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30 125.

Samilog d«» 4. 3ml WO.

57. Jahrgang.

fuldaer W Zeitung *

5. Blatt.

vntS und Verlag der Mdaer SetlendruSerel in Znlda.

t. Der Bonifatiusverein in der Diözese Fulda.

Am morgigen Sonntag findet in allen Kirchen der Diözese die Kollekte für den Bonisatius- »erein statt.

Der Zweck dieses im Jahre 1849 auf der Latholikenversammlung zu Regensburg gegründeten Vereins war und ist noch, den in religiös gemisch­ten Gegenden Deutschlands lebenden Katholiken zur Gründung von katholischen Schulen und zur Er­richtung einer geordneten Seelsorge zu verhelfen, wie durch Gebet und Almosen sie zu unterstützen. Unsäglich viel Gutes hat der Verein in den 60 Jahren seines Bestehens gewirkt. Millionen sind bis dahin für Schulen, Kirchen und Dotierung an Pfarreien gesammelt und aufgewendet worden. Die Bedürfnisse sind aber mit den Jahren gewachsen durch die Freizügigkeit und die Ver- schickrwg katholischer Beamten in protestantische Gegenden. Die Not ist in der Tat groß. Vielleicht glaubt man, die Menschen empfinden diese geistige Not nicht, nun dann wären sie wahrhaftig erst recht zu bedauern. Allein, man muß das Elend mit eigenen Augen gesehen haben, um es recht beurteilen zu lörmen. Weit unb breit kein katholischer Priester, kein Trost in der Krankheit und erst recht nicht in der Todesnot! Hat das Gewissen vielleicht auch eine zeitlaug geschlafen, es erwacht danach wieder. Und dann welch ein Jammer! Was wird aus den armen Kindern? Sie verarmen an Wahrheit und Gnade und wachsen ans ohne jede religiöse Neberzeugung. Welcher Katholik möchte da ruhig die Hände in den Schoß legen, besonders in der Diözese Fulda mit ihrem weiten Diasporagcbict. Damit die Leser der „Fuld. 310." sich einen Begriff machen lönnen von den Aufwendungen, die der Bonifatiusverein für unsere Diözese machen muß, geben wir hier eine Abschrift über das Jahr 1908 aus dem im Bonifatinsblatt veröffentlichten Jahresbericht, wöbe zu bemerken ist, daß der Bonifatiusverein in den meisten Diasporagemeinden — soweit die freiwilligen Gaben der meistens armen Pfarrkinder nicht aus­reichen — für alles auskommen muß. (Paramente, Kerzen, Dießwein, Hostien, Kirchendienst.) Kirchen- vermögen, wie in rein katholischen Gemeinden, ist fast nirgends vorhanden. Die Gesamtsumme der für die Diözese Fulda gemachten Aufwendungen beträgt 132 636,48 Mk.; sie verteilt sich folgender­maßen:

Allendorf (Werra , Seelsorge, Reisekosten nach Witzenhausen rc. 4987,70; Apolda, Schule, Diaspora- kinder 2661,44; Bebra, Seelsorge 640,30; Bettenhausen, Secl'orge, Meßstiftung 2462,20; Bilstein, Mission, (kirch!. Bedürfnisse) Seelsorge, Schule, Kirchenbau 4054,55; Buchenau, Seelsorge 189,12; Dörnigheim, Seelsorge 100,— ; Eckenheim, Mission skirchl. Bedürf­nisse! 5.0,- ; Eisenach, Schule 6877,50; Elm, Seelsorge 127,70; Eschersheim, Mission, Kirchenbau 1525,70; Secheicheim, Seelsorge 1125,—; Frankenberg, desgl., iasporakinder, Meßstiftung 2759,— ; Gelnhausen, Seel­sorge, Schule 1751,10; Ginnheim, Kirchenbau, Seel- svrgk 3IoO,—; Gioß-Auheim, Krrchenhau 400,—; Gudensberg, Seelsorge 163,— ; Hersfeld, Seelsorge 435,80; Hesnfch-Oidendors, Religions-Unterricht 150,— ; Homberg, Seelsorge. Diasporakinder 3034,—; Hünseld, Kommunikanten-Anktalt 15'5, ; Jena, Mission, Seel­sorge, Schule, SchuldeinUguug, Diasporalmder 12508,20; Ilmenau, Seelsorge, Diafporakinder 2050,— ; Karls- hafen - Hofgeismar, Misfion, Seelsorge, R isekosten 3250,—; K rchharn, Seelsorge, Kirchenbau 2401,51; Langen-ekbokd-Lcmgendiebach, Seelsorge, Miete 1975,— ; Langenschlvar,, Seelsorge, Miete 1020,10; Lengsseld, Gottesdienst 59,— ; Marborn, Seelsorge 1550,— ; Mar­burg, Kirchenbau 16185,—; Marjoß, Religions-Unter­richt 159,— ; Melsungen, Mission, Seelsorge, Schulden­tilgung, Diasporakinder, Reisekosten 2008,90; Nenndorf, Seelsorge, Schule 1244,90; Neustadt a. £)., Seelsorge, Schule, Schuldentilgung, Meßftistung, Kommunikanten- Anstalt 6325,27; Niederkalbach, Mission 33,20; Obern­kirchen, Mission, Seelsorge, Kirchenbau, Schuldentilgung, Miete 4815,97; Praunheim, Seelsorge 159,— ; Rinteln, Mission, Seelsorge, Schule, Reparatur, Diasparakinder, besondere Gabe 1058,50; Roihenditinold, Religions­unterricht, Seelsorge 1741,61; Schlüchtern, Gottesdienst, Seelsorge 550,—; Schmalkalden, Seelsorge, Schule, Schuldentilgung, Meßstiftung, Diafporakinder 4972,80; Seckbach, Mission, Seelsorge, Schule, Kirchenbau, Meß- stislung, Reisekosten 5914,25; Siernau, Seelsorge 98,—; Vacha, Kirchenbau 1390,— ; Beilsteinbach, Mission 33,20; Wahlershausen, Mission 12,— ; Wansried, Seelsorge, Mission, Kirchenbau, Miete, Schuldentilgung 2866,66; Wehlheiden, Diasporakinder 108,—; Weida, Seelsorge,

Mission, Schule, Schuldentilgung, Kirchenbau, Diaspora­kinder 9395,20; Weimar, Mission, Seelsorge, Schule, Schuldentilgung, Diafporakinder 3262,50; Ziegenhain, Seelsorge, Meßstiftung, Reisekosten 874,60; Für ver­schiedene Missionen 7000,—.

Mit diesen gewaltigen Leistungen vergleiche man die verhältnismäßig geringfügigen Einnahmen, wie sie ans den zweimal im Jahre veröffentlichten Gabenverzeichniffen sich ergeben. Mit dem, was aus Einigungen, Kollekten, Legaten rc. in der Diözese einkommt, könnte kaum der dritte Teil der Bedürfnisse befriedigt werden. Das ist nur möglich durch die vom Generalvorstand unserer Diözese zugewandten Ueberschüfse aus anderen Diözesen. Wenn rin solcher Ausgleich zwischen reichen und ärmeren Diözesen, bedürftiger und weniger bedürftigeren auch immer nötig sein wird, so könnte doch — das zeigt Jedem ein Blick in die Gabenverzeichnifse — stellenweise — besonders durch Einführung der Einigungen — noch viel m hr ge­schehen ; selbst dort, wo man sür den eigenen Kirchenbau zu sorgen hat, sollte man den Bonifatius­verein nicht ganz vernachlässigen.

Tas Fest des hl. Bonifatius möge allen Katho­liken der D özese Fulda ein neuer Ansporn sein, den Bonisatiusvcrein zu pflegen.

Wir sind zwar zumeist nicht in der Lage, wie einst Bonifatius hinauszuziehen, um den katholischen Glauben auszubreiten, aber wir alle können in ge­wißem Sinne das Werk des HI. Bonifatius fort- sctzen unb vervollkommnen dadurch, daß wir M i t- glieder des Bonifatiusvereius werden oder denselben (durch eine unseren Verhältnissen ent­sprechende Gabe) nach Kräften unterstützen, wozu sich bei der Kirchenkollekte Gelegenheit bietet, denn es ist heute noch richtig, was der Hochsclige Bischof Konrad Martin einst gesagt hat: „Die Unterstützung des Bonifatiusvereius ist die Haupt­pflicht der deutschen Katholiken.* Gewiß müssen wir auch sorgen für die Missionen in der Heidcn- welt, aber zugleich Hilfe bringen den armen Missionen in der großen Diaspora Deutschlands. Denn wenig würde es frommen, Heiden zum Christen­tum zu führen, wenn wir ruhig zusehen, wie die Deutschen, welche schon Katholiken find, ihren Glau­ben wieder verlieren.

* Eine Broschüre über den liberalen „Deutschen Leyrerverein".

Soeben erschien aus der Feder des Rektors H. B c ü ck im Auftrage des Katholischen Lehrerverbandes des Deutschen Reiches eine Broschüre unter dem Titel „Set Deutsche Lehrerverein und seine Vorgänger im Lichte der Wahr- ijeit." (Kommissionsverlag: Westfälische Verlags- anflalt, Bochum, Kaiser Friedrich Matz 6- Preis Mk. 0,60.)

Namentlich nach der in mancher Beziehung gerade­zu erstaunlichen Straßburger Pfingstversammlung muß das Interesse an der inneren Entwickelung des libe­ralen Lehrerverems in den weitesten Volkskreisen noch bedeutend gesteigert werden. Denn letzte-? Endes — io sagt in der „Köln. Bolksztg.* Kreisscknckinspekwr Dr. H e ß, der bei den letzten Kultilsdebatten im Ab­geordnetenhaus,: im Mittelpunkte der Verhandlungen tand — hängt die ganze, tiefgreifende Frage nach dem Wesen unserer Schule von der inneren Stellung ab, die die Lehrerschaft selbst zu dieser Frage ein- niirnnt. Gelingt es, den größten Teil der Lehrer­schaft still und unvermerkt zu einem Standpunkt zu erziehen, der hon dem dogmatischen Geiste und Fun bnmcnte unserer christlich-konfessionellen Schule nichts mehr wissen will, wie da° ohne jeden Zweifel in der Tendenz weiter Kreise des „Deutschen Lehrcrvereins" liegt, so ist die Konfessionsschule verloren. Alles, was geeignet erscheint, an dem Kampfe gegen den reidenkerischen Liberalismus in der Lehrerschaft teil- zunehmen, muß deshalb willkommen geheißen werden Die Brücksche Broschüre aber ist dazu in hervorragen­der Weise geeignet. Sie vereinigt in sich all das. was man van einer guten Streitschrift erwartet: Reichhal­tigkeit des Stoffes trotz räumlicher Kürze und Präg­nanz, Beweiskraft durch eine Menge schlagender Zi­tate, ruhige Vornehmheit des Tones bei unerbittlich charfer Logik, und nickt zuletzt eine fesselnde Darstel­lung der allerdings an fick ja interessanten Materie.

Daß Brück außerdem das sehr umfangreiche Ma­tenas vollkommen beherrscht, dafür bürgt schon her Name des Mannes, der mit der Entwickelung des

ganzen deutschen Lehrervereinswesens auf» engste seit einem Menschenalter verbunden ist. So mußte er hervorragend dazu befähigt erscheinen, in der riesigen Fülle der Vorgänge auf diesem Gebiete das Wesent­liche vom Unwesentlichen scharf zu unterscheiden, überall klaren Blickes das Prinzipielle herauszugreifen und es zu einer langen, logischen Entwickelungslinie aneinander zu reihen. Mit der sophistischen KampfeS- weise des Lehrerliberalismus ist Brück natürlich au Grund eines dreißigjährigen Krieges bestens vertraut. Die bekannten Versuche, sich bei unbequem geworde­nen Situationen hinter die sogenannten „offiziellen Beschlüsse* zu verschanzen, oder kompromittierende Erscheinungen kurzerhand abzuschütteln, sind ihm durchaus geläufig und werden mit sachverständiger Neberlegenheit von ihm pariert. Schon die ganze Anlage der Streitschrift verrät den Kenner, indem Brück seinen Stoff nach drei Gesichtspunkten gliedert. Er knüpft an die Beantwortung der Fragen an: 1. Welche Beschlüsse find in den Versammlungen ge­faßt worden? 2. Wie ist daZ Verhalten der Leitung der Versammlungen und des Vereins? 3. Welcher Geist herrscht in den Versammlungen und im Deut­schen Lehrervcrein? Daran anschließend spricht er noch „über den Mißbrauch des Wortes „Religion* im Deutschen Lehrerverein und „über die Erklärung des geschaftsführendcn Ausschusses des Deutschen Lehrervereins*.

Es erscheint dringend wünschenswert, daß die Schrift eine weite Verbreitung im ganzen Volke finde, da sie hervorragend dazu berufen ist, zur Klarstellung dessen beizutragen, was innerhalb unserer Lehrer­schaft vor sich geht

Aus dem Nachbargebiete.

* Dermbach, 3. Juni 1910. Die in der ehemaligen Zuckerfabrik eingerichtete Molkerei bat in den letzten Tagen ihren Betrieb ein» gestellt. Wie verlautet, sind die vorhandenen Maschinen behufs Einrichtung einer Molkerri in Wohlmuthausen i. d. Rhön verkauft worden.

* Hanau, 3. Juni 19iO. Für den projek­tierten Eisenbahnbau,Hanau-Büdingen ist eine neue Schwierigkeit dadurch entstanden, daß jetzt das Ministerium eine stärkere finanzielle Heranziehung der beiden Kreise Hanau-Stadt und -Land fordert. Bei beiden besteht jedoch keine Geneigtheit, weitere Mittel als die schon bewil­ligten bereiizilstellen. — Ortszulagen an die Lehrer hat unter den Orten des LandkreisesHanau außer der Gemeinde Fechenheim, die 400 Mark bewilligte, nur die Landgemeinde Bruchköbel in der Höhe von 300 Mark bewilligt. Alle anderen Landgemeinden des Kreises Hanau haben das Ge'uch der Lehrer abgelehnt.

* Kassel, 3. Juni 1910 Die am 13. Juni begin­nenden Verhandlungen der zweiten diesjährigen Schwurgerichtsperiode werden voraussicht­lich länm als eine Woche in Anspruch nehmen. Als einer der eisten Strafjälle wird die AnNag^chHe gegen den Kohlenhändler Forum von hier zur Verhandlung gelangen, der beschuldigt ist, fein eigenes Haus vor­sätzlich in Brand gesteckt zu haben, um hie Versiehe- rnugsgclher zu erlangen — Herr Stadtrat Andreas Schmidt wurde für seine Verdienste um unser Ge­meinwesen, die er sich durch seine mehr als 25jährige Tätigkeit als Stadtverordneter und Mitglied des Ma­gistrats erworben hatte, durch die Verleihung des Ti­tels „Stadtältester* durch die städtischen Körperschaften ausgezeichnet.

* Boni Westerwald, 3. Juni 1910. Die vor eini­gen Tagen eröffnete Westerwaldquerbahn Westerwald—Montabaur dürfte eine der schlangen- förmigsten Eisenbahnen in Deutschland sein, denn cs ging bei ihrem Van so zu, daß jeder Ort berücksich­tigt sein wollte und auch tatsächlich eine große Rück­sicht geübt worden ist. Auf einer Entfernung von etwa drei Wegestunden sind „nur" elf Eisenbahnstationen und zwar: Westerburg, Saischeid, Enden, Elbingen, Herschbach, Wallmerod, Meudt, Niederahr, Moschheim, Bauiberjcheidt—Staudt und Montabaur. Eine Fort­setzung wird die Querbahn nach dem Rheine zu er­halten ; ihr Anfang ist in Herborn und somit wird sie später eine erhebliche Entlastung der Lahnbahn, zumal in Kriegszeiten bilven, wo die Lahneisenbahn wegen der vielen Tunnels leicht Störungen erleiden kann.

» Wiesbaden, 8. Juni 1910. Zwei Jahrs Zuchthaus erhielt von der Strafkammer der Kell­ner Ritter von Kreusen, wett er im April seinem frühe­ren Arbeitgeber, dem Gastwirt Reh in Schmalbach, nächtlicherweise einen Schinken au6 der Räucherkam­mer und einem Kollegen 30 Mack au8 dem Koffer ge­stohlen hatte. Weil der Streich so gut gelungen, ging er am nächsten Tage wieder hin und versteckte sich in einem Zimmer, wurde aber erwischt.

vermischtes.

* Das weltbekannte Hospiz auf dem Großen Sankt Bernhard wurde kürzlich von einem un­geheuren Schwann Schwalben überfallen, die Schuh vor den Schneestürmen in den Bergen suchten. Die Tierchen wurden so gut es gehen wollte gefuttert. Als nach einigen Tagen die Sonne wieder aus den Wol­ken hervorbrach, erwachte in den Schwalben der Wan­dertrieb wieder, und nach einer angeregten „Bespre­chung", die man weit außerhalb des Klosters verneh­men konnte, nahmen sie Abschied.

* Von einer spaßhaften Improvisation weiß der „Gaulois" aus Boston zu erzählen. Mau gab im Operntheater die „Tosca" und zwar auf italienisch. Die beiden Vertreter der Hauptrollen sagen gerade ein leidenschaftliches Duett, als plötzlich im ersten Rang eint krampfhaftes Lachen ertönte und die Weihe des Augenblicks völlig zerstörte. Was war geschehen? Es war tu der Tat etwas geschehen, etwas Ungewöhn­liches, wenngleich nicht gerade etwas Furchtbares. Die Tosca hatte gemerkt, daß das Beinkleid ihres geliebten Mario Cavaradossi irgend einer Bewegung nicht standhielt und zerriß. Als gute Kollegin sah sie voraus, daß ihr Partner wegen dieses Unglücks vom Publikum verlacht werden könnte. Sie wollte ihn warnen, und in der Annahme, daß ja doch wohl niemand italienisch verstehe, sang sie mit tragischen Gebärden und bestrickender Leidenschaftlichkeit: „Drehen Sie sich nicht um, Ihre Hose ist hinten auf- geplatzt." Aber die Primadonna hatte sich verrechnet. Der Aufführung wohnten eine Anzahl Italiener bei, die mit begreiflichem Staunen diese immerdar merk­würdige Aeußerung der in höchsten Seelennnöten sich »rindenden Tosca hörten und schließlich ihrer Heiter­keit nicht Herr werden kannten. Das amerikanische Publikum, das von der Improvisation nichts gemerkt hatte, war empört, die Störenfriede wurden ans dein Saal gewiesen und man führte sie zur Polizeiwache Tart erklärten sie den Zusammenhang ihres Lachens mit der Oper von Priccini.

* Der neueste Petersburger Gesellschafts-Skandal, die Mordaffäre Buturlin, fördert haarsträubende Ein­zelheiten ans Tageslicht. Jener Dr. Patschenko, den der Gutsbesitzer Ljassy gedungen hatte, um seinen Buturlin aus dem Wege zu räumen, betrieb einen schwungvollen Handel mit Giften aller Art, die Selbst­mordkandidaten bei ihm bezogen. Es war ein weit­verbreitetes, offenes Geheimnis, daß, wer seinen Ta­gen ein Ziel setzen wollte, sich mit Dr. Patschenko in Verbindung setzte, und über die ihm am angenehmsten dunkende Todesart konferierte. Alles, was dazu dann gehörte, besorgte Patschenko prompt und zu zivilen Preisen.

** Eine kriegsmäßige Erprobung des Aeroplans wird die amerikanische Heeresverwaltung während der im Juni zu Chattanooga im Staate Tenessec iattfindenden Heeresübungen vornehmen und ver­suchen lassen, ob Aviatiker imstande sind, 200—300 Pfund Sprengstoff bei einer Geschwindigkeit von 45 bis 50 Meilen in der Stunde mit in die Höhe zu nehmen und ibn aus einer Höhe von einer Viertel- ineilc auf Zielscheiben herabfallen zu lassen, die Be­festigungen, Gebände und auf einer Fläche von zwei Onadratmeilen versammelte Truppen darstellen sollen.

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Warnung! Man verlange ausdrück­lich den Namen Dr. Hommel.

Edith Büttners Liebe.

38] Roman von Fr. Lehne.

Ungefähr acht Tage später sagte der alte Herr Thomas in seiner gemütlichen Weise:

„Fräulein Bürkner, haben Sie heute abend etwas vor? Rein? Na, dann ift's gut — kommen Sie ein­mal her."

Sie gehorchte, und er hielt ihr ein Kuvert entgegen.

„Raten Sie mal, was ich da habe? Sie sagten doch neulich, daß Sie sehr gern einmal eine Wagner- Oper hören würden — hier hab' ich ein Billet für heilte abend zu Lohengrin" —

„Und das soll ich haben?" stammelte Edith — und unwillkürlich flog ihr Blick zu Herbert hinüber, der mit gänzlich unbewegtem Gesichtsausdruck an sei­nem Putt saß, als ob ihn das gar nichts angingr

„Norärlich, wenn es Ihnen Freude macht! Meine Frau schickt es Ihnen- Sie ist etwas unpäßlich und deshalb am Auszehen verhindert. Sowohl mein Sohn, als auch ich haben keine Zett, respektive keine Lust: folglich würde der Platz nur verfallen, wenn Sic ihn benutzen — oder wollen Sie nicht?"

Note und Blässe wechselten auf ihrem Gesicht.

, Also bitte, nehmen Sie, unb recht viel Vergnü­gen "

»Ich danke Ihnen sehr sür Ihre Güte, Herr Thomas!"

Sie fab, wie ein Strahl des Triumphes in Her­berts Augen aufleuchten, als sie annahm; er war demnach die Veranlassung zu diesem Geschenk!

* *

Die Vorstellung war zu Ende.

Edith war mächtig davon ergriffen.

Die bestrickenden Klänge der Musik noch im Ohr, fibritt sie die Treppenstufen des Theaters hinunter — ha tauchte dicht vor ihr Herberts hohe Gestalt auf ®ie erschrak ein wenig.

r ^leie de» Hut und grüßte sie mit ernstem Ge-

„Heute werden Sie meine - Begleitung annehmen müssen, Fräulein Bürkner!"

„Ah, also habe ich den Genuß dieser herrlichen Vorstellung doch Ihnen zu verdanken?"

„Ist, Ihnen der Gedarrte so unangenehm? Der Zufall ist mir in der Tat zu Hilfe gekommen. Meine Mutter ist etwas erkältet, nun, da ergab es sich von selbst, daß mein Vater wegen des Billets an Sie dachte", sagte er mit einem Lächeln.

Er schlug den Weg nach einer wenig belebten, stil­len Seitenstraße ein, und Edith mußte ihm folgen. Heimlich blickte sie in sein Gesicht, das mehr als je den herrischen Ausdruck trug.

Schweigend ging sie neben ihm her, bis er stehen blieb-

.Sehen Sie, Fräulein Vürkner, nun hab' ich es dock erreicht, daß Sie mich anhöreu müssen."

Edith senkte den Kopf und antwortete ihm uichrs darauf.

Ihr Herz klopfte; sie fühlte, daß etwas Ereignis- schweres in der Luft lag, und ihr bangte davor.

Es war keine Gelegenheit, banale Gespräche zu fuhren, ihm war auch nicht danach zu Mute, deshalb fuhr er fort:

„Ich mußte Sie einmal ungestört, ohne Zeugen svrechen. Lassen Sie mich kurz sein — ich kann nicht viele schöne Worte machen. Edith — ich — ich kann nicht mehr ohne Sie sein — ich liebe Sie unaussprech­lich!"

Ihre Nahe machte ihn fiebern; er wußte kaum uoch, was er sagte

Ms sie nicht antwortete, legte er den Arm um sie und zog sie zu sich heran.

„Edith, können Sie mir denn nicht ein wenig gut sein?" fragte er mit bebender Stimme.

Sie suchte sich zu befreien.

„Herr Thomas, wollen Sie mich durchaus belei­digen?"

„Sie nennen meine Liebe eine Beleidigung, Edith? Ist Ihnen das noch nicht genug, wenn ich Sie bitte, mein Weib zu werden?"

Das hatte Sie doch nicht gleich erwartet — und sie war aufs höchste überrascht

Tausend Gedanken flogen durch ihreu Kopf. Wenn sie jetzt cinwilligte, hatte alles ein Ende — die Sorge, die Arbeit und die Erinnerung! Dann mußte sie fertig sein für immer!

Jbr Schweigen ängstigte ihn.

„Oder wie — Edith — sind Sie gar schon ge­bunden?"

Der Gedanke, verschmäht zu werden, wäre ihm unerträglich gewesen-

Er, der sonst so vorsichtig und abwägend war, hatte sich hier in einer Wallung des Augenblicks hin- rcißeu lassen.

„Edith!" er faßte sie fast rauh am Arm.

„Nein, ich bin frei", sagte sie da leise.

Er hob ihr Kinn in die Höhe und suchte ihren Blick.

„Ich biete Ihnen viel, Edith, sehr viel, das wis­sen Sie wohl — und dafür kann ich Wahrheit bean­spruchen — "

„Die sollen Sie haben. Ich habe mich bisher nur um meine Arbeit und um meine Angehörigen ge­kümmert * Groß und voll ruhte ihr Blick in dem seinen.

„Ich glaube Ihnen, Edith —"

„Was werden aber Ihre Eltern sagen, Herr Tho­mas? Ich, die Buchhalterin —*

„Darum machen Sie sich keine Sorge, Edith. Ich denke übrigens. Sic wissen, wie sympathisch Sie mei­nem Vater sind. Wenn Sie ahnten, wie eifersüchtig ick auf ibn war, wie ich ihn um jeden Blick, um jedes Lächeln von Ihnen beneidete! Ach, Edith —* er preßte ihren Arm fest in den seinen — „laß doch jetzt alle Bedenken! Sag' mir doch das eine Wort, nach dein ich lechze — ob Du willst —"

„Ja---"

. Da umschlang er sie in seligem Entzücken, und hoch ruhte sein Mund auf ihrem Munde.

„Run bist Du meine Braut — und bald mein ge­liebtes Weib!" sagte er in tiefer Bewegung.

Der sonst so kühle, beherrschte Mann war wie berauscht Die Liebe für Edith glühte wie ein ver­zehrendes Feuer tii ihm — gerade, weil er so sehr

dagegen gekämpft hatte, war sie um so gewaltiger ge­worden-

Er konnte sich nicht trennen von dem blonden, schönen Mädchen: immer unb immer wieder küßte er sie, bis sie ihn endlich von sich drängte.

„Gehe jetzt, Herbert — auf morgen — da sehen wir uns ja wieder", sagte sie mit einem reizenden Lächeln.

Er faßte ihren Kopf mit beiden Händen unb sah ihr tief in die dunklen Augen.

„Edith, hast Du mich lieb?" fragte er mit beben­der Stimme.

Da schlang sie die Arme um feinen Hals.

„Ja, Herbert, ich bin Dir gut'

Sie sprach auch die Wahrheit.

All ihre starke Sehnsucht nach Liebe hatte sie aus ihn konzentriert, und sie war ihm dankbar, daß ihr Leben sich durch ihn so freundlich gestalten würde. Sic glaubte ganz sicher, ihn zu lieben, unb sie fühlte fick wohl an seinem Herzen.

Was ging sie der andere noch an.

Unb doch hatte sie nicht verhindern können, daß sein Bild sich vor ihre Seele drängte, als sie Herbert ihr Jawort gegeben.

17.

_ Ter alte Herr Thonias war Ivie vor den Kops geschlagen, als sein Sohn ihm mittcilte, daß er sich mit Edith Bürkner verlobt Habe-

Sein Herbert! Eher hätte er an den Einsturz der Welt geglaubt, als daran, daß sein stolzer Sohu Augen für eine kleine Buchhalterin gehabt hatte.

Doch er nwchte ihm, wie auch seine Frau, keine Schwierigkeiten weiter; sie waren gewohnt, daß der Wille des Sohnes galt, und überdies dachten sie auch daran, daß Thomas sen. selbst klein angefangen hatte. Sie waren frei von jenem falschen Hochmut her has alleinige Glück im Reichtum sieht unb auf ehr liche Arbeit mit Verachtung herabblickt

Natürlich hatte hie Verlobung des jungen Herrn DI- nnas mit einer gänzlich unbekannten Edith Bürkner große Ueberraschung hervorgerufen. *

(Fortsetzung folgt.)