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Monatibrllag«: „Zuldaer Geschichtsblätter"
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Botatione-rucknnb Verlag-er Lntdaer N. tienbruderei in Selbe Fernsprecher Ur. 9.
M 123. Erstes Blatt.
Fulda, Donnerstag den 2. Juni 1910.
37. Jahrqani.
deinNesultat: Stichwahl zwischenBuechtemann
Anregung Kaphengst
Persönlichkeiten beigetreten plant bekanntlich, in Zeiten Krisen den Arbeitern durch Kolonien in Oedländereien und Kommune sollen diese
ist- der
Oedländereien auf Grund der konservativen Reichsiagsabg. v. bildet, der sogleich eine Reihe
die Errichtung von zu Helsen. Staat Kolonien gründen,
Die Für zum hat
hervorragender v. Kaphengst wirtschaftlichen
In zur in des ge-
allgemeinen Kenntnis.
X Arbeiterkolonien in Oedländereien. Berlin hat sich soeben eine Vereinigung Durchführung einer sozialen K<. Ionisation
Wähler nur für die Blockparteien aus konfessionellem Hgß und Vorurteil gegen die Katholiken stimmten, wußten wir ja längst Daß aber ein besoldeter Vertreter des Bundes öffentlich den Block als „evangelische Partei" bezeichnet, ist immerhin von Jntereffe.
* Landeshnt, 1. Juni 1910. Bei der heutigen Reichstagsersatzwahl im 6. LiegnitzerWahlkreis sLandeshut-Iauer-Bolkenhain) für den verstorbenen freisinnigen Abgeordneten Dr. Hermes erhielten: Oberbürgermeister a. D. Buechte- mann (Fortschr. Volkvp.) 6600, Major a. D. St rosser (konf.) .3716, Rechtsanwalt Herschel tZentr j 3768 und Arbeitersekretär Proll (Soz.) 5870 Stimmen. Es fehlen noch die Resultate aus einigen kleineren Wahlbezirken, die aber an
p. Die Kommission für die Michsversichernngs- ordnmig beriet am Mittwoch über Die Frage der Sonververficherungsämter für die Versicherten der Eifenbahnverwaltung. Die Kommission kann ein Bedürfnis dazu nicht anerkennen u^b faßte trotz des , ----.------------, — , . „ .--------,
Einspruchs der Regierung entsprechende Beschlüfle. | und Proll, nichts ändern können. — Bei der
[ a. Um die Heranziehung des Fiskus zur Som- munal-Umsatzsteuer handelt es sich bekanntlich bei einem Antrag Hammer (kons.), der vom preußischen Abgeordnetenhaus an die Gemeindekommijston verwiesen worden ist. Die Kommission nahm diesen Antrag grundsätzlich an, obgleich ein Regierungsvertreter staatsrechtliche Bedenken dagegen vorbrachte. Es wurde von Mitgliedern der Kommission beson« dens daraus hingewiesen, daß siiskalische Werkstätten und Bergwerke eine große finanzielle Belastung der Städte mit fich bringe und Steuerfreiheit daher nicht am Platze sei.
X Die Vieheinsuhr aus Dänemark ist wieder gestattet worden, nachdem sie neulich wegen härteren Auftretens der Tuberkulose unter dem dänischen Vieh verboten worden war Ob jetzt die Tuberkulose nicht mehr so stark auftritt, obgleich notorisch daS ganze dänische Hornvieh durch die Sammelmolkereien verseucht ist, oder ob man dänischerseits den deutschen Widerstand auf andere Weise beseitigt hat, daS entzieht sich vorläufig der
Was lehrt das Schicksal der Wahlrechtsvorlage?
Angesichts der fortwährenden Versuche bet liberalen und sozialdemokratischen Prefle, die Tatsachen zu entstellen und ihre Bedeutung zu fälschen, lohnt es sich wohl, die „Moral von der Geschichte" in einigen Hauptpunkten kurz zusammenzufassen.
Erstlich ist handgreiflich erwiesen worden, daß oie Regierung in Sachen des Wahlrechts nur dann etwas leisten und erreichen kann, wenn sie wirklich über den Parteien steht und fich auch stetig über bett Parteien zu hallen weiß. Wenn sie sich zu Ansschaltungsversuchen ober zu sonstigen Block- und Kartellkünsten hergibt ober gar einer bevorzugten Gruppe zu Lieb ihre eigenen wohl- begründeten Ansichten und Vorschläge plötzlich ändert, so verliert sie die Führungs- und Triebtraft.
Zweitens hat sich unzweifelhaft gezeigt, daß die öffentliche Stimmabgabe nicht mehr zu halten ist. Wer künftig etwas positives auf diesem Gebiete erreichen will, muß von der Grundlage der geheimen Wahl ausgehen.
Drittens hat die verunglückte Probe ergeben, daß die angestrebte Veredelung des Drei- kl ass en sy st e ms eine ungeheuer schwierige, ja fast aussichtslose Aufgabe ist.
Die Privilegierung der sog. Kulturträger beruhte auf dem theoretisch sehr lockenden Gedanken, daß man nicht bloß die materielle Steuerleistung, sondern auch die persönlichen Eigenschaften des Wählers bei der Abstufung des Wahlrechts verwerten müffe. Als man aber an die praktische Ausgestaltung dieses Gedankens ging, zeigte sich sofort, daß die persönlichen Eigenschaften, die Beachtung verdienen, sich mit der nötigen Gerechtigkeit und Allseitigkeit kaum erfassen laffen. Bei der Auswahl der „Kulturträger* machen sich die Ver- schiedenheiten der Auffasiung nach dem Parteistand- puntt und der wirtschaftlich-sozialen Entwicklung so stark geltend, daß der Privilegien-Paragraph nur zu einem Zankapfel unter den bürgerlichen Parteien wird. Ter mißglückte Versuch wird auch den Rückgriff auf das Pluralwahlrecht in Preußen für die Zukunft ausschließen.
Will man nicht zu dem „gleichen* Wahlrecht . nach dem Muster des Reiches Übergehen, so bleibt nur die Steuerleistung als Maßstab für die Abstufung des Wahlrechs übrig. Ein schlechter Maßstab, aber der einzige!
Bei Der Aufrechterhaltung des Dreiklassensystems tst aber eine Einigung Der bürgerlichen Parteien nicht «äzlich, täS bei ehrlicher ynb wirksamer Abschwäch nng d es plutokrat ische u Charakters. Wie eine Dynamitpatrone wirft jeder Versuch, das Uebergewicht der großen Geldbeutel noch zu verstärken. Daher war es ein mcgeheurer und verhängnisvoller Fehler, daß die Regierung sich von den interessierten Mittelpatteitern auf die Vergrößerung der Dritte- tungsbezirke verlocken ließ. Soll überhaupt das Treiklaffensystem noch Bestand Haden, fo muß die Urwahlbeziiks-Drittelung unbedingt geschont werden. Alle sonstigen Abschwächungen, wie z. B. durch Maximierung ober Atinirnierung. können keinen vollgültigen Ersatz bieten für die Drittelung tu den Heinen Bezirken.
Tee weitere, allgemeine Lehre ist die, baß ber Sozialdemokratie, welche die Wahlrechtsftage nicht sachlich, sondern agitatorisch behandelt. Acht anders wi der st anbett werden kann als durch Einigkeit unter den bürgerlichen Parteien. Die Regierung hat diesmal die Einigung auf einem Mltnlweg zerstört, statt sie zu hegen und zu pflegen.
* Eine gewaltige Anspannung der Fimmzkrast Oesterreichs steht in Aussicht. Im Finanzausschuß des Abgeordnetenhauses machte Fmanzminister Ritter
Abgeordneten waren sehr zahlreich erschienen, die Tagung dis zu den Ferien wurde Brisson ersten Präsidenten gewählt. Der Senat ebenfalls feine Arbeiten wieder ausgenommen.
Hauptwahl im Jahre 1907 erhielten: Riffel (ReichSp.) 5050, Dr. HermeS (Freis. Volksp.) 5728, Stephan (Zentr.) 4307, Krätzig (Soz.) 5019 Stimmen. Bei der Stichwahl siegte Dr. Hermes mit 9340 gegen 7495 Stimmen, die auf den Reichsparteiler entfielen.
d* München, 1. Juni 1910. Bei der Beratung des Kultusetats in ber bayerischen Abgeordnetenkammer haben die Liberalen auch einen Fall von „Verletzung der Parität* zu Ungunften ber Protestanten ausgegraben. Danach ist an einem Pfälzer Gymnasium, an dem bie Mehrzahl ber Schüler protestantisch ist, kürzlich ein Katholik zum Rektor ernannt worden. Der Minister erwiderte, die Verschiebung iei veranlaßt in erster Linie dutch die gegebenen Personalverhältnisse. Ferner käme in Betracht, baß in der Pfalz auch jetzt noch, nach dieser Ernennung, vier Rettorate mit Protestanten und nur drei mit Katholiken beseht seien. Das Mischungsverhältnis in der Pfalz sei 54 Prozent Protestanten und 44 Prozent Katholiken. So feien die Protestanten doch keineswegs zurückgesetzt. Dabei versichert ein liberaler Redner nach dem andern int Brusttöne der Ueberzeugung, daß bet der Besetzung der Stellen in keiner Weise die Konfession ausschlaggebend fein dürfe, sondern allein nur die Quali fikation zu gelten habe. Der aufdringliche Abg. Müller« Meiningen-Hof erklärte sogar: „Die Besetzung ber Rektor- und Professorenstellen nach der Konfession a l i t ä t ist ein wahrhaft erbärmlicher Zustand, Der unsere bayerischen Verhältnisse vor der ganzen Welt blamiert und herabsetzt.* Warum nun diese Aufregung, wenn ein-mal ein Katholik ernannt wird? Es gibt auch noch andere Gymnasien, an denen die Mehrzahl der Schüler katholisch und gleichwohl ber Rektor protestantisch ist. An ben beiden Gymnasien in Nürnberg war jahrzehntelang kein fest angestellter katholischer Lehrer, obwohl mindestens der vierte Teil der Schüler katholisch war. Solche Verhältniffe fanden natürlich die Billigung der Liberalen. Das Prinzip: die Konfession darf nicht ausschlaggebend fein, gilt demnach nur o lange, als nach diesem System die Protestanten den Rahm abschöpfen.
Ausland.
I Die Wahlen in Ungarn haben am Mittwoch begonnen; beendet werden sie erst am 10. Juni sein. In 413 Wahlbezirken waren 1183 Kandidaten ausgestellt, von denen 351 der neuen Regierungspartei (nationale Arbeitspartei), 207 der Justh. Partei, 180 der Koffuthpartei, 102 ber Sozialdemokratie, 73 ber katholischen Volkspartei, 43 bcr christlich-sozialen Partei, bie übrigen verschiedenen Parteien angehörten. Aus 250 Wahlkreisen ist bis jetzt das Resultat bekannt: Regierungspartei 184, Koffuthpartei 23, Justhpartei 18, Volkspartei 2, sonstige Parteien 23. Damit hat die Regierung einen großen Vorsprung vor den andern Parteien gewonnen, der auch noch weiter an hallen dürfte. Die Wahlen verliefen unter der starken militärischen Besetzung des Lai des ziemlich ruhig. Nur hie und Da kam es zu Ausschreitungen. So kommt aus SaranfebcS die Nachricht, daß die Nationalitätenpartei das Pfarrhaus in Körtel mit Dy- namit in die Luft gesprengt habe, weil der Pfarrer für den Kandidaten der Regierung agitierte.
* Die neue französische Kammer hielt am Mitt-
Deutsches Reich
♦* Berti», 1. Juni 1910. Der Kaiser wird voraussichtlich Antgaugs bieiet Woche den Verband
woch ihre erste Sitzung ab, in der man sich zunächst mit der Bildung des Bureaus beschäftigte.
außerdem sollen die Arbeiterorganisationen dazu herangezogen werden; endlich soll den Ansiedlern eventuell mit Notstandsgeldern beigesprungen werden.
* Der evangelische Bülow-Block. Der Groß- | komtur des Evangelischen Bundes in Halle, Pastor Schild ach, sagte am 24. April auf einer Bundesversammlung in Triptis (Thür.):
Durch das Zentrum sind jetzt die evangelischen Glaubensgenossen von jeder Volksvertretung ausgeschaltet, zerrissen und aus Abwege gedrängt. Es gilt, wieder alle zu begeistern, wie zur Zeit des Blockreichstags, wo wir als lauter evangelische Männer die Macht in den Händen hatten. Eine schöne Zeit, aber wohin ist sie entschwunden? Schon 1909 brachte uns die Vernichtung unserer evangelischen Partei wieder. ... Es ist jetzt aber eine schlechte Zeit für den deutschen Protestantismus, aber ich glaube, daß die Zeit kommen wird, da zwischen Rom und Wettenberg die Unduldsamkeit ausgefochten wird, und wir als zwei Drittel deutsch-evangelischer Bürger werden den Sieg davontragen, das ist gewiß.
Daß ber Evangelische Bund den Block als eine protestantische Parteiorganisation gegen „Rom" betrachtet hat und viele evangelische
ablegen können, da bis dahin dank der sorgfältigen Schonung die Reine Wunde nach dem Urteil der Sachverständigen vollständig geheilt sein wird.
*♦ Ei» „Attentat* auf ben Kronprinzen. Als der Kronprinz Mittwoch nach Schluß der Parade über den Schloßplatz durch den Lustgarten zum Schloß ritt, wurde gegen ihn von einem offenbar geisteskranken Mann eine KonfervenbÜchse geworfen, die vor die Füße eines Schutzmanns fiel. Der Mann wurde festgehatten. Wie fich heraus- stellte, war die Konservenbüchse mit Perlbohnen
gefüllt. Der Mann, ber sie geschleudert hat, ist ber Polizei schon feit längerer Zeit als Geisteskranker bekannt. Er heißt Abraham Eierweiß, ist geborener Russe unb betreibt in der Kaiser Wilhelmstraße ein Partiewarengeschäft.
J Auch die Parade der Berliner Garnison auf dem Tempelhofer Felde, die gestern bei herrlichem Wetter stattfand, wurde m Vertretung des Kaisers vom Kronprinzen abgenommen. Der Parade wohnten bie Kaiserin, bas belgische Königspaar, die Kronprinzessin, die chinesische Milstärmisfion unb ein zahlreiches Publikum bei. Rach ber Parade war Paradetafel im Weißen Saale. Der König der Belgier führte die Kaiserin, ber Kronprinz bie Königin, Prinz Tsai Tao von China bie Prinzessin August Wilhelm. Die Hoftrauer war abgelegt worben.
** Das belgische Königspaar begab sich gestern nach der Paradetasel nach dem Lehrter Bahnhof und reifte nach Brüssel zurück. Den König geleitete der Kronprinz, die Königin die Kaiserin zum Bahnhof. Am Mittag hatte der König dem Reichskanzler einen halbstündigen Besuch abgestattet.
* Der italienische Minister deS Aentzern, San Giuliano hat gestern vormittag b:e Rückreise nach Rom angetreten.
X Gegen den Luxus der Einjährigen. Eine neuere Maßregel, bie jetzt allgemein burchgeführt wird, sollen sämtliche Einjährig-Freiwilligen während des Aufenthaltes ihres Truppenteils auf den Uebungsplätzen mit den übrigen Mannschaften I zusammen in den Baracken oder Zelten unter« I gebracht werden, und nicht mehr auf eigene Kosten sich in benachbarten Gasthöfen ober Privathäusern einmieten dürfen. Im Zusammenhang hiermit steht I auch das erneute Verbot, daß die Einjährigen ihren vorgesetzten Unteroffizieren Geschenke irgend-! welcher Att machen.
s DaS Wohnungsgelbzuschußgesetz hat am Mitt-1 woch in der Sitzung der verstärften Budget« towmission des Äb ze »cd »etenhaus«S bas Schicksal | erfahren, das ihm im Plenum vorhergesagt wocden I war. Obgleich damals der Finanzminister es als I unzulässig bezeichnete, daß die Klassenein-tei- lu ng der Orte einer Aenderung unterzogen würden, brachte in ber Kommission zunächst ein konservativer Abgeordneter und bann auch andere Abgeordneten zahlreiche Anträge auf Wiederhinaufsetzung zurück-1 gesetzter Orte ein Der Regierungsvertreter erklärte Diese Anträge für unannehmbar. Auf diese Erklärung wurde von Seilen des Zentrums und ber Linken mit dem Hinweis geantwortet, daß die Staatsreg erung sich trotzdem mit diesen Anträgen werde befreunden muffen, wenn sie Das Gesetz I verabschiedet sehen wolle. Vom Zentrum wurde die Einsetzung dieser Subkommiffion zur Prüfung der Deklassierung angeregt. Falls Diese Prüfung ungerechte Herabsetzungen ergebe, müffe ber provisorische Zustand bis zur Beseitigung dieser Mängel , ortbauern. Die Ungleichheit zwischen Reich unb , Staat sei das kleinere U bei.
Edith Büttners Liebe.
36] Roman von Fr. Lehne.
Sie hatte die wundervolle» sammetdunlle» Augen voll zu ihm a ungeschlagen; sie war hinreißend in diesem Augenblick.
Er konnte sich kaum von ihr trennen; er wollte noch etwas sagen, aber er besann sich anders, und mit einetu Blick in ihr schönes Gesicht verneigte er sich unb kehrte dann zurück zu der Gesellschaft, deren Ende er jetzt schnttchst herbeiwünschte, ba alles Jntereffe Daran für ihn eüofchrn war.
Die Rachllust kühlte Eb^s heiße Stim, als sie mrch Hause ymg. Sie duväflebte im Geiste den ver- floffenen Abend noch einmal. Wie eine Oase in ihrem so einförmiger. Lebm war er ihr erschienen unb sie freute sich, Gelegenheit gehabt zu haben, daßsieein wenig Toilette hatte machen können: sie freute sich auch der Bewunderung ihres jungen Chefs.
Ihr- Gedanken beschäftigten sich mit ihm
Daß sie ihm nicht mehr gleichgültig war, wußte sie jcht genau, und an hr lag es, dieses Gefühl zu erstarken.
Nur klug fein, dann hatte sie gewonnenes Spiel!
Denn als Frau Herbert Thomas stand sie glänzend da.; sie würde eine Rolle in der Gesellschaft spielen, und alle Sorgen hatten ein Ende!
Da tauchte plötzlich vor chrem geistigen Auge ein dunkler Männerkosff auf, dessen blaue Augen sie fo vorwurfsvoll anblickten — und wie ein scharfer, feiner Stüh ging es ihr da durchs Herz--- ,
Trotzig warf sie den Kovf zurück.
Was ging Lucian Waldow sie noch an!
Wenn ihr jetzt Gelegenheit geboten wurde, sich zu verheiraten — unb glänzend zu verheiraten, dann wäre es töricht, diese Chance nicht zu benutzen.
lind Herbert Thomas war ein interessanter Mann, dem sie wohl gut sein konnte, wenngleich seine Art —
dieses kühle Hebe liegende — ihr fremd war- Er war eben Kaufmann; er hatte keine Künstlernatur!
Aber Lucians Bild ließ sich nicht verscheuchen trotz allen Denkens und Sträubens; es verfolgte Edith auf dem ganzen Weg und stahl sich so gar in ihre Träume hinein, so daß sie ganz ärgerlich wurde!
15.
Bei Hildebrandts sah es schlimm aus.
Stumpfsinnig saß der alte Hildebrandt da und starrte immerzu auf einen Fleck, kaum daß er etwas aß und tränt
Es war ja nicht zn glauben, bas Unglück, da» über ihn herrtngebrochen war! Den größten Teü seines Vermögens hatte er verloren!
Sein schönes, gutes Geld!
Der Verlust durch die Grundstüctzspekulationen wäre ja noch auszuhalten gewesen: mußte ihn benn aber der Teufel reiten, daß er, um das Verlorene wieder einzubringen, fich auf Börsengeschäste einließ, die ihn dem vöDgen Ruin nahebrachten?
Nu» saß er da, vor kurzem noch der reiche, angesehene Mann — und jetzt beinahe ein Bettler!
Denn was bedeuteten die ftäglichen Reste dessen, was ihm geblieben, gegen seinen früheren Besitz!
Grimmig lachte er bei dem Gedanken auf und schlug mit der Faust auf den Tisch.
Martha, die mit dick verweinten Augen am Fenster saß, zuckte nervös zusammen.
„Nicht doch, Papa, wie kannst Du einem nur so erschrecken! Du bist doch zu rücksichtslos', fuhr sie ihn an.
Das empörte ihn.
„Hatte den Mund! Und sitze nicht so da! Lasse Dein Weinen!*
„Nun ja, denkst Du, daß es mir gleichgültig ist, wenn einem fo etwas passiert? Es ist nicht auszudenken! Du brauchtest auch nicht so unvorsichtig unb leichtsinnig zu fein, Papa, wenn Du von solchen Sachen nichts verstehst", jammerte sie. „All unser schönes Geld!*
Da sprang et wie ein gereizter Löwe auf und Hieb dicht vor ihr stehen. Die Stu:npsheit war endlich von ihm gewichen.
Jene Vorwürfe erbitterten ihn aufs äußerste.
„Du undankbares Geschöpf!* schrie er sie an. „Mich auch noch anzuklagen! Für wen hab' ich denn so gearbeitet? Für Dich, um Deine immer größer werdenden Ansprüche zu befriedigen! Dir konnte ja alles nicht nobel genug sein! Rein verrückt wache geworden! Wo bleibt benn nun Dein sauberer Herr Assessor, für den Du nicht genug Mitgift hast kriegen können? Dünne gemacht hat er sich beizeiten! Warum läßt er fich jetzt nicht mehr blicken? Sonst kam er doch alle Augenblicke und schickte Blumen und jetzt —'
Martha brach in lautes Weinen aus.
Das, womtt sie sich unausgesetzt beschäftigt hatte, was sie quälte, schleuderte ihr der eigene Vater jetzt so brutal entgegen.
JD, ich unglückliches Mädchen! Nun soll ich daran schuld sein, wenn Du alles verspielt hast! Was soll aus mir werden? Ins Wasser könnte ich gehen! Was soll ich nur tun?*
Und sie schlug die Hände vor das Gesicht.
„Arbeiten!* versetzte der Me lakonisch.
Trotz seiner bisherigen blinden Vorliebe für die Tochter erkannte er jetzt doch deren krassen Egoismus der sie nur an sich denken unb sie gänzlich vergessen ließ, was aus den Eltern werden sollte.
„Arbeiten?* Fast verständnislos starrte sie den Vater an. „Ich — arbeiten? Ich kann doch nicht als Dienstmädchen gehen —*
.Warum denn nicht, wenn Du da Geld verdienen kannst?* versetzte er grimmig. „Ich dächte. Du hättest genug gckernt daß Du jetzt nicht in Verlegenheit zu kommen brauchst.* "
Er hatte kein Mttleid mit seiner Tochter, von der er so sehr ein gutes, teilnehmendes Wort erwartet hatte, das ihn in fernen Sorgen aufrichten sollte- Statt dessen überschüttete sie ihn mit kalten Vorwürfen, und säst voll Haß blickten ihre grauen Augen auf ihn, Ehrend ein böser Zug ihr Gesicht entstellte.
-dbr Weinen wurde fo laut, daß ihre Mutter ins Zimmer trat und besorgt fragte:
„Was ist benn, mein Marthchen?*
„Ach, Pava ist fo schlecht zu mir", schluchzte sie. „Er sagt, ich sei schuld, daß er unser ganzes Geld verloren hat.*
„Jetzt fei aber bald still, sonst vergesse ich mich iwch!* schrie Herr Hildebrandt erbost. „Ich habe gesagt, arbeiten soll sie! Geld verdienen soll sie! Denk an Edith; die hat stets gewußt, was sie wollte. Die ist jetzt sein 'raus! Sie verdient schönes Geld bei Thomas und Wagner *
Da lachte Martha höhnisch auf.
„Ja, Edith, natürlich! Die wird einem immer vorgehalten. Tu hast ihr auch immer die Stange gehalten, die versteht sich eben einzuschmeicheln! *
„Ach was, jetzt hört mal auf! Jetzt wollen wir vernünftig beraten, was nun werden soll. Ich bin gerade in der Stimmung dazu! An dem Geschehenen ist nun nichts zu ändern. Also, vor allem müssen wir die Wohnung hier aufgeben >*
Frau und Tochter jammerten.
„Ja, aber wohin? Alle Welt zeigt mit Fingern auf uns. Ins Ostviertel auf keinen Fall —*
„Den Gefallen will ich Euch schon tun! Ich bleibe selber nicht gern hier. Wir verkaufen ben ganze» Krempel, in dem ein schönes Stuck Geld steckt, unb ziehen in eine andere Stadt *
Trotz allen Widerstrebens und aller Einwände der beiden Frauen blieb es bei dieser Bestimmung.
Die Aussicht, daß sie in eine Familie als Stütze der Hausfrau gehen solle, machte Martha ganz fassungslos.
„Ach, Mama, Mama*, jammerte sie, „wie kann ich das, da ich doch so schrecklich nervös bin.* Sie konnte fich gar nicht beruhigen. „Unb was wird Edith sagen! Wie wird sie uns das gönnen, nie doch ’o schlecht ist.*
Das war auch ein großer Kummer für sie: der Gedanke, wie die verhaßte Edith das aufnehmen würde.
Denn erfahren würde sie es bestimmt, es ließ sich nicht geheim hatten; man wußte bereits darum fitotifefcuno folat)