrend im Effcktivgeschäft vorerst nur bessere Quali­täten aus der geänderten Situation Nutzen ziehen konnten. In der Provinz war oon einer Besserung in der letzten Woche noch nichts zu merken, trotzdem das Angebot bei den gegenwärtigen Preisen sich in ehr mäßigen Grenzen hält. Gerste hat ihren PreiS- tanb bei ruhigem Verkehr nicht sonderlich verändert. Mais wurde von Argentinien und von der Donau billiger offeriert, doch waren die Forderungen zum Schluß wieder fester gehalten.

ES fleUteu sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei da» Mehr (—|—J dezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist wie folgt:

Weizen Roggen Hafer Danzig 198 (— 4 ) 137 ( — 4 ) 142 (— 9 )

Berlm 199 (— 4 ) 138 ( — 1 ) 165 (4- 3 )

Frankfurt 198 (— 2 ) 151 (— 1*/») 155 (—1 )

München 198 (— 10 ) 156 ( — ) 155 ( — )

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Juli 198.00 (+ 4.00), Sept. 191.00 (+ 3.50) Budapest Okt. 160.60 (4- 1.50), Paris Juni 202.80 (4- 1.60) Liverpool Juki 147.00 (+ 4.70), Chicago Juli 143.95 (— 0.15). Roggen : Berlin Juli 148.50 (+ 3.25), Sept. 151.75 (4- 350). Hafer: Berlin Juli 147.75 (— 2.25), Sept. 15LOO (4- 4.75) Mk. per 1000 Kilogramm.

einst

ge-

Der Verlobte war ihr aber innerlich so fremd — i sie hatte so wenig Gemeinsame» mit ihm; was ste für Liebe gehalten, war nur ein starke» Interesse an Her­berts Persönlichkeit und zugleich «ine tiefe Dankbarkeit für seine Güte

Ihre Liebe aber — die gehörte Sudan Waldow — die war untrennbar von ihrem Leben?

Sie hätte es nicht geglaubt, daß Sudan WaldowS Anblick so heftige Empfindungen in ihr auslösen wurde. All' chre künstlich gezimmerte, stch oft wieder­holte GleuhgSttgkett toat bei dem einen Blick seiner strahlenden blauen Augen in fich zusammengefallen- sie konnte fich der Macht seiner Persönlichkeit nicht ent= ziehen.

Auf ihrem Sestcht lag heiße Röte, während ihre Sänke zitterte» und eisig katt waren.

Herbert bemerke ihre Aufregima, als ste den Saal verließen.

„Hat dich da» Konzert s» erregt, Schatz? Da werde ich dir nächstens verbieten müssen, wieder zu gehen" scherzt« er- „Uebtigett» kann der Musikathlet zufrieden fetn mtt dem ihm gefpeubden Beifall. Es fehlt nur noch, daß man ihm die Pferd« ausspannt!""

Wie nicht begreifend, fchüttelte er den Kopf.

lieber Edith aber kam bei diesen Wort« eine selt- faine Ernüchterung.

Musikathlet! Wie konnte Herbett dnen solchen Ausdruck gebrauchen in bezug auf einen Künstler der bte Herz« der Meng« so tief ju rühren wußte,' wie

, -?Ä^bett stand ja dieser göttlichen Kunst so gleichgültig gegenüber, daß sie e» wirklich nicht bearei- fett konnte.

Seine Züge waren wie immer unbewegt, mtt dem "^rleg«ien, ironische» Zug darin, während sich aus den Gefichder» aller ander« Zuhörer der Eindruck de» gehabten Genusses wiederspiegelte.

„Roch einen Kuß bei der Türe.

Herzlichste, gute Nacht?

Und schlafe, von treuen Engeln

Behütet und bewacht!"

Bei diesen schlichten, innigen, so lange nicht hörten Klängen feudjteten fich Ediths Augen.

Und jetzt sing er wieder an zu spielen — als zweite Zugabe, die man ihm förmlich abgejubelt, spielte er ein einfache», keine» Lied, das aber Edith so gut kannte — hatte er ihr diese Komposition doch gewidmet!

In der Garderobe sah sie Lucian stehen. Wie es schien, erwartete er jemanden; denn suchend schweifte fein Blick umher

Da entdeckte er sie; freudig leuchtete es in feinem Auge auf, und er trat auf sie zu, hielt aber auf halbem Wege inne — denn Herbert hatte soeben seinen Arm unler den feiner Braut geschoben — Sudan sah, daß Edith nicht allem war? Staunen prägte sich aus seinen Zügen ans und mit einem langen schmerzlichen Wick wandte er sich ab.

Alles da» sah Edith und ein dumpfer Druck legte sich lähmend auf sie, sodaß sie kaum noch auf die Fra­gen ihres Verlobten antworten konnte.

-■ , Verzeihe, Hecbert, ich habe dnen unerträglichen Kopfschmerz bekommen", entschuldigte sie ihr ihn b«- fre nbenbe» Wesen.

Er glaubte ihr; zum Erschrecke» bleich sah sie au»; ste zittert« förmlich.

Sofort rief er einen Wagen an. Beim Einstdgen war er ihr behilflich und sah zärtlich besorgt in ihr Gefickt.

„Gute Besserung, Geliebte ’ Ich werde mich mor­gen erkundigen, wie es dir gebt! Gute Rächt!"

Er drückte dnen Kuß auf ihr« bebende Hand, eh« er den Wagenschlag schloß

Bitterlich schluchzend lehnte Edith in den Kissen: sie konnte ihren Tränen nicht mehr gebieten

Und sann folgte eine lange schlaflose Rächt--

O, dieses Wiedersehen!

Wo war ihr verletzter Stolz, ihr Trotz, ihre Gleich- gfiltigfeit geblieben? Bor den zauberischen Klängen, die er seinem köstlichen Instrument enüockte, vor dem feurigen Blick seiner Augen und dem Lächeln seine» Mundes hatte sie nicht stand halten können! Und in dieser einen Stunde war ihr klar geworben, daß sie trotz ihre» Grolle» nie aufgehört hatte, Lucia» Waldow zu lieben — wenn auch ihr selbst »nbewußtl

Di« Zett schleift eben alle» ad, versöhnt die Ge­gensätze und läßt das Bergang«« in tinem milderen Lichte erstehen.

Wie aber sollte da» nun werden?

EdiH lag und grübelte — sie hatte doch einem andern Treue gelobt?

Edith Büttners Liebe.

<0j Roman von Fr. Lehne.

Er im Verein mtt der berühmten Wagnersängerin usw. —*

Edith legt« langsam das Zeitungsblatt hin, trat an das Fenster und blickte in die stille, mondbeglänzte Straße Hnaus. Sudan Waldow kam hierher — welche Empfindungen wurden in ihr wach! Ihr Herz köpfte ungestüm — sollte die Erinnerung an ihn denn nie zur Ruhe kommen?

Und richtig — wie sie geahnt ober in diesem Falle vielmehr gefürchtet hatte — Herbert kam mit einem Bittet zu dem Konzert, da er wußte, wie sehr seine Braut gute Musik liebte. Er war nicht blonder» empfänglich dafür, aber er begleitete Edith jedes­mal.

Ihre Plätze befanden sich in der dritten Reihe.

Der Saal war dicht gefüllt mit einer erwartungs­voll gestimmten Zuhürermenge, die dem Künstler, als er das Podium betrat, begeistert zujubelte.

Sudan Waldow sah sehr gut aus; seine schlank gewordene Gestalt tn dem tadellos sitzenden Frack wirkte vomehm, und der Ausdruck seines hübschen Ge­sichtes war vertiefter, viel ernster geworden.

! Und wie ec spielte! Süß klagend, lddenschast- lich bewegt schwebten die Klänge feiner Violine durch dm Saal, die Zuhörer in ihren Dann zwingend.

Minutenlanger Beifall umtoste ihn. Lächelnd — tt war sein altes, gutes Kinderlächeln — dankte er dafür.

Da fiel fein Blick zufällig auf Edith, die et sofort «kannte; feine Augen weiteten sich — ihre Blicke tour- £len ineinander; wie rasend schlug da» Herz de» äbchm» — wäre doch nur erst alle» vorüber!

Wmn ihr Verlobter, der so kühl und fotrtft neben thr saß, geahnt hätte, daß der Mann da oben auf dem Podium ihrem Herzen einst da» Teuerste gewesen war — die Sonne ihrer Leben» — ein Gefühl fast wie Furcht beschlich Edtth bei diesem Gedanken-

Unter Sorgen und Tränen hatte Edith die Rocht verbracht, und in trübt» Sinnen verloren, verrichtete ste ihre HauSaröert.

Bei jedem Geräusch zuckte sie zusammm; ste war völlig au» ihrem seelischen Gleichgewicht gekommen und das Herz war ihr schwer.

Da klingelte e» an der Vorplatztür Erst elf Uhr — sollt« Herbert schon kommen, nach ihr zu sehen? Sicher hatte er keine Ruhe mehr, trotzdem er sonst die Geschästsstunden püickttich inne hielt.

Sie zwang ein freundliche» Lächeln aus ihre Lip­pen, als sie öffnete, prallte aber erschrocken zurück, al» sie in dem Einlatzbegehrenden nicht ihrm Verlobtm, sondern — Lucian Waldow erkannte.

Er sah ihr Staunen. In leichter Verlegenhett stand er da. „Ich wollte Ihnen und Ihrem Herrn Vater „Guten Tag" sagen —"

Sie ließ ihn eintreten; sie tonnte ihn doch nicht wie dnen Bettler oder Hausierer vor der Tür stehen lassen?

„Ich wo- schon in Ihrer früheren Wohnung, man wie- trtd) hierher —*

„Dicke Wohnung ist günstiger für un5 —" ihre Stimme klang rauh und fremd im Ohr — „mein Va­ter ist nicht 6u Haufe — er wird es sehr bedau­ern —*

„Ah, ich hätte ih» gern einmal wiedtrgesehm. Ich muß ihm doch von Thankmar erzählen, den ich vsr meiner Reise nach Amerika in Le^zia getroffen hatte."

„Ach, Thankmar, ja —"

Edtth wurde lebhafter, sie sprach jrtzt vou dem Bru- b«., und da endlich verlor sie auch di« Befnnaerihnt, die sie bi» letzt geauält-

1 (Fortsetzung folgt.)