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lllittraod) »en 25. Ma! (910.
57. Jahrgang.
* fuldaer W Zeitung •
2. Blatt.
»tu» und Verlag der zuldaer Attiendruckerei in Znlda.
wir einen Staatsgerichtshof hätten, so könnte er. in
Reklame»« und Anzeigenteil.
unterlügen und vielleicht würden ganze Wahlkreise vier Wochen lang „unter Schnaps gestellt". Es müsse darum jetzt schon die Organisation ausgebaut und besonders die Zentrumspresse verbreitet werden- Er hoffe, daß in Mainz die rote Fahne wieder heruntergeholt werde.
geben habe. Hätte man die von Bülow hinterlassenen 240 Millionen Schulden nicht abzutragen, dann stünde man 1911 brillant da; er hoffe indessen trotzdem auf die Erhaltung des Gleichgewichts. Bei der nüch- stenReichStagswahl werde das Zentrum einen Kampf zu bestehen haben wie nie zuvor. Die verbündeten Gegner würden das Blaue vom Himmel her-.
finanzreform zu sprechen. Sie sei gelungen und könne sich sehen lassen, wie auch schon von vielen Gegnern, hervorragenden Personen und Handelskammern anerkannt sei. Zum erstenmal seit 10 Jahren schließe der Etat ohne Fehlbetrag ab. Er könne schon heute mitteilen, daß der Etat 1909 nachträglich einen Ueb erschuß von 100 Millionen Mk. ei
nen Teil der gefundenen Schätze schon im ersten Jahr so viel, daß sie 200 Prozent Dividende zahle. Wenn
Aus ttirche und Schule.
X Montabaur (Nassau), 23. Mai 1910. In der Klosterkirche der Barmherzigen Brüder fand gestern wieder die erhabene Feier der Auf. nähme von mehreren Novizen in die Schar der Mitglieder dieser Ordensgenossenschaft statt. Eine Anzahl von Verwandten und Freunde der jungen Ordensleute, die von nah und Fern hierher gekommen waren, wohnte der Feier bei und nahm an dem Glücke dieser jungen Männer teil, daö aus ihrem Auge leuchtete, da sie zum erstenmale das OrdenZgewand der Barmherzigen Brüder, dieser besonderen Betätiger der christlichen Nächstenliebe, tragen dursten. Eine statt, liche Reihe von Brüdern legte in die Hand des bischöflichen Kommissars die ewigen Gelübde ab. Möge es diesen opferfreudigen Seelen vergönnt sein, noch recht viele Jahre im Dienste dec leidenden Menschheit zur Ehre Gottes wirken zu können.
I Versammlung Abg. Erzberger. Manches von dem, was er ausführte, darf besondere Beachtung beanspruchen. Ueber den neuen Reichskanzler sagte er, eS fei ihm nicht vergessen, daß er für Preußen ein Wahlrecht schaffen wollte, das genau das Gegenteil darstelle von dem, was das Zentrum wollte. Bethmann Hollweg scheine dabei einen Rückfall ins Blockzettalter gehabt zu haben. Das Zentrum werde ihn aber objektiv würdigen- DerLibe - ralismuS sei gegenwärtig übel daran, und immer, wenn es ihm schlecht gehe, sehe er sich nach einer Filiale um; zurzeit seien solche der Hansa- und der Deutsche Bauernbund. Der Hansabund und alle sonstigen „Filialen" hätten nur den Zweck, dem Liberalismus bei den nächsten Reichstagswahlen in den Sattel zu helfen. Daraus ergebe sich auch die Stellung des Zentrums zu ihm Bassermann habe es. durch seine Komplimente gegenüber den Sozialdemokraten ja schon ■ verraten, daß man sich gegen das Zentrum sogar m i t den Roten vereinigen wolle. Die Keime des „Großblocks" feien immer deutlicher bemerkbar; das müsse man schon jetzt den Wählern sagen. Dann aber sei es mit der Hilfe des Zentrums für die Liberalen endgültig vorbei. Bei der Besprechung derMarine- frage führte Abg. Erzberger aus, es müsse jetzt bedeutend mehr gespart werden. Was man früher einer kleinen Marine geben konnte, gehe bei einer großen nicht an. So z. B., daß ein junger Kapitänleutnant sich 6—8000 Mark jährlich vom Gehalt ersparen könne und Tagegelder bis zu 75 Mack gezahlt werden- Dann kam Erzberger auf sein „Duell mit Dernburg" in der Diamantensache zu sprechen. Der Kampf fei noch nicht zu Ende; er habe erst begonnen. Er frage, ob das deutsche Boll es wisse, daß die Leute, die in Südafrika Millionäre wurden, feine Steuern zahlen? Ueber seinen Antrag, daß alle, die in Südafrika über 300 000 Mack Vermögen erworben haben, 20 Prozent der Kriegslasten zahlen sollen, auf Jahre verteilt, schrie man Zeter und Mordio. In England habe man ohne Widerspruch Transvaal 600 Millionen Kriegskosten auferlegt und dazu die Goldminen besteuert. In Indien habe es England ebenso gemacht. Dabei verdiene die Diamantengesellschast an einem klei-
unter der schärfsten Mißbilligung des Hereinziehens katholischer gottesdienstlicher Kulturgewänder, daß, wenn er das geahnt, er fein Haus nicht beflaggt, sondern die Fenster geschloffen und die Rouleaux herabgelassen hätte. WaS mich und meine Umgebung ganz speziell abstieß, war die Art und Weise, wie in dem historischen Festzug und in der Vorführung der einzelnen Stände die katholische Geistlichkeit behandelt wurde. Die drei Vertreter derselben erschienen in voller gotteSdien st kicher Kletdurtg, tote der katholische Geistliche sie ausschließlich am Altäre bei _______ ___ ,_____ _______
der hl. Messe trägt, also mit Albe, Manipel und Meß-1 Dernburg mit der Kolonialgesellschaft geschloffene Ver- gewand angetan. Was hat diese Kleidung, die der I trag ist ungültig. Wenn der Reichstag überhaupt noch katholische Priester bei der gottesdienstlichen Feier I etwas sein wolle, müsse er sich dieser Erklärung anträgt, in einem solchen weltlichen Gewühl von Men-1 schließen. ES fei bedauerlich, daß im eigenen Partei- schen und nachher in dem Treiben des Wirtshauses I lager sich Stimmen gegen Beseitigung einer gesetzes-, zu tun? Ein höherer Staatsbeamter sprach uns gegen-1 sinn- und verstandwidrigen Wirtschaft erheben. Wenn über seine Genugtuung aus, daß die „Nürnberger I er, Erzberger, wirklich einen Fehler gemacht Vollszeitg." dies sozialdemokratische Treiben energisch I hätte, dann wäre er in der Fraktion auszutragen gerügte. Dieser Beamte war hierbei in höchster Ent-1 wesen, nicht in der „Kölnischen Volkszeitung". Denn rüstung und fügte bei, daß auf katholischer Seite auch I sie fei nicht Regent der Zentrumsvartel- Er habe aber darüber speziell große Empörung herrsche, daß diese I keinen Fehler gemacht, sondern nur im Auftrag der Männer nachts noch mit Albe und Meßgewand bellet-1 ganzen Fraktion gebandelt, und diese habe sich auch bet mit ihren Frauen nach Hause gingen- (Die Aus-1 nachträglich nicht einmal mit der durch die „Köln, rede, diese priesterliche Kleidung sei historisch, ist lä-1 Vztg." aufgebauschten Sache befaßt. Er könne ver- cherlich. Sie wird jeden Tag noch getragen.) Diese I sichern, daß das deutsche Volk über die Kolonialwirt- brei Männer in voller priesterlicher Kleidung stießen I schaff aufgeklärt werde durch eine Menge von Broschü- um so mehr ab, als der Festzug anfangs lange Zeit I ren, nicht nur von ihm, sondern auch von hervorragen- stockie und Unterbrechungen hatte und selbst die kostü-1 den Staatsrechtslehrern, die derselben Meinung wie mietten Teilnehmer des Zuges an den verschiedenen I er seien, so Professor Anton in Jena und Stengel in Wirtschaften hielten, und der Maßkrug in abstoßender I München. Abg Erzberger kam mm auf die Rei ch s- Weise zirkulierte, und aufdringliche Damen an den Fenstern andauernd in übertriebener und abstoßender Weise angejubelt wurden. Und in diesem Milieu °an” btti Personen in Albe, Manipel und Meßge- toanb. Das ist ein Unfug der gröbsten Art. (Auch "er 'n der Ordenstracht eines Kapuziners im Zug mttfdjrettenbe Eremit, der einen Esel am Strick führt, ift dem Volke nicht verständlich.) — Man sieht an diesen Langen, welcher Geist in den sozialdemo- rrattfd)en 83ergnügungg|>ereinen, selbst in Gesangvereinen, herrscht, die äußerlich sich unschuldig stellen, um Unerfahrene einzufangen.
= 22. Mai 1910. Gestern abend sprach
hier nn „Frankfurter Hof" in gut besuchter öffentlicher |
Aus dem Nachbargebiete.
* Geisa, 22. Mai 1910. Auf der feit einem Jahre in Betrieb befindlichen Bahnstrecke Tann- Geisa verkehrt vormittags nur der um 7 Uhr in HilderS abgehende und um 7.56 in Geisa eintreffende Zug. Gegenwärtig zirkuliert nun bei der hiesigen Einwohnerschaft eine Petition an die Handwerkskammer zu Weimar, die E senbahndirektion Erfurt zu veranlassen, daß ein etwa zwischen 9—10 Uhr vormittags hier eintreffender Zug im Winterfahrplan eingeschoben wird. Da bei der Festlegung der Züge ein zweiter Vormittagszug in bestimmte Aussicht genommen war, hofft man sicher auf Erfüllung dieser Bitte.
* Volkmarsen, 24. Mai 1910. Bei der Verpachtung der hiesigen Jagd an eine hiesige Jagdgesellschaft wurde der außerordentlich hohe Preis von 3800 Mark erzielt.
heikle Sache, den Zweck meines Besuches vorzubringen; das hatte ich mir leichter gedacht!"
„Ich wollte mal sehen, wie es euch geht", sagte er dann etwas verlegen. „Ihr seid nun so allein, ohne die Mutter. Die arme Lina, — daß sie so schnell dahin mußte —"
„Ja, sie fehlt uns sehr," entgegnete Herr Bückner traurig.
„Was wird denn nun aus Thankmar?"
„Der geht in einigen Tagen nach Leipzig."
„So? Also wird er doch studieren? Hm, hm —" Eine kleine Pause trat ein.
Mit mißtrauischen Blicken beobachtete Bürkner seinen Schwager, der doch sicher nicht bloß deshalb gekommen war, um fein nochmaliges Beileid auszu- fprechen und zu erfahren, was Thankmar unternehmen würde.
Da trat Edith ins Zimmer, einen forschenden Blick auf die beiden Männer werfend.
Sie war gewöhnt, den Dingen klar auf den Grund zu sehen. Deshalb fragte sie geradezu:
„Run, Onkel, du hast sicher ein Anliegen an uns, sonst wärest bu doch wohl nicht gekommen? Sag also was dich zu uns führt."
Durch diese so geradeheraus gesprochenen Worte wurde der alte Hildebrandt etwas gereizt. Seine cholerische Natur ging mit ihm durch und er vergaß daß seine Frau und seine Tochter ihm Schlauheit und diplomatisches Vorgehen anempfohlen hatten Nun ging et geradewegs auf sein Ziel los
.Ja, bu hast recht, Edith," ertoiberte er, „und gerade an dich habe ich eine Frage zu stellen "
„Nun, bitte —"
„Du flehst und sprichst gewiß Herrn Waldow öfter?"
Ein kühl verwunderter Blick streifte ifin.
.3ch? Wie sollte ich? Wie kommst du darauf? Im übrigen kann es euch doch ganz gleich sein, wen ich sehe und treffe!"
„Nun, in diesem Falle doch wohl nicht!" rief er heftig.
„Und warum nicht, wenn ich fragen darf? Was habt ihr für ein Interesse daran?"
Ausland.
* Großes Aufsehen erregte das Verhallen König Viktor Emanuels bei der Zentenarfeier der Unabhängigkeit Argentiniens im römischen Capitol. Professor Ferri, einer der Führer der italienischen sozialistischen Partei, hielt die Festrede. Als Ferri nach Beendigung der Rede den Katheder verließ, schritt der König auf Ferri zu und schüttelte ihm die Hand und fpiach ihm seinen Beifall aus. Ferri war früher extremer Sozialist und wird wegen seiner Mauserung nach rechts von der Partei sehr angegriffen.
* Das belgische Königspaar wird nach einer offiziösen Nachricht aus Brüssel noch vor Ende dieses Monates dem Berliner Hose einen Besuch abstatten.
Marktbericht
' Frankfurter Getreidemarktbericht vow 23. Mal. Am heurigen Markte war die Stimmung sehr flau. Landweizeu wurde kaum gehandelt, der Konsum zeigt sich äußerst zurückhaltend, die Notierungen sind nur nominal. Roggen ist bebaupiet. Gerste ohne Handel. Hafer stark angeboten, bei unveränderten Preisen; gute Ware gesucht. Ausländische Brotfrüchte ruhig und flau. Es notieren je nach Qualität: Weizen, hiesiger und Wetterauer 20.00 - 20.50 Mark, auf dem Lande abgeholt 00.00—00 00 M , kurhessischer 20.00—20 25 Mk. norddeusscher 20.00—20.25 Mk., russischer Nicolajeff 21.75 -22.75 ®t, Saxonska 00.00—00.00 M., Ulka 00.00-00.00 M., Azima 23.25—23.75 M., La Plata 20.75 -21.75 Mk., Aumän. 00.00-00.00 Mark, Walla Walla 00.00—00.00 M. — Roggen, hiesiger, 15.60 bis 18.80 Mk., auf dem Lande abgeholt 00.00—00.00 Mark, Pfälzer 00.00-00.00 M. — Gerste hi es. 00.00 bis 00.00 M., Pfälzer 00.00- 00.00 M., fränkische 00.00-60.00 M., Riedaerste 00.00—00.00 M„ ungarische 00.00- 00.00 M-, russische Futtergerste 00.00-00.00 M. — Hafer, hies. und Wetterauer 15.00—15.75 Mk., kurhessischer 00.00-00.00 M., dayer. 15.00—15.75 Mk,. russischer 00.00-00.00 M. — Mais (Mixed) 00.00 bis 00.00 M., Donaumais 16.25—16.50 M., La Plata 16.00 bis 16.25 Mk., Odessa 00.00-00.00 M., rusf. 16.40 bis 16 60 M. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: flau. — Es notieren nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 28.75—00.00 Mk., füdd. Nr. 0; 0.50-1.00 M.höher, hiesiges Nr. 100.00 -00.00 M., süddeutsches Nr. 1 00.00 - 00.00 M., hiesiges Nr. 3 00.00 - 00.00 M., süddeutsches Nr. 3 00 00—00.00 M., hiesiges Nr. 4 00.00-00.00 M., süddeutsches Nr. 4 00.00—00.60 M. — Roggenmehl, hiesiges,Nr. 0 23.00 bis 23.50 M., do. Nr. 1 20.00—20 50 M., do. Nr. 2 00.00-00.00 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack lokohier. Futtermittel: rubiz. — Weizenschalen 10.50 bis 00,00 M., Weizentteie 9.75—10.00 M., Roggenkleie 10.00-10.50 M., Weizen-Futtermehl 12.75—13.50 M., Biertreber, getrocknet, 12.60—13.25 M., Malzkeime 00.00-60.00 M-, Rapskuchen 00.00—00.00 M., Palmluchen 00.00-00.00 M. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10000 Kilo.
Eingesandt.
Für Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redaktion n u r die preßgesetzliche Verantwortung.)
In einer Notiz: „Krieg den Mücken!" sor derte die ,Fuldaer Zeitung' gestern auf zum Kampfe gegen die blutsaugenden Peiniger. Dieser Aufruf gibt Veranlassung zu einem Hinweis auf den Schlammteich, den man gegenwärtig im Schloßgarten zu sehen Gelegenheit hat. Bekanntlich wird der Schloßgartenweiher von der Waides aus gespeist, diese aber erhielt in den vergangenen niederschlagsreichen Monaten einen ziemlich bedeutenden Zusatz von Mistjauche, so daß das Stauwasser im Waidesgraben unterhalb des Siechenhausgartens ein ertragreiches Mistbeet für die Mückenbrut zu geben verspricht. Gewiß eine nette Aussicht lür Spaziergänger und Tennisspieler in unserem schönen Schloßparke! Einer für viele.
dieser Sache nur ein Urteil fällen, nämlich: Dernburg ist für olle Zeit unfähig, eine staatliche Stelle zu bekleiden wegen Verschenkung von Staatseigentum. Das habe Dernburg getan, ohne Reichstag ober Bundesrat zu fragen. Gegen Verfassung, Gesetz und Recht habe er Strecken, größer als Deutschland, deren Wert noch gar nicht zu schätzen fei, bergeschenkt einer früher geübten Tradition gemäß. Er (Erzberger) kündige heute schon an: Der von
tburg mit der Kolonialgesellschaft geschlossene Ver-
- Kinder- Hervorragend bewährte mehl Nahrung.
Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei ^Kranken. leidBn nicht an kost Verdauungsstörung.
In ihrem Aerger und in ihrer Wut hatte Martha gar nicht daran gedacht, daß sie sich hierdurch nur vor der verhaßten Kusine eine Blöße gab
Denn auf diese Weise erfuhr Edith am schnell- & 8ud0n <8 toar' ber bic Verlobung gelöst
Wenn auch Marthas Vater das nicht sagen würde reimen”^ b’e Sa$Iafle immerhin zusammen-
Martha war jedoch so verbissen in den Gedanken bie ffufineJet an allem schuld, daß sie gar nicht weit» dachte und überlegte - entgegen ihrer sonstigen, berechnenden Art! '
13.
Edith war sehr verwundert, als sie in dem Ein- ber bet ihnen geklingelt hatte, Herrn
Hildebrandt erkannte. *
9nf£[* Was führt denn dich zu uns?"
„Ist dem Vater schon zu Hanse?"
„Ja, er ist soeben gekommen," entgegnete Edith bie Tur zum Wohnzimmer öffnend. „Tritt ein bitte. '
Dann ging sie In die Küche und nahm schnell da« Mittagessen vom Feuer, sich dabei den Kops zerbrechend, WaS der Onkel wohl wollte, daß er den Wea zu Ihnen gefunden- H
Gutes sicherlich nicht! Deshalb beeilte sich Edith um bald ins Zimmer zu kommen und zu hören, was da gesprochen wurde.
Mit ebensolcher Verwunderung, wie Edith ihren Onkel begrüßt, wurde Herr Hildebrandt auch von Herrn Bürkner empfangen, ber am Fenster saß und bie Zeitung las.
Er stand beim Eintritt seines Schwagers auf.
»Run, Schwager, was verschafft uns die seltene Ehre deines Besuches?"
Der Angeredete sah sich im Zimmer um.
Der Tisch war schon gedeckt, und es sah alles sehr auber und ordentlich aus, wenn auch bie Mutter ehlte.
„Hm," dachte Herr Hildebrandt, „es ist doch eine
„Ich verstehe nicht, Schwager, was du eigentlich . willst," toarf jetzt Herr Bürkner ein.
„Das glaube ich dir gern Karl, daß du nichts davon verstchst! Aber umsomehr versteht deine Tochter davon."
„Ich? Inwiefern?" fragte Edith ungeduldig. „Aber, bitte, Onkel, fass: dich kurz! Ich habe keine Lust und keine Zeit, Rätst! zu lösen! Ist euch vielleicht euer Schwiegersohn abhanden gekommen, und soll ?ib euch suchen helfen?"
Bei dieffn Worten lächelte sie ein wenig, wodurch der Onkel noch gereizter wurde; er vergaß jetzt jede Vorsicht
„Na, weißte, Edith, du hast es am allerwenigsten nötig, dich aufs hohe Pferd zu setzen! Du kannst doch nicht leugnen, daß du ein Verhältnis mit Waldow gehabt hast irnd das gar noch fortsetzest —*
, $$08 sagst du da, Schwager?" rief Herr Bürkner zornbebend aus. „Auf der Stelle nimmst du diese schnöde Verdächtigung gegen mein Kind zurück!"
Besänftigend umfaßte das junge Mädchen den Vater.
„Sprich du fein Wort, lieber Vater, höre mich an- Ich verteidige mich selbst. Du sollst dich nicht aufregen und an jenen Mann dort auch nur noch ein Wort verschwenden!"
Dann wandte sie sich an den alten Hildebrandt und sagte in verhältnismäßig ruhigem Tone, obgleich alles in ihr wegen des ihr angetanen Schimpfes in Aufruhr war:
„Vor allem, Onkel, bitte ich dich, in deinen Ausdrücken etwas vorsichtiger zu sein, wenn du nicht willst, man zeigt dir, daß wir uns in unserer Wohnung nicht beleidigen lassen! So, und nun will ich dir den Sachverhalt sagen. Bitte, unterbrich mich jetzt nicht Also ich toar Waldowö heimliche Braut; mein Bruder wußte darum — auch Martha wußte es, da ich eS ihr cmge- bcutet hatte! Aber trotzdem entblödete sie sich nicht sich um Waldow zu bemühen, was ihr ja auch gelungen ift; denn Waldow hatte viele Schulden, sodaß er keinen ?>lat mehr wußte. Sonst hätte er nie heran gedacht, dein Schwiegersohn zu werden!"
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
)( Die Nachfolgerschaft des Kulturkämpfen» Dr. Hieber im Reichstage wird den Nationalliberalen anscheinend noch mehr Sorgen machen als die in Büdingen-Friedberg für Oriola. Dr. Hieber, ber sein Mandat wegen seiner Beförderung in ein höheres würitembergisches Schulamt niederlegen muß, war nur gewählt worden, weil man mit ihm — er war 2. Vorsitzender des Evangelischen Bundes und ein sehr streitbarer Herr — an die protestantischen Instinkte des fast ganz protestantischen Wahlkreises appellieren konnte. Jetzt aber, bei der Nachwahl, kommt die sozialdemokratische Macht des Überwiegend industriellen Wahlkreises Cannstatt-Ludwigsburg zur Geltung. Bei den Hottentottenwahlen siegle Dr. Hieber trotz der Auspeitschung aller „nationalen" Wähler mit 18787 gegen 15488 Sozialdemokraten. In diesen 18787 Hieberschen Stimmen waren auch die der wenigen Zentrumsleute und außerdem 2795 freisinnige Stimmen enthalten. Von diesen hängt nun ber Ausgang der Wahl ab, und diese Machtstellung benutzte ber Freisinn, um durch Ausstellung eines eigenen Kandidaten unter Ankündigung ber Zurückziehung seiner Kanbibatur für ben Fall ber Aufstellung eines linksstehenden nationalliberalen Kandidaten einen Druck nach links auf die nationalliberale Partei auszuüben. Unter diesen Umständen sind bie sozialbemokratischen Aktien natürlich kräftig gebessert worden.
** Skandalöses aus Nürnberg. Der unerhörten Kränkung beS religiösen Gefühles der k ath o l i s ch en Bevölkerung Nürnbergs durch ben Festzug am Pfingstmontag anläßlich des soz i ald em o k r a t. Sängerbundesfestes ist hier zum Teil bereits Erwähnung getan. Zur Ergänzung fügt ein Mitarbeiter ber „Augsb. Postztg." folgendes hinzu: Schreiber dieses hat ben Zug aus nächster Nahe genau 1 betrachtet, und ich wie meine Umgebung waren entrüstet und empört. Eine Frau aus den besseren Ständen, die neben mir stand, erklärte, wenn dagegen kein Protest in der Presse erscheine, werde sie selbst zur Feder greifen. Ein Fabrikbesitzer erklärte mir
Gottesdienstor-nung in Hulda.
(Katholischer Gottesdienst.)
Donnerstag, 86. Mai. (Fronleichnam.) Dout 5, 6 und 7 Uhr hl.' Messen, 8 Uhr Pfarramt U)lb Bretz igt, ' ,10 Uhr Umgang und Bischöfl. Hochamt, 12 uhf hl. Messe, V,2 Uhr Andacht, 4 Uhr bischöfl. Vesper. — Stadtpfarrkirche. */,6 Uhr Helt. Messe und Predigt, */,7 und 7 Uhr hl. Messe, 8 Uhr Amt und Predigt, *A10 Uhr Festpredigt und Hochamt, 3 und h-8 Uhr Andacht. — Pfarrkirche zum hl. Geiste. 8A7 Uhr Austeilung der HI. Kommunion, 7 Uhr Frühmesse, 8 Uhr Amt und Predigt, 5 Uhr Andacht mit Segen. — Frauenberg. (Ablabtag für alle Gläubigen.) Heilige Messen von 5 (mit Maiandacht) bis 7 Uhr, 8 Uhr Rosenkranzmesse, 9 Uhr feiert. Amt mit Aussetzung. Rachm. 2 Uhr feiert Vesper mit sakrament. Segen.
Edith Büttners Liebe.
SO] Roman von Fr. Lehne.
„Dein Skat ist wohl deine Hauptsorge, Papa?" rief Martha empört. „Wie kannst du nur an solche Nebensächlichkeiten denken, da mein Glück und mein Ruf auf dem Spiele stehen. Beeile dich, Papa, daß bu noch hinkommst, ehe Lucian ausgeht. Und hörst du, fühle ihm wegen Edith mal auf den Zahn. Nein, tue das lieber nicht — sonst wird er stutzig und warnt sie am Ende. Das muß Onkel auf jeden Fall zu wissen kriegen I *
Die Zeit, biS ihr Vater wieder zurückkam, schien Martha eine Ewigkeit — und doch waren noch nicht dreißig Minuten verstrichen.
Seinern Gesicht sah sie sofort an, daß er keine tröstliche Nachricht brachte.
Er zuckte die Achseln.
„Nischt zu machen! Lucian ist zu sehr beleidigt. Auch sieht er ein, daß bu nicht zu einer Künstlerfrau paßt, wenn bu bei jedem Mißerfolg so nervös btftl Na, er hat dir jo alles schon geschrieben, da brauche ich feine Worte nicht zu wiederholen. Da hast bu bit selber eine schöne Suppe ein gebrockt, Marthchen; nun mußt bu sie auch auscffen!"
Erregt sprang sie da auf.
„Natürlich!" rief sie mit wutbebender Stimme auS, „natürlich, nun trage ich die Schuld, die auf ganz anderer Seite zu suchen ift! Ich, an deiner Stelle, Papa, würde mal zu Onkel Bürkner gehen — gleich an die richtige Adresse — und ihm über feine Edith ein Licht aufstecken!"
Fast fieberhaft drängte sie ihren Vater dazu, um bi< Mittagsstunde zu Büttners zu gehen, wenn er nicht wolle, daß sie krank würde.
Auch Frau Hildebrandt redete ihrem Manne zu itnb drohte, eventuell selbst zu gehen, bis er seufzend nach gab und sich auf den Weg zu seinem Schwager machte, nachdem er vorher noch genügend Instruiert worden war.
Gotterdienstordmmg in Kassel. Fronleichnam, 26. Mai.
Kaffek-Akt. Pfarrktrch e zur hl. Elisabeth Friedrichstraße 16): Wie am Sonntag.
b. Pfarrkirche ;ur hl. Familie (kölnische Straße 53, nahe beim Hauptbahnhof): 6'/, Uhr hl. Messe mit Austeilung der hl. Kommunion, 8 Uhr hl. Messe mit Predigt und Kommunion, 9'/- Uhr Hochamt mit Diakonium. Nach demselben Fronleichnams« prozession in der Pfarrkirche. 11'/- Uhr hl. Messe mit Predigt. Rachm. 3*/« Uhr Segensandacht (nicht 71/« Uhr wegen des weltlichen Pfarrgemeindefestes im Stadtpark). — Freitag abend 8 Uhr Sakramentspredigt und Andacht. — @ am8 tag abend 8 Uhr Sakramentspredigt und Andacht.
Kaffek-Wehlheiden. Pfarrkirche St. Marien (Rosenkranzkirche am Neumarlt): Wie am Sonntag.
Kaff.l-Rothenditmold. JosephSkirche (Bellmarsche Straße 32): Wie am Sonntag.
Kassel-Bettenhausen. 51/< Uhr Frühmesse, 9 Uhr Hochamt und Predigt, 2 UhrFronleichnamsandacht.