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M 123.

»onnersfag »e« 2. Jini 19)0.

57. Jahrgang.

* Fuldaer

8 Leitung •

2. Blatt.

Druck und Verlag der Fuldaer Nctlendruckerel ii Fulda.

Nur in einem Punkte gebraucht die ,Rhein - Wests. Ztg/ einen mißverständlichen Ausdruck. Ein Wahlgesetz in demokratischem Sinne hat Herr Baffermann sich nicht ausdedungen, sondern ledig­lich ein Wahlgesetz in nationalliberalem Sinne. Daß ein solches direkt volksfeindliches Gesetz aicht zustande gekommen, das ist und bleibt das Perdienst des Zentrums. Der Liberalismus .-vor ans dem Sprunge, di- fette Kuh, die et sich -usbedungen hatte für eine Arbeit, die er nicht ge- ■eiftet, in seinen Stall zu treiben. Das Zentrum ^ut ihn daran gehindert. Das liberale Zetern über vus Zentrum ist clso verstäMich. Am Zentrum giertet das liberale Schimpfen ab. Wo der Libera­lismus bleibt mit seiner Taktik in der Richtung oes liberal - sozialdemokratischen Großblocks, das werden wir sehen.

I Die Sozialdemokratie wird sich jetzt natfirlid) alle Mühe geben, wieder die Verfügung über den alten »Besitz« zu erlangen. In Frankfurt a. d. D. macht die Partei sich allerdings weniger Hoffnungen; denn sie hat dort irgendeinen un- bekannten Parteisekretär, nicht den früheren sozial­demokratischen Abgeordneten Dr. Braun, den „Prinzgemahl« von Lilli Eraun, aufgestellt. In Zschopau—Marienberg aber kandidiert der frühere national- soziale Pastor a. D. Göhre, der dieses Mandat auch schon eine zeiilang inne hatte, es aber wegen Verärgerung in der Partei nieder­gelegt hatte. Um die sozialdemokratischen Hoff­nungen zu schänden zu machen, wäre in erster Linie erforderlich, daß die mchtsozialdemokratischen Parteien geschloffen vorgehen. Ob das bei der heutigen Parteilage, insbesondere bei den Groß- blockbeflrebungen auf der bürgerlichen Linken, zu rwarten ist, das ist noch sehr die Frage. Die rechtsstehenden Parteien könnten aber sehr leicht eine Verständigung herstellen. Sie brauchen nur zu erklären: wir können nur dann unsere Wähler in Frankfurt a. O. bestimmen, geschlossen für einen liberalen Kandidaten eiuzutreten, wenn umgekehrt in Zschopau—Marienberg die Liberalen Mann sür Mann den rechtsstehenden Kandidaten wählen, mag dieser nun der Reformpartei oder einer anderen Partei der Rechten angehören. Er ist heute freilich nicht viel Aussicht vorhanden, eine solche Verständigung herbeizuführen, die Gegensätze zwischen links und rechts klaffen zu tief.

Aus dem Nachbargebiete.

* Geisa, 30. Mai 1910. Der Schafmeister Herr Georg Soßdorf sen. zu Völkershausen feierte mit seiner Ehefrau das Fest der goldenen

* Rotenburg, 30. Mai 1910. Die von den städtischen Behörden beschlossene Einführung der halbmonatlichen Verzinsung von Einlagen bei der städtischen Sparkasse hat die Genehmi­gung deS Herrn Oberpräsidenten erhallen. Es werden von jetzt ab Einlagen, di.' m den ersten drei Tagen eine« Halbmonats gemacht werden, fftt diesen noch voll verzinst.

* Kassel, 1. Juni 1910. Im Lause dieses Monats wird die laudwirtschastliche Ver-

Beförderung zu vermindern. In Italien richtet sich dir Auswanderunasgesetzgebung nach Ansicht des „Daily Chronicle" mehr gegen Deutschland als gegen England. Sie zielt darauf ab, die italienische Auswan­derung für italienische Dampfergesellschasten zu mono­polisieren. England selbst hat seine eigene Art von Sorgen um seine Auswanderung, die letztes Jahr die hohe Ziffer von 135 000 Köpfen erreichte- Daß davon 86 000 sich nach den Vereinigten Staaten und nur 27 000 bezw. 22 000 sich nach Eanaa und Südafrika wandten, will gar nicht gefallen, da sich die Engländer

Aus Kirche und Schule.

\ Der Heilige Vater Papst Pius X. vollendet in vollster körperlicher und geistiger Frische heute das 75. Lebensjahr. Wir beten zu Gott, daß er noch lange Jahre zum Segen der Kirche und zum Heile der Menschheit erhalten bleiben möge. Unermüdlich arbeitet er, um feine Parole „Instaurare in Christo11, alles in Christo erneuern, in die Wirklichkeit umzu­setzen; er kann de.' begeisterten Zustimmung aller Gläubigen, vor allem auch der deutschen Katho­liken, gewiß fein.

Deutsches Reich.

X Sozialdemokratische Hoffnungen. Die beiden durch den Tod der Abgeordneten Detlo (natl.) und Zimmermann (Reformp.) erledigten Reichstagöwahkkreise Frankfurt o. d. O.—Le- . bus und Zschopau — Marienberg waren 1903 sozialdemokratisch vertreten und smd der erste l£O4 und 1907, Der zweile 1907 bei den Blockwahlen den Sozialdemokraten entrissen wor­den. Zschopau—Marienberg war außerdem schon frühe, wiederholt sozwldemvkratifch vertreten.

Ausland.

* Theodor Roosevelt hat in der Guildhall in London, wo unter anderen sich auch Sir Edward Grey, Balfour und der Erzbischof von Canterbury eingefunden hatten, nach feiner Erklärung zum Ehrenbürger Londons über Englands Politik in Aegypten eine Rede gehalten. Die Nationalisten in Aegypten, so erklärte er, hätten weder den Wunsch noch die Fähigkeit, dir ersten Anforderungen der Gerechtigkeit sicherzustellen und versuchten, ein mörderisches Chaos im Lande zu schaffen. Die An­wesenheit Englands in Aegypten sei entweder be­rechtigt oder unberechtigt. Wenn sie unberechtigt sei, möge sich England zurückziehen; aber irgend­eine Nation müsse dort herrschen Er hoffe, daß sich Eng'and dafür entscheiden werde; es sei Eng- langs Pflicht, diese Nation zu fein.

suchsstation von Marburg nach Harleshausen- Kaffel verlegt. Vom 9. Juni ab sind alle Zusendungen von Proben, Briefen usw. nach Harleshausen bei Kassel zu richten. Adresse sür Postsendungen: Harleshausen bei Kassel. Adresse für Bahnsendungen: Station Kaffel-N.

A Marburg, 1. Juni 1910. Gestern früh um 10 Uhr begann im Stadtsaale die Hauptversamm­lung der Zentralstelle für das Gefangen en- Fürsorgewesen in der Provinz Hessen-Nassau. Prof. Dr. Träger-Marburg hielt einen Vortrag über die Ergebnisse der Kriminalstatistik bezüglich der ab« und aufsteigenden Bewegung der Rücksällig- keit in der Kriminalität und wahrscheinliche Ursachen derselben. Der Redner wies aus der Statistik nach, daß auf 83 Strafmündige 1 Verurteilter kommt, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß wohl die meisten Vergehen nicht ermittelt und auch viele nicht zur Anzeige kommen. Es ist eine betrübende Er­scheinung, daß von 1882 bis 1895 die Zahl der Vergehen um 20 Prozent stieg, trotz aller Kultur­fortschritte und Wohlfahrtseinrichtungen. Tie Zahl der Rückfälligen betrug im Jahre 1882 bei 234000 Bestraften 82000, im Jahre 1907 bei 286000 Bestraften 235000. Jeder fünfmal Vor­bestrafte wird rückfällig, dies lehrt die Statistik. Strafanstaltsdirektor Hülsberg-Kassel-Wehlheiden sprach über die Frage: Welche Äenderuvgen im ge­setzlichen Strafvollzug sind zu Gunsten der Ver­minderung der Rückfälligkeit im Verbrechen anzu­streben ? Und Pfarrer Philippi- Wiesbaden ver­breitete sich über die Frage: „Inwiefern kann die Gefangenen-Fürsorge zur Verminderung der Rück- sälligkeit beitragen? Welche Hindernisse stellen sich dem entgegen?* An die verschiedenen Vorträge schloß sich eine rege Diskussion. Auch die Deportatious- frage nach den Kolonien, die Ueberlafsung der Ge­fangenen in den Dienst der Landwirtschaft und andere Vorschläge fanden eingehende Erörterung.

* Mainz, 1. Juni 1910. Durch die Er­nennung des Gerichlsasfessors May-Osthofen zum Amtsrichter in Ost Hosen hat die hessische Regie­rung zum ersten male feit Bestehen des Gwßher- zoglums einen Angehöl igen der israelitischen Religion zum Richteramte zugelasien

(Fortsetzung.)

II. Geschichtl. Hilfswissenschaften, Geographie, Volkskunde, Militaria.

Bayer, M.: Mit dem Hauptquartier in Südwest­afrika. Bert. 1909. 8".

Blätter, Hessische, für Volkskunde, hg. i. A. der Vereinigung für hessische Volkskunde. L. 8° — Bd. 8. 1909.

Blätter sür M ü nzj reu nd e .... hg. von H. Buchenau. Dresden. 4°. — Jahrg. 44, 1909.

”, ». Dalwigk zu Lichiensels: Geschichte der Stamm«

truppen des In f.-R e g ts. v. Wittich (3. Kurhefs. Nr. 83'. Oldenb. 1909. 8°.

Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. B. 8°. — Bd. III. ,Mittelalter.) 2. Ausl. 1907.

Diercks, G.: Das moderne Spanien. B. 1908.8*.

Erfahrungen, Außereuropäischer Kriege neuester Zeit . . . Hrsg, vom Großen Generalstade. B. 8*. — Russisch-Japan. Krieg II, 3—4. 1908.

Geschichte der Befreiungskriege 1813—1815. In vier Emzelwerken. B. 8°. — I. Frühjahrsfeldzug 1813, Bd. 2, 1909.

Geschichte des Bayerischen Heeres. Hrsg, vom K. B. Kriegsarchiv. Bd. III, 2. Münch. 1909. 8*.

Hearne, R. P.: Der Luftkrieg. Uebersetzt von S. Kraushaar. B 1909. 8«.

ner, versprach Zustimmung der Raiional- iberalen zur RetchSfinanz reform, wenn die preußische Regierung ihr Wahlgesetz im demokratischen Sinne ändere. Dort in Nor- deiney im Handeln und Markten um die Reichsstnanz- reform, nicht einer Notwendigkeit weichend, sondern der Forderung eines Parteiführers, wurde zuerst das Ver­sprechen gegeben, das dann in der berühmten Thron- rebe als königliche Willensentschließung dem Lande kundgegeben wurde. Als die Liberalen trotz Basser- mannS Versprechen bei der Reichsfinanzreform vor- sagien, war eigentlich der ganze Kuhhandel hin­fällig. Sachlich hatte die Einbringung der Wahlrechts­oortage keine Unterlagen mehr, nur das Gespenst eines Königsworts hielt die Forderung danach ausrecht. Das war das unglückselige Erbe eines jener unglückseligen Erbstücke, dessen Liquidation Bülows Nachfolger über­lassen blieb.....Aus der schlimmen Saat konnte

nut schlimme Ernte keimen. So baden wir denn heule leinen anderen Wunsch, als daß das Begräbnis ein definitives sei, und daß man sich auch durch viel Lärm, bet zweifellos in der nächsten Zeit und von Zeit zu rfett immer wieder ausbrechen wird, nicht dazu »er» fubten lasse, an dem unglücklichen Kind einer Stunde bet Verlegenheit und eines gebrochenen Kuh­hand e ls Wiederbelebungsversuche zu machen."

Die /Rheinisch Westfälische Zeitung' ist bekannt­lich Has Organ der mit dem Nationalliberalismus feit jeher versippten Großindustrie des Ruhrbezirks. Sie ist selbst mit der nationalliberalen Partei so eng verbunden, daß sie ganz genau wissen kann, was hinter den nationalliberalen Kulissen und hinter den Vorhängen des Bülowblocks vorgegangen ist. I Also ein regelrechter Kuhhandel ist zwischen Bassermann und Bülow am Strande der Ostsee abgeschlossen worden. Das liberale Blatt nennt das Geschäft ausdrücklich so. Bisher lasen I wir in liberalen Blättern nur vom Kuhhandel des I Zentrums, obwohl noch niemals ein Mensch die Kuh hat aujgeigen können, die das Zentrum in feinen Stall geführt hat. Jetzt hören wir auf ein­mal aus einem erzlideralen Organe, daß der liberale Parteiführer Baffermann ein Kuhhandelsgeschäft ab- geschloffen hat. Ja, wir hören sogar, daß Baffer- mann den Kuhhandel gebrochen hat, „als sie trotz Bassetmanns Versprechen bei der Reichsfinanz-1 reform versagten." Das sind zwei kostbare Ein­geständnisse, die wir uns für den Reichstagswahl^ kampf merken wollen.

Hedin, Sven: Transhimalaja. Bd, 1—2, L. 1909. 8«.

Heydenreich, E.- Fainiliengeschichtl. Quellen« kunde. Leipz. 1909. 8°.

Jahrbuch sür Deutschlands Seeinteresfen. Bert 8®. Jg. 9-11 (1907-1909).

Jahresberichte, v. Löb eil s, über die Verände­rungen unv Fortschritte im Militärwesen. Jahrg. 35 (1908>. B. 1909. 8«.

Land und Leu!e. Monographien zur Erdkunde ... Hrsg, von Scobel. Leipz. u. Vieles. 8°. — Bd. 21: Palästina. —22: Vogesen. — 23: Fran ke n- land. — 24: Leserbergland 1908—1909.

Lienhard, Fr : Wasga u-Fahrten. Leipz. und Bert. 1902. 8«.

Mitteilungen, Pelermanns Geographische. Gotha. 4°. Bv. 55. 1109.

Schlichtiug: Taktisch e und strategische Grund­sätze der Gegenwart. Bert. 8 ®. — T. 2—3, 1898 — 1899.

Trede, Tb.: Bilder aus dem religiösen und sitt­lichen Volksleben Süditaliens. Gotha 1909. 8°.

Berdy du Bernois, I. v.: Studien über den Krieg. Aus Grund!, des deutsch-französ. Krieges 1870/71. Berlin. 8°. — Th. NI, Strategie, H. 7-8, 1908-19 >9.

Wen le, K.: Negerleben in Ostafrik«. Leipzig 1908. 8°.

(Fortsetzung folgt)

= Bo« den Geheimnissen des Bülow-Blocks

plaudert die .Rheimsch-Westfälischr Zeitung" in einer Leichenrede auf die Wahlreform allerliebste Sachen aus. Wir hören da:

»Ein unglückliches Gesetz hat der heutige Tag be­graben. An schlimme Zeiten und schlimme politische Geschäfte knüpft sein Ursprung an. Man stand vor der Notwendigkeit der Reichsfinanzreform. Bülow unterhandelte von Norderney aus mit den Führern der verschiedenen Parteien. Bassermann, der Bade-

Vermischtes

* Ein Gui des Kronprinzen, die vor mehreren Jah­ren vom Kronprinzen angetanste Vorbachsche Besitzung in Kaltvorweck im Kreise Ocls, ist nicdergebrannt.

* Aus der Militär-Arrestanstalt auSgebrochen sind in Bremen drei Soldaten. Der Rädelsführer, ein wegen mehrfacher schwerer Straftaten vorbestrafter Sol­dat, hatte aus seinem Fenster gittec zwei Eisenstangen ausgebrochen und mit diesen eine Oesinung in die Mauer gemacht, auch die Schlösser zweier anliegenden Zellen zertrümmert und die beiden Insassen zur Teil­nahme an dec Flucht aufgefordert Alle drei gelangten dann durch das Fenster der ersten Zelle ins Freie. In einer Laube im Neuenlander Felde wurde später der Rädelsführer erhängt aufgefunden. Ein zweiter Soldat, der übrigens nur noch zwei Tage zu ver­büßen hatte, stellte sich freiwillig der Polizei. Bon dem dritten fehlt noch jede Spur.

* Die britischen Dampfschiffahrtsgesellschaften sind in großer Aufregung über die Auswanderungs­politik dreier Großstaaten. Ju Rußland ver- ucht man, wie der »Bert Lokalem;" berichtet, die Auswanderung in Libau zu konzentrieren, indem man die Kosten eines Paffes für Reisende über diese Hafen­stadt ganz besonders erniedrigt hat. In Oesterreich ist eine Gesetzesvorlage vorbereitet, die den Zweck hat, die Auswanderung möglichst auf die eigenen Häfen zu beschränken und den Anteil anderer Nationen an der

in der großen Republik fast immer naturalisieren lassen.

* Das Unwetter hat tm Paznauntale in Tirol Mutbrüche hervorgerufen, wodurch der Triffanabach anschwillt. Das große Elektrizitätswerk bei Wies- b e r g ist schwer gefährdet Die Feuerwehren der gan­zen Umgebung eilen zu Hilfe. Das Karbidwerk hat den Betrieb eingestellt. — Am Südostabhang des 1500 Meter hohen Kaiserstocks hat ein ausgedehnter Erd­rutsch stattgefunden. Ein über zwei Quadratkilome­ter große Gebiet kam plötzlich in Bewegung, es bilde­ten sich tausende tiefe Erdrisse, großeWaldbestönde wur­den verwüstet und Alphütten von der Wucht der sich auftürmenden Erdmassen zerdrückt. Die Massen be­finden sich immer noch in Bewegung und bedrohen die Station Sattel der Süd-Ost-Bahn. Ein Teil der Häuser dieser Ortschaft mußte bereits geräumt werden.

** Entlarvt wurde in der serbischen Stadt Mitro- vitza die einstige Geliebte des Königs Milan, die 54jährige Maria Piaßta, als Giftmischerin. Sie wurde verhaftet. Wie festgeftcllt wurde, hat sie während der letzten 10 Jahre eine große Anzahl von Giftmorden und noch gemeinere Verbrechen verübt, wodurch sie sich einen kolossalen Reichtum erworben hatte. Sie führte ein sonderbares Doppelleben, ver­kehrte als große Dame in den vornehmsten Kreisen der Gesellschaft, hatte eine elegante Wohnung und Automo­bil, außerdem aber auch ein Quartier in einem abgele­genen Stadtteil. Im Zusammenhang mit ihrer Ent­larvung sind bisher mehr als 20 andere Personen ver­haftet worden.

VttMnis der Nkllanjchajftlllgen tzttssandrsdidliothrk zu Fulda im Etatsjahr 1909. (Die Bibliothek leiht ihre Werke an jedermann in Fnlda und außerhalb Fuldas unentgeltlich aus.)

Meines Zemtteton.

— Der Sternenhimmel im Juni

Die an sich schon sehr kurzen Nächte im Juni wer­den, besonders in höheren Breiten, noch durch lange Dämmerungen erhellt, die bei uns für intensive Him­melsbeobachtungen wenig günstig find. Damit hängt woU auch die statistisch erwiesene Tatsache zusammen, daß in den Monaten Mai und Juni auf der nördliche» Halbkugel verhältnismäßig wenig astronomische Ent­deckungen gemacht werden. Für unsere Antipoden bringt der Juni allerdings bai Beginn deS Winters, aber auf der südlichen Halbkugel unseres Planeten find nur recht wenige Sternwarten im Vergleich zur nörd­lichen vorhanden (15 gegen 130).

Von den Planeten ist der sonnennahe Merkur fast den ganzen Monat allzu nahe der Sonne; nur in den letzten zehn Tagen des Juni geht et etwa eine Stunde vor der Sonne auf und kann amMorgrnhimmel im Stern bilde des Stiers gesehen werden. Die V e= nuS, unser Nachbarplanet nach der Sonnenseite zu, strahlt noch immer als Morgenstern und bleibt am Ost- Himmel fast zwei Stunden vor ^Sonnenaufgang auch in der Dämmerung sichtbar. Neber die Oberfläche die­ses dec Erde ziemlich ähnlichen und bis auf 40 Mil­lionen Slmtr. an uns herankmnmenden Planeten wis­sen wir noch recht wenig. Es scheint allerdings, daß die Venus eine ziemlich dichte Atmosphäre besitzt, die der Erdatmosphäre an Stöcke noch überlegen ist. Un­ser besser bekannter Nachbarplanet Mars steht jetzt ziemlich ungünstig in den Zwillingen und geht schon wenige Stunden nach der Sonne am westlichen Him- met unter. Der Niesenplanet Jupiter, wegen seiner ungeheuren Maße (dreimal soviel als alle übrigen Pla­neten zusammengenommen) auch der zweite Zeritral- korper unseres Sonnensystems genannt, leuchtet noch immer einen großen Teil der Nacht am Firmament im Sternbilde der Jungfrau stehend Gegen Monatsende gebt der Jupiter gegen Mitternacht unter, und von den häufiger eintretenden Verfinsterungen seiner vier hel­leren Monde laßt sich am 25. Juni abends 8 Uhr 34

KHBEB

Kometen besonders aus dem Teneriffa-Observatorium gut gelungen zur Aufklärung über die Zusammensetz­ung jener Materie

an die Leser, einen Artikel über das Dreikönigsfest, Nachrichten von den Misiionsstationen, den Bericht über die Einsetzung des christlichen Negeckönigs auf der Insel Ukerewe, Christus und Mohammed, Auf­klärung über den Hallehschen Kometen, eine Lustige Ecke. Die Februarnummer bringt einen Artikel über .den großen Tag des Heiligen Vater?" (Bischofs­jubiläum). Nachrichten von den Stationen, einen Bericht über den eucharistischen Kongreß, ein Märchen nom „Gerne-Stehl", von der Geburt eines kleinen Rinbe§, einen Dries -m die Redaktion, große Ehrung her Schwarzen (Seligsprechung der Märtyrer von Uganda), über Sonnen- und Mondfinsternisse, Lustige rj .• "Die Herausgabe einer katholischen Monats- minft erwies sich als Bedürfnis, da bisher für die

8 25 000 katholischen Schulkinder und die er- , chsf"en Katholiken an Belebrnngs- und llntechal- mgs-iettüre von katholischer Seite nichts vorhanden gab die Regierungsschule von Tanga v,nf '$'$cen süc ihre ehemaligen Schüler ein Monatsblatt: „Der Führer", in 2000 Exemplaren

Tlin. die Verfinsterung, des dritten und hellsten Tra- 1 xUrrx. '. bt£|ucm im Krimstecker beobachten. All- m<$li$ wird nun auch der Ringplanet Saturn, der ^imimam wrnidelnde" wieder am Himmel sichtbar; er H Monatsende ungefähr um Mitternacht auf öftjid,en Himmel im Sternbilde deS Widders deutlich gesehen werden.

btr O not$ immer unter dem

von denen besonders der

W ^/in- Jntecesse lebhaft in Anspruch lüstocisch so interessante Haar- ftern Ijat bet ferner diesmaligen Wiederkehr zur Sonne Gebühr große Sensation hervorgerufen Gam Sr&J^rophe,Lungen' eines «e Erscheinungen bei Sif r9s äef:n;-bU man$c wissenschaftlichen Streife von ferner ütesmaügen großen Annäbermw an ^nem Vorübergang vor der Son nmscherbeerwnrteten, durchaus nicht in ErfMu.w ge-' grtngtn. Ber ber bekannt oeriugen Dichte der Kometen-

— Ein Zentrum Matt in Deutsch Oftafrika sollte laut Mitteilungen in der Presse vor kurzem gegründet worden sein. Eine Erklärung für die Entstehung dieser Nachricht scheint eine Mitteilung im Juniheft der „Katholischen Missionen" (Herder, Freiburg, jährlich 12 Hefte 5 Mk.) zu bieten, dort heißt es: »Die erste katholische Ncgerzeitung in Deutsch-Ost­afrika. Seit Neujahr 1910 erscheint in der Druckerei der katholischen Mission Dar es-Salam ein Monats- blaü für Neger, betitelt Raüki-yangu, d. h. „Mein Freund". Die Zeitung ist in der Landessprache ge­schrieben und soll auch bald illustriert werden- Die Redaktion wurde oom hochwürdigsten Herrn Bischof Thomas Svreit-r selbst übernommen, während der materie konnte der Borüberaano ™f.tcinct ”eine" ^presse durch zwei Mis-

iSenttobc nickt toabraennmm»n L V Yon ,e 'm simsschweftern besorgt wird. Nummer 1 enthalt

stvenÄmi^trEe^durch den KEtcnkovs'fast"^^ Mitteilungen über Kaisers Gebuckstag, einen Aufruf geschwächt binburAginqen. Noch nicht ist M anzuseheu, daß unser Planet, der bisauf 22 ÄS Klmtr. an den Hallevichen Kometen herankam wirk lich durch dm Schweif jenes Haarsterns in der «eit zwischen 18. und 20. Mai gegangen ist Die zur Be­kräftigung einer solckeuslunahrne u- a. benutzten elektro­magnetischen Störungen, welche man in HSberen Brei­ten der Erde beobachtet hat, find nicht ausschlaggebend da sie auch durch die ziemlich großen, gleichzeitig auf der Sonne wahrgenommenen Flecken bedingt sein kön­nen. Eher könnten die Beobachtungen auf einigen deutschen Sternwarten dafür sprechen, die jedoch den Durchgang der Erde durch den Kometenschweif erst für die Rwht vom 19 zum 20. Mai wahrscheinlich machen. Endlich scheint auch diesmal dir Ausstrahlung der Ko­metenmaterie aus dem Kern und die damit zusammen­hängende Schweifbildung des Haarstcrns geringer zu sein al» vor 75 Jahren. Hoffentlich sind wenigstens die spektroskopischen Messungen, die vor 75 Jahren noch gänzlich unbekannt waren, diesmal am Halley-

I heraus. Außerdem erscheint seit Mitte 1909 unter dem Titel „Rechenbecg-Bibliothek" eine Sammlung von Unterhaltungsschristen. Die Protestanten geben fünf Zeitungen, nämlich in Tanga, Magila, Moschi, Dar es-Salam und Sansibar, heraus. Dieser zuni Teil farblosen oder protestantischen Presse gegenüber war es notwendig, daß auch die Katholiken ihre Mo­natsschrift hatten, zumal die Eingeborenen über Zau­berei, Aberglauben und Islam aufgeklärt werden müs sm. „Selbstverständlich werden die Eingeborenen, die auf das Blatt abonniert sind, schon aus erziehlichen Gründen ungehalten, den Abonnementspreis zu ent­richten. .. Doch läßt sich das Unternehmen mit diesen Beiträgen auf die Dauer nicht halten, und die katho­lische Mission von Dar es-Salam wendet sich darum uni Mithilfe an die deutschen Katholiken." h-

— Französisches Latein. Der französ. Unterrichts- minifter hat dieser Tage eine Verfügung erlassen, die allgemeine Aufregung an der Pariser Universität her­vorgerufen hat In Zukunft soll nämlich die latei- "ffckw Sprache an den französischen Bildungsanstalten nicht niehr, wie bisher, mit französischem Akzent, son­dern genau so ausgesprochen werden, wie die alten Römer ihre Muttersprache redeten. Für jemanden, der auf deutschen Gymnasien die lateinische Sprache in der ursprünglichen Aussprache gelernt hat, hält es bis jetzt in der Tat außerordentlich schwer, einen Franzosen zu verstehen, wenn er ein lateinisches Wort ausspricht. — Sehr notwendig und angebracht wäre übrigens die oben erwähnte Verordnung des französischen Unter­richtsministers vor allem für England. Denn die Eng­länder modeln jedes lateinische Wort so um, daß es wie eine englische Vokabel klingt. Und wenn ein Stu­dent der Universität Oxford von Horechie und Kiourie- chie spricht, so kann ein Nichtengländer unmöglich dar­auf kommen, daß sich hinter diesen Worten die alten Horatier und Eririatier verbergen.

Kui psujcher: „Haben Sic eine Phvtoaraphie von dem Manne kriegen lör.nni, der e ue Flasche unseres ll nversaihei mtlcltz gebrauchte und an uns i*ueb, er hälfe nun lerne V nven>ung mehr für cme K'ücken — Assistcut: „Nein. Er liegt feit« vcni feg zu Bett."