Erstes Blatt
M 118.
^ulda, Freitag den 27. Mai 1910
37. Jadr^ani
ffi’t ent-
Die nationalliberale Partei hat, w wird in letzter Stunde verbreitet, beschlossen, die Vorlage ui der Fassung des Herrenhan-es abznlehnen, und es liegen auch von nationallibcralcr Seite bereits eine Reihe Abänderungsanträge vor, so einer aut Einführung der direkten Wahl und auf Vergröße- I rung der Stimmbezirke von 1750 auf 3500 Einwohner. Weiter beantragt die Pattei eine Reibe von Ergänzungen für die Kulturträger, und schließ, lich stellt sie den Antrag, daß jeder, der 2700 Mk Steuern zahlt und 30 Jahre alt ist, in die zweite Klasse kommen soll.
Soviel kann man aus der Stellung dieser An- träge schon entnehmen, daß eine unveränderteAmiahme der Herrenhausbeschlüsse recht unwahrscheinlich geworden ist. Voraussichtlich werden dieAu- träge der Nationalliberalen keine Mehrheit finden
gelung der Mannesmann'schen RechtZtitel in anderer Weise geplant. Die Entscheidung über die Ansprüche der Remscheider Großindustriellen Mannesmann wird ini Laufe des Sommer auf friedlichem Wege erfolgen.
+ Der Hansabund, der seit längerem den Erwerb einer Berliner Tageszeitung beabsichtigt hat, hat wie wir^hören, mit der Nationalzeitung, die bekanntlich am 1. Juli aus der Beiriebsgemeinschaft mit der Post ausscheidet, Verhandlungen angenüpft- Die Verhandlungen sollen bereits zuin Abschluß gekommen fein-
** Gehört der Hansabund zu einer politischen Partei? Das führende Organ des Ber- liuer Freisinn», die „Vossische Zig.
** Berlin, 26. Mai 1910. Der Kaiser nahm Mittwoch abend im Reuen Palais den Vortrag des Chefs des Generalstabes der Armee und deZ Chefs des Militärkabinrtts entgegen. — DaZ Befinden des Prinzen Louis Ferdinand ist andauernd zufriedenstellend. Der Verlauf der Krankheit ist normal.
s. In der Justizkomnüsfion drehten sich am Mitt- woch die Beratungen um einen Ze-ttrumsanttag, wonach die Verbängung der Unlermchuuashaft nur bei dringendem Verdacht und begründetem Finck!- versuch, nicht aber and) bann zuiässig sein soll, wenn die Gcsahr vorliegt, daß der Verdächlige durch i Vernichtung der Spuren seiner Tat die Untersuchung erschweren werde. Zu einer Beschlußfassung kam es noch nicht.
ventjches Reich.
* Kaiser Wilhelm und Pichon.
Die „Nordd. Allg. Ztg." dementiert amtlich die Pariser Meldung, Kaiser Wilhelm habe bei seiner Unterredung mit dem französischen Minister des Auswärtigen in London von der Blldung eines europäischen Staatenbund es zur Erhalllmg des Weltfriedens gesprochen. Richtig ist nur, daß der Kaiser dem französischen Minister gegenüber seine-Zuversicht über die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens und seinen festen Willen, alles was an ihm liege, dazu beizutragen, ausgesprochen hat. Der Gedanke, einen europäischen Staatenbund zu bilden, ist nicht Gegenstand des Gespräches geivesen und liegt dem Kaiser fern.
Daß der Evangelische Bund so etwas zu dmcken wagt, ist ein Beweis, wie er selbst die Maske der „Toleranz" glaubt abwerfen zu können. Der Eindruck, Kerzenheim sei ein katholisches Dorf, ist aller« | diugs fürchterlich. Roch fürchterlicher ist, daß daS Kreuz gegenüber einem — „evangelischen Friedhof ! stand. Da müssen sich ja die protestantischen Toten im Grabe Herumdrehen! ! Man sollte meinen, wenn der Evangelische Bund sonst immer verlangt, daß dir Protestanten in Elsaß-Lothringen, wo konfessionell getrennte Kirchhöfe herkömmlich sind, neben den Katholiken begraben werden und dann sogar neben katholischen Grabkreuzen liegen müffen, würden sie auch gegenüber dem Kreuze liegen dürfen. Wie eine Ironie sieht es aus, daß die Deutsch-Evangelische Korrespondenz in derselben Nummer das Schreiben des Kaisers an den Erzabt von Beuron abdruckt, in dem es heißt daß das Kreuz „dasjenige Sinnbild
„Die preußische Wahlrechtsfrage wird unter allen Umstanden — und keine taktischen Kunststücke werden nF!Ärlp. | L"°"°twas ändern - in dem Mittelpunkt der nächsten crttar e. s Reichstagswahlen stehen, und keiner Partei wird es
Nach Tisch räumte Edith die Küche sauber auf während der Vater schlief. Thankmar stand bei chr' die Hände in den Taschen, und sah ihr zu.
Sie plauderten von diesem und jenem bis er sagte:
„Onkel und Tante Hildebrandt werden es wohl zu Hause jetzt nicht gut haben bei Shtfine Marthchen, die ''N sicher dre Aeugletn rot weint, daß ihr der hübsche - ^meister durch die Lappen gegangen ist! Mit so vieler Mühe hat sie ihn sich eingefmigen und nun ist die Herrlichkett doch so schnell vorbei! Hm, was meinst du dazu?"
„Ich? Ich freue mich!"
»Ja, ja, Schadenfreude ist die reinste Freude!" lachte er.
»Soll ich Martha vielleicht bedauern, Thankmar, da fle so schlecht zu uns war. und un», die wir ihr
Er maß den kleinen, dürren Mann mit verächtlichen Blicken, ehe er zombebend sagte:
„Ich ersuche dich, sofort zu schweigen, wenn ich nicht vergessen soll, daß du sozusagen — wenn auch ungerufen — als unser Gast hier bei uns weilst! Uebri- gens ist es wohl bester, du gehst, damit du uns unseren guten Vater nicht auch noch krank machst! Denke nur daran, wer und was unsere arme, liebe Mutter in be i Tod getrieben hat!"
Da duckte sich der alte Hildebrandt ganz scheu zusammen, als ob er einen Schlag bekommen hätte; unverständliche Worte murmelnd, schlich er hinaus, von allen unbeachtet-
»Ah, das hat wohlgetan! Hätte ich nur meinem Herzen noch mehr Lust machen können, mit Wonne hätte ich dem alten Schleicher seine ganze Erbärmlichkeit ins Gesicht geschleudert!" tief der Jüngling aus. ..Und so eine Niedertracht, dich als Grund für Marthas Enttobung zu betrachten! — Na, Dita, hast du das Esten fertig? Darum wollen wir uns den Appetit nicht verderben lassen. Rach Tische will Ratz kommen; wir wollen noch mal ’nen Bummel machen. Morgen früh fährt der nach Heidelberg!"
DaS Zentrum hat bereits am Dienstag die entscheidende Fraktionsfitznng abgehalten u beschlossen, wie jetzt bekannt wird, in erster Reihe die Wiederherstellung des Gesetzentwurfs in der ihm vom Abgeordnetenhaus gegebenen Fassung zu beantragen.
sprechender Antrag Dr. Porsch ist soeben ein. - tracht worden.
I Partei und der linke Flügel, der noch die Mehrhe.t bildet, aus die Herbeiführung eines geschlossenen
I Auftretens der Partei verzichten, so ist das eine Unterstützung des verschlechterten «Wahlgesetzes.
Wäre eS dem linken Flügel ernst mit seinen I angeblichen freiheitlichen und volksfreundlichen Bestrebungen, so müßte er die Wahlrechtsverschlechterer I vor ein klares Entweder — oder stellen.
Geschieht es nicht, so kann man den Verdacht nicht abroeifen, daß bei den nächsten Wahlen die Nationalliberalen in zwei verschiedenen Masken auf» treten wollen, um bald unter Berufung auf die Nein- stimmen die Hilfe der Fortschrittler und Sozialdemokraten in Anspruch zu nehmen, bald unter Berufung auf die entscheidenden Jastimmen von den ! Konservativen und Regierungsleuten sich Helsen zu lasten in bet Ausnützung der vergrößerten Dritte- lmrgsbezirke.
** Kritische Tage.
Die Entscheidung über die Wahlrechtsvorlage steht bevor. Das Herrenhaus hat die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses,deren Grundlage die indirekte geheime Wahl ist, nach der plutokratischen Seile hin verschlechtert. Es hat die Drittelungsbezirke vergrößert, die Maximierung unwirksam gemacht und die Privilegierung erweitert.
Wie werden sich nun die Parteien zu diesen BeschlÜffen stellen? 8 1
I Die konservative Fraktion hat am Donnerstag über ihre Ha'tnng beraten. Sie bringt Anträge ein, die zwar den Herrenhausbeschlüssen etwas entgegenkommen, sich aber nicht allzuweit von der früheren Fassung des Abgeordnetenhauses entfernen
Der wichtigste dieser Anträge verlangt, daß die Drittelung innerhalb der Gememve ftallsinden ioll, wenn diese nicht mehr als 5003 Einwohner zählt Nach der Herrenhausfassung sind es 10009 — und dementsprechend sollen auch die von der Berwaltungs- behörde zu bildenden Drittelungsbesirke kleiner gestattet werden und zwar von 1749 bis 5000 Einwohnern wenn die Gemeinde mehr als 5000 Einwohner umfaßt' SBenn in einer Abteilung des Stimmbezirks kein WS hier vorhanden ist, so ist, wenn diese Abteilung nur einen Wahlmann zu wählen hat, die Wahl von der nächst niederen Abteilung, falls die betreffende Abteilung aber zwei Wahlmänner zu wählen hat, von den übrigen Abteilungen gleichmäßig zu bewirken. Ferner beantragen die Konservativen zur Maximierung, daß nicht nur, wie das Herrenhms 'beschlossen hat, die 3000 Mark bezw. 5000 Mark überschreitenden Staatseinkommenstem-rn, sondern mich die entsprechenden Geineindestenerzuschläge nicht angerechnet werden sollen. Die Kulturträgerbestimniungeir sotten gestrichen werden.
Edith Vüüners Liebe.
31] Roman von Fr. Lehne.
Sie hielt einen Augenblick inne, bann fuhr sie fort: . „Seit dem Brautbesuch habe ich fein Wort mehr mit Waldow gesprochen, ich habe chn nur einige Male auf der Straße gesehen. ,.
Aus deinen Aeußeningen und Fragen glaube ich aber entnehmen zu dürfen, daß zwischen dem Brautpaar etwas nicht stimmt. Und da soll ich natürlich die Schuld tragen! Das ist köstlich!" Sie lachte ein wenig, bann sprach sie weiter:
„Deine Tochter fürchtet wohl, daß ihr Verlobter mich mehr liebt, als sie? Dann sage ihr nut zur Beruhigung, daß ich es doch nicht so mache wie fle; sie braucht nicht zu befürchten, ihn wieder durch mich oder an mich zu verlieren!"
Hochaufgerichtet stand Edith da; verächtlich ruhten ihre Augen auf dem Mann vor ihr, der ihr dem Blick nicht stand zu halten vermochte.
Heiße Röte brannte auf ihrem Gesicht, als fle neben dem Vater niederkniete und leise fragte: „Glaubst du mir, Vater?"
Tief sah dieser in die dunklen Sterne, die so voll und groß zu ihm aufblickten, und mit der weißen, nriiben Hand strich er leise über das schöne Gesicht feiner Tochter.
\ .Ich habe nie an dir gezweifelt, mein Kind."
Gerührt küßte sie ihm die Hand.
„Ich danke dir, Vater!"
Dann stand fle wieder auf.
„Bist du nun befriedigt, Onkel? Jetzt weißt du ick was bu wissen wolltest. Ob du mit glaubst ober nicht- ist mit ganz gleichgiltig! Ich hätte eS auch für unnötig gehalten, mich bir gegenüber auf so unsinnige Verleumdungen hin zu rechtfertigen, wenn ich nach bei» nn bter borgebraebten Behauptung biefe Aufklärung rÄ Zuten Vater schuldig gemefen wäre" Jurfner jetzt das Wort nehmen wollte, war gerade Thankmar nach Hause gekommen und mit tretew m ei9enfU- lebhaften Art ins Zimmer ge-
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* Im Mannesmamrstreit soll eine Verständigung erzielt sein Die in Paris tagende Konferenz zur Schafft;ng eines marokkanischen Berggesetzes hat einen großen Teil der einschlägigen Fragen bereits erledigt. In der Frage der Priorität der Mutungen soll die tatsächliche Besitzergreifung der Schürfstelle den Vor-,........ „ VUD vus _,nnn,.n
rang haben. Die Mannesmannansprüche werden durch i ist, zu dem beide Konfessionen mit a (e l - neue Gesetz, das keine rückwirkende Kraft erhalten cher Verehrung emporblicken" Am Schluffe soll, zunaryst zwar nicht berührt vielmehr ist eine Re- erteilt die Deutsch-Evangelische Korrespondenz der oA»nn h»r r Frankfurter Zeitung noch einen Rüssel, weil auch diese
es gewagt hatte, die Intoleranz in Kerzenheim zu rügen. Sie wird deshalb ein „Schrittmacher und .Helfershelfer des Ulttamontanismus" genannt. Wer weiß, vielleicht wird die „Franks. Ztg." noch katholisch!
+ Die Sozialdemokratie will bei den nächsten NeichstagSwahlen die preußische Wahl- re so rin frage zur Wahlparole machen. Der /Vorwärts' erklärt:
Die zweihändige Politik der Nationalliberalen.
Alle die „Nachrichten" und Prophezeiungen, die der Entscheidung im Abgeordnetenhause vorausgehen, stimmen überein in der Annahme, daß die nation allib erale Partei ein paar Dutzend Jastimmen stellen wird, die im Verein mit der Rechten eine Mehrheit für das verschlechterte Wahlgesetz bilden werden.
Nach den häuslichen Auseinandersetzungen, die vorhergegangen sind, hat eine Spaltung der national» liberalen Partei nichts überraschendes mehr. Wir haben schon verschiedentlich dargelegt, daß die angekündigte Wendung der Dinge für die Zentrums- i Partei nichts erschreckendes haben würde. Unsere Freunde im Abgeordnetenhause und die Parteigenoffen im Herrenhause haben redlich das ihrige getan, um ein Wahlgesetz zustande zu bringen, das
dagegen entweder der Antrag des Zentrums oder die Anträge der Konservativen, vielleicht mit Abänderungen, angenommen werden. Dann fragt sich wieder: wie werden die Nationalliberalen sich verhalten? Jedenfalls ist angesichts der Aussichtslosigkeit der Herrenhausbeschlüffe der gesamten Fraktion das Verbleiben in der Opposition sehr erleichtert.
Eine Erledigung der Vorlage schon in der heutigen Sitzung ist angesichts der großen Anzahl von Anträgen unwahrscheinlich. In einer Bcspre! ung der Führer der größeren Fraktionen hat man sich dahin verständigt, daß man die Wahlrechtsvorlaqe ohne I Kommissionsberatung erledigen will. Ob sich da? aber wird durchführen lassen, muß sich erst zeigen. Heute am Freitag will sich das Hans auf eine Generaldebatte beschränken, die wahrscheinlich durch eine kurze Erklärung des Ministerpräsidenten eingeleitet werden wird.
f] Berlin, 27. Mai 1910. (Tel.) Die Entscheidung Über die Wahlrechtsvorlage wird spätestens morgen erwartet.
doch gar nichts getan haben, immer zu demütigen wchtc? Nein, wenn es auch nicht schön von mir ist, so ijt es doch menschlich, wenn ich sage, ich gönne es ihr," 'agte Edith leidenschaftlich.
Sie durfte nicht an jenen Abend denken, an dem Matthä sie um alle ihre schonen Hoffnungen gebracht hatte, da kochte es in ihr, und der Groll wuchs riesengroß über ihre guten Eigenschaften. Sie war zu tief gekränkt worden; deshalb empfand sie auch eine grimmige Genugtuung über die Auflösung der Verlobung ihrer Kusine.
„Ei, so nachtragend und rachsüchtig ist mein Schwesterchen? Es ist aber nicht schön, Dita, wenn bu so blst- Es ist nicht groß gedacht," bemerkte Thankmar mit leisem Vorwurf in der Stimme.
Heftig wandte sich Edith dem Bruder zu.
„Soll ich fügen und sagen, es tue mir leib, wenn ,.m "E so ist? Ich mache aus meinem Herzen ^eme Mördergrube! Wenn mich jemand auf die rechte Äange schlagt, bann halte ich nicht auch noch die linke yln!
„Sondern schlägst wieder und wehrst dich deiner r - .7. ,a,mn erkenne ich mein heißblütiges Schwester- (em," lächelte Thankmar.
Edith antwortete nichts darauf, sondern beeilte sich fertig zu werden.
Als sie auf dem einfachen Tablett das Kaffeegeschirr für den Vater zurechtsetzte, nahm der Bruder von neuem das Wort; er hatte noch etwas auf dem Herzen.
»Du, Dita, der fchöne Lucian —"
„Was geht er mich noch an?" unterbrach sie ihn heftig.
»Er erkundigte sich sehr nach bir, wie es bir geht unb so weiter. Ich wollte mich gar nicht so lange mit mut unterhalten, doch er wich nitfit von meiner Seite Daß sem Schauspiel durchgeraffelt ist, nahm er als Wohlverdienst sehr leicht, denn er war am anderen Sage reichlich entschädigt worden — na, hast 8 Ja selbst rwr!r^ecUn9 0£efen! 84 hatte immer das Ge- M de °b er noch etwas sagen wollte. Ich glaub«, DU«, wenn bu die letzten Monate vergessen würdest —
Wortsetzung folgt)
I »Der Hansabund würde jede Daseinsberechtigung sofort verlieren, sobald in ihm die Neigung nach der linksliberalen Seite nicht mehr vorherrschen sollte.« Die „Berl. Pol. Nachr.« be- merken dazu:
Wenn das freisinnige Blatt mit dieser Meinung I recht haben sollte, dann hätten sehr weite Kreise, die sich an der Begründung und Ausbreitung des Hansa- I oundes bisher beteiligen, alle Ursache, ihre Stellung I 2,um Hansabund einer Revision zu unterwerfen. Nach I Kundgebungen leitender Persönlichkeiten des Hansa- I bundes sollte dieser nicht weniger als eine ausgeprägte I politische Parteirichtung innehalten, vielmehr den I 2-ammclpunkt aller derjenigen bürgerlichen Elemente I b’löen, die sich durch die Haltung unserer Parlaments« I Majoritäten m ihren wirtschaftlichen Interessen unb I ihrer politischen Betätigung gefährdet suhlen.
Sollte!
)( Eine Geschichte der deutschen Katholikentage kündigt der Verlag des Evangelischen Bundes in Halle an. Verfasser des ersten Bandes ist Vic. Bräunlich, dessen Vergangenheit dafür sorgt, daß das Buch dem Geiste des Evangelischen Bundes durchaus gerecht werden wird.
X Das Kreuz eine „Provokation" der Protestanten. Man sollte cs nicht für möglich halten, aber es ist Tatsache, der Evangelische Bund wagt bas | Verbot der Anbringung eines Kreuzes auf dem Grundstück eines Katholiken in Kerzenheim (Pfalz) zu verteidigen- Seine deutsch-evangel. Korr. schreibt nämlich in Nr. 55:
Das Feldtreuz, das infolge nun einmal vorliegender geschichtlicher Entwicklung, (!!) besonders in der Pfalz, niemand ankers denn als ostentatives Bekenntnis zum Katbolizismus auffassen kann, ipitrbe, wenn auch auf privatem Besitz, doch so weithin sichtbar aus einer Anhöbe ausgestellt und gerade gegenüber dem evangelischen Friedhof, daß die protestantische Gemeinde das tatsächlich als eine Provokation empfinden mußte. (!!?) Umsomehr, als bisher in der Platz wohl nirgendwo in überwiegend protestanischen Gemeinden solche Kreuze sich finden. Jeder, der des Weges fomnit, hat nun den Eindruck, Kerzenheim lei ein katholisches Dorf. Ob dies Motiv mitge« sprechen hat, mag dahingestellt lein.
1 Demgegenüber muß festgestellt werden, das verschlechterte Wahlgesetz kann nicht anders zustande kommen, als durch die entscheidenden nationalliberalen Stimmen.
Die Verantwortlichkeit fällt also voll und ganz dorthin, von wo der Ausschlag gekommen ist. In erster Linie natürlich auf diejenigen nationalliberalen Abgeordneten, die das Ja aussprechen. Aber zugleich auch auf die übrigen nationalliberalen Abgeordneten, die daS entscheidende Ja ihres rech- !en Ftügels dulden. So lange sie mit den Wahlrechtsverschlechterer in einet Fraktion zusammen- ,itzen bleiben, sind sie mitschuldig.
Als vor einem Jahre die Erbschaftssteuer zur Absttmmung stand, zeigte es sich recht deutlich, welch' eine stramme Parteizucht die nationalliberate Fraktion entfalten kann, wenn sie will Leute, die früher sehr beredt gegen die Erbschaftssteuer sich ausgesprochen hatten, mußten damals dafür stimmen; I der Fraktionszwang wirkte durchschlagend. Jetzt I aber will man, allen bisherigen Nachrichten gemäß, I auf allen und jeden Fraktionszioang verzichten, und die Abstimmung den einzelnen Parteigenossen völlig freigeben, obschon doch die schwebende Wahlrechtsfrage zum mindesten ebenso wichtig ist, wie die Frage der Erbschaftssteuer. Wenn die Führer der!
rA geheime Wahl und dazu noch Abschwächungen des plutokratischen Wesens vnngt. Den Fortschritt zur geheimen Wahl kann man glücklicher Weise nicht mehr vereiteln. Wenn eS aber schließlich der Regierung und den „Herren vom Besitz' gelingen sollte, durch die vergrößerten Dnttelu. gsbezirke eine Verschärfung des plutokratischen Charakters des Wahlrechts, also einen Rück schritt hinter das feit 18 Jahren bestehende Recht herbeizuführen, so find wir frei von jeder Mitschuld oder irgendwelcher Verantwortlichkeit für diese Verschlechterung und können mit Gemütsruhe abwarten, wie lange eine solche rückschrittliche „Reform" sich halten läßt.
Aber wer hat denn die Verantwortlichkeit zu tragen ‘i Darüber sollte sich die öffentliche Meinung schon vor der entscheidenden Abstimmung klar werden. Denn nachher wird die national- liberale Partei vermutlich den Versuch machen, ihren Kops aus der Schlinge zu ziehen. Wenn da ein Flügel für die verschlechterte Vorlage gestimmt hat und der andere Flügel dagegen, so werden die nationalliberalen Redner und Zeitungen in dem einen Wahlkreise sagen: „Wir haben auch die vorteilhaften Drittelungsbezirke sowie das Zusammengehen mit den Konservativen und der Regierung I gerettet!"— und in dem anderen Wahlkreise I werden sie sagen: „Wir sind unentwegt geblieben I tn der Verteidigung der VoltSrechte; wir haben! sogar den angebotenen Parieiprofit abgelehnt, um I die Forderung der direkten Wahl und die Fühlung mit der Linken aufrecht zu er batten!'
So treibt man Politik ä deux mains, wie der I Franzose sagt, mit zwei Händen. Oder mit doppel-1 tem Boden.
Ebenso wie vorher der Vater unb die Schwester toac er beim Anblick Hildebrandts betroffen stehen oe= blieben. J
.Du hier — Onkel?"
Edith trat rasch auf ihn zu.
: »Gut, daß bu kommst, Thankmar, sage du dem
1 Walböw^weißt.""°" meinCn d^ehungen zu Lucian 1 ®an3 kurz teilte sie bem Bruder mit, was vorher . gegangen toar unb wie Hildebrandt sie in niedriger ; Weise verdächtigt hatte. B
Da schwollen die Adem auf Thankmars Stirn d-ck an, und unwillkürlich ballten sich feine Hände
"Ah, das fft doch stack! Das ist unerhört'" stieß er hervor. „Glücklicherweise, liebe Edith, bin ich aber m der Lage, dir eine interessante Mitteilung zu ma- bir Cnfel$ Verhalten erklärt werden Ms» vor einer halben Stunde ungefähr traf K Waldow, der mir erzählte, daß er gestern seine' Verlobung m.t unserer Kusine Matthä gelöst habe, weil sich ihm bei dem Mißerfolg seines Schauspiels deren Eharatter in wenig schöner Weise gezeigt hat"
Er sah die Schwester lächelnd an.
k ”Un 6bu glänzend gerecht-
ferhgtl Unb Onkels Besuch war gänzlich überflüssig! Eigentlich ist es sehr schmeichelhaft für dich, daß sie dich jo furchten!
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Edith stand schweigend da: nur ein tiefer Atemzug M cher Brust. So bald schon hatte sie Genugtuung bekommen! H H
Thankmars Lachen reizte den alten Hildebrandt mehr noch, als dessen Wotte.
In seiner maßlosen Wut erging er sich in heftigen Schmähungen über die Verwandten. 8
„Bettelgesellschaft" — „Streber" - „Bankerotteur" — alle möglichen Beleidigungen entfdjlüpften dem Gehege feiner Zähne. Er achtete nicht der Einwürfe de? Schwagers; er schrie ihn förmlich tot und fuchtelte in der Lust herum, bis ihn Thankmar kurz entschlossen eft am Arm packte und ihm laut und energisch: Lall nicht weiter!" gebot. ' j
iJJÄ Wochenbett«?«: „Illustrierte Sonntagsjcitung“
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Mon-trbeiiage: „Zuldaer Geschichtsblätter"
»BSStgee: We et» spalttgepetitzeile oder deren Rmu* 15 pfg. «eklamendiePetttzeUe 25 pfg.> bei Wiederholungen wird entfpr.
Uabatt gewährt.
Uotatfonrdrncklmd Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Zulda Lernsprecher Nr. 9.