Zeitung
Müser
Aus dem Nachbargebiete.
rollen.
Reklamen- und Anzeigenteil.
* Gelnhausen, 27. Mar 1910. Am 16. März d. I. hatte auf der Kruppschen Eisenerzgrube bei Lochborn im Biebergrunde der 17jährige Bergwerks- arbeiter Wilhelm Fischer aus Flörsbach den Auftrag erhalten, Grubenholz nach einem zwölf Meter von: Schacht hinter einer Brücke liegenden Berg- abhang zu tragen und dort das Holz hinunterzu- Ziischer warf es jedoch von der Mitte der Brücke über das Geländer in die Tiefe, wobei ein
ner Ueberzeugung darüber Ausdruck geben, daß amerikanisches Petroleum geliefert sei und daß auch eine Untersuchung des Petroleums dies bestätigen müßte. Schließlich erlaube ich mir zu bemecken, daß gegen das ergangene Urteil Revision eingelegt worden ist."
Nkgcichnis drr Neiianjchiiffmgeil
rerLandrsbibliothkkzuFlllda im 6tntsjaljrl909.
/Die Bibliothek leiht ihre Werke an jedermann jn Fulda und außerhalb Fuldas unentgeltlich aus.)
Dache der Kirche schaute, während ihren Lippen fast ununterbrochen ein klagendes: „Hänschen komml Hänschen komm doch!" sich entrang- Der Kanarienvogel der Dame, „ein zu gutes, liebes Tierchen", wie sie jedem versicherte, war seiner Gefangenschaft überdrüssig geworben und hatte die Freiheit gesucht. Als ein Schutzmann die Dame darauf aufmerksam machte, daß sie durch ihr auffälliges Gebahren die Menschenansammlung auf dem Platze veranlaßt habe, versicherte sie, daß sie diese Vorhaltung unverschuldet treffe. „Aber meinen Vogel muß ich haben", schloß die Erbitterte ihre Philippika. Der Beamte war gutmütig genug, nicht sofort „Widerstand gegen die Staatsgewalt" anzunehmen, sondern erklärte begütigend daß ihr auch niemand das Recht auf einen Vogel streitig mache, daß sie aber, um das Tierchen wieder zu erlangen, am besten die Hilfe der Feuerwehr in Anspruch nehmen werde. Das geschah denn auch. Auf dem Personenwagen und mit langen Leitern ausgerüstet, traf eine Anzahl Feuerwehrleute auf dem Platze ein. Die Leitern wurden angelegt, mit größter Geschwin- digkeit kletterten die Leute an derselben in die Hohe und — schon nach wenigen Minuten befand sich Pieb- matz, trotz seines Sträubens, wieder im Besitze seiner überglücklichen Herrin. Mit lautem Hurra belohnte die Menge das Wagestück der Feuerwehrleute. — SBom eigenen $ater ber Polizei zugeführt wurde gestem nachmittag ein Hausbursche, weil er seinem Vater eine größere Summe baren Geldes, das sich dieser sauer verdient, gestohlen und verjubelt hatte. — In einem Restaurant am Friedrichsplatz stürzte in später Stunde ein Referendar, der dort mit mehreren Geschäftsfreunden eingekehrt war, die Kellerterppe hinunter. Mit schmieren Verletzungen am. Hinteckopf und mehreren Arm- und Beinbrüchen wurde er besinnungslos aufgefunden. Er mußte nach dem Landkrankenhaus gebracht werden.
* Wiesbaden, 29. Mai 1910. Zu dem Straskam- merbericht in Nr. 117 über eine Verhandlung gegen den Kaufmann Georg Fröhling in Frankfurt a. M. iv-egen unlauteren Wettbewerbes und Vergehens gegen das Weingesetz macht der Verteidiger des Herrn Fröhling folgende Mitteilungen: „Jn dem ftaglichen Zirkular waren beinahe alle Artikel enthalten, die in dem Geschäft des Herrn Fröhling geführt werden. Darunter befand sich auch amerikanisches Petroleum zn 16 Pfg.. Ein Konkurrent des Herrn Fröhling hat nun dieAnzeige erstattet, daß das im Geschäft des Herrn Fröhling geführte Petroleum nicht amerikanisches, sondern ein Gemisch von amerikanischem und russischem Petroleum sei. Demgegenüber hat Herr Fröhling m der Verhandlung geltend gemacht: 1. Ter Vertreter der Deutschen Petroleum-Verkauss-Gesellschaft, mit dem er den fraglichen Abschluß tätigte, habe ihm ausdrücklich mitgeteilt, seine Gesellschaft liefere schon seit längerer Zeit amerikanisches Petroleum, nur dürfe dies nicht öffentlich bekannt werden, und es sei den Angestellten der Deutschen Petroleum-Verkauss-Gesell- schaft bei Strafe der Dienstentlassung verboten, darüber zu sprechen, auch sei es ihnen verboten, mit den Angestellten der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft zu verkehren^ sei es auch nur telephonisch- 2. Das hier fragliche, von der Deutschen Petroleum-Verkaufs-Gesellschaft gelieferte Petroleum sei in der Tat amerikanisches Petroleum gewesen. Zu Punkt 1 hat der Angestellte der Deutschen Petroleum-Veckauss-Ge- sellschaft in der Verhandlung erklärt, er habe bei dem Abschluß duvon gesprochen, seine Gesellschaft liefere ein Gemisch von amerikanischem Petroleum und einem europäischen Produkt, größtenteils sei es amerikanisches Petroleum. Zu Punkt 2 erklärte der Angestellte, er selbst sei nicht in der Lage, genaue Auskunft -darüber zu geben, ob in der Tat ämerikanisches Petroleum damals geliefert worden sei, hierüber müßten die aus- ivärts wohnenden Direktoren gehört werben. Herr Fröhling hat seine Behauptung, daß ihm amerikani- ! sches Petroleum damals geliefert war. aufrecht erhalten und hält sie auch noch heute aufrecht, wollte aber, um eine Vertagung zu vermeiden, die auswärts wohnenden Direktoren nicht geladen haben. Llls der Angestellte ber Deutschen Petroleum-Veckaufs-Gesellschaft nach Erscheinen des Zickulars Herrn Fröhling fragte, warum er „amerikanisches Petroleum" annoncierte, entgegnete Herr Fröhling: ES sei ihm ja erklärt worden, daß amerikanisches Petroleum geliefert würde, die Gesellschaft möge ihm einmal den Beweis erbrin- aen, daß sie ihm kein amerikanisches Petroleum geliefert habe. Hiermit wollte Herr Fröhling lediglich sei-
Jß 120.
montas d-n so. Mal M«.
37. Jahrgang.
vermischter.
♦ Eine schwere Belastung der Industrie will das Rheinisch-Westfälische K o h l e n s Y n d i k a t für dm nächsten Winter herbeiführen. Wie verlautet, sollen in ber am 16. Juli stattfindenden Beiratssitzung die Preise für Koks und Kohlenkoks für das Winterhalbjahr 1910/11 um 2 Mark pro Tonne erhöht werden.
♦ Der Kampf gegen die Riesen-Hutnadeln. Die gefährliche Gewohnheit der Damen, die Hudnadeln oft weit herausragen zu lassen, erfährt jetzt, nach dem vorbildlichen Vorgang mancher amerikanifcher Staaten, auch in Wien eine scharfe Bekämpfung. Wie das Neue Wiener Tagblatt berichtet, zirkuliert gegenwärtig bei sämtlichen Bezicksvertretungen ber österreichischen Hauptstabt ein Antrag, an maßgebender Stelle dahin zu wirken, daß das Tragen von Hutnadeln, die aus den Hüten mehrere Zentimeter hervorragen, verboten werde. Sollte dies undurchführbar fein, so möchten die Damen angewiesen werben, diese hervorragenden Hutnadeln mit einer Schutzvorrichtung zu versehen. Durch diese Damenmode werde die körperliche Sicherheit arg gefährdet. Bezirksvorsteher Jägersberger, der diesen Antrag in der letzten Sitzung der Bezirksvertretung Leopoldstadt zur Verlesung bracht», teilte mit, daß er vor einigen Tagen auf ber Straßenbahn selbst in Gefahr kam, daß ihm eine Dame mit ihrer Hutnadel das Auge aussteche. Die Dame Wollte abfteigen und kam hierbei an ihm so knapp vorbei, daß sie ihm mit ber Hutnabcl eine Ritzwunde oberhalb des Auges beibrachte. Der Antrag wurde schließlich einstimmig angenommen.
• Zwei Löwen brachen aus einem Zirkus in Stendal aus. Sie zerfleischten zwei Pferde. Dann tonnten sie wieder eingefangen werden.
— Drastische Hilfe. Tante Anna, die bei Registrators eingeladen, läßt, da sie sehr geschwätzig ist, nie- mand zu Worte kommen. Ter kleine Hans, der neben ihr sitzt, hat schon dreimal angesetzt, um etwas zu sagen — aber vergeblich! Da springt er plötzlich auf den Stuhl hinter der Tante und wirft ihr eine Serviette über den Kopf. „Aber Hans!" ruft die Mutter entsetzt, „was fällt dir denn ein, du ungezogener Junge?!" — „Ja weißt du, Mama", entgegnet Hans pfiffig, „so macht's immer der Papa wenn ber Kanarienvogel still fein soll I"
Deutscher Reich.
) ( Das Abgeordnetenhaus erwartet im Lause der Woche vom Staatsministerium Bescheid, welche Vorlagen noch in dieser Session verabschiedet werden sollen Alsdann will der Seniorenkonvent den Geschastsptan für den Rest der Tagung beraten. Es wird angenommen, daß der Landtag in etwa 10 —14 Tagen in die Ferien gehen wirb. „, „ .
s Die Kommission für die Reichsversicherungsordnung im Reichstage beschäftigte sich am samstag mit der umstrittensten Frage der Regierungsvorlage, mit denReichsverfichcrungsämtem, denen bekanntlich die jetzigen sozialen Geschäfte der unteren Verwaltungsbehörden übertragen werden sollen. Die Beratung bot vorläufig noch keine Klarheit über die Wunsche der Kommission. Es herrschte aber die Auffassung vor, daß die Obliegenheiten der Versicherungs- ämtcr am besten den Verwaltungsbehörden bleiben.
2. Blatt.
vntck «nd Verlag der 5uldaer Actiendruckerel in Zulda.
Aus Rirche und Schule.
** Kardinal-Erzbischof Fischer von Köln begeht heute seinen 70. Geburtstag. Antonius Hubert Fischer ist ein Jülicher Lehrerssohn. Er hat in seiner Heimat die höhere Schule besucht, kam bann auf das Kölner Friedrich Wilhelms-Gymnasium, endlich zum Studium der Theologie aus die Universitäten Bonn und Münster. Seine priesterliche Laufbahn begann am 2. September 1863 mit seiner Ordination. Dann wurde Fischer Religionslehrer am Essener Gymnasium. Die Erzbischof würde fiel ihm am 19. März 1903 zu, noch im selben Jahre erhielt er den Purpur des Kardinals. Als solcher hat er wenige Monate später an dem Konklave teilgenommen, aus dem Guiseppe Sarto, der Patriarch von Venedig, als Pius X. hervorging. Vor sechs Jahren wurde Kardinal Fischer ins preußische Herrenhaus berufen.
Hunderttausende.
Dir Sorge um die Gesundheit ist im Herbst und Winter am dringendsten. Schützen Sie sich daher bei Zeiten und beachien Sie ein Mittel, dessen hervorragende Eigenschaften Hunderttausende von Personen vor allen schädigenden Einflüssen auf die Stimmorgane bewahren. Husten, Heiserkeit, Katarrh, die Vorboten ost ernster Erkrankung werden durch Wybert-Tabletten mit Erfolg bekämpft. Es wird in ben nächsten Wochen Gelegenheit geboten sein, dem seit 60 Jahren hochgeschätzten Präparate ein Heer neuer, begeisterter Anhänger zu werben. Originalschachteln L Mk. 1.— find in den Apotheken erhältlich. Depots in Jinlda: ßngel-
- Apotheke, Kos-Apotheke und ^öweu-Apotheke.
dicker Knüppel den den Durchgang der Brücke passierenden Bergmann Ritter traf und ihm den Schädel spaltete. Die Strafkammer Hanau verurteilte deswegen Fischer wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Monaten Gefängnis.
* Hanau, 27. Mai 1910. Im benachbarten Odenwaldorte Birkenau ist während der Fronleichnamsprozession in der Wohnung des katkolischen Pfarrers ein Einbruch verübt und ein Betrag von 800 Mark gestohlen worden. Der Einbrecher kam in einem Automobil angefahren und hielt sich vorerst in einem Gasthause auf, in dem ?r sich eingehend über die Verhältnisse im Pfarrhause erkundigte.
* Offenbach, 28. Mai 1910. Eine 26jährige Lehrerin der Mathildenschule verübte vergangene Nacht infolge hochgradiger Nervosität Selbstmord durch Erschießen. — Ter seit 17. Mai vermißte Arbeiter Johann Knecht wurde im Walde südlich von Offenbach tot aufgefunden, Knecht ist jedenfalls infolge Entkräftung verschieden.
* Witzenhanfeu, 27. Mai 1910. Der im Dienste des Grafen von Berlepsch auf Schloß Berlepsch bei Gettenbach stehende etwa 17jähttge Forstlehrling Weiß hatte das Weidmannsheil, im Tiefenbach einen kräftigen Keiler zur Strecke zu bringen, bet aufgebrochen 238 Pfund wog.
* Eschtvege, 27. Mai 1910. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz in dem benachbarten Frieda in ein Gehöft und tötete eine Kuh im Stalle.
* Kassel, 29. Mai 1910. Was in einer Großstadt die Feuerwehr nicht alles zu besorgen hat, dafür liefert folgende heitere Episode wieder einen Beweis: Eine nach vielen Hunderten zählende Menge hielt am Samstag vormittag, gerade, als auch ber Fleischmattt sehr belebt war, den Martinsplatz besitzt, eine Dame beobachtend, die verzweifelnd hinauf zum
I. Geschichte (einschließlich Kulturgeschichte, Prähistorie und Biographien )
Archiv für Anthropologie. Zeitschrift für Naturgeschichte und Urgeschichte des Menschen.... Braunichw. - 4«. — Bd. 3^, 1909.
Archiv, Neues, der Geielljchaft für ältere deutsche Gesch ichtstunde. Hannov. 8°. Bd. 35, 1909 -10.
Arndt, E. M.; Meine Wanderungen und Wandelung en mit dem Reichsfreiherrn von Stein. _£>am\ 19t 9. "8°.
Bailleu, P.: Königin Luise. Bett. u. Leipz. 1908. 4«. ■
Bibliothek deutscher Geschichte. . . . Hg. von H. v. Zwiedineck-Südenhorst. Stuttgart. 8". IV. Jastrow- Winler: Hohenstaufen 1—2. 1897—1901. — VIII. Rittern G e ge n xefo r mation 3, 2. 1908. IX. ftwiedineck: Griindg. des Preuß. Königtums. 1-2. 1890-94. XI. Heigel: Bis zur Au flösung des Reichs 1. 1899.
Biographie, Allgemein« deutsche. Hg. durch Oie histor. Kommission .... 8. 8°. — Lies. 271-73. 1909
Breasted: Geschichte Aegyptens. Deutsch von H. Ranke. Berl. 1909. 8°.
Buckle, H. Th.: Geschicl.te der Zivilisation in England. Deutsch v. A. Rüge. Bd. 1—2. L. u. Heidelb. 1868. 8’.
Domaszcwski, A. v.: Geschichte der römischen Kaiser. L. Bd. 1-2. 1909. 8».
Fischer, H.: Grundzüge der Deutschen Altertumskunde. L. 1908. 8°.
Garibaldi, Guiseppe: Memoiren. (Bibliothek wertvoller Memoiren, Bd. 9.) Hamb. 1909. 8°.
Gelzer, H.: Byzantinische Kulturgeschichte. Tüb. 1909. 8°.
Geschichte der europäischen Staaten. Hg. von K. Lamprecht. Gotha. 8°. Blök: Niederlande. Bd. 4. 1909
Geschichts-Kalender, Schultheß' Europäischer. N. F. Münch. 8°. — Jahrg. 24. 1908. 1909.
Grundriß der Geschichtswissenschaft. Hrsgeg. von Al. Meister. 2. 8°. sSoweit in 1909 erschienen.;
Guthe, H.: Geschichte des Volkes Israel. 2. Aufl Tüb. und L. 1904. 8».
Handbuch der mittelalterlichen und neueren Geschichte. Hrsg, von G. v. Below u. F. Meinecke. München u. Berlin. 8°. — Schmidt: Geschichte der german. Böller bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts.
Hauotauz, Gabriel: Geschichte des Zeitgenössischen Frankreich. Autoris. Uebersetzung. Berlin. 8°.— «d. 3, 1909.
Hausenstein,W.:Die Wiedervereinigung Regensburgs mit Bayern i. I. 1810. (Zur Beurteilung Karls v. Dalb erg.) München 1908. 8°.
Heimat, Unsere. Mitteilungen des Heimatbundes im Kreise Schlüchtern. Nr. 6—9. Schl. 1909 4®.
Jahresberichte der Geschichtswissenschaft i. A. der histor. Gesellsch. in Berlin hg. B. 8®. Jahrgang 30 (1907', 1909.
Jsidorus Geschichte der Goten, Vandalen, Sueveii ... 3. Aufl. von D. Eoste. L. [1910], 8®.
Lamprecht: Deutsche Geschichte. B. 8®. 83b. XI,
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Landesgeschichten, Deutsche, hrSg. von A. Tille. (— Allgem. Staatengeschichte Abt. 3). Gotha. 8 . Werk IX Widmann: Salzburg 2, 1909.
Losch, Th.: Die Abgeordneten der Kurhessischen Ständeversammlungen v. 1830—1866. Marb. 1809. 8«.
Marcks, Erich: Bismarck. Eine Bwgraphte. Stuttg. u. Berl. 8°. Bd. 1, 1909.
Meyer, Ehr.: Geschichte Frankens. L. 1909. 8°.
Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für hessilcheGeschichte. Jg. 1908/9. Kassel 1909. 8°.
Mittnacht, v.. Rückblicke. 1-3. Aufl. Stuttg. U.
Berl. 1909. 8«. t f _ _
Mogk, E.: Die Menschenopfer bei den Germanen. L. 1909. 4®.
Monographien zur Weltgeschichte. In Verb, mit Andern Hrsg, von Ed. Heyck. Bielefeld u. Leipz. 4 . — Bd. 29 Heyck: Luther. 1909.
Monts, Gras: Napoleon in. auf Wilhelms« höhe. Berl. 1909. 8».
Monument a Gennaniae Histonca ... - Edid. Societas, aper, fontibns. German, medii aevi. Berolini. 4°. Diplomati IV.: Leg. Sect. IV 5, 1. — Deutsche Chroniken VI, 2. 1909.
Nuntiaturberichte aus Deutschland nebst ergän- »enden Aktenstücken. Hrsg, durch das K. Preußische Institut in Rom. Berl. 8°. - Abt. III, Bd. 5. 1910.
Pantenius, Th. H.: Geschichte Rußlands. Leipz. 1908. 8°. „ ,
Roosevelt, Th.: Ms Cowboy unter Cowboys. Berl. 1909. 8®. , „ ,
Schäfer, D.: Weltgeschichte der Neuzeit. Berl. 1907. 8°.
Thietmari Merseh, episc. Chronicon .... ree. Fr. Kurze. Hannov. 1889. 8 ®.
Bogt, Ernst: Regesten der Erzbischöfe von Mainz von 1289—1396. Leipz. Lfrg. 5—6, 1909. 4®.
Wilisch, Er.: Der Kampf um das Schlachtfeld im Teutoburger-Walde. L. u. B. 1909. 4®.
Zeitschrift, Historische ... Hg. von Meinecke. Münch, u. L. 8". N. F. Bd. 6-8. 1908-10.
Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte. Bd. 43. Kassel 1909. 8®.
Zschiesche, P.: Die vorgeschichtlichen Burgen und Wälle in Thüringen. Halle. 2 ®. — Heft 3,1906.
(Fortsetzung folgt.)
Edith vürknerr Liebe.
33] Roman von Fr. Lehne.
Gab es denn gar keine Brücke zurück in die Vergangenheit? Sein Herz war voll der besten Vorsätze; er hatte recht: er war schon ein anderer geworden, sein Sinn, sein Denken war cmfter geworben, und schwer fühlte er bas Unrecht, bas er dem geliebten Mädchen getan — er sehnte sich danach, wieder gut zu machen!
Wie gejagt war Edith nach Hause gekommen.
Sinnend stand sie eine Weile da-
Nun hatte sie Lucian Waldow nach so langer Zeit wieder gesehen und gesprochen! Seine Augen hatten ihr wieder in der alten Siebe gestrahlt, sein Mund hatte so bittende Worte gehabt — war es Schwäche, Wenn sie nachgab? Jetzt wäre er ihr sicher gewesen, das wußte sie.
Wie hatte sie ihn doch geliebt mit der ganzen Unschuld ihrer neunzehn Jahre, mit der Reinheit ihrer Seele und dem Nettrauen eines Kindes! Und wie arausam war sie darin getäuscht worden!
Nein, niemals konnte sie ihm das vergeben!
Fottan gehörte ihr Leben der Arbeit und bet Pflicht.
Sie rechnete sich zu den Enterbten, die nur zusehen durften, wie andere es sich an dem reich gedeckten Tisch des Lebens gütlich fein ließen. Und als sie zugegriffen hatte, sich ein bescheiden Teil zu sichern, da wat es ihr gehörig versalzen worden, so daß ihr die Freude und ber Genuß daran verdorben war!
Nun hieß es die Zähne zusammenbeißen und durch!
Mochte es auch noch so schwer sein, es mußte Hetzen!
Und sie wat ja noch jung. Das Leben lag noch so verheißungsvoll vor ihr. Mit beiden Händen .konnte es ihr doppelt geben, was es ihr jetzt genommen jatte.
Ihre leidenschaftliche, temperamentvolle Att sehnte sich nach Mitteilung, nach Hingabe, nach einet gleich- bestimmten Seele.
Sie war aber einsam, allein!
Der Vater kränklich — die Mutter tot — und der einstmals so heiß Geliebte verloren — sie kam sich vor wie ein vom Sturm verwehtes Vöglein, das nicht mehr weiß, wohin.
Noch einmal hatte Lucian Waldow sich ihr genähert.
In flehenden, rührenden Worten hatte er geschrieben, aber Edith war unbeugsam in ihrem Entschlüsse. Ihr Groll triumphierte über jedes andere Weichere Gefühl, das sich doch bei seinen Zeilen, die so ganz den Stempel seiner liebenswürdigen, unwiderstehlichen Persönlichkeit trugen, in ihr regte.
Stein, sie wollte fertig sein mit ihm! * ♦
Nicht lange danach las sie in der Zeitung, daß der so beliebte und talentvolle Konzertmeister Lucian Waldow zum größten Bedauern aller Kunstfreunde demnächst die Stadt verlassen wolle.
Ihr Gefühl sagte ihr ganz richtig, daß sie daran die Schuld trage!
Aber sie hatte nicht anders handeln können — es wäre gegen ihre Natur gewesen!
14.
Seit mehr als zwei Jahren hatte Edith Bürkner ihre Stellung bei Thomas u- Wagner inne, die ihr ein angenehmes Leben bot.
Sie bekam ein gutes Gehalt, mit dessen größtem Teil sie den Bruder unterstützte. Für sich felbft brauchte [te ia Wenig, und sie war glücklich, Thankmar jetzt in bem SMe,_wie sie es tat, helfen zu können.
^ihre Tätigkeit machte ihr Freude; sie nahm ihre ganze Kraft in Anspruch und ließ ihr keine Zeit zu gefährlichen Grübeleien.
Es War ihr nicht schwer gefallen, sich einzuarbetten. Ihre große Umsicht und Tüchtigkeit, sowie ihr Fleiß hatten sie ihrem Chef sehr wert gemacht, der sogar eine besondere Vorliebe für das schöne, ernste Mädchen gefaßt hatte.
Es war khm nicht unbekannt geblieben, in welcher selbstlosen Weise sie für den Bruder sorgte, nd das erfüllte ihn mU Hochachtung vor dem jungen, tatkräf
tigen Geschöpf, dessen ungewöhnliche Bildung und gute Erziehung er bald gemerkt hatte.
Edith nahm die Stellung einer Privatsekretärin bei ihm ein; rhr Platz war in seinem Kontor, und so tar: es, daß er auch ab und zu ein Wort mit ihr sprach, das sich nicht nur auf geschäftliche Sachen beschränkte.
Dadurch hatte er erfahren, daß Otto Hildebrandt ihr Oheim war, der das junge Mädchen bei einem Besuche bei Herrn Thomas erstaunt angesehen und dann verlegen begrüßt hatte.
Sichtlich hatte ihm die Nichte imponiert, die da mit so ruhiger Selbstverständlichkeit ihren Platz ein« nahm und die Fragen des Herrn Thomas schnell und sicher beantwortete.
Ein Wettermädel — das wußte, was es wollte!
Herr Thomas stand mit Otto Hildebrandt in Unterhandlung wegen eines Terrains. Letzterer besaß noch verschiedene Grundstücke.die er gern veräußern wollte, da sie jetzt schon an Wett eingebüßt hatten, und das würde in Kürze noch mehr der Fall werden.
Er hatte diese Grundstücke seinerzeit schon zu einem verhältnismäßig hohen Preise erworben in ber Annahme, daß der Militärfiskus sie zum Exerzierplatz und den neuen Kasernen benötige.
Das war aber nicht der Fall; diesmal hatte er sich in seinen Spekulationen verrechnet, und große Verluste Waren die Folge davon gewesen-
Edith hatte das altes erfahren, und sie konnte sich lebhaft die Erregung vorstellen, die jetzt bei Hildebrandts herrschen mußte — ber Onkel in seinem cholerischen Temperament, Martha in ihrem anspruchsvollen Sinn, wie würden sie toben! Nun, es schadete ihnen gar nichts, wenn sie nun gezwungen waren, sich ein wenig einzuschränken!
Große Aufregung herrschte heute im Geschäft, da man den einzigen Sohn des Chefs erwartete.
Herbert Thomas kam vom Auslande zurück- Er war drei Jahre in Hongkonk gewesm und sollte jetzt Mitinhaber der Firma werden, da der alte Herr Thomas etwas leidend war und nicht mehr Wie früher seine ganze Kraft dem Geschäft widmen konnte.
Ms Herbert Thomas Edith Bürkner sah, flog es wie ein Zug des Erstaunens über sein etwas hoch- müttges Gesicht. Seine Verbeugung fiel wohl etwas tiefer aus, als ursprünglich der Kontoristin gegenüber beabsichtigt, nachdem sein Vater ihm das junge Mädchen mit einigen herzlichen Worten vorgestellt.
Während er mit dem alten Herrn sprach, flog ab und zu ein scharfer Blick zu Edith hinüber, die den blonden Kopf auf ihre Arbeit gesenkt hielt und durch feine Gegenwart ganz unbeirrt war.
Aus dem Nachhausewege fragte er seinen Vater in etwas nachlässigem Tone:
„Dein Schreibmaschinenfräulein da — ober was sie sonst ist —"
„Richt so, Herbert!" unterbrach ihn sein Vater. „In diesem Tone darfst du von Fräulein Büttner nicht sprechen; ich schätze sie sehr hoch," und mit einigen Worten klärte er ihn über Edith auf.
„So — so," meinte Herbert gleichgültig.
Er war der Typus eines modernen Kaufmanns. Kurz, Har, bestimmt in seinen Anordnungen, brachte er bald einen strafferen Zug ins Geschäft. Er war sehr gerecht und meinte es gut mit seinen Angestellten; das fühlte man bald und war mit seinem strengeren Regiment ansgesöhnt, wenn auch feine etwas herrische Art anfangs Besorgnis eingeflößt hatte.
Sein Kontor befand sich neben dem des Vaters; die Verbindungstür stand meistens offen, und von seinem Platz aus konnte er gerade in Ediths Gesicht sehen.
Oester als einmal ertappte er sich dabei, wie et sie beobachtete-
Er ärgerte sich bann jedesmal über sich selbst und war doppelt kurz zu ihr, wenn er ihr Anweisungen zu geben hatte.
So vergingen die Tage, einer wie der andere.
Heute, kurz bevor Edith ins Geschäft ging, hatte sie von Thankmar einen langen, dankbaren, hoffnungsvollen Brief bekommen.
Er schrieb, daß sein Studium ihm viel Freude mache und er mit ganzer Seele dabei sei, erzählte ausführlich davon und fügte zum Schlüsse hinzu, daß er Lucian Waldow gesehen und. gesprochen habe, (F. f.)