Erstes Blatt
M 112
Fnlda, Donnerstag den 19. Mai 1910
37. Jahrgang
gegen eine große Mehrheit abgelehnt.
b) BeW z der Fachzeitschrift
Der
Halbleib Wien die Anregung für recht erwünscht,
Sragen des Jogeudschutzes, der chmutzliteratur und dem Kampf
Herr Halblech Siadtverordneten-Vorsteher war, von diesem verwirklicht war, im Laufe der Jahre aber sei in-
Lrfthrrät liigNch mit Ausnahme der So;m= u»d Feiertage, vierteljährlicher vezugrpreir ohne vringerlohn und vesteLgeldinZuldas»- wie auswärts f.50 Ml.
Verantw. Redatteurr
Lark Schütte;
vtr et» fpaltige petttzell« »der deren Raum ;8 pfg. RMamendrePetitzeilr 25 Pfju brr Wiederholungen wird entfpr. Rabatt gewährt.
üotatiourdruckund Verlag der Fuldaer A- tiendruckerei io Fulda Fernsprecher Rr. 9.
Miuürtxiiag«: „Fuldaer Geschichkblätter"
HoenSbroech, der Exjesmt, in einer Volksversammlung die biederen Thüringer in ihrer „amirömischen" Angst noch gruseliger machen durch einen Vortrag über .den alten und den neuen Kulturkampf".
folge der AnSdehmmg der Sitzungen dir Zahl der Teil, nehmer immer kleiner geworden. Herr .Halbleib betonte noch den günstigen Einfluß aus die Klärung bei Urteil« durch die neuein geführten gemein sch afüuhen KommMoneu an« Mitgliedern de« Magifirrits und der Aadtoerortmetenoersammlung.
3. Plan nod Kostenuachweis über die örtliche Bür- geritciuturfege am Abtstor »en der Wilhelmtzraßc bi« Mm Haus Kömigftraßr Ar. 1 und Heran-chchung d« Anlieger zu den Kosten gemäß 8 9 d. K. A. G. Rach dem Bericht des Her« Reith belaufen stch die Kasten auf 1045 ÄL, aus den Quadratmeter entfallen 6,25 Mark. Zu dm Kosten werden die vier Anlieger anteilig herangezogen.
4. Anstellung «nee Lehrerin an der dsrnpfarrlichen Mädchenschmle und Bewilligung der Mittel. Es liegt ein Ragistratscmtrag vor, an der dompfarrlichen Schule eine neue Lehrerin anzustellen, und dafür die Mittel zu bewilligen. Der Referent, Stadtverordneter Vollmer führt ans: Es hat sich bei der Reuauf- nahme der Schulkinder ta diesem Jahre he rausgestellt, daß die jüngste Mädchenklaffe an der bom= wie an der stadtpfarrlich«! Schule so groß geworden ist, daß eine Testung eintreten muß. Die Ortssctmlinspektivn hat auch schon in Ausficht gestellt, daß für 1911 81 Mädchen für die 8. Klaffe zu erwarten find. Wen» das für 1911 vorausgefagt werden kann, dann hätten die zuständigen Stellen dies gewiß auch für 1910 so zeitig mitteilen können, daß bei der Etstberatung für dieses Jahr einem entsprechenden Antrag hätte Rechnung getragen werden Wunen. Jetzt find wir genötigt, eine neue Lehrerin einzustellen, obwohl im Etat dafür keine Mistel vorhanden find. Die Klassen müssen geteilt werden. Da wir keine Mittel haben, ist es begreif- l«h, daß der Magistrat verfticht, statt mit zwei neuen Kräften mit ein et auszukommen, also nur eine neue Klaffe zu schaffen. In dieser gemischt-n Klaffe sollte der überschüssige Test der Kinder aus den untersten Klaffen der b e i d e n Schulen unterrichtet werden. Dir übrigen sollten m dem betreffenden Schuldstem bleiben. Dann würden in jeder Klcche etwa 50—60 Schülerinnen sein. Dieser Weg War jedenfalls gangbar asb hatte auch die Zustimmung des Herrn DompfarrerS gefunden, aber nicht die des Herrn StadtpfarretS. Dieser machte zwei Einwände: Zunättffr würde daimrch der erste Schritt zur Durchbrechung des Pfarrsckul-
nur verwischt. — Der Antrag wird angenommen, soweit er die neuen Sitzgelegenheiten betrifft, im übrigen
Sta-tveror-uetrn-versarnnllsug.
A Fulda, 19. Mai 1910.
An der gestrigen Sitzung der S labtet ro ebneten nahmen 25 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch Herrn Beigeordneten Halbleib ber- treten Den Borfitz führte Herr Stadtberordneterwor- steher Gegenbaur-
1. Amtsniederlegung des Stadtverordneten Simm«. Der Borfitzende führt aus, er habe eine Mitteilung de» Herrn ©immer erhalten, glaube aber, es verantworten zu können, wenn er sie noch nicht offiziell bekmmtgebe, da er hoffe, daß Herr Simeier sich noch entschließen werde, von der Weiterverfolgung feines beabsichtigten Rücktritt Abstand zu nehmen. Er würde bedauern, wenn der Vorfall, der, wie es scheine, Anlaß zu dieser Trtlarnng gegeben habe, Herrn Srmmer wirstich ernstlich und dauernd bestimm«! sollte, sein Mandat nieder- znlegen. Die günstigen Erfahrungen, die er bei einem früheren ähnlich gelagerten Fall gemacht habe, ließen ihn einen gleichen Erfolg erhoffen.
2. Anträge des Vorstandes der Stadtverordnete«. Bersammlnng. a) Ausstattung d e« Sitzung»- saale 8. Herr Fritz legt dar, daß, wenn bei der diesjährigen Volkszählung eine Einwohnerzahl von über 20000 festgestellt werde, künftig 36 statt 30 Stadt- verordnete zu wählen seien Es werde dann nötig, weitere Sitzplätze iw Sihunassaale zu beschaffen- Der Borstand beantrage daher, den Magistrat zn ersuchen, der Versammlung hierüber eine« Voranschlag, Zeichnung usw. zngehen zu lasten Ferner halte der Bor- stand die Restaurierung des Sitzungssaales für notwendig. Aach hierüber sollten em Voranschlag uni Vorschläge vorn Magistrat erbeten werden. — Der Vorsitzende betont, daß es sich nur darum handele, Vorschläge zu erbeten; die Tapeten bedürften der Erneuerung und vielleicht auch der Anstrich de» Holzwerkes — Herr Schwarz meint, das habe noch Zeit; für Geldausgaben sei keine Stimmung in der Ser» sammlung vorhanden. Vorerst fei die Ausgabe eine Luxusausgabe, die man spater machen könne, warn bessere Verhältnisse herrschten. — Herr Trabert ist derselben Ansicht; bei einer Neuausstattung des Saale- muffe auch die Decke einen neuen Anstrich erhalten. — Herr Rübsam, der ebenfalls gegen die Ausgabe ist, Mt es fegar für sehr hübsch, daß der Saal etwas ver» knaucht ausfieht. Dnrrb eine Renovierung werde der alte anheimelnoe schlvßartige Eharakter des Saale-
nach gesellschaftlichen und politischen Rücksichten verhindert. Zur rechten Zeit griff hier Amtsgerichtsrat Jastrow ein- Sein Antrag, die Beratung und Be- schlußsaffung über die Anstellung der Assessoren zu vertagen, wurde angenommen.
* Der Gesamlverband der evangelischen Arbeiterverein; Deutschlands hält eine Bertreterversa -imlung in Elberfeld ab, wo der Ortsverrin zugleich sein Sildersubitünm feiert. Der Regierungspräsident von Düsseldorf überbrachte Grüße des Reichskanzler?, des Staatssekretärs des Innern, des preußischen Ministers des Innern und des Oberprafidenten ber Rhein Provinz.
•* Der Bund der deut scheu Berkehrsvernne nahm in seiner Versammlung zu Braunschweig mehrere Resolutionen an bett, die Abschaffung der Fahrkartensteuer, Hebung des Fremdenverkehrs und Einheitlichkeit des VerkebrSgebiels des Deutsche« Reiches.
* Ein Delegierteiltag des deutschen Werkmeisterverbandes m Hannover beschäftigte sich mit dem Rücktritt des Syndikus Abg. Dr. Po11hof, der im Anfang Januar viel Aufsehen erregt hatte. Der Rücktritt war, erfolgt, nachdem der Zentralvorstand einen Antrag des j Berbandsvoisitzenden auf AmtSentlajfimg des Syndi-! kn? nur mit Stimmengleichheit abgelehnt hatte. Man j mißbilligte die Art, wie die Lösung des Anftellungs- v-rhältnisses Dr. Potthoffs von dem Verbandsvorsitzenden versucht worden ist, gab aber zu, daß das allzu hastige Vvrwärtsdrängen Potthoffs rin en sorgfältigen Aufbau des Reuen erschwert, Unsicherheit und Schwankung in die Verwaltung gebracht habe, die im Interesse einer gesunden Weiterentwicklung vermiedcu weiden mußte.
* Ein internationaler Preffekvngrefi tagte in] Triest. Der Präsident des Kongresses" führte aus, die Aufgabe der Tagung sei, die Preffe in Bezug auf ßljre, Gerechtigkeit, guten Glauben und internationale Freundschaft solidarisch zu wachen. Die Verteidigung der eigenen Ideen dürfe nicht den Haß gegeneinander und ungerechte« Egoismus zur F^ge haben-
** Der antiultramontane Reichsverband i wird am 22. Mai in Eisenach roieberunt den Versuch machen, zu einiger Bedeutung zu gelangen. Er hält dann seine 4. Generalversammlung ab. Barber chird unser alter Freund Graf]
a Der deutsche Richtertag in Berlin war sich einig
über die Mängri d« heutigen Ausbildung der Juristen.. ~ 3 „, , >. t
Man sprach sich dchür aus, daß grundsätzlich, wie bis- IStadtverordnete. Rock längerer Tratte wird her, mtt dem Univerfitätsfindium begmmm iretbe, und beschlossen, statt der oorgefMagenen 5 Exemtstare für faß diesem der praktische Vorbereitungsdienst folgen jeden Stabtöemrbaeten ein Exemplar ber Zeitschrift olle. Aber das UniversttLtsstudium, daß von Z auf zu bestellen.
31/2 Jahre zu verlängern sei, muffe von Anfang an in Außerhalb der Tagesordnung gibt der Vorsitzende höherem Maße den praktischen Zwecken des Rechts dem Wunsche des Vofftande? Ausdruck, daß zur Her- Rechnung tragen. Ein halbes Jahr des Borberci- beifübritng einer engeren persönlichen Fühlungnahme ttmgsdienstes (Referendarzett) sei der TAigkeit bei der Stadtverordneten unter einander und mit dem Ma- einer Verwaltungsbehörde — Landrat oder Stadt — gistrat nach der Sitzung mit einer gewißen Regelmäßig- zu widmen. Dann wollte man noch über die Anstel- leit ein privates zwangloses Zusammenkommen Verein- lung der Assessoren debattieren und abstimmen. bart werde. Bei einer Zigarre und einem Glase Bier Mein do halle man ein gefährliches Gebiet betreten, könnten leichter Mißverständnisse persönlicher unb sach- Boisly-Halberstadt als Berichterstatter meinte, der liche Natur beseitigt und manche Anregungen gegeben Staat müsse das Recht haben, sich seine Mchtcr nach werden. Die Herren K a p p, D u x und Beigeordneter ihrer Befähigung auszusuchen. Er übersah aber ganz Halbleib halten die Anregung fiir recht erwünscht, die Schwierigkett, für ein solches Recht eine Fommlie-1 die übrigen?, wie festgestellt wurde, bereits stüher, als rung zu finden, die einen Mißbrauch, eine Auswahl
Kongreße.
X Di« Tagung des katholischen LehrerverbanbrS.
Im weiteren Verlauf der Generalversammlung in Bochum fand Dienstag nachmittag nach einen, Festmahl im Stadttheater, dem auch Bischof Dr. Schulte beiwohnte, die zweite Vertreter- > e r s a m m lung des deutschen Verbandes statt, n der bei Beginn der Verhandlungen die badischen Vertreter folgende Erklärung abgaben:
„Wr halten den Kampf der an konfessionellen Schulen wirkenden katholischen Lehrer gegen Emsnh- rung der Simultcmschule für berechtigt; denn er ist rtn Kamps um Beibehaltung eines bestehenden bessern Zustandes. In Baden jedoch, wo die Sinmttaaschule gesetzlich festgelegt ist und ebenfalls gegenüber der drohenden konfessionslosen Schule einen bestehenden bessern Zustand bildet, lehnen wir es ab, die Simultanschule praklisch zu bekämpfen. Diele Stellungnahiae gebietet uns die Klugheit unb die tolerante Rücksichtnahme unserer Regierung und unserer Schulbebörde auf die berechtigten Wünsche be8 katholischen Balles."
Aus den weiteren Arbeiten der Versammlung ist die Besprechung über die Gründung von Lehrer- Heime« zu erwähne«, die aber nicht zu einem endgültigen Ergebnis führte. Die Sammlmtgen für den genannten Zweck sollen allerdings fort- gesetzt werden. Für die Unterstützung von Lehrern m Krankheitsfällen wurden 2000 Mark bewilligt.
Bekämpfung ber < ___________________rj
Segen dte Unsittlichkeit. — In einer nach Schluß er letzten Vertretersttzung abgchaltenen geschloffene« /Sitzung, in welcher die Neuwahl des V«sitze«den
den sittlichen Idealen des Evangeliums. Dann könnte die christliche Volksschule neue Freunde und Verteidiger gewinnen, unb zwar auch in jener Ausgestaltung, die allein eine wirksame Heranbildung der Schule zu christlichen Charakter« verbürgt: als konfessionelle Schule.
In dem Punkte der sexualen Ethik gab Prof. Harnack zunächst seinen liberalen Standpunkt dahin Ausdruck, daß er der modernen Bewegung auf diesem Gebiete das Vorhandensein von „wirklich drückenden Zuständen" einräumt. Dann aber erklärt er klar und kräftig:
„Wenn man schließlich das Fazit zieht (au? der ganzen großen Bewegung), so hat sich etwas höchst einfaches ergeben, nämlich: daß niemand einen Mittelweg zwischen Ehe und freier Siebe hat mrfweiseu können, daß man also lediglich vor der Frage steht, ob man di« eine will oder die andere. Weil dem eben so ist und kein Rat, fei er auch noch so warmherzig, daran etwas zu ändern vermag, bleibt nichts anderes übrig, als in den Nöten an die Kräfte zu appelleren, die hier allein helfen können und neben denen es keine anderen gibt, nämlich an den sittlichen Geist tnt Sinne des Evangeliums und an die Erziehung zur sittlichen Selbstgesetzgebung. Wer da behauptet, — von unter- geordneten Punkten abgeschen —, daß es hier noch andere Mittel gebe, der verführt bas Boll und stellt zugleich ben Srnadpfeiler unserer Gesittung in Frage/"
Wir würden statt des Ausdruckes „sittlicher Selbfigesetzgebunp" lieber das einfache Wort „drift« liche Pflichttreue" gebraucht sehen. Aber auf jeden Fall ist es von großer Bedeutung, daß audj ein Professor, der bei den „Modernen" als wissenschaft- licheu Autorität ersten Ranges gilt (wenigstens dis- Herl) der sog. neuen Ethik" die Lestensuufähigkest bescheinigt und das einzige Heil i« der christlicheu j Sittlichkeit findet.
Im wetteren Verlauf des Kongresses machte ein Pastor Liebster aus Leipzig den bcbenkttchenVersuch, die sozialistische Weltanschauung tmb die christliche Religion in Harmonie zu bringen «»ter gewissen Voraussetzungen, wozu auch das Verschwinden des Materialismus unb der sozialistischen Weltanschauung gehört. Die Erfüllung dieser Vorbedingung werben wir wohl nicht erleben. Weuu die Berichte über die Diskussion der beben ttichen Thesen vorliegen, werden wir auf die Angelegen hell zurückkommen, und es wird sich dann zeigen, ob der Kongreß rät weiteren Verlaus seinem guten Anfang treu geblieben ist.
* Die deutschen Neuphilologe« begannen am Dienstag in Zürich ihre 14. Tagung. Ber- chiedene europäische Regierungen und Negierungen deutscher Bundesstaaten sind durch Abordnungen vertrete». Der Berliner Professor Mors, der über lmquistisches Denken sprechen böte, ist durch Krankheit am Erscheinen verhindert.
Als das bedeutsamste Ereignis der Bochumer Tagung darf die ebenfalls in dieser Vertreterversammlung belmmtgegebene Gründung eines WeltverbandeS katholischer Lehrer bezeichnet werden. Bisher haben Oeflerreich, Luxemburg, Holland, Frankreich, England, Schottland und die Schweiz ihren Beitritt zu diesem Weltbünde erklärt; mit Spanien und Ungarn sind aussichtsvolle Verhandlungen angeknüpft । worden und der deuts che Verb and erklärte ohne Debatte ebenfalls einstimmig seinen Anschluß au Iben Weltverband. Die Leitung des letztem soll in Deutschland sein, aber möglichst losgelöst vom ge« schästssührenden Ausschuß des deutschen Verbands. Als Präsident des Weltverbandes ist Rektor Brü cf» Bochum in Aussicht genommen. Zweck des Weltverbandes wird es fein, die vielseitigen Erfahrungen, welche die kath. Lehrer-, Lehrerinnen- und Erzichmrgs- vereine in ben verschiebenen Ländern bei ihren Bestrebungen zur Erhaltung und Förderung ber christlichen Erziehung ber Jugenb sammeln, allen dienstbar zu machen. — Den Tag beschloß eine Festversammlung, verbunden mit Feier des 25jäh- rigen Stiftungsfestes des Ortsvereins Bochum.
3n der gestrigen letzten Dertreterversammlung wurde nn Antrag angenommen, worin der Verband ersucht wird, bk Bestrebungen und Änderungen der Gegner im Auge zu behalten und eine lieber» sicht über dieselben in einer Iahresrundschau zu publizieren. Dem Zweigverein Schlesien wirb bie Obmannschast für Rechtsschutz ber Verbanbsmit- glieber übertragen, lieber bie Schaffung eines päda- gogischen Fachvrgans großen Stils gehen bk ‘Slei. nungen auseinander. Eine Einigung erfolgt nicht unb schließlich werden die Vereine Fulda unb Wies» haben mit ber Ausarbeitung eines Gutachtens über Zweckmäßigkeit unb Rentabilität des Organs beaus» tragt. Weiter wird ein Antrag angenommen betreffend HerauLgade einer Halbmonatskorrespondenz, die den Fach- und Tageszeitungen zum Abdruck übersandt wird. E>n Antrag, worin die 'Anstellung von Volksschul» lehrern als Kreisschulinspektoreu imHaupt- amt gefordert wird, wird der preußffchen Abteilung des Verbandes als Material überwiese«. Der im Westsälffchen Provinzialverein bereits besprochene Antrag betr. Aufhebung des Staatseinjährig err Privilegs für VolkSschnllehrer wird auf später vertagt. Der geschäftssührende Ausschuß wirb beauftragt, sich zwecks Uedernahme des nächsten Tagungsortes mit Erfurt, Braunschweig und Mainz in Verbind,mg zu setzen. — In einer Nebenversammlung beschäftigte man sich recht eingchend mit den brennenden Fragen des Iuaendfckutzes. der
wurde einstimmig als 1. Vorsitzende wiedergewählt. Als nächsten Tagungsort wurde Danzig in Aussicht genommen — Ein Mitglied des Vorstandes des Vereins fach, deutscher Lehrerinnen wohnte der bei Gelegenheit der Tagung des kath. Lehrerverdanocs in Bochum stallsivdevdcu Gründungssitzung eines Welt verbandeS fach. Lehrer-, Lehrerinneu- unb Erziehungsvereinen sowie Erziehungsanstalten (kath. pädagogischer Weltverband) bei.
J* T« Ev«qriisch-fi>ziak Kvugrch hat nach den bisherigen Berichten in der gegenwärtigen Tagung in Chemnitz recht entschieden für ben christlichen Geist rmb zugleich für ben konfessionellen Frieden Zeugnis abgelegt.
Ai, dem Begrüßungsabeud sprach der greise Exzellenz Adolf Wagner über die Geschichte des Kongreffes und der sozialen Reformbewcgniig; dabei gedachte er besonders der hohen Verdienfle des Zentrums und ber sozialen Gesetzgebung. Der evangelisch-soziale Kongreß, so folgert er, muffe nicht die Koaseffionen trennen, sondern bie gern ein ja m e christliche Grundlage hervorheben. Wenn man christliche Ethik in das Wirtschaftsleben trage, 0 sei christlich-sozial kein Nnsmn.
In der EröffniingSsitzmig hielt Professor Adolf Harnack eine programmatische Rede, die in sehr interessanter Weise über den engeren Rahmen der soziale« Gesetzgebimg hinaus zwei große Fragen der modernen Kulturbeweguug berührte: Dk Er» ziehungsfrage und die Gchrunq auf dem Ge» biete des Geschlechtslebens unb bet Ehe. Professor A. Harnack steht bekanntlich auf dem linken Flügel ber protestantischen Theologie. Um jo mehr ®rä» druck macht sein Bekenntnis zum sittlichen «eist des Evangeliums, den er im Gegensatz ja bat Neueren als Grunblage festhalten und verwetten null fowohl in der Erziehung bet Jugend als in der Ordnung der geschlechtlichen Bezrehungen.
Als E^änzung ber sozialrcformischen Einrichtungen, die Staat und Gesellschaft zwangsweise treffen, fordert Prof. Harnack die Pflege der freien Tatkraft des Einzelnen. Diese kann sowohl durch den Kollestiv-DespotisniuS der Sozialderno- tratie, als durch energieloses Renttiertum unter« bunben werden. Demgegenüber komme in erster Link alles auf bie Erziehung der Jugend an; gut Zett gebe es Heine größere Aufgabe, als die Jugend- pflege auf dem Grunde deS Erbes der Väter, oder in dem freien Geiste, der allein der Gegenwart entspreche, und mit dem Hauptzweck, der Jugend innere Freiheit, Selbstverantwortlichkeit und Tatkraft als die höchsten Güter vorzustellen. — Hebet den .freien Geist", von dem er sprach, wollen wir mit Professor Hornack nicht weitet rechten, sondern uns an ber bestimmten Erklärung genügen lasse«, daß erbat sittlichen Geist im Sinne des Evangeliums durchaus als Fundament bet Erziehung fordert, und die Gemeiusarnkeit mit bet sozialdemokratischen Jugendpflege gerade deshalb unbedingt ablehuch neu die Sozialdemokratie von der christlichen Grundlage bei rhren Erziehungspläneu nichts nnfsen wolle.
Wir möchten wünschen, daß die zahlreichen liberalen Verehret des Prof. Harnack ihm nicht bloß m feinet dogmatischen Kritik Folge leisteten, räubern auch in fernem positiven Bekenntnis zu
zm Beratung stand, wählte die Versammlung nad > dreistündigen Verhandlungen Rektor Ka mp (Bochum) zum ersten Vorsitzenden. — Auf daS Begrüßungstelegramm an den Kaiser traf folgende Antwort ein: „©e Majestät der Kaiser und König lassen für bk Begrüßung bestens danken. Der Geh. Kabiuetts- chef: Valenüni."
0. Der Verein kathol. Lehrerimren Deuffchlands.
Die Tagung in Koblenz beschäftigte sich am Mittwoch auf der Delegiertenversammlung mit Maßnahmen zugunsten der Erhaltung der Sittlichkeit der Jugend, verlangte eine Erprobung ber Arbeitsschule, forderte ferner im Anschluß an em Referat vo« Fräulein Laudmann-Danzig Ordinariate für Lehrerinnen an höheren Mädchenschule», auch in den höheren Klaffen, betonte die Notwendigkeit der Ehelostgkett der Lehrerin und protestierte gega, bk Versuche zugunsten der Koedukation. — Die 11 Uhr- Sitzung, in der auch Bffchof Komm anwesend war, begann mit dem Vortrag des Prof. Faulhaber- Straßburg über .Die Lehrmissio« der Frau in vergangenen Jahrhunderten".
Einen glanzvollen Abschluß des Silberjubiläums bildete der großzügige Festabend, den der Hochw. Herr Bischof Komm und die Spitzen der geistlichen - unb weltlichen Obrigkeit durch ihr Erscheinen beehrten. Als Festredner sprach Pros. Dr. Maus- bach-Muuster über das Thema: »Darf unsere Frauenbildung unter die Herrschaft von Zeitgeist unb Mode kommen?" Der Herrschaft des Zeitgeistes, legte er dar, darf das Werk der Jugendbilbung nicht unterstellt werden. Sobald der Zeitgeist herrschen soll, werben die Ettern prinzipiell rückständig, weil baS Kind ihnen immer eine Generation voraus ist. Wo die innere Festigung des Geistes durch eine zeitüberlegene Wahrheit fehlt, vertreten die meisten Frauen nicht das innere Wesen des Zeitgeistes. Sie erliegen seiner änßerlichsten Erscheinung, ber Mode. Der Zeitgeist ist wenigstens Geist, er steckt voll von Gedanken und Fragen, Plänen und Wünschen, dir sich mit Notwendigkeit entfalten unb aus den Menschen wirken; in der Mode setzt sich die reine Willkür auf den Thron und fordert, daß man gedanken- unb willenlos ihren Launen gehorche. Wie dte Er- ziehrrng den Einfluß der Mode zu drkämpfrn hat, so soll sie die Macht ber echten Sitte stärken. Diese Sitte ist das Gegenteil der Mode, rote der Glaubensernst das Gegenteil des Zettgeifies ist. Dennoch dürfen nrir der Zeit nicht scheu und ungerecht gegenüberstehen. Wir muffen in etwa mit ihren Ideen, ihrer Sprache und ihren Machtmitteln vertraut sein. Schon wen« wir ste Bekämpfen wollen; noch mehr, wenn wir Hellen. Rach einer kurzen herzlichm Ansprache erteüle der Bischof Korum den Segen.
Fräulein Herber, die Begründerin des Vereins,
Deutsches Reich.
*. Berlin, 18. Mai 1910. Rechisanwal Dr. Schücking - Dortmund, der frühere Bürgermeister von Husum, teilt dem ,B. T/ mit, daß er au? der demokratischen Vereinigung ausgetreten ist.
(*) Die Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Staatsersenbahnen baden im April ds. Js. im ffter- sonenverkehr 2,6 Mill. Mark — 5,35 v. H. weniger, ,m Güterverkehr 10,9 Mill. Mark ---- 10,77 v. H. mehr als im gleichen Monat des Vorjahres betragen. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß daS Osterfest des Jahres 1910 in den März fiel, der April d. I. daher zwei Festtage weniger und Werktage mehr hatte, als der gleiche Monat des Vorjahres.
* Professor Dr. v. Nuville soll, so berichtete kürzlich die ,Schles. Ztg'. aus der katholischen Kirche ausgetreten fein. Die ,Germcmictt ist zu der Erklärung ermächtigt, daß an dieser Nachricht kein wahres Wort ist.
* Die Zeppelin-Interpellation, die nach dem „Leipz. Tagebl." nach Wiederzusammenlritt des Reichstags bevorstehen soll, wird nach dem genannten Blatte nicht mit den amtlichen (foflärungcn über die Zeppelin-Kalastrophe bei Weilburg erledigt sein, sondern zu einer Aufforderung an die Reichsregierung sühren, den Grasen Zeppelin zm Abgabe eines Gutachtens über die technischen Ursachen der Katastrophe zu veranlaffen.
* Breslau, 18. Mai 1910. Der Laudtagsabg. Amtsgerichtsrat Grie hl-Allen stein (Ztr.) ist gestorben. Er vertrat seit 1908 den Wahlkreis Allen- stein-Rössel.
Mdaer W Zeitung
3. Parzelle "in Zulda. wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagrzeitung